Epidemiologe Scholz zum Corona-Lockdown - „Die Maßnahmen wurden in der ersten Welle stärker befolgt“

Warum funktioniert der Lockdown-Light nicht? Müssten Schulen und Geschäfte geschlossen werden? Wie kommt es zu vermeintlich unerklärlichen Hotspots? Die aktuelle Corona-Lage wirft viele Fragen auf. Epidemiologe Markus Scholz beantwortet sie im Interview.

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Ein Piktogramm weist auf der Straße auf die Maskenpflicht hin / dpa

Autoreninfo

Jakob Arnold hospitierte bei Cicero. Er ist freier Journalist und studiert an der Universität Erfurt Internationale Beziehungen und Wirtschaftswissenschaften. 

So erreichen Sie Jakob Arnold:

Prof. Dr. Markus Scholz arbeitet an der Universität Leipzig am Institut für Medizinische Informatik, Statistik und Epidemiologie.

Herr Scholz, wir haben seit über einem Monat Lockdown-Light. Warum will der nicht funktionieren? Oder ist meine Einschätzung falsch?
Der Lockdown hat insofern funktioniert, als dass er den überexponentiellen Trend, den wir davor gesehen haben, gestoppt hat. Aber Sie haben recht; er reicht nicht aus, um die Pandemie deutlich zurückzudrängen. Wir haben das auch erwartet, er war schließlich schwächer als der erste Lockdown. Nach unseren Modellen hätten wir einen ebenso starken Lockdown benötigt wie in der ersten Welle.

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Walter Bühler | Mi, 9. Dezember 2020 - 12:15

Ist das nicht zu einfach? Auch in diesem Artikel wird ignoriert, dass der in Asien eingeschlagene Weg deutlich besser funktioniert als der "im Westen" (und auch von Herrn Scholz) propagierte Umgang mit der Pandemie.

Ginge es in Deutschland nicht besser, wenn der STAAT dafür sorgen würde, dass ALLE Gesundheitsämter ALLE technischen Hilfsmittel erhalten, die sie brauchen (z. B. elektronischer Art)? Wenn alle Verwaltungen (und nicht nur die Bundeswehr) aus ihren nicht systemrelevanten Bereichen (Datenschutz, Presseabteilungen, Antidiskrimierungsbeauftragte, Frauenbeauftragte, Personalräte, ...) Personal an die Gesundheitsämter abordnen würden? Es müsste doch möglich sein, dass diese auch in schwieriger Zeit ihre Aufgaben erfüllen können.

Dazu wäre es nötig, das grün-rote Tabu des überzogenen Datenschutzes anzugehen und nicht nur andere Freiheitsrechte der Bürger, sondern auch den Datenschutz wegen der Epidemie zeitweise einzugrenzen.
Der STAAT versagt, wie man an der Corona-App sieht.

Man will am liebsten nur anordnen. Die Gesundheitsämter sind nicht nur aber auch deswegen überfordert weil sie betreffend Digitalisierung und IT Jahrzehnte hinten sind. Generationen von Landesgesundheitsministern/Staatssekretären, Landräten und ggf. auch Direktoren von Gesundheitsämtern haben sich jahrzehntelang mehr um die Modernität ihrer Dienstwagen gekümmert als um die Modernität der Arbeitsmethoden und Arbeitsmittel der Ämter für die sie verantwortlich waren/sind. Dieser Rückstand ist erst in 2020 an die große Öffentlichkeit gekommen. Die Ministerien / Ämter waren sicher in 2020 nicht in Lage die die Rückstände abzuarbeiten. Deshalb haben wir auch keine proaktiven Testregime für Schulen und andere Einrichtungen. An meinem Wohnort sind mehr als 1000 Schüler/Lehrer in Quarantäne ohne getestet worden zu sein. Alles im Sinne einer effektiven Infektionseindämmung totaler Schwachsinn, aber sie können es wahrscheinlich wirklich mit den gegebenen Strukturen nicht besser.

Ja, Corona lässt jedes Handeln zu und darum schränken wir auch mal eben die Grundrechte ein bzw. fummelm am Datenschutz herum. Nachdem auch das vermehrte Maskentragen nicht hilft (super Startegie gegen einen Virus) und die Menschen sich einfach nicht an die Auflagen halten (wie asozial ist das eigentlich) muss nun auch der Datenschutz eingeschränkt werden. Her mit den persönlichen Daten. Im Kampf gegen den Virus ist jedes Mittel recht........ Mir wird es übel und ich fürchte um unsere freiheitliche Demokratie, in der ich mich - eigentlich - bewegen kann, wie ich möchte. Doch das geht ja nicht. Der Kampf gegen den Virus fordert Opfer und Datenschutz, Versammlungsfreiheit, freie Meinungsäußerung, Berufsfreiheit und Bildungsfreiheit können wir uns in diesem Kampf nicht erlauben.
Herr, lass doch endlich Hirn vom Himmel regnen!

mit ihrem nachvollziehbaren Einwand gegen die bisherige staatliche Pandemiebekämpfung und dem Verweis auf die chinesische Vorgehenswiese, machen sie sich keine Freunde bei der AfD-Gemeinde, queren Denkern und Coronaleugnern, soweit diese Didaktur unterstellt bei amtlichen Einschränkungen des Privatverkehrs.
Realistisch betrachtet vom Standpunkt der Volksgesundheit "eiert" die Bundes- und Länderherrschaft tatsächlich herum. Grund: einerseits soll Handel und Wandel weiterlaufen, soweit sie staatsrelevant sind, aber so, daß die Infektionsrate nicht das Gesundheitswesen zu stark belastet, eine Versorgung der akuten Fälle noch gehandelt werden können, ohne den Behandlungsumfang wesentlich zu steigern, was auch kurzfristig womöglich nicht bewerkstelligt werden kann, schließlich die Kosten fürs Gesundheitswesen nicht explodieren zu lassen. Zusammengefaßt: Volksgesundheit aufrecht erhalten ohne die laufenden Geschäfte zu behindern. Na ja, dann noch das Volk bei Laune zu halten ...

Anfrage an Sender Jerewan?
Wieviel Bürger wurden in jeden Bundesland pro Monat kontrolliert?
Wie viel (%) davon hatten den Virus in sich?
Bei wie vielen (%) kam dieser Virus zum Ausbruch & gibt es da nochmals Unterscheidungs-Kriterien?
Nach welchen weiteren Kriterien werden die Zahlen untersucht, wie z. B. Alter, Geschlecht, Arbeitsmäßig viel unterwegs & hat mit vielen Menschen Kontakt?
Wie & in welcher Art analysieren Sie Zahlen & Fakten?
Und warum werden diese Zahlen sehr einseitig (aus einen einzelnen Zusammenhang herausgerissen) interpretiert & benötigt man nicht die Zusammenarbeit ALLER?
Wie vielen Menschen (getrennt immer nach Bundesland) starben an/ mit Corona?
Wie viel Prozent der Verstorbenen litten an Vorerkrankungen?
Wer & wie oft werden die Zahlen kontrolliert & durch Wem?
Warum gibt es keine Debatten für ein Pro & Kontra für unausweichliche Maßnahmen im ÖR-Raum?
Warum kann in einer Demokratie ein paar Einzelne das Schicksal für Menschen & Wirtschaft entscheiden?

Annette Seliger | Mi, 9. Dezember 2020 - 14:27

Guten Tag Herr Scholz, sie gehören offensichtlich auch zu den schlichten Gemütern die meinen, dass das Regierungshandeln einen Einfluss auf die guten Zahlen im Frühjahr hatte. Die Infektionszahlen gingen deutlich vor dem Lockdown runter! Das Virus hat keine allgemeine Relevanz für die Gesellschaft, will sagen es rafft nicht gleichermaßen Alt und Jung dahin (bitte entschuldigen Sie den Sarkasmus). Hier die aufgelaufenen Sterbefälle für BW. In den Altersgruppen 0-19 Jahre 2 Corona Tote, 20-29 Jahre 3 Tote, 30-39 Jahre 9 Tote, 40-49 Jahre 28 Tote, 50-59 Jahre 81 Tote, 60-69 Jahre 281 Tote, 70-79 Jahre 649 Tote, 80-89 Jahre 1471 Tote und 90+ 667 Tote. Die Altersgruppen 80-90+ machen gut 70% der Sterbefälle aus und das durchschnittliche Alter der Verstorbenen beträgt 82 Jahre.

Bei allem Respekt vor den Toten: Es ist dabei unberücksichtigt wie viele der Verstorbenen an Vorerkrankungen litten.

Das Grippejahr 2017/18 mit über 25.000 Toten werde wir nicht toppen und dies trotz Impfstoff!!

Klaus Funke | Mi, 9. Dezember 2020 - 14:53

Wir die Bürger, die alles schultern müssen, die zugleich die Opfer sind, wir sollen jetzt Schuld sein. Wie der strenge Lehrer: Ihr seid selber Schuld, warum habt ihr nicht gefolgt. Das ist die Pervertierung der Verantwortung. Denn was tut der Staat? Er ist dazu gegründet worden, seine Bürger zu schützen - tut er das? Wie die unmündigen Kinder werden wir herumgeschubst. Einen Plan des Staates kann man nicht erkennen. Es wird wie bei Frau Merkel üblich "auf Sicht" gefahren. Erfahrungen erfolgreicher Länder z.B. aus Asien werden ignoriert. Ratschläge von Leuten mit dem typischen Tunnelblick sind jetzt gefragt. Kann ein Herr Drosten oder das RKI oder die Leopoldina einen Staat lenken? Ganze Branchen werden ausgelöscht. Die Finanzhilfen, wohlfeile Versprechen, fließen nicht. Bürger, die sich ganz bewusst nicht an den Lockdown halten, weil ihr Rechtsverständnis aus anderen Kulturkreisen stammt, lässt man ungestraft gewähren. Wer hier schon länger lebt, ist der Dumme. Wie lange wird noch?

Heidemarie Heim | Mi, 9. Dezember 2020 - 15:10

Und was uns alles auf die Füße fällt. Alles soweit richtig was Prof. Scholz und Sie lieber Herr Arnold in der Kürze der Zeit besprochen haben. Aber was uns in dieser zweiten Welle auf die Füße fällt, sind doch nicht nur frühere Versäumnisse der Politik wie das kaputtsparen der bis Corona vernachlässigten Gesundheitsämter und der ewigen Diskussion ohne jeden Erfolg was die Situation der Pflege betrifft, miserable und hoffnungslos hinterherhinkende digitale Strukturen und Hygienestandards versiffter Schultoiletten, sondern man hat m.E. angesichts des angewachsenen Bergs von Problemen sich in der Sommer-Corona-Pause scheinbar wie das Kaninchen vor der vielköpfigen Hydra erst gar nicht die Mühe gemacht, einfachste Maßnahmen zu ergreifen, wie sie ein Herr Palmer ohne Federlesens ergriffen hat. Und für seine deutlichen Aussagen auch noch zum grünen Paria gemacht wurde. Was nützen Konzepte in der Schule, wenn diese z.B. vor Beginn und danach in Enge der Schulbusse
konterkariert werden usw.

Tomas Poth | Mi, 9. Dezember 2020 - 15:18

Wenn es der Anspruch ist daß es nur wenige bis keine Kranken und Toten geben darf, egal welcher Virus gerade eine Infektionswelle verursacht, dann müssen wir bei bei Beginn einer solchen uns wohl für 3 bis 4 Wochen komplett zu hause einsperren und von Vorräten leben, die zuvor noch eingekauft werden dürfen.
Sozusagen eine deutschlandweite Quarantäne einschließlich Grenzschließung und keine Reisebewegung.
Ist das realistisch??
Jede andere Variante wurde ja schon bei uns oder in anderen europäischen Ländern praktiziert mit den bisher berichteten Ergebnissen, nämlich ziemlich wirkungslos was die Eindämmung betrifft.
Was bleibt also als die Akzeptanz daß unsere Gesundheit und unser Leben immer wieder Gefahren ausgesetzt sind?
Ich hoffe wir werden aus der Rückschau im nächsten oder übernächsten Jahr lernen zukünftig besonnen und angemessen auf solche Ereignisse zu agieren/reagieren ohne unsere Demokratie und Wirtschaft gegen die Wand zu fahren.

Ernst-Günther Konrad | Mi, 9. Dezember 2020 - 15:18

Ich kann dem Artikel nur entnehmen, dass man nichts genaues weiß, aber mal vermutet wird, der "ungehorsame" Bürger war es wieder. Wird beim Virusangriff demnächst Sirenenalarm ausgelöst? Müssen sich die Bürger in "Bunker" retten, natürlich auf Abstand und mit Maske? Wann wird alles geschlossen? Bekommen wir wenigstens Bezugsscheine? Wann werden die ersten PC und Tablets beschlagnahmt, damit die Verwaltung endlich auf Vordermann gebracht werden kann und wenigstens Equipment bekommt. Könnten wir nicht die sog. "leichteren" Jungs in den Gefängnissen zur Nachverfolgung vom Knast aus beauftragen via Homeoffice. Ich hätte noch eine Menge Ideen. Aber mir gefriert gerade mein eigenes Lachen. Über Orwell haben viele gesagt, Fantast, Spinner, Zukunftsverschwörer. Und heute?

Jürgen Lehmann | Mi, 9. Dezember 2020 - 17:09

Bei den „MAßNAHMEN“ wird nur von den Geschäften, Schulen und dem privaten Bereich gesprochen.
Überhaupt nicht diskutiert wird über den Wirtschaftsbereich. Dieses ist ja auch verständlich, da wir eine Industrienation sind, und daher wird bereits jetzt schon wieder über das Erreichen der Wirtschaftsdaten vor CORONA fantasiert.

Die Quelle der Ansteckungen wird nicht beseitigt durch die angeführten Maßnahmen, sondern dürfte zum größten Teil von der großen Menge der Berufstätigen stammen, die letztendlich nach Arbeitsschluss in den privaten Bereich wechseln.
Eine drastische Infektionseindämmung ist daher nicht möglich.
Außerdem fehlt jegliche Kenntnis über den Weg der positiv getesteten Personen. Der Staat hat hier vollkommen versagt.

Urban Will | Mi, 9. Dezember 2020 - 17:21

auch mein Eindruck – dass nämlich die Maßnahmen beim 1. Lockdown besser befolgt wurden, dann sollte er sich auch mal fragen, warum das nicht mehr so ist.
Ein Staat, der in vielen Bereich schlicht unfähig auftritt, der nicht überzeugt und die Leute nicht mitnimmt, muss sich nicht wundern, wenn man ihn nicht mehr ernst nimmt.
Maßnahmen müssen begründet werden und sie müssen logisch sein, Sinn machen.
Volle U- und S-Bahnen auf der einen und geschlossene Lokale (trotz guter Konzepte) auf der anderen Seite, sind ein Beispiel für Unsinn.
Von Beginn an fehlte ein überzeugender Kompass.
Immer und immer wieder nur das Gleiche in den Medien: Fallzahlen, Angst und Panik.
Diskussionen, Hinterfragen, etc. unerwünscht.
So schafft man ein Klima, in dem immer mehr Menschen den Glauben verlieren.
Die hohe Politik wirkt überfordert. Und reagiert trotzig, droht mit immer härteren Maßnahmen.
Spricht den Bürgern quasi die Mündigkeit ab. Kapitalfehler.
So kommen wir nicht weiter.