Sarrazin, Lafontaine und Gauweiler in München - Drei auf einen Streich

Am Montag trafen gleich drei Enfants terribles zusammen: Thilo Sarrazin, Oskar Lafontaine und Peter Gauweiler diskutierten die Thesen aus Sarrazins neuem Buch. Es ging um Einwanderung, Fluchtursachen und die globalisierte Welt. Die Zusammenfassung eines Ehemaligentreffens.

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Verstehen sich als Dissidenten: Sarrazin, Lafontaine und Gauweiler / Langen Müller Verlag

Autoreninfo

Alexander Grau ist promovierter Philosoph und arbeitet als freier Kultur- und Wissenschaftsjournalist. Er veröffentlichte u.a. „Hypermoral. Die neue Lust an der Empörung“ und „Kulturpessimismus. Ein Plädoyer". Zuletzt erschien von ihm „Politischer Kitsch. Eine deutsche Spezialität“ bei Claudius.

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Alexander Grau

Es war ein Ehemaligentreffen, gestern Abend im Münchener Bayerischen Hof. Der ehemalige bayerische Staatsminister und stellvertretende CSU-Vorsitzende Peter Gauweiler diskutierte mit dem ebenso ehemaligen Finanzminister und SPD-Vorsitzenden Oskar Lafontaine die Thesen des neuen Buches „Der Staat an seinen Grenzen“ des ehemaligen SPD-Mitglieds Thilo Sarrazin, seines Zeichens ehemaliger Berliner Finanzsenator und Bundesbankvorstand.

Die Dissidenten

Und um die Grenzen des Staates im doppelten Sinne ging es tatsächlich in der folgenden, fast zweistündigen, allerdings nie – so viel sei schon jetzt verraten – kontroversen Diskussion: Sind Grenzen gegen Einwanderung jeder Art überhaupt wünschenswert? Wo liegen die inneren Grenzen des aufnehmenden Staates? Gibt es Grenzen der Belastbarkeit? Und wie sieht es mit den Auswandererländern aus?

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Rainer Mrochen | Di, 29. September 2020 - 12:39

...die globalisierte Zukunft". Herr Grau das klingt etwas despektierlich und wird der Sache nicht gerecht. Ist doch gar nicht nötig.
Diese Haltung nenne ich liberalen Konservatismus, der der momentanen Zeitgeisthaltung, in ihren extremen Ausuferungen, einen Spiegel vorhält. Wohl daher auch die von ihnen beschriebene Unaufgeregtheit der Diskutanten.

Holger Jürges | Di, 29. September 2020 - 12:52

Zwei Worte die komprimiert eine Philosophie der Vernunft abbilden !
Wer an den Essenzen/der Vernunft des Gespräches etwas auszusetzen hat, ist intolerant gegen dieselbe(n) und einer Eselei verfallen, die etwa 88 Prozent der hiesigen Politiker umfängt: So entlarvent kann also Vernunft contra Deutungshoheit von Medein und Politik sein.

Chapeau, ihr drei weisen alten Männer aus dem Abendland !

denen kaum noch jemand zuhören dürfte. Warum auch? Neues und Interessantes ist von der Altherrengruppe nicht zu erwarten.

Lafontaine ist zwar noch Oppositionsführer im saarländischen Landtag; gleichwohl sinkt sein Stern in der Linkspartei.
Gauweiler dürfte höchstens noch für den CSU-Geschichtsverein ein Thema sein, und Sarrazin hat bekannterweise nur noch Anhänger am rechten Rand.

Politisch wirklich relevant ist keiner der Herren mehr.

Ausser einer Menge Selbstbeweihräucherung ist da nicht viel zu hören.

Schon gar nicht, was eine wirklich praktikable UND humane Migrationspolitik angeht.

Geschenkt.

Helmut Sandmann | Do, 1. Oktober 2020 - 06:38

In reply to by Gerhard Lenz

Herr Lenz, Ihre Aussagen stimmen zu 100%. Allerdings finde ich eine Diskussion dieser 3 Dinosaurier erfrischender als jede Talkshow mit den ueblich Verdaechtigen.

Christa Wallau | Di, 29. September 2020 - 13:13

die frei und offen (ohne Scheuklappen) hier redeten, hat noch etwas zu sagen in der konkreten Politik!!!
Für mich zeigt das eindeutig, daß in unserem Lande etwas grundlegend falsch läuft:
Unvoreingenommenes, konstruktives Denken, das auf praktikable Lösungen ausgerichtet ist, hat keinen Platz in der Politik, wo ausschließlich Ideologien und Systemzwänge (parteiliches, egozentrisches Denken) herrschen und sich gegenseitig bekämpfen - zum großen Schaden der Bevölkerung.
Der GEIST (Verstand/Logik), sofern er überhaupt noch vorhanden ist und eine Chance hat, sich zu äußern, ist in den deutschen Parlamenten eingezwängt in Vorurteils-Schubladen, die bei jedem Anflug von unangepaßtem Denken quietschen und sofort zugeknallt werden.

Wie soll dabei etwas Vernünftiges herauskommen?

Christoph Kuhlmann | Di, 29. September 2020 - 13:18

Angesichts des Zustandes Europas die Verantwortung für die Welt übernehmen zu wollen ist ja wohl unrealistisch. Das kann nur scheitern. Die UNO ist nicht in der Lage Menschenrechte vor Ort durchzusetzen und extrem unglaubwürdig was die Einheit von Reden und Handeln betrifft. Die Analyse der Ex-Sozialdemokraten stimmt. Insofern ist die Position der EU extrem unglaubwürdig, die einerseits die weitere Aufnahme von Flüchtlingen aus fernen Ländern fordert und andererseits einen europäischen Sozialstaat will bei gleichzeitiger Umstellung der Wirtschaft auf eine ausgeglichene Klimabilanz. Es wäre schön, wenn man sich auf die lösbaren Probleme konzentrieren würde und sich nicht ständig in Utopien versteigt, die das Erreichte gefährden.

Walter Bühler | Di, 29. September 2020 - 13:22

Ach wie schön,
es war also doch richtig, dass ich als kleiner Parteigenosse 1990 Wahlkampf für den klugen Lafontaine und seine SPD gemacht habe, und dass ich lange Jahre in einer SPD mit dem klugen Sarrazin aktiv war, obwohl Sarrazin damals jedem - auch uns Lehrern - unerbittlich die Leviten gelesen hat.

Schade, schade
für mich, schade für die SPD, schade für Deutschland, dass sich die Genossen so nahtlos an den medialen Mainstream angepasst haben, dass die Grünen, die CDU und die AfD heute die SPD-Wählerschaft mit Behagen einsacken können.

Ach, waren das Zeiten,
wo in der Politik das eigenständige Denken und das rationale Argument noch etwas gegolten hat, als man auch in den Parteien noch quer denken durfte und noch nicht queer quatschen musste.

Ach, damals -
es waren schönere, pluralistischere und aufregendere Zeiten als heute im graugrünen Merkelland.

Ach ja.

Die Listenplätze gehören ersatzlos abgeschafft, statt dessen
könnte jeder der gewählten Abgeordneten einen Stellvertreter bestimmen.
Der müsste dann im Parlament sitzen, wenn der gewählte z.B. Im Wahlkreis
unterwegs ist.
Man bräuchte den Plenarsaal nicht ausweiten und ich müsste, wie z.B.
gestern vor einem fast leeren Parlament die „Debatte“ anschauen.
Ansonsten hätte ich genau diese 3 Herren im Parlament sitzen und nicht die
weichgespülten Damen und Herren....
Ansonsten, wie recht Sie haben

Klaus Funke | Di, 29. September 2020 - 13:51

Schade, lieber Herr Grau, damit haben Sie sich leider disqualifiziert. Gut, die Drei gehören nicht zur FFF-Bewegung, aber die hat ja intellektuell und inhaltlich ohnehin nichts zu bieten außer dem aufgewärmten Kaffee eines Generationskonfliktes. Doch damit sind schon die 68íger baden gegangen. Es sind drei ältere Herren, die genügend Lebenserfahrung und politische Erfahrung in die Waagschale werfen können. Warum müssen die abgewertet oder lächerlich gemacht werden? Ausgerechnet von Ihnen, Herr Grau. Damit dienen Sie sich dem Mainstream an. Schade! Ich für meinen Teil respektiere die Ansichten der drei Herren, wenn ich auch nicht jede Ansicht teile. Ich wünschte, wir hätten unter den gegenwärtig agierenden Politdarstellern mehr solche Schwergewichte wie Lafontaine, Sarrazin und Gauweiler - leider aber haben wir nur Maas und Merkel, Altmeier und Scholz, vom Rest merk ich mir nicht mal die Namen... aber wir haben Christian Droste und den RKI-Chef. Damit ist alles gesagt.

Markus Michaelis | Di, 29. September 2020 - 14:59

Die 3 haben in vielem sicher Recht, aber es werden auch Punkte nicht angesprochen.

Geht es um eine globalisierte Zukunft? Irgendwie ja, aber bis jetzt nicht in dem Sinn, dass es eine globale Moral, globale Werte und universelle Normen gäbe. Es gibt auch nicht den beschworenen Multilateralismus (damit mein man ja nicht, dass alle miteinander reden, sondern dass alle Interessen mit einfließen).

Im Moment geht es doch darum, dass es mehr Austausch und weniger Grenzen gibt als früher, aber gerade keine gemeinsame Moral, Weltsicht, Normen. Das ist auch nicht Mittelalter gegen Moderne. Es ist einfach ein Aufeinandertreffen unverträglicher Einstellungen.

Dazu sagen Grüne&Co gar nichts, weil es in ihren Augen nicht existiert (da gibt es nur eine universelle Wahrheit, die durch Rechte, Rassisten und ÖkoEgoisten gestört wird - ein einfaches Weltbild). Dazu sagen aber auch die 3 nichts, wenn sie es auf die Frage des Sozialstaats reduzieren.

Bernd Muhlack | Di, 29. September 2020 - 16:24

Nein, soweit ist es noch nicht, das wäre auch kein Makel, im Gegenteil!
Denn dann könnten diese drei Herren "We have the right to fight for inclusion!" singen, frei zitiert nach den Beastie Boys.

Nun ja, ich denke dieses Treffen ist wie ein öffentliches-rechtliches "Wir-sind-die-Guten-"-Talkgespräch, nur dass dieses Mal die selbst ernannten Guten nicht dabei waren.
Wir müssen leider draußen bleiben - gemein!

Folglich können diese Parias ja nur garstig Zeug von sich geben, diese ewig Gestrigen, Unbelehrbaren, Uneinsichtigen.

In der Schweiz wurde am SO über die Freizügigkeit für EU-Bürger abgestimmt. Eine Mehrheit stimmte für den Beibehalt der Regelung.
Prompt titelten die üblichen Verdächtigen: "Schweizer für Ausländerzuzug!"
Falsch ist das nicht, jedoch sehr missverständlich - absichtlich!

Auch dieses Thema wird nebensächlich.

Die Politik ist "coronosiert", nur das zählt noch.
"Bis Weihnachten täglich 19.200 Infektionen", so die Kanzlerin.
Rente, Asyl, innere Sicherheit?
Corona!

gabriele bondzio | Di, 29. September 2020 - 18:16

Wenn ich ihn auf dem Bild sehe, Haltung /Gesichtsausdruck, er ist älter geworden und daraus abgeklärter. Gauweiler wurde ja öfters in der Vergangenheit, als tiefschwarzenr Ziehsohn von Franz Josef Strauß eingeordnet. Daraus folgte der Ruf, zu weit rechts zu stehen. Ich schätze seinen Kampf gegen das Anleihenkaufprogramm PSPP der EBZ. Was die Drei eint, sie sind nicht mehr in der aktiven Politik. Habe schon oft gemerkt, dass man dann die Dinge lockerer sieht. Das Heu ist eingefahren!
Das der Krieg in Syrien (von den Westmächten befeuert wurde) und anderswo schuld sein könnte an der Migration, wird ausgeblendet. Die Frage des Abzugs deutscher Truppen aus Krisenregionen (was haben sie gebracht?)...wurde nur von Gauweiler angesprochen. Warum nicht von den Genossen?
Gauweiler...“er sei direkt beeindruckt von der "sittlichen Verantwortung" der Klimaschutz- und Flüchtlings-Aktivistin C. Rackete.“ Unter sittliche Verantwortung habe ich andere Vorstellungen. Als medienwirksame Vermarktung.

Wolfgang Jäger | Di, 29. September 2020 - 21:17

Dass die junge Generation despektierlich auf die "Alten" herabschaut, ist ein Phänomen, das wir meines Wissens in dieser Form noch nie erlebt haben. Hochnäsigkeit, ideologische Blindheit, Hypermoralismus und ein sozialistisch-grün- totalitär angehauchter Neokommunismus, dazu eine Mischung aus Unbildung, Ignoranz und Arroganz... das sind die sogenannten Globalisierer von heute. Ich fürchte, es wird übel enden.

Helmut Bachmann | Mi, 30. September 2020 - 10:13

Find ich gut. Was sonst? Imaginierte EineWelt? Herr Grau hat dies selbstverständlich scherzhaft gemeint.