Lindsey Graham
Der republikanische Senator Lindsey Graham / dpa

Vor den Midterms im November - Vorstoß zu Abtreibungsverbot spaltet Republikaner

Der republikanische US-Senator Lindsey Graham aus South Carolina wollte die Republikaner mit seinem Vorstoß für ein nationales Abtreibungsverbot einen. Stattdessen wünschen sich nun viele, er hätte geschwiegen.

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Der Gesetzentwurf lag der Öffentlichkeit noch keine 24 Stunden vor, da hatte er sich schon erledigt. Nicht mal der Minderheitsführer der Republikaner im US-Senat, Mitch McConnell, sprang seinem alten Freund zur Seite. Ein landesweit gültiges Abtreibungsverbot ab der 15. Schwangerschaftswoche mit Ausnahmen bei Lebensgefahr für die Mutter, Vergewaltigung oder Inzest ist das letzte, worüber er im Wahlkampf vor den Zwischenwahlen am 8. November sprechen möchte.

„Ich denke, die Mitglieder meiner Fraktion sehen es lieber, wenn das auf der Ebene der Bundesstaaten behandelt wird“, wiegelte er ab. Selbst dort ist das Thema schwierig, seit das Oberste Gericht im Juni ein halbes Jahrhundert Rechtsprechung über den Haufen geworfen hatte. Der Supreme Court hatte entschieden, dass aus der Verfassung kein „Grundrecht auf Abtreibung“ abgeleitet werden kann – und damit das Grundsatzurteil „Roe gegen Wade“ von 1973 aufgehoben.

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Django Reinhardt | Mo, 19. September 2022 - 11:23

Was geht in den Menschen vor, daß sie die Abtreibung befürworten? Es ist Mord am werdenden menschlichen Leben.
Sie waren doch auch mal im Mutterleib herangewachsen, geschützt, Schutzbedürftig, voller Freude und Hoffnung erwartet.
Oder wären sie doch besser durch einen natürlichen Abortus nicht zur Welt gekommen? Um sich hier nicht an der schutzlosen Leibesfrucht eigennützig und heimtückisch zu vergehen?

Sabine Lehmann | Mo, 19. September 2022 - 22:48

In reply to by Django Reinhardt

Ihre nicht mal auf den ersten Blick sozialromantische Beschreibung einer Schwangerschaft ist so realitätsfremd wie eindimensional. Von den fehlenden biologischen Kenntnissen und fehlender Empathie für Notlagen, Vergewaltigte einmal ganz abgesehen, sollten Sie vielleicht Ihre übrigens typisch männliche Sicht um den einen oder anderen Horizont erweitern und sich mit Frauen und Mädchen unterhalten, die eine Abtreibung hinter sich haben. Aber natürlich nur, wenn Sie Ihren Tunnelblick verlassen möchten, werter Herr Reinhardt.

Gerhard Lenz | Mo, 19. September 2022 - 12:09

bis er bricht? Herr Graham und seine evangelikal-fundamentalistischen, christlichen Taliban übertreiben es? Ihre Forderung geht selbst manchem Republikaner zu weit?

Wer's glaubt, ist naiv. Es stehen Wahlen an, und nach allen Umfragen ist die Mehrheit der US-Amerikaner eindeutig gegen ein vollständiges Abtreibungsverbot. Wenn jetzt ein paar Republikaner Bedenken zeigen, dürften diese der Furcht vor dem drohenden Mandatsverlust geschuldet sein. Denn seit ein hoffnungslos-narzisstischer Soziopath namens Donald Trump zuerst die republikanische Partei und anschliessend das Präsidentenamt eroberte, haben sich die meisten Republikaner in willenlose Politclowns (zurück-)entwickelt, die höchstens noch versuchen, Trump & engste Verbündete an Radikalität zu übertreffen.

Manche Republikaner zeigen zwar besseres Benehmen, sind in ihren Ansichten aber genauso radikal wie Trump - siehe den Hoffnungsträger De Santis in Florida. Religiöser Extremismus ist eben kein exklusiv islamisches Produkt.

Ernst-Günther Konrad | Mo, 19. September 2022 - 16:27

Wahltaktisch hat Graham sicherlich eine Dummheit begangen, die sich durchaus auf die nächsten Wahlen auswirken können. Ich persönlich bin gegen eine zu freie und unwiderrufliche Freigabe von Abtreibungen. Es steht mir nicht an, den Amerikanern da etwas zu empfehlen. Aber eine Volksabstimmung in jedem Bundesstaat, so wie es bei vielen anderen Themen auch schon durchgeführt wurde, wäre doch sicher hilfreich, auch außerhalb parteipolitischer Denkschablonen, die tatsächliche Meinung der Bevölkerung speziell zu diesem Thema zu erfahren. Ob ein Abtreibungsbefürworter nur deshalb die Demokraten wählt oder umgekehrt bleibt dahingestellt. Wenigstens wird das Thema dort inhaltlich mit allen Facetten im Volk diskutiert. Es ist feige von der Politik, dies wegen möglich schlechter Wahlergebnisse nicht zu tun. Das Thema im Wahlkampf auszuklammern ist nur Zündstoff für Fanatiker auf beiden. Abtreibung ist eine Entscheidung für oder gegen Leben, bei dem sich das Embryo selbst nicht entscheiden kann.

Gerhard Lenz | Mo, 19. September 2022 - 20:35

mit welcher Unbeschwertheit ausgerechnet jene, die ständig überall sozialistische Tendenzen wittern, im Gegenzug die Sozialisierung von Frauenbäuchen fordern.

Nicht die Betroffene soll über das werdende (nicht bereits bestehende, wie oft fälschlich dargestellt wird) Leben in ihrem Körper entscheiden. Fremde Menschen, meist die bekannten, alten weißen männlichen Geschlechts wollen sie weitgehend entmündigen. Wobei, Gipfel der Krönung, jene, die wissen was gut für die potentiell werdende Mutter ist, später dann "Vollversorgungsmentalität" bejammern, wenn die ungewollt zur Mutter gewordene z.B. in wirtschaftliche Schwierigkeiten gerät.

Manchmal möchte man jenen, die sich sonst ständig bevormundet fühlen (siehe Waschlappen), aber selbst keine Problem haben, andere zu bevormunden - obgleich sie persönlich gar nicht betroffen sind - einfach mal raten, nichts zu sagen.

Irgendwo geht es sie ja auch nichts an...

Sabine Lehmann | Di, 20. September 2022 - 15:49

Was mich immer wieder wundert wenn das Thema Abtreibung hier im cicero behandelt wird, ist die Dominanz männlicher Kommentare. Außer mir schreibt sonst keine Leserin etwas dazu. Wo sind denn die vielen Leserinnen, die sonst auch zu allen anderen Themen wertvolle und interessante Kommentare abgeben?
Traut Ihr Euch nicht? Was ist der Grund? Etwa Scham? Wegen eigener Erfahrung? Wieso? Dafür soll sich keine Frau schämen müssen, steht dazu! Das ist wichtig.