Die Folgen der Dürre - Den Wald zu retten, wird viel Geld und Zeit kosten

Obwohl es erst April ist, herrscht in Brandenburg jetzt schon erhöhte Waldbrandgefahr. Die anhaltende Dürre hat dazu geführt, dass die Wälder langsam vertrocknen. Bund und Länder haben das Problem längst erkannt, doch ihre Hilfsprogramme laufen ins Leere.

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Gefahrenstufe 5: In Brandenburg herrscht jetzt schon erhöhte Waldbrandgefahr / picture alliance

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Rainer Balcerowiak ist Journalist und Autor und wohnt in Berlin. Im Februar 2017 erschien von ihm „Die Heuchelei von der Reform: Wie die Politik Meinungen macht, desinformiert und falsche Hoffnungen weckt (edition berolina). Er betreibt den Blog „Genuss ist Notwehr“.

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Die Corona-Pandemie beherrscht nach wie vor Schlagzeilen und öffentliche Diskussion. Doch in großen Teilen Deutschlands und in einigen angrenzenden Ländern bahnt sich zeitgleich eine Natur- und Umweltkatastrophe von dramatischen Ausmaßen an. Vielerorts wurden im April weniger als fünf Prozent der für diesen Monat üblichen Regenmengen verzeichnet, in manchen Landkreisen gab es überhaupt keine Niederschläge. Besonders verheerend wirkt sich diese Dürre für die Landwirtschaft und für die Waldbestände aus.

Durch die vorhergehenden beiden Dürrejahre, das fehlende Schmelzwasser nach dem weitgehend schneefreien Winter und die bereits in den ersten Monaten des Jahres viel zu geringen Niederschläge sind die Böden bis weit in tiefere Schichten ausgetrocknet. Viele kleine Bäche und Kanäle führen bereits jetzt keinen Tropfen Wasser mehr, was normalerweise – wenn überhaupt – erst im Hochsommer der Fall ist. Wintersaaten wie Getreide und Raps drohen zu verdorren, und auch bei den jetzt ausgebrachten Feldfrüchten droht eine Missernte, falls sich die Niederschlagsmengen in den kommenden Wochen und Monaten nicht normalisieren.

Waldbrandgefahrenstufe 5 

Dazu kommt der dramatische Zustand vieler Waldbestände. Um den zu erfassen, braucht es keine Statistiken – es reicht ein kleiner Ausflug, beispielsweise ins Berliner Umland. Ganze Alleen sind fast ausschließlich von sichtlich stark geschädigten oder bereits abgestorbenen Bäumen gesäumt. Für fast alle Landkreise Brandenburgs wurde mittlerweile die höchste Waldbrandgefahrenstufe 5 ausgerufen – ein Novum für diese Jahreszeit. Der Waldbrandschutzbeauftragte des Landes, Raimund Engel, verzeichnet für dieses Jahr bereits 45 Waldbrände, die glücklicherweise schnell eingedämmt und gelöscht werden konnten.

Zwar wird für die kommenden Tage mit einigen, möglicherweise auch kräftigen Regengüssen gerechnet, doch gerade in Brandenburg wird das kaum zu einer nachhaltigen Entspannung der Lage für Landwirtschaft und Wälder führen. Denn die dort vorherrschenden Sandböden können die Feuchtigkeit nicht speichern, das Wasser versickert schnell in den ausgetrockneten tieferen Schichten. Die seit Jahren im Dürrestress lebenden Bäume werden so eine leichte Beute für Schädlinge aller Art, die zudem durch den ausgesprochen milden Winter ideale Überlebens- und Reproduktionsbedingungen haben.

Der Waldumbau kommt nicht voran  

Zwar haben Bund und Länder bereits im vergangenen Jahr bei einem nationalen „Waldgipfel“ ein großangelegtes Hilfs- und Rettungsprogramm mit fast einer Milliarde Euro aufgelegt. Das Geld soll über einen Zeitraum von vier Jahren bereitstehen, um zerstörte Waldflächen aufzuforsten, Waldbesitzer zu unterstützen und Waldumbauprogramme zu finanzieren. Doch mit der Umsetzung hapert es, wie das Beispiel Brandenburg zeigt. Dort gibt es 1,1 Millionen Hektar Wald, davon 670.000 Hektar im Privatbesitz von rund 100.000 Eigentümern.

Fast drei von vier Bäumen sind Kiefern. Mischwälder sind widerstandsfähiger, weil sich die Baumarten gegenseitig ergänzen und damit besser mit Wasser und Nährstoffen versorgt sind. Dieser Wald ist weniger anfällig für schädliche Insekten, Trockenheit, Sturm und Brände. Doch der Umbau der Kiefernwälder zu naturnahen Mischwäldern kommt nur langsam voran. Die Potenzialfläche für einen nachhaltigen Waldumbau wird mit 500.000 Hektar angegeben, in den vergangenen Jahren wurden aber jeweils nur 2.000-3.000 Hektar tatsächlich umgewandelt.

Der BUND fordert die Intensivierung der Jagd

Für den Naturschutzverband BUND braucht es daher schnelle Maßnahmen. Dazu gehört – ziemlich überraschend für eine Umweltorganisation – auch die deutliche Intensivierung der Jagd, denn durch verbissene Jungpflanzen würden viele Anstrengungen schnell wieder zunichte gemacht, beklagt der BUND in einer Erklärung. Die Flächen seien viel zu groß, um sie effektiv durch durch Zäune schützen zu können, und „der beste Schutz gegen Wildschäden sind angepasste Wildbestände“, sagt BUND-Naturschutzreferent Axel Heinzel-Berndt dem Cicero

Ein „Bambi-Syndrom“, wie es von vielen vermeintlichen Naturschützern gepflegt werde, könne man sich in der derzeitigen Situation nicht leisten. Ferner müssten die privaten Waldbesitzer wesentlich intensiver in Sachen Waldumbau und Fördermittel beraten werden, die bislang in zweistelliger Millionenhöhe nicht abgerufen wurden. „Dazu muss das Land Brandenburg auch weiteres Geld in die Hand nehmen, denn Waldumbau ist teuer, ihn zu vernachlässigen wäre aber noch teurer“. Von der Politik fordert Heinzel-Berndt ferner die schnelle Änderung der Wasserrichtlinien: „Wasser muss regional im Boden bleiben und darf nicht abgeleitet werden.“

Totholz beschleunigt die Bodenerosion 

Beim Waldbesitzerverband Brandenburg sieht man das teilweise ähnlich. Denn die einzige nennenswerte Einnahmequelle der Forstwirtschaft, der Holzverkauf, ist praktisch zum Erliegen gekommen. Der Holzmarkt ist überregional zusammengebrochen, für Schadholz gibt es überhaupt keinen Absatz mehr. „Doch Sanierungsmaßnahmen für den Wald kosten Geld, das eigenwirtschaftlich nicht mehr aufgebracht werden kann“, sagt Geschäftsführer Markus Hasselbach im Gespräch. Die Folgen sind dramatisch. Befallene Bäume bleiben stehen und stecken andere an. Totholz beschleunigt die Bodenerosion und wirkt zudem bei Waldbränden wie ein Brandbeschleuniger.

Schwere Defizite sieht der Verband auch beim Brand- und Katastrophenschutz. So gebe es noch immer keine Funknetzverfügbarkeit im ganzen Land. Auch seien die Feuerwehren nicht flächendeckend mit geeignetem Material und Ausrüstung zur Waldbrandbekämpfung ausgestattet. Ferner hapere es bei der notwendigen Vorfinanzierung von Maßnahmen wie Rettungswegebau, Löschwasserbrunnen, Feuerlöschteiche für Forstbetriebe, etwa durch zinslose Landeskredite.

Hoffnung auf Regen 

Zudem seien sowohl Förderprogramme als auch forstwirtschaftliche und Katastrophenschutzmaßnahmen mit einem unglaublichen bürokratischen Aufwand verbunden. Hasselbach betont auch, dass gewachsene, gesunde Kieferbestände als ökonomische Grundlage der Waldbewirtschaftung in Brandenburg unverzichtbar seien. Dazu gehöre auch die Bekämpfung von Schädlingen, was aber auf den erbitterten Widerstand vieler Naturschützer stoße. Nötig sei in der dramatischen Situation, dass „alle Akteure an einem Strang ziehen“, um den Wald in seiner dreifachen Rolle als wirtschaftlichen Nutzraum, ökologischen Schutzraum und als Erholungsgebiet zu erhalten.

Das wird wohl ein Wettlauf mit der Zeit, da die Erosion des Waldes besonders in Brandenburg bereits weit fortgeschritten ist und alle Maßnahmen – etwa zur Aufforstung und zur umfassenden Klimaschutzpolitik – nicht nur viel Geld kosten, sondern auch viel Zeit in Anspruch nehmen, bevor sie nachhaltig wirksam werden können. Und die eigentliche Waldbrand-Saison hat noch nicht mal begonnen. Und so bleibt zunächst in erster Linie die Hoffnung auf lange und ergiebige Regenperioden.     

Ernst-Günther Konrad | Di, 28. April 2020 - 16:01

Auch die Kommunen, die Wald besitzen machen bei dem Thema was? Genau nichts. In unserer Gemeinde im Rhein-Main-Gebiet wird der Waldfriedhof faktisch nicht mehr gepflegt, der Wald drum herum ist mit Totholz durch die letzten vier großen Stürme übersäht. Angeblich kein Geld, dann wird argumentiert, die Kleintierwelt braucht es, dann wird dem unkontrollierten Wildwuchs zugesprochen und letztlich bleiben riesige umgestürzte Bäume einfach am Straßenrand liegen. Gerade auch die Kommunen wären in der Pflicht. Wir besitzen auch etwas Wald. Das es da Programme gibt, höre ich das erste mal. Das uns jemand anspricht und aufgeklärt hat. War nie ein Thema. Allein die Regularien, die womöglich zu beachten sind um an Fördermittel zu kommen, dürfte bei der deutschen Gründlichkeit in der Ausgestaltung der Bürokratie sicher in einem Vorschriftendschungel enden, so das sich das keiner antut. Müssen die Privatwaldbesitzer selbst Geld in die Hand nehmen, um die Fördermittel zu bekommen? Wer hat Geld übrig?

Michaela 29 Diederichs | Di, 28. April 2020 - 17:00

Gut recherchierter Beitrag. Ist viel Erhellendes drin, was mir bislang unbekannt war. Dafür ganz herzlichen Dank. Wir brauchen jetzt einen richtig schönen Landregen über einen Zeitraum von mindestens 5 Wochen. Das macht manchem dann den Hausarrest zu Qual, aber für den Wald und einen Spaziergang darinnen, wäre es Erleichtung.

Michau-Mattern Hermann | Mi, 29. April 2020 - 09:01

Um den Wald zu retten, müssen wir gar nichts tun. Einfach mal den Wald in Ruhe lassen. Mehr menschliche Hilfe braucht er nicht. Mich nervt dieses Thema außerordentlich, wird doch schon seit 50 Jahren sein Ende vorausgesagt. Selbst erlebt, da schon älter. Schon vergessen, dass es im Februar bundesweit etwa 200% des durchschnittlichen Niederschlags gab. Die Feuchte ist im Boden.
Bleibt doch mal gelassen.

helmut armbruster | Mi, 29. April 2020 - 09:10

wenn wir glauben ein Naturgeschehen abwenden oder umlenken zu können.
Der Mensch war seit jeher dem Wettergeschehen, Wind, Sturm, Regen und Dürre ausgeliefert. Ebenso den Meereströmungen wie Golfstrom oder El Niño. Nicht die Natur hat sich dem Menschen angepasst, sondern der Mensch hat sich immer jeder Veränderung anpassen müssen. Und das ist ihm ja auch weitgehend gelungen. Denn wäre es nicht gelungen gäbe es uns längst nicht mehr.
Das ist keine neue Erkenntnis, sondern eine alte Weisheit. Der römische Dichter Horaz brachte sie mit einem Satz auf den Punkt:
Naturam furca expellas tamen usque recurret = Du kannst die Natur mit der Mistgabel austreiben, sie wird immer wieder zurückkehren.

Alexander Mazurek | Mi, 29. April 2020 - 20:36

… der Schönen Neuen Welt unserer "Grünen" ausgedient, er muss Wind- und Solarparks weichen, oder?