Sigmar Gabriel - Wir gegen uns

Um Martin Schulz zu diffamieren, instrumentalisiert Sigmar Gabriel sogar das eigene Kind. Doch nicht nur in der SPD, auch in der CDU ist die Selbstzerfleischung nach der Einigung über den Koalitionsvertrag in vollem Gange. Warum das in der Natur der Sache liegt

artin Schulz (r) spricht mit Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) in Berlin an der Bar der Bundespressekonferenz
Ein Bild aus früheren Zeiten: Gemeinsam an der Bar wird man Sigmar Gabriel und Martin Schulz erst einmal nicht treffen / picture alliance

Autoreninfo

Christoph Schwennicke ist Chefredakteur des Magazins Cicero.

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Zu den perfideren Mitteln in der Politik gehört der Einsatz der eigenen Kinder. Verantwortungsbewusste Politiker halten sie aus guten Gründen heraus. Skrupellose setzen sie gezielt ein. So wie jetzt Sigmar Gabriel bei seinem Anfall ungehemmten Selbstmitleids. Er poltert wegen Wortbruch und verluderter Sitten, aber sein wirklich unter jede Gürtellinie treffende Zitat geht in der Berichterstattung unter. „Du musst nicht traurig sein, Papa“, habe ihn seine Tochter getröstet, erzählte Gabriel den Zeitungen der Funke-Gruppe, nachdem klar war, dass er seinen Posten an Martin Schulz wird abgeben müssen. Und weiter habe seine Tochter gesagt: „Jetzt hast Du doch mehr Zeit mit uns. Das ist doch besser als mit dem Mann mit den Haaren im Gesicht.“

Das ist eine Instrumentalisierung des eigenen Kindes, um den Parteifeind zu diffamieren. Man kann von einer speziellen Art des Kindesmissbrauchs sprechen. Es ist nicht das erste Mal bei Sigmar Gabriel, der anderen vorwirft, vor nichts zurückzuschrecken und dem zugleich selbst jedes Mittel recht ist. 

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Beate Kunze | Fr, 9. Februar 2018 - 13:11

Ich kann leider nicht erkennen, wie ein Koalitionsvertrag, der nie gesehene Summen in die Kassen eines völlig überfetteten Staates pumpt, zu Ende faulen und frischen Humus generieren kann. Was ich allerdings sehe ist, dass das den Bürgern irgendwann zu weit geht und ihnen die sprichwörtliche Hutschnur platzt. Damit wäre das weitere Bestehen unserer Demokratie gefährdet, wie wir aus der Geschichte wissen. Daher wäre ein baldiges Umsteuern der großen Parteien hin zu sachdienlichen Entscheidungen, die im Interesse Deutschlands sind, dringend angeraten.

Dorothee Sehrt-Irrek | Fr, 9. Februar 2018 - 13:22

die Intelligenz des Gabriel Nachwuchses und dafür, dass Gabriel wirklich Teil seiner Familie ist.
Viele mögen mich hier im Forum als zu persönlich in meinen Äusserungen empfinden, das ist mein Leben, das mich mit ausmacht, nicht nur mein Denken.
Ja, Sigmar, Du hast jetzt mehr Zeit für die Familie und vielleicht Deine Frau mehr Zeit für ihre Karriere.
Ich konnte noch viel machen, als meine Tochter klein war, die hing mit aller Liebe an ihrem Vater. ich war wohl so etwas wie eine Selbstverständlichkeit.
Auch sogesehen, kann es Andrea evtl. gut schaffen.
Was sagte Genosse Oppermann, damit muss man rechnen, weil Politik reagieren muss?
Das hast Du doch selbst getan, als ich noch hoffte, dass Du Kanzlerkandidat wirst.
Die Liebe Deiner Kinder ist ein größeres Geschenk als Du Dir je ausmalen kannst.
Ich halte durchaus still, wenn ich dieses auch unsägliche Lied von Heintje höre "Mama"

Bernd Fischer | Fr, 9. Februar 2018 - 13:28

Ich kann mich noch an das Jahr 2015 erinnern, wo die schreibende Zunft das gleiche Spiel gespielt hat in Zusammenarbeit mit der Politik
( was die Kinder ( Bilder ) betrifft ) , was Sie werter Hr. Schwennicke jetzt den Gabriel vorwerfen.

Was nun?

Joachim Wittenbecher | Fr, 9. Februar 2018 - 13:28

Gabriel hat als SPD-Vorsitzender 2x den Zugriff auf die Position des Kanzlerkandidaten zurückgewiesen und erst Steinbrück und dann Schulz für seine Politik verlieren lassen. Beides war nicht sehr nobel; darüber hinaus ist er keinesfalls der herausragende Außenminister, als der er dargestellt wird: die Szene als Gastgeber für den türk. Außenminister ist an Peinlichkeit nicht zu überbieten - schließlich hält die Türkei immer noch dt. Gefangene offensichtlich zu Unrecht fest. Martin Schulz hat mehrfach sein Wort gebrochen, die Details kennt die ganze deutsche Öffentlichkeit. Beide Politiker sollten sich zurückziehen, sonst kommt die SPD nicht zur Ruhe. Über die CDU und ihre Vorsitzende muss man nicht mehr viele Worte verlieren - es ist alles gesagt. Es bleibt das Fazit, dass es die von beiden Parteien getragene, völlig außer Kontrolle geratene Flüchtlingspolitik war, die die jetzige Parteienkrise verursacht hat. Verstöße gegen das GG (z.B. Art. 16a) beginnen, die Demokratie zu gefährden.

Es sind ja nicht nur der Gabriel oder Schulz für die jetzige klägliche Misere die nun jetzt im Jahr 2018 ( viel zu spät ) "offen" aufgebrochen ist , verantwortlich.

Der Prozess des innerlichen Zerfalls ( Intrigen...Opportunismus) der SPD begann spätestens und beschleunigt seit der deutschen Einheit.

Der schleichende politische Tod für Sozialdemokraten oder Sozialisten in Europa, scheint jetzt auch in Deutschland anzukommen.

Ich persönlich, zum Beispiel, möchte mal wissen welche Rolle der BP Steinmeier ( angebliche ruhende SPD-Mitgliedschaft ) gespielt hat , als der Schulz zum Gespräch beim BP gebeten wurde.
Hat er den Schulz in die Verhandlungen gedrängt, und wer wusste was im SPD-Vorstand das der Schulz beeinflusst werden sollte ?...obwohl der Schulz vielleicht nicht wollte.

Warum hat der innere Zirkel ( also Parteifreunde ) der SPD den Schulz nicht davon abgehalten in seinen politischen Tod zu rennen?

Fragen über Fragen.

Heinrich Niklaus | Fr, 9. Februar 2018 - 13:42

Wodurch wird die GroKo nach der Selbstaufgabe der CDU noch gefährdet? Durch Schulz, der von der SPD-Basis als nicht zukunftsfähig angesehen wird. Deshalb zerlegt die links-grüne Presse den „Koalitions-Gefährder“ Schulz nun nach Strich und Faden.

Zick-Zack-Sigi hat Parteivorsitz und Ministeramt hingeworfen, Schulz überredet den Schleudersitz zu übernehmen und das vorhersehbare Wahldebakel zu verantworten. Und er hat sich dann auch noch den Beliebtheits-de-Luxe-Ministerposten, das Außenamt, unter den Nagel gerissen.

Und nun erwartet der „beliebteste aller beliebtesten Minister“, dass er die so „ergaunerten“ Pfründe auch in der mutmaßlich neuen Regierung Merkel behält. Dazu reitet er jetzt eine von den Medien unterstützte Mitleidsnummer, die kaum zu ertragen ist.

wolfgang spremberg | Fr, 9. Februar 2018 - 14:20

intrigieren, lügen, betrügen.....alles nicht so schlimm. Schlimm ist, das es immer mehr Menschen gibt die eine sehr schlechte Meinung von unseren selbsternannten Eliten haben. Dabei wollen sie doch nur unser Bestes. Ach Herr Schwennicke ? Haben Sie in Ihrem privaten Umfeld auch solche Freunde ? Ich nicht.

Thorsten Sippel | Fr, 9. Februar 2018 - 14:24

Herr Schulz wird nicht Außenminister.

Maria Fischer | Fr, 9. Februar 2018 - 14:36

Grandios erkannt Herr Schwennicke.
Dieser Artikel verdient höchste Achtung.
Er beruht auf sensible Wahrnehmung, Bildung, Klarheit im Denken, Mut und Entschlossenheit.

Mein Cicero

Ralf Altmeister | Fr, 9. Februar 2018 - 14:48

Das Tempo der Ereignisse wird immer schneller(Verzicht von Schulz auf das Außenministerium), so schnell kann man gar nicht kommentieren. Gleichzeitig beschleunigt sich damit die Talfahrt der SPD und in ihrem Sog zwangsläufig der CDU.
Es wird immer deutlicher, wie weit sich in beiden Parteien die Spitze von der Basis entfernt hat. Es riecht nach einer kleinen Revolution.

Eckart Lockau | Fr, 9. Februar 2018 - 15:13

Ach Cicero,
eine völlig überflüssige Empörung, wie in der Alpenprawda. Wir bekommen immer mehr Politiker, die sich überhaupt nichts sagen trauen. Schulz ist anscheinend anschließend wieder einmal von einem angestrebten Posten zurück getreten. Na also.

Ubbo Gramberg | Fr, 9. Februar 2018 - 15:15

Im Gegensatz zu den (betroffenen) Politikern sollten wir uns zurücklehnen und ruhig schauen, zu was unsere Stimmen bei der Bundestagswahl geführt haben. Natürlich bleibt es jedem überlassen, sich fürchterlich aufzuregen. Aber wir haben jetzt vielleicht auch die Chance, zu sehen, was in einer Demokratie alles möglich ist. Dann könnten wir dazulernen.

Christa Wallau | Fr, 9. Februar 2018 - 15:43

Der "gärige Haufen", als den A. Gauland die AfD
bezeichnete, ist - wie man jetzt sieht - gar nichts gegen die Fäulnisprozesse, die sich in den beiden ehemals großen Volksparteien vollziehen.

Wer je geglaubt hat, dort - in diesen Altparteien -
befänden sich edlere, charakterlich wertvollere Menschen als in der "neuen" Partei, dem dürfte
allmählich dämmern, daß dem keineswegs so ist.
Vielmehr sind die Menschen leider überall gleich:
Es gibt mehr von der Sorte Egoist, Karrierist und
Über-Leichen-Geher als von der Sorte Altruist und
wahrer Menschenfreund. Daran ändert auch ein Partei-Abzeichen nichts.
In der Politik kommt es auf etwas anderes ganz wesentlich an, nämlich auf ein realistisches,
an geschichtlicher Erfahrung orientiertes
Menschenbild und ein diesem Bild entsprechendes, vernünftiges und entschlossenes Handeln. Nach diesen Kriterien sollte man sich eine Partei aussuchen und wählen.

Alles andere ist Illusionismus, der über kurz oder lang enttäuscht werden m u ß .

Jürgen Waldmann | Fr, 9. Februar 2018 - 15:52

Den Ausdruck " Pack " hat S. Gabriel einmal für Demonstranten benutzt , die anderer Meinung sind .
Die rüden Umgangsformen , die haben in der SPD Einzug gehalten und stossen den Bürger ab . Dass jetzt so viele Neumitglieder zu verzeichnen sind , das hat nichts mit dem Führungspersonal zu tun , da wollen manche nur NOGROKO stimmen , wenige werden aber bei dem verlotterten Haufen bleiben .
Wie man Fehler mit Anstand eingesteht und zurück Tritt , das zeigte uns K.T. zu Guttenberg :
http://www.rp-online.de/politik/deutschland/kolumnen/mit-verlaub/meinun…
den sich viele Bürger zurück wünschen !

wolfgang Schuckmann | Sa, 10. Februar 2018 - 00:46

LIeber Gott ich danke Dir, dass Du diesen Kelch an mir vorüber gehen gelassen hast, und mir erspart blieb, dass ein Mensch, der nicht verstanden hatte, und nur noch in allerletzter Sekunde die Kurve bekommen hat, es einsah, dass er nach vielen Winkelzügen endlich das Handtuch werfen musste.
Siggi hat seiner Partei in 11 Monaten die Eignung von Herrn Schulz vorgeführt. Wenn´s die Genossen nicht kapiert hätten, wäre der Schaden für die Partei ins Uferlose gewachsen. Trotzdem denke ich, dass es da noch mehr verborgenes Porzellan gibt. Es wird noch spannend.

Günter Fischer | Sa, 10. Februar 2018 - 13:53

kann man die Kommentare vergangener Tage nachlesen ?

Udo Dreisörner | Sa, 10. Februar 2018 - 22:17

Gabriel war genau so unbeliebt wie jetzt Schulz. Angeblich soll Gabriel derzeit der beliebteste SPD Politiker sein. Wie schnell dich vergessen wird das er viele Bürger als Pack bezeichnete. Und seine Art zu reagieren das Schulz Aussenminister werden wollte ist Kinderkram. Fürchterlich, wie die kleinen Kinder.

Werner Schick | So, 11. Februar 2018 - 18:59

Werter Herr Waldmann,
wie kommen sie zu der abstrusen Feststellung, dass sich viele Bürger Hr. Guttenberg zurückwünschen. Haben sie eine Volksbefragung durchgeführt, von der ich nichts mitbekommen habe? Ich empfehle ihnen, ihre persönlichen Wunschgedanken nicht zu verallgemeinern. Herr Waldmann, dass sich Hr. Guttenberg bei seinen Fehlern und seinem Rücktritt anständig verhalten hat, entspringt wohl eher ihrer persönlichen Einschätzung und nicht der der Allgemeinheit.

Wilhelm Busch | Mo, 12. Februar 2018 - 21:23

hallo Herr Schuckmann,
mit Ironie wäre noch anzumerken; die SPD definiert sich ab Aschermittwoch ganz neu -
in " selbstzerstörende Proletarier Deutschland "

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