Joe Biden salutiert einem US-Soldaten
Joe Biden bei seinem Besuch in Japan / dpa

Konflikte des 21. Jahrhunderts - „Amerikas Aufmerksamkeit für Europa bedeutet nichts Positives“

Mit den Konflikten in Osteuropa sowie im asiatisch-pazifischen Raum gerät auch die amerikanische Außen- und Sicherheitspolitik vermehrt in den Fokus. Während Transatlantiker gerne von einer Renaissance des Westens träumen, warnt Eberhard Sandschneider, Experte für Geopolitik sowie für die Politik Chinas, vor den unterschiedlichen Interessen Amerikas und Europas. Für Sandschneider liegt der eigentliche Konflikt des 21. Jahrhunderts in Asien. Die jüngst veröffentlichten Xinjiang Police Files scheinen ihm recht zu geben.

Ralf Hanselle / Antje Berghäuser

Autoreninfo

Ralf Hanselle ist stellvertretender Chefredakteur von Cicero.

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Professor Dr. rer. pol. Eberhard Sandschneider war von 1998 bis 2020 Inhaber einer Professur für Politik Chinas und Internationale Beziehungen an der Freien Universität Berlin. Seit Oktober 2020 ist er Partner bei Berlin Global Advisors (BGA). Zwischen 2003 und 2016 war er gleichzeitig Otto Wolff-Direktor des Forschungsinstituts der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP).

Herr Sandschneider, in den letzten Tagen sind mit den sogenannten Xinjiang Police Files Dokumente aufgetaucht, die die extremen Menschenrechtsverletzungen Chinas gegenüber den Uiguren dokumentieren. Ein Verbund aus 14 internationalen Medienpartnern – in Deutschland vornehmlich der Spiegel, die Süddeutsche Zeitung sowie NDR und WDR – hat angebliche Beweise für chinesische Umerziehungslager gesichtet, in denen bis zu einer Millionen Uiguren interniert sein sollen. Für wie authentisch halten Sie die Dokumente? 

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Karl-Heinz Weiß | Fr, 27. Mai 2022 - 16:23

Das alles klingt sehr nach "Russland und China handeln rational". Seit dem 24.2. sollte aber klar sein, dass der Rückversicherer sowohl für Europa als auch für demokratische Strukturen in Washington D.C. ansässig ist.

lieber Herr Weiß.
Pack schlägt sich, Pack verträgt sich.

Fmp. gibt es keine saubere Politik mehr. Und selbst der Anschein wird nicht mehr bei der vorhandenen MACHTKONZENTRATION benötigt.

Für mich persönlich ist die Welt wie ein Illusions-Theater geworden & man schwer von Wahrheit & Falschheit unterscheiden kann, zumal ALLE Kanäle in der heutigen Zeit gefiltert werden.

Martin Falter | Fr, 27. Mai 2022 - 17:21

Nein ein Frieden mit Russland unter Putin ist nicht möglich.

Aber wenn Europa jetzt nicht endlich aufwacht, dann verkauft uns Amerika oder China.
So oder so sind wir dann nur noch Mittel zum Zweck .

Annette Seliger | Fr, 27. Mai 2022 - 17:24

Also was wollen die U.S.A. ? Sie möchten weiter Hegemon sein. Die Gralshüter der Demokratie! Dabei geht es nur um Ressourcen, günstige Rohstoffe und der Rest ist Marketing. Also, wie geht es weiter? Die Chinesen und Russen werden nicht einfach so vom Erdball verschwinden. Also wie ist der Plan? Regimechange?! Das kann man vielleicht in kleineren Ländern anzetteln - aber bei den Chinesen zieht das nicht - insbesondere, wenn im Land des Gralshüters Kinder in einer Grundschule mit Sturmgewehren ermordet werden. Wann gab es so etwas in China? Im chinesischen Fernsehen wird darüber berichtet und der normale Chinese ist froh in einem sicheren Land zu leben. Ja, wir leben in einer Zeitenwende. Der Westen setzt seine Währung als Waffe ein und untergräbt damit das Vertrauen in Geld. Viele Länder werden vom Euro und Dollar weggehen, um in Zukunft von den Gralshütern nicht abhängig zu sein, denn wer nicht pariert wird sankti9oniert - und in 2 Jahren kommt Trump wieder und sanktioniert die EU:

Zitat: Der normale Chinese ist froh, in einem sicheren Land zu leben.

Besonders trifft das natürlich auf die Uiguren zu, die freuen sich besonders über einen effizienten Sicherheitsapparat. Aber das sind vermutlich keine "normalen Chinesen", eher unnormale, weil Muslime.

Meine Güte, was für ein "Niveau...."

lieber herr lenz,
wie oft auch hier wieder advocatus diaboli, in welcher welt könnten sie leben?
antwort?

Günter Johannsen | Fr, 27. Mai 2022 - 17:43

"Biden versucht, einen indopazifischen Pakt zu schließen und eine Handelszusammenarbeit gegen China auszubauen. Auch wird er nicht müde, China zu kritisieren." Interessant, welcher Wert auf Rang und Namen gelegt wird: Professor Dr. rer. pol. Eberhard Sandschneider .... Geht´s noch dicker? Warum erwähnt Herr Prof rer. pol. Sandschneider nicht, dass Merkel-Deutschland & Europa China zu solcher Größe mit "Handel durch Wandel" verholfen hat. Dass die USA seinerzeit mit Trump & heute mit Beiden Deutschland und Europa skeptisch gegenüber steht, ist für mich absolut verständlich! Gerade hier verschweigt man (mit Fleiß?), dass China allein von Deutschland immer noch jährlich 450 Millionen € Entwicklungshilfe erhält (man nennt es jetzt nur anders!) - von unserem Steuergeld wohlbemerkt!
Was soll ich als kritischer und denkender Mensch daraus schließen? https://fragdenstaat.de/anfrage/entwicklungshilfe-fur-china/ Das die USA ein Auge auf Kommunisten-Unterstützer wirft, ist gut und richtig!

Der Vollständigkeit wegen sollte man noch erwähnen, das es die USA waren, die China so stark gemacht haben.
Die US-Manager konnten den Hals nicht vollkriegen und haben zunächst nach billigen Arbeitskräften gesucht und ihre Arbeitsplätze nach China ausgelagert. Diese Manager waren von ihren Verdienstmöglichkeiten so besoffen, dass sie die alle möglichen Herstell-Technologien wie Stahl-Erzeugung, Computer-Komponenten etc. an chinesische Unternehmen gegeben und die Produkte in die USA importiert haben. Der Spiegel hat das in den 90ern plastisch beschrieben: täglich werden die Frachtschiffe aus Asien (China) in den USA gelöscht und fahren dann leer zurück.
Das alles geschah wohl mit dem Hintergedanken, dass chinesische Ingenieure zu doof sind, das weiter zu entwickeln, was man ihnen als Produktionsprozesse und Produkte zugänglich gemacht hat. Pech gehabt. Diese Ingenieure sind genau so schlau, wie die in den USA und Europa. Und das KnowHow wird man ihnen nicht mehr nehmen können.

Es hat von vielen Seiten aus bedenkenlos und verdienstgeil ungewollte Unterstützung gegeben. Dazu kam noch der Produkt-Klau und Coppy ohne Beachtung von Lizenz, wo auch alle westliche Welt weggeschaut hat.
Nun entdeckt man allmählich, dass man damit den Kommunismus Chinas zum Aufschwung und zur wirtschaftlichen Großmacht (bald Weltmacht?) verholfen hat! Und ja, "das (importierte und geklaute) KnowHow wird man ihnen nicht mehr nehmen können."

Antworten

Detlev Bargatzky | So, 29. Mai 2022 - 13:09

In reply to by Günter Johannsen

Ich glaube nicht, dass es den Kritikern Chinas darum geht, dass China ein "kommunistisches" Gesellschaftsmodell hat.

Den USA und anderen westlichen Ländern ist wohl eher die chinesische Konkurrenz auf den vielen Feldern der Weltmärkte lästig. Das scheint jedenfalls das Hauptmotiv von Trump gewesen zu sein, als er den Krach mit China begann.

"Was soll ich als kritischer Mensch und denkender Mensch daraus schließen"
fragen Sie sich auch lieber Herr Johanssen wie ich vor längerer Zeit. Ich frage
mich auch, warum Bundeskanzler Schmidt 1979 diese Entwicklungshilfe an
China erlaubte. Eine helle und verantwortungslose Entwicklungshilfe. Seit da-
mals 10 Milliarden Euro. Und der Wahnsinn geht weiter. O-Ton des ehemaligen
Entwicklungsminister Meyer 2011. Auch die OECD freut´. China steht heute auf Platz 2.
der Bedürftigen. Nun kommt ein weiteres Land auf uns zu.

Juliana Keppelen | Fr, 27. Mai 2022 - 18:29

wären eine Wirtschaftszone von Lissabon bis Wladiwostok.

Jochen Rollwagen | Fr, 27. Mai 2022 - 19:02

Ist derzeit der russische Rubel. Das hat nichts mit "Putin verstehen" zu tun, das ist einfach so. Rußland hat eine Schuldenquote zum BIP von 15%, alle westlichen Länder locker über 100. Die USA sind de-industrialisiert (dank NAFTA und WTO/China), 70% der Wirtschaft sind Konsum (auf Pump), der Rest "Financial services" , also modernes Hütchenspielen. Das einzige was in USA noch Rekorde bricht sind die Außenhandels- und Zahlungsbilanz-Defizite. Bisher ist das noch gut gegangen, weil die Welt noch Dollars - der Export-Artikel Nr. 1 der USA- akzeptiert hat. Das ist jetzt vorbei und kommt nicht wieder. Mit den Sanktionen gegen jeden, der nicht pariert haben die USA sich in beide Knie und die Fußzehen geschossen, Rußland und der Rest der Welt - übrigens auch Europa - handeln jetzt in Rubel. Oder Yuan. Oder indische Rupees. Oder Gold. Aber nicht mehr Dollars.

Wer da eine Weltmacht sieht guckt irgendwie schief

Recht so zu träumen, wie er will, Hauptsache, damit nichts bewirkt wird. Wünsch dir was, ist typisch Deutsch. Das sieht man an dem nicht Vorhandensein der vielen syrischen Ärzten in D. 😈

Übrigens: PRC verbot russischen Fluggesellschaften Überflüge/Handling mit Airbus/Boeing Flugzeugen auf ihrem Gebiet. Ab jetzt haben die Putinskis ein echtes Problem. Mit fliegendem Schrott v. Iljuschin/Tupolew/Antonow. Wo für 1 Flugstunde braucht man 100 Wartungsstunden. Natürlich, der Rubel wird es richten. Ich sehe schon die Spekulanten-Wetten: Rubel gg US$. 😆🤣🤡👶🏻🎺

Günter Johannsen | Fr, 27. Mai 2022 - 20:02

Und dass mit ss !

Inana | Fr, 27. Mai 2022 - 23:27

Die Haupt-Illusion der Europäer ist, dass es "Europa" als strategische Handlungseinheit überhaupt gäbe. Oder einen "europäischen" und amerikanischen Pol im Westen. Den gibt es aber mehr oder weniger nicht. Die europäischen Staaten haben unterschiedliche Interessen. Das reicht von Polen, dass am liebsten an der Seite der USA Russland in den Zerfall treiben würde, dem eher ambivalenten Deutschland und Griechenland, dass seine Gegner eher in der Türkei sieht - und der Türkei, die ein eigenes Spiel spielt.
Früher oder später muss dieser Konflikt eigentlich aufbrechen. Und über die USA haben wir da noch gar nicht gesprochen. Aber ihre größten Spannungen dürften aus der Innenpolitik kommen.

Günter Johannsen | Sa, 28. Mai 2022 - 14:18

In reply to by Inana

dass der menschen- und frauenverachtende Islamismus des türkisch-erdoganschen Ditib in unserem Land so hoch geschätzt und gefördert wird ... vor allem an Schulen! Wer hat da Einfluss und Lobby? Das muss von der Regierung und den untergeordneten Behörden schnellstens eruiert und beendet werden!
Ein Beispiel: während man Kreuze aus Schulen verbannt hat, wurden nun Gebetsräume für muslimische Kinder eingerichtet. Was sollen solche Bevorzugungen? In unserem Grundgesetz sind Religionsfreiheit und Gleichbehandlung verankert. Das fordere ich jetzt und hiermit ein!

Christoph Kuhlmann | Sa, 28. Mai 2022 - 03:27

Biden ist, verglichen mit Trump, ein Virtuose außenpolitischer Beziehungen. Er hat Rekordzeit ein 42-Staaten Bündnis technologisch führender Nationen gegen Russland gezimmert. Orban und Erdogan als Risse im Bündnis zu bezeichnen ist a) aufgrund der Größe von Ungarn und b) aufgrund der ökonomischem Lage der Türkei stark übertrieben. Erdogan will freie Hand für das nächste Massaker an der Kurden, kurz vor der Wahl Mitte nächsten Jahres und ein Ende des Waffenboykotts wegen des letzten Massakers an ihnen. Es bedarf zwei bis drei Telefongesprächen der richtigen Leute und er wird mit Sicherheit nicht wiedergewählt. Verglichen mit den "Rissen" in der EU spricht dieses Bündnis mit einer Stimme. Es hat halt eine Führungsmacht mit einem global unvergleichlichem militärischem Potenzial, die für Peanuts einen langjährigen strategischen Konkurrenten entscheidend schwächen kann. Ungarn kann sich ausrechnen was es Orbans Eskapaden kosten wird. Polen rudert bereits zurück in den Kreis der Demokraten.

Ernst-Günther Konrad | Sa, 28. Mai 2022 - 07:30

Ich stimme Ihrer Analyse durchaus zu.. Nur offenbart sie auch einige Auslassungen bezüglich Europa. Wer hat die Politik der EU denn in den letzten 16 Jahren bestimmt? Wer hat die EU/NATO außenpolitisch herunter gewirtschaftet? Merkel und die franz. Präsidenten haben vor allem die Außenpolitik bestimmt und Zustimmungen eingekauft. Die Probleme allein auf die Türkei und Ungarn zu reduzieren, soll von der Verantwortung einer Frau Merkel und zuletzt eines Herrn Macron ablenken.
Viele wirtschaftliche Interessen mit Russland und China, viele gerade verteidigungspolitische Unterwerfung zur USA haben das Desaster doch sehenden Auges herbeigeführt. Es mag sicher Überschneidungen mit Interessen der USA geben, die sind aber immer an Amercian first orientiert. Ob Trump oder Biden oder wie immer der Präsident der USA heißen möge. Die EU/NATO hat nur eine Chance halbwegs mit blauem Auge aus dem Dilemma zu kommen. Eine eigene wehrhafte Außen- und Sicherheitspolitik. Nur fehlt dazu in D das Personal.

Robert Hans Stein | Sa, 28. Mai 2022 - 13:53

"Wir haben ja immer Bedenken gehabt, dass die Amerikaner uns nicht mehr mögen." Geht's noch? So einen Satz angesichts des in Europa, insbesondere der BRD grassierenden Antiamerikanismus zu äußern ist für mich Demagogie vom feinsten.
"Das Land (Russland) wird zu einem leicht einzusammelnden Vasallenstaat Chinas werden." Mag sein, aber um wieviel leichter sind dann die europäischen Zwerge einzusammeln? Und dass sich bei denen irgendwann Geschlossenheit einstellt, daran glauben ja nach eigenem Bekunden auch Sie nicht. Ergo sollte China doch so gut als möglich klein und auf Distanz gehalten werden - was seit Jahren leider nicht getan wurde.
"Aus chinesischer Sicht gibt es diesen Bedarf mit Sicherheit nicht." Das ist mit Verlaub, bewußt oder unbewußt eine glatte Lüge. Australien , Neuseeland, Japan.... dürften das wie ich sehen.
Fazit: Wie die wenigsten Islamwissenschaftler sich zur Kritik dieser archaischen Religion aufraffen können, tun Sie das mit dem Gegenstand Ihrer Forschung.

Romuald Veselic | Sa, 28. Mai 2022 - 14:09

und dennoch kein Islamland verhängte irgendein Embargo gg. China, geschweige denn protestierte. Ich kenne keinen Fall, wo zB Indonesien/Pakistan/Iran gegen die Unterdrückung der Kopten* im Ägypten protestiert hätten.
Deshalb, auch wenn dies unangenehm/zynisch einem vorkommt, finde ich Uiguren-Problematik, für meine Existenz, als nicht primär. Ich finde D-Einkommensteuersystem sehr unterdrückend u. willkürlich.
Ich glaube sogar, dass die chinesische Regierung im Interesse der Mehrheit handelt. Auffallend f. Westmedien, dass sie immer nur eindimensional berichten. Ich glaube nicht, dass Xi eines Tages vor dem Frühstuck im Bad darüber nachdachte, wenn er noch aus Spaß/Langeweile unterdrücken sollte. Und dann fielen ihm die Uiguren ein. Kommunist Xi, verachtet jede Religion, als Opium für das Folk. Das sollten die westlichen Politklugscheißer schon seit 100 Jahren wissen.

*Christen, die an Jesus glauben

Christoph Kuhlmann | So, 29. Mai 2022 - 10:22

Mal abgesehen vom 1. Weltkrieg, wo die Wissenschaft immer noch Berge von Literatur produziert, über die Frage wer ihn nun begonnen hat, halte ich die Kriege der USA für berechtigt. Selbst nach dem 1. WK gab es einen Wilson Plan, weil den USA klar war, dass die Politik Deutschland mit Straf- und Reparationszahlungen, die bis in die 80er Jahre des letzten Jahrhunderts geplant waren, einen neuen Krieg hervorrufen würden. Der 2.WK und der Jugoslawien Krieg waren hingegen legitim und wichtiger noch funktional notwendig im Sinne eines demokratischen Kapitalismus. Als Alternative zur Tyrannei und Zwangsverwaltungswirtschaft. Ob man die Produktionsmittel oder den Menschen verstaatlicht ist organisatorisch unwesentlich. Insofern dienen auch die Waffenlieferungen der USA and die Ukraine der Reduktion einer ökonomischen Dysfunktion namens Russlands und müssten Europa Mittel- bis langfristig gut tun.