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George Clooney im Home Office - oder zumindest seine Wachsfigur bei Madame Tussauds / picture alliance

Corona und Digitalisierung - „Ein Zeitfenster für Innovationen“

Peter Parycek berät die Bundesregierung in Fragen der Digitalisierung. Von der Corona-Krise erhofft er sich einen Innovationsschub für Deutschland. Ein Gespräch über die Liebe der deutschen Verwaltung zum Papier und die Erkenntnis, wie wertvoll persönliche Treffen im Kontrast zu Online-Konferenzen sind.

Autoreninfo

Moritz Gathmann leitet das Ressort Berliner Republik bei Cicero. Er studierte Russistik und Geschichte in Berlin und war viele Jahre Korrespondent in Russland.

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Prof. Dr. Peter Parycek ist Leiter des Kompetenzzentrums Öffentliche IT am Fraunhofer-Institut FOKUS und seit 2018 Mitglied des Digitalrats der Bundesregierung.

Herr Parycek, plötzlich erleben die Deutschen, dass Schule komplett online sein kann. Wer kann, bestellt auch Lebensmittel online – Dinge, die etwa in China schon länger Usus sind. Wird das nach dem Ende der Coronakrise so weitergehen – oder kehren die innovationsunfreudigen Deutschen zum business as usual zurück?
Die Zukunftsforscher überbieten sich ja derzeit mit futuristischen Ausblicken zur Veränderung des gesellschaftlichen Zusammenlebens von "alles digital" bis zu "zurück zum Analogen". Meine Annahme dazu ist, dass wir jetzt lernen werden, wie wir die Vorteile von analogen und digitalen Methoden besser kombinieren können. Nehmen wir das Beispiel geschäftliche Besprechungen: Aktuell haben wir alle Besprechungen in Video-Konferenzen umgewandelt, und unsere Terminkalender sind noch überfüllter als vorher. Wir werden uns aber weiter freuen, real in Räumen zusammenzukommen, denn die direkte Begegnung hat eine andere Qualität. In einem Raum kann ich beispielsweise viel besser lesen, wie die Verhältnisse und Stimmungen sind. Aber wir erfahren aktuell, dass es auch Vorteile hat, wenn wir nicht für jede Abstimmung in den Zug oder Flieger steigen. Die Akzeptanz von Online-Besprechungen wird somit zunehmen und damit positiv nachwirken. Nichtsdestotrotz werden wir speziell nach der Krise menschliche Begegnungen noch mehr schätzen, als wir es bisher schon getan haben. Darin sehe ich auch keinen Widerspruch.

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Michaela 29 Diederichs | So, 26. April 2020 - 20:38

Nehmen wir das Führungszeugnis. Antrag kann man abrufen, ausdrucken, ausfüllen. Unterschrift muss vom Amt (derzeit geschlossen) oder Notar beglaubigt werden. Immerhin darf man es dann einscannen und an das Amt schicken (mit ausgefülltem Überweisungsträger, klar!). Dann hat man es 2 Wochen später. Will man, wie vom Gesundheitsminister gefordert, spontan im KH helfen, wird das benötigt. Geht das vielleicht auch schneller? Und billiger? So kostet es mal eben € 13 für das Zeugnis und € 25,40 für den Notar. Viel Geld für einen freiwilligen Einsatz. Wer übernimmt das eigentlich bei einer Zwangsverpflichtung (in NRW geplant) - also Kosten und Antrag? Darüber lohnt sich nachzudenken. Unbürokratisch ist nur das Scannen. Danke für das Interview, Herr Gathmann.

Bernd Muhlack | So, 26. April 2020 - 20:43

In 2019 benötigte ich den Support der MS-Hotline.
Nach gefühlten 250 Fragen Intro plötzlich eine sehr angenehme Frauenstimme.
"Herr BM, was kann ich für Sie tun?"
Nach etwa 15 min war das Problem behoben; kostenlos!
Sehr freundlich, absolut kompetent.
Dat Mädel saß in Indien!

Ich wohne in einem kleinen aber feinen Kaff in Nordbaden, etwa 750 Einwohner.
Bis Mitte 2019 arbeiteten die Rathäuser des Landkreises noch mit WIN XP!
Einige mittelständische (Familien)-Unternehmen finanzierten eine neue Soft-/Hardware weil es nur noch eine einzige Katastrophe sei.
Zwei dieser Unternehmen sind global player; zurzeit leider meist Kurzarbeit, weil die Lieferketten (just in time) abgerissen sind.

Es wird seit langer Zeit von Digitalisierung, Industrie 4.0 gelabert, aber nicht zielführend gehandelt.
"Wir müssen, werden, sollten…"

Es gibt diese "Krankheit" Prokrastination.
"Ich hätte so vieles zu tun, aber Morgen ist ja auch wieder ein Tag!"

"D ist ein reiches, starkes Land!"
Kanzlerin Dr. Merkel.

Warum so pessimistisch lieber Herr Muhlack? Ich zitiere das Handelsblatt:
"Berliner Behörden, man glaubt es kaum, galten einst als Inbegriff des modernen Staatswesens. Die Welt staunte als Preußen mit den Stein-Hardenbergscher- Re-
formen das Fundament zum Aufstieg zur Großmacht legte. Nur das ist in-
zwischen zwei Jahrhunderte her. Heute würde niemand mehr auf die Idee kommen, die Hauptstadt als Vorbild bei der Bereitstellung staatlicher Dienstleistungen zu betrachten. Im Jahr 2020 bedeutet Verwaltung was sie schon seit 1959 bedeutet hat.
Amtsstube, Zettelwirtschaft, Warterei. Und das nicht nur in Berlin, sondern überall
auch in Deutschland. Wenn es um Digitalisierung geht, haben die Deutschen den Eindruck, in einem von Zukunftstechnologien abgehängten Land zu leben.
Dreiviertel der Bevölkerung halten die Bundesrepublik beim Thema Digitalismus für inkompetent.
Da haben diese nicht recht. Immerhin liegt Deutschland im Internationalen Ran-king auf Platz 36, das Ranking geht von 1-56.