Framing - Wie die Linken ihr Erbe verraten

Linkes Denken war einmal kritisches Denken. Heute meint es oft die Verherrlichung des Bestehenden. Nicht nur der Umgang mit den Kritikern des ARD-„Framing“-Handbuches zeigt diese fatale Entwicklung

Der «Supermond» geht am 14.11.2016 über dem Gebäude des Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb) in Berlin auf.
Bei Licht betrachtet, ist die linke Kritik an der rechten Kritik am „Framing-Handbuch“ der ARD konservativ / picture alliance

Autoreninfo

Alexander Kissler ist Ressortleiter Salon beim Magazin Cicero. Er verfasste zahlreiche Sachbücher, u.a. „Dummgeglotzt. Wie das Fernsehen uns verblödet“, „Keine Toleranz den Intoleranten. Warum der Westen seine Werte verteidigen muss“ und „Widerworte. Warum mit Phrasen Schluss sein muss“.

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Alexander Kissler

Die SPD, heißt es, wolle sich stärker links positionieren. Die Linkspartei tut es unentwegt, Bündnis 90/Die Grünen nicht minder. Im Falle der Grünen bedeutet das linke Projekt eine Mischung aus Verboten und Vulgärromantik, bei der Linkspartei ein Kuscheln mit Autokraten, die SPD begnügt sich mit Steuererhöhungen, Wahlgeschenken und Migrationsförderung. Wir werden im Superwahljahr 2019 erfahren, welches linke Angebot auf die höchste Nachfrage stößt. Allen drei Varianten gemein ist eine Zutat, die bisher als keineswegs links galt: die Affirmation, die Bejahung, die Verherrlichung des Bestehenden. Linkes Denken ist derzeit ein Denken in geistigen Immobilien.

Dass man sich in den Reihen der Linkspartei stärker für den venezolanischen Diktator Maduro als für dessen geknechtetes Volk erwärmt, lieber zu China als zu den Vereinigten Staaten hält, größere Sympathien für die iranische Regierung als für die iranische Opposition empfindet, mag retrograde Schwärmerei sein, die parallel mit dem Auszehren der Wählerschaft schwinden wird. Bedenklich und streckenweise unappetitlich ist solches Vernarrtsein in den Status Quo dennoch. Wo Potentaten sich antikapitalistischer, antiamerikanischer, antiimperialistischer Rhetorik bedienen, steht die Linkspartei treu zur Macht und lässt die sonst hofierte Zivilgesellschaft buchstäblich verhungern.

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gabriele bondzio | Do, 21. Februar 2019 - 18:22

wodurch der Staat als Macht träger, fetter, unbeweglicher und die Freiheit des Einzelnen fortwährend parzelliert wird."...richtig Herr Kissler, die Politik frisst sich selbst einen Schmerbauch an. Über den der Blick nach unten nicht mehr gelingt. Die Diäten steigen, die Abgeordneten werden mehr und mehr. Sie lassen es sich gut gehen. Und der Steuerzahler darf ihren ständig größer werdenden politischen Mist bezahlen, darf ihre Diäten bezahlen, ihre Rente und damit es dabei bleibt, werden ihm nach und nach die Rechte beschnitten.
Genauso ist es mit mit Kritik am bestehenden Rundfunksystem.Hier wird der Bürger nur zur Kasse gebeten, Kritik ist nicht erwünscht.

Jürgen Keil | Do, 21. Februar 2019 - 19:03

Wenn man als denkender und sich vielseitig informierender Bürger die Tagesschau ansieht, muss man oft tief durchatmen, wenn die Erziehungs- und Propagandabotschaft gar zu plump und durchsichtig überbracht wird. Das zu kritisieren ist Bürgerpflicht. Aber das tue ich nicht auf Twitter. Wenn man dort diese oberflächlichen und halbdurchdachten Äußerungen über komplexe Probleme liest, muss man Habeck recht geben, dass er diese Medium nicht mehr nutzt.

Ernst-Günther Konrad | Fr, 22. Februar 2019 - 08:05

mit dem Fall der Mauer wurde auch die linke Ideologie der DDR entzaubert. Konnte man damals noch in alten Feindbildern denken -Ost/Westkonflikt- war plötzlich alles anders. Die eigene Idee war gescheitert und jeder konnte es sehen. Die SED war bemüht irgendwie zu überleben, jeder war sich selbst der nächste und brauchte auch gar nichts anderes zu denken. Das Volk war noch nie Mittelpunkt ihrer Ideologie. Viele SEDler sind heute in politischen Ämtern und haben für sich selbst durchaus die Annehmlichkeiten des Kapitalismus entdeckt. Gute Versorgung, hoch dotierte Posten in Stiftungen, was interessiert sie da das Volk. Opposition nur soweit, wie es andere nicht auf die Idee bringt, in deren Vergangenheit zu graben und am Ende doch den ein oder anderen zur Rechenschaft zu ziehen. Da stellt man sich gut mit den ör Medien. Bloss kein kritisches hinterfragen riskieren. Sie reihen sich deshalb nahtlos in den Block der unkritischen Parteien im Bundestag ein. SPD und Grüne machen das schon.

Maria Fischer | Fr, 22. Februar 2019 - 08:50

und verlogen, diese „Verklumpung“ aus Moralität, Verklemmtheit und Bienensumm Romantik!
Wenn, Stasi und Retro Linke, unerotische RAF Kopien, in die Jahre gekommene FKK'ler, One Night Stand Typen ( falls man sich seelisch „auskotzen“ möchte), Frauen die Nacktheit anprangern und beim Anblick Lars Eidinger in Hamlet, „lippenbefeuchtend“ ihre Knie aneinander pressen und solche, die Sao Paulo und Mexico City retten wollen und hysterische Anfälle bekommen, wenn ein DB Zug nicht anhält, .......

...sich gegenseitig Merkel und Papst Franziskus Sprüche und Filme empfehlen, dann ist das einfach super!!
PS: Unter K. Marx versteht die heutige Intellektuelle Linke, Kardinal Marx!

Urban Will | Fr, 22. Februar 2019 - 11:38

mag einmal kritisch gewesen sein, aber die Realität zeigt einen zwischen Pflichtüberzeugung und eklatantem Realitätsverlust herumirrenden „Haufen“, dem es an fundiertem historischen Wissen ebenso zu fehlen scheint wie an realer Lebenserfahrung.
So wundert es nicht, wie sie mit Kritik an sich oder ihrer Politik umgehen oder eben jetzt auch mit der Kritik am ARD – Framing – Vorstoß. In gewisser Hinsicht ist dieser eine Beleidigung des gebildeten Bürgertums.

Man braucht es wohl dringend, das Wohlwollen der Medien.
Schwäche und Arroganz sind nicht allzu ferne Verwandte.

Hans Krüger | So, 24. Februar 2019 - 12:19

An diesem Artikel habe ich erst mich abarbeiten müssen,weil ich ein Teil der Fremdwörter nicht verstanden habe. Also habe ich die für mich als nicht Akademiker die Wörter in mein IPhone getippt und mir so den Text erarbeitet und dann er hat mir gut gefallen . Danke Herr Kissler