Die Bar in der Dizengoff-Straße nach dem jüngsten Terroranschlag / dpa

Anschlagsserie in Israel - Terror lässt sich nicht wegverhandeln

Innerhalb von zwei Wochen hat Israel vier Terroranschläge erlebt - zuletzt in Tel Aviv. Die Binsenweisheit, zuerst müsse der Konflikt mit den Palästinensern gelöst werden, um den Terror zu besiegen, ist falsch. Keine Lösung, die Israel je anbieten könnte, würde die Forderungen der Radikalen erfüllen. Denn deren Ziel ist die „Befreiung“ des ganzen Landes vom Jordan bis zum Mittelmeer.

Autoreninfo

Mareike Enghusen berichtet als freie Journalistin über Politik, Wirtschaft und Gesellschaft im Nahen Osten, vornehmlich aus Israel, Jordanien und den Palästinensergebieten. Sie hat Politik- und Nahostwissenschaften studiert und ihre journalistische Ausbildung an der Henri-Nannen-Schule absolviert.

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Tomer Morad und Eytam Megini waren Freunde seit ihrer Kindheit. Vergangenen Donnerstag trafen sie sich in einem belebten Pub in der Dizengoff-Straße in Tel Aviv auf ein paar Drinks. Megini hatte wenige Wochen zuvor seiner Freundin einen Heiratsantrag gemacht, vielleicht sprachen die beiden in den letzten Minuten ihres Lebens über die anstehende Hochzeit. Gegen neun Uhr abends zog ein palästinensischer Mann vor der Bar, in der sie saßen, eine Waffe und schoss wahllos in die Menge. Morad und Megini wurden tödlich getroffen. Sie wurden 27 Jahre alt. Am Tag darauf starb ein weiterer Mann an seinen Wunden: Barak Lufan, 35 Jahre alt, Vater dreier Kinder.

Darin liegt die kalte Logik des Terrors: Er kann jeden treffen, zu jeder Zeit, an jedem Ort. Im Laufe zweier Wochen hat Israel vier tödliche Anschläge erlitten, die Attacke in Tel Aviv war die bisher letzte. Bei einem Anschlag in Bnei Brak, einem religiösen Vorort Tel Avivs, kam Ende März ein Polizist ums Leben, während er versuchte, den palästinensischen Attentäter unschädlich zu machen. Der Polizist hieß Amir Khoury und gehörte der arabischen Minderheit in Israel an. Anhänger terroristischer Vereinigungen wie der Hamas in Gaza und der Hisbollah im Libanon feierten den Anschlag gleichwohl. Den Radikalen ist es gleich, wessen Leben sie zerstören.

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Urban Will | Mi, 13. April 2022 - 08:56

ganz teile.
Die Begriffe radikal, religiös und nationalistisch werden hier genannt im Zusammenhang mit Ideologie.
Diesen „Cocktail“ bekommt man nicht mit Worten in den Griff, das hat die Geschichte oft bewiesen.
Es gibt zwei Wege: Aufklärung von innen, also Selbsterkenntnis, oder Gewalt von außen, also die quasi lokal beschränkte, totale Vernichtung.
Mehr fällt mir nicht ein.
Ersteres erfordert geistige Leistungen, die man nicht mal ansatzweise bei führenden Vertretern dieser Religion findet.
Das zweite ist undenkbar.
Aber: Solange der radikale, unaufgeklärte Islam, für mich der Haupt – Treiber dieses Elends, auf diesem Planeten weiterhin als gleichberechtigte Religion hofiert und gepimpert wird (auch und vor allem in D), wird sich erst recht. nichts tun.
Israel kennt den Überlebenskampf seit seiner Gründung. Sie werden damit fertig, das links – grüne, den Terror beschönigende Hohlgeschwätz wird sie nicht davon abhalten, sich weiter zu wehren.

Schließe mich Ihrem erstklassigen Kommentar komplett an Herr Will. Ich mag noch ergänzen, wer Frieden will, braucht den Willen dazu. Und genau an diesem Willen fehlt es den Palästinensern. Sie wollen einen Frieden nach ihrer Denkart. Israel muss von der Landkarte weg und das israelische Volk ausgerottet werden. Dieses Denken bekommen die Palästinenser mit der Muttermilch und anschließend in ihrer Erziehung und den Moscheen vermittelt. Ich sehe da auch keine wirksame und dauerhafte Lösung. Ich bin sicher auch nicht mit jeder politischen Entscheidung Israels einverstanden. Aber das rechtfertigt nicht solche feigen und hinterhältigen Morde. Und solche Leute holen sich die Europäer mit ihrer Politik noch ins Land und vor allem unsere Regierung bereitet den Boden für Terror dieser Irren in unserem Land. Das heuchlerische ist, wie Sie auch schon anmerken. Der Ukraine gesteht man das Recht auf Selbstverteidigung völlig zurecht zu, bei den Israelis führt das zu Sanktionen.

Gerhard Lenz | Mi, 13. April 2022 - 09:58

So wenig wie über Vernichtungskriege: Oder mit Kriegsverbrechern.
Natürlich trifft folgender Satz auch genauso auf die Tragödie des Ukraine-Krieges zu:

Keine Lösung, die Israel je anbieten könnte, würde die Forderungen der Radikalen erfüllen!

Stimmt wohl. So wie nur jene Verhandlungen mit Putin ein Ergebnis bringen würden, die sich völlig den Eroberungs- und Vernichtungsgelüsten des Kreml-Schlächters unterwerfen würden.

"Alles oder Nichts" - das gilt für Putin genauso wie für Teile der arabischen Welt. So wie radikale Araber das Verschwinden Israels fordern, so strebt Putin die bedingungslose Eliminierung der Ukraine an.

Verhandlungen? Im Moment leider völlig witzlos.

Wer glaubt, seine Ziele (militärisch) erreichen zu können, macht am Verhandlungstisch keine Kompromisse.
Das gilt für militante Israel-Hasser genauso, wie für Vladimir Adolf Putin.

Aber natürlich kennen beide Lager - Putins Papageien genauso wie die Israel-Hasser - die "wahren" Schuldigen: die USA, der Westen...

Tomas Poth | Mi, 13. April 2022 - 11:41

... auf Verhandlung aufgegeben, wird bleibt nur die rohe Gewalt des gegenseitigen ausmordens.

gabriele bondzio | Mi, 13. April 2022 - 12:29

Ging mir besonders nahe, da in unserer Familie gerade auch ein junges Paar geheiratet hat.

Morad und Megini hatten nicht die Chance ihre Lebenspläne zu verwirklichen.

Ihren Satz: " Der oft mächtigere Treiber des Terrors ist eine radikale, religiös oder nationalistisch befeuerte Ideologie, die den Einzelnen dazu drängt, sein Leben einem höheren Ziel zu opfern."...kann ich vorbehaltlos zustimmen.

Der Haß wird seit Jahrzehnten schon in Kindern verankert, da läßt sich kurzzeitig nur wenig tun.

Wolfram Fischer | Mi, 13. April 2022 - 12:43

Mit einem leider wirklich sehr wunden Punkt:
"Das entlässt Israel nicht aus der Pflicht, sich um eine Lösung des Konflikts zu bemühen..."
Ja was soll Israel denn NOCH alles tun?
Es gab in den vergangenen ca. 100 Jahren viele Versuche, dieses Problem per Verhandlungen zu lösen (20er: Sykes-Picot / 30er: Peel-Kommission / 1947: UN-Teilungsplan / Oslo I und II / Camp David / Olmerts Angebote Land für Frieden)
Fakt ist:
Die jüdische Seite hat JEDEN dieser diversen Versuche positiv angenommen, war IMMER bereit zu verhandeln. Ein mal, 1947, bekanntlich mit der Folge der Staatsgründung Israels.
Und war und ist mehrfach Ziel und Opfer der arabischen Kriege gegen Israel und des Raketenterrors aus Gaza.
Die arabische Seite dagegen: IMMER - ausschließlich - kategorisch NEIN zu diesen diversen Versuchen, nicht zu vergessen die "drei Neins von Khathoum".
Mehr Einseitigkeit ist nicht vorstellbar!
Also nochmal: Was den NOCH alles soll Israel machen gegen VOLLE VERWEIGERUNG der arabischen Seite?

Martin Falter | Mi, 13. April 2022 - 13:16

Ist das Zeitfenster zu wo es noch möglich war, dass Israel und Palästinenser einen Frieden schaffen könnten.
Das es aber so gekommen ist, ist hauptsächlich die Schuld der rechtsradikalen Israelregierungen und der einseitigen Unterstützung der USA für Israel.
Wer Siedlungen auf fremden Land baut, die Bevölkerung einsperren und versucht ins Meer abzudrängen, braucht sich nicht zu wundern, daß Radikale und Selbstmörder aus dem Boden der Verzweiflung wachsen.

Was ihr sät werdet ihr ernten!

Manfred Westphal | Mi, 13. April 2022 - 16:11

In reply to by Martin Falter

Herr Falter, Sie sollten sich bitte einmal mit den wahren Fakten und Gegebenheiten zu dem Thema beschäftigen, dann werden Sie viele neue Einsichten ernten. und nicht mehr krude Parolen der Israelgegner verlautbaren.

Wolfram Fischer | Do, 14. April 2022 - 19:09

In reply to by Martin Falter

... ist ein Kernproblem derer, die Israel für schuldig erklären, Herr Falter.
Um Zeichen zu sparen: siehe meinen Kommentar weiter oben. Das sind die Fakten.
Hinzu kommt: Aggressor in den diversen Nahostkriegen waren immer (!!!) die arabischen Nachbarn, nie Israel.
Und: Da die arabische Seite einfach nie "ja" gesagt hat bei den vielen Möglichkeiten, sondern IMMER kategorisch NEIN, gibt es auf dem fraglichen Gebiet keinen "Palästinenser"Staat, daher können die "Palästinenser" keine hoheitlichen Rechte geltend machen... so einfach ist das völkerrechtlich!
Und alle Menschen, eben auch Juden, die einen privatrechlichen Besitztitel vorweisen können (und das können die Siedler-Juden fast immer, und wo nicht wurde nach israel. Gerichtsurteilen auch schon mehrfach "plattgewalzt), sind diese Siedlungen eben keineswegs illegal.
Und EINEN arabischen Staat in Palästina (Mandatsgebiet bzw. histor. Region aus Römerzeit) gibt es ja bereits. Der heisst Jordanien. Das reicht den Arabern aber nicht...

Heidemarie Heim | Mi, 13. April 2022 - 14:07

Oder wie man bei uns daheim sagte:" Wie der Herr, so`s Gescherr". Scheinbar ist auch Fanatismus, Ideologie und das Böse immer und überall zu finden, erblich. Man kann angesichts dessen was sich die Menschen gegenseitig antun, noch dazu auf ihrem angeblich "heiligen" Boden und Stätten, oft im Namen ihres für Terror missbrauchten Gottes, sich nur noch mit Grausen abwenden. Auch das bisschen Frieden auf Erden dessen wir Europäer in den letzten 70 Jahren teilhaftig wurden, ist wenn man die Menschheitsgeschichte dahingehend einer näheren Prüfung unterzieht wohl nur ein glücklicher Fliegenschiss darin. Kein Wunder, dass JHWH immer mal wieder versucht war seine Schöpfung vom Antlitz der Erde zu tilgen. Dazu könnte ich ihm aktuell glatt zu einigen besonderen Exemplaren raten;) Passen Sie auf sich und Ihre Familie gut auf geehrte Frau Enghusen! Shalom & LG

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