„Echo“-Skandal - „Etwas Respektloseres habe ich noch nie gesehen“

Der Protest gegen den „Echo“-Preis an die Rapper Farid Bang und Kollegah weitet sich aus: Mehrere Künstler haben ihre Auszeichnungen zurückgegeben. Auch BAP-Sänger Wolfgang Niedecken war an dem Abend dabei – und geschockt. Im Interview fordert er Konsequenzen

Klaus Voormann und Wolfgang Niedecken bei ihrem gemeinsamen Auftritt bei der diesjährigen Echo-Verleihung.
Klaus Voormann und Wolfgang Niedecken bei ihrem gemeinsamen Auftritt bei der diesjährigen „Echo“-Verleihung / picture alliance

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So erreichen Sie Constantin Wißmann:

Herr Niedecken, wie haben Sie die „Echo“-Verleihung erlebt? 
Ich wurde auf dem roten Teppich ständig nach Farid Bang und Kollegah gefragt und wusste überhaupt nicht, worum es da geht. Als Campino dann seinen Preis bekam, hielt er diese Rede und sprach die beiden Rapper direkt an. Ich finde das sehr mutig. Campino und ich sind befreundet, dämlicherweise haben wir uns vor der Veranstaltung nicht gesehen. Klaus Voormann, der diese Woche 80 Jahre alt wird, hat statt der Generalprobe einen kleinen Power-Nap gemacht. Bei der diesjährigen Verleihung wurde er für sein Lebenswerk ausgezeichnet und ich durfte seine Laudatio halten. Wären wir bei der Generalprobe gewesen, hätten wir auch die Sturmmasken-Performance der beiden Rapper Kollegah und Farid Bang vorher gesehen und die entsprechenden Fragen gestellt. 

Wäre das nicht Ihre Pflicht gewesen, sich vorab umfassend zu informieren?
Warum muss ich mich mit solchen Boulevardthemen beschäftigen? Ich hätte aber von den Veranstaltern erwartet, dass sie mich darüber aufklären. Letztlich sind Klaus und ich durch eine Verkettung von Zufällen ins offene Messer gelaufen. Meine Laudatio fand dann unmittelbar nach diesem Sturmmasken-Auftritt statt. Ich wusste nicht, wie ich damit umgehen sollte, ohne stereotype Floskeln loszulassen. Also habe ich mich emotional als Campinos Freund zu Bekennen gegeben, meine Laudatio gehalten und dann mit Klaus „Mighty Quinn“ gespielt. Wir haben natürlich gemerkt, dass das Publikum schockgefroren war. Normalerweise gibt es minutenlange stehende Ovationen, wenn jemand einen „Echo“ für sein Lebenswerk bekommt. Das hat mir für den Klaus sehr leid getan. Er ist ein bescheidener Mann, der sich immer im Hintergund gehalten hat. In dieser Rapperszene ist der Begriff „Respekt“ so wichtig. Etwas Respektloseres als diesen Mist von Kollegah und Farid Bang habe ich noch nie erlebt. Das ist bodenlos, die beiden sollen sich schämen. 

Was geht in Ihnen vor, wenn Sie diese, mit einem deutschen Musikpreis ausgezeichneten Texte lesen?
Ich kenne mich in diesem Genre Gangstarap nicht aus. Ehrlich gesagt geht mir das am Hintern vorbei. Da sind keine Melodiebögen drin. Es ist pures Macho-Gepose. Die Texte sind, ähnlich wie beim Schlager, Versatzstücke, mit denen man etwas erreichen möchte. Beim Schlager möchte man damit möglichst viele Tränen generieren. Im Gangstarap sind sie hasserfüllt, um die entsprechende Zielgruppe zufriedenzustellen. Die Veranstalter sind natürlich in der Zwickmühle, weil sie das alles abbilden müssen. Der „Echo“ ist ein Preis für Verkaufszahlen. Aber der Ethikrat kommt hier seiner Pflicht nicht nach. Das muss man ganz klar sagen: Der Ethikrat hat versagt. Wofür gibt es den, wenn der offensichtlich nur eine Instanz zum Durchwinken ist?

1982 brachten Sie das Lied „Kristallnacht“ heraus, eine Aufarbeitung mit dem Holocaust. Jetzt haben wir Anfang 30-jährige Musiker, die Auschwitz-Insassen lächerlich machen. Was macht das mit Ihnen?
Das ist pure Provokation. Und leider muss man sagen, dass sie funktioniert hat. Bei jedem Interview, das ich gebe, mache ich deren Promo mit. So langsam will ich dazu auch nichts mehr sagen. Ich fühle mich wie am Nasenring der beiden herumgeführt und habe die Befürchtung, dass ich damit genau deren Plan erfülle.

Wenn es Promo ist, ist es auch ein Geschäft. Die Lieder von Kollegah und Farid Bang werden auch von der Bertelsmann Music Group (BMG) herausgebracht. Die Firma Bertelsmann engagiert sich ansonsten in der Zivilgesellschaft. Was halten Sie davon?
Die Verantwortlichen in den Plattenfirmen müssen sich überlegen, wo sie die Grenze setzen. Ich denke, dass die in der Nacht nach dem „Echo“ nicht gut geschlafen haben. Da ist bei jedem Einzelnen Zivilcourage gefragt. Die Diskussion fängt früher an. Im Radio gibt es Formatbestimmungen, nach denen man sich richten muss, wenn man gespielt werden will. Hauptsächlich spielen da allerdings kommerzielle Erwägungen eine Rolle, mit denen man eingeschränkt wird.  Dieses Genre Gangstarap findet deswegen nicht im Radio, sondern im Internet statt. Je mehr dort provoziert und gedisst wird, desto toller finden die Jugendlichen das. Jugendliche, die die Kristallnacht wahrscheinlich für einen Lampenladen halten.

Campino, Peter Maffay und Sie haben sich gegen den „Echo“-Preis an Farid Bang und Kollegah ausgesprochen. Marius Müller-Westernhagen hat all seine Preise zurückgegeben. Nur von den Jüngeren hört man nichts. Wieso ist das so?
Ich weiß es nicht. Es ist ja auch immer so ein Spagat: Will man wirklich der Trittbrettfahrer dieser Geschichte sein? Warum die jungen Leute dazu nichts sagen, bereitet mir allerdings Sorgen. Menschen, die das Nazi-Regime noch mitbekommen haben, sterben aus. Ihre Erlebnisse dürfen nicht in Vergessenheit geraten, eventuell werden Gefahren dann nicht mehr frühzeitig erkannt. Damit ist mein Urvertrauen in die Demokratie gefährdet. 

Mittlerweile sind die 68er, die gegen das Establishment rebellierten, selbst das Establishment. Erleben wir mit dem Gansgtarap jetzt einfach die Rebellion und Provokation der Jugend gegen diese neue Obrigkeit?
Es wäre vermutlich erhellend, sich mit den Beiden mal unter sechs Augen zu unterhalten, zu schauen, was ohne dieses Gepose kommt. Von dem, was ich da bei der Verleihung gesehen habe, kann ich mir kein Bild über die Jungs machen. 

Gepose gab es auch bei Jimi Hendrix und vielen anderen.
Ja, klar. Aber ich meine natürlich dieses Macho-Gepose. Ironiefreies Gepose von Bon Jovi über Guns n’Roses bis zum Gangsterrap kann ich wirklich nicht ab. Ich frage mich auch, was das für eine Jugendkultur ist, in der man auf peinliche Auftritte steht. 

Nach der Band Frei.wild gibt es jetzt mit Farid Bang und Kollegah erneut eine Debatte um den „Echo“-Preis. Muss die Jury etwas ändern?
Momentan könnte ich mir vorstellen, dass er aus dem Verkehr gezogen wird. Über den Fall der antisemitischen Pöbeleien hat man offenbar nicht genügend nachgedacht. Ich habe schon vor drei Jahren festgestellt, dass mich am Echo überhaupt nichts mehr interessiert. In dem Frei.wild-Jahr 2016 hat allein Helene Fischer 4 „Echos“ gewonnen. Sie hat jedes Mal aufs Neue die gleiche kitschige Dankesrede gehalten. Für mich ist das reine Zeitverschwendung. Ein Versatzstück nach dem anderen und das soll dann Pop-Kultur sein. Es gibt eine Menge Leute, die tolle Sachen machen, dort aber niemals vorkommen werden. Da wird nun einmal außer dem Lebenswerk und dem Kritikerpreis nur der Verkauf belohnt und damit ist alles wenig überraschend. 

Ist es dann aber nicht erschreckend, dass Kollegah und Farid Bang beim Verkauf am erfolgreichsten sind?
Ja! Das ist aber eben das Problem, wenn alles formatisiert ist. Da hat anspruchsvolle Rockmusik keine Chance. Ich interessiere mich aber für Künstler und nicht für Dekorateure. 

Günter Keller | Di, 17. April 2018 - 18:42

In dem Artikel steht eigentlich nichts Substantielles drin. Nur eine Menge Suggestivfragen an einen Mann, der selbst sagt, er kenne sich nicht mit Rap aus.

Es geht um die persönliche Perspektive eines bekannten Künstlers, der erleben musste, wie eine vielbeachtete Ehrung durch Vergabe an falsche Leute ruiniert wurde. Ich stelle mir vor, ich bekäme einen wissenschaftlichen Preis und müsste feststellen, dass mit meinem Werk zusammen scientologische, ufologische oder andere Pseudowissenschaft "geehrt" würde -- ich glaube nicht, dass ich die Beherrschung hätte, erst einmal gute Miene zu machen, um niemandem den Tag zu verderben.

Frank Bauer | Di, 17. April 2018 - 19:58

Kaum noch zu verstehen, daß in Zeiten erstickender PC und einer hysterisch geführten me-too-Hysterie, wo aufgrund von Beschuldigungen bzgl. jahrzehntelang zurückliegender Vorkommnisse schnell mal eine große Karriere beendet wird, daß in solchen Zeiten dieser - pardon - ins Mikrophon gekotzte Schund einen Preis erhält. Ob es mit dem Hintergrund der "Künstler" zu tun hat? Denn, neu ist das nicht, jeder wird sich noch an den "Integrationsbambi" für "Bushido" erinnern. Dessen Texte stehen denen von "Kollegah" in nichts nach, was die Mischung aus Gewaltverherrlichung, Menschenverachtung, Gossenhaftigkeit anbelangt. Immerhin, all diese "Gangsta"(-Rapper) verstehen sich auf die Kunst, aus Dreck Gold zu machen.
Mit Hilfe von Figuren aus dem "Kulturbetrieb", die sich in diesem Niveau anscheinend wiederentdecken.

Dorothee Sehrt-Irrek | Di, 17. April 2018 - 20:07

Guns N´ Roses.
Das ist doch schon die Zeit unglaublich gut gemachter video-clips wie "November rain". Wie oft kommt da Jesus am Kreuz vor?
Gleichzeitig kommen starke Frauen nach vorne wie Madonna, auch mit Jesus.
Da korrespondiert etwas und deshalb fragte ich ja nach Rapperinnen.
Vielleicht verlinkt Cicero mal auf den Gesamttext.
Leicht sollten wir es uns nicht machen, aber für Herrn Niedecken und Herrn Voormann muss es unangenehm gewesen sein.

ingrid Dietz | Di, 17. April 2018 - 20:50

"Kunst"
"Religion"
"Wissenschaft"

Was soll man dazu sagen ?!

Paul Liesner | Di, 17. April 2018 - 21:02

Jetzt nach einigen Tagen "kriechen" sie plötzlich alle aus den "Büschen" hervor und melden sich zu Wort. Dazu bedarf es keinen Mutes mehr, es ist eher das "mit den Wölfen" heulen. Campino war der erste, danach folgte (zurecht) die tagelange Empörung durch die Mainstream Medien.
Der eigentliche Skandal ist doch, wie konnte so eine Band eigentlich zur Preisverleihung zugelassen werden?
Außerdem zeigt mir dieser Song doch auch, dass der Islamismus von einem starken Antisemitismus geprägt ist. Genau dieses Thema wird allerdings von der Politik und den Kirchen ganz bewusst verschwiegen. Dabei müsste es auf der Agenda ganz oben in der politischen Debatte stehen und in den öffentlichen Talkshows diskutiert werden, bevor es endgültig zu spät ist.

Ich denke, es ist nie zu spät, Haltung zu beziehn.
Leider tun das viel zu wenig unserer Künstlerlnnen. Habe zum Beispiel überhaupt noch nichts von Gruppe Mia oder Kraftclubs gehört, die ja damals politkorrekt erzwangen, daß Freiwild keinen Echo bekam. Deswegen bin ich noch begieriger zu wissen, wie sie zum aktuellen Skandal zu twittern hätten.

was erwarten Sie denn von kirchlichen "Würdenträgern", die bei einem Besuch in der islamischen Welt nicht eiligeres zu tun hatten, als die Insignien des christlichen Glaubens abzulegen?

Robert Müller | Di, 17. April 2018 - 21:09

Dass in Deutschland gerne per Gremien Musik ausgezeichnet wird, ist ja leider bekannt. Beim ESC schafft man damit zuletzt meist nur einen der hinteren Plätze. Nur als Stefan Raab den machte, war es anders, weil der selber ein guter Künstler ist. Auch beim Fernsehen sind es derartige Gremien, die das letzte Wort haben und so ist das Öffentlich-Rechtliche Fernsehen zur Krimi-Abspielstation verkommen. Kann mich gar nicht mehr erinnern, wann ich das letzte mal bei denen angeschaltet habe. Wenn ich nicht zahlen müsste, wäre es mir ja egal was die machen. Der Echo ist mir übrigens auch egal, geht vielen Künstlern wohl ähnlich. Gibt es eigentlich auch Geld für einen Echo? Kann mir nicht vorstellen warum die sonst da hin gehen.

Dagmar Kluth | Di, 17. April 2018 - 21:50

Wenn sich die Verleihung des ECHOS am wirtschaftlichen Erfolg der Geehrten orientiert, irritiert mich am meisten, dass der Preis einer Gruppe gebührt, die mit solch verstörenden Texten Erfolg haben kann! Die Konsumenten dieses Musik-Genres sollten in den Focus genommen werden, wenn der Politik der Schutz und die Sicherheit von Minderheiten ein Anliegen ist.

Gisela Müller | Di, 17. April 2018 - 23:06

Wieso gab es den Protest nicht schon bei den „bekannten“ Nominierungen? Warum haben unsere „moralisch überlegenen Künstler“ dieses Landes nicht schon im Vorfeld „rebelliert“? Nicht so wichtig, oder? Aber nu, wo die „künstlerischen“ Antisemiten einen Preis gewonnen haben,erregt es die „künstlerische“ Elite. WAS genau wäre eigentlich passiert, wenn die Texte „antimuslimisch“ gewesen wären? Die ganze „Nation“ hätte sich empört! Und jetzt geben „führende“ Künstler ihre Echos zurück! Warum nicht vorher? Das ist Heuchelei größter Sorte! Ich verachte all diese „links-grünen“ Irrealisten, die nicht mehr wissen, was sie eigentlich tun! Die keine Realität, keine Verantwortung, keine Wirklichkeit mehr interessiert. Die nur noch ihrem „gender-, multi-kulti und niemand-ist-illegal-Wahn“ frönen! Egal, was das für unser Land bedeutet. Grüne/Linke/SPD/CDU 7n

Gregor P. Pawlak | Di, 17. April 2018 - 23:51

Werten wir im Endeffekt nicht alle miteinander den Scheiß unnötig auf?

Martin Lederer | Mi, 18. April 2018 - 01:31

In der Show-Branche ist - wie der Name schon sagt - alles Show.
Wie jetzt von Tag zu Tag immer mehr Leute in sich schauen und "erkennen wie empört" sie sind, ist schon lustig.
Die Show-Branche sollte wieder zur ihrer ursprünglichen Bedeutung als Jahrmarktsclowns und -unterhaltung zurückkehren. Da gehört sie hin.

Kostas Aslanidis | Mi, 18. April 2018 - 05:57

sind bestens im System integriert. Sie diffamieren dauernd Menschen die nicht Ihre politische Meinung teilen. Z.b wenn sie nicht zu der illegalen Migranteninvasion klatschen oder Merkel huldigen. Reiche Leute die in ihren Villen sitzen, Phrasendrehen. Pure Heuchelei

... So hieß es auf Platt noch unlängst in Köln, und kürzlich erst zum AfD Parteitag in derselben Stadt : ' kein Kölsch für Nazis ' .
Also geht doch, wenn die Zielgruppe stimmt!

Brigitte Tielert | Mi, 18. April 2018 - 10:55

Der infame Schrottvergleich mit dem Holocaust hat den Eklat ausgelöst. Was aber ist mit dem transportierten Frauenbild? Im Land der Flatrate-Bordelle akzeptiert? Oder eher eine schleichende Akzeptanz des islami(sti)schen Frauenbilds – Frauen sind (moralsiche) Mangelwesen und jede, die kein Kopftuch trägt, eine Hure, die es nicht anders verdient? Woher kommt die Popularität bei den Jugendlichen? Durch den überkandidelten modernen Schwurbelfeminismus? Und warum hört man von den Jüngeren nichts zur Holocaust-Frevelei? Vielleicht durch den unverhältnismäßigen und unverantwortlichen Gebrauch der Nazi-Keule, mit der auf alles, was ideologisch unangenehm ist, eingedroschen wird? M.E. ist die massenhafte Rezeption solcher „Kunst“-Ausgeburten à la Kollegah et al. durch Jugendliche eine Frucht solcher Fehlentwicklungen. Sie ist reif und stinkt zum Himmel. Und der Bertelsmannkonzern gehört auch schon längst unter die Lupe genommen. „Urvertrauen in die Demokratie“? Fragen Sie mal die Nichtwähler.

Dr. Rainer Willeke | Mi, 18. April 2018 - 11:36

Die ganze Geschichte hat urkomische Züge. Einschließlich des Verhaltens und der Äußerungen der "korrekten" Künstlerschaft. Die - auch Niedecken - waren ja nie zimpelich, wenn es um die Herabwürdigung politisch Andersdenkender ging. Selbst Dankesworte einer offenbar beneidenswert erfolgreichen Kollegin darf man locker als kitschig diffamieren. Die Gesamtaufführung ist schon ziemlich lachhaft und ich frage mich, warum ich trotzdem nicht lachen kann. Es gibt bei uns nicht mehr viel Luft nach unten.

dass Willemsen sie wohl mochte und dieser eine erst bei "Deutschland sucht den Superstar" oder einer ähnlichen Sendung.
Macht Euch nichts vor Leute, diese Kollegin verdreht allen den Kopf. die einen wollen sie, die anderen so sein wie sie.
Ihr Aussehen und Performance akzeptiere ich, ihre Musik wäre ausbaufähig zu komplexeren Texten und Musik.

... nachdem er bei der "Generalprobe" nicht dabeigewesen sein will stellt er fest, dass andere Ihren "ECHO" jetzt zurückgeben.

Soweit geht er selbst aber nicht - er spiegelt nur die Suggestiv-Fragen zurück.

Die Schockstarre des Publikums hat er aber bemerkt. Sagt er. Er war je gleich anschließend mit seiner "Laudatio" dran.

Wolfgang Tröbner | Mi, 18. April 2018 - 11:59

ach so progressiven Künstler und Gutmenschen auch aus ihren Löchern gekrochen. Man hat das ja alles nicht gewusst und keiner hat einem gesagt, was die beiden Gangsta-Rapper so an antisemitischem Zeug von sich geben. Weil sie keine "Rechten" waren? War Niedecken nicht mal an dem Projekt "Arsch hoch, Zähne auseinander“ gegen rechte Gewalt beteiligt, für das er mit dem Internationalen Beethovenpreis für Menschenrechte ausgezeichnet wurde? Und nun will er von nichts etwas gewusst haben. Reicht das Wort "heuchlerisch" aus, um diesen Mann zu charakterisieren?

Gerd Steimer | Mi, 18. April 2018 - 13:05

.... Und der Hass, der steigt. Und unsere Wut, sie treibt.“
Man sollte bei allem -völlig berechtigten- Ärger über diese "Künstler" nicht auch die linksradikalen Bands, wie "Feine Sahne Fischfilet" (von denen obige Zeile und "Deutschland verrecke, das wäre wunderbar! / Heute wird geteilt, was das Zeug hält / Deutschland ist scheiße, Deutschland ist Dreck!“ stammt) Fard & Snaga und Co "ignorieren. Immerhin waren diese nominiert, was schon ebenfalls ein Skandal ist.
Gewaltverherrlichung, Gewaltaufrufe, Rassismus gleich welcher Art, sind niemals preiswürdig. Die Echomacher und Juroren sind dermaßen völlig daneben, sie sollten rausgeworfen werden.

Kein Hass für niemand!

Markus Look | Mi, 18. April 2018 - 13:21

Ich habe mich früher zu "Arsch Huh .."-Zeiten der 80/90er immer schon gefragt: Hm toll, ja, ist prinzipiell OK gegen Neonazis Musik zu machen. Aber alle die Künstler da bei Arsch Huh mit machen haben null Risiko i. Sinne ihres gesellschaftlichen Status und auch dem Verkauf ihrer Platten. Im Gegenteil. Einer wie z. B. Andreas Gabalier, der sich dann mal irgendwie positiv zur angestammten Kultur positioniert, der muss m. E. Mut und Rückrad haben. Der geht wirklich ins Risiko.
Es ist das gute Recht von Westernhagen und Co ihre Preise zurück zu geben, wieviel davon aber auch Virtue Signalling ist, wieviel echte Überzeugung...? Ich weiss es nicht. Aber auch Virtue Signalling ist menschlich. Wir wollen alle gemocht werden.

Donate Schäfer | Mi, 18. April 2018 - 13:54

Hat Niedecken nicht auch die Leute, die schon lange vor solch einer Entwicklung warnen, in die rechte Ecke gestellt? Und dass er so ahnungslos zur Verleihung ging, zeigt nur, dass er nicht den Hauch einer Ahnung hat, was tatsächlich zur Zeit in Deutschland abgeht. Konstantin Wecker, Santiano, Roland Kaiser und auch Niedecken, um nur einige zu nennen, von denen mir bekannt ist, dass sie sich bereits öffentlich zu den dunkeldeutschen
Bösmenschen geäußert haben, leben in ihrer schönen, heilen und vor allen Dingen sehr bunten Künstlerwelt. Es gibt nur noch wenige Künstler, die Respekt verdienen - dazu zählen z.B. Frei.Wild.

Tobi Werlander | Mi, 18. April 2018 - 14:07

Wachstum auf beiden Seiten (Künstler und Konsumentenanzahl, "Win-Win").
Stärke (Macht) durch Gewalt ist das Thema. Die meisten Konsumenten sind jung und "stärken" sich, indem sie Frauen und Juden abwerten, mit realen Folgen, worin andere Länder bereits extremer sind.
Deshalb können sich die Linken nicht mehr verstecken hinter dem Argument der künstlerischen Freiheit.

Aber die Naiven eiern immer noch rum, so wie die für mich allerletzte Journalisten-Talkshow Thadeusz des RBB, die aufgrund ihres Charakters (oft hilflose Tunnel-Moralisten) auch gebildete Zuschauer überraschen (vielleicht unterhalten) kann; auch wenn sie aufgrund des Fehler-Overkills schnell ermüdet.

Rudi Hoffmann | Mi, 18. April 2018 - 14:09

Was ist daran mutig , einem Geistesverwandten zu sagen , dass er nicht gutes abgeliefert hat . Zunächst wußte kaum einer zu reagieren und man traut sich erst nach einer Woche zu etwas Kritik , weil man weiß wohin der Wind weht . Sehr mutig Kameraden !

Tobi Werlander | Mi, 18. April 2018 - 14:19

Wachstum auf beiden Seiten (Künstler und Konsumentenanzahl, "Win-Win").
Stärke (Macht) durch Gewalt ist das Thema. Die meisten Konsumenten sind jung und "stärken" sich, indem sie Frauen und Juden abwerten, mit realen Folgen, worin andere Länder bereits extremer sind.
Deshalb können sich die Linken nicht mehr verstecken hinter dem Argument der künstlerischen Freiheit.

Aber die Naiven eiern immer noch rum, so wie die für mich allerletzte Journalisten-Talkshow Thadeusz des RBB, die aufgrund ihres Charakters (oft hilflose Tunnel-Moralisten) auch gebildete Zuschauer überraschen (vielleicht unterhalten) kann; auch wenn ihr Fehler-Overkill nicht selten ermüdet.

Susanne antalic | Mi, 18. April 2018 - 16:11

So fängt das an, erst wird menschenverachtende Musik salonfähig und mit Preissen überhäuft und dan wundert man sich, was in den schulen und auf den Strassen vor sich geht. Die "Gutmenschen" freuen sich, was für ein offenes und buntes Deutschland sie geschaffen haben. Man sieht gleich Heute, in Berlin, wie es weiter gehen wird. Es vergeht kein Tag mehr ohne Vergewaltigungen, Messerstechereien, Morden und Übergriffe an Juden und das alles wird nur noch relativiert und wie man an diesem Echo sehen kann, sogar honoriert.

Arnold Bäring | Mi, 18. April 2018 - 16:47

Da müssen als Niedecken und Campino das verteidigen, was gestern noch bürgerlicher Anstand gebot. Die bürgerliche Presse hat weitgehend ihre Ansprüche auf Anstand und Moral aufgegeben und ergibt sich dem schnöden Mamon. Dass das Land damit langsam aber sicher vor die Hunde geht interessiert diese Kreise schon lange nicht mehr. Jeder Abonnent/Konsument von solchen Medienhäusern sollte sich fragen ob er mit seinen Gebühren/Geld diese moralisch dekatenten Kreise mit ihren Medienimperien weiter unterstützen möchte.

Peter Silie | Mi, 18. April 2018 - 18:37

. . . Niedecken ist der größte Heuchler vor dem Herrn. Macht Benefiz für jeden Mist, aber nur, wenn es mainstream ist. Ich warte heute noch auf "arsch huh, zäng ussenander" nach der Kölner Domplatten Aktion. Schön mal ein paar Tage abwarten und dann aus der Deckung kommen. Campino liest ein vorbereitetes Statement ab. Ganz in Ruhe, ohne jede Emotion. Da wünsche ich mir mal den Trappatoni: was erlauben Kollegah? Die Herrschaften sind Teil des Kommerz und nachher bei Häppchen und Sektchen haben sich eh alle wieder lieb.

Werner Baumschlager | Mi, 18. April 2018 - 19:21

Gib einfach deine ECHOs zurück.

Andreas Fischer | Mi, 18. April 2018 - 21:24

Endlich machen. Zum großen Videoportal. Klick & Go. Eine Stunde investieren, Kollegah Tracks hören. Keiner hier hat das gemacht, nicht wahr?

Alle plappern die Zeilen und Worte nach um sich zu echauffieren. Plappern andere Kommentare nach, plappern Promis nach. Eine ziemlich schwache Diskussionsgrundlage ist das. Worüber wollt ihr euch auseinandersetzen, wenn ihr keine Tracks hört?

Ein herauspicken textlicher Versatzstücke zur Erhaschung von Aufmerksamkeit und gesellschaftlicher Bestätigung über eingeübte Reflexe bei Signalworten & -themen ist schon sehr bequem. Es sollte klar sein, dass so jede Moralische Zeigefinger Aktion zum Scheitern verurteilt ist.

Tom Krüger | Mi, 18. April 2018 - 21:46

Ich kenne in meinem recht grossen Freundeskreis eigentlich niemand der diese ECHO Verleihung jemals intressiert hat und das ist gut so, auch gerade weil sich die Branche nur selber feiert, Eine Preisverleihung jagt doch schon die nächste. Lächerlich das ganze Getöse,

August Klose | Mi, 18. April 2018 - 22:33

"Ich wurde auf dem roten Teppich ständig nach Farid Bang und Kollegah gefragt und wusste überhaupt nicht, worum es da geht. "
Das ist das Problem: Unsere Künstler leben in ihrer preisgeldgesicherten Blase und wissen nicht, worum es geht. ABer wenn es angebracht ist, den Plebs pädagogisieren.
Ich habe euch satt!!!

Marcel Schulze | Mi, 18. April 2018 - 23:26

als du Guns'nRoses kritisiertest, da mußt ich kurz schmunzeln, das hat was von die Kreisklasse kritisiert die Major League, aber egal, man kann sich selbst ja nicht hoch genug schätzen. Und waren es nicht deine Kollegen und du welche genau wie zum Zuzug ähnlicher Kreise aus kulturell ähnlichen Ländern stand?! Achso, und in deinem Alter muß dir alles mundgerecht gereicht werden, nee, mein Bester, das ist dann doch zu billig sich nicht selbst zu informieren, wie immer hinwandern und dann von nicht's gewußt haben. Du redest wie ein alter Mann, das Leben ist vorbei, Strömungen wie GangstaRap sind nicht's für dich und Schlager, da bist du zu fetzig für. Nein, es gibt überall Perlen, auch in deinem Metier, du hast sie nur nie gefunden.

Ich wünsche eine geruhsamen Lebensabend(und nein, einmal an Springsteen vorbeigerannt zu sein zählt nicht)!

Robert Müller | Do, 19. April 2018 - 06:44

Ich denke, eine wirtschaftliche Betrachtung wäre eigentlich angemessen. Wenn ich mir anschaue wer den Echo zurück gibt und wer nicht, scheint mir das den wirtschaftlichen Interessen der Künstler zu entsprechen. Internationale Klassikkünstler und regionale Schwergewichte sind auf die nationalen Vertriebsunternehmen in Sachen Musik nicht angewiesen und sind deshalb frei ihr Gewissen zu entdecken oder auch nicht. Wer diese Vetriebsmacht hingegen braucht, wird der Musikindustrie keine "Ohrfeige" geben. Ich denke, dass auch der Preis an die zwei Gangsterrapper sich aus Marktüberlegungen speist. Die beiden repräsentieren einen stark wachsenden Markt, den man sich gerne sichern möchte. Dort liegt die finanzielle Zukunft und nicht bei engagierten links-alternativen Künstlern. Ich könnte mir vorstellen, dass der Echo aufgespalten wird in Preise für die zwei unterschiedlichen Zielgruppen. Ich meine, welcher Fan der beiden "Künstler" wird sich die Preisverleihung im Sender Vox angesehen haben.

Katha Haller | Do, 19. April 2018 - 20:37

Ja, hinterher, wenn man weiß, wo der Hase lang läuft, dann positioniert man sich. Sehr mutig. Chapeau.

Klaus Wolf | Fr, 20. April 2018 - 06:55

Kollegah (zusammen mit Farid Bang) sind nun wirklich bekannt für provokative Texte, nicht erst seit gestern. Da leidet auch manchmal der gute Geschmack. Das ist aber genre-typisch. Wer meint, dass das keine gute Idee ist, sollte entweder keinen Preis an Rapper vergeben, oder ein eigenes Genre definieren, Weichspül-Rap, mainstreamtauglich auch für postsenile Altpopstars.