- „In aller Freundschaft von Israel emanzipieren“
Der Historiker Per Leo erhält Zuspruch für seine Kritik an Robert Habecks Rede gegen Antisemitismus. Dabei ist Leo Vertreter einer postkolonialen Linken, die sich eine Parteinahme gegen Israel und die Verharmlosung von muslimischem Judenhass zum Programm gemacht hat.
Dieser Text ist eine Erwiderung auf den Artikel „Das amerikanische ,Ja, aber…‘“ von Mathias Brodkorb.
Israel erlebt das schlimmste antisemitische Pogrom seiner Geschichte, wird seit vier Wochen vom Gazastreifen, aus Syrien, dem Libanon und dem Jemen beschossen; die Israelis sind verängstigt, traumatisiert, trauern um ihre ermordeten und bangen um ihre entführten Angehörigen, sind teilweise selbst auf der Flucht und wissen nicht, wann wieder ein normales und sicheres Leben für sie möglich sein wird.
In Deutschland gehen derweil tausende und abertausende Muslime auf die Straße, skandieren anti-israelische und Pro-Hamas-Parolen und wünschen Israel und den Juden den Tod; deutsche Juden und hier lebende Israelis sind in ständiger Angst, wagen sich nicht mehr in bestimmte Stadtteile, trauen sich kaum, ein Taxi zu rufen, um nicht an einen „pro-palästinensischen“ Fahrer zu geraten, sprechen in der Öffentlichkeit nicht mehr Hebräisch und sorgen sich um ihre Kinder, die in jüdische Schulen und Kitas gehen. Auf Synagogen werden Anschläge verübt, Häuser, in denen Juden wohnen, werden mit Davidsternen markiert, Israelflaggen heruntergerissen; Abonnenten der Jüdischen Allgemeinen bitten darum, ihre Zeitung im neutralen Umschlag zugesandt zu bekommen.
Anruf von Deutschlands größter Jüdischen Gemeinde, der IKG München: Bitte die Jüdische Allgemeine den Mitgliedern nur noch in neutralem Umschlag zusenden. Nachbarn und Zusteller sollen nicht wissen, dass es sich um Juden handelt. Aus Sicherheitsgründen.
— Philipp Peyman Engel (@PhilippPeyman) November 7, 2023
In dieser Situation wäre es eine Selbstverständlichkeit, dass deutsche Politiker sich klipp und klar und ohne Wenn und Aber auf die Seite Israels und auf die Seite der Juden in Deutschland stellen. In aller gebotenen Klarheit tat das aber nicht etwa der Bundeskanzler, sondern der grüne Wirtschaftsminister Robert Habeck. „Die Verantwortung unserer Geschichte bedeutet genauso, dass Jüdinnen und Juden in Deutschland frei und sicher leben können“, sagte er am 1. November in seiner Videoansprache. Und er nannte Ross und Reiter: „Das Ausmaß bei den islamistischen Demonstrationen in Berlin und anderen Städten ist inakzeptabel.“ Von Muslimen forderte er, sich sich „klipp und klar von Antisemitismus (zu) distanzieren, um nicht ihren eigenen Anspruch auf Toleranz zu unterlaufen“. Richtige und notwendige Worte zur rechten Zeit.
„Einseitige Parteinahme für Israel“
Das scheint aber nicht jedermann so zu sehen. Etwa der Historiker und Buchautor („Mit Rechten reden“) Per Leo. Für ihn ist Habecks Rede nichts anderes als „ein machiavellistisches Meisterstück“, das zeige, wie sich „die Anerkennung deutscher Schuld in einen neuen Sündenbockmythos verwandelte“. Der Sündenbock, das sind für ihn die Muslime, die er als die eigentlichen Opfer der vergangenen vier Wochen betrachtet – nämlich Opfer der „deutschen Erinnerungskultur“, mit der Leo ausweislich seines jüngsten Buches „Tränen ohne Trauer“ (2021) ohnehin ein Problem hat.
Darin beklagt Leo eine „Entgrenzung des Antisemitismusbegriffes“, der eine „begriffspolitische Kampagne“ zur „einseitigen Parteinahme für Israel“ sei. Diese Parteinahme sei nichts anderes als „Entlastungszionismus“ bzw. „post-arischer Streberzionismus“. Leo beklagt ein „um ‚Juden‘ zentriertes Weltbild“ sowie eine „breite Mitte der Holocaustbetroffenheit“ die in Verbindung mit einer „links-rechten Verstrickung in den zionistischen Mythos“ und einer „historisch tief verwurzelten Feindseligkeit gegen ‚den‘ Islam“ zu einer neuen „deutschen Ideologie“ geworden sei.
Leo verteidigt in seinem Buch die israelfeindlichen Aussagen des kamerunischen Historikers Achille Mbembe und nimmt die Israelboykottbewegung BDS gegen Kritik in Schutz. Wenig Toleranz empfindet er hingegen für den Antisemitismusbeauftragten der Bundesregierung, Felix Klein. Der ist ihm lediglich „ranghöchster Anti-Antisemit im Nachfolgestaat des Dritten Reiches“.
Klar ist, Per Leo hat ein Problem mit Israel, während er Antisemitismus – ob autochthonen oder zugewanderten – eher locker sieht. Wovon Leo, dessen Großvater waschechter SS-Sturmbannführer war (worüber er in seinem Roman „Flut und Boden“ recht offen schreibt), sich persönlich entlasten will, bleibt in seinen Ausführungen zur „Holocaustbetroffenheit“ und zum „Entlastungszionismus“ leider unreflektiert.
Die Zumutung, sich von Antisemitismus zu distanzieren
Mathias Brodkorb fasste in seiner Cicero-Kolumne am Sonntag Leos aktuelle Kritik an Robert Habeck folgendermaßen zusammen: „Man müsse Habecks Rede am Ende wohl so verstehen, dass sie zugewanderte Muslime auffordert, sich mit ganzem Herzen in die Erinnerungspolitik des Tätervolkes einzugliedern. Das allerdings hält Leo letztlich für eine „erpresserische Leitkultur, für einen Zwang zu Assimilation“ und fragt dann: „Was soll denn mit jenen geschehen, die sich nicht als Nachgeborene von Tätern fühlen können, weil sie es nicht sind?“ Habeck drohte zumindest mit dem möglichen Verlust von Aufenthaltstiteln und Abschiebungen, wenn bestimmte Grenzen überschritten würden. „Das vertieft Misstrauen und bestehende Gräben. Zur Integration trägt es jedenfalls nicht bei“, so Leo.
- Irans leere Drohungen (Hilal Khashan)
- Der arme Antisemit (Ben Krischke)
- Israels Binnenflüchtlinge (Ingo Way)
Es sind gleich drei sehr seltsame Voraussetzungen, von denen Leo hier ausgeht. Erstens, dass es in irgendeiner Weise problematisch wäre, von Zuwanderern zu verlangen, die hier geltenden Regeln und Grundwerte zu respektieren. Zweitens, dass es eine Zumutung sei, sich von Antisemitismus zu distanzieren oder zumindest Aufforderungen zum Judenmord zu unterlassen. Und drittens, dass man ein „Nachgeborener von Tätern“ oder Angehöriger eines „Tätervolkes“ sein müsse, um den Mord an 1400 Israelis zu verurteilen, sich an die Seite Israels zu stellen oder hier lebende Juden vor Übergriffen schützen zu wollen. Dass das Entsetzen über ein antijüdisches Pogrom eine normale menschliche Regung ist und eine Solidarisierung mit Israel und mit von Antisemitismus bedrohten deutschen Juden eine politisch angebrachte Positionierung ist und nicht Ausdruck einer spezifisch deutschen Neurose, scheint ein Per Leo nicht nachvollziehen zu können.
Deutsche Neurosen
Der Ort, an dem Leo seine Warnung verkündet, zu viel Anti-Antisemitismus könne Muslime verschrecken, ist seine öffentlich zugängliche Facebook-Seite, auf der er wohl frisches Material für sein nächstes Buch vor dem kleinen Publikum seiner Bubble ausprobiert. Dass das oben Zitierte keine Ausrutscher sind, zeigen weitere Äußerungen, die Leo nach dem Massaker vom 7. Oktober dort getätigt hat. Zu den Hamas-Demonstrationen in Berlin, auf denen Freude über das Massaker an Israelis zum Ausdruck gebracht wurde – lange bevor die israelische Armee in irgendeiner Weise darauf reagiert hat – fiel ihm ein:
„Hier überwiegt eine skandalisierende Berichterstattung über pro-palästinensische Demonstrationen als Ausdruck von ,importiertem Antisemitismus‘, die ich mittlerweile als moral panic bezeichnen würde. … ,Die Straße‘ teilen sich hierzulande pro-israelische und pro-palästinensische Demonstrationen (wobei in der Wahrnehmung oft nicht zwischen legitimer Solidarisierung mit der Zivilbevölkerung in Gaza und intolerablem Judenhass unterschieden wird); ... Deutsche Neurosen.“
Zwar sei, so Leo,
„menschliche Anteilnahme mit Juden und Israelis unbedingt geboten, aber es fällt schwer, wenn sie nicht von politischer Solidarität mit Israel unterschieden werden kann. Das deutsche Verhältnis zu Israel ist hochgradig neurotisch. … Solange Deutschland sich nicht in aller Freundschaft von Israel emanzipiert hat, wird unser Verhalten von Triebkräften gesteuert, die wir selbst nicht durchschauen.“
Diese „Neurose“ hieß bei dem Kommunarden Dieter Kunzelmann, dem Drahtzieher des Bombenanschlags auf das Jüdische Gemeindehaus in Berlin im Jahr 1969, seinerzeit noch „Judenknacks“, von dem es sich zu emanzipieren gelte. Dass Per Leo selber Bomben legt, steht natürlich nicht zu befürchten. Aber vermutlich würde er, wenn andere das tun, vor einer „moral panic“ warnen.
Kein Bekenntnis gegen Antisemitismus
Über den offenen Brief deutscher Schriftsteller, in dem das Schweigen des Kulturbetriebs zum Hamas-Massaker beklagt wird und den Leo als „Bekenntnisaufforderung aus dem germanischen Literaturbetrieb“ und als „Aufruf der post-arischen Literaturvertreter“ bezeichnet, macht er sich folgendermaßen lustig:
„Jedenfalls frage ich mich, was die Verfasser eines Aufrufs, in dem von ,in irgendeiner Form dem grassierenden Antisemitismus die Stirn bietende[n] Schweigen‘ die Rede ist, eigentlich beruflich machen. Mit der Herzen öffnenden, welterschließenden Kraft der Literatur kann es nichts zu tun haben.“
In einem kleinen Text mit dem Titel „Gegen Bekenntnisse“ zählt Leo in 20 Punkten auf, warum er gegen derartige „Bekenntnisse“ ist. Zwei der Punkte lauten:
„3. Ich solidarisiere mich nicht mit Gruppen, außer sie kämpfen für ihre Rechte oder unverschuldet um ihre Existenz. 4. Ich solidarisiere mich erst recht nicht mit Staaten, außer sie kämpfen unverschuldet um ihre Existenz.“
Juden sind demnach keine Gruppe, die unverschuldet für ihre Rechte, und Israel kein Staat, der unverschuldet um seine Existenz kämpft – sondern allenfalls verschuldet. Der letzte der 20 Punkte hat eigentlich mit Bekenntnissen gar nichts zu tun, er war Per Leo jedoch offenbar so wichtig, dass er ihn unbedingt in seine Liste mit aufnehmen musste:
„20. Im Übrigen meine ich, dass das Amt des Antisemitismusbeauftragten in Bund und Ländern ersatzlos abgeschafft werden muss.“
Eine klaffende Lücke
Aber was genau hat denn Leo nun gegen den Brief? Das erklärt er in einem weiteren Posting unter dem Titel „Context matters“:
„Ein Brief, der sich am 27. Oktober mit Israel und den Juden solidarisiert, kommt drei Wochen zu spät. Wäre die Aufforderung zur symbolischen Solidarität am 8. Oktober formuliert worden, als die Welt und insbesondere die jüdische Welt unter Schock stand, während auf der Sonnenallee gefeiert wurde, hätte man ihr nachkommen können oder nicht. Sie hätte jedenfalls keinen Anlass zur Kritik geboten. … Spätestens seit der Totalblockade des Gaza-Streifens, eigentlich aber schon, seit der israelische Verteidigungsminister dessen Bevölkerung als ,human animals‘ bezeichnete, hat sich das lokale Verbrechen untrennbar mit dem internationalen Megakontext des Nahostkonflikts verknüpft. In rasender Geschwindigkeit wurde das moralische Urteil über das Massaker vom Langzeitgedächtnis dieses Konflikts verdrängt.“
Drei Wochen nach dem Massaker war für Leo die Schonzeit für Juden also schon wieder vorbei. Solidarität darf nur erwarten, wer sich gegen seine Mörder nicht zur Wehr setzt und nicht unfreundlich über sie spricht – sonst greift unmittelbar das „Langzeitgedächtnis dieses Konflikts“ und das heißt für Leo: Israel ist selber schuld, warum liefert es seinen Todfeinden auch keine Lebensmittel und bezeichnet Massenmörder als „animals“?
Der „palästinensische Mythos“
Ferner stört es Leo, dass sich unter den Unterzeichnern dieses „von zwei post-arischen Deutschen“ initiierten Briefes
„praktisch keine Namen arabischer, muslimischer oder globalsüdlicher Herkunft befinden, ganz zu schweigen von der vollständigen Abwesenheit all jener postmigrantischen Autorinnen und Autoren, die seit Jahren die deutsche Literatur rocken: Das ist beklemmend.“
Das ist es in der Tat. Nun macht er es allerdings nicht den „globalsüdlichen“ Autoren zum Vorwurf, ihre Unterschrift unter einem Text gegen Antisemitismus zu verweigern, sondern den Autoren dieses Briefes, die nicht inklusiv genug seien. Was sich in dem Brief zeige, sei
„eine klaffende Lücke. Das Schweigen der Dritten, die Abwesenheit all jener, die sich mit der palästinensischen Sache identifizieren und ja, auch mit dem palästinensischen Mythos – dieses Schweigen ist dröhnend.“
1400 Israelis werden brutal abgeschlachtet, von Muslimen weltweit wird das gefeiert, und worüber Per Leo sich Sorgen macht, ist, dass in einem Brief, der dagegen protestiert, die „palästinensische Sache“ und der „palästinensische Mythos“ nicht vorkommen. Das ist die Eiseskälte und moralische Indifferenz des deutschen Diskursstrebers, der den Anschluss an die internationale postkoloniale Linke sucht, der seine Empathie vermeintlich gleichmäßig auf alle Seiten verteilt, in Wirklichkeit aber über gar keine verfügt. Hier gibt es kein „Ja, aber“, da fällt die Wahl nicht schwer: Team Habeck!
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Danke! Besser hätte man es wahrscheinlich nicht formulieren können.
Ich glaube, Per Leo ist noch im Stadium mit Pazifismus und Befreiungs- und Unterdrücktenideologie die Welt zu deuten. Mittlerweile ist Menschheit (wieder) am Punkt, Farbe zu bekennen. Unpolitische Neutralität war in der Interimszeit nach 1945 schick, aber kein vernunftorientiertes Dogma. Man darf die Zeit nach 1945 nicht als human und zivilisiert schönreden. Die meisten und tödlichsten Kriege fanden und finden in zivilisatorischen Systemen statt.
irritierend, den Text von Herrn Brodkorb zu lesen, habe es aber bis zum Schluss durchgehalten, um auch andere Blickwinkel zu verstehen. Es war aber ein bisschen zu viel, was da relativierend zu lesen war. Allein der Satz, dass Assimilierung (sinngemäß) an Erpressung grenzt, hatte für mich eine Grenze überschritten. Ich ignorieren nicht die Siedlungsbestrebungen von Israelis im Westjordanland, auch wie heute in welt.de zu lesen ist, dass jüdische Siedler immer wieder Beduinen im Westjordanland angreifen. Das sollte klar verurteilt werden, auch von unseren Politikern. Aber es wird von Per Leo allzu viel relativiert – die Ausgewogenheit fehlt, wie ich finde.
ist ein Ereignis wie das Folgende ein Grund. Leider berichten über den Terror gegen Juden im Westjordanland unsere Medien nur selten. Man weiß ja, andere Menschen wohnen, Juden" siedeln": "Während im Gazastreifen freudig Süßigkeiten verteilt wurden und die dort agierenden Terrororganisationen den »heroischen Akt« bejubelten, erfuhr man, dass der Attentäter ein 34-jähriger muslimisch-beduinischer Staatsbürger aus dem nahe Be’er Sheva gelegenen Hura ist".Es geht dabei um einen Anschlag im März 2022.Nur einer von vielen.
Hier wird ideologisches Schattenboxen betrieben, anstatt nach Friedenslösungen zu suchen!!
Die Suche nach Friedenslösungen erfordert es beide Seiten ernst zu nehmen. Wenn diese Äquidistanz nicht möglich sein darf, dann ist dies letztlich nur eine einseitige Parteinahme für eine Fortsetzung des Dauerkonfliktes, für Krieg bis hin zum letzten Gefecht, egal für welche Seite!
Ich wage zu behaupten, wer Israel in dieser Form beisteht ist ein schlechter Ratgeber. Die langfristige Perspektive, nicht heute oder morgen, aber in überschaubarer Ferne, spricht eher für einen Siegfrieden der palästinensisch/arabischen Welt.
Es sei denn diese Welt wird in einem Gewaltakt in naher Zukunft komplett flach gelegt, sodaß es Jahrhunderte braucht bis sie sich davon erholen kann.
Die verquere UN Resolution zur Aufteilung Palästinas kann nicht rückgängig gemacht werden, aber sie könnte heute zu einer Basis für Verhandlungen gemacht werden, um Juden & Palästinensern ein gesichertes existieren zu ermöglichen.
Heute gelesen: Hat zwar nicht direkt mit diesem Artikel zu tun, gibt aber die Situation in Deutschland haargenau wieder. Die Einstellung des Herrn Per Leo und leider muß ich sagen auch die Einstellung der Polizei, obwohl die ja wohl weisungsgebunden ist.
Die Entwicklung Deutschlands zur dunklen Seite hin kann man sehr gut in dem Film Comedian Harmonists erkennen.
Nun zu dem auf TE gelesenen:
****Als Hamas-Freunde unbehelligt von der Polizei durch Siegen ziehen und zur Vernichtung Israels aufrufen, halten zwei ältere Ehepaare am Rande der Demonstration friedlich Pro-Israel-Schilder hoch. Jetzt gibt es Strafanzeigen – gegen die vier alten Leute: wegen „unangemeldeter Versammlung“. ****
****Ein Polizist spricht die Fünfer-Gruppe an (ein Bekannter hatte sich noch dazugestellt) und fragt, wer die Versammlungsleitung habe. Eine der Damen hält das für einen Scherz und antwortet, ebenso scherzhaft und spontan: „Ich.“ Das hätte sie nicht tun soll.****
Gar Mitglieder einer Rollatoren-Gang?! Da muss das SEK ran. Doch ich denke wie Sie werte Frau Groll, dass es sich nur wieder um eine verunglückte Ansprache handelte, um der Deeskalation willen, wie von oben angeordnet;) Mutmaßlich dachte er aber :" Die provokanten Alten da haben mir grad noch gefehlt! Hoffentlich kann keiner der friedliebenden Demonstranten entziffern was die da hochhalten, sonst geht`s gleich rund im Gebüsch!" MfG
Wie das, was dieser Mensch von sich gibt geehrter Herr Way! Bis heute überlege ich, wieso Herr Brodkorb, den ich wie gesagt sehr mag obwohl er bei der SPD ist;), diesem Menschen und seinen seltsamen und wie mir scheint gefährlichen Ansichten und Äußerungen, nicht nur Israel und den Juden gegenüber, hier eine Plattform bot. Ich kann mich irren, aber ich möchte gern glauben, dass er uns einfach mal zeigen wollte anhand des so beispielhaften Herr Leo, was es heißt, bzw. wie linksgestrickte Vergangenheitsbewältigung in echt aussieht. Da ich in noch näherem Verwandtschaftsgrad als Herr Leo zu einem 1,95m großen, blonden, blauäugigen Arier u. Mitglied der Waffen-SS stehe, den ich nie kennenlernte weil er fiel, stelle ich mir gerade vor wie es wäre, würde ich meine post-arische Neurose in der Art von Kompensation wie besagter Herr L betreiben. Keine Ahnung ob Sie mich verstehen Hr. Way aber wie schrieb mir eine Mitforistin, wenn ich schriebe was ich über Herr Leo denke wäre es justiziabel! LG
Ich bin für Meinungsfreiheit, aber eine nachvollziehbare Meinung als Gegenstück zu solch einer so kontroversen und mich abstoßenden eines Per Leo zu lesen, rundet den Abend angenehm ab.
Ich danke dem Autor für diese exzellente Analyse des Extremismus von Per Leo. Und es ist so bezeichnend, dass der Großvater von Per Leo SS-Sturmbannführer und Abteilungsleiter im Rasseamt war. Warum erkennt Per Leo nicht, dass die Flucht ins andere Extrem auch nur ein Extrem ist? Und dass ein Spiegelbild zwar alles ins Gegenteil verkehrt darstellt, aber am Ende doch ganz genauso aussieht, wie das Originalbild, nur andersrum? Ach, diese Menschen, diese Menschen ... sie irren oft so irre ... man möchte Mitleid mit Per Leo haben. Er ist doch so klug! Aber an dieser Erkenntnis scheitert er.
Ich bin nicht auf Leos Seite. Er greift Absolutheiten, wie die Erinnerungskultur, an, nur um sie durch eigene zu ersetzen.
Was für mich ein Punkt ist: die deutsche Erinnerungskultur ist nichts Universelles. Man kann soviele Bücher schreiben oder Gesetze erlassen, wie man will, an diesem Grundbefund wird man nichts ändern. Wir können die grausamsten Menschenfeindlichkeiten aufzählen, aber 8 Mrd Menschen denken nicht auf eine einzige Weise. Sie zählen jeweils ihre eigenen Traumata auf - die ihnen auch sehr wichtig und nicht verhandelbar sind. Und es passt nicht immer alles zusammen.
Öffnet man eine Gesellschaft, wie Deutschland das die letzten Jahre gemacht hat, und auch noch mit den Erzählungen dazu, die Deutschland abgegeben hat, wird sich die Gesellschaft ändern - auch in wesentlichen Punkten. Ich bin gerne für eine bestimmte Erinnerungskultur, aber dann kann man nicht in einer so weltfremden, selbst-weltzentrierten Fantasiewelt leben.
Ich versuche es mit 5 Thesen:
1. Das Morden der Hamas am 7. Oktober ist in höchsten Maße zu verurteilen.
2. Die israelische Regierung hat dabei offensichtlich versagt, weil dies militärisch nicht verhindert wurde - trotz der Warnungen, die es vorher (!) gab.
3. Die danach folgenden Tötungen und Zerstörungen durch israelisches Militär sind Racheakte, keine völkerrechtskonforme Verteidigung.
4. Daraus resultierende Judenfeindlichkeit ist nicht zu dulden; ebenso daraus resultierende Islamfeindlichkeit.
5. Wem Israels Sicherheit und die der Palästinenser am Herzen liegt, sollte daran mitwirken, die Spirale der Gewalt zu stoppen und ihre Wurzeln zu beseitigen. Und das bedeutet, die Politik von Besatzung und Blockade zu beenden und den Palästinensern die volle Selbstbestimmung über ihre gesamten Territorien zurückzugeben, so wie es das Völkerrecht vorsieht.
... ihr Beitrag hebt sich positiv aus den vielen einseitigen Beiträgen heraus.
Sicher, sicher. Die Emanzipation der Frau zeigt ja, wie perfekt das funktioniert.
"Solange Deutschland sich nicht in aller Freundschaft von Israel emanzipiert hat, wird unser Verhalten von Triebkräften gesteuert, die wir selbst nicht durchschauen.“ Einer der wenigen Sätze, die ich in diesem Artikel als ernsthaft diskutabel bezeichne. Mit unserem Schuldkult haben wir uns dermaßen von Israel abhängig gemacht, das wir jetzt bei vielen anderen Konflikten, größte Schwierigkeiten haben, halbwegs neutral mit Israel und seiner Politik und den Umgang mit den Palästinensern umzugehen. Wir fühlen uns Generationen später noch immer schuldig, obwohl fast niemand mehr aus dieser Zeit vorhanden ist. Wir haben nie diesen Schuldkult aufgebarbeitet und tun uns jetzt äußerst schwer dabei, einerseits natürlich das Existenzrecht der Juden und Israels ohne Wenn und Aber zu verteidigen und anderseits im Einzelfall als selbstbewusste Freunde Israels, auch an der ein oder anderen Stelle deren Politik kritisch zu hinterfragen und zu begleiten. Vieles was Leo da schreibt ist sehr einseitig.
die Aussage ( in Variationen) "die Deutschen werden uns Auschwitz nie verzeihen" in den Sinn.
Seltsam auch das von der Amadeu-Antonio-Stiftung erstellten "Zivilgesellschaftlichen Lagebilds Antisemitismus". Darin geht es schwerpunktmäßig um Antisemitismus von rechts und Angriffe auf Gedenkstätten und Erinnerungsorte.
Im Text "Juden leben im "Ausnahmezustand" in der Süddeutschen Zeitung wird nur der "rechtsextreme Antisemitismus" thematisiert.
hat D eine besondere Verantwortung gegenüber dem jüdischen Volk. Indes gibt es keinen Grund, Juden moralisch zu überhöhen. Genau das wird - wenigstens rhetorisch - getan und erzeugt Gegenwind auch dort, wo er nicht schon vorher vorhanden war.
unsere Verantwortung ihnen und Israel gegenüber schon.
Sagt man wirklich bei Israelis immer "siedeln" nicht "wohnen", wie Frau Vetter schreibt?
Ich möchte für die Bundesrepublik gerne hoffen, dass wir "in Freundschaft und Verantwortung ZU Israel emanzipieren".
Erinnerung baut Brücken.
In stillem Gedenken
Man liest die zitierten statements, und fragt sich, wie zur Hölle dieser Per Leo eigentlich tickt, der mir bis dato unbekannt war. Man vermutet einfache Bösartigkeit, aber manchmal hilft es, sich das Auftreten einer Person „live“, sprich auf Video anzuschauen, weil man dort zu den Worten noch Körpersprache, Tonfall und Mimik mitberücksichtigen kann. Eines der neueren Videos auf YT war eine Podiumsdiskussion von Anfang '23. Und angesichts der Beiträge von Leo bei dessen Auftritt kann ich das prägnant zusammengefasste Ergebnis vom Autor nur unterstreichen: Es zeigt sich eine „Eiseskälte und moralische Indifferenz des deutschen Diskursstrebers [….] der seine Empathie vermeintlich gleichmäßig auf alle Seiten verteilt, in Wirklichkeit aber über gar keine verfügt“. Auch wenn intellektuelle Differenzierungsfähigkeit einen hohen Wert hat, wenn darüber die Menschlichkeit verloren geht, ist nichts gewonnen. Denn gerade letzteres macht eine zivilisierte Gesellschaft im Kern auch aus.
Ich weiß nicht ob Leo Vertreter einer postkolonialen Linke ist.
Leo ist eitel, sehr eitel.
Sein Buch "Flut und Boden" ist konfus.
Versucht er in diesem Buch seine Geschichte zu erzählen? Versucht er die Ambivalenz zu seiner Geschichte zu verstehen? Oder benutzt er z.T ziemlich flach formulierte ambivalente Gedanken, geschmückt durch Kenntnisse der deutschen Literatur- und Philosophiegeschichte, um mir gezielt seine politische Haltung aufzudrängen?
Dort schreibt er u.a. "Das gefährlichere Ressentiment gegen die Juden war ja das der Gebildeten. Es war frei von offenen Hass der Straße und konnte auch mit Bewunderung einhergehen. .....Es artikulierte nur ein Unbehagen“
D.h heisst nicht, dass andere Autoren nicht ähnliche Gedanken schon hatten, aber die Formulierung ist merkwürdig.
Ansonsten würde ich mir wünschen, dass Kierkegaard Kenner sich "Flut und Boden" zur Brust nehmen würden. Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass ich einige Passagen auf Seite 71-73 schon einmal gelesen habe.
