Der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman
Der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman / picture alliance

Saudi-Arabiens ungewisse Zukunft - Kronprinz am Abgrund

Mohammed bin Salman, Kronprinz und faktischer Herrscher über Saudi-Arabien, wollte sein Land eigentlich in die Moderne führen. Doch mit erratischer Politik, erfolglosen Militäreinsätzen, Selbstherrlichkeit und Gewalt gegenüber Kritikern verspielt er das Vertrauen der Bevölkerung. Droht das Königreich zu zerfallen?

Autoreninfo

Hilal Khashan ist Professor für Politische Wissenschaften an der American University in Beirut und Autor bei Geopolitical Futures.

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Der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman hat das von seinem Großvater vor Jahrzehnten eingeführte saudische Regierungssystem grundlegend verändert. In seinem Bestreben, die Nachfolge seines kranken Vaters, König Salman, anzutreten, hat „MBS“, wie er allgemein genannt wird, die Position des wahhabitischen klerikalen Establishments als einflussreiche Kraft in der saudischen Politik und Gesellschaft beseitigt. Er schaffte auch das System der gegenseitigen Kontrolle der saudischen Könige ab und vertrieb sie aus den saudischen Machtzentren. Durch diese und andere Veränderungen hat er ein grundlegend anderes politisches System etabliert, das sich von anderen arabischen absolutistischen Monarchien und radikalen Republiken nicht unterscheidet.

Das moderne Saudi-Arabien, das auch als „dritter saudischer Staat“ bezeichnet wird, wurde 1932 von Ibn Saud, dem Vater des heutigen Königs Salman, gegründet. Ibn Saud baute das Königreich auf der Grundlage eines Gleichgewichts zwischen den saudischen Königen und den Wächtern des Wahhabismus auf – einer islamischen Sekte, die in Saudi-Arabien vorherrschend wurde. Er sorgte für Frieden und Stabilität auch in entlegenen Teilen des Landes, übertrug seinen Kindern verschiedene Aufgaben und behandelte die Geschäftswelt mit Respekt und Wertschätzung.

System der gegenseitigen Kontrolle

Nach seinem Tod im Jahr 1953 setzten sich seine Kinder dafür ein, das von ihrem verstorbenen Vater eingeführte Regierungssystem auch während der turbulenten Zeit Ende der 1950er und Anfang der 1960er Jahre beizubehalten. Sie hielten ein System der gegenseitigen Kontrolle aufrecht, in dem keiner der obersten Prinzen im Umfeld des Königs die saudische Politik allein bestimmen konnte. Die saudischen Könige sorgten dafür, dass die Entscheidungen im Kabinett konsensual getroffen wurden, um die Einheit der Königsfamilie zu wahren.

Als Saudi-Arabiens De-facto-Führer hat MBS jedoch kein Interesse daran, diese Tradition fortzusetzen. Er hat sich als unwillig erwiesen, seine Macht mit anderen saudischen Königshäusern zu teilen, und ist wenig tolerant gegenüber Kritik. Berühmtheit erlangte er durch die Inhaftierung von Intellektuellen, Aktivisten und Menschenrechtsverteidigerinnen.

MBS wurde 2017 von seinem Vater zum Kronprinzen ernannt, der den Cousin von MBS, Muhammad bin Nayef, aus dem Amt entfernte. In den Vereinigten Staaten sah man MBS als einen Mann, der sein Land in die Moderne führen würde. Er traf sich mit einflussreichen Medienvertretern und US-Politikern, darunter Präsident Donald Trump bei einem Besuch im Weißen Haus im März 2018, der von den US-Medien aufmerksam verfolgt wurde. Doch sein unberechenbares Handeln hat in Washington Besorgnis ausgelöst. Im Jahr 2017 ließ MBS den libanesischen Premierminister Saad Hariri während seines Besuchs in Saudi-Arabien festnehmen. Vier Monate vor der Reise von MBS nach Washington hat er führende Mitglieder der königlichen Familie und der Wirtschaftselite beiseitegeschoben und von ihnen Milliarden von Dollar erpresst.

Ein Jahr später wurde der saudische Dissident Jamal Khashoggi, der MBS' „Vision-2030-Projekt“ und seinen Führungsstil kritisiert hatte, im saudischen Konsulat in Istanbul brutal ermordet.

Jagd auf Dissidenten

MBS wusste, dass prominente Mitglieder der saudischen Königsfamilie gegen seine Thronbesteigung waren und ihn als impulsiv und unempfindlich ansahen. Er wollte nicht dasselbe Schicksal erleiden wie sein Onkel, König Saud, der 1964 von einer Koalition aus hochrangigen Prinzen und Geistlichen entthront worden war. So baute MBS einen persönlichen, extralegalen und außergerichtlichen Sicherheitsapparat auf, um im Ausland Jagd auf saudische Dissidenten zu machen. Besessen von dem Gedanken, dass die saudische Königsfamilie ihn als regierungsunfähig ansehen würde, ist er entschlossen, das Entstehen einer weiteren Bewegung freier Prinzen zu verhindern – ähnlich der von Prinz Talal bin Abdulaziz im Jahr 1958 gegründeten. Diese Bewegung war inmitten eines Machtkampfs zwischen König Saud und Kronprinz Faisal entstanden und hatte die Umwandlung Saudi-Arabiens in eine konstitutionelle parlamentarische Monarchie gefordert. Sie verlor jedoch an Anziehungskraft, nachdem Faisal 1964 König geworden war und die Loyalität der königlichen Familie und des religiösen Establishments gewonnen hatte.

Um sicherzustellen, dass seine eigene Herrschaft nicht auf ähnliche Weise in Frage gestellt wird, hat MBS mit Unterstützung seines Vaters mehrere wichtige Neuerungen durchgesetzt. So schaffte er jene drei Säulen ab, auf denen das Königreich seit 1932 beruhte: das Festhalten an der wahhabitischen Doktrin, der Stammeskonsens und die Einheit der saudischen Könige. MBS brach dem wahhabitischen Establishment das Rückgrat, indem er die Kontrolle über den Inhalt religiöser Predigten für sich beanspruchte und Kleriker inhaftierte. Fünf Monate nach seiner Ernennung zum Kronprinzen ernannte König Salman MBS zum Leiter der nationalen Anti-Korruptions-Kommission. Unmittelbar danach inszenierte er eine Erpressung im Hotel Ritz-Carlton in Riad, bei der er elf Prinzen, darunter den Minister der mächtigen Nationalgarde sowie etwa 400 hochrangige Regierungsbeamte und prominente Geschäftsleute, die er der Korruption und Geldwäsche beschuldigte, aus dem Weg räumte.

Mit diesem Schritt verfolgte er zwei Ziele: die Prinzen zu bestrafen, die gegen seine Ernennung zum Kronprinzen gestimmt hatten, und die Kontrolle über einen beträchtlichen Teil des Staatsvermögens zu erlangen. Die Botschaft an die saudischen Könige war eindeutig: Entweder sie halten sich an die Regeln oder sie werden verhaftet, gedemütigt und verarmen. MBS gab zu, 107 Milliarden Dollar von den Inhaftierten beschlagnahmt zu haben. Dabei spielt es keine Rolle, ob er die Gelder für sich selbst behielt oder sie öffentlichen Haushalten übertrug; seit der Gründung des Königreichs gab es nie eine Unterscheidung zwischen der Staatskasse und dem Monarchen, der nach Belieben Geld aus dem Finanzministerium abziehen konnte.

Wichtig ist jedoch, dass andere Mitglieder der königlichen Familie vom Zugriff auf das öffentliche Vermögen ausgeschlossen sind. (Obwohl die saudischen Royals ihre Finanzen nicht offenlegen, ist MBS allem Anschein nach ein Multimilliardär. Er hat ein Gemälde von Leonardo da Vinci, den Salvator Mundi, für 450 Millionen Dollar und eine Superyacht für 550 Millionen Dollar gekauft.)

Kampfansage an den Klerus

Es ist verständlich, dass seine Sozialpolitik – einschließlich der Abschaffung des strengen wahhabitischen Verhaltenskodex – MBS bei der saudischen Jugend und den Frauen beliebt gemacht hat. Deren Unterstützung hängt jedoch vom Erfolg seiner wirtschaftlichen Modernisierungspläne ab. Die Problematik der Wirtschaftsentwicklung besteht darin, dass sie unweigerlich zu steigenden Forderungen nach politischer Beteiligung führt, obwohl MBS solche Ansinnen höchstwahrscheinlich nicht dulden wird. Viele zweifeln auch an der Zukunft seines Megaprojekts „Neom“, einem 500 Milliarden Dollar teuren Plan zur Umwandlung Saudi-Arabiens in ein modernes Land. Fünf Jahre nach der Ankündigung der „Vision 2030“, einem weiteren Programm, das Saudi-Arabien in eine Wirtschaftsmacht von Weltrang verwandeln soll, machen die Einnahmen außerhalb des Ölsektors weiterhin nur einen kleinen Teil des saudischen Bruttoinlandsprodukts aus. Darüber hinaus hat er alle wesentlichen staatlichen Funktionen in seine Hände gelegt, um die politischen, wirtschaftlichen, sicherheitspolitischen und militärischen Entscheidungen in Saudi-Arabien zu dominieren.

MBS versprach mehr soziale Freiheiten. Er lockerte die Kleiderordnung für Frauen, so dass sie ihr Gesicht nicht mehr verschleiern mussten, und lud ausländische Bands und Sänger ein, in Saudi-Arabien aufzutreten. Er verbot die Aktivitäten der strengreligiösen Kommission für die Förderung der Tugend und die Verhinderung des Lasters. Außerdem gründete er die Allgemeine Unterhaltungsbehörde, um seine Bereitschaft zu demonstrieren, sich von der traditionellen Vergangenheit des Landes zu lösen. Doch der plötzliche Wandel erregte Aufsehen. Denn MBS untergrub das traditionelle Wertesystem der Bevölkerung, ohne sie mit den Mitteln zur Verhaltensänderung auszustatten.

Saudi-Arabien hat die Kontrolle über den Golf-Kooperationsrat verloren, und die Vereinigten Arabischen Emirate sind nun sein Hauptrivale in der regionalen Politik. Der Kronprinz von Abu Dhabi, Mohammed bin Zayed, ein treuer Verbündeter der USA, übt nun Einfluss auf die saudische Außenpolitik aus. Er hat Riad in den Krieg im Jemen hineingezogen und MBS vor vier Jahren davon überzeugt, eine Blockade gegen Katar zu verhängen, weil es angeblich den Terrorismus unterstützt und sich in die Angelegenheiten der Region einmischt. Die Saudis hoben die Belagerung auf, nachdem Joe Biden 2020 das US-Präsidentschaftsrennen gewonnen hatte. Das Embargo hatte jedoch nichts gebracht, sondern nur Katars Beziehungen zu Teheran gestärkt und das Land veranlasst, der Türkei den Bau einer Militärbasis auf seinem Territorium zu erlauben.

Drakonische Maßnahmen

2015 beschloss MBS gegen den Rat seiner ägyptischen und pakistanischen Verbündeten, sich am Krieg im Jemen zu beteiligen. Er wusste, dass die Houthi-Rebellen der saudischen Armee 2009 einen schweren Schlag versetzt hatten, als saudische Truppen in das Gebiet der Houthis eingedrungen waren und mehrere Dörfer und Berggipfel in Jizan besetzt hatten. Dennoch zog MBS gegen die Houthis in den Krieg, in der Hoffnung, einen schnellen Sieg zu erringen. Fast sieben Jahre später sind die Saudis dabei, den Krieg zu verlieren – und haben keinen Plan für einen Rückzug.

MBS setzt drakonische Maßnahmen ein, um den vierten saudischen Staat aufzubauen. Aber er wird wahrscheinlich sein erster und letzter Monarch werden. Aus Geldmangel hat die Regierung ihr großzügiges Wohlfahrtssystem gekürzt, nachdem sie das saudische Volk mehr als ein halbes Jahrhundert lang verwöhnt hatte. Die Geschwindigkeit, mit der die Änderungen eingeführt wurden, hat viele Saudis schockiert, und eine wachsende Zahl von Bürgern ist von den oft unberechenbaren Entscheidungen des Monarchen enttäuscht.
 
Saudi-Arabien ist ein heterogenes Land mit vielen Stämmen. Es umfasst die Region Nadschd, eine wahhabitische Hochburg, in der weniger als ein Drittel der saudischen Bevölkerung lebt, die stark schiitisch geprägte Ostprovinz, den Hejaz, in dem sich die beiden heiligsten Moscheen des Islams, Mekka und Medina, befinden. Hinzu kommen die Region Asir südlich des Hejaz, Nadschran und Dschisan in der Nähe des jemenitischen Saada-Gebirges sowie die Provinz Nördliche Grenze, die traditionell mit dem Südirak und Jordanien verbunden ist.

Materieller Reichtum, politische Stabilität und die Zwangsmaßnahmen der Zentralregierung hielten diese vielfältige Bevölkerung Saudi-Arabiens bisher zusammen. Risse im System unter einer unbeständigen politischen Führung aber haben das Potenzial, sie auseinander zu reißen.

In Kooperation mit

GPF

Romuald Veselic | Fr, 26. November 2021 - 10:03

Kalifat abschaffte und religiöse Bekleidungssymbolik bei Frauen unter Strafe verbot, sowie das Tragen vom Fes bei Männern.
Ähnlich ist auch Reza Pahlavi, als Kaiser im Iran vorgegangen. Nur inkonsequent, er unternahm nichts gg. Ober-Ayatollah im franz. Exil. Er ließ Oppositionelle, im Gegensatz zu Mullahs, nicht ermorden.
Der heutige Zustand kennen wir, die Bigotterie gewann die Oberhand, was besonders im Iran schon faschistoide Merkmale (Wächterrat & 1-Herrscher-Absolutismus) beinhaltet.
Wenn Prinz MBS nicht aufpasst, kann er so enden, wie Pahlavi u. mit etwas Glück, ins Exil gehen. Wahhabitischer Klerus ist nicht besser als Taliban. Also was bleibt dem Westen übrig?
Lieber MBS unterstützen, bevor Saudi Arabien zum 2. Iran wird.
Was uns trösten kann, dass China (teilweise Indien) es nie zulassen wird, dass der Islam zw. Indik u. Atlantik die Oberhand gewinnt. Man sieht es daran, wie die Islampolitiker kuschen, wenn es um die Uiguren geht.
Wieviel Heuchelei braucht man noch?

Charlotte Basler | Fr, 26. November 2021 - 11:12

Vom Mittelalter in die Moderne? Schnell? Und die Menschen bei diesem Prozess mitzunehmen? Steuerbar und beherrschbar? Ist extrem schwer - und scheint gerade für muslimische Länder utopisch bis unmöglich.

Walter Bühler | Fr, 26. November 2021 - 11:44

... sind das nicht alles ganz tolle demokratische Länder, wenn man sie mit den Königreichen auf der arabischen Halbinsel vergleicht?

Diese werden nicht nur von unseren Profi-Sportlern, sondern auch von unseren reichen Steuerflüchtlingen hofiert, denn Könige dieses Typs können natürlich kein Auslieferungsabkommen akzeptieren.

Ich finde es ja auch toll, wie diese in Geld schwimmenden Staaten sozial schwache Flüchtlinge - aus ihren arabischen Nachbarländern - ganz konsequent von ihrem Herrschaftsbereich fernzuhalten wissen. Dort ist kein Flüchtling zu sehen, allenfalls ein braver Arbeitssklave. Gerade das gefällt sicherlich auch manchem deutschen Urlauber.

Meinem Gefühl nach sollte sich die mediale Wut in Deutschland zur Abwechslung endlich einmal auf diese archaischen Staaten konzentrieren, und nicht mehr nur auf Ungarn, Polen, Russland, China, Weißrussland, Nord-Korea usw.

Moral - denke ich - gilt doch für alle Menschen und Staaten, oder etwa nicht?

Christa Wallau | Fr, 26. November 2021 - 11:53

in die Neuzeit ist, lehrt uns die eigene deutsche bzw. europäische Geschichte.

Alles das, was in Saudi-Arabien jetzt geschieht
(z.B. die Ermordung von verwandten Thronprätendenten u. anderen Gegnern), gab es hier im MA genauso. Auch sog.. "Modernisierer" unter den Königen/Kaisern scheiterten mit ihren drakonischen Vorhaben regelmäßig, weil sie nicht beachteten, daß sie nicht nur Adel u. Kirche, sondern auch die Bevölkerung auf ihrem Weg mitnehmen mußten. Tradierte Strukturen lassen sich nicht so schnell verändern, wie es ein Herrscher oder eine Regierung sich wünscht. Selbst Gewaltanwendung ist nur kurzfristig erfolgreich.
Entwicklungsprozesse in den Köpfen u. Gefühlen von Menschen brauchen Zeit - sie dauern Generationen bzw. Jahrhunderte.

U. a. deshalb wird auch die durch den Euro forcierte Errichtung der "Vereinigten Staaten von Europa" scheitern: Nutznießer (Wirtschaft) und Funktionäre begreifen nicht, daß dies ein Jahrhundert-Projekt ist, das nur allmählich wachsen kann.

Liebe Frau Wallau,

da bin ich mir nicht so sicher. Ich habe einmal erlebt, wie ein Harem in einem Londoner Kaufhaus eingekauft hat. Die fröhlichen Frauen nahmen, was ihnen gefiel, und warfen es nach hinten, wo es Diener aufgefangen haben (und später wohl auch bezahlt haben). Auch bei anderen Gelegenheiten habe ich nicht den Eindruck gewonnen, dass sich reiche Araber als mittelalterlich empfinden.

Ist es nicht eher das Gegenteil? Wir Europäer sind in ihren Augen lächerlich rückständig und außerdem leicht zu manipulieren.

Sehen Sie sich die Bauten in Mekka oder in Dubai an. Dort feiert sich eine großartige islamische Zukunft, welche - vielleicht mit Ausnahme Londons und Moskaus - die armselige europäische Gegenwart weit überholt hat, und für Muslime in anderen Ländern inzwischen eine große Attraktivität gewonnen hat. Und natürlich hat auch Erdogan diese Witterung aufgenommen und dem Traum vom Sultan wieder belebt.

Die Zukunft kann anders aussehen als wir es erwarten

Sie schätzen die Lage in den islamischen Ländern u. deren zukünftige Entwicklung realistischer ein als ich.
Aus der Sicht der arabischen Könige, Scheichs u. anderer Potentaten
gibt es eigentlich gar keinen Grund dafür, viel an den "mittelalterlichen" Zuständen zu ändern, in denen sie ihre schlichten Untertanen noch immer festhalten. Sie selbst u. alle, die zu den Reichen in den jeweiligen Ländern gehören, sind ja längst in der Moderne angekommen, genießen jeglichen Fortschritt u. konsumieren ausschweifender u. schamloser als jeder Superreiche in Europa.
Ja, die Oberschicht in allen islamischen Ländern verachtet uns Europäer - davon bin ich ebenfalls überzeugt. Dies tun ja auch nicht wenige Muslime, die hier in D unter uns leben: Sie halten unsere durch das Christentum geprägte Ehrlichkeit, unser Mitleid mit jedem Hilfsbedürftigen u. unsere mangelnde Verteidigungsbereitschaft für Schwäche, während sie im Islam die Religion der
Stärke mit dem Potential der Weltherrschaft erkennen.

Heidemarie Heim | Fr, 26. November 2021 - 17:59

Heterogene Stammesregionen mit verschiedenartigen Traditionen und religiösen Ausrichtungen, mit harter Hand unterdrückte Konflikte und der Spagat zwischen alter und neuer Lebenskultur, der mal besser, mal schlechter angenommen wird bzw. gelingt. Je nach dem, in welchem Landesteil oder Metropole man lebt. Selbst der aufgepfropfte märchenhafte Reichtum verhindert nicht, dass man hier durchaus Parallelen zu Ländern wie Afghanistan erkennt, dessen Rückentwicklung aktuell im Zeitraffer zu beobachten ist. Während wir im Westen uns die Augen reiben und rätseln wie so was überhaupt möglich war nachdem wir Jahrzehnte lang versuchten unsere Vorstellung von Demokratie, Freiheit und Moderne mittels Bildung und Waffengewalt dort zu etablieren. Ohne Rücksicht auf die dortige uns nach wie vor fremde Kultur, die wir weder verstehen noch akzeptieren können/wollen mit unserer Sichtweise. Doch Unterdrücker, ob mit Studium im Westen oder Taliban, Mullahs ohne scherte unser Wertesystem noch nie sonderlich.

Rob Schuberth | Fr, 26. November 2021 - 20:06

Mir stellt sich nicht erst jetzt, die Frage welche Ziele hat MBS wirklich.

Primär wollte er sich die alleinige Macht sichern.
Das hat z. T. auch schon geklappt.

Hatte er die ALL-Macht aber auch schon geplant, oder kam das erst mit der Zeit.
Als er feststellte, wie gut ihm die ersten Maßnahmen gelangen UND der Westen dennoch still hielt.

Auf jeden Fall ist er ambivalent u. daher kaum abzuschätzen wie es mit ihm u. dem Land weitergehen wird.

Aber eines stimmt.
Die Korruption, die Methode Selbstbedienungsladen ist nun deutlich eingeschränkt worden.
Sie ist quasi auf ihn allein begrenzt.

Kann man als 1. Schritt sehen.
Ob zu mehr Demokratie (was ich nicht glaube), oder zu mehr Diktatur, das wird allein die Zukunft zeigen.

Int. wird es wenn die Petro-Dollar die Bevölkerung, die sehr jung u. agil ist, nicht mehr besänftigen können.

Ernst-Günther Konrad | Sa, 27. November 2021 - 13:27

Sehr tiefgründig Ihre beiden verfassten Gedanken. Die Wahrheit liegt wahrscheinlich irgendwo in der Mitte. In dem sowohl als auch. Deshalb kann ich mit ihren beiden Kommentaren sehr viel anfangen. Für mich wird am Ende des Tages, wann immer dieser sein wird, das Licht, das Gute und damit das Volk sein weiteres Vorbestehen entscheiden. Deshalb bin ich mir auch sicher, dass die Menschen in Saudi Arabien, wenn sie die Einmischung von außen vermeiden, selbst ihr Schicksal, wie auch immer sie es inhaltlich ausgestalten werden, selbst in die Hand nehmen. Die Frage ist nur, kann ein aufklärender, sich nur dem Volk verpflichtet fühlender "neuer" Führer die wirkliche Freiheit bringen? Will das Volk die Freiheit mit allen Konsequenzen im westlichen Sinne? Wird nicht wieder ein Heilsbringer zum Anführer "gewählt" werden, der die Macht in den Händen haltend, sich gegen das eigene Volk wendet, wenn es aufbegehrt? Und wieder sind es religiös geprägte Abarten des Islam, die einen Staat zersetzen.

Werter Herr Konrad, leider durfte ich Ihnen neulich, in einem andere Artikel auf Ihre Kritik nicht mehr antworten.
Daher hier m. Versuch:
Nein, ich wollte u. will mich nicht zum Richter aufschwingen.
So etwas liegt sehr weit fern meiner DNA.

Unter dem Druck der limitierten Zeichen werde ich dann manches Mal überdeutlich.
Das kann man dann auch mal fehlinterpretieren.

Zum Artikel selbst:
M. E. wird es in keinem Land der Welt je zu einem idealen Verhältnis zw. Volk u. Regierung kommen.Dafür ist die menschliche Psyche viel zu leicht anfällig für Macht, Korruption, Größenwahn...
Kein Wunder,sind wir doch,entgegen der These die Krone der Schöpfung zu sein,nur deren jüngster Prototyp.
Und vermutlich eh bald "Geschichte" auf diesem Planeten.

Die Geschichte ist voll von Diktatoren. Ihr Volk wirklich liebende, fürsorgliche Herrscher dagegen sind mir unbekannt.Gandhi könnte einer gewesen sein.Selbst Mandela war schnell "normal" d. h. anfällig für o. g. Dinge.