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Infizierte Kunst: Street Art in Stuttgart / picture alliance

Medizinhistoriker über Epidemien - Der ewige Kampf gegen Seuchen

Epidemien und Viren begleiten uns. Der Blick in die Geschichte zeigt, dass der Mensch stets als Sieger hervorging, ohne dass der Kampf je an sein Ende gekommen wäre. Den Menschen im Mittelalter sind wir manchmal aber ähnlicher als gedacht.

Autoreninfo

Robert Jütte leitet das Institut für Geschichte der Medizin der Robert-Bosch-Stiftung in Stuttgart. (Foto: dpa)

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Vogelgrippe, Sars, Schweine­pest: Diese Epidemien haben die meisten von uns erlebt, aber längst verdrängt, wenngleich in Zeiten des Coronavirus die Erinnerung daran langsam wieder wach wird. Sie erscheinen uns jedoch im Lichte der gegenwärtigen Bedrohung durch ein neues Virus nicht so dramatisch. Zumal damals in Deutschland kaum Panik zu beobachten war, die Bewegungsfreiheit nicht eingeschränkt wurde und es auch zu keinen Quarantänemaßnahmen im großen Stil kam.

So greifen die Medien meist weit in die Vergangenheit zurück, um ein Schreckens­szenario, das uns jetzt drohen könnte, mit historischen Beispielen zu illustrieren. So weit muss man allerdings nicht zurückgehen. Im Kleinen haben manche unter uns die gegenwärtige Dynamik vor gar nicht allzu langer Zeit erlebt. Es handelt sich jedoch „nur“ um ein lokalhistorisches Ereignis, an das sich heute wohl vor allem noch jene erinnern, die damals selbst davon betroffen waren – wie der Autor selbst.

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Michaela 29 Diederichs | Mo, 30. März 2020 - 23:05

"Doch in der Medizingeschichte ist man inzwischen skeptischer geworden, ob der Rückgang an Infektionskrankheiten vor allem auf Durchimpfung der Bevölkerung zurückzuführen ist." Oh oh oh, was wird Herr Spahn dazu sagen, der gerade die Masernimpfpflicht einführt hat? Gegen Pneumokokken sollen sich jetzt Menschen ab 65 impfen lassen (Frau Merkel hat es vorbildlich getan), ist aber nicht überall verfügbar der Stoff. Ich bin also an diesem Punkt nicht so ganz einverstanden mit Ihnen. Trotzdem ein spannender und lesenswerter Beitrag. Übrigens die "Englische Schweißkrankheit" tauchte auf, tötete und war dann irgendwann verschwunden.
https://medlexi.de/Englische_Schwei%C3%9Fkrankheit

Ernst-Günther Konrad | Di, 31. März 2020 - 08:31

Sehr interessanter Artikel Herr Jütte. Bis heute haben die Menschen eines nicht gelernt. Je nach Ausmaß eben nicht in Hysterie oder Panik zu verfallen, sondern mit dem nötigen Ernst, überlegt und selbstverantwortlich mit so etwas umzugehen. Damals wie heute werden also "Sündenböcke" in persona gebraucht, um der Kuh die Glocke umzuhängen.
Da sind wir eben nicht besser, wie die Altvorderen.
Aha, das Pockenopfer wurde zum Pockentäter gemacht, weil er unwissend das Pockenvirus einschleppte. Herr Prof. Dr. Drosten zieht sich zurück, weil er in sozialen Netzwerken bedroht wird. Weil er als Wissenschaftler berät, die Politik aber entscheidet, aufgrund der wissenschaftlichen Beratung und geistige Kleingärtner haben nichts Besseres zu tun, als den renommierten Virologen zu bedrohen und quasi wegen seiner schlechten Botschaften persönlich anzugehen. Nein, wir haben nichts gelernt aus der Geschichte. Wissenschaft muss öffentlich diskutieren, unbeeinflusst forschen dürfen, frei im Denken,

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