Fußgängerzone in Stockholm
Viele Schweden tragen freiwillig Maske in der Öffentlichkeit, vorgeschrieben war das aber nie. / dpa

Corona in Schweden - Keine vierte Welle?

Trotz „Freedom Day" am 29. September blieben die Schweden bislang von der vierten Welle verschont. Die Infektionszahlen sind nur wenig angestiegen, obwohl die Impfquote sogar niedriger ist als in Deutschland. Ist die Corona-Strategie der schwedischen Regierung also aufgegangen?

Autoreninfo

Christine Westerhaus ist Wissenschafts- journalistin und lebt in Schweden.

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Am „Mariaplan“, einem beliebten Platz in Göteborg, herrscht am frühen Abend reger Betrieb. In den Kneipen und Cafés tummelt sich das Volk. Ohne Mundschutz, denn eine Maskenpflicht gab es während der gesamten Pandemie nur zu Stoßzeiten im öffentlichen Verkehr und bei Arzt- und Krankenhausbesuchen. Seit dem 29. September dürfen die Menschen in Schweden auch wieder Großveranstaltungen besuchen, in ihre Büros zurückkehren und Parties feiern. Dennoch ist die Lage erstaunlich ruhig. Die Infektionszahlen sind nur leicht angestiegen. Momentan liegt die 7-Tage-Inzidenz bei 73,5. Obwohl in Schweden sogar etwas weniger Menschen vollständig geimpft sind als in Deutschland. Die Impfquote liegt derzeit bei 67,5, in Deutschland bei 68 Prozent.

Möglicherweise sind die Schweden besser vor einer Ansteckung geschützt, weil mehr Menschen eine Infektion mit dem Coronavirus durchgemacht haben. Doch das findet Anders Tegnell, Chefepidemiologe der schwedischen Gesundheitsbehörde „Folkhälsomyndigheten“, nicht plausibel. „In Großbritannien oder Belgien hat sich ein ähnlich großer Teil der Bevölkerung mit dem Coronavirus infiziert. Eine höhere Grundimmunität könnte möglicherweise eine Rolle spielen, wenn wir Schweden mit Finnland oder Norwegen vergleichen. Aber nicht im Vergleich mit Großbritannien oder Belgien.“

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Rob Schuberth | Mi., 24. November 2021 - 13:37

Man kann also sagen, dass der ganz eigene, besondere Charakter der Schweden (den ich auch schon oft kennengelernt u. bewundert habe) sie gut durch die Pandemie geleitet hat.

Der deutsche Charakter lässt sich gut beschreiben mit dem Bsp. dass wir zur Demo auf einem Bahnhof erst ordnungsgemäß eine Fahrkarte kaufen würden.

Wenn ich mich richtig erinnere ist die schwedische Presse aber auch nicht so regierungstreu u. linkslastig wie bei uns.

Die MSM hätten sicher auch dann etwas zum Meckern u. Hypen gefunden, wenn unsere Politiker sich analog zu Schweden geäußert u. verhalten hätten.

Danke Cicero für diesen m. E. sachlich überzeugenden Artikel.

Gerhard Lenz | Mi., 24. November 2021 - 13:40

Ach wirklich? Macht Schweden es tatsächlich besser mit seiner scheinbaren Toleranz gegenüber dem Einzelnen?
Natürlich nicht. Zu Beginn der Pandemie schlidderte das Land direkt in die Katastrophe. Tolerierte Ansteckungen sollten die Bevölkerung immunisieren. Wer wollte, durfte sich schützen, Zwang gab es nicht.
Das Ergebnis? Im Verhältnis katastrophale Todeszahlen. Ein erster Untersuchungsbericht bescheinigte Tegnell & co. erhebliche Versäumnisse.

Jetzt scheinen es die Schweden besser zu machen. Bleibt abzuwarten, ob die Zahlen niedrig bleiben - auch in Deutschland waren sie mal vergleichsweise gut, aber das ist Vergangenheit.
Der entscheidende Satz: Empfehlungen der Regierung in Schweden (gelten) gewissermaßen als ungeschriebenes Gesetz!

Man vergleiche das mit den Reaktionen deutscher Covidioten, die sogar noch demonstrierten, als die meisten Beschränkungen bereits zurückgefahren waren.

Oder auch nur die Reaktionen der "Experten" in diesem Forum...

wenn die Realität das monatelang krampfhaft verteidigte Narrativ vom "gescheiterten" Sonderweg der Schweden widerlegt, nicht wahr? Bis auf die erste Welle hat das Land durchweg niedrigere Todeszahlen als Deutschland (deaths/million ourworldindata.org), in der vierten steht es sogar besser als Dänemark, Norwegen und Finnland. Die vorangegangenen eigenen Fehler haben die politisch Verantwortlichen klar benannt und nicht Glühweintrinker oder Schulkinder dafür verantwortlich gemacht.

Mit weniger Covidioten in der Regierung und ohne sinnfreie Lockdowns, insbesondere bei Schulen, gibt es eben auch weniger Protest dagegen. Und weniger Kollateralschäden, wie aktuell den Notstand in Kinderkliniken wegen des RS-Virus als Folge der Kontaktbeschränkungen, eine Generation - vor allem "bildungsferne" - Grundschüler mit Lernrückstand und alle anderen wirtschaftlichen und sozialen Verwerfungen. Und so wenig wie von Glühweintrinkern redet in Schweden auch niemand von einer "Pandemie der Ungeimpften".

Gerhard Lenz | Mi., 24. November 2021 - 23:32

Antwort auf von Jörg Karstens

zu keinem Zeitpunkt mehr Tote als Deutschland haben dürfen.

Das Fiasko zu Beginn der Pandemie bezeugt sehr anschaulich das katastrophale Versagen der schwedischen Verantwortlichen. Das nicht dadurch geringer wird, das man offensichtlich dann doch daraus gelernt hat.

Wieviele Großstädte hat Schweden, wieviele gibt es in Deutschland? Zu behaupten, dass die geringe Bevölkerungsdichte in einem Land, das an Fläche größer ist als Deutschland, keine Rolle spielt, ist natürlich Nonsens.

Im Übrigen zieht Ihr Argument nicht. Auch in Schweden gab es - verhältnismässig wenige - Maßnahmen, als man die eigenen Fehler bemerkt hatte. Und selbst als man in Deutschland im Spätsommer fast alle Einschränkungen zurückgenommen hatte, gab es noch immer Demonstrationen von Covidioten.

Derartiges hat man aus Schweden nicht gehört.

Aber vielleicht können Sie ja Querdenker dahingehend überzeugen, dass sie zukünftig, ähnlich wie die Schweden, die Empfehlungen der Fachleute akzeptieren.

Viel Erfolgt!

Welche Empfehlungen? Mit Hund aus dem Haus gehen zu dürfen, ohne aber nicht? Monate nach dem Sterben in schwedischen Pflegeheimen, ohne Masken und Tests das gleiche Szenario bei uns zu liefern? Im August die vierte Welle vorherzusagen und nun ohne Impf- und Testzentren dazustehen? Wovon soll ich Querdenker überzeugen?

Nachdem das Scheitern der Schweden, trotz Ihres unermüdlichen Einsatzes im Chor mit unserer selbst ernannten Qualitätspresse, nicht eingetreten ist und sich noch nicht mal mehr leugnen lässt, dass das Land in der vierten Welle besser dasteht als die skandinavischen Nachbarn, jetzt soll also die dünne Besiedlung zuständig sein. Wie stichhaltig das ist sieht man an unseren derzeitigen Hotspots Erzgebirgkreis, Elbe-Elster, Rosenheim. Allesamt wahrscheinlich dünner besiedelt als Smaland.

Das schmeckt Ihnen nicht, ist aber so: ohne Lockdown, Schulschließungen, Ausgangssperren und geifernde Medien mit Weltuntergangsverkündern steht Schweden heute besser da als wir. Punkt.

Sehen Sie, es ist letztendlich immer ein Zahlenspiel und jeder wird es so interpretieren, wie es ihm passt.
Aber eines lässt sich schwer in Zahlen ausdrücken: Die Fähigkeit von Regierungen, mit so einer Krise umzugehen.
Wo denn nun die Idioten sitzen, mag jeder selbst für sich interpretieren. Aber eine Regierung, bzw. die ihr zudienenden „Fachleute“, die bspw. Schutzausrüstung, weil nicht vorhanden, als überflüssig erklärt (Masken), um sie dann später als unverzichtbar jedem vorzuschreiben, die C zu Beginn als „leichten Schnupfen“ (das war vor Entstehen der “Coronaleugner, -idioten, etc.) bezeichnet und kurz danach von Millionen Toten spricht, etc. eine solche Obrigkeit (meine zsfassender Begriff für alle, die da oben mit bestimmten) muss halt auch in Kauf nehmen, als „idiotisch“ dazustehen.
Die Schweden sind viell. besonnenere Menschen als d Dt., aber viell auch deshalb, weil sie vernünftiger regiert werden, mit ein Grund wohl, warum d. Reg- Empfehlungen quasi Ges.charakter haben...

@G.Lenz: Heißt doch nicht von ungefähr: Zwei Experten, drei Meinungen. Ist doch schön, dass es so viele davon gibt, oder? Und schön ist doch auch, dass Sie auch dazu gehören, zu den "Experten" meine ich;-)
Sitzen wir nicht alle im selben Boot, werter Herr Lenz?

Karl-Heinz Weiß | Mi., 24. November 2021 - 15:13

Das sind interessante Aspekte. Ein wichtiger Aspekte kommt in der Betrachtung nicht vor: Warum ist die Impfquote so niedrig? In den südlichen Ländern haben die Schockbilder der Leichentransporte zu sehr hohen Impfquoten geführt.

M. Bernstein | Mi., 24. November 2021 - 15:41

nur wird das in Deutschland nicht akzeptiert. Schliesslich müssen wir immer alles richtig machen.

Sabine Lehmann | Mi., 24. November 2021 - 16:17

Das stimmt so nicht. Die durchschnittliche Bevölkerungsdichte zu betrachten, reicht nicht. Danach lebten Deutsche 10 x dichter zusammen als Schweden. In Schweden leben nur ca. 11 Millionen auf einer ähnlich großen Fläche wie Deutschland mit 82 Millionen Menschen.
Aber ausschlaggebend ist, wo und wie Menschen konzentriert zusammen leben. Ich meine, das nennt man Urbanisierungsgrad. Der überwiegende Teil der schwedischen Bevölkerung verteilt sich auf ca. 10 oder 11 große Städte. Und der größte Teil des Landes steht quasi leer. Also taugt das als Erklärungsansatz nichts, da er falsch ist. Ich meine gelesen zu haben, dass dieser Urbanisierungsgrad in Schweden sogar höher ausfällt als in Deutschland.
Dass Schweden so gut durch die Pandemie gekommen ist, könnte vielleicht auch daran liegen, dass in der Zeit ohne Impfstoff viele Ansteckungen recht gleichmäßig erfolgten und damit eine Herdenimmunität ausgebildet wurde. Ein Ansatz, der in Deutschland niemals erreicht werden wird.

Tomas Poth | Do., 25. November 2021 - 16:50

Seit letztem Herbst macht Schweden alles richtig und besser als Deutschland. Das belegen die reportierten Zahlen von Johns Hopkins. Die Schweden geben hier beispielhaft vor wie man es richtig macht, auch wenn viele es nicht sehen und wahrhaben wollen, weil die eigene vorgefasste Meinung daran Schaden nimmt.
Hier noch mal die wissenschaftliche Arbeit der Universität Umeå, SE-90185 Umeå, Schweden:
https://www-mdpi-com.translate.goog/1999-4915/13/10/2056/htm?_x_tr_sl=e…
Diese Arbeit kann natürlich nur von anderen Mikrobiologen beurteilt werden, entweder bestätigt oder verworfen werden, aber sie muß beachtet werden, wegen der möglichen Gefahren, Impfnebenwirkungen durch die mRNA-Impfstoffe.
Wer dies aus Vorurteil unterbinden will, ist gegen die Aufklärung und untergräbt den
„Entschliessungsantrag zur Einrichtung eines europäischen Fonds zur Entschädigung der Opfer der „COVID-19-Impfstoffe“.
den das EU-Parlament beschlossen hat!