Ein Handy-Display zeigt den Hashtag #MeToo
Ein Hashtag, viele Bedeutungen. Aber worauf bezieht sich #MeToo eigentlich? /picture alliance

#Metoo und der Feminismus - „Man hält krampfhaft am Opferdiskurs fest“

Mit dem Hashtag #metoo wollten Frauen auf sexistische Übergriffe aufmerksam machen. Doch damit haben sie dem Feminismus einen Bärendienst erwiesen haben, sagt Svenja Flaßpöhler, Chefredakteurin des Philosophie Magazins. Warum?

Chiara Thies

Autoreninfo

Chiara Thies ist freie Journalistin und Vorsitzende bei next media makers.

So erreichen Sie Chiara Thies:

Frau Flaßpöhler, sowohl in den USA als auch in Deutschland, mit den Enthüllungen über Dieter Wedel, sorgte der Hashtag #metoo für Wirbel. Sie haben ein Buch über die Debatte geschrieben. Warum?
Weil mich an der Metoo-Debatte die Undifferenziertheit stört. Mich stört, dass überhaupt nicht klar ist, was mit #metoo gemeint ist. „Me too“, das suggeriert: Mir ist etwas passiert. Auch ich bin Opfer geworden. Aber es bleibt offen, worauf sich das bezieht. Geht es hier um Situationen, in denen Frauen tatsächlich keine Handlungsoption haben? Bezieht sich das auf Vergewaltigung, Nötigung? Oder geht es um verbale Belästigung und Situationen, in denen man sich unwohl fühlt, in denen man das Gefühl hat, dass jemand einen Schritt zu weit geht? Das ist nicht eindeutig, und dadurch entsteht der Eindruck einer „patriarchalen Struktur“, die Frauen unterdrückt. Was soll das wiederum heißen? Rechtlich gesehen leben wir natürlich nicht mehr in einem Patriarchat. 

Wenn Frauen begehren würden, gäbe es kein #metoo?
Um es klar zu sagen: Dass Frauen sich gegen handfeste männliche Gewalt zur Wehr setzen, gegen die sie schon rein körperlich chancenlos sind – und sei es nachträglich durch ein „metoo“ – ist natürlich begrüßenswert. Doch der Gegenstand der Initiative hat sich ja rasant ausgedehnt auf alle möglichen Situationen, in denen Frauen durchaus Handlungsoptionen hätten, aber sie nicht nutzen. Hier setzt meine Kritik an. Wir müssen in den Blick bekommen, warum Frauen oft so eigentümlich reaktionsarm bleiben, sich passiv verhalten, den Mann gewähren lassen – und sich dann hinterher über seine Übergriffigkeit beschweren.

Woher rührt diese Passivität? 
Dieses Verhalten geht zurück auf eine Jahrhunderte alte Kulturgeschichte, die Frauen keine eigene sexuelle Position zugestanden hat. Frauen begehren nicht. Frauen haben ein Nichts zwischen den Beinen. Sie sind einzig dazu da, das Begehren des Mannes zu spiegeln. Aus dieser Position haben sich Frauen offenbar immer noch nicht befreit, und das erklärt meinen Ruf nach weiblicher Potenz:  Eine potente Frau wehrt sich direkt in den konkreten Situationen. Sie tritt nicht hinterher hilflos nach. Und deshalb braucht sie auch kein #metoo, das Frauen zu hilflosen Wesen stilisiert, die sich selber nicht wehren können.

Svenja Flaßpöhler
Svenja Flaßpöhler/ Johanna Ruebel 

Was ist Ihr Ansatz?
Anstatt Frauen zu infantilisieren, müssen wir sie zu Autonomie und Mündigkeit ermutigen! Ein konkretes Beispiel: Es wird ja immer wieder gesagt, dass Frauen, die von ihrem Chef aufs Hotelzimmer gebeten werden, sich nicht wehren könnten. Sie würden dann eventuell ihren Job riskieren. Fakt ist aber, dass sich Autonomie dadurch auszeichnet, das man sich selbst ein Gesetz gibt. Dass man die ist, die man sein will und sich aus selbstverschuldeter Unmündigkeit befreit. Das heißt eben auch, dass der Mensch Risiken eingeht und Widerstände überwindet. Es ist absurd zu behaupten, dass wir nur in risikofreien Situationen autonom handeln könnten. 

Wie kann sich eine Frau wehren, um kein Opfer mehr zu sein? 
Sie muss sich aus der Spiegelfunktion befreien, indem sie ihr eigenes Gewordensein begreift: Warum fällt es mir so schwer, mich einem Mann gegenüber klar zu verhalten? Gar selbst den ersten Schritt zu machen? Offensiv zu sein? Selbst zu verführen, anstatt verführt zu werden? Oder im Zweifelfsfall auch klar „Nein“ zu sagen, anstatt zu denken, dass man ihn dadurch kränkt? Wir dürfen den Männern nicht die Schuld für die eigene Passivität in die Schuhe schieben. 

Nun kann man die Idee hinter #metoo auch weiter drehen und den Hashtag für Geschichten verwenden, in denen man sich explizit gewehrt hat. Das hätte dann auch ein Vorbild für heranwachsende Frauen.
Klar, dann wäre metoo nicht länger auf die Objektposition fokussiert, sondern auf die Subjektposition. Die handelnde, potente Frau als  „Rolemodel“, das wäre in der Tat eine zukunftsweisende Wendung. Das würde den Frauen aber eben auch etwas abverlangen. Genau das vermisse ich im Moment. Metoo verlangt alles vom Staat, von den Institiutionen, von den Männern, aber nichts von den Frauen. Auf diese Weise wird die Frau zu einem unmündigen Kind.

Aber führt das Hashtag nicht dazu, dass sich Frauen solidarisieren? 
Nein, sich solidarisch zeigen heißt: Ich stelle mich klar vor jemanden, der schwächer ist als ich. Ich setze mich für ihn ein. Ich riskiere etwas. Ein Tweet aber fordert mir absolut nichts ab. Ich stelle mir ernsthaft die Frage, was genau Metoo eigentlich will. Einen starken Staat, der für die Frauen ihr Sexualleben regelt? Institutionen, die Männer schon beim Verdacht auf verbale Belästigung rausschmeißt oder ihre Kunstwerke nicht ausstellt? Gläserne Türen in Universitäten? Männer, die man einschüchtert mit der Drohung: Pass auf, sonst bist du als nächstes dran? Das Fundament einer funktionierenden liberalen Demokratie ist die Mündigkeit der Bürger. Untergraben wir dieses Fundament, haben wir ein ernsthaftes Problem. 

Ein „Anklagediskurs“ ist #metoo auch deswegen, weil Männer in der Debatte überhaupt nicht zu Wort kommen, oder? 
Was ausgesprochen schade ist. Ich würde mir hier auch mehr Mut auf männlicher Seite wünschen. Warum wehren sich Männer nicht dagegen, dass sie auf ein triebgesteuertes Tier reduziert werden? Warum schildern sie Verführungssituationen nicht mal aus ihrer Sicht? Das wäre doch hochinteressant. Im Moment wird der Diskurs von Frauen gegen die Männer geführt, die Öffentlichkeit fungiert hier als Richter. Übrigens hat ganz sicher nicht jede missratene Situation zwischen den Geschlechtern, die bei #metoo geschildert wird, ihren Ursprung im Unterdrückungswillen des Mannes. Oft handelt es sich um Missverständnisse oder um fehlerhafte Deutungen von Signalen.

Warum hört man eigentlich keine männlichen Stimmen in der Debatte?
Es ist sicher so, dass Männer weniger Leidensdruck haben, was natürlich auch auf die Kulturgeschichte zurückgeht. Männer waren lange das dominierende Geschlecht. Sie bestimmen in zwischengeschlechtlichen Situationen den Ton, machen den ersten Schritt. Genau das ist das Problem. Diese Dynamik würde sich ja tatsächlich ändern, wenn sich zwei gleich potente Geschlechter begegnen würden. Natürlich ist das schwierig. Kulturgeschichtlich wurde die verführende Frau für ihre Verführungskraft immer abgestraft. Das haben wir heute noch im Hinterkopf: Verführende Frauen sind Schlampen oder Huren. Insofern gibt es Misogynie natürlich noch, der Punkt ist nur, dass auch wir Frauen sie verinnerlicht haben. Wir müssen hinterfragen, inwieweit wir immer noch in bestimmten Denkmustern feststecken. 

In Ihrem Buch bemängeln Sie eine Stagnation des Feminismus. Ist #metoo Ursache oder Wirkung dieser Stagnation? Ich würde eher sagen: #metoo ist das Symptom.
Und zwar auch ein Symptom für den Feminismus der vergangenen zwanzig Jahre, der die heterosexuelle Position der Frau nicht gestärkt, sondern eher geschwächt hat. Ich spreche hier von dem dekonstruktiven Feminismus, der auf der einen Seite für die gesamte Entwicklung der feministischen Theorie extrem wichtig war. Er hat immerhin gezeigt, welche Ausgrenzungsmechanismen damit einhergehen, wenn man Frauen auf ein Wesen reduziert und Heterosexualität zur natürlichen Norm erklärt. 

Das klingt ja erstmal gut.
Das Problem ist aber, dass der dekonstruktive Feminismus das Kind mit dem Bade ausgeschüttet hat und von einer „zwangsheterosexuellen Matrix“ spricht. Das bedeutet, dass Emanzipation nur durch Zwischenpositionen möglich ist, also: durch queere, lesbische, transsexuelle Identitäten. Ich glaube, wir merken jetzt, dass die heterosexuelle Frau durch diesen Feminismus nicht repräsentiert wurde; letztlich also hat auch dieser Feminismus ausgegrenzt.

Wie muss ein Feminismus aussehen, der nicht in diese Falle tappt? 
Was wir brauchen, ist ein Feminismus, der die Frau nicht auf ein „Wesen“ reduziert, aber andererseits auch nicht sagt: Alles ist Konstruktion. Noch gibt es kein feministisches Subjekt. Ich plädiere daher für einen Feminismus der der körperlichen Erfahrung. Im Augenblick aber fühle ich mich durch den #metoo-Diskurs eher in die fünfziger Jahre zurückversetzt. Hier wird eine gesellschaftliche Realität heraufbeschworen, die wir längst überwunden haben. Es ist insofern auch auffällig, dass die Protagonisten dieser Geschichten alte Männer sind. Die individuellen und gesellschaftlichen Entwicklungen werden ausgeblendet, stattdessen hält man krampfhaft am Opferdiskurs fest. Dabei sind Frauen so frei wie nie zuvor. Warum also nutzen wir die Möglichkeiten nicht, die uns offen stehen?

Svenja Flaßpöhler. „Die potente Frau“, Ullstein-Verlag, 48 Seiten, 8 Euro  

Mehr lesen über

Bei älteren Beiträgen wie diesem wird die Kommentarfunktion automatisch geschlossen. Wir bedanken uns für Ihr Verständnis.

Birgit Rilling | Fr., 13. Juli 2018 - 10:16

möchte ich rufen! Dankeschön für diesen Artikel! Er spricht mir als Frau so sehr aus der Seele! Ich finde, dieses #MeToo hat viel Zwischenmenschliches zerstört. Mich würde nicht wundern, wenn die Männer zukünftig jedes Scherzen und Unterhalten mit mir in meinem Berufsalltag unterlassen. Mann muss ja Angst haben, dass jede Geste, jedes Wort zu seinen Ungunsten ausgelegt wird. Ich würde da auch auf Nummer sicher gehen. Traurig, diese Entwicklung!

Michaela Diederichs | Fr., 13. Juli 2018 - 16:06

Antwort auf von Birgit Rilling

Eine ganz und gar grauenhafte Debatte. Mich macht das traurig. Männern wird jede Spontanität genommen. Sie müssen ja voller Zweifel und Angst sein, wenn sie sich einem weiblichen Wesen auch nur annähern. Was für ein verkrampftes Miteinander.

Dorothee Sehrt-Irrek | Fr., 13. Juli 2018 - 17:59

Antwort auf von Birgit Rilling

meine Bewunderung/Zuneigung zu Männern zu zeigen, aus Angst, diese könnten sich belästigt fühlen. Darf man Männern Komplimente machen?
Man muss doch immer in beide Richtungen denken.
Frauen vergewaltigen nicht, aber die Kapazität zu "nötigen"?
Dennoch ist die Debatte über sexuellen/Machtmissbrauch wichtig. Denn nur so werden Frauen erfolgreich im Berufsleben sein können, weil sie sich eben zur Wehr setzen.
Und wie gesagt, Männer könnten im Beruf/privat genauso davon profitieren.
Man muss halt nicht übertreiben und dem Gegenüber Respekt zollen.
Aber zum Beispiel Männer in die Kriege und das heisst möglichen Tod schicken und sich dann über Vergewaltigungen wundern, dazu gehört evtl. auch eine leicht einseitige Sicht.
Wir können immer beide Seiten sehen, sonst gäbe es uns gar nicht.

Mit Kompetenz und einem sicheren Auftreten gepaart mit Charme und Schlagfertigkeit können sich Menschen normalerweise Respekt verschaffen - egal ob Männchen oder Weibchen. Die ganze Debatte hat eine unglaubliche Dynamik in die falsche Richtung bekommen. Frauen und Männer können kaum noch unbefangen miteinander umgehen. Wer pausenlos reflektieren muss, ob er/sie sexistisch, rassistisch, politisch unkorrekt spricht oder handelt, erfährt eine totale Selbstbeschränkung zum Nachteil der Kreativität, Spontanität, Schlagfertigkeit, Denkfähigkeit. Wir müssen inzwischen alle mit Scheuklappen, Maulkorb, Helm und Gurt durch die Lebens- und Arbeitswelt gehen. Ein Gewinn ist das nicht.

Hans Müller | Sa., 14. Juli 2018 - 10:39

Antwort auf von Birgit Rilling

@Birgit Rilling: "Mich würde nicht wundern, wenn die Männer zukünftig jedes Scherzen und Unterhalten mit mir in meinem Berufsalltag unterlassen."
Das wird garantiert noch mehr werden, und zwar von den Unis herkommend. Ich selber arbeite an einer solchen, da benutzt stellenweise sogar die Verwaltung (also nicht nur der durchgeknallte ASTA) Gender-Sterne um anzuzeigen, wo der ideologische Hammer hängt. Die bieten extra awareness- bzw. Argumentationskurse an, damit der weibliche Nachwuchs keine mögliche Belästigung übersieht und mit missionarischem Eifer darauf reagieren kann.
Oft wird behauptet, das sei nur eine kleine Minderheit. Die bestimmt aber vollständig den Stil und setzt die neuen Standards: Komplimente oder Bemerkungen zu Körpermerkmalen sind völlig tabu, Anschauen nackter Hautpartien eine Belästigung, Bezweifeln des immerwährenden Opferstatus von Frauen, LBQ+++ ein Sakrileg, usw. das Übliche. In 10 Jahren werden die so geprägten Berufsanfänger normal sein.

Gerdi Franke | Fr., 13. Juli 2018 - 11:07

Jede Frau, die sich belästigt oder missbraucht gefühlt hat, hatte immer und überall die Möglichkeit, Anzeige zu erstatten. Wer zwanzig Jahre später in die Öffentlichkeit geht will nur Aufmerksamkeit, die man vielleicht sonst nicht mehr bekäme!

Stephan Unger | Fr., 13. Juli 2018 - 11:54

Ich finde diesen Artikel so gut, dass ich weit mehr Zeichen bräuchte, nur um die Lobpreisungen alle runterzuschreiben. Daher nur eine Bemerkung:

"Das haben wir heute noch im Hinterkopf: Verführende Frauen sind Schlampen oder Huren. Insofern gibt es Misogynie natürlich noch, der Punkt ist nur, dass auch wir Frauen sie verinnerlicht haben." Vielleicht wird das immer geächtet bleiben, so wie Männer, die ihre Ansprüche mit Gewalt durchdrücken. Moralisches Handeln erfordert eben mündige selbstbestimmte Menschen ohne Zwang und Manipulation.

Ihr Buch kaufe ich und schenke es meiner Frau.

"Warum wehren sich Männer nicht dagegen, dass sie auf ein triebgesteuertes Tier reduziert werden?"

Weil der Vorwurf innerhalb von 5 Sekunden zu entkräften ist, wenn man mit einer weiblichen Person spricht. Daher haben die meisten Männer nichts dagegen - macht einen ja nur noch interessanter, weil vielleicht ja doch dieses triebgesteuerte Tier rauszukitzeln ist.

Holger Stockinger | Fr., 13. Juli 2018 - 12:29

Allen Diktaturen gemeinsam scheint es höchst wichtig zu sein, die "Sprache" zu "säubern". In der heutigen "westlichen Welt" herrscht die "Politische Korrektheit" mit ihrem Oberslogan: "Nicht-Diskriminieren!".

Dass das Ergebnis das Gegenteil ist, beweist der "Kampfbegriff rechts". Nicht etwa, was Recht ist oder wäre, nein: Wer nicht "links", also Verfechter des Mainstreams ist, wird abgestempelt als "rechts" und damit quasi basta!

Nicht die Meinung des Gegenüber gilt etwas und darf gehört werden, sondern der linke Rechthaber ist im Besitz der allgemeinen und unumstößlichen Wahrheit wie weiland der Papst ex cathedra ...

#meetoo ist nichts anderes als eine Variante im Reigen der Orwell'schen "Gedankenpolizei" ...

... und was äußert beunruhigend ist, den meisten aber zu entgehen scheint, ist die Gesamt-Tendenz hin zu einer neuen Art Totalitarismus, der die Gedankenwelt bereits mitbestimmt!

Gedankenpolizei - wir sind mitten drin. Wer hat´s erfunden? Nicht die Schweizer. Nein, es sind leider - Frauen. Wir sind mittendrin im Doppeldenk und Neusprech. Ein Albtraum für im Grunde alle. Männer haben es aber geschehen lassen ohne je dagegen aufzubegehren. Warum bloß? Unbegreiflich!

Martin Ledereer | Fr., 13. Juli 2018 - 13:59

Was ich "witzig" finde: Frauen, die sich z.B. im Show-Biz etliches (auch sexuelles) gefallen lassen, um besser Karriere zu machen, werden jetzt als arme Opfer groß hervorgehoben. Und Frauen, die real vergewaltigt werden oder abgestochen, sind kein Thema, weil es die linksgrüne Ideologie gefährdet.

...ich finds überhaupt nicht "witzig", daß die Bedingungen vielfach so waren und sind, daß sich Frauen "z.B. im Show-Biz etliches (auch sexuelles) gefallen lassen" müssen, um eine Rolle zu bekommen oä. Ich hab oft den Eindruck, daß viele Männer (oft aber auch Frauen) sich überhaupt keine Mühe machen, sich in die Lage von Frauen reinzuversetzen, die unfreiwillig Opfer von sexuellen Übergriffen werden, Wenn eine Frau (oder auch ein Mann) keinen anderen Weg sieht, sich sexuell bedrängen zu lassen, nur um ein Ziel zu erreichen, finde ich das allerdings fast genauso schlimm.

Holger Stockinger | Fr., 13. Juli 2018 - 14:26

Der "Reaktionär" für viele sogenannte Intellektuelle (Sigmund Freud) bemerkte in seinen "Abhandlungen zur Sexualtheorie" (Erscheinungsjahr 1915) das "polymorph-perverse" im menschlichen Wesen.

In einem Referat zu dieser Schrift erinnerte ich mich u.a. an das Klinefelter-Syndrom: XXY-Frauen mit Hoden statt Ovarien. Meine damals vorgetragene Sichtweise mündete in der Meinung, daß der Mensch von Natur aus bisexuell veranlagt sei: also sowohl schwul oder auch lesbisch als Möglichkeit.

Das Absurde am #meetoo-Feldzug wäre das, daß ein lesbischer Mann eine schwule Frau anbaggert, die dann unsichtbar (= unbewußt) ihn oder sie verklagt, kurz vor einer Ver-Gewaltigung gestanden zu haben ...

Kai Korrotes | Fr., 13. Juli 2018 - 15:34

Was für ein wunderbarer Artikel, der auch mal bei diesem Thema zeigt, dass es einen Ausweg aus der ewigen „Schwarz-Weiß-Denke“ gibt. Vielen Dank Frau Flaßpöhler!
Folgende Frage möchte ich (als Mann) gerne beantworten.

„Ich würde mir hier auch mehr Mut auf männlicher Seite wünschen. Warum wehren sich Männer nicht dagegen, dass sie auf ein triebgesteuertes Tier reduziert werden?“

Da es sich, analog zu allen brisanten Themen, auch bei diesem Thema so verhält, dass es anscheinend nur noch zwei Meinungs-Pole zu geben scheint. Bedeutet; äußert man (erst recht als heterosexueller Mann) die leiseste Kritik an der Metoo-Bewegung, wird man sofort als reaktionärer Frauenunterdrücker bis hin zum Vergewaltigungsrelativierer diffamiert, genauso wie man instantan ein Nazi ist, äußert man nur geringste Zweifel an der Sinnigkeit, der momentanen Flüchtlingspolitik.

Karin Zeitz | Fr., 13. Juli 2018 - 18:32

Antwort auf von Kai Korrotes

wenn man die Rolle der Frauen in den muslimischen Ländern und in Deutschland existierenden Parallelgesellschaften thematisiert, Nicht umsonst sind alle Gewalttaten muslimischer Männer gegenüber Frauen als “Einzelfälle“, “Beziehungstaten“ oder “Taten psychisch Kranker“ deklariert worden.

Kai Korrotes | Fr., 13. Juli 2018 - 15:44

Nach meiner Meinung handelt es sich weniger um fehlenden Mut, sondern eher um Fatalismus, da es als „Hauptverdächtiger*“ wahrlich mühsam bis sinnfrei ist, gegen eine ideologisierte Meute, zu argumentieren, dass eine „Hexenjagt“ kein Fortschritt darstellt, sondern das exakte Gegenteil. Und wie dieser gutgemeinte Unsinn schleichend in eine Bevormundungsdiktatur führt, sieht man in Schweden, wo man selbst bei einvernehmlichen Sex ein Vergewaltiger ist, wenn man im Zweifelsfall keinen paraphierten „Nur-Ja-heißt-Ja“-Vertrag in der Tasche hat. Absurd!

Kai Korrotes | Fr., 13. Juli 2018 - 15:59

* Hauptverdächtiger = In Zeiten, wo eine Sahra Wagenknecht von Teilen ihrer eigenen Partei ob ihrer Ansichten zur Migration als „Sozialnationalistin“ (der 1. Preis für den dümmlichsten Euphemismus aller Zeiten geht an die Linke) bezeichnet wird, könnte ich mich als heterosexueller, weißer, (nicht sooo) alter Mann, welcher auch noch biodeutsch ist, auf Grund eben dieser Eigenschaften, mein ganzes Leben im Keller verstecken und wäre für den fackeltragenden linksgrünen Gender-Mob immer noch das Paradebeispiel für einen frauenverachtenden, triebgesteuerten Nazi, welcher nebst „Deutschland verrecken“ soll. Der Mob will aber gar nicht hören, was die „triebgesteuerten Tiere“ (Ihre Worte) zu sagen haben, deren Urteil steht fest.

Heinz Stiller | Sa., 14. Juli 2018 - 11:06

Es geht bei unserer heutigen modernen Aufschrei-Öffentlichkeit nur scheinbar um Missstände, um Opfer, um Fehlentwicklungen, die öffentlich angeprangert werden sollen. In Wirklichkeit geht es in den meisten Fällen ganz einfach um Menschen, die sich in ihrer erbärmlichen privaten Nicht-Öffentlichkeit nicht angemessen in ihrer Wichtigkeit gewürdigt sehen. "Hallo, ich bin auch da - nehmt mich bitte wahr!" ist eigentlich deren Botschaft. Mit anderen Worten: Es ist Wichtigtuerei.

jherek carnelian | Sa., 14. Juli 2018 - 11:55

In so fern als dass wir seit Jahrzehnten den Typ "femme fatale" in Kunst und Medien feiern. Wenn eine Frau einen Mann verführt (zB auch, um etwas zu erreichen, jemanden zu überlisten), dann ist das eine Powerfrau, die sich durchsetzen kann. Wenn ein Mann eine Frau verführt, ist das ein sexueller Übergriff.

Gleichzeitig erwartet die Frau aber immer noch vom Mann, den aktiven Part beim Flirt zu übernehmen.

Außderdem, immer häufiger kommt an's Licht, wie häufig auch Männer Opfer von Frauen werden. Bei häuslicher Gewalt liegt die Zahl laut einiger Studien bereits bei 50/50 aber auch sexuelle Übergriffe finden statt, laut einer Studie der Standfort Universität gaben 51% der Männer an, seit ihrem 16. Lebensjahr einen Übergriff erlebt zu haben. Männer, die das betrifft, werden aber nach wie vor ausgeblendet und marginalisiert, lächerlich gemacht oder gar als der eigentliche Täter diffamiert. Hilfsangebote für Männer sind weiter rah. Ich warte immer noch auf den männlichen #metoo-Moment.

André Olejko | So., 15. Juli 2018 - 11:38

"… dass sie auf ein triebgesteuertes Tier reduziert werden?"
#metoo, das sogt der Hashtag ja eindeutig, ist eine Versammlung der Betroffenen. Als Nichtbetroffener mag man da nicht stören. Denjenigen, die es dennoch tun, ergeht es erfahrungsgemäß oftmals nicht gut – selbst Ingrid Steeger und Catherine Deneuve nicht. Es ist klüger, zu warten, bis sich die Anfangsaufregung gelegt hat und eine sachliche Diskussion möglich ist. Das kann aber noch dauern, da es eine Interessengruppe gibt, die permanent neues Öl ins Feuer träufelt. In solchen Situationen ist Schweigen die beste Antwort.

Jürgen Althoff | Mo., 16. Juli 2018 - 00:55

There was a young lady of Kent
who said that she knew what it meant
when men asked her to dine
gave her cocktails and wine.
She knew what it meant.
And she went.

And joined #metoo 30 years later