Coronavirus in Italien - „Ja, spinnt ihr denn alle?“

Wegen des Coronavirus steht Italien zunehmend still. Mailand erlebt nun den vierten Tag in Folge eine Ausgangssperre. Im Interview mit „Cicero“ erzählt die Restaurantbesitzerin Laura Riccardi von ihrer Situation. Die Lage scheint gesundheitlich und wirtschaftlich immer dramatischer zu werden.

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Leere Tische wegen Corona – Das Restaurant „Zibo“ in Mailand / privat

Autoreninfo

Bastian Brauns leitet das Wirtschaftsressort „Kapital“ bei Cicero. Zuvor war er Wirtschaftsredakteur bei Zeit Online. Seine journalistische Ausbildung absolvierte er an der Henri-Nannen-Schule.

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Bastian Brauns

Laura Riccardi (31) betreibt mit ihrem Mann Giulio Potestà (33) seit 2017 das Restaurant „Zibo“ in Mailand. Für die junge Familie geht es wegen der Coronvirus-Krise um die wirtschaftliche Existenz.

Frau Riccardi, den wievielten Tag leben Sie jetzt in einer abgeriegelten Stadt?
Am 8. März wurde Mailand zur roten Zone erklärt. Das heißt, seit vier Tagen geht hier gar nichts mehr. Eigentlich ist das ja noch gar nicht lange, aber es ist einfach nur unglaublich.

Wie können wir uns eine abgeriegeltes Mailand vorstellen?
Es ist eine Gespensterstadt. Niemand geht mehr irgendwo hin. Die Kinos, die Theater, die Oper, alles hat geschlossen. Es fahren kaum noch Autos. Ich kenne ein Paar, das wurde von der Polizei angehalten. Die wollten wissen, wo sie hingehen. Es ist verboten, einfach durch die Gegend zu laufen, ohne dass es wirklich nötig ist. Nur wer zur Arbeit oder einkaufen geht, darf das Haus verlassen. Die Klamottengeschäfte haben absurderweise noch offen. Aber keiner geht dort einkaufen. Total absurd.

Was ist mit Supermärkten?
Die für Lebensmittel haben alle offen. Aber es dürfen je nach Größe des Ladens immer nur ein paar Leute auf einmal rein. Genauso ist es bei den Apotheken. Diese ganze Szenerie ist einfach ziemlich gruselig. Aber noch können wir damit gut umgehen. Vielleicht weil es erst der vierte Tag ist.

Sie haben ein kleines Kind. Machen Sie sich Sorgen?
Unsere Tochter ist jetzt ein Jahr alt. Kinder sollen ja viel besser geschützt sein, weil sie Antikörper haben. Aber sehr kleine Kinder sind wiederum wohl noch relativ anfällig. Ich mache mir deshalb schon Sorgen, ja.

Haben Sie den Eindruck, dass die Regierung angesichts dieser Krise einen guten Job macht?
Die Regierung bemüht sich auf jeden Fall. Die werden, so wie die Ärzte sicher auch die ganze Nacht durcharbeiten. Aber ob Sie wirklich alles richtig gemacht haben? Das denken wir tatsächlich nicht.

Laura Riccardi und Giulio Potestà
Laura Riccardi und ihr Mann Giulio Potestà vor ihrem Restaurant

Was ist das Problem?
Es geht um die wirtschaftlichen Folgen. Wir dürfen unser Restaurant nur noch tagsüber aufmachen. Ab 18 Uhr müssen per Dekret alle Restaurants, Bars und Pubs geschlossen sein.* Das macht auf den ersten Blick vielleicht Sinn, weil man denken könnte: Abends kommen mehr Leute. Das ist zu riskant. Aber es gibt ja schon die Regel, dass wir die Tische so stellen müssen, dass alle Gäste anderthalb Meter Abstand voneinander haben. Die Regel ist also absurd. Man bekommt das Virus ja auch tagsüber, nicht nur abends. Und abends haben wir die meisten Kunden.

Das heißt, Sie machen jetzt zu wenig Umsatz?

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Christa Wallau | Mi, 11. März 2020 - 11:37

Ich glaube dieser Frau, was sie sagt.

Niemand weiß bisher, o b es auch in Deutschland so kommt wie in Italien.
Hoffen wir darauf, daß dies nicht der Fall sein wird
u. daß bald ein Medikament gefunden wird, was die Auswirkungen der Infektion eindämmen kann.
Diese Hoffnung ist das einzige, was uns bleibt.

Ganz abgesehen von den gesundheitlichen Problemen und dem Sterberisiko für alte und vorgeschwächte Menschen sind die massiven wirtschaftlichen Folgen noch gar nicht abzusehen.
Ein Land wie Italien, das ohnehin von der Hand in den Mund lebt und eigentlich pleite ist, könnte durch die Folgen dieser Epidemie die ganze EU
in den Abgrund reißen.
Ob das inflationäre Geld-Drucken der EZB nämlich auch in dieser Lage noch immer so viel Vertrauen aufbauen kann, daß der Euro stabil bleibt, wage ich zu bezweifeln.
Wir müssen es als ein reales Zukunftsszenario ansehen, daß wir viel schwierigeren wirtschaftlichen u. politischen Zeiten entgegengehen. Der Verteilungskampf dürfte hart werden.

"Ein Land wie Italien, das ohnehin von der Hand in den Mund lebt und eigentlich pleite ist? ..." - seien wir besser nicht so arrogant und herablassend den Italienern gegenüber! Immerhin ist dieses "marode" Land offenbar in der Lage, eine Infizierten- und Sterbestatistik zu liefern, die auch Todesfälle aufgrund von Corona mit untersucht und bestimmt. Dazu ist das reiche und medizinisch "haushoch überlegene" Deutschland offenbar nicht in der Lage. Man muss befürchten, dass in den EU-Statistiken Äpfel mit Birnen verglichen werden. Wir brüsten uns, bisher nur wenige Tote zu verzeichnen zu haben, es könnte aber sein, dass die wahre Sterbensrate viel höher läge, würde man ebenfalls die Toten postmortem untersuchen und die Todesursache entsprechend korrekt in die Statistik mit aufnehmen.

g | Mi, 11. März 2020 - 15:00

Virologen wie Alexander Kekulé haben ja den Vorgang, dass Pandemien einen bestimmten, mathematisch vorhersagbaren Verlauf nehmen, schon länger thematisiert. Ich habe auch den Bericht von Narkosearzt Christian Salaroli ( aus Bergamo) gelesen. Der in den verzweifelten Appell endet:“Bitte seid geduldig. Ihr könnt nicht ins Theater, ins Museum oder ins Fitnessstudio. Versucht Mitleid mit den vielen Menschen zu haben, die ihr auslöschen könntet.“
Ich glaube nicht, das hier Übertreibungen im Spiel sind. Ärzte und Pfleger sind erschöpft und müssen noch die zutiefst-deprimierende Entscheidung treffen, wen sie behandeln und wer schon verloren hat. U.a. sind sie selbst schon angesteckt bzw. ihre eignen Familienangehörige. Es gibt ja auch noch außer Corona, lebensgefährliche und sofort zu behandelnde Krankheiten. Und hier könnte es dann auch eng werden.

Ernst-Günther Konrad | Mi, 11. März 2020 - 19:09

1986 - Tschernobil
1992 - Runderwahn
1999 - Ende der Welt (Nostradamus)
2000 - Millenium Bug
2005 - Vogelgrippe
2006 - Apokalypse am Tag des Teufels am 06.06.06
2009 - Schweinegrippe
2012 - Mayakalender Untergang am 21.12.
2014 - Ebola
Alles hab ich überlebt.
2020 Corona Virus - läuft noch
Egal mit welchen Auswirkungen. Die Menschheit wird das überleben. Ob wir alle hier, dass weis ich nicht. Ich habe es vor. Wer mit etwas überlegter Vorsicht mit dieser Virushysterie umgeht, sich keine Todesängste einreden läßt und sich ausreichend richtig informiert hat sehr gute Chancen.
Den nächsten Frühling habe ich auf alle Fälle vor zu erleben und zu überleben. Der Frühling ist nämlich die schönste Jahreszeit. Die Pflanzen blühen und bei manchem auch die Phantasie. Insbesondere dann, wenn jemand unter einem solchen ALIAS schreibt. Ich wünsche der Italienerin im Artikel alles gute und Kraft zum Durchhalten.