Lieferdienst
Eben bestellt, in zehn Minuten geliefert: Um Lebensmittelbringdienste wie Gorillas ist ein regelrechter Hype entstanden / Heinrich Holtgreve

Lieferdienste - Dienstbote 4.0

Sofortlieferdienste für Lebensmittel wachsen in schwindelerregender Geschwindigkeit. Sie liefern sich einen harten Konkurrenzkampf, oft zulasten der Mitarbeiter. Kann dieses Geschäft dauerhaft funktionieren oder platzt bald die Milliardenblase? „Delivery Hero“ hat kurz vor Heiligabend bereits aufgegeben. Kurzfristiger Gewinner ist der Lieferdienst „Gorillas“.

Ulrich Thiele

Autoreninfo

Ulrich Thiele volontiert bei Cicero.

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Während die Corona-Krise ganze Branchen in Bedrängnis bringt, herrscht im Online-Lebensmittelhandel Goldgräberstimmung. Seit Beginn der Pandemie schießen Lieferdienste wie Pilze aus dem Boden: Gorillas, Flink, Getir, Flaschenpost, Knuspr, Wolt, Gopuff, Foodpanda und Picnic – um nur einige zu nennen – drängen auf den deutschen Lebensmittelmarkt. Die bunten E-Bikes und -Roller ihrer Fahrer prägen längst das Stadtbild in Berlin, Hamburg, Frankfurt und Co. 

Dem Institut für Handelsforschung Köln zufolge ist der Umsatz mit Lebensmitteln im Internet 2020 sprunghaft gestiegen: von 1,4 auf 2 Prozent des gesamten Lebensmittelhandels. Bei einem Marktvolumen von insgesamt 226 Milliarden Euro sind das Milliardensummen – Tendenz steigend.

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Hans Jürgen Wienroth | Mo, 27. Dezember 2021 - 16:27

Der Autor zeichnet zu Recht die Kunden dieser Dienste im links-grünen Stadtmilieu. Eine Hippe Gemeinde, überwiegend aus gutverdienenden Singles bestehend. Da ist es doch von Vorteil, dass man einen Pool aus Migranten hat, dass einem das Schlange-stehen im Supermarkt für die gelegentliche Mahlzeit zu Hause erspart.
Familien mit mittlerem Einkommen gehen da doch lieber selbst in den Supermarkt, suchen sich frische Produkte aus, die auch noch ein paar Tage haltbar sind. Das gilt besonders im ländlichen Raum, wo sich der nächste Supermarkt in der Ober- oder Samtgemeinde befindet.
Das mit diesem Geschäftsmodell trotz „Boom“ und prekären Arbeitsbedingungen kein Geld verdient wird, ist ein Problem. Sollte sich die Wirtschaft nicht schnell erholen, auch die urbane Elite aufs Geld achten müssen, dann könnte es mit dem Geschäftsmodell schnell vorbei sein. Wäre der Hype auf diese Start-ups auch so groß, wenn die Geldflut der EZB nicht so ausufernd wäre?

Tomas Poth | Mo, 27. Dezember 2021 - 17:29

Zum Bild, der scheint ja zu lächeln.
Wenn ich die alle im Straßenbild so an mir vorbeiradeln sehe und in ihre Gesichter schaue entsteht für mich allerdings eher der Eindruck daß hier eine Frohnarbeit geleistet wird.
Dienstboten, das waren doch jene aus früheren feudalen Herrschaftszeiten.

Ernst-Günther Konrad | Mo, 27. Dezember 2021 - 17:33

"Unter den Ridern wird viel spanisch und arabisch gesprochen, ein Großteil der Gorillas-Arbeiter sind Migranten." Also doch keine Ingenieure, Ärzte, Lehrer oder Pflegekräfte. Da wird also die Situation dieser Menschen dazu genutzt, sie billig und rechtlos gestellt für die woken Ansprüche links-grüner Ansprüche in den Großstädten malochen zu lassen. Ich halte das Ganze für eine befristete Idee, dem Zeitgeist folgend und nicht von langer Dauer. Auf dem Land wird sich das eh nicht tragen, wenn es schon in den Großstädten subventioniert werden muss. Davon mal ganz abgesehen. Wo bleibt der berühmte Einkaufsbummel, das Gespräch mit Verkäufern, Bekannten, die man zufällig trifft und der Austausch im Laden? Wer kann sich leisten, den Aufpreis auf die Waren für die Lieferung hinzublättern? Soll das die Menschen vereinsamen? Alles nur noch via Handy und dann ruckzuck? Lieferdienst für ältere kann ich nachvollziehen. Das bieten auch Discounter an. Solange wir körperlich können, fahren wir selbst.

Heidemarie Heim | Mo, 27. Dezember 2021 - 19:50

Sosehr ich das einkaufen von Lebensmitteln hasse, das fängt schon bei der Essensplanung an, über Irrwege zum Nummernziehen an der Wursttheke weil der Laden ständig umgebaut oder die Sachen umgestellt werden;( zu den fast ausgekugelten Gelenken bis die sauschweren Einkaufstaschen im XXL-Format in den 1.Stock geschleppt sind. Vom ausräumen und verstauen ganz zu schweigen! So verlockend das Angebot diese Aufgabe einem Dienstboten 4.0 zu überlassen auch ist, reicht es mir schon wenn ich in die gehetzten Gesichter der Lieferboten sehe, die mir meine seltenen Einkäufe aus Amazonien überreichen. Manche der Jungs, seltener Mädels, sind so in Zeitdruck, dass ich schon so manchen bis ans Lieferfahrzeug hinterher spurten musste um dem zuerst perplexen, aber danach meist lächelnden "Dienstleistenden" meinen Obolus plus Süßem zu entrichten. Geiz fand ich noch nie geil;) und die so mies entlohnten fleißigen Helferlein sicherlich auch nicht. MfG

Bernd Muhlack | Di, 28. Dezember 2021 - 19:28

In reply to by Heidemarie Heim

"... aber danach meist lächelnden "Dienstleistenden" meinen Obolus plus Süßem zu entrichten."

Ich bin kein HELD der Bestellungen.
Jedoch hatte ich einmal eine "etwas größere" Buchbestellung.
Lieferung per HERMES.
"Allo Herr Mulag - ich abe Pakete für Sie!"
OHA, das nahm kein Ende.
"Stellen Sie das alles bitte just hier inner Garage ab, okay?"
"Gerne"
Eine "mitteljunge" Asiatin - qua Krücke konnte ich ihr kaum helfen.
"Hallo, Halt! Sie haben was verloren!"
"Das darf ich nicht haben (annehmen!?)"

DOCH - das dürfen Sie!
Das ist UNSER Grundstück - und was hier passiert bestimmen WIR selbst!
Deswegen mutiert man nicht zum Reichsbürger etc. nicht wahr?

Acht Pakete! - und dann 10 € verlieren = "finden"?
Wo ist das Problem?

Liebe Frau Heim:
Lächelnde Dienstleistende werden WIR in Zukunft zur Genüge haben.

Für unsere eher ältere Generation sind sie eher inkompatibel, nicht wahr?
Ein anderes Thema/Fass ... besser zulassen, gell?!

Alles Gute für 2020 - bleiben Sie fit!

Fritz Elvers | Di, 28. Dezember 2021 - 19:56

In reply to by Heidemarie Heim

Liebe Frau Heim, soweit ist es hier noch nicht. Allerdings, der Supergau ist, wenn vor mir eine unschlüssige Hausfrau Aufschnitt kauft.

Ich hoffe auf Ihre witzigen Kommentare auch in 2022!

Die Szene in einem meiner Lieblingsfilme zum Thema Geduld vor wie hinter der Theke sowie gekonnter Preisverhandlung mit anschließender Logistikleistung (mehrere Paletten Senf) durch den geplagten Auslieferer;)
Danke meine Herren für Ihre guten Wünsche, die ich gern erwidere! Was den Supergau Aufschnitt betrifft, so habe ich den schon als Kind gehasst weil immer nur eine einzige Scheibe glatte, feine Schinkenwurst für mich dabei war! Bin bis heute noch traumatisiert von grober Wurst mit Grieben, Fetträndern, Sehnen und ähnlichen Dingen;) Ich wünsche allen Anwesenden ein hoffentlich (auch politisch) gesünderes neues Jahr und "Möge die Macht mit uns sein"! LG

Norbert Heyer | Di, 28. Dezember 2021 - 05:07

Es fing an mit Amazon, dass man sich fast alles direkt bis an die eigene Haustüre liefern lassen kann. Dagegen waren die verschwundenen Versandhäuser Quelle und Neckermann kleine Lichter. Zusätzlich gibt es Pizza-Dienste, Getränke-Lieferanten und Dienstleister jeglicher Art. Gemeinsam ist ihnen die schlechte Bezahlung, überzogene Arbeitszeiten und keine rechtliche Absicherung. Doch in einer alternden und bequemlichen Gesellschaft werden sie immer wichtiger. Solange wir noch beweglich sind, das Autofahren nicht verboten wird und wir Läden ohne Beeinträchtigung betreten dürfen, haben diese Dienstleistungen keine Zukunft. Sie bedienen eigentlich nur das Modell
einer zukünftigen Gesellschaft ohne großen Zusammenhalt. Wo der Wert und Sinn von Familien zerstört werden soll, können schließlich auch menschliche Kontakte und Bewegungsfreiheit abgeschafft werden. Der Neubürger soll in eine Art Isolationshaft genommen werden. Ruhige Bürger sind leicht steuerbar und äußerst pflegeleicht.

Michael.Kohlhaas | Mo, 10. Januar 2022 - 20:58

...basierend auf den Oberschenkeln von rad-oder mofafahrenden mittellosen Verkehrsrowdies, denen von Spitzenbörsianern an der Wall-Street erklärt wird, mit Almosen von Faulpelzen, die sich Getränke und widerliches Fastfood an die Tür liefern lassen, reich werden können, ist naturgemäß über kurz oder lang zum Scheitern verurteilt. Das leuchtet sogar den schlichtesten Gemütern mit hohem Kapitalüberschuß spätestens nach 5 Jahren ein, wie jetzt, nach Luftverlust der Blase, gesehen.