Steuer auf Homeoffice - Wieder ein Rettungsvorschlag in die falsche Richtung

Der Vorschlag der Deutschen Bank, das Homeoffice zu besteuern, entspricht dem Zeitgeist. Zielführend ist er aber nicht. Denn jede neue Steuer in der derzeitigen Lage ist ein weiterer Schritt Richtung Planwirtschaft.

steuer-homeoffice-deutsche-bank-rettungsvorschlag-falsche-richtung-coronakrise
Ist das Homeoffice die Zukunft? / dpa

Autoreninfo

Gunther Schnabl ist als Ökonomieprofessor Experte für Geldpolitik. Er leitet das Institut für Wirtschaftspolitik an der Uni Leipzig. Foto: Universität Leipzig

So erreichen Sie Günther Schnabl:

In der Corona-Krise punkten Wissenschaftler und öffentliche Entscheidungsträger mit kostspieligen Rettungsvorschlägen und ungewöhnlichen Rettungsaktionen wie Konjunkturpaketen mit Wumms oder pandemischen Notfallkaufprogrammen. Die Forschungsabteilung der Deutschen Bank macht mit, indem sie in einem Konzept-Papier über den „Wiederaufbau“ nach der Krise eine Steuer auf Homeoffice anvisiert

Bekannterweise hat die Pandemie-Bekämpfung den Trend zum Arbeiten zu Hause beflügelt. Das hat finanzielle Vorteile, weil die Kosten für das Pendeln, Arbeitskleidung, Auswärtsessen und die Sozialisierung am Arbeitsplatz (Kaffee-Trinken) eingespart werden. Zudem sei die Arbeit zu Hause angenehmer, flexibler und sicherer, meint der Autor Luke Templeman. Er will deshalb das Bruttogehalt der neuen Heimarbeiter mit zusätzlich fünf Prozent belasten.

Der Vorschlag entspricht dem Zeitgeist

Auf der anderen Seite seien viele Menschen mit geringen Einkommen, die nicht im Homeoffice arbeiten können, höheren Risiken ausgesetzt. Infrastruktur wie der öffentliche Nahverkehr ist stärker unterfinanziert und die Gastronomie in den Innenstädten stirbt. Mit der Homeoffice-Steuer könnte den Betroffenen mit geringen Einkommen geholfen werden, so Templeman.

Der Vorschlag entspricht dem Zeitgeist. Die Ausgabenverpflichtungen vieler fürsorglicher Wohlfahrtsstaaten haben historische Höchststände erreicht. Hinzu kommen immense Kosten für die Rettung von Banken, überschuldeter Staaten, des Klimas und der Volksgesundheit. Da die Steuereinnahmen sinken, sind die Regierungen für jede zusätzliche Einnahmequelle dankbar. Gleichzeitig rechtfertigt die Not in der Hygiene-Krise weitere Staatseingriffe.

Wer spart, wird besteuert

Trotzdem ist der Vorschlag nicht zielführend. Die neue Steuer belastet nicht gemäß dem Leistungsfähigkeitsprinzip systematisch die, die besonders hohe Einkommen haben. Auch wird nicht nach dem Verbrauchsprinzip der Konsum eines bestimmten Gutes wie Benzin, Sekt oder Tabak besteuert. Vielmehr scheint hier das Prinzip „Wer spart, wird besteuert.“ Anwendung zu finden. Wenn dieser Ansatz Schule macht, könnten in Zukunft beispielsweise auch die besteuert werden, die nicht mehr in den Urlaub fahren oder sich kein Auto mehr leisten (können), um die gebeutelten Tourismusunternehmen und die kränkelnde Autoindustrie zu retten. Eine neue Dimension des Verteilungskonfliktes wäre eröffnet und der Strukturwandel würde behindert.

Zudem droht noch mehr Bürokratie. Der Staat müsste nicht nur erfassen, wie hoch die Einkommen sind, sondern auch ob eine bestimmte Arbeitsstunde im Büro oder zu Hause erbracht wurde. Aus Gründen der Steuersystematik müssten Kosten gegengerechnet werden, die durch das Homeoffice entstehen, zum Beispiel für Arbeitszimmer, Telekommunikation, Strom oder Hardware. Die von Templeman erhofften Steuereinnahmen würden deutlich reduziert. 

Eine wirtschaftspolitische Wende ist nötig

Der Fantasie, wie die zusätzlichen Mittel verwendet werden, sind keine Grenzen gesetzt. Schon bevor die vom Autor geschätzten zusätzlichen 16 Milliarden Euro verfügbar sind, dürften wohltätige Lobbygruppen um die neuen Milliarden ringen. Einkommen würden aus den Wohnorten der Heimarbeiter abgezogen und in Berlin mithilfe neu eingestellter Beamter verteilt. Wo die Gelder am Ende aufschlagen, ist ungewiss. 

Für einen erfolgreichen „Wiederaufbau“ nach der Krise ist jedoch eine wirtschaftspolitische Wende nötig. Der Staat hat in der Corona-Krise seinen Einfluss von hohem Niveau nochmals deutlich aufgeblasen. Rettungsgelder und Staatskredite führen zu einer schleichenden Verstaatlichung der Unternehmen, was Produktivitätsgewinne und Wachstum lähmt. 

In dieser Lage ist jede zusätzliche Steuer ein weiterer Schritt in Richtung Planwirtschaft. Stattdessen muss das Ausmaß staatlicher Interventionen sinken und der Strukturwandel darf nicht mehr behindert werden. Nur wenn die Wirtschaft und der Wohlstand wieder wachsen, ist auf Dauer die Finanzierung der Infrastruktur gesichert und die Gastronomie kann wieder florieren. 

Ernst-Günther Konrad | Di, 17. November 2020 - 12:29

Es braucht einen der fordert und einen der gibt. Habe gerade einen netten Brief meines Gasversorgers erhalten. Leider muss der Gaspreis angehoben werden ab nächstes Jahr, weil die Regierung eine CO² Bepreisung zur Erreichung der Klimaschutzziele einführt. Kostet mich jährlich 42€ mehr. Erst treibt man die Menschen mit dem Corona Wahnsinn ins Homeoffice, dann verlangen einige Schlauberger ein "Recht" darauf zu fordern und jetzt sollen entsprechende Steuern dafür her. Und der deutsche Michel nickt weiterhin alles ab, die abhängige Wirtschaft macht alles mit und der Mittelstand wird zerstört, weil sie selbst mit Corona Hilfen, die teilweise zurück gezahlt werden müssen, unter das Sauerstoffzelt der Regierung gelegt wurden. Nur wird die künstliche Beatmung nichts nutzen. Es dient nur als kurzfristige Lebensverlängerung bis die Wahlen vorbei sind. Ich bin mir ziemlich sicher, dass auch die Insolvenzfrist wieder verlängert wird. Wir haben's doch. Sind ja noch ein paar da die Steuern zahlen.

Yvonne Stange | Di, 17. November 2020 - 13:05

Er spart keineswegs im Homeoffice! Dafür zahlt er mehr als happig an Heizung, Strom, Wasser... Tendenz steigend, die CO²-Steuer kommt ja noch drauf... diese Kosten zahlt ja sonst der Arbeitsgeber. Es wäre eher sinnvoll, diesen zu besteuern, denn der spart wirklich. Aber auf so eine Idee kommt ja keiner.... ;-)

überbieten, dieser Vorschlag der DB. Wer hat denn die Bankenkriese 2010 und die damit verbundenen Verwerfungen, verursacht? Wer hat die ganzen "Schrottanleihen" an den Mann/Frau gebracht? Wer hat min. 25% Rendite gefordert? Wer hat den Staat mit Cum-Ex Geschäften geplündert? Wer versteckt seine Gewinne in Steuer-Oasen?
Ließe sich weiter fortführen diese Aufzählung.
Wie wäre es, die Vorstandsgehälter dieser Herren mit 80%, zu besteuern(gab es mal in Schweden)? Oder eine Gehaltsobergrenze einzuführen? Haftungsklauseln in den Verträgen (Schadensersatz) einzubauen? etc.
Man könnte ja auch eine CO²-Rückerstattungssteuer einführen für Homeoffice-für nicht versursachte Schadstoffe! Eine Feinstaub-Rückerstattung! Eine Nicht-Stau-Verursacher Vergütung! Eine Nicht-Büro-Belegungserstattung!
Auch hier könnten noch einige Vorschläge eingebracht werden-bitte melden.
Ehrlich! Da gehört schon Chuzpe dazu, so etwas zu fordern!
Salute

Der Arbeitgeber hält ja nach wie vor die Büros vor und läßt diese auch nicht ungeheizt, macht allenfalls etwas Temperaturabsenkung falls wirklich keiner mehr im Büro ist!
Sparen tut der Arbeitnehmer an den Fahrtkosten und falls der Arbeitgeber hier unterstützt spart dieser dann auch.
Der Arbeitgeber spart am Kantinenessen die Zuschläge, wenn er denn eine im Haus hat oder mit anderen Firmen gemeinsam betreibt.
Ganz so einfach wie Sie es sich denken ist es dann doch nicht ganz.
Ein Ergebnis der Coronazeit könnte sein, dass zukünftig vielleicht verstärkt das Arbeiten von zu haus wo möglich verstärkt zur Anwendung kommt. Das muß dann neu zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer ausgehandelt werden.

Maja Schneider | Di, 17. November 2020 - 15:02

Bis dieser Fall eintritt, werden wir wohl noch lange warten müssen, denn vorher muss unsere Politelite auf ihrer fern der Bevölkerung befindlichen Wohlfühlwolke noch die Welt und das Klima retten, zuvor allerdings das Virus ausrotten und überlegen, wie man den ohnehin gebeutelten Bürger noch weiter belasten und einschränken kann.

Wolfram Fischer | Di, 17. November 2020 - 20:45

Eine etwas eigenwillige Behauptung, der Arbeitnehmer würde sparen!
Freilich brauche ich zwar weniger Sprit. Andererseits kann ich nicht 2x in der Woche mein Auto verkaufen... die fixen Kosten laufen also gnadenlos weiter, und die steuerliche Absetzbarkeit der Wegekosten bleibt mir großteils auf der Strecke. Wohl eher ein Nullsummenspiel... bis dahin.
Mehr Wasser, Heizung, Strom... und schon zahle ich als Arbeitnehmer drauf.
Dem Artikel im Übrigen kann ich aber zustimmen. Mehr noch: Der Vorschlag der D.B. ist schlichtweg eine bodenlose Unverschämtheit!
Fakt ist: Ich werde vom Arbeitgeber sehr deutlich aufgefordert, in's (nebenbei: extrem stressverursachende!) Homeoffice zu gehen, zahle dabei drauf (siehe oben) und für mehr Stress und weiger Geld zahle ich dann mehr Steuern???
Da wird es endgültig übergriffig!

Christoph Kuhlmann | Mi, 18. November 2020 - 08:31

kommt natürlich von einer Bank, die Investmentbanking mit einem Sammelsurium nicht integrierter Anwendungen aus den 80ern betrieb an deren Modernisierung international geachtete IT Vorstände verzweifelten. Das Ergebnis kennen wir. Eine Steuer auf auf das Homeoffice wäre eine Steuer auf die Digitalisierung bei der Deutschland nach wie vor im hinteren Mittelfeld liegt. Ganz abgesehen davon, dass die Homeoffice die Innenstädte von Feinstaub und CO2 entlastet und in Corona Zeiten die Krankenkassen durch weniger Infektionen belastet. Home Office muss gefördert werden. Die Pendler werden ja auch durch den Abzug der Wegekosten bei der Steuererklärung entlastet, Warum also nicht den den Verbrauch an Wohnraum durch Home-Office abzugsfähig machen? Die Kosten von Wohnraum steigen teilweise exorbitant.