- Meine flatterhafte Freundin
Nach dem jüngsten Börsencrash scheint die Lage weit weniger dramatisch als zunächst befürchtet. Kürzere Anfälle könnten noch folgen, aber nach einer schweren Nervenkrise wie in 2000 bis 2002 oder 2007 bis 2008 sieht es nicht aus.
Seit über dreißig Jahren habe ich eine Freundin, die mich nie langeweilt, in ihrem Urteil unbestechlich ist, aber manchmal auch sehr flatterhaft sein kann. Ich meine den Finanzmarkt. Vor kurzem gebärdete sich meine Freundin wieder wie eine hysterische Diva. Ich meine den Blitz-Crash Anfang August. Aber ich habe gelernt, mit den Ausrastern meiner Freundin zu leben, auch wenn sie mich immer nerven und manchmal so lange dauern, dass ich beinahe die Geduld mit ihr verliere. Denn wenn ich über die lange Historie unserer Freundschaft zurückblicke, sehe ich, dass sich die Freundschaft lohnt.
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behalten, sich nicht emotional überwältigen lassen, sonst sollte man dem Jojo-Spiel der Börse fernbleiben. Manchmal können auch massenhaft auftretende Gewinnmitnahmen zu falschen Schlüssen verleiten. Finanzgeschichten sind reine Psychologie - wie bei einer kapriziösen Diva.
Es gibt zu viele Markteilnehmer, welche die Knappheit durch kreditfinanzierte Anlagen künstlich erzeugen, selbst wenn Staatsbanken wie die FED und EZB die Märkte mit Geld fluten. Wer auf Kredit Milliarden anlegt und mit zehntel Prozentpunkten rechnet, destabilisiert das Finanzsystem. Insofern wäre eine globale Transaktionssteuer ein probates Mittel, die Gemüter zu beruhigen.
Die Finanzwelt mit Aktien und unübersichtlichen Firmengeflechte ist für mich nicht durchschaubar. Ich weiß nur, das seit Jahrzehnten schon vorausgesagt wurde, dass die Weltwirtschaft zusammen bricht und irgendetwas "neue" kommen soll. Wie gesagt, ich verstehe nichts davon, weiß aber genau, nichts hält für die Ewigkeit, was der Mensch erschaffen hat. Dieser ganze Börsenmarkt ist ein künstliches Geflecht. Viele vorgegaukelten Werte existieren real gar nicht , sondern sind Geldwerte auf dem Papier. Bräche die Finanzwelt zusammen, stehen bereits neue Systeme bereit zu übernehmen, wenn die Menschheit dem machiavellistischen Umtrieben nicht abschwört. Würde sie das tun? Wünschen würde ich es mir.
