Politischer Machterhalt - Kanzlerstürze

Die Geschichte der deutschen Bundeskanzler ist eine Geschichte von Macht und Sucht und von erzwungenen Abgängen

Machtwechsel 2005: Angela Merkel und Gerhard Schröder mit Blumen.
Kaum jemand prognostizierte Angela Merkel eine komplette Amtszeit / picture alliance

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Gregor Schöllgen lehrt Neuere Geschichte in Erlangen und ist der Biograf von Willy Brandt und Gerhard Schröder.

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Keiner ging zur rechten Zeit. Keiner verließ das Amt aus freien Stücken. Man kann das verstehen. Macht führt zu Sucht, und Sucht führt zu Entzug – früher oder später, aber unausweichlich. Jedenfalls in der Politik. Und weil alle Bundeskanzler dies wussten, weil sie ahnten, welche Entzugserscheinungen der Verlust der Macht und ihrer Insignien nach sich ziehen würde, ging keiner freiwillig. Alle wurden auf die eine oder andere Weise zum Abgang gezwungen.

Die FDP bezwang Adenauer

Auch Konrad Adenauer. Dabei war der Christdemokrat schon 73, als er im August 1949 mit einer Stimme Mehrheit zum ersten Kanzler der gerade gegründeten Bundesrepublik Deutschland gewählt wurde. Weil aber nach drei Legislaturperioden kaum mehr jemand die Verdienste dieses Mannes, allen voran die feste Verankerung des westdeutschen Teilstaats in der freien Welt, infrage stellte, schloss Adenauer eine angemessene Fortsetzung seines Lebenswerks durch einen Nachfolger aus. Da spielte Wirklichkeitsverlust, wie er bei langer Verweildauer in solchen Ämtern nicht selten anzutreffen ist, eine Rolle, aber auch der Glaube, unersetzbar zu sein. Bei Helmut Kohl war das ähnlich, bei Angela Merkel deutet es sich an.

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