Die letzten 24 Stunden von Till Brönner - Und dann vielleicht Schutzengel werden

Der Jazz-Trompeter Till Brönner über seine idealen letzten Lebensstunden in Rom, mit einem langen Spaziergang durch die ewige Stadt, einem Kirchenbesuch und einem letzten Konzert auf dem Anwesen der Villa Massimo

Till Brönner sitzt auf einem Sessel und blickt zu Boden
„Was auch von dir stirbt, dein Geist ist es nicht. Das hat etwas Gespenstisches und auch einen tröstlichen Aspekt“ / Dirk Bruniecki

Autoreninfo

Björn Eenboom ist Filmkritiker, Journalist und Autor und lebt im Rhein-Main-Gebiet.

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Im Jazz bin ich oft älteren Menschen begegnet. Einige von ihnen waren ihren letzten 24 Stunden schon so nahegekommen, dass sie mir davon erzählen konnten. Es rang mir Respekt ab, was in solchen Momenten alles passieren kann, sodass ich es mir nicht herausnehmen kann, leichtfertig über meinen letzten Tag zu fabulieren. Ich bin katholisch erzogen worden und war viele Jahre Messdiener, Taufen und Beerdigungen inklusive. Diese Prägung lässt einen nicht los. Ich halte es für möglich, dass sie im Angesicht des Todes so stark wie nie spürbar wird.

Mein jüngster Tag hat keinen Platz für Nebensächlichkeiten. Es ist mir wichtig, Abschied zu nehmen von meiner Familie und den Menschen, die mir am Herzen liegen. Ausräumen, was ungeklärt blieb. Kein Reichtum, keine Extravaganzen können das kompensieren. Ich möchte den Tag in Rom verbringen, dem Ort meiner Kindheit. Es ist Frühling, der Geruch der Mimosen liegt in der Luft. Ich verbinde damit eine sehr friedliche Zeit. Die Familie war jung und viel zusammen, in den siebziger Jahren. Diese Erinnerungen zu reaktivieren, wäre ein Moment des Glückes. Wir hörten viel Bach. Bach ist für mich ein Kompass. Eine Nachschlagbibel, in die ich schaue, um festzustellen, ob ich noch die richtigen Gesetze befolge oder ob es vielleicht einfacher geht, wie häufig in der Musik.

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Christa Wallau | Mi, 21. März 2018 - 10:17

Diese Aussage von Till Brönner möchte ich dick unterstreichen.
Auch ich glaube daran, daß wir als geistige Wesen
nicht sterben, sondern - in welcher Weise auch immer - weiterleben werden. Das ist für mich die
Kernaussage des christlichen Glaubens, den ich
verinnerlicht habe. Wie bei Brönner spielt auch
bei mir die Prägung in Kindheit und Jugend dabei sicher eine entscheidende Rolle.
Musik ist ein Teil dessen, was den geistigen Menschen ausmacht. Sie ist - neben der Meditation, der Versenkung in die wunderbare Welt des Schönen und Fantastischen sowie anderen Möglichkeiten - eine Brücke, auf der ein Mensch erste Schritte in die rein geistige Welt gehen kann.
Ich würde mir daher wünschen, beim Hören von Musik, die ich geliebt habe, sterben zu dürfen.

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