Julian Assange - Vom Internet-Krieger zum Staatsfeind

Als Wikileaks-Gründer Julian Assange nach sieben Jahren Exil in der ecuadorianischen Botschaft verhaftet wurde, erkannte man ihn kaum wieder. Wirre Haare, Zottelbart – ist das wirklich der Australier, dessen Enthüllungen die Mächtigen der Welt erzürnten? Wir zeichnen seinen Lebensweg nach in Bildern

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Fotos: picture-alliance

Romuald Veselic | Sa, 13. April 2019 - 06:36

Assange sehr gut erinnern.
Daran sieht man, wie die Medienwelt immer brutaler manipuliert wird und dadurch umso unglaubhafter. Zur Zeiten des Ostblocks, waren Agit-Prop-Medien der Kommunisten, ein Konglomerat aus Lügen und Gehirnwäsche, die eigentlich dazu die Menschen brachte, dass sie fähig waren zwischen den Zeilen zu lesen. Damit will ich nur anmerken, auch wenn sie die Dunkelroten mal doch dann die Wahrheitsgemäß berichteten, keiner glaubte an das mehr. Das war die Goldene Zeit des politischen Witzes.
Auch die Wikileaks v. Hr. Assange wurden zum einzigen medialen Sakrament verklärt, ähnlich einem Medikament gegen die Pandemie.

Inzwischen ist es nicht mehr so. Es gibt gute und schlechte Wikileaks. Die guten WL sind gegen Trump u. für Angela M. Die bösen WL sind für Trump u. gegen Angela M.
Dieses monumentale Bluffen kann man etwa mit den alten Illus aus den 60-ern vergleichen mit dem Titel von damals: "Hitler lebt, ergreift ihn!"

Ernst-Günther Konrad | Sa, 13. April 2019 - 09:59

Einerseits ist es richtig und wichtig, dass Insider offen legen, wenn Schweinereien in der veröffentlichten Form bekannt gemacht werden. Es bestätigt meistens das ohnehin schon bei den kritisch denkenden Menschen vorhandene Bauchgefühl oder bestätigt angebliche Verschwörungstheorien oder kann sie auch als falsch entlarven. Ein gesunder Umgang damit und rechtsstaatliche Reaktionen auf die veröffentlichten Verfehlungen sind wünschenswert. Andererseits befällt mich Skepsis dahingehend, das neben dem Bruch von Recht - Datenaussphähung u.a. Tatbestände- gegen Recht verstoßen wurde. Das Sachverhalte geheim sind hat ja seinen Grund. Wenn also eine Plattform gezielt geheime Informationen veröffentlicht wird auch Geld generiert bei denjenigen, die sie für ihre Zwecke oder gegen eine Sache einsetzen. Auch der Umfang von Veröffentklchung ist problematisch. Eine Vorselektion kann bewusst zur Täuschung einer Seite - namentlich Wähler - für oder gegen eine politische Partei genutzt werden.

Ohne WikiLeaks, wer ist Assange dann noch? Jemand, der besser in Russland aufgehoben wäre?

WikiLeaks war mal eine wichtige Quelle. Dann jedoch wurde Assange (möglicherweise) Opfer von Grössenwahn und eigenen Trieben und geriet zunehmend ins Fahrwasser eines Vladimir Putins.
Diesem und dessen Präferenz für Donald Trump dürften auch die windigen Enthüllungen zu verdanken sein, die gerade rechtzeitig kamen um Hillary Clinton im US-Präsidentschaftswahlkampf (noch) mehr zu schaden.

Nein, Assange ist mittlerweile kein Enthüller mehr und schon gar kein Held, sondern nur noch jemand, der nach Verlust seiner Glaubwürdigkeit um seine Haut fürchtet.

Dorothee Sehrt-Irrek | Mo, 15. April 2019 - 11:53

In reply to by Gerhard Lenz

mag für den Wahlkampf Clinton vs. Trump stimmen, ich beurteile ihn eher noch von davor, aber ich bin nicht so sicher, dass es überhaupt nötig war gegen Hillary Clinton.
Vielleicht spielte ihr das sogar noch Stimmen zu.
Herrn Trump ertrage ich, weil ich US-Amerikanern entfernt glaube, Herr Assange ist keiner, die Frau Clinton teils in "abseitige Machenschaften" verstrickt sehen.
Dafür, dass Hillary Clinton teils stark angefeindet wird, hat sie viele Stimmen bekommen.
Wie "sie" damit umzugehen vermag, hat man dann vielleicht auch gesehen.
Ich war heilfroh damals, als Obama Hillary Clinton verdrängte.
Das kann ich nicht wissenschaftlich beweisen und natürlich hätten die Amis auch eine Präsidentin verdient, wie eben auch viele in Deutschland endlich eine Kanzlerin wollten.
Ich bin froh, wenn Demokraten abseits der evtl. Machtfrau Hillary Clinton die Wahlen in den USA entscheiden können und hoffe in Deutschland durch gute Politik von Nahles auf stabilisierte Ergebnisse für die SPD.

...der Aufklärer, der er mal gewesen sein mag. Tatsächlich ist er kaum noch mehr als ein williges Werkzeug von Gnaden Putins, was ihn aber am Ende nicht vor der Verurteilung retten dürfte.
Ich kann mir nicht vorstellen, dass die von Assange mit angezettelte Schmutzkampagne gegen Clinton für diese förderlich gewesen ist; sie hat hingegen Trump erneute Munition geliefert.
Aber ich gebe Ihnen Recht: Clinton wäre auch nicht mein Fall. Sie war zum Schluss dermaßen unbeliebt, dass die US-Amerikaner ihr sogar einen populistischen, ungehobelten, dauerlügenden Narzissten vorgezogen haben.

Bleibt zu hoffen, dass die Demokraten mit dem nächsten Kandidaten mehr Weitsicht beweisen und anders als im Falle Clinton nicht einfach den in der Parteihierarchie nächsten als Kandidaten aufstellen.

Jürgen Keil | So, 14. April 2019 - 13:06

Wenn ein Staatsbeamter Staatsgeheimnisse, egal welcher Art, verrät, muss er, wenn das im jeweiligen Land strafrechtlich relevant ist, wahrscheinlich ist das die Regel, zu Recht mit Strafe rechnen. Wer ihm dabei Hilfestellung leistet muss ebenfalls nach dem Gesetz behandelt werden. Whistleblower sind mir suspekt. Sie handeln nach einem subjektiven Moralverständnis. Was aber ist die richtige Moral? Die aktuellen, überladenen Moralvorstellungen? Ihr Nachbar könnte sich berufen fühlen, weil Ihr Leben gegen seine moralischen Vorstellungen verstößt, über selbiges coram publico berichten. Würde Ihnen das gefallen? Wenn investigative Journalisten recherchieren, und sich im Rahmen der Gesetzlichkeit bewegen, ist das in Ordnung.

verdächtigen, bevor sie über den Nachbarn nachdenken, sollten sich bei Assange zurückhalten.
Er ist halt nur nicht US-Amerikaner?
Ich sage nicht, dass Whistleblower neues Recht schaffen oder ausrufen sollen.
Es kann passieren, dass sie andere gefährden, die durch geheime Staatsoperationen geschützt werden, kurz, es ist ein schmaler Grat, der niemals von subjektiven Interessen dominiert werden darf, wohl davon ausgehen darf, zuletzt aber doch geleitet sein sollte davon, dass die Grundlage meiner Maximen zur allgemeinen Grundlage taugen.
Diese Fälle darf man dann auf keinen Fall in dem je sich geschädigt fühlenden Land verhandeln, sondern vielleicht vor dem Weltgerichtshof.

Es geht nicht um moralische Kategorien, sondern um die Einhaltung von Gesetzen. Verstöße gegen Menschenrechte und Völkerrechte sollte man doch schon anprangern!
Und bei der Verletzung von diesen Rechten stehen ja die USA ziemlich einsam an der Spitze. Da hilft es auch nicht sie zu "Staatsgeheimnissen" zu deklarieren.

Juliana Keppelen | Mo, 15. April 2019 - 11:26

In reply to by Klaus Langer

so ist es. Ich frage mich wo waren denn die investigativen Journalisten als es im Irak Kriegsverbrechen gab (und gibt) oder in Afghanistan? Alle eingebettet? Foltergefängnisse, Menschjagt, Willkür gegen die Bevölkerung "nichts sehen, nichts hören, nicht berichten müssen" war die Losung während wir ausgiebig und fast täglich über die Taten der "bösen Despoten" (also von jenen Despoten die unbotmäßig sind) informierte werden. Ulrich Tilgner wurde vom ZDF sofort abserviert als er berichtete was ist und nicht was man gerne hören wollte, Herr Scholl-Latour wurde als alter seniler Mann diffamiert. Das einzige Verbrechen das Wikileaks begangen hat, war die "falsche" Seite anzugeprangern spätestens bei der heiligen Hillary war Schluß mit lustig.

Ernst-Günther Konrad | Mo, 15. April 2019 - 11:36

In reply to by Klaus Langer

sehen Sie Herr Langer, das sehe ich grundsätzlich genauso wie Sie. Nur, wer entscheidet darüber und welcher Zielrichtung? Ginge es wirklich nur um neutrale Informationen der Bevölkerung, die sodann ihre politische und gesetzlichen Möglichkeiten nutzt, bin ich völlig bei Ihnen.
Mein Problem besteht darin, das Geheimdokumente, egal welche Schweinereien sie beinhalten, letztlich Staatsgeheimnisse sind und deren Veröffentlichungen gegen geltendes Rechts verstößt. Heiligt hier der Zweck den Rechtsbruch?
Wer selektiert und entscheidet zu welchem Zweck? Neben monitären Interessen, haben die Nutzer solcher Informationen ihr eigenes Wohlergehen im Blick. Ich bezweifele es, dass dies aus lauteren nur dem Volksinteresse dienenden Gründen passiert. Ein Dilemma oder?

Juliana Keppelen | Mo, 15. April 2019 - 12:47

In reply to by Ernst-Günther Konrad

letztlich Staatsgeheimnisse sind. Und jeder Staat darauf bedacht ist, dass evtl. "Schweinereien" nicht ans Tageslicht kommen. Nun ist es doch aber die Aufgabe des investigativen Journalismus genau solche "Sauereien" aufzudecken das heißt sie müssen mit Insidern oder Whistleblower zusammen arbeiten. Und weil die Journalisten und Whistleblower sich zwangsläufig mit den Mächtigen anlegen gehen sie ein hohes sehr hohes Risiko ein ihre Existenz oder ihr Leben zu verlieren. Von persönlichem Wohlergehen sind sie jedenfalls meilenweit entfernt.

Beim persönlichen Wohlergehen mag ich Ihnen zustimmen. Für den investigativen Journalismus vielleicht? Nur, wo gibt es den noch? Nur wenige Jounalisten haben den Mut wertneutral, ohne eigene Wertung zu berichten. Sie sind von denen abhängig, die es in den Redaktionen zu entscheiden haben, was letztlich bekannt werden soll und was nicht. Wer in viele Redaktionen hinein schaut und die Abhängigkeit mancher Presseorgange von Politik oder Einflussnahme der Eigentümer ihrer Verlagshäuser sieht, dem dürfen durchaus Zweifel kommen. Wie gesagt, ein für mich schwieriges Feld, das vielleicht nicht einfach nur mit ja oder nein beantwortet werden kann, sondern eher mit von Fall zu Fall.

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