Großbritannien - Doch ein Exit vom Brexit?

Weil sich die britische Regierung auf keine Linie bei den Brexit-Verhandlungen einigen kann, werden zunehmend Stimmen laut, die ein zweites Referendum fordern. Ein Hindernis bleibt allerdings bestehen

Eine britische und eine Europa-Flagge sind aneinander geknotet
58 Prozent der Briten stehen einem zweiten Referendum inzwischen „eher positiv“ gegenüber / picture alliance

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Tessa Szyszkowitz ist Londoner Korrespondentin des österreichischen Wochenmagazins Profil. Zuvor war sie Nahost-, Russland- und EU-Korrespondentin. Foto: Alex Schlacher

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Tessa Szyszkowitz

Lord Adonis bekämpft den Brexit, koste es, was es wolle. „Wir brauchen ein zweites Referendum“, fordert der proeuropäische Labour-Politiker. „Jetzt, wo die Folgen für Großbritannien immer klarer werden, sollten die Briten noch einmal abstimmen dürfen.“ Andrew Adonis war vom damaligen Premierminister Tony Blair 2005 lebenslänglich ins House of Lords geschickt worden. Um die Kampagne für ein zweites EU-Referendum leiten zu können, hat der 54-jährige ehemalige Minister im Dezember sogar seinen Job als Vorsitzender der regierungsnahen Kommission für Nationale Infrastruktur aufgegeben. Sein hartes Urteil: „Der Brexit hat zu einem Nervenzusammenbruch in Whitehall geführt.“

Bis Oktober 2018 soll zwischen London und Brüssel ein Scheidungsvertrag und ein Übergangsabkommen zum Austritt aus der EU ausgehandelt werden. Danach müssen die Parlamente aller EU-Staaten den Vertrag noch ratifizieren. Dann wollen die Briten am 29. März 2019 die EU verlassen.

Wollen die Briten aber überhaupt noch austreten? Die jüngste Umfrage des Instituts YouGov hat ergeben, dass 47 Prozent der befragten Briten der Meinung sind, dass Großbritannien mit dem Brexit einen Fehler macht. Nur 42 Prozent halten die Entscheidung per Volksabstimmung vom Juni 2016 noch für richtig. Nach einer ICM-Umfrage stehen 58 Prozent einem zweiten Referendum eher positiv gegenüber. 

Es riecht nach Verrat gegen May

Trotz dieser neuen Umfragedaten scheint sich die Stimmung im gespaltenen Land zwischen Freunden und Feinden der EU nicht verändert zu haben – wenn, dann wird der Ton noch unversöhnlicher. Theresa May steht im Zentrum des Sturms. Sie weiß immer noch nicht, was sie in Brüssel aushandeln soll, weil sich innerhalb ihres Kabinetts harte und softe Brexitiere auf keine Position einigen können. Kein Wunder, dass sich in der Bevölkerung Verunsicherung breit macht. Selbst der konservative The Spectator titelte „Führe oder geh!“, daneben eine Karikatur der hageren Premierministerin, die dem Publikum den gebeugten Rücken zukehrt.

Es riecht nach Verrat. Überall. Regierungschefin Theresa May muss jeden Tag damit rechnen, dass einer ihrer Minister ihr mit einem Dolch im Gewande entgegentritt. Außenminister Boris Johnson etwa will selbst gerne Premier werden. Damit nicht genug: Als Nachfolger für Theresa May wünschen sich laut Umfragen die Konservativen den noch extremeren EU-Feind Jacob Rees-Mogg. Innerhalb der Tory-Partei gibt es außerdem Rebellen des anderen Lagers, die einen allzu harten Brexit verhindern wollen. Moderate Konservative wie Nicky Morgan oder Anna Soubry wurden deshalb vom Boulevardblatt Daily Mail schon des „Verrats“ bezichtigt. 

Proben die Beamten den Aufstand?

Erstmals in der Geschichte Großbritanniens tut sich noch eine weitere Front auf: Die Beamtenschaft, sonst treue Diener ihrer politischen Herren, scheinen keine sicheren Verbündeten mehr zu sein. Am Dienstag wurde eine regierungsinterne Studie an das Internetmedium Buzzfeed geleakt, in der die Folgen der verschiedenen Brexit-Modelle auf die britische Wirtschaft errechnet werden: Demnach kommt jede Austritts-Variante dem Vereinigten Königreich teurer als der Status quo. Steve Baker, Unterstaatssekretär für den Brexit, deutete daraufhin am Donnerstag im House of Commons an, die Staatsdiener hätten absichtlich negative Zahlenmodelle produziert.

Der Vorwurf der Meuterei ist für britische Verhältnisse ein unerhörter Angriff. Ist doch die Beamtenschaft auch zu Zeiten des Empires immer das unparteiliche Rückgrat jeder Regierung gewesen. „Wie der Brexit-Minister über die Beamten spricht, zeigt, was der Brexit hier anrichtet“, sagt Pat McFadden. Bis vor zwei Jahren war der zentristische Proeuropäer Schattenaußenminister. McFadden fürchtet, dass das Votum für den Brexit „eine nationalistische Antwort auf die Globalisierung ist. Die Probleme werden vom EU-Austritt nicht gelöst.“

Labour kann aus Situation keinen Profit schlagen

Die oppositionelle Labour-Partei hätte also alle Chancen, die Krise der Regierung in den Brexit-Verhandlungen auszunutzen. Will der EU-skeptische Labour-Chef Jeremy Corbyn aber seine Partei auf Anti-Brexit-Kurs einschwören? Bisher konnte er sich nicht dazu entschließen, das Ruder herumzureißen und die permanente Mitgliedschaft im „Single Market“ zu fordern. Die offizielle Linie lautet, dass man so nah wie möglich am EU-Binnenmarkt bleiben will: „Großbritannien hat für den Brexit gestimmt, also müssen wir austreten, ... nicht sehr weit, aber doch“, stellt Corbyns loyale Schattenaußenministerin Emily Thornberry fest. Ihrer Meinung nach kann Labour nicht an der Tatsache vorbei, dass „die Einwanderung ein bedeutendes Thema bei der Brexit-Entscheidung war“.

Eine neue Umfrage aber zeigt, dass nicht nur Premierministerin May Schwierigkeiten hat, eine gemeinsame Linie zwischen Partei und Parlamentsfraktion zu finden. Bei Labour sieht es mit umgekehrten Vorzeichen ähnlich aus. 87 Prozent der Labour-Mitglieder – darunter viele Junge, die mit der Europäischen Union aufgewachsen sind – wollen einer Umfrage von Ipsos Moris nach zumindest im EU-Binnenmarkt bleiben – in diesem Fall könnte die Einwanderung aus Europa nicht beschränkt werden. Das scheinen die meisten in Ordnung zu finden. 

Anti-Bexit-Graswurzelbewegung formiert sich

Diese Chance wollen jetzt die Proeuropäer aller Parteien nutzen. Unter der Führung von Labour-Zentrist Chuka Umunna und Tory-Rebel Anna Soubry hat sich eine Koordinations-Gruppe der Basis zusammengefunden. Die GCG („Grassroots Coordinating Group“) bündelt verschiedenste Anti-Brexitiere, um entweder ein zweites Referendum oder eine sinnvolle Abstimmung im Parlament zur europäischen Zukunft des Vereinigten Königreichs zu fordern. 

Solange aber keine der beiden großen Parteien in Großbritannien umschwenkt und den bereits beschlossenen Austritt aus der EU wieder absagen will, wird ein Exit vom Brexit schwer zu realisieren sein. 

martin falter | Fr, 2. Februar 2018 - 11:40

so liebe Inselbewohner macht bitte bitte weiter auf eurem Weg zur "Splendid isolation " den ihr ja immer so toll findet. Die Zeiten haben sich geändert und die Welt braucht euch immer weniger. Das Empire ist schon lange untergegangen. Zurück bleibt ein verkümmerter Haufen Patrioten die auf ihrer Insel abgeschottet leben werden. Die Trennung wird hart aber ihr macht das schon.....

Christa Wallau | Fr, 2. Februar 2018 - 12:04

Die Unsicherheiten in GB resultieren aus der schlichten Tatsache, daß n i e m a n d vorhersagen
kann, wie sich letztlich und langfristig der Austritt aus der EU für die Briten auswirken wird.
Also bleibt allen nur der Glaube (= das Vertrauen)
an die eigenen Überzeugungen und Gefühle.

Wie auch inzwischen allmählich bei uns in D, gibt es da - grob gesagt - zwei Lager: Menschen, die ihr Heil in mehr Weltoffenheit, Multikulturalität u. damit verbundener Unsicherheit sehen und diejenigen, die sich in eingeschränkter Sicherheit und Selbstbestimmung wohler fühlen. Rein theoretisch lassen sich für beide Richtungen Vor- und Nachteile aufzählen
Erfahrungen aus der Geschichte der Menschheit lehren uns jedoch, daß die besseren Argumente auf seiten der Bürger (n i c h t des Kapitals!) liegen, die ihrer Freiheit, Sicherheit und Selbstbestimmung den Vorzug vor größeren wirtschaftlichen Chancen geben.
Die Briten haben das immer besser gewußt als manches andere Volk in Europa.

Und, Frau Wallau, größere wirtschaftliche Chancen hat es bis jetzt nur für DAX-Unternehmen gegeben, aber nicht für den Bürger. Der bezahlte und bezahlt immer noch für die Globalisierung mit Jobs mit seiner Zukunft. Der Bürger ist bodenständig, die Unternehmen global. Da hat sich eine Schere aufgetan, die sich immer weiter öffnet und letztendlich irgendwann auch zu ungunsten der Unternehmen, da in China anders gedacht wird. GB mag in einer Übergangszeit darben, aber eben nur in einer Übergangszeit. Es kommt auch darauf an, wie Trump sich weiterhin schlägt. Ich denke, der Brexit kann in ein paar Jahren eine Erfolgsgeschichte für GB sein.

dieselben. War schon im ausgehenden Mittelalter, als die Weber die Einführung mechanischer Webstühle sabotierten (Sabot = Holzschuh den man in die Webstühle warf). Empirisch ist Ihr Argument nicht nur einmal, sondern zigmal widerlegt worden. Vor zweihundert Jahren arbeiteten übrigens 80% der Bevölkerung in der Landwirtschaft. Ginge es uns besser wenn immer noch 80% in der Landwirtschaft arbeiteten? Der Produktivitätssteigerung ist bis dato noch immer ein Beschäftigungsaufschwung gefolgt.

Frau Wallau, die EU hat mit heute 500 Millionen Einwohnern noch nicht einmal die Hälfte der chinesischen oder der indischen Bevölkerung. Aber sie hat Verträge mit diesen Ländern über Handel, Techniktransfer, Zölle und Personenverkehr. Das alles haben die Briten 2019 nicht mehr. Die EU kann diesen Völkern etwas entgegen stellen, das kleine Großbritannien nicht. Wenn 1, 3 Milliarden Chinesen oder die gleiche Zahl Inder von sich behaupten können, selbstbestimmt an einer globalisierten Welt teilzunehmen, warum sollten 500 Millionen Europäer das nicht auch können? Selbst große Wirtschaftsnationen wie Deutschland sind alleine nicht in der Lage sich gegen die Welt zu behaupten. Was hat GB außer seiner City of London denn großartiges in der Wirtschaft zu bieten? Britischen Nationalstolz und die Erinnerung an ein untergegangenes Empire. Ob das ausreicht darf zurecht bezweifelt werden.

Werner Peters | Fr, 2. Februar 2018 - 12:06

Ich hege immer noch die stille Hoffnung, dass das kommende Desaster für ganz Europa doch noch rückgängig gemacht werden kann. Nur zur Erinnerung: unsere geniale Kanzlerin trägt ja mindestens Mitschuld am Brexit.

Dagmar Kloos | Fr, 2. Februar 2018 - 14:59

In reply to by Werner Peters

Wollen Sie mir bitte erläutern, inwiefern Frau Merkel am Brexit Mitschuld trägt? Mir ist eher ihre große Bemühung und spätere Enttäuschung in Erinnerung, die auf die letzten EU-Verhandlungen mit Cameron, dem weit entgegengekommen wurde,folgte.

Wenn Sie in den vergangenen Wochen u.a. auch englische Zeitungen gelesen hätten, wäre Ihnen die Begründung für Frau Merkels Mitschuld am Brexit nicht verborgen geblieben. Viele Engländer hatten einfach Angst, dass von den Millionen Einwanderern nach Deutschland ein Teil via EU-Freizügigkeit nach England weiterreisen könnten. Da sie dort aber keine "Willkommenskultur" wie hierzulande pflegen, haben viele für den Brexit gestimmt, damit genau das nicht passiert. Diese Argumentation ist inzwischen unbestritten.

Sehr geehrte Frau Kloos, besten Dank für Ihren besonnenen Beitrag. Ich fürchte allerdings, dass Sie die aufgeheizte Stimmung in diesem Forum unterschätzen, die vornehmlich oszilliert zwischen „Merkel muss weg“ und „Egal was in GB passiert, Hauptsache, es schadet der EU“. Freilich gilt nach wie vor die Einsicht: „Die Besten zweifeln bloß, dieweil das Pack voll leidenschaftlichem Erleben ist.“ (Yeats)

Frau Merkels Flüchtlingspolitik der offenen Grenzen hatte erheblichen Einfluss auf die Einwanderungsdebatre in GB, die schliesslich zum Brexit führte. Danach ist Merkel als Scharfmacherin bezüglich der EU Verhandlungspositionen aufgetreten. Ersteres konnte man in den englischen Medien verfolgen, das zweite in drn deutschen auch.

Mit der Öffnung der deutschen Grenzen für Millionen Flüchtlinge hat Merkel in Großbritannien Ängste erwachen lassen, dass auch die Briten in absehbarer Zeit überschwemmt würden. Außerdem ist Merkel federführend in der Eurorettungspolitik gewesen, einer Politik, die nicht nur den Briten sondern vielen Deutschen ebenfalls nicht schmeckt.

... am Brexit Mitschuld trägt?"

Sie erinnern nicht mehr Frau Kloos?
Den Briten gefiel der Herbst 2015 garnicht gut. Der Herbst in dem unsere Frau Merkel entschied die Grenzen Deutschlands, damit der EU, derart zu öffnen, dass ein jeder und jede die/der es wollte über einen Zeitraum von ca. sechs Monaten unkontrolliert wie registriert, von ihr eingeladen, einreisen durfte.
"Wir schaffen das" wollte u.a. auch den Briten nicht so einleuchten wie von Frau Merkel, ihren Regierungskoalitionären aus CDU/CSU und SPD wie zusätzlich der Opposition im Deutschen Bundestag, für Europa gewünscht.

Bernhard Keim | Sa, 3. Februar 2018 - 18:53

In reply to by Werner Peters

Ich kann dieses Mantra schon lange nicht mehr hören. In der Regel wird es verwendet um irgendwelche kühnen Behauptungen nicht weiter mit Argumenten hinterlegen zu müssen.

Hubert Bauer | Fr, 2. Februar 2018 - 12:14

Die EU soll einfach in einem Grundlagenvertrag verankern, dass jedes Mitgliedsland die Zuwanderung von Nicht-EU-Bürgern selber regeln darf und dass weder die EU noch ein Mitgliedsstaat dieses Hoheitsrecht beschneiden darf. Dann würden die Briten in einem zweiten Referendum mit deutlicher Mehrheit für den Verbleib in der EU stimmen. Das wäre für Alle das Beste, weil die Briten trotz ihres Rabattes immer noch einer der größten Nettozahler sind.

Dorothee Sehrt-Irrek | Fr, 2. Februar 2018 - 17:53

In reply to by Hubert Bauer

Merkel hat ja vom europäischen Gerichtshof zugesichert bekommen, dass sie die Grenzen Deutschlands öffnen durfte. Da kann auch darüber gezielt ein Land Migration nach Europa gestalten, vielleicht die Polen durch Ukrainer.
Zudem war für die Briten zwar Merkel schon mit einer Horrorvorstellung verbunden, aber ihr Widerwillen wuchs hauptsächlich durch die innerhalb Europas nicht zu kontrollierende Migration von Polen nach England.
Entsprechend wurde dies Thema auch in Krimis immer präsenter.
Migration ist sowieso ein heikles Thema, auch innerhalb der EU, wahrscheinlich weil sie nicht gleichmäßig verläuft und schon gar nicht reziprok.
Die Engländer wollen nicht im Gegenzug nach Polen umsiedeln, die fühlen sich bei sich selbst am wohlsten.
Die Migration aus Polen ist zum Teil auch eine Art Armutsmigration, weil das Gefälle zwischen West- und Osteuropa noch so groß ist.
Mit dem Thema Migration könnte man besonnener umgehen und gut wär?
Bin gespannt, wer nach Merkel noch daran glaubt.

Wolfgang Schuckmann | Sa, 3. Februar 2018 - 13:52

In reply to by Hubert Bauer

Hallo Herr Bauer, ihr Vorschlag den Ländern der EU die Verantwortung für eine Zuwanderung aus Drittländern in ihrer eigenen, hoheitlichen Verantwortung zu belassen, ist ein sehr guter Vorschlag. Ich denke, die meisten Länder wären dann nicht halb so abweisend für die Weiterentwicklung der Union wie das zur Zeit in der EU feststellbar ist. Gruß Schuckmann

Reiner Jornitz | Fr, 2. Februar 2018 - 12:44

weil Großbritannien der größte Nettozahler ist. Nein Deutschland ist es. 80% von unseren Gesetzen werden jetzt schon in Brüssel entschieden ohne Legitimation vom deutschen Volk. Das haben die Briten richtig gemacht, da die Gängelei von Brüssel die Staaten in den Ruin treibt sogar Deutschland. Deutschland ist am Schlußlicht

Ich habe nicht geschrieben, dass Großbritanien der größte Nettozahler ist, sondern einer der größten Nettozahler. Ich weiß nicht, wie viele deutsche Gesetze nur die Umsetzung von EU-Vorgaben sind; halte es aber auch für sehr bedenklich, wenn so viele Vorgaben aus Brüssel kommen, weil die EU keine wirklich ausgebaute Demokratie ist. Aber auch hier könnten wir am ehesten von den Briten Hilfe erwarten, weil die genauso denken wie wir Beide.

Ganz so schlimm scheint es mir mit der Legitimation nicht zu sein, denn im Europäischen Parlament sitzen auch deutsche Abgeordnete und im Rat ist auch Deutschland durch demokratisch bestimmte Regierungsmitglieder vertreten. Die meisten EU Gesetze und Verordnungen werden ausserdem vom Bundestag pflichtschuldigst als deutsche Gesetze übernommen und manchmal sogar dabei verschärft. Insofern sind die EU Akte damit hierzulande legitimiert. Falls dabei mit dem GG Unvereinbares zustande kommen sollte, kann das Verfassungsgericht das Gesetz für Deutschland als unwirksam erklären, immerhin.

Olaf Voß | Fr, 2. Februar 2018 - 14:39

Und ein drittes und viertes usw.. Irgendwann wird es dann den Autokraten und Multikulti-rosarot-heile-Welt-Regenten in Brüssel und denen, die längst ab sind von Gut und Böse, passend gemacht werden. Die Entscheidung diese Merkel-Juncker-Verschwörung zu verlassen, war die einzig richtige. Gotlob kann die linksintellektuelle Kaste, die die Welt nach ihren Wünschen formen will und sich dies vom Michel bestens bezahlen läßt, nicht auch noch die Wahl von Donald Trump wiederholen, um dann mit Mauschelei irgendeine Figur zu etablieren, die sich dann für ihr Versagen auch noch feiern läßt. Brexit und Donald Trump haben eines gemeinsam: Sie sind unermessliche Glücksfälle und vielleicht die letzte Hoffnung für die Demokratie.

Christoph Kuhlmann | Fr, 2. Februar 2018 - 14:45

Mit der Brexitetscheidung wurde in den liberalen Medien ein Horrorszenario an die Wand gemalt, dem die tatsächliche wirtschaftliche Entwicklung auf der Insel zu widersprechen schien. Das Pfund verlor an Wert, doch die Preise stiegen kaum, weil die meisten Importeure ihre Geschäfte gegen Wechselkursschwankungen abgesichert haben.Es dauert ein par Monate, aber inzwischen übersteigt die Inflationsrate das Einkommenswachstum. Zudem deckten sich an den Börsen viele Investoren wegen des niedrigen Pfundkurses mit britischen Aktien ein. Die Aktienkurse stiegen und die Exporte ebenso. Damalshaben viele "Remainer" Medien ihrer Glaubwürdigkeit geschadet, die sie nun mühsam zurückgewinnen. England hat zwar das niedrigste Wirtschaftswachstum in der EU, aber die Wirtschaft wächst noch, auch wenn die Investitionen allmählich einbrechen. Solange es keine Massenentlassungen gibt, wird nicht viel passieren, es sei denn die Regierung May zerbricht. Die Tories müssen sich bald einigen. So oder so ...

Peter Huber | Fr, 2. Februar 2018 - 14:52

Glaube ich kaum. Den nächsten "Hammer" werden die Italiener bringen oder die Pleite, dann gehen in D. die Lichter aus. Die Haftung liegt inzwischen bei ca. 1 Billion, warnte kürzlich die BB.

Pleite- Italien verlässt sich auf die Hilfe der anderen EU Staaten, da werden die Engländer wohl nicht begeistert sein wenn es publik wird. Zahlen wird der Michel, da bin ich ziemlich sicher, weil alterativlos !

Lieber Herr Huber, wenn unsere Staatshaftung wirklichkeit werden sollte, braucht man sich in Berlin wenigstens keine Gedanken mehr zu den überbordenden Steuereinnahmen zu machen. Ist auch wirklich besser, als von Europa wieder eins über den Scheitel zu bekommen, oder?

Ralf Altmeister | Fr, 2. Februar 2018 - 14:59

Dies könnte der Schlüssel für den Verbleib von UK in der EU sein.
Man stelle sich vor, Deutschland hätte einen Kanzler a la Sebastian Kurz und damit den gleichen politischen Ansatz zur Reform der EU. Die bisherige Skepsis in GB hinsichtlich eines Ausgeliefertseins an die europäischen Bürokratie, mit Dominanz durch den Hippie-Staat Deutschland, würde zurückgedrängt. Es wäre wieder Realpolitik statt Eurosozialismus möglich und GB und D würden hinsichtlich der Migration an einem Strang ziehen.
Ich glaube es wäre ein Leichtes, die Bürger Großbritanniens zurück zu gewinnen.

Ursula Schneider | Fr, 2. Februar 2018 - 16:26

Es riecht vor allem nach einer Riesen-Chance, die EU grundlegend zu reformieren und so die Briten wieder ins Boot zu holen! Davon würden alle, nicht zuletzt wir Deutschen, profitieren.

Was zu tun ist, liegt auf der Hand, z. B.:
- Massenzuwanderung stoppen (sie war der Hauptgrund für den Brexit) u. Grenzen sichern
- keine weitere Vertiefung der EU (je zentralistischer sie wird, desto größer die Fliehkräfte), sondern striktes Subsidiaritätsprinzip
- Freizügigkeit für Arbeitskräfte einschränken (sie ist keine Bedingung für Freihandel) usw.

Das wäre natürlich keine Politik für "Europaradikale" (Dobrindt über Schulz), sondern für echte Europäer, die den Kontinent zusammenhalten und seine Bürger schützen wollen.

würden wieder Einigkeit in die zerstrittene EU bringen und müssten von jeden wirklichen Europäer begrüßt werden.

"- Massenzuwanderung stoppen (sie war der Hauptgrund für den Brexit) u. Grenzen sichern"

Mit wem soll das gemacht werden??

Außer feuchten und warmen Wörtern werden sie wohl nix hören.

Mathias Trostdorf | Fr, 2. Februar 2018 - 16:27

Ich glaube, diese "Stimmen für einen zweites Referendum" werden hauptsächlich bei unseren LieblingsberichterstatterInnen aus London, S. Bolzen und T. Szyszkowitz laut.
Diese immer gleiche Sorte Artikel mit dem immer gleichen Tenor von Leuten, für die die EU das nonplusultra und alles andere ganz furchtbar schlimm ist, nervt nur noch.

Ernst Laub | Fr, 2. Februar 2018 - 17:14

Kommanditär des Brexit ist sicherlich die City of London, und die britischen Stimmbürger haben bloss konform gestimmt. Die Briten sind seit mehr als 100 Jahren gescheiter als die Franzosen und Deutschen zusammen. Sie lassen sich daher die Spielregeln für ihr insulares Steuerparadies-System - sicher nicht von „linksliberalen“ steuerbefreiten Selbstbedienern aus Brüssel vorschreiben. Sie geben nicht klein bei wie die Gnomen aus Zürich und die 7 Zwerge aus Bern („meine“ schweizerische Regierung). Was Steinbrück (oder ein anderer Unbedarfter aus der BRD) mit seiner unverschämten Nazi-Rhetorik betrifft, so wird der sich davor hüten, auch noch den Briten mit der Kavallerie zu drohen. Bleibt die naive Hoffnung der Franzosen und Deutschen, Bankgeschäfte und Kapitalanlagen von London nach Paris oder Frankfurt zu locken. Doch wer die französische und deutsche Bürokratie und die Systemgläubigkeit der Bevölkerung kennt, weiss, dass echte Kapitalisten sicherheitshalber London treu bleiben.

Kostas Aslanidis | Fr, 2. Februar 2018 - 20:27

Die Regierung kann gar nicht zurück, sonst ist sie weg vom Fenster. GB, geh. Du machst alles richtig. Die deutsche Presse ist nur Schadenfroh, das ist alles. Mit Journalismus hat es wenig gemein.

Gerd Taddicken | Fr, 2. Februar 2018 - 22:39

für die Briten und die EU, dass es beim Brexit bleibt! Dass es das erste Beispiel ist, man kann sich scheiden lassen.

Diese Zwangskollektivierung durch die EU muss ein Ende haben. Denn wer zu mächtig wird, kommt irgendwann auf dumme Gedanken und möchte dann im weltweiten Machtpoker auch ,eine Geige spielen' - vielleicht nicht die erste.

Fast alle schauen nur auf das Geld und wollen die Globalisierung. Die EU ist ja eine Vorstufe auf diesem Weg. Es ist nicht die Lösung. Wie heißt es im deutschen Sprichwort? Klein ist fein. Und ergänzend ließe sich sagen: ,Hochmut kommt vor dem Fall’.

MfG

Freitag., 02. Feb. 2018, 22:37 h - [xTRBB]

Dennis Staudmann | Sa, 3. Februar 2018 - 13:22

eine ganze Menge "demokratischer" Politiker gibt, die ständig nach einem zweiten Referendum über den Brexit in Grossbritanien rufen. Übrigens sind das oftmals die selben Leute, die im eigenen Land Neuwahlen ablehnen, weil man schliesslich das Volk nicht so oft wählen lassen kann, bis einem das Ergebnis passt. Und noch ein wesentlicher Unterschied zwischen GB und Deutschland wird in diesem Artikel benannt. Während der britische konservative The Spectator titelte „Führe oder geh!“, machen sich die allermeisten Print- und Funkmedien in Deutschland Sorgen, ob es denn möglich sein könnte, Merkel irgendwann einen "würdigen Abgang" zu bescheren. Was man bei May Führungsschwäche nennt, wird, auch wenn die gleichen Symptome bei Merkel noch stärker zu erkennen sind, zu einem "unermüdlichen Einsatz zur Rettung des Landes" umgedichtet. Merkel kämpft also nicht um Macht, sondern darum, die Bürde der Verantwortung übernehmen zu können. Seit 12 Jahren lehrt man uns, sie ist die einzige, die es kann.

Guido Schilling | So, 4. Februar 2018 - 19:40

Dass GB den Euro nicht übernommen hat war schon mal sehr richtig. Aus dem Brüsseler-Gleichmacher kartell auszuscheiden bevor es zu spät ist, ist auch richtig. Nur so kann man seine eigene Politik verfolgen und bilaterale Verträge schließen die dann dem Land und nicht Dritten nützen und man zum Zahlmeister degradiert wird.

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