Hubertus Knabe - Es brauchte keine Intrige

18 Jahre polarisierte Hubertus Knabe das Land als Kommunistenjäger und machte sich so viele Feinde. Dann verlor der Direktor der Stasi-Gedenkstätte Hohenschönhausen erst die politische Protektion und danach seinen Job

26.11.2018, Berlin: Hubertus Knabe, Vorstand und Direktor der Gedenkstätte Hohenschönhausen, kommt zur Gedenkstätte und will dort seine Arbeit aufnehmen. Dabei hat der Stiftungsrat der Gedenkstätte am 25.11.2018 seine sofortige Abberufung beschlossen.
18 Jahre war Hubertus Knabe Direktor der Gedenkstätte, im September 2018 wurde er entlassen / picture alliance

Autoreninfo

Christoph Seils ist Ressortleiter „Berliner Republik“ von Cicero. Im Januar 2011 ist im wjs-Verlag sein Buch Parteiendämmerung oder was kommt nach den Volksparteien erschienen.

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Business as usual in Berlin-­Hohenschönhausen. Busse fahren vor, Schülergruppen werden durch die düsteren Gefängniszellen geführt, in denen in der DDR Tausende politisch Verfolgte inhaftiert waren. Ende März soll in dem ehemaligen Stasi-Untersuchungsgefängnis eine neue Ausstellung eröffnet werden, „Stasi in Berlin“. Letzte Arbeiten werden gerade ausgeführt. Im Mittelpunkt der Ausstellung steht ein 170 Quadratmeter großes begehbares Luftbild, das Berlin im Maßstab 1:1758 zeigt. Auf ihm werden sich die Besucher mithilfe eines iPads rund 4200 Orte des Wirkens der Stasi in Ost- und Westberlin anschauen können: Dienstsitze, konspirative Wohnungen, Schauplätze von Mordanschlägen und Entführungen. Kurator Andreas Engwert nennt es die „Infrastruktur der Repression“.

Innovativ will sich die Gedenkstätte in der Ausstellung präsentieren. Filme werden sich die Besucher auf den iPads ansehen und Stasi-Einsätze auf dem Stadtplan über mehrere Stationen nachverfolgen können. Klassische Vitrinen und Texttafeln hingegen wird man vergeblich suchen. Die Ära Hubertus Knabe in Hohenschönhausen geht nach 18 Jahren in diesem Frühjahr mit einer multimedialen Inszenierung zu Ende.

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Christa Wallau | Di, 12. Februar 2019 - 15:06

Diese Stasi-Gedenkstätte habe ich besucht und war angetan von der - zugegeben - individuellen
Führung durch einen Betroffenen. Der Mann
vermittelte uns eine authentische Sicht auf den
Unterdrückungsstaat DDR.
Ich vermißte dort nichts - weder modernere
Ausstellungskonzepte noch glattgeschliffene politische Aufarbeitung.
Die Anekdoten, welche uns der ehemalige Häftling erzählte, waren samt und sonders aufschluß- und lehrreich.
Aus allem, was ich inzwischen über Herrn Knabe erfahren habe, geht hervor, daß er als Betroffener konsequent gegen die allmähliche Aufwertung der Linken (mit jeder Menge alter SED-Seilschaft) in D vorging und sich dadurch natürlich viele Feinde machte.
Das paßt nicht ins allgemeine Konzept, wo doch eine ehemalige Mitarbeiterin der Stasi (A. Kahane)
in einer Spitzenstellung als "Kämpferin gegen Rechts" auftreten darf.
Nein: Aufrechte Widerständler gegen Links werden in D nicht geduldet, n u r solche mit Wut gegen alles, was rechts von der Mitte ist.

Ernst-Günther Konrad | Mi, 13. Februar 2019 - 10:56

In reply to by Christa Wallau

Es ist so wie sie sagen Frau Wallau. Kritiker ob von rechts oder links werden mit allen Mitteln versucht zum Schweigen zu bringen. Sicher, mag Herr Knabe an der ein oder anderen Stelle mit seiner Kritik unangemssen verbal aufgefallen sein. Wer kann es ihm letztlich verdenken, er hat alles selbst erlebt.
Während man zum Thema "Hitlerzeit" selbst Zeitzeugen exhumieren lassen würde, damit diese ihre Erlebnissee noch erzählen könnten, läßt die Regierung die noch lebenden Zeitzeugen der "DDR-Diktatur" politisch öffentlich sterben. So wie das Leugnen der Vorfälle des 2. Weltkrieges Geschichtsrevisionismus wäre, so ist das Umdeuten und Verharmlosen der Kommunistischen Diktatur der DDR für mich ebenso Geschichtsrevisionismus. Da es aber noch Überlebende Täter und Opfer gibt, darf die Geschichte nicht korrekt aufgearbeitet werden. Warum? Weil einige der Zuarbeiter der DDR - Diktatur heute in öffentlichen Ämtern sind. Ach ich vergaß, die haben das Unrecht ja gar nicht mitbekommen.

Heidemarie Heim | Di, 12. Februar 2019 - 16:32

Weit davon entfernt davon eigene Erfahrungen mit der linksgerichteten Diktatur und ihren Spitzel- Organen gemacht zu haben, ist für mich ein sich wiederholendes Muster erkennbar, was deutsche Vergangenheitsbewältigung seitens der Politik betrifft. Und da es wie nach 1945 einen nicht unbedeutenden Anteil in der Bevölkerung gab und wohl noch gibt, die das totalitär repressive System STASI gestützt bzw. mitgetragen haben, wiederholt sich der Kampf um die Deutungshoheit. Nach Kriegsende hatten die Parteien auch kein Problem damit, die vorherige Gesinnung und eventuelle Taten ihrer Mitglieder zu verdrängen,noch behinderte es die Karriere. Doch wie ich soeben erfahre, schickt man sich an, Direktor Knabe nicht dem Einzel(zu)fall zu belassen. Laut RTL-Text S.122 soll nun eine Prüfung durch das Innenministerium stattfinden zur Vereinbarkeit von Parteimitgliedschaften und Verpflichtungen von Beamten und Staatsbediensteten für Rechts-wie Linksradikale. Was muss denen der A....auf Grundeis gehen!!

Sie sagen es Frau Heim. Denen geht der A... auf Grundeis. Die Beamten und alle im öffentlichen Dienst, die hinter den Fassaden arbeiten und deren Verschwiegensheitpflicht sie hindert, die tatsächlichen Missstände zu benennen oder zu veröffentlichen, dürfen dieses Wissen natürlich dann nutzen, wenn sie politische Ämter haben und freigestellt sind. Davor haben die etablierten Parteien natürlich Angst. Nur was machen sie mit den vielen anderen politischen Posten? Fernsehintendanten, Behördenleitern usw. Konsequenterweise dürften alle keiner Partei angehören, weil irgendwie politisch neutral verpflichtet sind. Was passiert mit den höchsten Richtern? Kaum ein öffentliches Amt, ohne parteipolitische Verquickung. Ach stimmt, es geht ja nur um AFDler und der Ordnung halber werden auch die Linken genannt.

Heidemarie Heim | Mi, 13. Februar 2019 - 12:56

In reply to by Ernst-Günther Konrad

Danke werter Herr Konrad für Ihre Antwort! Natürlich weiß oder besser sollte es wissen, das man bestimmte Posten nur mit dem "richtigen" Parteibuch bekommt.
Danach eine politische "Neutralität" zu erwarten ist ja die Farce. Mit Überprüfung der "Bauern" auf dem Feld der Praxis möchte man natürlich einen tieferen "Einblick"
in die Realitäten verhindern. An "Auffälligen", wie z.B. eine die wahren Umstände anprangernde Pflegekraft in einem mit "Sehr gut" geprüften und testierten Pflegeheim, wird dann auch als "Nestbeschmutzer" das Exemple der Entlassung statuiert. Für Beamte und andere Staatsbedienstete ist momentan ein "AfD-Linken-Eintrag" in der Akte ein ganz klares KO-Kriterium für die weitere Karriere. Und diese Art von "Kontrollmechanismus" funktioniert schon seit Adenauer, der wie einer letztlich ausgestrahlten TV- Dokumentation zufolge im Verdacht stand, das er seinen damaligen Konkurrenten Willy Brandt durch die entsprechende Behörde beobachten ließ. Klappt doch! Alles Gute!

muss denen der A....auf Grundeis gehen!! Oh nein, die sind ganz im Gegenteil, schon wieder so salonfähig, (sh. Beispiel Kahane), wenn die Politik wieder solche Typen braucht, ist der Demokratieverfall schon im Gange. Diese verruchten gewissensbefreiten Kreaturen, die ihre Stunde wieder gekommen sehen, wissen genau wie man unliebsamen Bürgern den Garaus macht, haben diese Typen mehrfach geübt, 1953 DDR, 1956 Ungarn, 1968 Tschechesslovakai, 1970 Warschau, die kennen weder Gnade noch Menschlichkeit wenn es um ihr Interesse geht. Ein Schlag ins Gesicht für Zehntausende die von den Bluthunden der SED und Stasischergen der DDR geschundenen Opfer! Schande für dieses Land und dessen Politcowns sowie den vielen schweigenden Bürgern, die immer noch glauben möchten, dass sie in einer Demokratie leben!

Heidemarie Heim | Mi, 13. Februar 2019 - 13:15

In reply to by Ursula Horvath

Es tut mir sehr leid liebe Frau Horvath! Anscheinend hat Sie mein Kommentar sehr aufgeregt und ich entnehme daraus eine persönliche Betroffenheit ihrerseits, was das Organ Staatssicherheit betrifft. Aber wie ich schon in meinem Kommentar bemerkte, haben die Opfer so lange das Nachsehen, wie es Täter und Mitläufer immer wieder schaffen "ihre Haut zu wechseln" und wie Sie sagen sogar wieder salonfähig werden können. Eine m.E. sehr verletzende und schmerzliche Art des
berühmten "Schwamm drüber". Alles Gute! MfG

gabriele bondzio | Di, 12. Februar 2019 - 18:52

...nun ein neuer Deutungskampf über die Verbrechen des SED-Staates beginnt."...Das war höchstwahrscheinlich mit einem „Kommunistenjäger, der sich in politische Debatten einmischte und noch dazu in die falsche Richtung, nicht möglich.
Arnold Vaatz (CDU) „Knabe hat in seiner Forschung die Unterwanderung der westlichen Linken durch die Staatssicherheit vor 1990 zum Thema gemacht. Er hat damit ein meinungsbildendes Milieu angegriffen, das zum unwissentlichen und teilweise sogar zum wissentlichen Verbündeten der DDR geworden war.“ Jetzt handele eine große Koalition von Anwälten des DDR-Regimes und denjenigen im Westen, die den Mantel des Schweigens über ihre Nähe zur DDR breiten wollen."
Ansonsten würde ich, Konkurrenz, Neid und Missgunst, politischer Protektion nicht nur in Hohenschönhausen vermuten.

Günter Johannsen | Mi, 13. Februar 2019 - 17:45

weil er die Verbrechen des SED/MfS-Staates in all seiner brutalen Härte dargestellt hat und nicht, wie von gewissen linken Stiftungen gewünscht, verharmloste oder vertuschte. Ihn zu feuern, war eindeutig eine politische Entscheidung, für die sich nicht nur der linke Senat schämen muss, der das duldete oder sogar förderte? Ich finde das widerlich: Eine Stasi-IM-Frau darf weiterhin unbeschadet eine Stiftung leiten, die in Schulen und Kindertagesstätten zur Gesinnungsschnüffelei anstiftet. Und wird dafür noch gestützt und belohnt von einer SPD-Ministerin... ! Befinden sich Regierung und Journalisten jetzt in einer linken Umklammerung? Steuern wir jetzt auf eine DDR 2.0 zu? Aufwachen heißt es jetzt, denn schon Kurt Tucholsky warnte seinerzeit:
"Wer in der Demokratie schläft, wacht in der Diktatur auf!"

Peter Schultheiß | Fr, 15. Februar 2019 - 10:23

Ja, Hubertus Knabe wurde - leider ist daran auch die CDU in Person von Fau Grütters nicht unschuldig - gefeuert, weil er immer gegen die Verharmlosung der SED, SED-PDS, PDS und LINKE Position bezogen hat. Er hat aber auch veröffentlicht, dass die SPD-Ikonen Willy Brandt und Egon Bahr Verbindung mit der DDR-Führung und dem MfS aufgenommen hatten, um Material gegen die CDU in den Bundestagswahlkämpfen zu erbitten. Das wurde allerdings nicht von der Presse aufgegriffen im Gegensatz zum vergangenen Wahlkapf in den USA, als man sich angeblich mit den Russen wegen Wahlkampfmunition in Verbindung gesetzt hat. Er passte eben nicht mehr in unser Merkel-Land! Kein Wunder, dass sich in diesem Staat keine Hand aus der Politik oder aus den Leitmedien für ihn regt.