Juso-Chef Kevin Kühnert - Ein Querulant will die SPD retten

Die SPD befindet sich in einem desolaten Zustand. Auch unser Autor hat sich in den vergangenen Jahren von den Sozialdemokraten entfremdet. Kann Kevin Kühnert ihn zurückholen?

Kevin Kühnert
Querulant der SPD? Kevin Kühnert / picture alliance

Autoreninfo

Yves Bellinghausen ist freier Journalist, lebt und arbeitet in Berlin und schreibt für den Cicero.

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Es sind umtriebige Zeiten für die SPD im Speziellen und für den Politikbetrieb im Allgemeinen. Und wenn man den politischen Kommentatoren glauben darf, dann liegt das zum Großteil an einem Politikstudenten aus Berlin: Kevin Kühnert. Denn der Juso-Chef will die 463.723 SPD-Mitglieder davon überzeugen, bei der Mitgliederbefragung die Große Koalition abzulehnen.

Ich selbst bin kein SPD-Mitglied. Zu Studentenzeiten, als mein halber Freundeskreis sich politisch engagieren wollte, da wäre ich mal fast den Jusos beigetreten. Aber irgendwie hatte ich mir politisches Engagement damals ein wenig knalliger vorgestellt, mit weniger Tagesordnungspunkten und mehr Utopien. Und so habe ich es dann doch gelassen. 

Alternativen? Es gibt sie wirklich!

In den vergangenen Jahren habe ich die SPD auch nicht mehr gewählt. Zu konturlos erschien mir die Partei und ich wusste eigentlich gar nicht mehr, wofür ich sie überhaupt hätte wählen sollen. Aber jetzt ist da plötzlich dieser Kevin Kühnert, über den alle reden und der sich anschickt, über die gesamte Sozialdemokratie neu zu diskutieren. Kann er mich nach der Entfremdung der letzten Jahre wieder für die Sozialdemokratie begeistern?

Für einen echten Politikwechsel – unter diesem abgedroschenen Slogan tourt Kühnert gerade durch die gesamte Republik und will erklären, warum er die Groko ablehnt. Ich (Jahrgang 1993) kann mich kaum daran erinnern, mal von jemand anderem als Angela Merkel regiert worden zu sein und so gehe ich am Dienstagabend auch auf einen Gig der No-Groko-Tour von Kevin Kühnert. Die Diskussion findet in einer türkischen Kulturgemeinde statt, mitten in Berlin-Kreuzberg. Ein wenig aufgeregt steige ich aus der U-Bahn und will zu diesem Mann gehen, der sagt, dass es eine Alternative zur Groko gibt und vielleicht, also wirklich nur unter Umständen, sogar ein Kanzleramt ohne Angela Merkel. Dabei ist dieser Mann nur ein paar Jahre älter als ich.

Sieht so etwa ein politischer Shooting-Star aus?

Kevin Kühnert, Juso-Chef, Jahrgang 1989 sieht ganz und gar nicht aus wie der Shooting-Star der deutschen Sozialdemokratie. Er schlurft in Sneakern auf das Podium, lässt die Schultern hängen und senkt den Blick, wenn ihn die Kamerateams wie Straßenhunde belagern. Kühnert sieht genervt aus von dem Medienrummel um ihn herum. Soll das jetzt etwa der Anführer der jungen, linken und mutigen Revolution sein, der ich mich hier anschließen will?

Kevin Kühnert selbst würde wahrscheinlich sagen: Nein. Kühnert wehrt sich gegen Revolutionsallüren. Ein Mann aus dem Publikum meldet sich und fragt, ob denn jetzt nicht nach dem Schulz-Hype der Kühnert-Hype drohe. Da nickt Kevin, wie ihn hier alle ganz selbstverständlich nennen, eifrig und stimmt dem Mann zu. Sowieso hebt Kühnert bei jeder Gelegenheit hervor, dass man nicht das ganze Personal der SPD umsortieren müsse. Dafür zollt ihm auch die Parteiführung Respekt. 

Wider den Politikverdruss 

Kühnerts Talent ist es, den großen Entscheidungen die Tragik zu nehmen. Die SPD zu erneuern heiße nicht, die gesamte Funktionärsebene zu liquidieren. Neuwahlen bedeuteten nicht die Machtergreifung von Neonazis. Und eine glaubhafte Alternative zur Union sei nicht der Kommunismus. 

„Wenn wir Politik machen, weil wir Angst vor etwas haben, dann sind wir verloren“, sagt Kühnert und erfrischt mich dabei mit seinem Optimismus. Denn seit ein paar Jahren beginne ich, die Politikverdrossenen zu verstehen. Vielleicht sind es die Auswirkungen der Merkel-Trägheit, oder die Tatsache, dass sich die SPD, eigentlich Gegenpol der Union, als natürlicher Koalitionspartner von Merkel geriert. Die Alternativen zu den beiden Volksparteien scheinen mir auch nicht viel besser: menschenverachtend auf der einen Seite des Spektrums und zu selbstgerecht auf der anderen Seite. 

Politisches Abenteuer versus Pragmatismus

Dabei will ich doch keiner von den Politikverdrossenen sein! Darum tut es so gut, den Juso-Querulanten zu beobachten. Wer aufregende Politik sehen will, dem empfehle ich ein Besuch auf der No-Groko-Tour. Da, wo die SPD-Basis ihrer berühmten Streitlust fröhnt und Kevin Kühnert keine apodiktischen Weisheiten predigt, sondern immer wieder ein „Ich-bin-mir-da-auch-nicht-ganz-sicher“ zwischenschiebt. Denn auch Befürworter der Groko sind eingeladen. Sie sorgen sich darum, das gute Verhandlungsergebnis der SPD mit politischen Abenteuern zu gefährden. 

Politisches Abenteuer oder sozialdemokratischer Pragmatismus? Darin kondensiert sich die Debatte in der SPD. Ich persönlich glaube daran, dass es besser ist, sich gelegentlich für das scheinbar Irrwitzige zu entscheiden, als sich vom Diktat des Immergleichen hypnotisieren zu lassen. Aus Angst, man könnte scheitern.

Aber das ist nicht der Punkt. Nachdem Kühnert fertig ist, unterhalte ich mich mit Sevim Aydin von der SPD Friedrichshain-Kreuzberg. Ob sie glaube, dass Kühnert die Zweifler überzeugt habe, will ich wissen. „Ich glaube nicht, dass es uns heute Abend wirklich darum gegangen ist“, sagt sie. Die No-Groko-Tour sei weniger eine Werbekampagne, sondern mehr ein Forum, um über die Große Koalition zu diskutieren und neue Ideen zu entwickeln. 

Und was geht in der CDU so?

Das ist der Punkt. Die SPD ist zwar aktuell nicht die Partei, die den Mut hat, sich für Utopien stark zu machen, aber wenigstens diskutiert sie darüber. Mit Billigung von der Parteiführung. Am 17. Februar startet Andrea Nahles ihre Gegentournee in Hamburg, auf der sie die Parteimitglieder für die Groko gewinnen will. Was bei der Debatte um den Mitgliederentscheid der SPD häufig vergessen wird: Auch die CDU stimmt über die Groko ab. Die 1001 Delegierten des Parteitages werden am 26. Februar über eine Koalition mit CSU und SPD entscheiden.

Anruf in der CDU-Pressestelle: „Gibt es eigentlich bei Ihnen Werbeveranstaltungen für oder gegen die Groko?“, frage ich die Dame am Telefon. „Puhh, das muss ich erstmal nachfragen“, sagt sie, legt den Hörer beiseite, berät mit den Kollegen und sagt schließlich: „Nee, also von so was wissen wir hier nichts.“ 

Holger Stockinger | Mi, 14. Februar 2018 - 18:46

Das Merkelschlaraffenland ("Wortbruch oder gesetzlos?") kannten schon früher sogenannte "Schleuserbanden": mit Gummiboot übers Mittelmeer den Ausweis verlieren, ist doch besser als Albert Schweitzer in Berlin zu spielen ...

Bettina Diehl | Mi, 14. Februar 2018 - 18:49

bitte erklären und belegen Sie doch bitte Ihre Aussage: "Die Alternativen zu den beiden Volksparteien scheinen mir auch nicht viel besser: menschenverachtend auf der einen Seite des Spektrums und zu selbstgerecht auf der anderen Seite".
Bitte vermeiden Sie Verweise auf die MSM Medien, sondern bedienen Sie sich belegbaren Fakten.
Im Gegenzug nennen ich Ihnen Beispiele von Menschenverachtung. Z.B. Menschen ins Land zu holen, nicht aus humanitären Gründen sondern aus strategischen Gründen. Menschen anlocken um diese anschließend wieder abzuschieben. Bürger, die dieses Land aufgebaut und zu Wohlstand beigetragen haben, als "die schon länger hier Lebenden..." zu bezeichnen. Diese Bürger und der Polizei Gefahren von Gewalt und Tötungen auszusetzen, denn nicht jeder, der unter dem Titel "Flüchtling" subsumiert wird, ist nett und lieb. Überhaupt Menschen grds. als Flüchtlinge oder Geflüchtete etc. zu bezeichnen, nimmt ihnen die Individualität. Menschenverachtend!! Schöne Grüße

Sie haben völlig recht, liebe Frau Diehl. So etwas zu behaupten, ohne es zu belegen, ist dumm, verantwortungslos und stellt die Fakten auf den Kopf.

Dazu ein Zitat des bekannten Migrationsforschers und Oxford-Ökonomen Paul Collier, der allein Merkel die Schuld an der Flüchtlingskrise zuweist:
"Deutschland hat keinen einzigen Syrer vor dem Tod gerettet. Im Gegenteil: Deutschland hat trotz bester Absichten eher Tote auf dem Gewissen ... Viele Menschen haben Merkels Worte als Einladung verstanden und sich danach erst auf den gefährlichen Weg gemacht, haben ihre Ersparnisse geopfert und ihr Leben dubiosen Schleppern anvertraut."

Menschenverachtend oder nur naiv?

Holger Stockinger | Mi, 14. Februar 2018 - 19:08

Morgens schaue ich in den "SPIEGEL" und stelle fest: AUGSTEIN und sein freitag kennen Kevin seit ROBINSONS Insellandung.

Mit Gerhard Hauptmanns: Die Insel der Großen Mutter stelle ich fest, meine Rechtschreibung scheint nicht mehr die besste zu sein: Als Linkshänder mÜsste ich schreiben:

Wer nicht "links" wählt, ist entweder Altnazi plus Neufaschist oder einer dieser "Dunkeldeutschen" aus dem Arbeiter- und Bauernparadies der noch nicht Tausenjährigen Merkeldamenherrschaft ...

Gundi Vabra | Mi, 14. Februar 2018 - 19:33

SPD-Mitglied, kann werden jeder der das 14. Lebensjahr vollendet hat und jeder Ausländer.
Ich frage schon nach der Legitimation wenn Menschen die gar kein Wahlrecht in Deutschland haben, über eine Mitgliedschaft in der SPD Einfluss auf die Regierungsbeteiligung in Deutschland nehmen können. Diese NoGroKo-Tour bei der türkischen Kulturgemeinde entkräftet meinen Vorbehalt nicht.
Wird deshalb auch in der SPD gerne nur noch von den Menschen statt von den Deutschen gesprochen, wenn es um die Politik geht für die sie eintreten wollen?

Dorothee Sehrt-Irrek | Do, 15. Februar 2018 - 10:42

In reply to by Gundi Vabra

ich finde das auch eher lieb gemeint aber problematisch.
Andererseits nimmt eben niemand an, dass es Versuche geben könnte, die SPD islamistisch zu kapern oder sonstwie.
So schnell bekommt man eigentlich in der SPD auch keinen Posten.
Aber mit der Abstimmung passt es evtl. nicht ganz zusammen.
Vielleicht ist diese Entwicklung aber auch verantwortlich für den Rückzug vieler von der SPD?
Aber nur ehemalige SPD-Anhänger befragt.
Selbst weiss ich nichts mehr über die Zusammensetzung der SPD-Mitglieder.

Selbst weiss ich nichts mehr über die Zusammensetzung der SPD-Mitglieder.
Zitatende:

Dann sollten Sie Ihre schwer verdaulichen ( wirren ) Beiträge
(trotz zweimaligen Lesen etwas unverständlich und widersprüchlich in der Sache sebst ) dahingehend überprüfen , das ihre "berechtigte" Kritik an die Fr. Merkel in Teilen nachvollziebar ist.

Sie vergessen dabei aber ( aus unnötiger Parteidisziplin ) das es ihre Partei war die das "Überleben" dieser Kanzlerin, aus "Billigen" und "Machpoltischen" Gründen über sehr...sehr viele Jahre die verfehlte Politik mit getragen hat...bzw. befeuert hat.
Unglaubwürdig hat seit ..Gabriel ..Schulz..Scholz..Nahles ( in die Fresse hauen ) und vielen anderen dummen "Schwätzern" in der SPD einen Namen: SPD

Angenehm, dass Sie mir Ihre Sicht der Dinge deutlich machen.
Sie werden damit hier ganz sicher von den meisten nicht nur verstanden, sondern Ihre Meinung auch geteilt.
Ich wage den "SPD-Lauf" zur vielleicht besseren allgemeinen Einschätzung.
Ich halte es für einen Unterschied, ob ich als SPD`lerin auf die Partei schaue oder eher als AfD oder CDU-Anhängerin.
Für mich steht im Vordergrund die SPD-Programmatik.
Es ist mir allerdings selbst ein Rätsel, was die mit Merkels Politik der offenen Grenzen zutun haben könnte.
Wenn ich nicht irre, glaubte sie die auch gar nicht schützen zu können.
Ich las letztenz noch einmal eine Reaktion von Otto Schily zu Merkels Flüchtlings"dramaturgie".
Ich denke, er steht für die Mehrzahl jedenfalls ehemaliger SPD-Wähler.
Ich versuche es anders, mein HORROR VOR MERKEL ist so groß, dass ich nicht die CDU wählen kann, meine sozialdemokratische Ausrichtung ermöglicht mir auch nicht die FDP, gar nicht die AfD.
Ich koaliere mit der CDU, NICHT mit Merkel

Holger Stockinger | Mi, 14. Februar 2018 - 19:44

Dem "SPD-Wahlkampfzug" sei LORIOT empfohlen: Fahre ab Würselen via Straßburg (Fack-Goethe auf dem Münster), Zwischenstation Berliner Reichstag, Rückkehr in Würselen je nach Wetterlage ... (in Geheimschrift: liebes Frauchen, die GenossInnen verdächtigen mich des versäumten Beischlafs!) ...

Fritz Gessler | Mi, 14. Februar 2018 - 19:49

was schulz&scholz&gabriel&&&& nicht haben/hatten?
schon grotesk, gerade als antwort auf die komplett inhaltsleere aktuelle 'personaldebatte' der SPD nun gerade wieder eine PERSON als antwort und wunderheiler präsentieren zu wollen - a la macron oder kurz.
so wie seit dem glanzlosen ende des real-sozialismus politik insgesamt nur mehr simuliert wird, nicht gemacht (mangels (volks)masse & (steuer)kasse für diesen speziellen überbau), so simuliert nun die untote 'volks/arbeiter'partei SPD ihre erneuerung via rebellen aus der retorte (ohnedies ein alter juso-gag:)).
die richtige frage wäre doch: wozu braucht es überhaupt noch eine partei a la SPD (oder auch CDU oder LINKE/PDS)?
eine bewegung a la macron würde es auch tun... mit wechselnden sprechern, vielleicht. je amorpher, desto besser: der beliebigkeit entkommt der post-real-sozialismus (auch westlicher prägung) eh nie mehr. und das ist auch gut so.

Holger Stockinger | Mi, 14. Februar 2018 - 20:00

Neulich an der Fleischtheke entrutschte mir ein Freudscher Versprecher: "Nein, sage ich - bloß einhalbes Kilo ...!"

Detlev Dinter | Mi, 14. Februar 2018 - 20:02

Im gestandenen Alter von knapp 30 noch im Studium, noch nie "echt" gearbeitet und Steuern bezahlt, träumt seine Visionen von einer besseren Welt - was kümmern ihn da Realitäten?
Geld verteilen, die Welt retten - was denn sonst?

Holger Stockinger | Mi, 14. Februar 2018 - 20:25

Als Alt-Ossi mag man Verständnis für die Sozies haben. Plattenbauten waren technisch eher lieferbar als 10 Jahre Warten auf einen LADA.

Die "BASIS" von Merkel bleibt Vorpommern.

Ob dort der letzte CDU-Wähler mitbekommt, dass das die Dame herzlich wenig interessiert?

Zum Tag von Karl Valentin: Hier ist der Buchbinder, kennen Sie den Rosenkavalier?

wolfgang spremberg | Mi, 14. Februar 2018 - 21:55

Wenn Kevin und Konsorten sich mit ihren politischen Vorstellungen durchsetzen würden, ginge es ihren potenziellen Stammwählern dann besser oder schlechter ?
Ich denke es gibt eine dritte Alternative. Es ginge ihnen sehr viel schlechter.
Wer einmal 3 Minuten über eine von Kevin und Kons. gewünschte Masseneinwanderung nachdenkt, kann, sofern einigermaßen bei Verstand, zu keinem anderen Ergebnis kommen.
Eine Begründung erspare ich mir. Darüber wurde hier genug geschrieben.

Markus Michaelis | Do, 15. Februar 2018 - 01:30

Emotional kann ich den Artikel gut verstehen. Wen man mitreißend findet, wen nicht, menschenverachtend oder selbstgerecht. Von Menschen, die politisch engagiert sind, würde ich mir aber auch erhoffen, dass sie versuchen die Welt ein wenig zu verstehen, um Politik nicht nur nach eher oberflächlichen Sympathien oder der eigenen Langeweile zu machen.

Juergen Winzig | Do, 15. Februar 2018 - 01:31

Möglich.... Vielleicht hat Herr Kühnert aber einfach nur erkannt, dass es mit schönen üppigst steuerfinanzierten Politikerpöstchen für den Nachwuchs in der SPD zukünftig nichts mehr wird, wenn die Partei weiter am Projekt "unter 10%"
im Rahmen der Politik gegen die eigene Bevölkerung arbeitet.

Simon Templar | Do, 15. Februar 2018 - 06:19

Erfrischend bis zum "menschenverachtend", dachte dann, ich hätte mich auf Bento verirrt, war leider nicht so. Empfehlung, junger Master Yves: wenn Sie gegen etwas Stellung beziehen wollen, sollte die Begründung nicht infantil sein, dass disqualifiziert den ganzen Beitrag.

Mathias Trostdorf | Do, 15. Februar 2018 - 08:16

Daß die SPD eigentlich von allen Parteien am überflüssigsten geworden ist, ist klar und wurde vielfach erörtert. Daran ist sie durch die Agenda 2010 und den Verrat an ihrem ursprünglichen Klientel selbst schuld. Allerdings mußte sie auch hinnehmen, daß die CDU ja heute die eine oder andere frühere SPD- Position vertritt. Ich kann mir gut vorstellen, wie schwierig es heute ist, Positionen zu vertreten, die die die Wähler wieder mitnehmen, und vor allem ausreichend Wähler, um auch Einfluß zu haben, aber damit müssen die Verfechter einer "bunten" und "vielfältigen" Gesellschaft einfach leben.
Daß sich Parteien allgemein, und hier SPD-Genossen auf neue Hoffnungsträger stürzen, ist verständlich. Wie schnell die verbrennen, wenn sie nicht glaubhaft sind, hat man am Beispiel Schulz ja grad gesehen. Auch der Kevin wird nichts liefern können, jedenfalls nichts, das die SPD für breitere Wählerschichten wieder wählbar machen würde.

Dietrich Paul … | Do, 15. Februar 2018 - 09:26

Er wird keine Chance haben, da er sich keine Freunde und Fördere im Establishment und der Führung erworben hat, die man unbedingt braucht. Man braucht hier auch etwas Lebenserfahrung. Der Apfel ist noch nicht reif.

Andreas Klenke | Do, 15. Februar 2018 - 09:34

Das ist kein Querolant, sondern genau so ein Selbstdarsteller wie Martin Schulz.

Gunvald Steinbach | Do, 15. Februar 2018 - 09:55

vor 24 J., als ich so alt war wie Sie jetzt, stand ich davor der SPD beizutreten, wollte die Welt, zumindest Afrika retten. Seitdem habe ich in Afrika gelebt, einiges gesehen, konnte während 10 J. im Rettungsdienst in die „Hinterhöfe“ D‘s schauen, habe ärmliche Rentnerwohnungen u. die Pflegekrise "erlebt". 2017 wählte ich die, wie Sie es nennen, „menschenverachtende“ Seite. Warum? Weil Deutschland vor die Hunde geht, wenn es so weiterregiert wird. Weil D nicht die Welt retten kann, indem es diese aufnimmt. Nur ein starkes D kann in der Welt etwas bewirken. Wird D jetzt grenzenlos ausgehöhlt, wie Kevin das auch will, geht es unter. Früher wollte ich die Welt retten… vllt. gelingt es mir wenigstens, mich in eine gesicherte Rente zu retten. Bleiben Sie Visionär mit Utopien, bewegen Sie was! Denken Sie dabei an Rentenarmut, Bildungsmisere, Pflegenotstand derer, die schon immer hier leben. Vergessen Sie den Naturschutz nicht. Arbeit genug für 10 Leben! P.S.: Ein Leben ohne Angela ist schön!

ohne Kevin auch!
Die neue GroKo, wenn sie denn Realität wird, löst keines der existentiellen Probleme Deutschlands. Beispielsweise wird die Erhöhung des Kindesgeldes um 25 € wird kein Kind in Zukunft vor der Armut schützen. Jung und frisch zu wirken scheint mir (wie bei Herrn Macron)zu wenig ,um Deutschland Verantwortung zu übernehmen.

Ich gehe in der Tat davon aus, dass es Menschen gibt, die schon immer hier lebten.
Das spricht in meinen Augen aber nicht gegen eine kluge Asyl- und Flüchtlings- und Migrationspolitik, die man auch definieren könnte, die akzeptiert werden könnte.
Aber dazu muss man sich als Parteien der Diskussion stellen.
Wo man eine den Namen auch verdienende theoretische Aufarbeitung leisten könnte, weiss ich momentan nicht.
Ich selbst habe auch viel zu viel Achtung vor dem Leben, um dies Büchern zu überantworten.
Einer der Gründe, warum der Zarathustra so verworren geschrieben scheint, wenn man mal Kants Kritik der reinen Vernunft danebenlegt ist vielleicht auch die Verweigerung des Denkens über die Liebe zum Leben, auch wunderschön beschrieben im Zarathustra selbst "...Ach, und nun machtest du wieder dein Auge auf, oh geliebtes Leben! und in`s Unergründliche schien ich mir zu sinken. -" Also sprach Zarathustra II, Das Tanzlied
Für mich ist der Zarathustra entsprechend philosophische Poesie

Walter Meiering | Do, 15. Februar 2018 - 09:58

Kühnert und Nahles: zwei Personen, die für die 'neue SPD' stehen. Zwei Personen, die noch nie in ihrem Leben außerhalb der Politik gearbeitet haben. Man schaue sich die Biographien dieser Personen an. Dann weiß man alles über den Niedergang der SPD.

Wolfgang Tröbner | Do, 15. Februar 2018 - 10:50

Zu Kevin Kühnert gibt es vermutlich eine Menge zu sagen. Dass er der Politikverdrossenheit innerhalb der SPD Ausdruck verleiht. Dass er die Parteiführung an ihre gebrochenen Versprechen erinnert und damit nicht einverstanden ist. Man muss auch seine politischen Überzeugungen (zumindest hat er welche) nicht teilen. Ich finde es nur unangemessen, ihn als "Querulanten" zu bezeichnen. Auf Wikipedia ist z.B. der folgende Satz zu finden: "... bezeichnet Querulant jemanden, der sich unnötigerweise beschwert und dabei starrköpfig auf sein zum Teil vermeintliches Recht pocht". Ich finde, Herr Kühnert hat alles Recht der Welt, sich über bestimmte Dinge innerhalb der SPD zu beschweren. (https://de.wikipedia.org/wiki/Querulant)

Dorothee Sehrt-Irrek | Do, 15. Februar 2018 - 10:54

dass man am besten über Parteien berichten kann, wenn man sich, wie Herr Bellinghausen neugierig und kritisch auf sie einlässt als teilnehmender Beobachter.
Ich glaube kaum, dass Journalisten in Parteien weggebissen werden.
Gestern war Aschermittwoch, etwas verspätet also meine Kritik an der Redaktion des Cicero.
Wenn die möchte, dass Leser_innen ihre mehr oder weniger fundierten Meinungen zu Texten formulieren und bereit sind, sie öffentlich zu machen, sollte man als Kommentator auch ein bisschen geschützt sein vor, wie ich es nennen würde, unsachgemäßer Kritik.
Entspricht ein Kommentar nicht der Netiquette, dann veröffentlicht ihn nicht.
"""Öffentliche Hinrichtungen""" passen nicht ganz zum Image des Cicero.
Meine Herren, hoffentlich meine Damen
Ihre Dorothee Sehrt-Irrek

aber jetzt überlege ich, ob es nicht auch breiter passt.
Sah durch Zufall gerade einen Ausschnitt auf Phoenix unter der Überschrift "Merkeldämmerung" eines Gesprächs zwischen Herrn Bosbach und Herrn Ruprecht Polenz.
Ich muss gestehen, mich evtl. etwas weinerlich verhalten zu haben.
Meinen Respekt Herr Bosbach, es macht Sinn, sich politisch auseinanderzusetzen und dann steht man eben auch mal ungeschützt da oder überhaupt.
Wichtig ist die, wenn ich so sagen darf, redliche Absicht auf allen Seiten.

Reinhard John | Do, 15. Februar 2018 - 16:50

Das Volk wird von der Politik bewusst dumm gehalten, dass geschieht nicht ala Nordkorea, sondern indem es belogen wird oder dringend reformbedürftiges, wie das deutsche Beamtentum, verschwiegen wird. Als Martin Schulz mit seiner Gerechtigkeitsdebatte vor einem Jahr begann, hatte ich kurze Zeit Hoffnung, dass nun neben der Gesetzlichen Rente, nun endlich auch die Beamten Federn lassen müssen, da die Pensionslasten für den Steuerzahler rasant aus dem Ruder laufen! Geschehen ist nichts und der neue Koalitionsvertrag sieht dazu nichts vor.

Wilhelm Maier | Do, 15. Februar 2018 - 17:35

Die SPD und auch CDU zu erneuern heiße nicht fürs utopische Denken die Richtung halten.
Utopie und Märchen...
Karl Marx: Das "Reich der Notwendigkeit" wird zugunsten des "Reichs der Freiheit" verkleinert.
„Politisches Abenteuer oder sozialdemokratischer Pragmatismus?“
„Warum mir aber in neuster Welt
Anarchie gar so wohl gefällt?
Ein jeder lebt nach seinem Sinn,
Das ist nun also auch mein Gewinn.
Ich laß einem jeden sein Bestreben,
Um auch nach meinem Sinne zu leben.“
Johann Wolfgang von Goethe.

Peter Zirbal | Do, 15. Februar 2018 - 20:17

Die Leute, die die SPD inhaltlich verbessern wollten, haben sie längst verlassen. Hohle Sprüche, lachhafte Worthülsen, die bekommt man reichlich. Die hat da jeder. Immer noch und immer mehr, mangels Inhalten.

Friedrich Rhein | Do, 15. Februar 2018 - 20:30

Schlichte Zwischenfrage zur Unterrubrik „Und was geht ...“: Was denn für Utopien? Brauchen wir denn überhaupt eine Partei mit Utopien? Und wenn ja, für wen? Utopien sind doch, semantisch gesehen, reine Wunschträume, unrealistisch, unerfüllbar!
Da ist insbesondere die bayerische Unionspartei derzeit die am meisten von Vernunft bestimmte Partei. Und Seehofer ist auf einmal kein „Drehhofer“ und kein „Wendehals“ mehr im abschätzigen Sinn. Es sei denn, man wechselt mal die Perspektive. Und da zeigt sich: Er hat die Dinge gedreht und gewendet ins Vernünftige. Würdigt dies doch auch einmal bei „cicero“. Er und seine Mitstreiter haben doch auch mal ein Lob von euch verdient! Und außerdem: die brauchen nun wirklich keine Kevins. Die haben ja gottlob einen Markus, einen Alexander, einen Andreas ...

Jo Schnelsen | Fr, 16. Februar 2018 - 11:30

Es ist schon lange egal wen man wählt, da alle Parteien ihre Wahlversprechen mit denen sie unbedingt an die Macht wollen nach Machterhalt mit den Worten abtun "Was interessiert mich mein Geschwätz vom Wahlkampf".

Heinrich Niklaus | Fr, 16. Februar 2018 - 11:45

„Als Querulant wird ein Mensch bezeichnet, der trotz geringer Erfolgsaussicht besonders unbeirrbar und zäh einen Rechtskampf führte. Dabei steht ein geringfügiger oder vermeintlicher Anlass kaum noch in einem angemessenen Verhältnis zum rechthaberischen, misstrauischen, fanatischen und unbelehrbaren Vorgehen der so bezeichneten Menschen.“

Kann man auf diesem Hintergrund Kevin Kühnert als Querulant bezeichnen, Herr Bellinghausen? Ich sehe das nicht! Statt Zukunftsfragen strategisch zu klären (z.B.Rente), schüttet die SPD den Widerspruch mit Milliarden zu und will so die Zustimmung zum Koalitionsvertrag erzwingen. Das ist kein „Pragmatismus“, sondern dient nur dem Machterhalt der Kanzlerin. Dazu sollte sich die SPD nicht hergeben!

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