Screenshot
Moritz Gathmann (r.) im Gespräch mit Cicero-Redakteur Volker Resing

Putins Krieg und ukrainische Gegenwehr - „Die Militärhilfe aus dem Westen macht den Ukrainern Hoffnung“

Cicero-Chefreporter Moritz Gathmann ist am Wochenende in Lemberg angekommen. Hier, im Westen der Ukraine, beobachtet er, wie tausende Flüchtlinge in die Stadt kommen, auf ihrem Weg nach Polen und Deutschland. „Die Stimmung in der Ukraine ist ziemlich siegessicher“, sagt Gathmann. Der Vormarsch der Russen im Norden vor Kiew konnte offenbar gestoppt werden, im Süden hingegen gibt es für die Ukrainer Rückschläge.

Cicero Cover 8-22

Autoreninfo

Hier finden Sie Nachrichten und Berichte der Print- und Onlineredaktion zu außergewöhnlichen Ereignissen.

So erreichen Sie Cicero-Redaktion:

In Lemberg stößt Gathmann auf Straßenpatrouillen von bewaffneten Zivilisten, die die Ausgangssperre kontrollieren und nach russischen Saboteuren suchen. Diese bezahlten russischen Spione versuchen, für mögliche Luftangriffe Bodenmarkierungen anzubringen, die russischen Piloten als Hinweise dienen könnten. Diese sollen unkenntlich gemacht werden. Bisher allerdings konnte die ukrainische Luftabwehr ein Vordringen der Russen in den Luftraum noch verhindern.

Die für heute angesetzten Verhandlungen zwischen der Ukraine und Russland an der weißrussischen Grenze bezeichnet Gathmann als „Finte“. Die Delegation sei nicht hochrangig besetzt. Allerdings sei bemerkenswert, dass Präsident Putin für die Gespräche keine Vorbedingungen mehr gestellt hat. In Russland ist wiederum nach Informationen von Gathmann der Widerstand gegen Putin noch zaghaft. „Im Leben der meisten Russen findet dieser Krieg noch gar nicht statt.“ Durch gezielte Desinformation sei vielen das Ausmaß des Krieges nicht klar. Das Regime hat weitere Sperrungen von Social-Media-Plattformen aktiviert, was auf eine erhöhte Anspannung hindeutet. „Aber je mehr Zinksärge nach Russland zurückkommen, umso mehr kommt Putin in Erklärungsnot.“

Das Gespräch wurde am Montag um 11.30 Uhr geführt und aufgezeichnet. Gathmann wird an dieser Stelle weiter über die Situation in der Ukraine berichten.

Heidemarie Heim | Mo, 28. Februar 2022 - 14:51

Zunächst all meine guten Wünsche an unseren lieben Mr. Gathman! Wer hätte aber auch nur ahnen können, dass wir wieder sogenannte "Kriegsreporter" brauchen, die uns "analog" von der schlimmen Lage vor Ort berichten müssen. Also passen Sie weiter gut auf sich auf!
Auch meine Bewunderung für das ukrainische Volk und seine Führung wächst täglich. Wie auch nicht angesichts dieses Kampfes David gegen Goliath. Wie "alt" sieht doch ein Herr Putin in seinen maßgeschneiderten Anzügen und seinem Riesentisch zur Kompensation? thronend aus im Gegensatz zu einer so bisher verkannten Führerpersönlichkeit und Motivator wie ein Herr Selenskyj, der auch wenn er unterliegen sollte schon jetzt als moderner Freiheitskämpfer im wahrsten Sinne des Wortes gelten dürfte. Und ja, spätestens wenn auch die russischen Mütter und Väter ihre Söhne an den Zinksärgen betrauern wird es für den unnahbaren Despoten, seine Mischpoke und alle die ihn unterstützen eng. Denn Freiheit ist das Einzige was zählt! MfG

Gerhard Lenz | Mo, 28. Februar 2022 - 16:26

„Im Leben der meisten Russen findet dieser Krieg noch gar nicht statt.“

Offiziell darf in Russland der Begriff "Krieg" nicht gebraucht werden. Es handelt sich um eine "spezielle Militäraktion". Dann wundert es nicht, dass - wie die BBC berichtete - Passanten immer wieder abstreiten, dass in der Ukraine - der Osten ausgenommen -überhaupt gekämpft würde, und wenn doch, wären das gar keine russischen Soldaten.

In den Nachrichtensendungen wird der russische Einsatz als Friedensmission glorifiziert: Man wolle die Menschen im Nachbarstaat aus der Gefangenschaft von Nazis und Drogensüchtigen (!!!) befreien. In der russischen Regierung, besonders bei Putin, breitet sich offensichtlich kompletter Wahnsinn aus.

Demonstrationen gegen den Krieg wurden sofort und mit eiserner Hand beendet. Hunderte von Russen sind angeblich verhaftet.

Putin muss sich beeilen. Je länger der Krieg dauert, je größer die Opferzahl, um so mehr wird die russische Bevölkerung Putins Kriegsbesessenheit verurteilen.

Ernst-Günther Konrad | Mo, 28. Februar 2022 - 18:13

Ich mag mich an Spekulationen, wer, wann und wie was macht nicht beteiligen. Die Infos von Herrn Gathmann sind nur so gut, wie die Quellen, die er nutzen kann und seine eigenen Wahrnehmungen. Natürlich wird Putin im eigenen Land alles daransetzen, schlechte Nachrichten fernzuhalten und alle neutralen Informationsquellen versuchen zu unterdrücken. Das ist doch gängige Kriegstaktik. Das er natürlich jede Menge Falschmeldungen verbreitet ist doch auch klar, das macht die Ukraine auch so. Nur, unsere sog. "freien Medien" sind da nicht besser. Ich schrieb schon einmal. Viele Aussagen, Bilder und Videos zu Artikeln in der deutschen Presse halten genauere Überprüfungen nicht stand oder sind durchaus zweifelhaft und fordern bei genauer Betrachtung viele tiefgründige Fragen auf. Wir sollten uns alle wünschen, das die Friedensgespräche doch kein Fake sind und wenigstens ein weiteres Vorrücken eine Waffenruhe ausgehandelt werden kann. Ich gebe ab zu, dass das alles sehr fraglich ist.

Beim Krieg ist Propaganda auf allen Seiten quasi vorprogramiert. Und es läuft wie man gut beobachten kann nach dem Schema der 10 Gebote der Kriegspropaganda ab.
Zu ihrer Anmerkung "alle wünschen, dass die Friedensgespräche kein Fake sind und wenigstens eine Waffenruhe ausgehandelt werden kann. Ich gebe zu, dass das alles sehr fragliche ist" meine ich wenn ein Wille da ist und bei allen der Verstand (besonders in der EU) wieder einkehrt müsste es möglich sein. Denn machen wir uns nichts vor es gibt bei diesem Drama Verlierer und Gewinner wer die Verlierer sind? Ich habe einen Verdacht.

Albert Schultheis | Di, 1. März 2022 - 16:03

Ihre Anwesenheit in der Ukraine ist bewundernswert, ein wichtiges Zeichen der Solidarität. Aber, bitte, „Die Militärhilfe aus dem Westen macht den Ukrainern Hoffnung“ - das ist ein fatales Zeichen, was sind die Konsequenzen? Die deutschen Waffen werden voraussichtlich niemals eingesetzt werden können. Das wird Putin verhindern, einen Häuserkampf in den Städten wird er ebenso wenig riskieren, denn die Verluste wären zu hoch. Nein, er wird mit schwerem Gerät die Innenstädte plattmachen, damit sich kein Sniper, kein Guerillero mehr dort rührt. Aber dort leben nun auch mal die Familien, Frauen mit Kindern, Alte. Dh für Selenskij ist spätestestens mit dem Danaergeschenk der Deutschen das Ende der Fahnenstange gekommen. Er muss entweder mit seinem Volk grausam untergehen oder kapitulieren. Let's face it, Putin wird gewinnen, aber nur einen Krieg, keinen Sieg. Wenn Selenskij klug und verantwortlich ist, gibt er auf, tritt zurück und Putin installiert seinen Oligarchen. Also zurück vor 2013!

Ihr Kommentar zu diesem Artikel

Der Inhalt dieses Feldes wird nicht öffentlich zugänglich angezeigt.

Liebe Leserinnen und Leser,
wir freuen uns über jeden Kommentar und wünschen uns eine konstruktive Debatte. Beleidigende, unsachliche oder obszöne Beiträge werden deshalb gelöscht. Ebenfalls gelöscht werden ad-hominem-Kommentare, die lediglich zum Ziel haben, andere Foristen zu diskreditieren. Auch anonyme Kommentare werden bei uns nicht veröffentlicht. Wir bitten deshalb um Angabe des vollen Namens. Darüber hinaus behalten wir uns eine Auswahl der Kommentare auf unserer Seite vor. Generell gilt: Pro Artikel ist pro Nutzer ein Kommentar und eine Replik auf einen anderen Leserkommentar erlaubt. Kommentare, die Links zu zweifelhaften Webseiten enthalten, werden nicht veröffentlicht. Um die Freischaltung kümmert sich die Onlineredaktion von Montag bis Freitag von 9 bis 18 Uhr. Am Wochenende werden Forumsbeiträge nur eingeschränkt veröffentlicht. Nach zwei Tagen wird die Debatte geschlossen. Wir danken für Ihr Verständnis.