Soziale Medien - Vermüllen, vergüllen, vergiften

Soziale Medien gaukeln eine neue Form der Gesellschaft vor. Doch diese bleibt virtuell und unwirklich, denn die Gemeinschaft wird permanent in Individuen aufgespalten. Um Freiheit und Demokratie zu sichern, braucht es weiter das gedruckte Wort

„Soziale Medien“ wie Facebook sammeln die persönlichen Daten ihrer Nutzer zu Werbezwecken / picture alliance

Autoreninfo

Frank A. Meyer ist Journalist und Kolumnist des Magazins Cicero. Er arbeitet seit vielen Jahren für den Ringier-Verlag und lebt in Berlin.

So erreichen Sie Frank A. Meyer:

Was ist Facebook, der Welt größtes Digital­unternehmen, dessen Geschäft darin besteht, die persönlichen Daten seiner Nutzer zu Werbezwecken zu verkaufen? Facebook zählt zur Gattung „soziale Medien“. Der Gattungsbegriff ist so geläufig, als wäre er gottgegeben. Was er ja auch ist: der Gottheitsbegriff aus Silicon Valley. Postmodern ausgedrückt, handelt es sich um die genialste Begriffsschöpfung der jüngeren Wirtschaftsgeschichte: um die größte sprachliche Perversion.

Was heißt: soziale Medien? Das Adjektiv „sozial“ wurzelt im lateinischen „socius“: gemeinsam, gemeinschaftlich, hat also mit der Gruppe zu tun – einer Gruppe von Menschen, die eine unmittelbare Beziehung zueinander pflegen, Keim jeder Gesellschaft. Soziale Medien jedoch sind das Gegenteil von Gesellschaft. Sie lösen die Gesellschaft auf in lauter Individuen, in Milliarden von Einzelnen. Mit dem Begriff „sozial“ in „soziale Medien“ wird Gesellschaft lediglich suggeriert – vorgegaukelt. In Tat und Wahrheit ist diese Gesellschaft virtuell. Unwirklich. Künstlich.

Angebot auswählen und weiterlesen

  • Monatspass
    i
     
    • E-Paper
    • jederzeit kündbar
    • freier Zugriff auf Plus-Inhalte
    8,90 €
  • Tagespass
    i
     
    24-Stunden-Zugriff auf alle Inhalte
    2,90 €
Joachim Wittenbecher | Mi, 16. Mai 2018 - 18:21

Herrn Meyer ist im Grundsatz zuzustimmen, wie so oft. Die sogenannten sozialen Medien sind asozial, weil sie den niedersten Instinkten Raum verleihen und zudem noch die Nutzerdaten skrupellos verkaufen. Widerspruch möchte ich jedoch bei Herrn Meyers Hoffnung anmelden, dass die traditionellen Printmedien wieder die beherrschende Stellung einnehmen werden. Im Grunde geht es nicht um die Frage des Mediums (Print/Digital), sondern um den Inhalt und das Umfeld. Hierzu einige Vorschläge: In den Schulen muss die Medienkompetenz vermittelt werden, vielleicht sogar als eigenes Schulfach; der Öffentliche Rundfunk muss so reformiert werden, dass er neutral und kostengünstig (z.B. ZDF abschalten) arbeiten kann. In allen Leserforen wird dass Benennen des richtigen und vollständigen Namens Pflicht, Beleidigungsklagen sind so wirksamer möglich. Falsch macht es mit Sicherheit SZ online, die die Mitwirkung der Leser nur noch in begrenzter Form zulässt - das geht gar nicht (sorry, Herr Prantl).

So aber lesen die Leute genau den Beitrag, "verunglimpfen einen, wenn es passt" und haben keine einzige Ausgabe ganz gelesen, auch nicht andere meiner Kommentare.
Leider kann man niemanden dazu bewegen, den Artikel zuerst zu lesen oder überhaupt bzw. das Kommentarfeld insgesamt, auf das man sich bezieht
Ich würde auch hier lieber kontrolliert unter meinem Pseudonym schreiben.
Mangelnde politische Kultur im ganzen Land lassen mich jeden Morgen fragen, ob ich das weiter mache.
Nun geht es aber dem Cicero genau um politische Kultur, also bleibe ich.
Schön wäre, wenn ich nur noch liken könnte.
Unfähigkeit in welcher Form auch immer schreit zwar zum Himmel, aber es gibt kein Abo auf die Art der Rettung.
Folgende Anekdote: Eine Frau will sich weder von Boot noch Hubschrauber retten lassen vor den Fluten, sprechend, ich warte auf Gottes Hilfe. Sie ertrinkt und fragt Gott, warum hast Du mich nicht gerettet. Der spricht, ich schickte viele zu Dir.
Jetzt bist Du bei mir.
Wo sah ich das?

Bernhard Jasper | Do, 17. Mai 2018 - 11:10

Ja, Herr Meyer. Wenn man die Situation noch deutlicher in´s Auge fasst und es an dem Begriff „Gemeinschaft“ reflektiert wird klar, es gibt klare Grenzen der „Gemeinschaft“.

Ich persönlich lasse mich nicht auf ein Bild oder auf ein (Daten)Profil, auf eine einzige Idee, oder etwa auf die „Gemeinschaft der Weintrinker“ fixieren.

Erst die Gesellschaft bietet den nötigen Abstand zu anderen. In einer Gesellschaft kooperiere ich mit anderen- aus freiem Willen.

meine Partei, den Cicero, web.de, meine Kirche etc.
Das kostet mich ganz wenig Geld...
Die sogenannten sozialen Medien kommen für mich eher nicht infrage, da ich mit meinen Daten zahle.
Ich würde also auch für Qwant zahlen, wie ich für Wikipedia zahle, hauptsache die Daten werden wieder gelöscht. Wie läuft das bei Payback?
Sah mal Kabarett, in dem mir eine Frau ganz gut erklärte was da passiert. Daten sollten wenigstens ungefragt nicht weitergegeben werden. Ich vertraue bestimmten Firmen.
Gegen Klarnamen habe ich auch nichts, wenn mein Name mit Cicero verbunden ist und also mit klugen Leuten.
Ich schreibe auch bei Tichys Einblick, da aber eher als Gast und entsprechend unter Pseudonym, unterstütze aber, weil ich Informationen nutze.
Ich wohne gerne in Deutschland, auch weil ich den Menschen vertraue.
Als kleines Kind dachte ich wegen dem Holocaust und den beiden Weltkriegen, dass hier evtl. Monster leben.
Als alte Frau kann ich sagen, DEM IST NICHT SO
RESPEKT auch zuhause