Die letzten 24 Stunden - „Ich möchte keine Tränen sehen“

Sagte man Volker Panzer, er hätte nur noch einen Tag zu leben, recherchierte er als erstes, ob das tatsächlich stimmt. Wenn ja, wäre er nicht schockiert, ließe sich LSD liefern und würde seinen Italiener schleunigst bezahlen

Volker Panzer
(Maurice Weiss) Ein bisschen LSD und Antipasti

Wären meine letzten 24 Stunden an einem Freitag, und die Aufzeichnung vom „ZDF Nachtstudio“ steht an, würde ich mir keine Gedanken über den Ablauf machen und das einfach durchziehen. Ich kann meine Studiogäste nicht warten lassen und die Kollegen vom ZDF auch nicht. Aufzeichnungsort ist das Union-Filmstudio in Berlin-Tempelhof, da fahre ich mittags hin. Anschließend geht es gemeinsam in die Paris Bar, und mein Leben geht dort zu Ende. Wäre es aber ein anderer Tag als Freitag, recherchierte ich als erstes, ob es wirklich stimmt, dass ich nur noch 24 Stunden zu leben habe, oder ob das die Stimmen aus dem Jenseits nur behaupten. Wenn es stimmt, wäre ich nicht entsetzt oder schockiert. Da ich nicht gläubig bin, weiß ich, dass wir Menschen sterbliche Säugetiere sind und alles Leben endlich ist. Wir leben in den Genen unserer Nachkommen weiter, aber nicht als Individuen oder im Himmel.

In der Früh bringe ich meine kleine Tochter zur Schule und rufe dann meinen 29-jährigen Sohn an, der in Freiburg lebt, und bitte ihn, so schnell wie möglich zu mir nach Berlin zu kommen. Dann würde ich meine Freunde und Kollegen zu mir nach Hause einladen, und meine Nachbarn mit ihren Kindern. Als Nächstes besorge ich mir LSD. Gibt es das eigentlich noch, LSD? Na, ich würde schon Wege finden, welches aufzutreiben, vermutlich müsste ich eine Weile rumtelefonieren. Ich bin ja im siebten Lebensjahrzehnt, und stelle mir schon lange vor, im hohen Alter zum ersten Mal LSD zu nehmen, weil ich mich früher nicht getraut habe. Es sollte mir diskret in die Wohnung geliefert werden. Ich will die ganze restliche Zeit nicht mehr aus dem Haus gehen müssen.

In meiner Nachbarschaft gibt es drei Italiener, da bestelle ich Essen. Ich rufe Pino von der Salumeria da Pino an und sage: „Pino, du musst liefern!“ Er bringt Antipasti. Für die Kinder bestelle ich ausreichend Pizza bei Ianni von Dal Buongustaio, die Pizza dort ist fantastisch. Alle Fisch- und Fleischgerichte bringt Renato von Pan Del Angeli, ein Edelitaliener. Jetzt setze ich mich in Ruhe hin und trinke die erste eisgekühlte Flasche Weißwein, die gegen Mittag geleert ist. So warte ich, bis meine Gäste kommen. Ich würde mich beim Warten sogar langweilen. Sobald die Gäste eingetroffen sind, und meine Frau unsere Tochter aus der Schule abgeholt hat, essen wir gut und trinken wir gut. Wir reden über Gott und die Welt und natürlich über Politik und Weltgeschehen. Das Gespräch verliefe streitig. Sollte man mich fragen, wieso machst du diese Feier, dann antworte ich: „Ihr werdet schon sehen, nur Geduld.“

Ich möchte keine Tränen sehen, weder von den Kindern, den Frauen oder der Frau.

Rechtzeitig vor Ablauf der Frist ziehe ich mich zurück und nehme den Trip. Ist es dann ein Horrortrip, ist es auch egal, zwei Stunden früher oder später machen keinen großen Unterschied, wenn es sowieso zu Ende geht. Aber vielleicht ist es auch sehr schön. Finanziell würde ich gar nichts regeln, auch keine Grabstätte auswählen, das sollen andere für mich tun. Nur die Italiener, die würde ich sofort bar bezahlen.

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