Digitalisierung in der Schule / dpa

Digitalpakt für die Schulen - Die digitale Revolution wird zum Glück vertagt

Der Digitalpakt Schule kommt nur schleppend voran. Dabei hapert es nicht nur an Geld, oft wird auch nicht zwischen sinnvollen und unsinnigen Digitalisierungsmaßnahmen unterschieden. Am Ende könnte das sogar zum Segen werden. Denn kein Computer der Welt ersetzt die Empathie, das Fachwissen und das Engagement eines guten Lehrers.

Porträt Mathias Brodkorb

Autoreninfo

Mathias Brodkorb war Finanzminister des Landes Mecklenburg-Vorpommern und gehört der SPD an.

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Es hat Jahre der Diskussionen und des Kompetenzgerangels zwischen Bund und Ländern gebraucht, bis er Ende 2019 endlich vereinbart war: der Digitalpakt für die Schulen in Höhe von 5 Mrd. Euro. Er sollte eine digitale Revolution an Deutschlands Schulen auslösen und wurde im Rahmen der Corona-Krise vor allem für den Kauf von Laptops und Tablets noch einmal um 1,5 Mrd. Euro aufgestockt.

Die Umsetzungsbilanz, die Bundesbildungsministerin Stark-Watzinger (FDP) in dieser Woche präsentierte, fällt indes ernüchternd aus.  Von den 5 Mrd. Euro des ersten Digitalpakts sind nach zwei Jahren nur 423 Mio. Euro umgesetzt, also weniger als 9 Prozent. Die Zahlen blieben „hinter unseren Erwartungen“ zurück, so die Ministerin. Allein bei der Beschaffung digitaler Endgeräte habe man gute Erfolge erzielt. Generell gelten zu komplizierte, bürokratische Antragsverfahren der Länder als der eigentliche Hemmschuh.

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Ingo Frank | So, 6. März 2022 - 22:14

für die Bundeswehr. Das Ergebnis wird sich letztendlich gleichen.
Am Ende ist alles weg und in der Substanz ist nichts passiert. Das Geld verläuft „in Sande“ oder besser gesagt in der Verwaltung = Sand. Beim schulischen Digitalpakt in 16 + 1 Ministerien zur Absicherung der Posten und Pöstchen der Parteigenossen.
Und bei dem Aufpeppen der Bundeswehr wird’s nicht anders werden. Oder, wie viele Beamten und Mitarbeiter haben nach Abschaffung der Wehrpflicht, ihren Job verloren? Ich behaupte mal, niemand. Wir leisten uns nicht nur eines der größten Parlamte, sondern auch einen unverschämt üppigen Verwaltungsapparat von der EU ganz zu schweigen. 2/3 einsparen und das Fachkräfteproblem wäre gelöst.
Mit freundlichen Gruß aus der Erfurter Republik

René Maçon | Mo, 7. März 2022 - 08:03

Alles, was digitalisiert werden kann, wird digitalisiert werden! Das zeigt die bisherige technologische Entwicklung.

Die Pandemie hat uns gezeigt, was im Bildungsbereich heute schon geht. Es war deutlich mehr als wir bis dahin praktiziert haben. Wenn wir jetzt wieder zurückrundern, werden wir gegenüber Ländern verlieren, die dem technologischen Wandel aufgeschlossener gegenüber stehen als Deutschland.

In Deutschland sind nur solche Technologien "gut", die ihren Ursprung im Mittelalter haben. Windmühlen, ökologische Landwirtschaft, Bleistift & Papier...

Ernst-Günther Konrad | Mo, 7. März 2022 - 09:22

Meine Tochter ist Lehrerin. Ja, gerade die Älteren haben Probleme. Nur, wer soll es in den Schulen konkret umsetzen? Wegen Corona werden täglich die Regeln geändert, müssen Stundenpläne korrigiert und angepasst werden. IT Wissen ist Glückssache. Gäbe es nicht IT affine Kollegen, wären noch viel größere Probleme. Es fehlt an Leitungen, W-Lan, an Rechnern. Lehrer sollen im ohnehin schon anstrengenden Schulalltag sich auch noch mit IT-Technik und Software herumschlagen, die häufig nicht da ist oder nicht funktioniert. IT Betreuung auf gut Glück. Wenn bestellt wird müssen mehrere Leitungsebenen prüfen, abzeichnen, ändern. Bürokratie pur. Jede Schule macht es anders, von den Ländern ganz zu schweigen. In Darmstadt unterstützt die Stadtverwaltung, das ist nicht überall der Fall. Wer digitalem Fortschritt in den Schulen will, braucht hierzu geschultes Personal, keine Lehrer, die nicht mal im eigenen Fachgebiet Fortbildung bekommen. Und ja, es geht nichts über direkten Unterricht ohne Maske.

... ließe sich jedes Problem unter den vielen desaströsen Probleme in Deutschland lösen: Katastrophenschutz, Bundeswehr, Schule, Gesundheitsämter usw.

Sicher ist nur: Steuergeld oder noch besser nicht vorhandenes Geld aus dem Fenster zu werfen, das erfordert keine intellektuelle oder moralische Anstrengung, das kann jeder Depp.

Kann unsere politische Elite, können unsere Beamten auch ein kleines bisschen mehr? Sind sie zu konsequenter und zielführender Arbeit fähig, auch wenn es mal nicht um die Interessen ihrer eigenen Netzwerke geht?

Es wird immer schwerer, die Hoffnung auf eine bessere öffentliche Verwaltung in Deutschland zu behalten. Man braucht nur den sachlichen Gehalt der Zeitungsnachrichten herauszufiltern.

Fleiß, Zuverlässigkeit, Hartnäckigkeit, Konsequenz, Nüchternheit, Bereitschaft zur Kontrolle, Bereitschaft zum Lernen, Bekämpfung von Gefälligkeitsgutachten, Verantwortungsgefühl gegenüber der Allgemeinheit - alles muss erst einmal wieder erworben und gelernt werden.