Illusionstheater
Politik ist manchmal großes Theater / picture alliance

SPD und CDU - Das große Illusionstheater

SPD und CDU machten nach den Ergebnissen der Landtagswahlen in Sachsen und Brandenburg wieder mal Theater. Illusionstheater. Denn was sie an Wahrheitsverzerrung an den Tag legten, war beachtlich. Grund genug, ihre Vorstellung zu entzaubern

Autoreninfo

Dr. Hugo Müller-Vogg arbeitet als Publizist in Berlin. Er veröffentlichte zahlreiche Bücher zu politischen und wirtschaftlichen Fragen, darunter einen Interviewband mit Angela Merkel. Der gebürtige Mannheimer war von 1988 bis 2001 Mitherausgeber der F.A.Z.

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Hugo Müller-Vogg

Politiker müssen bis zu einem gewissen Grad auch Schauspieler sein, denn Politik ist immer auch Theater. So auch jetzt nach den Landtagswahlen im Osten. Da wurde von allen Parteien ein beeindruckendes Illusionstheater geboten. Das ist jene besondere Form des Theaters, die beim Zuschauer den Eindruck erwecken soll, er nehme an einem realen Geschehen teil. Vor allem CDU und SPD überboten sich dabei, Illusionen zu wecken, denen jeder reale Bezug fehlte. Aber auch die Grünen, die Linke und die AfD mischten dabei kräftig mit. Hier das Arsenal schwarz-rot-grün-blauer Illusionen.

Erfolgs-Illusion

CDU und SPD gerieren sich, als hätten sie glänzende Ergebnisse erzielt. Das tun sie, indem sie ihre schlechten Ergebnisse mit noch schlechteren Umfragewerten vergleichen. Dabei sind beide Regierungsparteien schwer gerupft worden. Die 32,1 Prozent der sächsischen CDU entsprechen einem Verlust von 19 (!) Prozent gegenüber dem Wahlergebnis von 2014, die 26,2 Prozent der SPD in Brandenburg einem Rückgang von 18 (!) Prozent. 

Den Illusionskünstlern hilft, dass die Veränderungen am Wahlabend im Fernsehen gegenüber dem letzten Wahlergebnis in Prozentpunkten angegeben werden. Aber das täuscht: Der Rückgang von „nur“ 5,7 Prozent bei der SPD Brandenburg ist, bezogen auf die 31,9 Prozent von 2014, kaum weniger als das Minus der CDU Sachsen von 7,3 Punkten gegenüber der Ausgangslage von 39,4 Prozent. Dabei haben sie 19 und 18 Prozent verloren.

Kampagnen-Illusion

CDU und SPD feiern sich in Sachsen und Brandenburg für ihren grandiosen Wahlkampf. Richtig ist, dass die Ministerpräsidenten Kretschmer und Woidke gekämpft haben wie wohl noch kein anderer Regierungschef. Aber sie konnten halt nur die Verluste verkleinern. Bezeichnend für das Illusionstheater ist das überschwängliche Lob aus SPD-Kreisen für ihren sächsischen Spitzenkandidaten Dulig. Der stürzte trotz seiner hoch gerühmten Kampagne von 12,4 auf 7,7 Prozent ab – ein Verlust von 38 (!) Prozent.

Man stelle sich vor, ein Anbieter von Waschpulver oder Handys behauptete, er habe ein Spitzenprodukt und werbe dafür auf geradezu grandiose Weise. Was hilft ihm das, wenn ihm kaum jemand sein Produkt abkauft?

Leihstimmen-Illusion

Die Grünen hatten schon von einer eigenen Ministerpräsidentin in Brandenburg und einem deutlich zweistelligen Ergebnis in Sachsen geträumt. Doch es war ein ernüchterndes Erwachen. Grünen-Chef Habeck versuchte dennoch, die enttäuschenden eigenen Gewinne als großartigen Grünen-Beitrag im Kampf gegen die AfD zu verkaufen. Seine krude Begründung: Um die Rechtsaußenpartei vom ersten Platz fernzuhalten, hätten Grünen-Wähler in Brandenburg für die SPD und in Sachsen für die CDU gestimmt. So kann man das eigene enttäuschende Ergebnis schönreden. Aber ernst nehmen muss man dieses Illusionstheater nicht.

Volkspartei-Illusion

In den Parteizentralen von CDU und SPD wird so getan, als hätte man in Sachsen beziehungsweise Brandenburg den Status als Volkspartei verteidigt. Dabei hat sich die Kernschmelze der beiden einstigen „Großen“ fortgesetzt. Wenn die CDU in Brandenburg gerade mal auf 15,6 Prozent kommt (minus 23 Prozent) oder die SPD in Sachsen nur noch auf 7,7 Prozent, dann haben sie den Status einer Kleinpartei und sind von einem sehr großen Prozentsatz des Wählervolkes weit entfernt.

Die AfD feiert sich mit 27,5 (Sachsen) und 23,5 Prozent (Brandenburg) als neue Volkspartei. Was ebenfalls der Versuch einer doppelten Täuschung ist – einer Selbst-Täuschung wie einer Wähler-Täuschung. Eine Volkspartei will nicht nur der gesamten Bevölkerung ein Angebot machen. Sie hat auch Konzepte für die gesamte Bandbreite politischer Aufgaben. Die AfD bietet dagegen keine konkreten Lösungen an, sondern sammelt die Wutbürger, Protestwähler und Ewig-Gestrigen ein, stachelt sie mit teilweise rechtsradikalen und rassistischen Sprüchen noch an. So agiert eine Anti-Partei, aber keine Volkspartei.

Die-„Der-Feind-steht-rechts“-Illusion

Die Fixierung von CDU, SPD und Grünen auf die AfD läßt völlig vergessen, dass es auch noch eine Linkspartei gibt. Die hat zwar ihren Status als Ost- und Kümmerer-Partei ebenso eingebüßt wie als Auffangbecken für Protestwähler. Dementsprechend hat sie deutlich an Stimmen verloren. Aber so wie die AfD die Nazi-Verbrechen verharmlost, so hat es die Linke bis heute nicht geschafft, die von ihr einst beherrschte DDR als das zu bezeichnen, was sie war – ein Unrechtsstaat. Auch das gehört zu den Realitäten von Brandenburg und Sachsen. Dort haben 34 beziehungsweise 38 Prozent für zwei Parteien gestimmt, die vergessen machen wollen, was in zwei Diktaturen auf deutschem Boden an Unrecht geschehen ist. 

Theater, Theater

Die Wahlen in Sachsen und Brandenburg haben wieder einmal bewiesen: Die Parteien sind Illusionskünstler. Ihre Hymne stammt aus „Cabaret“: „Theater, Theater, das ist wie ein Rausch, und nur der Augenblick zählt.“ Doch allen Beschönigungen schlechter Ergebnisse zum Trotz: Nach der Wahl fällt kein Vorhang; der nächste Akt dauert fünf Jahre.

Christoph Kuhlmann | Di, 3. September 2019 - 09:36

aber die Wahlbeteiligung war hoch.

Gerhard Lenz | Di, 3. September 2019 - 18:54

In reply to by Christoph Kuhlmann

Wenn man in jedem Bundesland einen ordentlichen Anteil Wählerstimmen erzielt? Dann gibt es im Grunde tatsächlich nur noch eine Volkspartei, die CDU, die immerhin in jedem Bundesland mehr als 15% der Stimmen erreichte. Oder geht es eher um ein möglichst vollständiges Parteiprogramm? Dann sind vielleicht Tierschutzpartei oder Humanisten Volksparteien, nicht aber die AfD. Gleiches, wenn man die demokratische Gesinnung als Grundlage nimmt: Die AfD ist sicher nicht bürgerlich - seltsam, dass immer Gauland, aber niemals Hoecke oder Kalbitz die AfD dermassen tituliert - sie ist höchstens (noch) am Rande rechts-konservativ, ansonsten aber rechtspopulistisch und rechtsextremistisch. Kann sie deshalb keine Volkspartei sein? War die NSDAP eigentlich eine "Volkspartei"? Zweifellos kann eine Partei, die nur einen Bruchteil der Wähler auf sich vereinigt, nicht beanspruchen, für das Volk zu reden. Selbst wenn sie anderes behauptet.

Ja, vor allem die selbsternannten 'Humanisten'. Die der 'Giordano-Bruno-Stiftung)? Dort darf sich der Haß gegen die (fast zweitausend Jahre alte) Institution der katholischen (Welt-)Kirche so richtig ungebremst austoben.
Armes Volk, wenn diese Leute 'Volks-partei' sind!
Diese (Institution) Kirche wurde gleichermaßen von Luther und Bismarck bekämpft - Nazis und Stalinisten/Maoisten hätten die katholische Kirche gerne (auch physisch) ausgelöscht.
Die katholische Kirche hat sie alle überlebt und überstanden und ist - im guten Sinne - Weltkirche (nicht mehr europa-zentriert).
Der 'polnische Papst' bleibt unvergessen!

helmut armbruster | Di, 3. September 2019 - 10:19

es ist genau so wie sie es beschreiben.
Dabei habe ich eigentlich nichts gegen Theater. Es kann sehr unterhaltsam und erfreulich sein.
Auch kann ich verstehen, dass Politiker ein bisschen Theater spielen müssen.
So weit so gut. Aber seit einiger Zeit wird nur noch Theater gespielt, nur noch Selbstdarstellung betrieben und hemmungslos Eigenlob ausgeteilt.
Wer noch irgendwie irgendwo im wahren und richtigen Leben steht, den kann diese Politik-Operette nur beunruhigen.
Wo werden wir enden, wenn das so weiter geht?
Wenn sich kein Politiker findet, der die Dinge und Probleme ohne Beschönigung bei Namen nennt?
Wir bräuchten einen Mann wie Churchill, der als er Premierminister des englischen Kriegskabinett wurde, seinen Landsleuten offen gesagt hat "ich kann euch nichts anderes versprechen als Blut, Schweiß und Tränen".

Wir werden dort enden, wo sehr viele andere Staaten auf der Welt bereits stehen:
in der Dauer-Misere.
Abgehängt.
Und das, nachdem unsere Großväter- /Väter- bzw. Großmütter/ Müttergenerationen uns ein mit ungeheurem Fleiß aus dem Kriegsschutt aufgebautes, blühendes Land hinterlassen haben.
Und niemand in Europa oder sonstwo auf der Welt wird uns deshalb bedauern oder uns aus dieser Lage heraushelfen, was ich sehr gut verstehen kann.
Wer so dumm und wohlstands-träge ist, wie die meisten Deutschen seit einigen Jahrzehnten, den bestraft das Leben.
So einfach ist das.

gerhard hellriegel | Di, 3. September 2019 - 10:51

Zunächst war ich von seiner rechnerei etwas verwirrt. Aber dann verstand ich, dass er neue-prozente/alte-prozente rechnet. Ist plausibel, kann man machen. Nur sollte man nicht je nach bedarf mischen. Denn mit der gleichen methode ergibt sich, dass die grünen in brandenburg eine gewinn von 77%(!), in sachsen von 50%(!) eingefahren haben, was der doktor ein enttäuschendes, schöngerechnetes ergebnis nennt.

Hans Jürgen Wienroth | Di, 3. September 2019 - 10:54

In Anbetracht all der Hetze des vereinigten Mainstreams gegen die AfD (und die Werte Union!) ist das Wahlergebnis recht ansehnlich. Die Wähler trauen der AfD offenbar viel eher zu, ihre Interessen zu vertreten als Sie. Nur Protest reicht für dieses Wahlergebnis nicht aus. Die GroKo hat schließlich zu allen Krisen (Finanz-, Migrations- usw.) bisher keine wirksame Lösung gefunden und arbeitet gerade an der nächsten (Klima-)Krise. Das Staatssäckel ist trotz Rekordeinnahmen für große Investitionen nicht ausreichend gefüllt. Da kommt es gerade recht, dass man den Fachkräftemangel verantwortlich machen kann.
Jetzt müssen die Grünen als neuer Partner in diesen Ländern hinzukommen, damit man Mehrheiten jenseits der AfD bilden kann. Die erpressen Ihre Partner erst einmal mit quasi sofortigem Kohleausstieg in der Region. Das kostet zigtausend Arbeitsplätze in einer ohnehin schwachen Region. So gewinnt man neue (AfD-)Wähler.

gabriele bondzio | Di, 3. September 2019 - 11:04

Und der Erkenntnisstand bei der Bevölkerung, ob dieser Tatsache, noch sehr gering.
Obwohl die Wahl in Brandenburg und Sachsen dies nun jeden Bürger vor Augen gedrängt haben sollte. Hängen viele Bürger noch an den Lippen der "Schauspieler". Und den Worten:"Wir haben verstanden". Entweder baut man hierbei auf ein kurzes Gedächtnis der Wähler, oder hat selber eines.
Wobei das Erstere wahrscheinlicher ist.
Die-„Der-Feind-steht-rechts“-Bestrebung wird um so stärker ausgebaut, je unglaubhafter sie wird.
Der Ausbau von Feindbildern ist die wirksamste Methode zur Manipulation. Aber es ist billig, wegen einer Handvoll Radikaler eine ganze Partei und ganze Regionen in Verruf zu bringen.
Wie sagen die Grünen auf ihrer Jubelfeier im Hintergrund (Interview Göring-Eckardt). "Die Partei hat recht..." Satire-Version?

Dorothee Sehrt-Irrek | Di, 3. September 2019 - 11:52

schwach.
2014 kann nicht als Vergleichsdatum zählen, weil danach Frau Merkel evtl. im politischen "Alleingang", nur mit "gezielter" Presse die Bundesrepublik verändert hat, ich würde ja meinen, da gar keine politische Not irgendeiner Art bestand, "EINGERISSEN".
Dazwischen mögen sich Historiker den Kopf zerbrechen.
Über die Halbierung der Linken würde ich mich "freuen", wenn es nicht evtl. die Wanderung zur AfD gab, aber immerhin, der """DDR-Block""" beginnt sich aufzulösen.
Die Grünen haben ein für den Osten fulminantes Ergebnis geholt. Es wäre angesichts der Wetterlage sicher höher, wenn sie nicht massiv zuvor die Bundesrepublik klimatisch verändert hätten in Richtung Hell und Dunkel mitsamt evtl. Herrn Gauck, Merkel im Hintergrund.
Wem Klima im größeren Zusammenhang so egal ist...
Die FDP wird noch brauchen, tut aber evtl. zu wenig in Richtung eigenes Klima/Werte.
Eine schwierige, gewählte Legislaturperiode im Bund ist weiter möglich.
Es darf politischen Widerspruch geben..

es bestand gar keine Not, doch die gab und gibt es zuhauf, ich schrieb, keine POLITISCHE Not.
Damit meine ich, dass die gesamte Bundesrepublik Deutschland nebst europäischem Umfeld, wenn nicht gar weltweitem, in irgendeiner Form bereit war, auf das Elend "des" syrischen Krieges zu reagieren.
Dies politisch klug und menschenfreundlichst umzusetzen, sah ich zunächst, von mir wegen Gabriel, bei Frau Merkel gegeben.
Heute habe ich Sorge bei jedem Unglück auf der Welt, dass Frau Merkel zu Schaden Gekommene in die Bundesrepublik Deutschland ruft, anstatt zuerst Hilfe vor Ort anzubieten, und nicht nur auf ihre Wähler zu hören, sondern ihren Souverän.
Sie selbst sollte froh sein, wenn sich mit daraus die beste Perspektive für alle, jedoch als Handeln der Bundesrepublik ergibt.
Die beste Perspektive für Alle geschultert einzig von der Bundesrepublik, ist m.E. grober Unfug.
Wenn Merkels Souverän Gott wäre, sie gar selbst den Titel beanspruchte, sprengte sie m.E. die Dimension Kanzler/in?

Gerhard Schwedes | Di, 3. September 2019 - 11:56

Zugegeben: Alle Parteien sind Illusionskünster und Politik spielt nun einmal Theater. Trotzdem würde ich dem Autor empfehlen, mehr Charakter zu zeigen und nicht in den Chor jener einzustimmen, die pflichtschuldigst ihr Fleißkärtchen in puncto "Schlag mir den Lukas", sprich AfD-Klatschen, verdienen wollen. Auch das AfD-Klatschen ist der Rubrik Illusionskunst zuzurechnen, was bedeutet: Man spricht etwas aus, um nicht anzuecken und mit von der Party der politisch Korrekten zu sein. Die AfD und ihre Wähler wollen die Nazi-Verbrechen gar nichts verharmlosen. Sie wollen nur den Stellenwert des mea culpa-Rituals, des sich ständig gegen die eigene Brust Klopfens, verändern, das inzwischen selbst für viele Ausländer unglaubwürdig und verdächtig geworden ist. Man kann durchaus darüber sprechen, ob es nicht viel glaubwürdiger und demütiger wäre, in Ruhe und Besinnlichkeit der Verbrechen der Altvorderen zu gedenken, als immer nur von der Schuldlast, einer Art Schuldlust, der Gegenwärtigen zu reden

Guido Lüchters | Di, 3. September 2019 - 12:05

Lieber Herr Müller-Vogg,
ein sehr schöner Artikel - nur: es wäre an der Zeit den Begriff "Wutbürger" zu überdenken und durch "Zornbürger" zu ersetzen.

Wut ist ein kindisch unkontrollierter Affekt.
Zorn dagegen das Aufbegehren gegen Unrecht Zorn gibt damit den notwendige Antrieb ungerechte Verhältnisse zu beenden.

"Zorn" ist das erste Wort der Ilias des Gründungsdokuments unserer Kultur: "Mẹ̄nin aeịde, theạ, Pēlẹ̄iadeọ̄ Achilẹ̄os..." "Den Zorn des Peleiaden Achilleus oh Göttin besinge ..."
Darauf hat Peter Sloterdijk richtig hingewiesen.
Und auch gleichzeitig bemerkt, dass der SPIEGEL die zornigen Bürger in Stuttgart als "Wutbürger" denunzierte.

Von dieser Stürmer-würdigen Methode des SPIEGEL: Bürger von oben herab als wütend unkontrollierte Kinder zu bezeichnen, die man dann natürlich unter Kontrolle zu bringen hat, sollte man einen Reinlichkeitsabstand einhalten.

Zu Ihrer Charakterisierung "Ewig-Gestrigen" könnte man Ähnliches bemerken, aber kein Platz mehr

Anne Karsten | Mi, 4. September 2019 - 07:59

In reply to by Guido Lüchters

Danke Herr Lüchters, für diese dringend notwendige Korrektur des Artikels !

Denn leider hat Herr Müller-Vogg wieder einmal die AFD überhaupt nicht wirklich neu
betrachtet und neu beurteilt, sondern nur wieder in dieselbe Kerbe gehauen, in die alle anderen Parteien und Medien hauen.

Heidemarie Heim | Di, 3. September 2019 - 12:32

Wohl eher Rocky-Horror-Picture-Show! Im enthusiastisch mitwirkenden Publikum mediale
Proaktivisten, die den time warp kräftig mit herbeisingen. Den weniger kreativen sowie den nicht affinen Bürgern und Wählern erschließt sich diese Alien- Show allerdings immer weniger!
Auch wenn sich, wie hier Herr Dr. Müller-Vogg redlich Mühe gibt, die rätselhaften (außer-unterirdischen?) Einlassungen unserer Politiker vor und vor allem nach Wahlniederlagen, wird übrigens demnächst aus dem Duden ersatzlos gestrichen!!, ins deutsche zu übersetzen.
"Houston wir haben keinerlei Problem,
Zündung!"
MfG

MfG

Ernst-Günther Konrad | Di, 3. September 2019 - 12:34

ich habe dazu punktuell eine andere Meinung. Das macht ja eine Demokratie aus oder?
Ich las auch ihren offenbar zeitgleich eingestellten Artikel zum Thema AFD im Focus.
Mir ist schon klar was mit ihren Aussagen bezwecken. Sie wollen den Menschen, jene die AFD gewählt haben erklären, warum das nicht gut gewesen war. Sie unterstellen dem Wähler grundsätzlich, dem der AFD wählt, der wähle auch die rechtsextremen in der Partei mit, so es sie tatsächlich gibt. Ich gestehe Ihnen zu, zu Höcke, Kalbitz, Urban eine andere Sichtweise zu haben. Nur, außer den von den Medien und der etablierten Politik genannten Äußerungen einiger dieser Politiker, die man so oder so verstehen kann, außer einer sprachpolizeilichen Deutungshoheit, außer irgendwelchen Altgeschichten von AFDlern, außer nazivergleichenden angebliche braunen Auftritten einiger AFDler, haben sie nichts, aber gar nichts, was ausreichen würde, die AFD verbieten zu lassen, sonst würde ein solcher Verotsantrag beim BVG vorliegen.
Also?

Ach lassen Sie sie doch, lieber Herr Konrad! Die wissen doch, allein das zeigt die Reaktion z.B. der Linken, gar nicht mehr was sie sagen sollen angesichts der sogenannten "Wählerwanderungen" von ganz links mit Express-Mutation zum Rechtsextremisten! Sarah Wagenknecht,meine persönliche Lieblingslinke und hoch respektierter Gegenpol wider meiner persönlichen politischen Einstellung, hat sich diesbezüglich ja auch deutlich zu Wort gemeldet. Das gleiche gilt für alle anderen höchst frustrierten unter den einzig wahren Demokraten. Was Zweifel an der verfassungsgemäßen Existenzberechtigung und der in demokratischen Wahlverfahren ermittelten Ergebnisse betrifft,so hat der uns bekannte Herr L. gleichsam ein unerschütterliches Argument dazu geliefert und des Öfteren auch veröffentlicht. Sie erinnern sich? Wer in Demokratie gewählt wird, ist noch lange kein Demokrat! Und laut Herr Mazyek sollen deshalb nun für diese Ossi-Wähler auch keine lahmen Ausreden wie "abgehängt" usw. mehr gelten!;-)FG

Liebe Frau Heim, ich kann nicht anders, als Herrn Dr. M.-V. zu widersprechen. Es ist mein naturell. Las heute morgen in der Bild online, dass die dort ein AFD-Aussteigerprogramm gestartet haben, in dem sie den Lesern erklären, warum die AFD nicht demokratisch und bürgerlich sei. Ich lese gern die Bildüberschriften. Je skandalöser und eindringlicher die Wortwahl, desto aufgeregter der Rest der linken Regierungsmedien. Bild ist ein herrlicher Gradmesser politischer Aufgeregtheit. Ich hab sie so richtig ins Herz geschlossen. Da es ein ABO-Artikel war, ich hab keines, weis ich jetzt gar nicht, wie ich meine politische "Verirrung" wieder rückgängig machen kann. Muss wohl im nächsten Frühling nochmal darüber nachdenken.
Alles Gute.

Heidemarie Heim | Mi, 4. September 2019 - 16:24

In reply to by Ernst-Günther Konrad

Echt jetzt!? So langsam schnappt die Republik über, oder wie? Anstatt z.B. umfassend über die Cum Ex-Betrügereien zu berichten,infolge dessen unser Staat um zig Millionen? Steuergeld der arbeitenden Bevölkerung erleichtert wurde weil die Regierungen bis 2012 Jaaahre!! brauchten um eine Gesetzeslücke zu schließen, bietet man deren ehemaligen Wählern ein Aussteigerprogramm an? Wissen diese
Sorry! Schwachköpfe denn nicht, an was sowas rührt? Mein Opa,nicht nur ein Herr Gabriel hatte echte Nazis in der Familie!,wurde im Zuge der Entnazifizierung bei der Reichsbahn entlassen,während größere Kaliber als er übergangslos in z.B. die Justiz oder Nachkriegspolitik wechselten. Absicht? Momentaner RR 200!
Wo kann ich mich beim Ausstiegsprogramm für Pkw-Maut-Steuer-Geschädigte, Atomausstieg-Kompensationskosten-Geschädigte usw. anmelden? Da ich mich nicht zerreißen kann, mache ich mich wahrscheinlich auf meine alten Tage noch mal fit für ein Auswandererprogramm aus der Anstalt;-) Alles Gute! MfG

Wilfried Düring | Mi, 4. September 2019 - 17:08

In reply to by Heidemarie Heim

Ich fordere ein 'Aussteiger-Programm' für Dunkel-Deutsche! Ich möchte nicht länger 'rückständig' sein und 'Demokratie üben' müssen. Ob ich mich jetzt zu 'Demokratie-Kursen' bei einer Landeszentrale für politische Bildung oder entsprechenden 'Demokratie-Vereinen' anmelde?
Am Ende mache ich einen Abschluß als 'Diplom-Demokrat' ...

Vollkommen richtig Herr Konrad. Ihre Analyse bzgl. Müller-Vogg´s Behauptungen.
Er sieht in der AfD grundsätzlich nur Rechtspopulismus. Dann muß er auch der
Merkel-CDU "zugutehalten: Wer diese Partei wählte und wählt, akzeptiert die
Liebe zur SED. Die Linken als Mitregierungspartei? Vor einigen Jahren noch nicht
regierungsfähig! Heute Türöffnung für die Ewiggestrigen und ihrer SED/Stasi-Ver-
gangenheit.

Die etablierte Politik hat Deutschland und Europa in Krisen geführt: * Flüchtlings- und Migrationskrise, * Schulden- / Verschuldungs- Euro- und Zinskrise, * Krise der Deindustrialisierung als Folge einer nicht durchdachten und widersprüchlichen Politik der angeblichen - aber aussichtslosen - 'Klimarettung'. In Deutschland kommen hinzu: die Vernachlässigung des landlichen Raumes (wahlentscheidend!?) und die zunehmende außenpolitische Isolierung. Meiner Ansicht nach werden die Schulden- und Zinspolitik und die Deindustrialisierung noch verhängnisvoller und noch wirkmächtiger sein, als die sowohl medial als auch von der AfD ständig bespielte 'Flüchtlingskrise'.
Die etablierte Politik hat auf die skizzierten Probleme keine Antworten.
Die ständige hysterische Warnung vor 'Nazis' und 'Rechtsextremisten' IST KEINE ANTWORT (selbst dann, wenn die Warnung als solche berechtigt wäre)!
Das die AfD eine unausgegorene Alternative 'mit Mängeln' ist, wissen wir selber!

Urban Will | Di, 3. September 2019 - 12:48

recht gut geschriebene Artikel verliert sich gegen Ende dann auch im „Theaterhaften“.

Die DDR – und die Nazi – Diktatur sind nur bedingt vergleichbar, das macht Herr Müller – Vogg hier zumindest indirekt.

Eine „Verharmlosung“ der DDR seitens der Linken mag es in gewisser Weise geben.

Aber dass man seitens der Blauen die Nazi – Verbrechen „verharmlost“ oder gar „vergessen“ machen will, ist doch Unfug.

Selbst in seiner „Vogelschiss“ - Rede sprach Gauland von unserer Verantwortung für diese „12 Jahre“.
Nur, wer maximal boshaft interpretiert, was gegenüber Gauland ja allgemein usus ist, sieht hier ein Verharmlosen oder gar Leugnen und ignoriert, was er wohl eigentlich damit sagen wollte.
Nur als Beispiel.

Im Übrigen: was einzelne Personen einer Partei sagen, ist noch lange nicht Parteidoktrin.

Das „Theater“ ist eher da angesiedelt, wo immerfort von den „Anti – Demokraten“ gequasselt wird, bloß weil man sonst nichts gegen sie auf die Beine bringt.

Hans Schäfer | Di, 3. September 2019 - 14:02

sehen Sie es mir nach, Wählertäuschung- ich sage -betrug- ist in meinen Augen die Auslegung der Wahlergebnisse, die zur Reg-Bildung herangezogen werden.
Auch, dass die AfD keine konkreten Lösungen anbietet sehe ich anders. Unabhängig davon,
meine Frage:
Welchen Shitstrom würden Vorschläge
auslösen, mögen sie noch so gut sein, weil
sie von der AfD kommen, nach dem Motto,
dass nicht gut sein darf, was gut sein könnte,
weil es von der Seite dieser in Ihren Augen
"Anti-Partei“ kommt, die nur Wutbürger,
Protestwähler und Ewig-Gestrigen sammelt,
zu denen allerdings in Sachsen noch 240.000 Nichtwähler gestoßen sein sollen.
Haben die in Ihren Augen den Schuss nicht gehört?

Hans Schäfer | Di, 3. September 2019 - 14:07

<<Aber so wie die AfD die Nazi-Verbrechen verharmlost>>

Wenn Sie als Publizist nicht als Populist gelten wollen, dann Butter bei die Fische, woran machen Sie diese Aussage fest.

Kommen Sie bitte nicht mit aus dem Zusammenhang gerissenen Aussagen, die bewusst falsch verstanden werden sollten, sondern mit konkreten Aussagen.
Ist eigentlich die F.A.Z. Claas Relotius auch auf dem Leim gegangen? Aber da diese Angelegenheit die Journale betrifft -Ihren Berufsstand, handelt es sich bestimmt um einen Einzelfall, den man gefälligst nicht pauschalieren darf.

Jürgen Scheit | Di, 3. September 2019 - 14:49

Volle Zustimmung zur ungeschminkten Wahlanalyse von Müller-Vogg. Es zeichnet sich jedoch leider eine politische Verschlimmerung ab, die uns teuer zu stehen kommt: Auch wenn der grün-linke Hype einen begrüssenswerten Dämpfer bekommen hat, werden die Grünen höchstwahrscheinlich an beiden neu zu bildenden Länderregierungen beteiligt sein, d.h. es wird jetzt auch dort stark grün gefärbte Politik gemacht werden, was über den Bundesrat die bisherige grün-orientierte Klimawahnsinns- und MigrationsPolitik im Bund nur weiter bestärkt.
Die wirtschaftlichen & gesellschaftlichen Folgen daraus werden die deutschen Steuerzahler zum Stöhnen bringen und die Frustration der Wähler steigern.
Es muß aber noch schlimmer werden ehe es besser werden kann: Erst wenn bei künftigen Wahlen die AfD so stark wird, dass ohne sie kaum mehr regiert werden kann, erscheint eine grundlegende Trendwende in Problembereichen wie Energie, Verkehr, Bildung, Wohnen, innere Sicherheit & Migration möglich.

Herr Müller-Vogg, Sie erinnern sich doch auch, damals glaubten wir im Westen, dass mit der Öffnung nach Osten (Ende des „Kalten Krieges“), die allgemeine Ent-Ideologisierung Platz greift. „Das Ende der Geschichte“ wurde von dem us-amerikanischen Politologen Francis Fukuyama ausgerufen. Die Botschaft: Wir- der wirtschaftliche und politische Liberalismus haben gewonnen, die Totalitären und Autoritären sind endgültig erledigt. Die Zukunft gehört uns, die alle Widersprüche überwinden und alle Bedürfnisse befriedigen werden. Der Krieg der Ideologien ist vorbei.

Mit der Globalisierung wurden der Raum und die Vielfalt der Perspektiven größer, ebenso für die Kapitalströme und deren Krisen, die alles radikalisierten. Die Unterschiede und Konflikte traten wieder deutlicher zutage: auf der nationalen Ebene die sozialen, weltweit die nationalen und ethnischen Konflikte, verbunden mit religiösen Bewegungen. Allergrößte Flüchtlingsprobleme (weltweit) entstanden.

Einige wollen wieder den zweifelhaften Weg der Abschottung gehen. Nicht EU- Integration, sondern Eigenständigkeit scheint heute wieder gefragt. Jetzt kommt die Frage danach, sollte der Nationalstaat wieder eine größere Rolle spielen? Natürlich ist die Globalisierung kein Naturgesetz, es könnte auch sein, dass durch die technische Entwicklung (Stichwort Robotik) die Produktion im Inland wieder attraktiv wird. Und der von mir geschätzte Wolfgang Schäuble sieht in der Ökologie und Ökonomie auch nicht unbedingt einen Widerspruch. Zum Gesellschaftsbild: Das zeichnet sich heute durch nebeneinander existierende Lebensformen aus. Sie genügt keiner einheitlichen Bildvorstellung mehr. Wer gewinnt, wer verliert, dieses Denken sollte ebenso aufgegeben werden, das heißt auch, nicht die Kosten für zukunftsorientierte Projekte ständig auf die Bevölkerung zu externalisieren. Und ich stimme Ihnen zu, weniger Inszenierung, dafür mehr auf die Aufgaben besinnen.

Henning Magirius | Di, 3. September 2019 - 15:51

Herr Dr. Müller-Vogg: Wo gegen CDU und SPD ausgeteilt wird, darf auf keinen Fall das übliche AfD-Bashing - ohne Nachweise zu liefern - fehlen: „Die AfD bietet dagegen keine konkreten Lösungen an, ... , stachelt ... mit teilweise rechtsradikalen und rassistischen Sprüchen noch an.“ Jedoch: „keine konkrete Lösungen“ - s. AfD-Anträge im Bundestag seit 2017 + Wahlprogramm (z.B. Grenzschließung zur Verhinderung des Straftatbestandes „Illegaler Grenzübertritt“ und Einhaltung der Maastricht-Euro-Verträge). Und zu „Sprüche“ - ich bitte endlich mal um Belege und Zitate. Ist das denn so schwer?

Norbert Heyer | Mi, 4. September 2019 - 05:45

Bei diesen beiden Wahlen in Sachsen und Brandenburg sind alle Systemparteien für deutsche Verhältnisse fürchterlich abgestraft worden. Nur die AfD hat große Gewinne eingefahren. Bei den Erklärungen der Politiker für das Wahlergebnis machte sich der Eindruck breit, lauter Wahlsieger - außer die Eingeständnisse der Linken - vor sich zu haben. So wie ein Statistiker, der ein negatives Schaubild mit sinkenden Zustimmungsraten einfach umdreht ... Die AfD scheint in den Augen der Abgestraften immer noch der unverdiente Nutznießer dieser Situation zu sein: Nazipartei, kein Konzept, kein Programm, nur Ein-Thema-Partei, Vergangenheitsleugner. Solange die Etablierten eine demokratische Partei komplett ignorieren, wird die AfD wachsen. Nach jeder Wahl haben die Geprügelten „verstanden“, werden „umsetzen“ oder gar „Werkstatt-Gespräche“ fortsetzen, aber der geneigte Wähler hat das ungute Gefühl, als ob ohne Konzept und politischen Willen geist- und sinnlos unser Land an die Wand gefahren wird.

Hans Schäfer | Mi, 4. September 2019 - 08:45

natürlich ist es schwer Belege und Zitate zu erbringen, wenn es sie nicht gibt.
Dr. M-V, ist nunmal Teil des Systems, dass alleine das Monopol für die Deutungs-/Wahrnehmungshoheit besitzt. Und, da viele ihn der Elite zu rechnen, glauben diese auch oftmals ungeprüft was er sagt.
Damit hat er seinen Auftrag erledigt.

Brigitte Simon | Do, 5. September 2019 - 15:46

Ich laß es einfach bleiben und sehe mir lieber die
2.388zigste Sendung "Dahoam ist dahoam" an.
Da weiß ich, was ich hab´. Sie ist blöd, zuver-
lässig blöd.

Und das Ausland, wie Franken, NRW, Schleswig-
Holstein. Oder international wie Österreich?.
Sie verstehen den Dialekt - Gott sei´s gedankt -
nicht immer. Oder folgen bald die Untertitel?
Folgen bald Übersetzungen?

Digitales in Bayern? Ich befand mich 3 Wochen
im Allgäu. WLAN teilweise Fehlanzeige. Oft kein
Internet im Hotelzimmer. Ich litt.
Doch "alles ist endlich", versprach uns seinerzeit
ExBundespräsident Gauck.

Nun bin ich endlich wieder in München, eben
"Dahoam is´dahoam, zusammen mit Cicero.

Brigitte Simon

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