Matthias Jung - Stratege und Modernisierer

Auf die Prognosen des Mannheimer Meinungsforschers Matthias Jung hört auch die Kanzlerin. Zu den Parallelgesellschaften der Parteien hält er dennoch große Distanz

Matthias Jung
Über Kritiker und Wettbewerber äußert Matthias Jung sich im kleinen Kreis mit einer gewissen Spottlust und sehr direkt / picture alliance

Autoreninfo

Dr. Hugo Müller-Vogg arbeitet als Publizist in Berlin. Der gebürtige Mannheimer war von 1988 bis 2001 Mitherausgeber der F.A.Z. Sein aktuelles Buch „Wolfgang Bosbach: Endspurt. Wie Politik tatsächlich ist – und wie sie sein sollte” ist im Herbst 2016 erschienen.

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Kritiker nennen ihn „Hausdemoskop der Kanzlerin“, seine Fans rühmen ihn als Erfinder der „asymmetrischen Demobilisierung“. Matthias Jung, Vorstand der Forschungsgruppe Wahlen in Mannheim, erträgt beide Etiketten gelassen. Er stehe politisch der CDU näher als der Linkspartei, räumt der 61-Jährige ein. Den Begriff der asymmetrischen Demobilisierung habe er „als Wissenschaftler geprägt, um vorhandene Sachverhalte und Überlegungen zu präzisieren“. 

Asymmetrische Demobilisierung beschreibt die Strategie einer Partei, dem Gegner Themen wegzunehmen und einen konfliktarmen Wahlkampf zu führen. Die gegnerischen Anhänger werden eingeschläfert, also demobilisiert. Mit dieser Methode hat die CDU 2009 und 2013 die SPD deutlich unter 30 Prozent gedrückt. Hat der Sozialwissenschaftler Jung diese Strategie erfunden oder nur beschrieben? Da weicht Jung aus: Das sei ein „ambivalenter Prozess“ gewesen, aber keineswegs habe er der CDU „eine Blaupause“ für diese Strategie geliefert. 

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