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Ostern ist mehr als nur das Fest der Hasen und bunten Eier / dpa

Ostern - Das Fest der moralischen Bescheidenheit

Mit Ostern tun sich die Kirchen schwer. Erst wurde es zum Friedensevent umgedeutet, dann zum allgemeinen Weltverbesserungsfest. Dabei hat Ostern eine hochaktuelle Botschaft: Vergebung der Sünden statt Moralismus und Selbstgerechtigkeit.

Alexander Grau

Autoreninfo

Alexander Grau ist promovierter Philosoph und arbeitet als freier Kultur- und Wissenschaftsjournalist. Er veröffentlichte u.a. „Hypermoral. Die neue Lust an der Empörung“. Im Januar erschien von ihm „Entfremdet. Zwischen Realitätsverlust und Identitätsfalle“ bei zu Klampen.

So erreichen Sie Alexander Grau:

Ostern ist ein christliches Fest. Das klingt banal. Man muss aber hin und wieder daran erinnern. Ostern ist nicht das Fest der Osterhasen. Oder der Eier. Zu Ostern feiert die Christenheit die Auferstehung Jesu. Und das hat mit den putzigen Überbringern bunter Naschwaren zunächst wenig zu tun. Ich schreibe bewusst: zunächst. Denn die Auferstehung von Tod passt natürlich ganz gut in die heidnische Symbolik für Fruchtbarkeit und Frühling. Beide erzählen von der Überwindung des Todes.

Fluch und Segen zugleich 

Für das moderne Christentum erwies sich Osterhase und Eiersuche als Segen und Fluch zugleich. Mit der industriellen Herstellung von Zucker im 19. Jahrhundert etablierte sich ein modernes Brauchtum, das dem Osterfest seine markante Ikonographie verlieh. Ostern entwickelte sich zum Bastel- und Süßigkeitenfest für Kinder. Und die Erwachsenen delektieren sich am Osterbraten.

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Urban Will | Sa., 3. April 2021 - 10:33

überlegt. Er ist Ihnen trefflich gelungen.
Nachsicht. Gegenüber den „narzisstischen Scharfrichtern des richtigen Meinens“.
Ich habe ihn mehrfach gelesen und jedesmal gefällt er mir besser.
Nachsicht. Laut google „verzeihendes Verständnis für – jetzt kommt's – die Schwächen eines anderen.“
Da steckt viel wahres drin.
Denn was ist es mehr als Schwäche, sich zu überhöhen, Andersdenkende auszugrenzen, ihnen das Recht auf eine eigene Meinung abzusprechen, sie zu stigmatisieren.
Nur der Schwache wählt eine solche Strategie, denn sie ist die einfachste, ungefährlichste. Sie gibt ihm in seiner Gedanken - Burg immer das Gefühl der Überlegenheit, dass alles nur Schein ist, merkt er nicht, er will es nicht merken.
Von der Schwäche zur Feigheit ist es nur ein kurzes Stück und nur der Feigling schießt in den Rücken des Wehrlosen.
Ich teile Ihre Meinung, dass sich so schnell nichts ändern wird und das Lager dieser „Scharfrichter“ weiter wächst.
Es ist halt der einfachste Weg, der Weg der Feiglinge

erklärt, Merci

Als Stigmatisierter hat man mehrere Möglichkeiten.
Leider bringen alle momentan nichts.
-eben mit Nachsicht (schwierig, aber nicht unvernünftig)
-gute Argumente populistisch bringen (bringt nichts)
-gute Argumente sachlich bringen (bringt auch nichts)
-hinnehmen und die Faust im Sack machen
-Gewalt (völlig schlecht/ausgeschlossen)
-Nachsicht UND Geduld (ganz schwierig, abwarten bis die Nachteile
auch sie zu spüren bekommen...)

Markus Michaelis | Sa., 3. April 2021 - 21:14

Antwort auf von Peter Sommerhalder

@PSommerhalder Eine naheliegende Möglichkeit wäre noch in seiner Blase das zu leben, was man für richtig hält. Das ist natürlich auch nicht leicht, weil die Bruchlinien auch durch Freundeskreise, Familien, Firmen, Vereine etc. gehen, was wohl in gesellschaftlichen Umbruchsituationen nicht unnormal ist. Es ist ja auch wirklich nicht klar, was wie weitergeht. Eine andere Möglichkeit ist es noch auszuwandern, wenn es zu wild wird. Insofern bin ich auch ein Gegner von Merkels Idee eines globalen "Mulitlateralismus", der, soweit ich es verstehe, im Idealfall auf eine möglichst große Gleichtaktung der Welt mit starken globalen Organisationen hinausläuft. Zum Glück ist es noch nicht soweit, dass wir etwa über die UNO ein weltweit gleichgetaktetes Denken durchsetzen, ähnlich wie man das innerhalb von Staaten über Schulen, Stiftungen, Medien etc. halbwegs versucht. Was ein Staat vielleicht auch braucht, aber es ist auch gut, wenn es Alternativen gibt - es passt eben nie allen.

Eine herrlich erklärende Ergänzung Herr Will. Das passt zum Text des Herrn Grau sinnbildlich, wie die Faust aufs Auge.:)
Da klaut sich der christliche Glaube die heidnischen naturverbundenen Gedanken der Germanen zum Thema Frühlingsanfang und strickt sie in eine christliche Begebenheit um, führt selbst viele Kriege, um diesen selbst erdachten christlichen Glauben unter die Menschen zu bringen, um ihn dann binnen weniger Jahre dem moralisierenden und politischen Glauben zu opfern. Mit ohnehin manch sinnwidrigen christlichen Behauptungen wurden jahrzehntelang die Menschen getäuscht und fehlgeleitet, nur um sich das was Amtskirche ausmacht, Furcht und Angst, Abhängigkeit herzustellen und zu erhalten. Und nun werden sie mit den gleichen Mitteln ihrer eigenen Botschaften beraubt. Die heißen nicht mehr Gott und Jesus, sondern Klima und Weltfrieden. Das wird mir meine Überzeugung von einem höheren selbst, nicht nehmen können. Frohes Ostern= Ostera Fest. (benannt nach der Göttin des Frühlings)

Walter Bühler | Sa., 3. April 2021 - 11:02

Osterpredigt im Cicero, die Atheisten gerade nicht ausschließt und auf die gemeinsame conditio sine qua non, auf die conditio humana verweist.

Nachdenken kann hin und wieder nicht schaden.

Karl-Heinz Weiß | Sa., 3. April 2021 - 13:02

Interessante Frage, warum die kirchlichen von politischen Inquisitoren abgelöst wurden. Die Institution Kirche konnte mit ewigem Leben oder zumindest mit doppelter Prädestination locken. Was bleibt da politischen Akteuren? Die Aussicht auf Alternativlosigkeit? Na ja, die letzte Vertreterin dieser Zukunft tritt bald ab. Keine guten Aussichten....

Helmut Bachmann | Sa., 3. April 2021 - 13:05

Ging es im Christentum nicht immer schon um die Liebe zum Nächsten und sogar gegenüber des Feindes? „Er“ war nicht „gekommen, um zu richten, sondern um die Welt selig zu machen“.
Nicht richten, das wäre was (nicht nur) für die heutige Kirche, die ihre Gläubigen in gute und böse Schafe einteilt. Die Tugendwächter in der biblischen Geschichte waren so, das scheint eine anthropologische Konstante zu sein. Sie heilen nicht, sie spalten. Damals wie heute. Sie finden den Weg zum Bruder nicht, denn sie glauben, ausschließen zu dürfen. Es gibt für sie nur ihre Wahrheit und wer sich nicht anschließt ist heute Nazi statt Ketzer. Diese Haltung geht oft mit Macht einher. Früher gab es Konservative, die so über Linke gedacht haben, wie heute der (linke) Mainstream über „die Rechten“. Trotzdem ist es wichtig,auch diesen Tugendwächtern ihre Verfehlung nachzusehen, statt in der Opferrolle zu bleiben. Der gerechte Zorn bleibt einem unbenommen, doch gehören auch die Tugendwächter zu Gottes Geschöpfen.

Wolfram Fischer | Sa., 3. April 2021 - 13:32

Das Kernproblem der Kirchen treffend auf den Punkt gebracht! Durch die zunehmende Wandlung (... die allerdings nichts mit dem Heiligen Geist zu tun hat, sondern ganz irdisch zugeht...) der großen Hauptkirchen in Deutschland in zwei weitere politische (dem "linken" Spektrum angehörige) politische Parteien haben diese sich selbst marginalisiert. Daß die evanglische Kirche hier noch wesentlich rasanter unterwegs ist, macht dabei nur einen graduellen Unterschied.
Linke Weltverbesserungsagenden zuhauf (... mehr bei den Evangelischen), den bösen Kapitalismus auf's Korn genommen (... mehr bei den Katholiken), selbstgerechte Aburteilung anders Denkender, dagegen die Heilsbotschaft, die ja eigentlich der "Markenkern" dieser Institutionen sein sollte, bestenfalls als Petitesse an den (Diskussions- und Boschafts-) Rand gequetscht. Man mag es - je nach Gusto - bedauern oder feiern: Deren Daseinsberechtigung hat sich damit zunehmend erledigt. Die Austrittszahlen belegen es ja auf's Deutlichste.

Markus Michaelis | Sa., 3. April 2021 - 14:58

Ostern, als christliche Botschaft, könnte zeitübergreifend quer und ausgleichend zu den sonstigen aktuellen Moden liegen. Man ist gerade national, kulturell, ökologisch, ethnisch, universell, individuell, ökonomisch für oder gegen alles mögliche orientiert und die Gesellschaft verlangt ihre üblichen Demutsgesten, um Einigkeit für die gewünschte Richtung herzustellen.

Ostern könnte unabhängig davon z.B. sagen, dass doch irgendwie alle Menschen (oder nur die Chrtisten? - die Widersprüche hören nie auf) auch wieder zusammengehören, selbst wenn sie anders denken, und dass die Sünden (des "Falsch"Denkens) vergeben werden. Es könnte ein Baustein sein, mehr mit den immer vorhandenen Widersprüchen umzugehen.

Die Neigung ist aber groß Ostern, wie alles andere, möglichst in die eigene Wortgirlande einzureihen, die alle guten Ziele und alle guten Gruppen umfasst - und die anderen Gruppen und Gedanken sind eben falsch.

Norbert Heyer | Sa., 3. April 2021 - 15:42

Die beiden Kirchen hängen voll an Fliegenfänger des Staates. Er treibt für sie die Steuern ein und gewährleistet Religionsfreiheit, dafür müssen die Kirchenoberen auch entsprechend „buckeln“. Eigentlich nichts Neues, war die katholische Kirche nach ihrem Endsieg über die Götter doch über Jahrtausende das Maß aller Dinge. Kein Kaiser, kein Herrscher konnte ohne ihren „Segen“
Macht ausüben. Dafür gab es dann Pfründe und Wohlwollen. Erst Martin Luther war der Spalter für den „wahren“ Glauben. Heraus kam Krieg und die Spaltung. Mittlerweile haben sich beide Religionen bequem angepasst, man hat den Menschen nicht mehr viel zu verkünden außer regierungsfreundliche Durchhalteparolen. Die christliche Kirche wird die kommenden Stürme nicht überleben, sie hat ihre Deutungshoheit verloren, aber die alleinige, wahre Religion wird
ihre Stelle einnehmen und neue Tatsachen schaffen. Ob noch eine Umkehr möglich ist, halte ich derzeit für sehr unwahrscheinlich. Zuviele Kräfte halten bewusst dagegen

Die geistige Ausrichtung eines Glaubens / Idee wird durch den resultierenden Geldfluss im weltlichen Sinne gestempelt. Am deutlichsten zu sehen bei den Medien, aber eben auch in institutionellen Glaubens-Konzernen wie unseren beiden Amtskirchen bis hin zu denen, wo Geld ein geistiger Machtfaktor ist. Und überall dort, wo ich mit Geld eine geistige "Veränderung" erzielen kann, gehen die Gründungsideale über Bord.
Meine persönliche Wahrnehmung:
Die Amtskirchen werden immer mehr verfallen & sich auflösen & ihr Glaube, wie die Demut zur Nullgrenze sinken wird, während immer mehr neue "Auserwählte" ihre neuen Chancen sehen, da ohne einen "Kompass" das Leben zur Irrfahrt wird.
Was mich z.B an der ganzen Sache traurig & nachdenklich macht ist die Tatsache, dass die Entwicklung nicht nur zum Gedanken einer..... Welt geht, sondern dass diese Menschen immer mehr über allen Dingen stehen & ihr Handeln nur noch durch materielle Werte,Eitelkeit, Selbstsucht & Macht bestimmt & manifestiert wird.

Bernd Muhlack | Sa., 3. April 2021 - 17:51

"Ein gekreuzigter Religionsstifter ist ja noch zu vermitteln – aber ein wiederauferstandener?"

War nicht George W. Bush ein "born again" wie er selbst sagte?
Gar ein Kreuzzügler?
Egal!

312 n. Chr., die Schlacht an der Milvischen Brücke.
Konstantin soll eine Erscheinung, Traum gehabt haben: "in hoc signo vinces!"
"In diesem Zeichen wirst Du siegen!" - Ein Kreuz!

Der "Durchbruch" des Christentums!
Der Rest ist hinlänglich bekannt.

Ostern, das heiligste Fest des Christentums.
Das ÖR-TV packt regelmäßig die ollen Schinken ins Programm!
"Die zehn Gebote"
"Ben Hur"
"Quo vadis" (Peter Ustinov als Nero ist Weltklasse!)
Why not?
Lieber diese Filme zum x-ten Mal sehen als einem Bedford-Strohm zuhören!
Er hat übrigens denselben Coach für Körpersprache wie BP Steinmeier.

Golgatha
"Wenn Du wirklich Gottes Sohn bist, dann ..."
"Herr Verzeih mir, denn..."
"Noch heute wirst Du mit mir im Paradiese sein!"

- der Himmel verdunkelte sich u im Tempel riss der Vorhang -
FROHE OSTERN!
- ein Atheist ..

Dorothee Sehrt-Irrek | Sa., 3. April 2021 - 18:07

unsterblich gewesen?
ich habe eher gedacht, dass sie im AT durch den Abfall von Gott in die Zeit fallen, dass sie von nun an um sich wissen, ohne wirklich damit umgehen zu können.
Wie auch immer, ich dachte dann, dass der Sohn Gottes den Zeitriss heilt, auch im Sterben, dass also das Leben "als Leben und Sterben in Gott" möglich ist.
Damit verändert Christus auch die heidnischen Bräuche/Ängste neuen Lebens nach dem Sterben, weil Sterben weder Strafe Gottes, noch unsere Unzulänglichkeit bedeutet.
Die "ewige Wiederkehr" ist kein Zyklus des Widerfahrenden, eher immer strömendes Leben.
Alles ist getauft am Born der Ewigkeit.
Die Auferstehung sehe ich in der religiösen Sprache als Weiterleben des christlichen Geistes, so wie der "Wein" in Kanaan das von Christus gesegnete "Getränk" war, "wir", er ist der Weinstock, wir sind die Reben und die Speisung der 5000 ebenfalls die göttliche "Ein"-Speisung darstellt, wie dann das letzte Abendmahl beides zusammenfasst.
Tuet dies in seinem Gedenken.

Daran kann historisch wohl nicht gezweifelt werden.
dennoch glaube ich eher daran, dass Hohenpriester eine Kultstätte verhindern wollten und den Leichnam Jesus entsorgten, mit genau entgegengesetztem Erfolg, aber auch den dann jahrhundertelangen Folgen für den christlichen Glauben.
Ich bin getauft, konfirmiert worden und gerne in der evangelischen Kirche, aber ich habe auch als Kind nie geglaubt, dass Christus leiblich auferstanden wäre oder etwa verstanden, dass Milliarden Menschen daran ihren Glauben an die Unsterblichkeit binden, die ihnen als Christen gewährt würde.
Andererseits werden Kinder auch noch nicht so sehr mit der Angst der Menschen vor dem Tod konfrontiert.
Habe mir heute die Johannespassion aus der Thomaskirche vom 02.04.2021 angesehen, eine wunderbare Aufführung, obwohl ohne Publikum, daher evtl. eher im Sinne einer Meditation, bei Bach auch über unser Sterben.
Er hofft, dass seine Seele nach dem Sterben Christus sehen wird.
Bescheiden. Sucht ihn bei den Lebenden.

Klaus Decker | Sa., 3. April 2021 - 19:35

So steht es an unserer Kirche - trotz corona, trotz
dem Verrat unserer Kirchen an der biblischen Botschaft? Besser nicht nachfragen, so kann sich
jeder eingeladen fühlen. Dass die Kirche den ersten
Tag der Woche mal als 8. Schöpfungstag verstanden hat, geschenkt. Nur Hoffnung und Zuversicht kann sie nicht mehr vermitteln. Wie
hieß es in der Fastenpredigt einer unserer neuen
Hoffnungsträger: gott rettet uns nicht, das müssen wir schon selber tun! Quod erit demonstrandum!

Hanno Woitek | So., 4. April 2021 - 10:14

diese ganzen Worte der christlichen Liebe etc. auch nur ansatzweise glauben wie sie von scheinheiligen kath. Priestern gepredigt werden, wenn deren Priesterhorden ungestraft mit ihren Völkermorden, Verbrennungen und Kinderschändungen bis heute durch die Geschichte spazieren können. gäbe es Gott wäre er wohl längst einAtheist. Frohe Ostern.