SPD in der Krise - Das Paradoxon der Partei

Noch nie war der Einfluss der SPD auf eine Groko so groß. Doch statt die Schwäche der Union zu nutzen, um sich als Partei der kleinen Leute zu profilieren, streitet sie sich über die Frage, ob sie aus der Koalition austreten sollte

Kevin Kühnert
Bleiben oder nicht bleiben? Kevin Kühnert will eindeutig nicht bleiben / picture alliance

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Dieter Rulff ist freier Autor in Berlin.

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Wann immer die Sozialdemokratie in den vergangenen Jahren versuchte, sich einen Reim auf ihre zahlreichen Niederlagen zu machen, wann immer sie ihr Leiden auf einen Begriff bringen wollte, lautete dieser: „Große Koalition“. Und spätestens seit Kevin Kühnert es zum ceterum censio einer jeden verlorenen Wahl erhoben hat, dass der politisch natürliche Ort der SPD die Opposition sei, erschien diese Diagnose so offensichtlich, dass sie keiner weiteren Begründungen bedurfte. Wer intern anderer Meinung ist, befindet sich im Rechtfertigungszwang.

„Wie hältst Du es mit der Groko?“, auf diese Frage setzte gut eine Stunde nach Eröffnung der Ausscheidungskämpfe um den SPD-Parteivorsitz in Saarbrücken Karl Lauterbach die erste Duftmarke: „Ich glaube nicht, dass wir uns in einer Großen Koalition erholen können,“ sagte der gelernte Mediziner. Er erntete dafür ebenso den erwartbaren Applaus, wie kurz danach Olaf Scholz – gleichfalls absehbar – sich vorhalten lassen musste, seit Jahren tragender Bestandteil des sozialdemokratischen Krankheitsbildes zu sein, mithin kontraindiziert für jegliche Variante von Therapie, die man der Partei angedeihen lassen könnte. Und irgendwo zwischen Lauterbach und Scholz werden sich wohl auch die übrigen Kandidaten im Laufe der kommenden Tage und Wochen einsortieren – und damit der Partei ein griffiges Kriterium für die Wahl ihrer Führung an die Hand geben. „Wie hältst Du es mit der Groko?“, die Antwort darauf markiert die Scheidelinie zwischen fremdbestimmter und authentischer Sozialdemokratie, zwischen dem Elend der Schröder-Merkel-Jahre und einer Zukunft, in der die Sonne wieder ohne Unterlass auf die Sozialdemokratie scheinen wird.

Sozialdemokratische Identitätskrise

Vertieft wird diese Linie von der seit Kiesingers und Brandts Zeiten in Stein gemeißelten Weisheit, dass Große Koalitionen demokratieabträglich seien, mithin eine Ausnahme im parlamentarischen Betrieb zu bleiben haben – ein Befund, der zum festen Repertoire jeglicher journalistischer Betrachtungen des Themas gehört.

An diesem Befund war schon immer bedenkenswert, dass er, obgleich er die Große Koalition zum Gegenstand hat, eigentlich immer nur die Sozialdemokratie im Fokus stand. Sie litt und leidet bisweilen geradezu physisch unter der Kooperation mit der Union und beklagt wortreich die damit einhergehenden Mangelerscheinungen der parlamentarischen Demokratie. Während die Christdemokraten zwar routinemäßig über die „Sozen“ stöhnen, mit denen sie den Kabinettstisch teilen, aber sich selten in ihrer Identität oder gar Existenz gleichermaßen betroffen fühlen. Wo die Sozialdemokraten nach Wahlen auf offener Bühne hyperventilieren, gilt das erste Bemühen der Union meist dem Bild innerer Gelassen- und Geschlossenheit.

Personelle Prägung

Diese Unausgewogenheit im Leiden der beiden Partner an der Großen Koalition hängt nur bedingt von deren gemeinsamer Performance ab. Die erste von 1966 bis 1969 ging nicht nur wegen ihrer, von der SPD vorangetriebenen, ambitionierten Reformagenda in die Geschichte ein. Als Versöhnung von Kapital und Arbeit war sie zudem die prägende politische Konstellation des bundesrepublikanischen Wohlfahrtsmodells und wurde als solche seitdem von der Wählerschaft gegenüber allen anderen Koalitionsvarianten meist favorisiert. Wegen ihres gesellschaftlich übergreifenden Charakters wird auch lediglich die Koalition von SPD und Union eine Große genannt. Die derzeit regierende Große Koalition ist – mit einer Legislaturperiode Unterbrechung – die dritte nacheinander. Das wäre zumindest demokratietheoretisch ein bedenkliches Signal – doch das Argument sticht nicht mehr so recht. Denn zum einen ist die Große Koalition mittlerweile in einem Sechs-Fraktionen-Parlament keine große mehr, zum anderen ist sie produktiver als die vorangegangenen von 2005 bis 2009 und von 2013 bis 2017. Von einer Lähmung, wie sie Kennzeichen Großer Koalitionen ist, kann keine Rede sein.

Vor allem ist sie sozialdemokratisch geprägt. Diese Prägung war zunächst personell und nicht parteilich, sie wurde durch einen Linksschwenk in Merkels Regierungspolitik verursacht. Dieser führte nicht, was durchaus zu erwarten gewesen wäre, zu einer höheren Akzeptanz der Zusammenarbeit auf Seiten der Sozialdemokratie, sondern zu einer erkennbaren Verunsicherung über den eigenen Kurs, mit dem auf diese inhaltliche Annäherung geantwortet werden soll. Diese Verunsicherung wurde in dem Maße größer, wie die Umfragewerte kleiner wurden. Dieser Trend wurde auch nicht dadurch gebremst, dass zuletzt durch einer Reihe von Gesetzesvorhaben von Familienministerin Franziska Giffey und Arbeitsminister Hubertus Heil eine sozialdemokratische Handschrift die Regierungspolitik prägte. Selten war eine Große Koalition sozialdemokratischer und selten lag die SPD so über Kreuz mit ihr. Das ist das Paradoxon der Partei. Die wird umso offensichtlicher, als die Union zugleich eine lange nicht mehr gekannte Schwäche zeigt, die sich durch den anstehenden Führungswechsel noch vertiefen wird. Statt diese zu nutzen und die koalitionäre Meinungsführerschaft für sich zu reklamieren, gönnt sich die SPD eine monatelange Auszeit zur Selbstfindung. Die brennende Frage der Partei ist nicht mehr, wie regiert wird, sondern ob, und von der Wahl des Spitzenduos erhofft man sich einen ersten klaren Hinweis auf die Antwort.

Abschottung gegen die Welt der Wähler

Was könnte die SPD gewinnen, sollte sie Kühnerts Kur in der Opposition antreten? Die Groko endlich hinter sich lassen? Geschenkt, denn die ist sowieso Geschichte für eine Partei, die sich an der Fünfzehn-Prozent-Marke entlanghangelt. Es gehört eher zu den Kuriositäten der aktuellen innerparteilichen Debatten, dass nicht Wenige in einem Zweierbündnis mit der Union noch eine gleichermaßen realistische wie bedrohliche Option erkennen. Gerade so, als hätte Willy Brandt erst gestern geunkt, dass 37 Prozent doch auch ein schönes Ergebnis seien. Die SPD ist keine Volkspartei mehr, sie hat nur noch die sklerotisch gewordene Binnenstruktur einer Volkspartei. Diese war, als sie noch pulsierte, angelegt, die Interessen der verschiedenen sozialen Gruppe und Strömungen im innerparteilichen Willensbildungsprozess zu integrieren und daraus den Willen der „Volks“-Partei zu filtern. Doch die dafür erforderliche Debatten- und Führungskultur ist erschlafft. Die sozialen Ressourcen, aus denen die SPD sich einst speiste, vornehmlich die Arbeiterschaft, sind ausgetrocknet. Mittlerweile stellt der Öffentliche Dienst die stärksten Bataillone.

Die Kontroversen werden dominiert von einer Schicht mittlerer Parteikader, bei denen sich häufig eine Abschottung gegenüber der Alltagswelt der Wählerschaft mit einem programmatischen Rigorismus paart, der ihnen dazu dient ihr innerparteiliches Einflussfeld abzustecken. Der flügel- und gruppenbezogenen Debattenkultur im Inneren entspricht eine leblose Formel- und Floskelsprache nach außen. Nichts hat die intellektuelle Misere der SPD in den letzten Jahren deutlicher gemacht als die innerparteiliche Aufbereitung der Hartz-Reformen. Deren Bewältigung hat die Partei anderthalb Jahrzehnte zerrissen, ohne dass die Führung in der Lage gewesen wäre, aus den divergierenden Positionen eine für alle verbindliche Haltung zu filtern. Kam von Müntefering oder Gabriel am Sonntag ein Lob, folgte prompt am Montag per Twitter Stegners Widerworte. Ähnliche unbearbeitete Divergenzen ließen sich für die politisch zentralen Felder der vergangenen Jahre in der Flüchtlings-  und die Europapolitik, beim Ausgleich zwischen Ökologie- und Industriepolitik oder bei der schwarzen Null feststellen. Nicht dass es dazu keine Meinungen in der Partei gäbe, es mangelt aber am Willen und an der Fähigkeit, daraus ein kohärentes sozialdemokratisches Angebot zu filtern, das zusammen mit einem ansprechenden Personaltableau die Grundlage eines von allen getragenen Regierungshandeln wäre.

Kein intaktes strategisches Zentrum mehr

Wie besonders in den Wahlkämpfen von Steinbrück und Schultz deutlich wurde, verfügt die Partei schon seit Langem über kein intaktes strategisches Zentrum mehr und es ist zweifelhaft, dass die angestrebte Führungsstruktur einer Doppelspitze dienlich sein könnte, ein solches wieder zu schaffen. Auch bei den Grünen, von denen die SPD dieses Modell augenscheinlich übernommen hat, führte diese Art von austariertem Führungsproporz jahrelang zu Blockaden und Nicht-Kommunikation an der Spitze.

Diese Misere der SPD ist nicht der Großen Koalition geschuldet, von daher würde mit deren vorzeitigen Beendigung keine Abhilfe geschaffen. Zu befürchten ist eher, dass mit einem Rückzug in die Opposition sich der Hang zur innerparteilichen Frontstellungen statt zur gesellschaftlichen Auseinandersetzung verstärken wird. Das Verlangen nach einer authentischen, einer linken Sozialdemokratie ist jedenfalls mit Händen zu greifen, und die Stimmen werden lauter, die in einem rot-rot-grünen Bündnis eine willkommene Alternative sehen.

Keine größeren Chancen als Groko

Nun dürfte ein Blick auf die durchwachsene Bilanz und die schlechte Kooperation eines solchen Bündnisses im Land Berlin eher ernüchternd wirken. Zudem zeichnen sich bei einer rot-rot-grünen Koalition im Bund eine ganze Reihe von Differenzen und Konfliktfeldern ab, etwa in der Außen- und Verteidigungspolitik, die es fraglich erscheinen lassen, ob die Aussicht darauf und ein entsprechender Lagerwahlkampf genügend Wählerinnen und Wähler mobilisieren würde. Entscheidender ist jedoch für die SPD, dass sie mit dem Problem der Eigenprofilierung, dem sie mit dem Verlassen der Großen Koalition entkommen will, auf andere Weise, aber ebenso heftig konfrontiert sein wird.

Ihre Schwierigkeiten, neben Grünen, die im ökologischen Aufwind segeln, und einer Linken, die mit dem Aplomb auftritt, die eigentliche sozialdemokratische Kraft im Lande zu sein, ein eigenes Profil zu zeigen, lassen sich gerade in Berlin studieren. Und sie dürften auf den Feldern der Bundespolitik kaum geringer sein. Viele linke Sozialdemokraten werden sich in einem solchen Bündnis heimischer fühlen, doch bietet es keine größeren Chancen auf Wahlerfolge als die geschmähte Große Koalition. Gut möglich, dass die Gretchenfrage der SPD demnächst lautet: Wie hältst Du es mit der Linken oder den Grünen?

Dieter Hegger | Do, 26. September 2019 - 09:07

......ist für die SPD eher schädlich, als Wähler sehe ich die SPD als Unterstützerin von Frau Merkel und ihrer Politik. Da liegt Herr Karl Lauterbach richtig- auch neuerdings ohne Fliege. Cool, fast wie Habeck ;-)

Die SPD MUß in der sog. Groko bleiben.Sie muß den Steigbügel halten für eine Kanzlerin,welche sich nun doch Gedanken machen sollte,sich nach einem allgemeinen strengen AFD-Verbot zur "Unverzichtbaren"ausrufen zu lassen.Aufstockung des Parlamentes mit Ja-Frauen und Ja-Männern(natürlich strengstens paritätisch)und feierliche Proklamation auf Lebenszeit.Wie im befreundeten China.Wie im Märchen.Oder wie in der Hölle.Je nach dem.Die politisch höchst unbegabten Deutschen alter Prägung,werden sich auch diese letzten großen Unfug bieten lassen.Dann aber,ist Schluß mit diesem Politquatsch.Danach folgt dem "Licht,das selbst der Sonne trotzt", niemand mehr.Danach folgt "Kinderland ist abgebrannt".

Ernst-Günther Konrad | Do, 26. September 2019 - 09:18

auch wenn Sie das liebe Frau Sehrt-Irrek nicht gerne hören und als "alte" eingefleischte SPDlerin naturgemäß anders sehen werden. Die SPD ist fertig. Was in diesem Artikel steht, haben wir schon alle irgendwie hier im Forum so oder so ähnlich festgestellt, beschrieben und kommentiert.
Mir ist diese SPD egal. Meine Trauerarbeit, ob des Todes der früheren SPD ist abgeschlossen.
Sie ist nicht allein. Die CDU gräbt auch schon ihr eigenes Grab. Wir haben alle eine Endzeit vor uns. Also auch Parteien müssen diesen Weg gehen.
Ich schrieb schon einmal. Es werden Sargträger gesucht und jemand, der im Willy-Brand-Haus das Licht ausmacht. Nicht mal mehr die letzte Ehre sind sie in der Lage dieser SPD zu erweisen. Mit noch über 400 000 Mitgliedern, die sie angeblich noch haben sollen, gibt es eine große Trauergemeinde, die einen würdevollen Rahmen stecken könnte.
Wer organisiert die Feier? Sehe keinen.

Der AfD-Fraktionsvorsitzende Alexander Gauland hat es auf seinen Wahlkampf-veranstaltungen abgelehnt, sich über die SPD zu äußern. Begründung: 'Über Tote - soll man nur Gutes sagen!'.

helmut armbruster | Do, 26. September 2019 - 09:41

Die SPD sucht verzweifelt nach Themen, die beim Wähler ankommen und läuft damit dem Wähler hinterher. Damit erweckt sie außerdem den Eindruck, dass sie selbst nicht weiß, was sie eigentlich will.
So macht man sich nicht attraktiv.
Andere können das viel besser, z.B. Umwelt-Greta. Sie zeigt allen wie man es richtig macht.
Man besetze ein Thema, von dem man selbst mehr als 100% überzeugt ist, propagiere Thesen zu diesem Thema auf absolut kompromisslose und kämpferische Art und man wird Aufmerksamkeit und Anhänger finden.
Dabei ist es weniger der thematische Inhalt als der fanatische Glaube an die eigene Sache, welcher die Anhänger mobilisiert.
Themen gibt es genug. Die SPD müsste sie nur auswählen und sie dann mit missionarischem Geist verkünden.
Doch dazu ist die SPD nicht fähig. Ihr Führungspersonal besteht aus trockenen oder kindischen Politikfunktionären, die ihr eigenes Interesse im Auge haben und sonst nichts.

jedenfalls bei denen, die ihn früher in hohem Maße hatten :
Kirchen und Volksparteien.
Beide rennen nur noch dem vermeintlichen Zeitgeist und jeder unmaßgeblichen UNO-Resolution hinterher und stehlen sich damit gegenseitig die Schau.

Warum? Weil sie selber von n i c h t s mehr überzeugt sind.
Wer nicht selbst für eine Sache brennt, kann auch niemanden dafür entflammen.
Weder christlicher Glaube noch Freiheit und Selbstbestimmung (Demokratie) werden in Deutschland vehement verteidigt und gepredigt, weil sie w e r t v o l l sind.
Zwar r e d e n Bischöfe und Politiker unentwegt davon, aber sie handeln nicht
entsprechend.
Inzwischen gehören sie alle - bis auf wenige Ausnahmen - in ein- und dieselbe Schublade, auf der steht: "Billiger Tand - zu nix nütze - kann weg!"

von dem sie 100 %-ig überzeugt ist: Mehr Geld für den Staat, mehr Geld für Brüssel, mehr Geld für Migranten. Holen will sie sich dieses Geld durch irgendwelche Steuererhöhungen, egal, wie diese heißen mögen – Hauptsache es wird Geld eingenommen. Für die Krankenkassen ist man ganz bestimmt auch schon erfinderisch, denn auch die werden – wie der Staat, der doch eigentlich wir sind – bald mehr Geld brauchen. Einfach unersättlich, daher nicht wählbar!

Du glaubst doch nicht im Ernst, dass Greta das Mastermind von Greta ist.

gabriele bondzio | Do, 26. September 2019 - 09:57

ohne Unterlass auf die Sozialdemokratie scheinen wird.“...Ich bin der Meinung, dass die SPD sich überflüssig gemacht hat. Erstens ist ihr Klientel am Aussterben, zweitens gab es in Vergangenheit und auch jetzt noch zu viele, unverzeihbare Fehler. Die SPD enttäuscht konsequent, auch langjährige Mitglieder, die ihr den Rücken kehren. Siehe Aussage Anhuth, der nach 15 Jahren die SPD verlässt und dessen Worte auch meine Meinung ausgezeichnet treffen:
„Die SPD gibt sich die größte Mühe die ,Sowohl-als-auch-Partei’ zu sein und ist dabei leider zur ,Weder-noch-Partei’ geworden. Sie ist beliebig geworden, ohne erkennbare Haltung, klare Linie und schon gar nicht mit einer klaren Alternative zu den anderen Parteien – vor allem zur Union.“
Insofern ist ihr Artikel, Herr Rulff, für mich realistisch nachvollziehbar.

Hanfried Maier | Do, 26. September 2019 - 10:29

Noch nie hat eine Partei mit einer solchen Brutalität gegen die kleinen Leute regiert.

Die Wähler haben es inzwischen durchschaut, in Sachsen ist die SPD einstellig. Die SPD bekämpft aktiv die Deutschen, zu forderst die "kleinen Leute".

Gisela Fimiani | Do, 26. September 2019 - 12:20

Wir erleben ein Paradebeispiel dafür, dass es in Wirklichkeit das Wahlrecht ist, welches uns immer wieder parteipolitische Theateraufführungen präsentiert, die weit davon entfernt sind, sich um die wichtigen Aufgaben im Lande zu kümmern. Wir haben keine Demokratie der Volksherrschaft, wir haben eine Parteiendemokratie. Wir brauchen nicht mehr als zwei konkurrierende, voll verantwortliche Parteien, deren Arbeit der wählende Bürger mit seiner Stimme beurteilt. Jede Koalition erlaubt es den Parteien, ihre Verantwortung abzuschieben, zu relativieren(wir sehen es). Der Proporz schafft die Gefahr, den Mehrheitsentscheid zu bagatellisieren, die Wahlniederlage einer Partei zu ignorieren und die Abwahl einer Regierung ( Koalitionen) zu verhindern. Das Proporzsystem erschöpft uns mit mehr Parteien und deren Partikularismen. Darüberhinaus ist es weder demokratischer noch gerechter und keinesfalls moralisch überlegen. Nicht um das Perfekte, um das Bessere geht es. Die Diskussion ist überfällig!

Hans Schäfer | Do, 26. September 2019 - 16:26

In reply to by Gisela Fimiani

Frau Fimiani, Sie besetzen mein Thema. Schon seit Jahren schreibe ich, dass wir keine Volksherrschaft haben sondern eine Parteiendiktatur sind.
Unsere Volksvertreter sind Parteienvertreter. Aufgabe der BT-Abgeordneten ist die Gesetzgebung und die Kontrolle der BReg.. Die findet nicht statt. Wie auch! Wenn derzeit über 2/3 der Abgeordeten über Listen in den BT einziehen. Welchen Listenplatz man erhält hängt vom Wohlwollen der Parteispitze ab. Wo Abhängigkeit besteht ist keine freie Entscheidungsmöglichkeit gegeben. Es wird noch schlimmer. Der nächste BT wird nach Prognosen an die 800 Abgeordnete umfassen. Davon sind nur 299 unmittelbar wie das GG es vorschreibt vom Volk gewählt. Änderung des Wahlrechts wie jetzt von Schäuble und davor schon von Lammert gefordert wird es nicht geben. Sie werden die Plätze am Trog nicht kanmpflos aufgeben. Dies ist auch der Grund, warum man die Nazis mit allen Mitteln klein halten muss. Jedes Prozent das an die AfD geht bedeutet Platzverlust.

Da offenbar niemand diese Grundsatzdebatte führen will, sie noch nicht einmal anstößt, läßt womöglich die Schlussfolgerung zu, dass niemand wirklich an einem besser funktionierenden demokratischen Wahl-System interessiert ist. Statt dessen erleben wir ein träges, bequemes Weiter-So, eine Feigheit, die sich nicht denkend auf Anderes einlassen will, weil sie sich außer Stande sieht, die Überlegenheit des Proporz-Systems im Sinne der Bürger und nicht im Sinne der Parteien, logisch herzuleiten und zu rechtfertigen. Es stehen ausschließlich die Parteien, nie der Wählerwille im Vordergrund.

Klaus Funke | Do, 26. September 2019 - 12:41

Das ist das Problem der SPD. Wer keine Basis mehr hat, wer seine politischen und sozialen Wurzeln ignoriert, der hat das Nachsehen. Man hat inzwischen den Eindruck, dass die SPD das Müntefering-Wort "Opposition ist Mist" verinnerlicht hat. Man will regieren und Pfründe sichern um jeden politischen Preis. Merkels "Verführungskünste" bewirken bei der SPD politische Blindheit für die echten Fragen der Bevölkerung. Das ist als ob man einer Pflanze Wachstumshormone verabreichte. Erst fühlt sie sich wohl, dann stirbt sie daran. Indes, der CDU wird es in ein paar Jahren nicht anders gehen. Wenn Merkel weg ist, hat auch die CDU ihr Ende erreicht. Die Zeit der traditionellen Altparteien ist vorbei. Die SPD hat es verpasst, abzutreten. Schulz hätte es wahr machen sollen, die SPD in der Opposition zu erneuern. Er hat die Chance aus Machtgeilheit vertan. Nun hilft nichts mehr. Auch ich weine der SPD keine Träne nach. Nach der Wende wäre ich beinahe Mitglied geworden. Bloß gut, kam zur Besinnung!

Ingo Kampf | Do, 26. September 2019 - 13:30

...mehr kümmert. Das fängt mit dem traditionellen Ortsverein an und hört mit den ständigen Verweisen auf die Rolle als „last-standing-Party“ vor Hitler auf. Für diese Vergangenheit geben die Leute in dieser schnellen, oberflächlich und entsolidarisierten Gesellschaft nichts. Der von der SPD noch beeinflusste ÖR-Rundfunk greift nur noch bei den Alten. Die SPD ist schlicht unmodern. Da wo der Schuh drückt, sind sie nicht. Merkel hatte so viel Missgriffe und die SPD hat sich nie gefragt, was das für bedeutet. Die haben fröhlich mitgemacht. Die elende Studienrats-Besserwisserei und -Moral hat die SPD ausgehöhlt. Die kleinen Leute brauchen Sicherheit auf allen Feldern. Mit Kraft und Jäger hat die SPD den öffentlichen Raum für Gewalt und Schmutz freigegeben. Berlin liegt ähnlich. Das sind nicht einfach die Probleme der Großstadt. Das ist das Problem der SPD, die es versäumt hat gegenzulenken. Der Schutz der kleinen Leute beginnt dort, wo die Dänen-SPD ihn identifiziert hat.

Susanne Dorn | Do, 26. September 2019 - 13:30

…während einer Veranstaltung in Rosenheim fand eine Demo Antifa, Identitäre Linke zusammen mit der SPD und anderen linken Gruppen statt. Titel: NIE WIEDER DEUTSCHLAND…

Auch die SPD ist Deutschlandhasser und schon aus diesem Grund - jedenfalls für mich - nicht mehr wählbar. Sie hat, wie alle Altparteien auch, längst den Bezug zum verachteten Souverän verloren.

Es geht nur noch um Machterhalt mit allen „unlauteren“ Mitteln, denn auch der Wählerwille wird ja mit Füßen getreten.

Diese Partei ist an Ende!

Hans Schäfer | Do, 26. September 2019 - 16:58

wird mit Füßen getreten, auch das sage ich seit eh und je. Koalitionen sind Betrug. Es wir noch schlimmer, siehe Brandenburg. Um sich eine Mehrheit zusammen zu basteln braucht man jetzt schon 3 Parteien. Sollte die AfD noch stärker werden, braucht man dann schon vier Parteien um gegen die AfD regieren zu können.