Politikverdrossenheit - Zurück in die Zukunft

„Rechts“, „links“, „Nazi“ und „Sozialist“ sind heute keine klar definierten Zuschreibungen mehr, sondern Ausdrücke emotionaler Verurteilung. Die Polarisierung nimmt ständig zu. Wie konnte es dazu kommen? Von Matthias Heitmann

Demonstranten blockieren im Hambacher Forst einen Kohlezug
Ist man automatisch links, wenn man im Hambacher Forst einen Kohlezug blockiert? / picture alliance

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Matthias Heitmann ist freier Publizist und Autor des Buches „Zeitgeisterjagd. Auf Safari durch das Dickicht des modernen politischen Denkens“ (TvR Medienverlag Jena 2015). Im Januar 2017 ist sein neues E-Book „Zeitgeisterjagd SPEZIAL: Essays gegen enges Denken“ erschienen. Infos zum Download unter www.zeitgeisterjagd.de.

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Matthias Heitmann

Heute ist „Nazi“, wer Atomkraft und Tierversuche nicht verteufelt, wer gerne Fleisch isst, Trump wählt oder die in Nationalstaaten praktizierte Demokratie verteidigt. Gleichzeitig gilt heute als „linksradikal“, wer Landesgrenzen nicht verrammeln möchte, wer Algerien nicht für einen sicheren Drittstaat hält und nicht die Nationalhymne mitsingt. Das war nicht immer so. Erinnert sich noch jemand an das Buch „Das Ende der Geschichte“? Der Titel klingt auf den ersten Blick wie der Titel eines apokalyptischen Untergangspamphlets. Doch das 1992 erschienene Buch von Francis Fukuyama war alles andere als das. Der US-amerikanische Politikwissenschaftler vertrat hier die These, dass mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion das Ende der Großkonflikte gekommen sei und sich schon bald die Prinzipien des Liberalismus in Form von Demokratie und Marktwirtschaft weltweit durchsetzen würden.

Viele Denker sahen auf ähnliche Weise das Ende der alten politischen Ordnung und damit das Ende des ideologischen Links-Rechts-Konflikts voraus. Der britische Soziologe Anthony Giddens verabschiedete sich in seinem Werk „Jenseits von links und rechts“ aus dem Jahr 1994 ebenfalls von den alten politischen Parametern. Zuvor hatte bereits der deutsche Soziologe Ulrich Beck in seinem Buch „Risikogesellschaft“ aus dem Jahr 1986 das Ende des alten politischen Denkens prognostiziert, jedoch weitaus weniger optimistisch, als es Fukuyama tat. Die Überwindung der alten ideologischen Konflikte prägte die politische Stimmung. Und sie zeigte sich in der Erosion sozialistischer Parteien sowie in der Modernisierung sozialdemokratischer wie auch konservativer Parteien, die sich allesamt zunehmend in der „politischen Mitte“ zu drängeln begannen.

Das „Ende der Geschichte“ war erst der Anfang

Doch schon wenige Jahre nach dem Zerfall der UdSSR und dem Niedergang der sich an ihrer Existenz orientierenden „linken“ Alternative war im Westen von der anfänglichen Euphorie nichts mehr zu spüren. Anstelle von Demokratie und Marktwirtschaft eskalierten regionale Konflikte zu internationalisierten Kriegen. Staaten und Gesellschaften zerfielen und verloren die Perspektive. Auch in den Kernländern des Kalten Krieges machte sich das Fehlen der alten Ordnung bemerkbar: Die Parteien verloren ihre Grundorientierung, und Konfrontationen drängten mehr und mehr auf die personalisierte Ebene – ein Prozess, den man bis heute versucht, positiv zu umschreiben.

Einst relevante Zuschreibungen wie „links“ und „rechts“ verloren ihre einordnende Bedeutung, was die Politik immer weniger durchschau- und greifbar machte. Nur kurz nach dem Sieg des Westens im Systemkonflikt wurde in Deutschland „Politikverdrossenheit“ zum Wort des Jahres gewählt. Immer wieder errangen Parteien und Strömungen Achtungserfolge, weil sie sich gezielt gegen die zunehmende Schwammigkeit und die zur Schau getragene Alternativlosigkeit etablierter Politik in Stellung brachten. Rechte und rechtsextreme Parteien, aber auch grüne und separatistische Strömungen, Satire-Parteien oder die Anfang dieses Jahrzehnts plötzlich erstarkende Piratenpartei machten deutlich, dass sich jenseits des politischen Mainstreams ein beträchtliches Wählerreservoir erschließen lässt, wenn man nur den Nerv trifft und die richtige Sprache spricht.

Vorwärts in die Vergangenheit?

Schaut man heute auf die Hochphase der Piratenpartei zurück, so hat man den Eindruck, es mit einer weit zurückliegende Epoche zu tun zu haben. Diskutierte man noch vor Kurzem über die möglichen Folgen des Endes von rechts und links, so scheinen diese beiden Pole heute eine Renaissance zu erleben. Überall wird das Erstarken „rechter“ Parteien und „rechten Gedankenguts“ diagnostiziert, und Konflikte werden wieder häufiger im alten Rechts-Links-Vokabular beschrieben. Auch in der internationalen Politik scheinen wir mit einem Wiederaufleben alter politischer Konflikte konfrontiert zu werden: Das Verhältnis zwischen dem Westen und Russland wird als „neuer Kalter Krieg“ beschrieben, und auch innerhalb der Europäischen Union scheint der einstige „Eiserne Vorhang“ heute wieder moderne, weltoffene, demokratische von traditionsverhafteten, verschlossenen und autokratischen Staaten zu trennen.

Hatte Fukuyama also in gewisser Weise doch recht? Ist es tatsächlich so, dass die Geschichte zwar vielleicht nicht zu Ende ist, sie sich aber wiederholt oder zurückdrehen lässt? Oberflächlich betrachtet erscheint diese Annahme plausibel. Doch schaut man ein wenig genauer hin und durchbricht die Ebene des plakativen und gezielt provokanten Auftretens, dann wird deutlich: Das Gros der modernen Mainstream-Gegner ist mit dem alten politischen Vokabular nicht hinreichend zu erfassen, geschweige denn durch altes politisches Denken treffend zu analysieren. Dies ist auch der Grund dafür, warum öffentliche Debatten zunehmend emotional und geradezu hysterisch geführt werden: Da die alten Begriffe nicht mehr wirklich greifen und wirken, werden sie mit vermeintlich zusätzlicher Bedeutung und Dramatik aufgeladen. Dies führt zwar im ersten Moment zu einer scheinbaren Aufwertung und einer wachsenden Prominenz des Begriffs, doch langfristig ereilt ihn das Schicksal eines jeden Luftballons.

Jonglieren mit heißen, aber leeren Begriffen

Wir befinden uns gerade in einer solchen Phase, in der zahlreiche Luftballons an Höhe gewinnen. Die als neu empfundene Radikalisierung des politischen Diskurses entspricht dem von mir bereits beschriebenen Phänomen, demzufolge es am Ende einer langen Frostperiode im Stadtpark nicht nach frischen Blumen, sondern nach frisch aufgetauten Exkrementen und nach Verwesung riecht. Viel übelriechende Luft steigt auf und macht das eigentlich erfreuliche Auftauen der politischen Welt nach dem Ende der Alternativlosigkeit zu einem unangenehmen sinnlichen Erlebnis. Natürlich kommt dem Spaziergänger der Gedanke, dass es im Dauerfrost doch eigentlich freundlicher war. Und dennoch weiß er: Ohne das olfaktorisch belastende Auftauen gibt es keinen Frühling.

Man kann die politischen Prozesse am Ende der Ära der Alternativlosigkeit natürlich als die Rückkehr des Alten interpretieren und sich in den politischen Dauerfrost zurücksehnen. Diese Sichtweise ist naheliegend und bequem zugleich. Doch drängen sich einem dann schon bald Zweifel auf. Denn gestützt wird diese Weltsicht durch einen zunehmend sinnentleerten und wahllosen Umgang mit politischen Begriffen: „Rechts“, „links“, „Nazi“ und „Sozialist“ sind heute keine inhaltlich klar definierten Zuschreibungen mehr, sondern Ausdrücke emotionaler Verurteilung.

Rechts und links sind mausetot

Jeder diskussionsfreudige Mensch kann diese Erfahrung machen, wenn er sich aus der Blase seiner eigenen Überzeugungen entfernt. Ich wurde schon als Kommunist und als Kapitalist beschimpft, als Rechtskonservativer und als Linksextremer, als Frauenfeind und als Frauenversteher, als Zahlen-Fetischist und als Fakten-Relativierer. Und träfen auch nur einige dieser Zuschreibungen zu, so stünde ich bei nahezu allen Bösen dieser Welt auf der Gehaltsliste. An persönlichen Erfahrungen wie diesen spürt man, wie sehr an der Wirklichkeit vorbeianalysiert wird, wenn man sich dabei auf Altertümliches denken stützt. Was uns heute als Renaissance von rechten und linken Ideologien erscheint, sind nur die Ausdünstungen ihrer Verwesung. Die rein sinnlich als Zuspitzung wahrgenommene Auferstehung ist in Wirklichkeit das endgültige Ende von rechts und links.

Dass sich Menschen an alte Begriffe und Zuordnungen klammern, ist hingegen nicht verwunderlich. Viele Jahre lang wurde der Gesellschaft im Geiste Fukuyamas eingetrichtert, dass es nichts Neues mehr geben werde und dass man sich an pragmatisches Krisenmanagement als höchste Form der politischen Steuerung gewöhnen solle. Woher soll also eine breite Aufgeschlossenheit für Neues und Fremdes kommen? Zumal ja das politische Ende der Alternativlosigkeit nicht durch eine neu aufkommende inhaltlich fundierte Bewegung erzwungen, sondern durch das Versteinern der alten Strukturen unumgänglich wurde. Nur so kann erklärt werden, dass mit Friedrich Merz ein vor vielen Jahren kalt gestellter und gescheiterter Politiker, der in der Zwischenzeit sein Heil in der Privatwirtschaft suchte, heute als Erneuerer der CDU gefeiert wird. Genauso gut könnte man heute Rudi Völler als Erneuerer der deutschen Fußball-Nationalmannschaft zurückholen.

Raus aus den Schubladen!

Es ist Zeit, aus den politischen Schubladen auszubrechen, in die uns der Zeitgeist zu sperren versucht. Ich bin immer wieder überrascht, wenn man mich als „rechts“ beschreibt. Es ist für mich keine Beleidigung, denn ich weiß, dass derlei Begriffe keine echte Bedeutung mehr haben. Und zudem macht es unglaublichen Spaß, als vermeintlich „Rechter“ für das Recht auf Abtreibung, gegen Zensur und für völlige Meinungsfreiheit zu argumentieren. Genauso viel Vergnügen bereitet es aber auch, als vermeintlicher „Linker“ für die Bedeutung von Landesgrenzen gegen die Europäische Union einzustehen.  Probieren Sie es aus, nehmen Sie sich die Freiheit des Denkens. Es lohnt sich.

Gerdi Franke | So, 11. November 2018 - 10:52

Alles drängt sich in der Mitte zusammen und bildet dort die politische Einheitssuppe und was dort keinen Platz mehr hat und seine Stimmen von Unzufriedenen Wählern holen will wird als Extrem bezeichnet. Ist aber nur Synonym für Konkurrenz.

Albert Josef S… | So, 11. November 2018 - 11:17

Vor allem! - Weil Deutschland in Europa die entscheidende Vorreiterrolle spielt - im Guten wie im Schlechten.
In Deutschland haben die Linken, von Links über Grün bis Tief in SPD und sogar CDU/CSU ihren angekündigten Marsch durch die Institutionen mit einem in der Geschichte einzigartigen Erfolg abgeschlossen. Und dieser erfolgreiche Eroberungszug hat keineswegs Halt gemacht vor höchsten Regierungsämtern, Entscheidungsgremien, NGOs, Schulen und Universitäten - und allen voran in den Medien. Damit ist in Deutschland - und in der Folge dazu in Europa und darüber hinaus - eine geradezu luxuriöse, quasi-aristokratische Vomachtstellung geworden. Schauen Sie sich an, wie ein Grüner Habeck von der Presse geradezu angehimmelt wird. Jegliche inhaltliche Kritik verkrüppelt da unmittelbar zu Defätismus, ja zur Ketzerei.
Dass sich die Linken in dieser Situation des höchsten Triumphes zunehmend alle Hemmnisse und politischen Schamesgrenzen überschreiten, verwundert nicht mehr.

Henriette Schmitt | So, 11. November 2018 - 11:29

Die Erosion sozialistischer Parteien bringt in der Beschreibung ihrer Phänomene die Errosion der deutschen Sprache mit sich.

Klaus Schmid | So, 11. November 2018 - 11:31

Eigentlich gibt es doch nur 2 Fraktionen: Diejenigen die mit der bekannten Parole "Deutschland verrecke" kein Problem haben und diejenigen die das ablehnen.

Ralf Altmeister | So, 11. November 2018 - 11:37

sich in einem von grün-links veranstalteten Forum zu äußern, dass man als weltoffener und toleranter Bürger gegen jede Art des rechten Gedankengutes, wie Antisemitismus, Diskriminierung von Frauen und Homosexuellen, Demokratieverachtung, Ablehnung Andersgläubiger und Überhöhung des Ehrbegriffes eintritt. Bis dahin ist Ihnen der Beifall gewiß.
Wenn man jedoch die Frage stellt, warum man dann Migranten willkommen heißen soll, die mehrheitlich genau diese Eigenschaften mitbringen, schlägt einem Mißfallen entgegen, ohne dass dann darüber diskutiert wird.
Besser kann man die rechts-links- Verlogenheit nicht beschreiben.

Maik Harms | So, 11. November 2018 - 11:54

Wahrscheinlich ergeht es vielen so, dass sie bei einem Thema "links", bei einem anderen Thema "rechts" denken, mit Abstufungen und zeitlichen Anpassungen.

Umso änderungsbedürftiger ist es, dass man als Wähler immer noch ein ganzes "Paket" einer Partei "kaufen" soll, statt seine Meinung/Stimme themen- und problemspezifisch abgeben zu können. Deshalb bin ich für Volksentscheide auf allen Ebenen.

Die politischen Koordinaten (rechts-links, offen-geschlossen, autoritär-egalitär) sind in steter Bewegung, weil die ihnen zugrunde liegenden Werte und das Umfeld sich, immer schneller, ändern. Mensch treibt dies selbst voran, sehnt sich aber auch nach Stabilität. Deshalb muss man Gegensätze aushalten (können).

Gisela Fimiani | So, 11. November 2018 - 12:16

Wie Sie es beschreiben, drängt sich ein „sowohl als auch“ geradezu auf, wenn man es unternimmt, sich auf das „sapere aude“ einzulassen. Ich behaupte, dass derzeit der Verrat am Geist der Aufklärung in vollem Gange ist und die Furcht vor dem denkenden Bürger hat den Despotismus des imperium paternale zur Folge. Je höher die Ebene, UN, EU, desto erstrebenswerter für deren Befüworter. Der ehemalige Souverän löst sich in der gesichtslosen Masse des Gattungswesens Mensch auf. Die „Akteure“ sind jeglicher Verantwortung entzogen. Ich vermute, dass eine Erneuerung deshalb bewußt vermieden wird. Feigheit, Denkschwäche, Selbstüberhebung.....sind nur einige Untugenden, die eine res publica nicht ertragen. Eine wirklich offene Gesllschaft sucht die Auseinandersetzung mit Gedanken und Argumenten, die ideologisierte Gesellschaft fühlt sich durch sie bedroht. Die hystrische Reaktion auf solche Bedrohung ist allenthalben, nicht nur in der Politik, zu besichtigen.

Gisela Fimiani | So, 11. November 2018 - 12:21

Menschlich ist eben auch die Furcht vor dem Verlust der intellektuellen, sowie der materiellen Sicherheit. Verbrämen lassen sich solche Untugenden trefflich mit der Moral.

Tomas Poth | So, 11. November 2018 - 12:41

fühlt sich für viele vielleicht auch wie etwas totalitäres an. Wir kennen das von früher, eine ausgerichtete, gelenkte Gesellschaft die nur eines kennen und dulden will.
Heute sind wir ausgerichtet an Deutscher Schuld, Nato, immer tiefere EU, Euro, alles alternativlos.
Alles was "out of the box" ist wird massiv bekämpft, exorziert.
Wir haben uns festgelaufen, viele spüren das und wollen dies aufbrechen. Die "alten Palastwächter" haben es sich bequem eingerichtet und wollen sich nicht stören lassen.
Anläßlich der Gedenkfeiern zum 09.11., der Deutsche Schicksalstag, fand der Patriotismus eine positive, andere Erwähnung in den Reden des Bundestagspräsidenten und des Bundespräsidenten als bisher. Tut sich da etwas?

gerhard hellriegel | So, 11. November 2018 - 12:45

Anmaßend wie ich bin, sage ich: dann sind wir schon zu zweit. Man beginnt sich ja schon zu fragen, ob man überhaupt noch richtig tickt. Fünf Minuten lang bin ich Ihr vorbehaltloser Fan. Dann isch wieder over.

Jürgen Keil | So, 11. November 2018 - 13:09

Sie haben mit Ihrer Zustandsbeschreibung recht, Herr Heitmann. Es gibt nur noch Extreme, rechte und linke. Keiner will mehr die Argumente des Anderen durchdenken. Wie aber kommen wir wieder heraus aus dieser Mühle dieser Rechthaberei und Moralisiererei? Das weiß ich nicht! Aber ich meinerseits versuche alles kritisch zu hinterfragen und zu durchdenken. Und selbst da ist man vor Subjektivem nicht gefeit.

Fritz Gessler | So, 11. November 2018 - 13:33

mit den berühmten 'links'/'rechts'-begriffen verbunden: links ist, wo der daumen rechts ist :)) alles eine frage des standpunktes - schon zu bismarcks zeiten (der, btw, die rentenversicherung einführte und nach seiner eroberungs/reichseinigungsphase eine dezidierte friedliche bündnispolitik betrieb)
was heute passiert, ist allerdings postmoderne simulation von politik - für links/rechts bleibt nur mehr emotionales 'feels for realz!', wie es im 3rdwave-feminismus so treffend heisst...

Markus Michaelis | So, 11. November 2018 - 14:35

Der Artikel trifft es aus meiner Sicht. Was ich hinzufügen würde: es gibt auch kein endgültiges Ende von rechts und links. Die alten gesellschaftlichen Sichtweisen brechen im Moment auf, weil sie nicht mehr ausreichend zur sich verändernden Realität passen. Was kommt ist glaube ich recht offen.

Thomas Bode | So, 11. November 2018 - 15:38

Schon die ersten Sätze enttäuschen.
Denn sie zeigen die Angst selbst der Verurteilung zum Opfer zu fallen.
Daher wird behauptet dass der liederliche Umgang mit Begriffen wie "Nazi" auch eine gleiche Entsprechung habe mit "linksradikal". Aber so ist das nicht.
Der selbstgerechte Furor und die moralische Vernichtung des Gegners ging von den "Progressiven", perverserweise selbsternannten Empathischen, aus. Das sage ich als enttäuschter Linker. "Meine" Linken tragen die Schuld an der Spaltung und Hysterie.
Warum das so ist kann ich leider in diesem Rahmen nicht ausführlich genug beantworten.
Aber es hat zu tun mit einem jahrzehntelangen Triebstau der frustrierten Linken, der sich entladen hat in der Willkommenskultur, als Chance das System zu kippen und den Selbsthass auszutoben. Also doch noch ein Revolutiönchen zu schaffen.

Marc Gause | So, 11. November 2018 - 17:09

"Raus aus den Schubladen!" Guter Wunsch, scheitert aber an den Open-Boarder und Merkel Fans. Die dulden keine andere Meinung als ihre, und jeder der nur einen Millimeter weiter von den Meinungen der Refugees-Welcome Anhänger abweicht wird in die Naziecke gestellt und damit mundtot gemacht.

Die Merkel Fans wollen keinen Dialog, sie wollen das jeder so denkt wie sie, und dulden keine Kritik.

Leider wird sich an diesem Klima in Deutschland nichts ändern.

Früher kam der Hass nur von rechts, heute kommt der Hass auch aus dem 1-Parteien Block CDU, SPD und Grünen.

Alfred Kastner | So, 11. November 2018 - 17:18

Seit Merkel Kanzlerin ist, ist das „alternativlose“ Durchregieren zur Methode geworden. Das demokratische System und der Politikbetrieb erreichen deshalb viele Menschen nicht mehr. Der Verdruss über ihre eigenmächtigen Entscheidungen ist in der Bevölkerung mittlerweile weit verbreitet. Im Drehbuch „Merkel gegen die Bösen“ ist kein Platz mehr für diejenigen, die einerseits den Rassismus bekämpfen, aber andererseits Zweifel hegen an der "Weisheit" von Merkels Politik. Gerade auch bei ihrer Flüchtlingspolitik. Linksextremisten pflegen gegen Merkel-Kritiker regelmäßig mit Einschüchterungsversuchen und roher Gewalt vorzugehen. Merkel hat nicht nur Europa, sondern auch die deutsche Gesellschaft tief gespalten. Die zunehmende Polarisierung breiter Schichten der Bevölkerung ereignete sich während Merkels Amtszeiten. Merkel verantwortet die politische und gesellschaftliche Entwicklung der vergangenen 13 Jahre. Jeder Tag, an dem sie weiterhin politisch tätig ist, ist ein verlorener Tag.

Christa Wallau | So, 11. November 2018 - 19:04

Das Bild von der auftauenden, aufbrechenden Erde
nach einem langen Dauerfrost mit den dazugehörigen Gerüchen gefällt mir.
Ja, so ist es: Es gärt überall!
Und warum?
Weil überall und schon seit ewigen Zeiten gestunken und gelogen wurde und
weiterhin wird!
Um sich mit ihren Vorstellungen von einer "besseren" Welt durchsetzen zu können, argumentieren die herrschenden Interessengruppen (politische/gesellschaftliche/ wirtschaftliche) mit allem, was ihnen zur Verfügung steht - am wenigsten mit der Wahrheit.

Es braucht nichts mehr als eine neue, radikale
Aufklärung in dem Sinne, daß j e d e Maßnahme
kritisch hinterfragt und erläutert wird, z. B.
jetzt der "Global Pact of Migration".
Was aber geschieht???
Statt Aufklärung erfolgt Beschwichtigung, Vernebelung der Ziele und Diffamierung der Gegner. Wo bleibt da die vierte Gewalt im Staate, die Presse und die Medien, welche die Hintergründe und die wahren Motive hinter diesem
Pakt eruieren und der Bevölkerung darstellen???

Rob Schuberth | So, 11. November 2018 - 19:09

Ein Artikel dem ich in weiten Zügen gern zustimme. Der Autor bemüht sich auch leidlich darum nicht selbst ins rechts-links-Debakel abzurutschen. daher ein recht objektiv gehaltener Artikel. davon gibt es ja heute nicht mehr viele. Der olfaktorischen Reinigung aber, der entziehen, bzw. verweigern sich ALLE Parteien. Egal aus welchem Lager sie stammen u. auch die, die fast nur noch von Erneuerung reden. Sie reden, ja, ...aber sie ändern (machen) nichts.

Dimitri Gales | So, 11. November 2018 - 19:42

Politpersonal, so als hätte es Zauberstäbe in der Tasche - der Wähler verhält sich zu passiv, er delegiert zu viel von seiner eigentlichen Macht. Denn in Wirklichkeit kann der Nationalstaat nicht mehr viel, er ist von supranationalen Mächten mehr oder weniger abhängig, diese können die Regierungen sogar erpressen, nötigen und drohen; oft hängt dies mit den Staatsfinanzen oder Wirtschaftsinteressen zusammen. Nur der Bürger, nicht das immer machtlosere und nur noch moderierende Politpersonal, könnte etwas bewirken. Aber die jetzigen sogenannten "Volksparteien" sind zu gestrig ausgerichtet, zu schwerfällig, als dass sie realistische, akzeptable Lösungen entwickeln könnten. Ein Hoffnungsschimmer ist die Bewegung von Wagenknecht.

Claus Bänsch | Mo, 12. November 2018 - 08:57

Teilweise richtig, aber das Hauptproblem ist nicht die Verwendung von Begriffen wie "links" oder "rechts", sondern das diese zunehmend die Argumente ersetzen.
Ich weiß nicht, wer wann damit angefangen hat, aber wenn heute in einer Diskussion einer dieser Begriffe verwendet wird, dient er nur dazu, einen der Teilnehmer des Diskurses zu diffamieren. Auf dieser Stufe ist aber dann keine vernünftige Diskussion mehr möglich.
Mein Eindruck zur Zeit geht dahin, dass der "etablierte" Politikbetrieb diese inflationär verwendet um von seiner eigenen Argumentlosigkeit abzulenken.
Das ist zwar nicht sehr klug aber ok, doch das sich die meisten Medien mit diesem Konzept gemein machen, ist die eigentliche Katastrophe.

Kurt Meyer | Mo, 12. November 2018 - 09:11

Danke - für diesen überaus trefflichen Artikel. Gut zusammen gefasst.. und wie ich finde sehr locker -verständlich geschrieben!

gabriele bondzio | Mo, 12. November 2018 - 09:45

Auch bekannt als »Panta rhei« von Heraklit. War so der erste Gedanke, welcher mir beim lesen ihres Artikels kam. Kein Wiederaufleben alter politischer Konflikte. Sie haben eine andere Qualität. Genauso wie ein Fluss, schon im Anschauen, ständig ein anderer ist.Ihr Gedanke, Herr Heitmann, altes politisches Denken trifft nicht den Zeitgeist, ist zutreffend. Zumal ich mich schon immer ein gegen die Begriffe Links/Rechts (quasi Schubladen) gewehrt habe. In fruchtbaren Diskussionen werden sich viele Menschen beider Strömungen bedienen. Eingefleischte Ideologen haben aber kaum die Möglichkeit sich aus der Blase ihrer eigenen Überzeugungen zu befreien. Weil sie damit ihren Lebensinhalt beiseite fegen würden. Und so akzeptieren sie eher einen Dauerfrostboden ohne Hoffnung auf einen Frühling. Merz, ist in Richtung Grün angetaut. ” Die Grünen von heute seien „sehr bürgerlich, sehr offen, sehr liberal und sicherlich auch partnerfähig“, (Bild.de). Ob sich der Gedanke für ihn lohnt?

Birgit Fischer | Mo, 12. November 2018 - 09:56

Ihre gesamte Kanzlerschaft hat Merkel dazu genutzt, diese Gesellschaft zu zerstören. Sie hat die Herkunftsdeutschen gegeneinander aufgehetzt. Nun ist kein normaler Dialog mehr möglich. Auf der einen Seite stehen Linksgrüne, angeführt von Merkel-CDU, SPD, Grünen und Linken. Dagegen stehen AFD und der rechte Flügel der Union. Die FDP ist uneins, auf welche Seite sie gehört. In meinem Umfeld gibt es Leute, die nicht mehr miteinander reden, obwohl sie sich lange kennen. Dieses Land, die BRD ist richtig ekelhaft geworden. Deshalb bin ich froh, wann immer ich herauskomme. Meine Gespräche führe ich mit Menschen, die noch sachlich diskutieren können, in der Schweiz, in Österreich, in Tschechien. BRD 2018 macht keine Freude. Niemals seit Kriegsende war dieses Land so vergiftet und die Brunnen-Vergifterin sitzt immer noch im Kanzleramt, so als wäre nix gewesen. Nein, das Ganze hat ein Nachspiel. Soviel ist sicher.

dr. michael kubina | Mo, 12. November 2018 - 10:18

Ich schätze die Beiträge des Autors, hier aber, glaube ich, irrt er sich, und zwar wohl vor allem, weil er sich selbst nicht in eine Schublade stecken lassen will. Welcher denkende Mensch will das schon? Trotzdem glaube ich, dass die Begriffe links/rechts noch ihren Sinn haben und ewig behalten werden, wenn diese Gesäßtopographie je Sinn hatte. Sie sind ja mehr oder weniger Synoynme für proggressiv und konservativ, wobei sie nur mehr die Extreme konnotieren. Links will die "Welt" durch grosse Würfe besser machen und glaubt, die Fähigkeit dazu zu besitzen, rechts ist da skeptisch und will v.a das Bewährte bewahren. Links will "Solidarität", "Gerechtigkeit" und Staat, Rechts will Eigenverantwortung und Markt, Links will Freiheit von (Hunger, Not etc.), Rechts will Freiheit zu (allem, was andere in ihrer Freiheit nicht beschränkt). Dass sich die Extreme von Links und Rechts treffen, ändert nichts daran, dass die Zuordnung jenseits der Extreme Sinn macht.

Dr. Roland Mock | Mo, 12. November 2018 - 10:20

Ich bin auch nicht beleidigt, von Linken als „ Rechter“ bezeichnet zu werden. Heißt es doch nur, daß ich mit dem geist- und faktenbefreiten Quatsch, den Linke erzählen, nicht viel anfangen kann und stattdessen meinen Kopf zum Denken benutze. Bin übrigens der Meinung, daß sich die Unterschiede zwischen links (eher sozialistisch) und rechts (eher konservativ, bürgerlich) nicht verwischt haben. Linke suchen immer Opfer, negieren freien Willen
( Kriminalität) und Eigenverantwortung, wollen deshalb immer alles umverteilen ( höhere Steuern, Enteignungen). Moral: Sie predigen Wasser, trinken Wein. Alles (Familie, Nation) ist ihnen beliebig. Nur ihr verqueres Weltbild nicht. Konservative („Rechte“) setzen auf Eigeninitiative- und Verantwortung, einen im Bereich Sicherheit starken und im Bereich Wirtschaft sich weitgehend heraushaltenden Staat, auf Familie. Sie predigen keine Hypermoral, sondern versuchen das Machbare. Und diesen Unterschied gab es im 19. Jahrhundert und den gibt es heute.

Wolfgang Tröbner | Mo, 12. November 2018 - 10:39

Beim Denken ist der Mensch auf Vereinfachungen ("Denkmodelle", "Schubladen") angewiesen. Sonst könnte das menschliche Gehirn die Komplexität des Lebens (sei es das molekulare Geschehen in einer Zelle oder politische Zusammenhänge) überhaupt nicht erfassen. Das schließt jedoch nicht aus, dass solche Denkmodelle irgendwann aufgeben werden, wenn nämlich das ursprüngliche Denkmodell die Wirklichkeit nicht annähernd adäquat abbildet. Die babylonische Sprachverwirrung, die derzeit gerade in Politik und Medien zu beobachten ist, hat allerdings mit einem auf Erkenntnisgewinn abzielenden Denkprozess wenig zu tun. Im Gegenteil, es verhindert freies Denken, weil dadurch z.B. Gegensätze zwischen Parteien zukleistert werden. Diese muss man jedoch erkennen und entsprechend benennen können, um das politische Geschehen überhaupt zu erfassen. Ich wage zu behaupten, dass diese Sprachverwirrung gezielt eingesetzt wird. So wird nämlich verhindert, dass der normale Mensch die Politik verstehen kann.

Günter Johannsen | Mo, 12. November 2018 - 11:21

>>„Rechts“, „links“, „Nazi“ und „Sozialist“ sind heute keine inhaltlich klar definierten Zuschreibungen mehr, sondern Ausdrücke emotionaler Verurteilung.<<
Der Rechtsstaat ist ausgehebelt, weil die Moral-Elite-Hofberichterstattung der sogenannten "Öffentlich Rechtlichen" uns nur noch linke Hofberichterstattung zumutet. Keiner kann sich vorstellen, dass die angeblich unabhängigen Journalisten im vorauseilenden Gehorsam ihre Leser belügen, von denen sie leben. Kein vernünftiger Mensch sägt sich den Ast ab, auf dem er sitzt!
Bei´m merkelschen Propaganda-TV wird man wohl rausgemobbt, wenn nicht auch der letzte Demonstrant mit eigener Meinung kriminalisiert wird … dabei zeigen die ARD/ZDF-Hofberichterstatter keinerlei Hemmungen. Wie sollen demokratisch tickende Menschen über die Rückkehr des "Betreuten Denkens" a la SED-Stasi der DDR nicht in einen emotionalen Ausnahmezustand verfallen?!