Jugendwort des Jahres - Sagt man das?

Der Pons-Verlag hat das Jugendwort des Jahres gekürt. Zum ersten Mal scheint es sich um ein Wort zu handeln, das Jugendliche auch tatsächlich benutzen. Dabei hätte der Begriff auch das Potential, in den allgemeinen Sprachgebrauch aufgenommen zu werden.

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Was als „Jugendsprache" gilt, entscheiden Jugendliche oft nicht selbst / dpa

Autoreninfo

Johanna Jürgens hospitiert bei Cicero. Sie studiert Publizistik und Literaturwissenschaft an der Freien Universität Berlin. Zuvor arbeitete sie als Redaktionsassistenz beim Inforadio des RBB.

So erreichen Sie Johanna Jürgens:

Das mit der Jugendsprache ist so eine Sache. Besonders im Land der Dichter und Denker, in dem sogar Gendersternchen Grundsatzdebatten auslösen können, wird jedes „Alter“, jedes „chill mal“  und jedes angehängte „ey“ gerne als Anzeichen für den Untergang der deutschen Sprache gewertet. Ich kann an dieser Stelle beruhigen: Das wächst sich aus. Umso überraschender ist der Wirbel um den pubertären Sprachgebrauch, den wir alljährlich zur Auszeichnung des Jugendwortes machen.

Jugendwort? Welche Jugend denn?

Ich war gerade 13, als ich mein erstes Lexikon der Jugendsprache in den Händen hielt. Ein Verlegenheitsgeschenk einer entfernten Verwandten, die einfach nicht mehr wusste, „was man in dem Alter so schenkt.“

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Holger Jürges | Do, 15. Oktober 2020 - 15:25

..ist ja immer ein fragmentiertes Erfassen der Welt. - Insofern ist das Wort "Lost" wohl auch ein Synonym für die große Ratlosigkeit in dieser Zeit. Die Vokabel ist demzufolge mit einem negativen Widerhall behaftet, also auch passend.

Wenn unser Verstand verhext wird, durch die Dauerberieselung des Negativen, entsteht ein unbewusstes mea culpa, das einer positiven Entwicklung eher hinderlich ist. - Die Falsifikation steten Unheils durch eine unabhängige innere Einstellung beschreibt Hölderlin recht deutlich:

"Was kümmert mich der Schiffbruch der Welt"!

Und so trägt sich auch der Optimismus, hinsichtlich eines "Wort des Jahres" das positiv konnotiert ist, ins nächste Jahr.

Walter Bühler | Do, 15. Oktober 2020 - 15:27

Liebe Frau Jürgens,
ein sehr schön geschriebener Artikel.

Aber als ehemaliger Mathematik-Lehrer hoffe ich doch, dass das "Lost"-Gefühl nicht dauernd im Mathematik-Unterricht aufgetreten ist, oder wenigstens auch mal in anderen Fächern: .

Denn Mathematik kann auch Spass machen, hoffe ich wenigstens! Vielleicht wenigstens einmal "Lost & Found"?

Hallo Herr Bühler!

Neben meinem älteren Deutschlehrer war mein ebenfalls betagter Mathelehrer das Maß aller Dinge.
10. und 11. Klasse.
"Ihr brauchts kane Bücher net, ihr hobts mi!"
Das war keine Arroganz sondern entpuppte sich als die Realität; niemand war schlechter als "Befriedigend", alle dabei!
Der Knabe hatte es einfach drauf - ein pädagogischer, fachlicher Überflieger.
Danach konnte es ja nur schlechter werden.
Nein, in seinem Unterricht war niemand LOST!
Er stammte aus Böhmen, ein Vertriebener; leider ist er kurz nach seiner Pensionierung verstorben.

Ich hatte unserer Tochter zu Schulzeiten das Buch "Das Geheimnis des kürzesten Weges - Ein mathematisches Abenteuer" geschenkt.
Nach dessen Lektüre betrachtet man die Mathematik, Physik mit anderen Augen.
Das Buch ist weiterhin für wenige Euronen erhältlich, zeitlos gut, empfehlenswert.
(So man denn neben Genderismus und Aktivistentum noch Zeit hat).

LOST ist übrigens auch ein Kampfstoff, Giftgas - gemeinhin als Senfgas bekannt.

Rainer Mrochen | Do, 15. Oktober 2020 - 15:30

...vor allem die Beschreibung. Ahnungslos bei völliger Selbstsicherheit und Überschätzung, sich inszenierendes links, grünes Publikum. Erkennt die FFW Jugend etwa sich selbst und beginnt unsicher zu werden ob ihres masslosen Verhaltens?

für das Denken der Jungen. Ein Denken, das ganz offensichtlich so manchen Zeitgenossen überfordert, ihm unbequem ist, ja sogar offen feindlich erscheint.

Da äussert sich eine Jugend, die einer Gesellschaft vorwirft, aus Bequemlichkeit, Angst vor Veränderung oder Einschränkung des eigenen Wohlstandes die Zukunft eben dieser Jugend leichtsinnig aufs Spiel zu setzen.

Eine Gesellschaft, die in Teilen, im eigenen materialistischen Egoismus die Autorität sieht, Jugendliche, die für ihre Belange auf die Strasse gehen, als unreife, masslose, links-grün versiffte Dummköpfe zu verunglimpfen.

Die, die so urteilen, sind in der Tat "lost".

wie sie seit der Erfindung der Dampfmaschine stattgefunden hat und der daraus resultierenden, jetzt sichtbaren Folgen, wird sich nicht hoppla hopp revidieren lassen. Es gilt weiterhin zu bedenken, daß diese Auswirkungen andauern u.U. selbstverstärkend sind und somit Zeiträume über Jahrhunderte zur Revidierung notwendig sein werden. Man kann sich in der Tat verloren fühlen.
Allerdings, eine m.M. nach, in kleinen Teilen, unrealistisch, narzisstische Jugend versucht, lauthalsig, ihre Sichtweise der Dinge durch-und umzusetzen. Wir werden sehen wie groß deren Bereitschaft ist Verzicht zu üben. An den verwendeten Handys ist das jedenfalls nicht zu sehen. Immer auf dem letzten Stand. Im übrigen: Die Vokabel "versifft" habe ich nicht benutzt.

Ernst-Günther Konrad | Do, 15. Oktober 2020 - 18:15

Ein guter und erfrischender Artikel Frau Jürgens. Vor allem von jemand geschrieben, der noch nicht so weit weg von den 13jährigen ist, wie die Langenscheidt Worterfinder und deshalb realitätsnah berichten kann, ob sich angehende Jugendliche tatsächlich so unterhalten.
"Lost" kenne ich nur aus dem englischen. Es steht für verloren, verirrt oder untergegangen. Ich hoffe für unsere Muttersprache von Herzen, dass der Begriff nur eine kleine Ergänzung unseres Wortschatzes sein soll und nicht mit dem unsäglichen Denglish und anderen kreativ erfunden Begriffen unser aller neue Sprache werden soll.
Übrigens: Das Wort Handy ist eine typisch deutsche Worterfindung. Der Engländer sagt "Mobil Phone". Die deutsche Übersetzung Mobiltelefon mag sich da nicht richtig durchsetzen.
Aber gut, es ist wie es ist. Lost ist mir lieber als der Genderwahnsinn. Meine Tochter ist Lehrerin und bestätigt Ihre Aussagen. Die Jugend benutzt es tatsächlich täglich und die Lehrer auch.

Die deutsche Jugend sollte sich gefälligst deutsche Wörter aussuchen ! National, bitte..

Aber nein, wir moralisieren nicht! Wir wollen auch nichts vorschreiben, wir sind doch keine Grünen!

Aber die Jugend macht buchstäblich nichts, wie sie sollte!

Demonstriert, wie Kommunisten, für die Umwelt.

So ein Blödsinn.

Fordern Gleichberechtigung.

Gibt ausländischen Wörtern Kultstatus.

Warum lesen die nicht mal Sarrazin?

Alles die Schuld von Angela Merkel! Die verdirbt unsere Jugend!

Ironie Ende.