Ehe für alle - Weshalb überhaupt heiraten?

Das Gesetz der „Ehe für alle“ wurde jubelnd aufgenommen. Das Paradoxe ist, dass das Prinzip der lebenslangen Partnerschaft längst nicht mehr unserer Zeit entspricht. Das Modell der Ehe als sinnstiftender Ort muss diskutiert werden

Eine transsexuelle Frau hält ein Schild mit der Aufschrift "Endlich: Ein Recht auf Scheidung #Ehefüralle".
Am 30. Juni 2017 beschloss der Bundestag die „Ehe für alle“ / picture alliance

Autoreninfo

Martin Hagenmaier ist Doktor der Theologie und Kriminologe. Nach 40 Jahren Pastorendienst arbeitet er heute als Mediator in Strafsachen. Er hat gerade seinen 44. Hochzeitstag hinter sich.

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Martin Hagenmeier

Die kirchliche Herkunft der lebenslangen Ehe zwischen Mann und Frau ist unumstritten. Mit der neuzeitlichen Ehe hat sie eher wenig zu tun. Im Alten Testament gab es keine staatliche Stelle, die Ehen registrierte. Ehen in unserem Sinne kannten die alten Hebräer nicht. Sie pflegten vielmehr die Polygamie für Männer. Trotzdem gibt es da Adam und Eva, die Gott füreinander geschaffen hat. Aber mit der Aufwertung des staatlichen Ordnungselements „Ehe“ hat diese alte Geschichte wohl eher nichts zu tun. In Deutschland hat der Staat das kirchliche Ehemodell auch erst im 19. Jahrhundert übernommen, mitsamt der romantischen Liebesidee und der lebenslangen Verpflichtung. So wurde die mythische Sage von Adam um Eva zum staatlichen Gesetz.

Ein Auslaufmodell

Seit vielen Jahren erleben wir die allmähliche Abkehr von dem Modell der lebenslangen Gemeinschaft zwischen Mann und Frau. Die Ehe diente zur Kontrolle von Sexualität und Nachwuchs. Im Gegensatz zum neuen Modell war Gemeinschaft nicht vorrangig wichtig. Heute wird die gegenseitige Verantwortung gelebt. So ist im Wesentlichen auch die Position der evangelischen Kirche in Deutschland: „Protestantische Theologie unterstützt das Leitbild der an Gerechtigkeit orientierten Familie, die in verlässlicher und verbindlicher Partnerschaft verantwortlich gelebt wird.“ Gleich darauf heißt es: „Familien sind sinnstiftender Lebensraum und Orte verlässlicher Sorge.“ Von Sensibilität ist keine Rede.

Was an dieser Position unklar bleibt: Findet Sinnstiftung ohne Ehe und Familie nicht statt? Was ist mit Singles – müssen die ohne Sinn leben? Warum können nicht mehrere Menschen heiraten und eine Gruppenehe bilden? Da könnten sich Heteros, Schwule, Lesben und Transsexuelle zusammenfinden. Und schließlich: Was ist an einer Familie gerecht? Die einen bleiben lebenslang verbunden, andere zerstreiten sich oder gehen auseinander und gründen neue Familien. Viele bleiben alleine und das Zeugen von Kindern schaffen manche auch ohne nähere Bekanntschaft.

Ehe für Spießbürger

Eine weitere Entwicklung gibt zu denken. Seit mehr als 40 Jahren gilt die Ehe als die Inbegriff der Spießbürgerlichkeit. Warum wollen jetzt alle leben wie die Spießbürger? Hatte doch die Evangelische Kirche erst 2013 einen Rückgang der Eheschließungen festgestellt, sogar von einem Rückgang der Attraktivität der Ehe gesprochen. Dass nun geradezu euphorisch eine neue Zeitrechnung ausgerufen wird, weil Schwule und Lesben auch unter das Ehejoch gebracht werden, scheint eigentlich anachronistisch.

Der sinkenden Attraktivität der Ehe entspricht auch ein Rückgang kirchlicher Eheschließungen. Ließen sich 1990 von den circa 500.000 Ehepaaren noch 100.000 evangelisch und 110.000 Paare katholisch trauen, waren dies 2003 von den nur noch 380.000 Eheschließungen 56.000 evangelische und 50.000 katholische Trauungen. Meiner Rechnung nach bedeutet das einen Rückgang bei Eheschließungen um 28 Prozent, aber um 44 Prozent im katholischen und circa 55 Prozent im evangelischen Bereich. 

Um Liebe geht es nicht

Der Bundestag hat nach einem taktischen Manöver aller Beteiligten am 30. Juni 2017 die „Ehe für alle“ beschlossen. Unter dem Motto „Liebe gewinnt“ traten besonders die Grünen dafür ein. Aus der SPD hörte man: „Sieg für die Liebe.“ Dass die Liebe nun ein staatlicher Vertrag ist, der auch Homosexuelle dazu zwingt, bei einem Ende der Partnerschaft eine teure Scheidung mit Trennungszeiten, späterem Versorgungsausgleich und möglicherweise Unterhaltszahlungen in Kauf zu nehmen, ist zumindest interessant. Ich hätte mir vorstellen können, dass die staatliche Ehe in Zukunft entbehrlich wird, weil Lohngleichheit erzielt, Erziehungszeiten anerkannt und auch weibliche Rentenansprüche dem Armutsrisiko entkommen sein werden. 

Die Grünen-Aussage, hier gehe es um die Liebe, ist gewagt. Denn beim staatlichen Eheinstitut geht es häufiger um Taktik. Es wird zur Steuererleichterung, Nachwuchssicherung, aus Konvention, aus finanziellen und wirtschaftlichen Gründen, manchmal sogar zur Einbürgerung eingesetzt. Dass in der kirchlichen Trauung und beim Standesamt die Liebe als Grund für eine Eheschließung gewertet wird, könnte man als gut gemeinte Illusion oder gar als Legende bezeichnen. Liebe mag der Anlass, aber nicht der Grund sein für diese staatliche Ordnungsaufgabe, der die Kirchen ihren Segen hinterher verabreichen.

Aufhebung staatlicher Diskriminierung

Dass sich nun Homosexuelle in diese Ordnung einfügen dürfen, hat genauso wenig mit Liebe zu tun. Ihnen geht es um die Gleichberechtigung und die Aufhebung einer staatlichen Diskriminierung bei der Verpartnerung. Auf dem historischen Hintergrund der Kriminalisierung von Homosexualität kann man das nachvollziehen. Lieben aber durfte man auch bisher, wen man wollte. Es gab jedoch gesellschaftliche Konsequenzen, wenn man den oder die Falsche liebte. Die „Ehe für alle“ schützt davor rein rechtlich. Im täglichen Umgang hält die Diskriminierung dennoch an – auch aus anderen Gründen: zu alt, zu jung, falsche Religion, falsche Herkunft, falsches Geschlecht, falsche Staatsbürgerschaft, falsche Bildungsstufe, falsche politische Ausrichtung, falsches Aussehen und so weiter.

Ein weiterer Schachzug im politischen Deutschland

Sinnvollerweise hätte man die Ehe endlich entrümpeln sollen, anstatt dieses Regulierungsinstrument nun auch auf eine weitere Gruppe auszudehnen. Dass es nicht für alle Versionen der Liebe gilt, ist auch eindeutig, da es lediglich die staatliche Ehe mit ihrem romantischen Liebesideal auf homosexuelle Menschen überträgt. Nun diskriminiert der Staat eben die, die mehrere Menschen lieben oder sich schon klar darüber sind, dass lebenslänglich für sie nicht in Frage kommt. Das sind laut Scheidungsstatistik viele. Das gängige Modell verpflichtet Singles allein aufgrund dieses Merkmals zu höheren Steuern. Ist das keine Diskriminierung?

Die Kirchen werden sich wie immer anpassen. Auch sie werden keine Gruppen- oder Zeitehe segnen wollen, obwohl das als Konsequenz aus der Orientierung am Individuum folgen müsste. Also: keine Zeitenwende, nur ein Schachzug im politischen Deutschland – ohne ausführliche gesellschaftliche Diskussion über die Ehe an sich.

Thomas Mank | Mi, 5. Juli 2017 - 16:32

Sehr geehrte Redaktion,

dieser Beitrag von Martin Hagenmaier ist so überraschend anders, als ich es von den bisherigen Kommentaren zum Thema gewohnt war, dass ich allein schon deshalb begeistert bin. Aber vor allem auch inhaltlich fasst er das zusammen, was ich darüber denke. Perfekt. danke.

Albert Schabert | Mi, 5. Juli 2017 - 18:06

Ich bin seit 42 Jahren verheiratet.Die Liebe ist längst vorbei.Jetzt ist es eine Beziehung,die aus wirschaftlicher Notwendigkeit weitergeführt wird.Die Wirtschaftlichkeit und die gegenseitige Hilfe ist der größte Nutzen einer Ehe.

Markus Michaelis | Mi, 5. Juli 2017 - 19:37

Die erweiterte Ehe (NICHT für alle, wie der Artikel richtig schreibt) ist gut und entspricht dem heutigen Leben. Aber der Artikel bringt das Drumherum gut auf den Punkt. Eine der neu gewachsenen Mehrheiten im Land (Leute mit verschiedensten sexuellen Zuordnungen) bekommt entsprechend ihrer Schlagkraft ihren Anteil. Das ist gut und richtig - mit Minderheiten hat es eher wenig zu tun, die Gesellschaft folgt eher der massenhaft wahrgenommenen Realität und Schlagkraft. Menschen, die bisher unter vorgestellten oder realen Diskriminierungen gelitten haben bekommen Respekt und Anerkennung. Das ist schön. Aber der große Wurf zu einer besseren Welt ist, wie der Artikel gut beschreibt, jetzt nicht so richtig zu erkennen.

Joachim Wiemann | Fr, 7. Juli 2017 - 10:28

In reply to by Markus Michaelis

Es ist nach wie vor eine verschwindend kleine Minderheit, die von EVA profitiert und der Mehrheit aufgezwungen wird. Dank der Schlagkraft (da haben Sie recht) der linken MSM.

Elke Halefeldt | Mi, 5. Juli 2017 - 19:45

Man kann ja am idealen Konzept der Ehe als Zwei-Personen-Beziehung, „romantische Liebesidee“ und Steuersparmodell mit der Möglichkeit, Nachwuchs in stabilen Verhältnissen aufzuziehen und zumindest für viele Jahre zusammenzubleiben, viel herummäkeln.

Die Frage ist nur, was an die Stelle treten soll und kann.
Neben Singles und Alleinerziehenden die moderne, offene Konstellation: Egal wie viele Menschen egal welchen Geschlechts sind, in liberaler Polyamorie verbunden, für eine gewisse Zeit zusammen und ziehen ggf. irgendwie entstandene, ihnen irgendwie zuzuordnende Kinder auf, falls die Gemeinschaft nicht früh zerbricht? WohnGemeinschaft for ever?

Eine Gesellschaft braucht feste verlässliche Strukturen, die meisten Menschen haben ein Bedürfnis nach Stabilität, Sicherheit, Vertrautheit. Erkunden wir doch lieber mal, was die Aufrechterhaltung von Ehen heute erschwert, anstatt diese Zwei-Personen-Lebensform auf den Müll zu werfen.

Jürgen Lehmann | Do, 6. Juli 2017 - 12:34

In reply to by Elke Halefeldt

Da bin ich ihrer Meinung Frau Halefeld.
So lapidar wie es hier teilweise dargestellt wird, kann dieses Thema nicht abgehandelt werden.

Nur eine Förderung von Kindern vorzunehmen – egal wo diese erzeugt wurden – wird hoffentlich nie aktuell werden. Hier würde es außer der „Moral“ auch noch unendlich viele Streitfälle geben (Vatertest, Muttertest……).
An die Stelle des „Nachwuchses in stabilen Verhältnissen“ ist nichts in Sicht was dieses ersetzen könnte. Und das wird sich auch kaum ändern – gleichgültig wer unseren Staat regiert (hoffentlich nie die GRÜNEN allein).

franz wanner | Do, 6. Juli 2017 - 14:06

In reply to by Elke Halefeldt

Ich stimme Ihnen voll zu.
Und würde sogar erweitern.Es geht auch um Wirkkraft der persönlichen Beziehung ohne jeden Druck von Außen. Bewußt wird das Bindungsversprechen öffentlich und mit Auflösungshürden abgegeben, der Kontrolle und der Sanktion unterstellt, um eigene
Ernsthaftigkeit zu demonstrieren.
Eine gescheiterte Verpflichtung ist eben nicht dasselbe, als wenn nie eine bindende Verpflichtung eingegangen wurde.
Auch deshalb kennt jede Kultur und jede Entwicklungsstufe diese Form der öffentlichen Erklärung zur Zusammengehörigkeit.
An der Modalität kirchlicher Ausprägung kann natürlich gearbeitet werden oder darauf verzichtet.

Christina Rotfeld | Fr, 7. Juli 2017 - 21:14

In reply to by franz wanner

Und wer wird Sanktioniert? Doch letztendlich nur die eine Partei, die in der überwiegenden Zahl der Fälle ein Großteil der Zeit mit den Kindern und ein Teil des persönlichen Einkommens (und evtl. Besitztümer wie z.B. ein Haus) verliert, ganz egal ob diese Partei der Grund für die Auflösung für das Verhältnis ist oder nicht.
Wer von den beiden Elternteilen das ist sollte nicht schwierig herauszufinden sein.
Bei relativ hoher Rate an Scheidungen, bei denen zumeist die Frauen die Scheidung wollen ( http://archive.is/OVdUV ) ist das Ehemodell nicht mehr zeitgemäß. Private Verträge über das Großziehen von Kindern könnten an diese Stelle treten - ohne Staatsintervention. Wenn keine Kinder gewünscht sind wird das eben auch so festgehalten und ggf. in der Zukunft geändert (ggf. mit Vaterschaftstest-Verpflichtung). Ein Vertrag zwischen A und E, bei dem (fast) immer A sanktioniert wird egal wer aus welchem Grund den Vertrag auflösen möchte, sollten von A grundsätzlich abgelehnt werden.

Bernhard Kopp | Mi, 5. Juli 2017 - 19:59

Die sehr hohe Zahl von Ehescheidungen, trotz gemeinsamer Kinder, ist der Beweis, dass es beim Verantwortungsgefühl sehr oft mangelt. Kinder wollen keine wechselnden Lebensabschnittspartner von Eltern, sie wollen emotionale Stabilität über mindestens 20 Jahre. Das Leiden der Kinder unter jedem Zerwürfnis der Eltern wird, aus durchsichtigen egoistischen Gründen der Beteiligten sehr weitgehend unterschätzt und heruntergespielt. Die Neudefinition von Ehe als nur mehr rechtspositivistisches Konstrukt wird keine Verbesserung des erodierenden Verantwortungsbewusstseins bringen.

Dimitri Gales | Mi, 5. Juli 2017 - 20:03

weil wir meinen, dass das Bürgerliche Gesetzbuch genug Möglichkeiten bietet, ein Zusammenleben auch gegebenfalls rechtlich zu regeln. Die Ehe ist nach meinem Empfinden eine Antiquität, eine Sache für traditionsbewusste (Romantiker) - ist ja auch schön. Die Ehe war ursprünglich vor allem eine Versorgungsinstitution, sie legte die Rollenverteilung fest, insbesondere für Frauen. Auch meine ich, dass ohne hässliche Scheidungsprozeduren die Kinder, die eigentlichen Leidtragenden, eine Trennung besser überstehen würden.

Günter Schaumburg | Mi, 5. Juli 2017 - 20:56

Vor kurzem ist meine Frau verstorben. 52 Ehejahre
haben wir in Freude, Ängsten, Sorgen und viel Spaß verbracht. Eine wunderschöne Spießbürger-
zeit.

52 Jahre - wunderschön. Gemeinsam alt zu werden mit Freuden, Ängsten, Sorgen und viel Spaß - mehr geht ja eigentlich nicht. Das kleine Schiff der Ehe auch durch schweres Wasser zu bringen, ist gar nicht so einfach. Am Anfang jeder Ehe sollte m. E. nicht die Romantik sondern ein große, tief empfundene Freundschaft stehen. Dann kann sie für´s Leben gelingen - die Ehe. Ich bin - wie Sie - von Herzen gerne Spießbürger. Mein Mitgefühl für Sie zum Tod ihrer Frau.

Christian Gohlke | Mi, 5. Juli 2017 - 21:17

Darf man das bei einer "Ehe für alle" noch Rosenkrieg nennen - im Falle eines Falles? Da kommen Herausforderungen auf uns zu, die man im allgemeinen Überschwang noch gar nicht bedacht hat. Da können ja auch ganz unverhofft viele neue Arbeitsplätze entstehen in der Hochzeits- und Scheidungsindustrie. Böse Zungen behaupten ja auch, dass einer der gewünschten Nebeneffekte des Feminismus war, dass sich die Zahl der Steuerzahler fast verdoppelte. Am besten man lässt das jetzt erst mal "einwirken" und wartet, ob es Handlungsbedarf gibt.

Michaela Diederichs | Mi, 5. Juli 2017 - 22:15

Erfrischend anders sieht der Autor auf die Ehe und hat in seinem Artikel viele Seitenhiebe eingebaut. Seinem Fazit schließe ich mich an: "Also: keine Zeitenwende, nur ein Schachzug im politischen Deutschland – ohne ausführliche gesellschaftliche Diskussion über die Ehe an sich." Über Jahre und Jahrzehnte wurde die Ehe von den Roten und Grünen niedergemacht und entwertet. Nun ist die "Ehe für Alle" ihre größte Errungenschaft für eine verschwindend kleine Minderheit. Wie spießig Grüne und Rote sind zeigen Joschka Fischer, Oskar Lafontaine und Gerhard Schröder - die können von der Ehe gar nicht genug bekommen. Je häufiger, desto besser. Auf 44 Ehejahre wird es wohl keiner von denen bringen - eher noch auf weitere Ehen. Rot-Grün hat einen seltsamen Ehebegriff. Den kann man teilen, muss man aber nicht.

Joachim Walter | Mi, 5. Juli 2017 - 23:05

In der Tat ein erfrischender Perspektivwechsel, der das Ganze mal aus einem anderen Winkel beleuchtet.

Er bestätigt für mich die traurige Erkenntniss, dass die ehemalichen Revoluzzer inzwischen zu bräsigen Spießbürgern herangewachsen sind.

Das sind die gleichen Leute, die früher den Mief der Kirchen anprangerten und für sich einen auf "freie Liebe" machten, während sie heute irgendwelchen Islamverbänden Raum geben, und damit dem Wiedereinzug genau dieses Miefs in unsere Gesellschaft auf breiter Front den Weg bereiten.

Michaela Diederichs | Do, 6. Juli 2017 - 23:01

In reply to by Joachim Walter

"Das liegt in der Natur der Ideologie selbst begründet, denn "Ideologien mögen sich noch so sehr unterscheiden, ein wenig Idiotlogik ist ihnen allen nicht fremd." (Martin Reisenberg)" Dieses Zitat stammt aus einem Kommentar zum Tod von Kardinal Meisner hier im Cicero. Rot-Grün ist so miefig und muffig, so ideologisch verblendet und bieder wie ein rückwärts gewandter Islamverband. Deshalb versteht man sich auch bestens.

Yvonne Walden | Do, 6. Juli 2017 - 10:07

Vielleicht gelingt es dem künftigen Deutschen Bundestag, die Institution Ehe zu entrümpeln. Nicht Ehe und Familie sollten den besonderen Schutz des Staates genießen, sondern lediglich die Kinder, die bis zum Erwachsenwerden im Prinzip schutzbedürftig sind.
So sollte auch die steuerliche Privilegierung der Ehe (Ehegattensplitting) abgeschafft werden, denn es war und ist kein Staatsziel, die Ehe als solche zu fördern.
Lediglich die Förderung der Abkömmlinge, also der Kinder, ob nicht-ehelich oder ehelich, sollte bei allen staatlichen Aktivitäten an erster Stelle stehen. Aber von einem solchen Staatsziel scheint Deutschland noch weit entfernt.

entwickeln sich am besten, wenn sie in einer stabilen Elternschaft aufwachsen. Der Staat hat massives Interesse daran die Ehe zu fördern. Es ist die Aufgabe des Staates das zu fördern, was wirklich wirkt. Daher sind die Steuervorteile für Eheleute absolut vertretbar, denn sie das beste, was man Kindern antun kann.

Joachim Kortner | Do, 6. Juli 2017 - 10:34

Die Ehe zwischen zwei sich ein Leben lang liebenden Menschen verschiedenen Geschlechts wird es immer geben. Wer aus eigenem oder fremdem Verschulden selbst nur armselige Erlebnisse vorweisen kann, der sollte deshalb nicht die Ehe als solche zur Diskussion stellen.

Frank Goller | Do, 6. Juli 2017 - 11:04

Unter dem Motto, die Liebe gewinnt, habe ich 3 mal gewonnen und anschließend 3 mal mindestens die Hälfte meines Vermögens verloren. Mittlerweile in hohem Alter klug geworden, möchte ich zu den "Gewinnern" der Liebe nicht mehr gehören. Thermomix, Waschmaschine und Geschirrspüler reichen mir aktuell ;-)

auf Achgut habe ich die schöne Aussage gelesen " Wissenschaftler haben festgestellt, dass die Ehe der Hauptgrund für Scheidungen ist"... Alles Gute für Sie.

Christa Schreiber | Do, 6. Juli 2017 - 11:29

Der Staat hat gnädig erlaubt, was eigentlich unsere ureigenste Entscheidung ist. Von staats wegen dürfen wir jetzt die oder den Falschen ehelichen. Welche Errungenchaft.
Und welche Aufregung um eine - wie im Artikel treffend beschrieben - überholte Institution.
Aber gut, manche Paare brauchen für ihre Liebe den staatlichen Segen. Wenn sie das glücklicher macht...

Bruno Freissmuth | Do, 6. Juli 2017 - 11:40

Interessanter Artikel, in der Tat ist es überfällig, über die Ehe ganz grundsätzlich nachzudenken: Was macht sie aus, welche Aspekte sind relevant, wie sind sie zu gewichten?
Dennoch zwei Anmerkungen:
1. Die Argumentation auf "Diskriminierung" zu stützen, scheint wenig plausibel, da Erwachsene sich frei für oder gegen die Ehe entscheiden. Auch muss man anscheinend immer wieder betonen, dass mit dieser Entscheidung nicht nur Rechte, sondern auch Pflichten bis hin zu erheblichen Nachteilen gegenüber Singles verbunden sind, etwa im Erb- und Unterhaltsrecht (z. B. Unterhalt für die Eltern des Ehepartners, wenn dieser ebenfalls kein oder nur geringes Einkommen hat).
2. Die Ehe als staatliches Ordnungsprinzip gab es wohl schon in Rom. Man lese Ciceros Hymne an die Philosophie ("O vitae philosophia dux") und beachte "coniugiis" im Kontext anderer zivilisatorischer Errungenschaften (Sesshaftigkeit, Gründung von Städten und Gesellschaften, Sprache, Schrift, Werte, Gesetze, Wissenschaft).

robert renk | Do, 6. Juli 2017 - 11:42

"und er schuf sie als Mann und Frau"
"und die zwei werden ein Fleisch sein"
Da können Gender- Aktivisten, verkappte Theologen und bunte Politiker sagen was sie wollen, den Plan Gottes kann man zwar ablehnen oder pervertieren , aber bestehen bleibt er doch !
Gott lässt sich nicht spotten !

Die biblische Legende der Erschaffung von Mann und Frau ist immer wieder erbaulich - aber eben eine Legende.
Jahrhundertelang haben kirchliche Theologen versucht, naturwissenschaftliche Erkenntnisse und Beweise auszublenden oder zu ignorieren.
Heute sind wir schlauer - oder genau so verbohrt wie unsere Altvorderen, soweit sie kirchlichen Märchenerzählern auf den Leim gegangen sind.
Einer dieser Märchenerzähler war Kardinal Joachim Meisner.

Helmut Bachmann | Do, 6. Juli 2017 - 13:04

Dass wir heute in den Zeiten von "Anything goes"leben, heißt nicht, dass es sich um einen Fortschritt handelt. Die Partnerschaft zwischen Mann und Frau, die Kinder und Familie hervorbringt sollte weiterhin ernst genommen werden. Auch wenn viele heute Angst vor Bindung haben, oder meinen, dass ein Partner nicht reiche: Wir "Spießbürger" sind und bleiben das Rückrat der Gesellschaft.

Chris Lock | Do, 6. Juli 2017 - 13:11

Die Ehe ist eine gesetzlicher Vertrag, den die Partner im übrigen sehr weitgehend selbst abändern können.

Das ist auch angebracht, denn Ehegatten leben auch heute noch in einem "do ut des" - einer gegenseitigen Abhängigkeit im Vertrauen auf die Zuverlässigkeit des anderen. Spätestens wenn es um die Kinderplanung und Einschränkungen bei Beruf und Lebenserwerb geht, wird dies deutlich.

Nicht ohne Grund zählen alleinerziehende Frauen häufig zum Prekariat.

Was tatsächlich seit Jahrzehnten passiert, ist die Übernahme von Verantwortung durch die Allgemeinheit, welche sehr teuer dafür zahlt, dass niemand hinten runter fällt.

Ich möchte das vergleichen mit der Pflicht zur Pflege der Angehörigen. Natürlich kann man das aus der Familie auslagen, die Kosten sind bereits hoch und stiegen noch dramatisch.

Und ich meine, dass es nach wie vor zeitgemäß ist, gegenseitig Pflichten und Verantwortung zu übernehmen. Möglicherweise machen das die homosexuellen Paare uns jetzt vor.

Harro Meyer | Do, 6. Juli 2017 - 13:40

Der Nachteil einer langjährigen Ehe (bis der Tod euch scheidet), ist, dass einer von beiden auf Dauer in ein trostloses Abhängigkeitsverhältnis kommt, dessen Sinn nur durch christliche Sprüche erklärt werden kann, denen sich die Kirche erst nach 1000 Jahren beim Konzil von Trient mit der orientalischen Kebsenehe entzogen hat. Die Germanen hatten bis dahin ein wesentlich sinnvolleres mehrstufiges Eherecht.

Monika Medel | Do, 6. Juli 2017 - 14:35

Man kann sich ja über die herkömmliche Ehe mokieren, die Wohltat der Abschaffung staatlich bzw. gesellschaftlich geregelter Verhältnisse erträumen, darüber ins Schwärmen geraten usw. Aber die geschichtliche Erfahrung zeigt eines: Menschen ertragen eine schlechte, ja eine sehr schlechte Ordnung immer noch lieber als gar keine Ordnung. Da werden sie rappelig. Die Abschaffung der Ehe als solcher würde den Egoisten, den Verantwortungslosen das Spiel erleichtern und ziemlich bald würde sich ein Geschrei nach gesetzlicher Regelung von diesem und jenem erheben. Ehe hat sich jahrtausendelang bewährt, sogar in unerquicklichen Formen. Menschen wollen Ordnung, Struktur und Sicherheit - und am allermeisten brauchen das KInder. Gegen die menschliche Natur kommt niemand an. Träumt also weiter, liebe Eheabschaffer.

Jürgen Höhenberger | Do, 6. Juli 2017 - 14:40

In der Tat stellt sich die Frage ob die Ehe für alle noch den verfassungsrechtlich verankerten Schutz des Staates Bedarf. Konsequent wäre es entweder aufgrund von Gleichstellung die Ehe zur reinen Privatsache zu erklären und die Kosten für Ehe auf 0 € zu setzen oder die Ehe in der traditionellen Form höher als die Gleichstellung einzustufen und weiter unter den besonderen Schutz zu stellen. Leider drückt sich die Politik wieder einmal vor der Grundsatzentscheidung.

Rudolf Bosse | Do, 6. Juli 2017 - 19:19

Man sehe sich die Praxis des heutigen Zusammenlebens an. Ich kenne einige Lebensgemeinschaften mit Kindern, die ohne staatliches Papier wie in einer Ehe leben. Mir sind keine Statistiken bekannt, wie viele solcher freien Lebensgemeinschaften existieren, aber ich schätze, daß sich deren Zahl mit der von staatlichen Ehen in etwa die Waage halten.
Also ist doch das allgemeine Verantwortungsgefühl höher, als meist vermutet wird und daher könnte man die staatlich sanktionierte Ehe abschaffen und damit gleiche Rechte für alle sichern.

Dr. Lothar Sukstorf | Do, 13. Juli 2017 - 10:00

Fragen sich das nicht eingefleischte Singles und Paare, die viele, viele Jahrzehnte verheiratet sind? Ich , hingegen, empfehle diese Frage eher dem Papst und der Glaubenskongegration...

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