Boris Palmer im Februar in Berlin
Gefällt sich in der Rolle als Opfer der Medien: Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer /picture alliance

Boris Palmer und die sozialen Medien - „Ein Grüner, der rechte Sprüche raushaut, auf den springen viele an“

Boris Palmer hört auf mit Facebook. Nach seinem jüngsten Shitstorm will der grüne Politiker vorerst nichts mehr posten. Für den Medienwissenschaftler Lutz Frühbrodt zeigt der Fall die Gefahren der sozialen Medien. In der politischen Kommunikation seien Facebook & Co. aber unverzichtbar

Antje Hildebrandt

Autoreninfo

Antje Hildebrandt hat Publizistik und Politikwissenschaften studiert. Sie ist Reporterin und Online-Redakteurin bei Cicero.

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Der grüne Politiker Boris Palmer hat seinen vorübergehenden Rückzug von Facebook angekündigt. Eine gute Idee?
Mit Sicherheit. Palmer hat in der Vergangenheit viele provokante und aus meiner Sicht auch unbedarfte Äußerungen gemacht, die dem politischen Diskurs in unserem Land nicht weiterhelfen.

Woran denken Sie dabei?
An sein Berlin-Bashing oder an die Kommentare, mit denen er seinen nächtlichen Auftritt als Ordnungshüter in Tübingen gerechtfertigt hat. Und dann natürlich an seine Einlassungen in der Asyl-Debatte.  

Palmer ist Oberbürgermeister von Tübingen. Würde man ihn im Rest der Republik kennen, wenn es kein Facebook gäbe?
Wahrscheinlich schon. Ich denke, man kann das Phänomen nicht auf die sozialen Medien reduzieren. Seit der Einführung des Fernsehens springen die Medienmacher auf alle Persönlichkeiten an, die auf die eine oder andere Weise polarisieren. Herr Palmer ist als Grüner aufgefallen, dessen Äußerungen, die nicht in den Mainstream seiner Partei passen und zudem durch scharfe Tonalität auffallen. Das macht ihn zu einer außergewöhnlichen Figur, die auch gern in Talkshows eingeladen wird. Insofern hat auch das Fernsehen Anteil an seiner Popularität. Hinzu kommen gewisse Print- und Online-Medien, die es gerne krachen lassen. 

Social Media ist nur ein Verstärker?
Das „nur“ kann man eigentlich streichen. Die sozialen Medien sind ein erheblicher Verstärker. Vor allem für sehr viel jüngere Menschen sind sie inzwischen die Nachrichtenquelle Nummer eins. Wir sind inzwischen so weit, dass wir uns Nachrichten von digitalen Freunden und sozialen Medien empfehlen lassen, statt selbst auf die Nachrichtenportale zu gehen.

Auslöser für Palmers Rückzug war ein Facebook-Post, in dem er die Deutsche Bahn dafür kritisierte, dass sie die bunte Vielfalt der Gesellschaft in einer Werbekampagne abbildete, indem sie auch prominente Deutsche mit Migrationshintergrund wie den TV-Koch Nelson Müller oder die Moderatorin Nazan Eckes abgebildet hat. Er wolle, so schrieb er, eine Diskussion über Identitätspolitik anzetteln. Sind soziale Medien dafür der geeignete Ort?
Man kann die sozialen Medien nicht alle über einen Kamm scheren. So, wie man nicht pauschal behaupten kann, Fernsehen mache doof, muss man auch bei den sozialen Medien differenzieren. Facebook gilt ja gemeinhin als „Plattform des Hasses“, um es salopp zu formulieren. Und von seiner Genese her ist da sicher auch etwas dran. Auf Twitter gibt es zwar auch Anfeindungen. Aber das Medium weist in der Regel ein etwas höheres Diskurs-Niveau auf.

Der richtige Ort, um eine Debatte anzustoßen?
Eher nicht. Eine Debatte besteht ja darin, Argumente auszutauschen und diese mit Fakten zu untermauern. Das ist bei Facebook oder Twitter relativ schwer. Klar, kann man auf Facebook auch längere Texte posten. Aber die liest dann keiner, weil es nicht das richtige Medium dafür ist. In den sozialen Medien hat sich eine Kommunikationskultur entwickelt, die an das gute, alte Telegramm erinnert. Sie ist geprägt durch sehr knappe, zugespitzte Aussagen. In ihrer Gesamtheit erzeugen solche Posts eher eine Stimmung als eine Debatte. 

Herrn Palmer ging es mehr um Stimmungsmache?
Das ist die Frage. Offen gesagt, verstehe ich ihn nicht. Ich weiß nicht, ob er wirklich reden will  – oder nur impulsiv was raushauen? Oder ob er gezielt eine Stimmung erzeugen will. Stimmungsmache ist ja eher bei der politischen Rechten angesagt. Die verkürzt oder verzerrt Sachverhalte oder verbreitet sogar Fake News. Der geht es nicht um eine sachliche Debatte à la Habermas, um einen Wettstreit der besten Argumente.

Vielleicht will Palmer austesten, wie weit er gehen kann, bis ihn die eigene Partei zur Raison ruft?
Ich glaube eher, er gefällt sich in der Rolle als grüner Outlaw. So bekommt er doch viel mehr öffentliche Aufmerksamkeit, als wenn er zur AfD wechseln würde. Er vertritt  im Übrigen auf anderen Feldern wie der Wohnungspolitik Forderungen, die so gar nicht zur AfD passen würden. Es lässt sich schwer ausmachen, ob hinter seiner Kommunikation eine gezielte Strategie steckt. Vielleicht kann man das nur individualpsychologisch erklären.

In dem Post schreibt er, er habe den Shitstorm schon vorhergesehen. Jetzt wundert er sich, warum er als „Rassist“ beschimpft wird. Ziehen soziale Medien wie Facebook Menschen an, denen es an Selbstwahrnehmung mangelt? 
Das will ich nicht ausschließen. Was man aber mit Gewissheit sagen kann: Soziale Medien sind das ideale Instrument für Menschen, die ein extremes Sendungsbewusstsein haben. Darunter gibt es viele, die sich jenseits des Meinungsmainstreams bewegen und die dann auch medial eine Welle machen können. Ein Grüner, der offensichtlich rechte Sprüche raushaut, auf den springen viele an. Der hat schon an sich einen Nachrichtenwert, nämlich den des Außergewöhnlichen und Skurrilen.

Sie meinen wohl eher: einen Unterhaltungswert?
Der kommt hinzu. Das Problem dabei ist nur, Politik ist eigentlich ein sehr ernstes Geschäft. Es geht um wichtige Fragen, gerade bei Themen wie Migration und Integration. Daraus Unterhaltung zu machen, zumal auf Kosten von Minderheiten, halte ich für problematisch. 

Aber wie kann er sich als Opfer der Medien fühlen? 
Ich glaube, es geht dem nicht darum, nur eine Welle zu machen. Das sind wirklich seine Positionen, für die er steht.

Aber das eine muss das andere doch nicht ausschließen. Ist Social Media nicht genau deshalb für Politiker so attraktiv?
Ich glaube, die sozialen Medien sind für Politiker deshalb so attraktiv, weil sie sich dort ungestört profilieren und schnell auf aktuelle Ereignisse reagieren können. Das hat auch Vorteile. Teilweise sind es Hinterbänkler, die auf diese Weise die Möglichkeit bekommen, sich zu profilieren. Früher hätten sie vielleicht erst den Fraktionsvorsitzenden oder dessen Pressesprecher fragen müssen, ob sie sich öffentlich zu bestimmten Themen äußern dürfen. Insofern haben die sozialen Medien die politische Kommunikation auch ein Stück weit demokratisiert.

Sie eignen sich auch, um Kampagnen zu organisieren. Ohne das Hashtag hätte die Bewegung #metoo nicht so eine Dynamik entfaltet.
Auf jeden Fall. Das Schlüsselwort lautet hier Vernetzung. Diese basisdemokratische Komponente darf nicht unterschätzt werden. Dass soziale Medien auch unschöne Dinge wie Shitstorms produzieren, ist eben der Preis, den man dafür bezahlen muss.

Von Marshall McLuhan stammt das Zitat: „Das Medium ist die Botschaft“. Das Medium gibt die Form der Botschaft vor. Was bedeutet das für Twitter und Facebook?
Es bedeutet auf jeden Fall: Verkürzung und Zuspitzung. Wie gesagt, das kann Vorteile haben. Der Fall Palmer zeigt aber auch, dass Politiker die Gefahren des Mediums manchmal unterschätzen. Das klassische Modell Sender-Nachricht-Empfänger ist aufgelöst worden. Auch Empfänger können heute zum Sender werden. Sie können antworten – und sie tun dies nicht immer auf freundliche Art und Weise. Darüber hinaus gibt es Menschen, die den Absender falsch verstehen oder falsch verstehen wollen. Wenn der einen Satz raushaut, liegt der nur in Schriftform vor. Als Empfänger weiß ich aber nicht, WIE dieser Satz gesagt wird.

Es fehlt die Mimik.
Die Mimik, die Gestik, die Tonalität. Das übersehen viele Politiker, dass sie auch falsch verstanden werden können. Der große Trumpf ist die Aktualität und die Geschwindigkeit, mit der man kommentieren kann. Aber durch dieses Aus-der-Hüfte-schießen passieren eben auch mehr Kommunikationsunfälle. Siehe Robert Habeck.

Der Fraktionschef der Grünen hat sich vor einiger Zeit von Twitter verabschiedet. Twitter sei ein Instrument der Spaltung, kritisierte er.
Diese Kritik halte ich für überzogen. Ich halte Robert Habeck für einen guten Typen, der kluge und manchmal auch unbequeme Dinge sagt. Aber ich glaube, das war eher eine Ausflucht, um aus dieser brenzligen Situation herauszukommen. Als Profi weiß er ja, welche Reaktionen so ein Ausstieg hervorrufen kann. Da kommen dann Fragen wie:  Wenn er schon mit Twitter nicht umgehen kann, wie will er dann erst Regierungsverantwortung übernehmen?“ 

Aber sind die sozialen Medien als Kommunikationskanal zu den digital natives nicht unverzichtbar? Kann es sich der Chef einer Oppositionspartei nutzen, darauf zu verzichten?
Eigentlich nicht. Die Frage ist aber, haben Politiker auch die Medienkompetenz, damit umzugehen? Entweder müssen sie dafür geschult sein. Oder sie müssen diese Kommunikation auslagern. Das kann ein Pressesprecher sein oder auch ein Referent, mit dem man sich abstimmt. Natürlich kann man ein- und denselben Inhalt über alle Kanäle verbreiten. Aber die sozialen Medien haben ihre Eigenheiten. Instagram ist bildlastig. Twitter ist eher textorientiert. Das bedeutet zusätzliche Arbeit.

Müssen Politiker jeden Kanal bedienen?
Nein, die Kommunikation über soziale Medien sollte auch nicht Überhand nehmen. Vielleicht ist es besser, wenn man sich auf einen oder zwei Kanäle beschränkt. Die Konzentration führt hoffentlich dazu, dass man sich stärker auf die Inhalte als auf die Vertriebswege konzentriert.

Das politische Klima in Deutschland ist derzeit aufgeheizt. Gerade im rechten Lager klagen viele, sie könnten nicht mehr ihre Meinung sagen, ohne an den Pranger gestellt zu werden. Welchen Anteil haben daran die sozialen Medien?
Gerade rechte Kreise haben diese sozialen Medien stark für sich instrumentalisiert. Insofern halte ich das Argument für absurd. Es gehört aber wohl zum guten Ton, sich als Opfer darzustellen. Aber mit Journalismus hat das häufig nichts zu tun. In rechten Medien wird oft nur eine ganz bestimmte Meinung abgebildet, während die klassischen Medien in aller Regel verschiedene Stimmen und Perspektiven auf ein Thema berücksichtigen. In der Tagesschau zum Beispiel kommt auch die AfD angemessen zu Wort.

Die AfD würde ihnen jetzt antworten, ihr sei gar nichts anderes übrig geblieben, um eine Gegen-Öffentlichkeit zu den so genannten Mainstreammedien zu schaffen.
Dieses Argument ist auf den ersten Blick gar nicht so abwegig. Solange die AfD nicht im Bundestag oder in den Landtagen vertreten war, ist sie bei den großen politischen Fragen ja auch kaum zu Wort gekommen. Das ist eine Frage der demokratischen Repräsentanz. Entscheidend ist aber auch, wie man sich zu Wort meldet. Ob man nur lauthals schreit oder ob man auch Argumente hat.  

Lutz Frühbrodt ist Professor für Fachjournalismus und Unternehmenskommunikation an der Hochschule Würzburg-Schweinfurt. Zusammen mit Annette Floren hat er gerade im Auftrag der Otto-Brenner-Stiftung die Studie veröffentlicht: Unboxing YouTube. Im Netzwerke der Profis und Profiteure.

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Markus Michaelis | Do., 25. April 2019 - 13:08

Palmer polarisiert, aber man sollte diese Diskussion mehr aufnehmen, weil es sie glaube ich braucht - gerade um sie aus dem Polarisierenden irgendwann herauszuführen.

Man stelle sich das umgekehrt vor: die Bahn hätte "weiße alte Männer" (oder eine andere Mischung) abgebildet. Es ist dann in den Medien üblich, dass von daran Kritik geübt wird, weil dies Menschen abwerte, nicht respektiere, Machtstrukturen zementiere etc. Das sind übliche Diskussionen, die auch begrüßt werden.

Die Unsymmetrie, sagt man, komme daher, dass verschiedene diskriminierte Minderheiten gegen die Mehrheitsgesellschaft zu recht aufbegehren.

Das ist aber genau die Diskussion, die mehr geführt werden müsste. Wer ist denn diese Mehrheit heute noch? Die AFD ja wohl kaum. Auch Palmer wird von seinen Kritikern nicht als die Mehrheit gesehen, sondern als Minderheit. Ist Herr Frühbrodt nicht Mehrheit? Ja, die Strukturen - aber da braucht es neue Diskussionen.

Dorothee Sehrt-Irrek | Do., 25. April 2019 - 13:49

ganz.
Auf die Schnelle nutze ich die Gelegenheit, Herrn Palmer mein Unverständnis auszudrücken.
Mit der Bahn fährt die deutsche Identität?
Woher hat er das denn und wenn, dann sind die Abgebildeten das beste Beispiel dafür, für die deutsche Identität.
Ausserdem und viel wichtiger, was macht denn eine Bahn?
Sie VERRBINDET und wenn es geht effizient und umweltschonend.
in der Bahn werde ich also eigentlich allen möglichen Menschen, vielleicht auch Tieren begegnen.
Deshalb nocheinmal, es ist nicht die Aufgabe der Bahn, eine deutsche Identität zu debattieren und anzuschieben.
Sie darf sich anpreisen und wenn die Dargestellten auch Bahn fahren, wunderbar!
Herr Palmer macht vielleicht einfach mal etwas anderes als Politik?
Wenn man nicht mehr ausreichend mit anderen lebt, sie nicht etwa nur beobachtet, dann kann einem zuviel entgleiten.
Ich schätze Palmers Kompetenz, aber gut, dass er sich zunächst zurückzieht.
Selbst ich mache das, wenn ich mich mal wieder völlig verrannt habe.

Ernst-Günther Konrad | Do., 25. April 2019 - 14:09

Da ich außer WhatsApp für die Familie und Freunde keine nutze und dies auch nur zum reinen persönlichen Infoaustausch, habe ich mich davor geschützt, mal schnell, aus dem Bauch heraus, ohne groß nachzudenken etwas öffentlich zu machen.Ich halte den Vorschlag, diese Medien von einem Berater beobachten zu lassen für den richtigen Weg. Politische Aussagen sollte er darüber keine machen. Er hat eine Presseabteilung, die das alles für ihn machen kann und vor allem, es muss nicht sofort und gleich auf alles geantwortet werden.
Hier liegt der Fehler bei den Nutzern. Infos werden kaum richtig erfasst, in Ruhe beurteilt, vielmehr fühlt man sich gezwungen reagieren zu müssen.
Natürlich muss auch irgendwie der Bogen zur AFD geschlagen werden. Der Mainstream hat seine ör Medien, der "böse" Rechte instrumentalisert via Twitter Co. War ja klar, dann die üblichen Standards. AFD ist in den Landtagen, darf ihre Meinung ein bischen sagen, aber eben nicht zu öffentlich und vor allem keine Wahrheiten.

Jürgen Keil | Do., 25. April 2019 - 15:19

Also Herr Frühbrodt, das ist Demokratie. Da darf man auch mal eine andere Meinung als sein Parteivorsitzender haben. Nur weil Herr Palmer zu einigen Sachfragen eine ähnliche Auffassung hat wie die „Rechten“, haut er Sprüche raus. Soll er sich verbiegen. Soll er lieber im links-grünen Einheitschor mitsingen. „Vielleicht kann man das nur individualpsychologisch erklären.“ Diese Form der subtilen Diskreditierung kommt mir doch bekannt vor. Vera Lengsfeld, „die ja auch immer was zu kritisieren hat, schon in der DDR“, hat man auch schon mit psychologische Anfälligkeiten diskreditieren wollen. Kritiker haben eben einen an der Waffel.
„Während die klassischen Medien in aller Regel verschiedene Stimmen und Perspektiven auf ein Thema berücksichtigen, …“ Herr Frühbrodt, über diesen Satz habe ich wirklich laut gelacht. Wenn Sie das vor 15 Jahren gesagt hätten, ok.

Hallo Herr Keil,
Sie haben die Dinge klar beim Namen benannt. Herr Palmer stellt unbequeme Fragen-Fazit: verkappter Rechter, besser in der AfD aufgehoben u.s.w.u.s.
Für mich ist Boris Palmer der/die Sarah Wagenknecht der Grünen!
Unbequem aber Ehrlich & Authentisch.
Der Grüne Oberhäuptling R. Habeck darf den letzten Mist verbreiten. Dazu sagt Herr Frühbrodt "Ich halte Robert Habeck für einen guten Typen, der kluge und manchmal auch unbequeme Dinge sagt." Ach, der darf das?
Für mich sind die angelichen"sozialen Netzwerke" = ASOZIALE DRECKSCHLEUDERN
Muss aber jeder für sich selbst entscheiden! Nur der Gruppenzwang bzw. Herdentrieb "mitzumachen" läßt eine kritische Sichtweise dieser...oftmals nicht zu!!!

Bernhard K. Kopp | Do., 25. April 2019 - 17:34

Antwort auf von Roland Völkel

Zur Berliner Enteignungsinitiative hat sich Habeck sehr ambivalent geäussert. Niemand hat ihm deshalb vorgehalten, dass er wohl klammheimlich eine Öko-stalinistische Diktatur für Deutschland anstrebt, um gemeinsam mit den Linken seine Version von " toleranten Diktatur" zu realisieren. Niemand hat ihm vorgeworfen, dass seine Position vermuten lässt, dass er ein Feind der freiheitlich-demokratischen Grundordnung und der sozialen Marktwirtschaft ist - was natürlich mehr als eine Vermutung ist, weil sich sowohl Sozialismus als auch konsequenter Klima- und Umweltschutz mit entsprechender Umerziehung der Gesellschaft nur in einer Diktatur realisieren lassen.

Ernst-Günther Konrad | Do., 25. April 2019 - 18:19

Antwort auf von Roland Völkel

Ich wollte selbst einen weiteren Kommentar in dieser Richtung verfassen. Lese ihre beiden. Sehe das genauso wie sie. Das spart mir meinen ausführlichen Text. Danke.

Ich halte die sogenannten "sozialen" Medien für so verzichtbar wie Pest und Cholera.
Und ich wundere mich täglich, wer alles meint, u. a. auf Fakebook vertreten sein zu müssen ... ?
"In den sozialen Medien herrscht der Pöbel" hat Rowan Atkinson alias Mr. Bean gesagt und zumindest ich stimme ihm hier hundertprozentig zu.

Christine Lamine | Fr., 26. April 2019 - 09:30

Antwort auf von Roland Völkel

einseitig die Dinge sehen, in gut und böse spalten, um auf der Mainstreamwelle oben auf zu schwimmen, sonst droht Verdienstausfall. #Gleichschaltung und #Konformität sind heute angesagt. Abweichler werden nicht geduldet, sondern gleich mit der „rechten“ Keule niedergemacht. Einem Habeck, der behauptet, in Thüringen gäbe es keine Demokratie, obwohl diese dort mit den Grünen „überrepräsentiert“ ist, wird verziehen, dagegen wird jedes Wort Boris Palmers auf die Goldwaage gelegt. Es bedarf heute mehr Mut SEINEN Standpunkt zu vertreten als den politisch korrekten. Man könnte die Werbung der Deutschen Bahn mit den schönen Menschen (mit deutschem Pass und Migrationshintergrund) vielleicht auch so verstehen, dass 1) nur Leute mit MHG die Zukunft für DE sind, 2)die Bio-Deutschen nur 2.Klasse Menschen sind oder 3) Deutsche lieber Auto als Bahn fahren (ist bei Politikern und Grünen auch Brauch). Es kommt drauf an wie man es auslegt.

Danke lieber Herr Keil! Humor ist wenn man trotzdem lacht. Denn dann muss ich per Definition einen gewaltig an der Waffel haben;-)
Das ist fast noch besser als die im Interview verwendete "Opferstilisierungsthese" als Entschuldigung. Der mit den "klassischen Medien" und Tagesschau war auch gut!
Unser "Sprücheklopfer" ist wohl das grüne Pendant zum schwarzen Herr Bosbach, der den Status der "quer im Stall stehenden Kuh" irgendwann entnervt drangab.
Was das merkantile Sendungsbewusstsein der DB betrifft, muss ich den nicht wenigen Netzaktivisten recht geben, die der Meinung sind, das man sich wohl besser den ausstehenden Aufgaben bei der Bahn, wie Zustand der Züge, Bahnhöfe, Pünktlichkeit usw. zugunsten des gemeinen Verbrauchers widmen sollte.
Alles Gute! MfG

Na klar doch, "rechter Sprücheklopfer Boris Palmer", was sonst?

Gottseidank postete er nicht er sei Vegetarier (keine Ahnung ob er`s ist).
In dem Fall wär er ganz nah am zum Glück bereits 1945 verschiedenen, extremst rechten Sprücheklopfer und Oberweltenvernichter der gern Gemüse zu sich nahm.
Also Vorsicht Herr Palmer, jedes Posten findet heute im Minenfeld statt.
Was mach ich? Ich geh jetz ein Zigeunerschnitzel essen und nehm als Nachtisch einen Negerkuss. Puh, das geht wohl nicht gut oder? ;-)

Bettina Jung | Do., 25. April 2019 - 16:58

Möchte ich vollumfänglich zustimmen und muss nicht wiederholt werden. Was mich in den letzten Jahren stört, ist der zunehmende Trend, Menschen mit Migrationshintergrund in der Werbung abzubilden, selbst auf Babywindeln. Ich sage bewusst „Trend“ und nenne es Rassismus. Den es geht den Werbern nicht darum, das Produkt erfolgreich zu machen, sondern den Pitch zu gewinnen - irgendwas mit People of Color. Wollte die Bahn Vielfalt abbilden, so wären auch Senioren, schwule Paare, Behinderte (darf man das noch sagen?) zu sehen. Wollte die Bahn die Realität abbilden, so wären Frauen mit Kopftüchern und Kinderwagen sowie farbige Jungs mit gestyltem Haupthaar und Earphone zu abgebildet. Aber nein, bewusst „ Promis mit Migrationshintergrund. Diese Arr der Werbung ist auch eine Form von Rassismus. Hauptsache die Kohle stimmt

Deutschland sieht lange nicht so multi-kulti aus, wie er es tat in England , als ich mit 12 und 16 Jahren dort war, Jahrzehnte her.
Es wäre traurig, wenn die etwas verquere und kommunikativ evtl. eingeschränkte Art von Frau Merkel in Deutschland dazu führte, dass wir alles vergessen, womit wir schon lange vor Frau Merkel vertraut waren, auch durch Reisen.
Fast denke ich, auch im Osten, nur andere Nationen betreffend.
Die Identität der Deutschen würde ich als zusammengewürfelt bezeichnen, sobald nicht mehr Stämme das Bild prägten.
Wie lange haben sich die Germanen die Römer gefallen lassen und gerade auch, weil ihnen evtl. deren Kultur imponierte.
Volk bedeutet im Germanischen nicht isolierte Stammeswelt, wahrscheinlich gab es nicht einmal die, sondern die, die sich versammeln, folgen.
Was sie evtl. nicht mochten das war Zwang.
Sexualität und damit Ein- und Ausheiraten war ihnen vielleicht durchaus geläufig?
Ich bin ein Fan der Germanen etc., WEIL sie m.E. nicht völkisch waren.

solange alles auf Freiwilligkeit der Ureinwohner beruht, Sinn macht (Arbeitskräfte zum Beispiel) und nicht erzwungen wird und von der Ureinwohnerschaft zu bezahlen, mag es in Ordnung sein. Kommt jemand, von dem ich lernen kann, und auch der versorgt sich selbst, und es ist genug Platz da - auch alles in Ordnung. Ansonsten gab es eigentlich nur kriegerische Übernahme, die kann man nicht wollen, oder die jetzige, und die will ich eben auch nicht. Es sind der Zwang, die Ungerechtigkeit, das Sich-nicht-wehren-können, die Lügen... und das nicht beseitigen der "Fluchtursachen", ganz im Gegenteil. Es sind also all die Umstände, nicht die Menschen selbst, die kann ich sogar verstehen.

Dorothee Sehrt-Irrek | Fr., 26. April 2019 - 12:59

Antwort auf von Petra Führmann

beim gestrigen Wetterbericht empfand.
Wir bekommen ja jetzt Saharasand und wissen auch, dass in Europa wohl 500 Millionen Menschen leben.
Ich schaute gestern also auf die Weltkarte und ich fand Europa gar nicht sofort.
Ich nehme an, es war der "Wurmfortsatz" an der asiatischen Platte.
Die Argumentation geht doch immer so:
Ist man gegen diese Art der Migrations-, Asyl- und Flüchtlingspolitik, ohne gegen Migration, Asyl und Flüchtlinge zu sein, ist man trotzdem ein Nazi.
Nazis werden als dumm dargestellt.
Den Großteil des Protestes gegen Merkel sichte ich aber entstehend aus einer komplexen Analyse, zu bedenkenden Möglichkeiten, Problemen zu begegnen und dem unbedingten Wunsch, jedenfalls im Osten, gefragt zu werden.
Ich habe keine Angst vor den Wahlen, vorausgesetzt, Linke, Grüne, Sozialdemokraten und Liberale denken selbst, die AfD ändert ihre Sprache und zeigt wirkliche Alternativen statt einem Nein und die CDU/CSU verkneift es sich wenigstens, erneut auf Merkel zu setzen:)

Was Sie mir sagen möchten. Ich habe in meiner Münchner Zeit im Biergarten mit Menschen aus Südamerika, Asien, Spanien manche Abende gemeinsam am Tisch verbracht und wir hatten alle viel Spass miteinander. Ich bin mit einem Engländer verheiratet und habe viele Jahre in China verbracht. Wir werden hier vorwiegend mir Muslimen geflutet und es vergeht kein Moment wo ich nicht mit muslimischer Migration konfrontiert werde. Auf den Strassen unserer bayerisch-schwäbischen Kuhdörfer nur noch Kopftücher und lange Mäntel. Und diese Präsenz ist genau so beabsichtigt, von den Muslimen und von den Links-Grünen. Und irgendwann reicht es jedem einmal.

Ich hätte es mir denken können, denn schreiben hier im Forum eigentlich andere Leute als polyglotte?
Wir hatten einen Multi-Kulti-Alltag, der in den meisten Ausprägungen und meist als wohltuend empfunden wurde, als Bereicherung.
Ich möchte nicht, dass sich etwas daran ändert.
Denn wir sind schliesslich auch in aller Welt unterwegs.
China, wow!
Das Erscheinungsbild wird sich ändern, wenn Frau Merkels TIMING langsam aus der Politik verschwindet.
Lassen Sie es mich so sagen, "wir können von Glück sagen", dass nicht etwa 3 Millionen Syrer kamen.
Was hätte man den anderen sagen sollen?
Seit den "Gottesstaaten" im Nahen Osten und Afrika wurde es dennoch recht eintönig.
Dann darf man doch aber unser vorangegangenes Zusammenwachsen/Miteinander nicht vergessen.
Pizarro kommt nach München?
Wir haben ihn nicht staatlich für uns gewinnen können?
Die genannten Werbeträger sind Deutsche und das wußten wir auch alle einmal.
Danke Frau Jung, dass Sie mich über sich in Kenntnis setzten.

Helmut Bachmann | Do., 25. April 2019 - 19:40

Also ein "Wissenschaftler", der eindeutig linke Positionen von Wissenschaft nicht trennen kann, wird interviewt von jemandem, die besser bei der TAZ aufgehoben wäre. Was sollen diese täglichen Flachinterviews?

Gisela Fimiani | Do., 25. April 2019 - 19:41

Die offenbar überlegene Urteilskraft von Interviewerin und Interviewtem versetzt mich immer wieder in Staunen. Hier ist „Wissen“ , nicht „Vermutung“ und der Zweifel am „Eigenen“ kommt nicht auf. So wird die „richtige“ Richtung vorgegeben und jegliche Streitkultur vermieden. Meinungen dürfen so sein, sie sollten sich aber nicht als aufklärerisch verkleiden.

...auf den Punkt gebracht, Frau Fimiani.
Zudem ist der menschliche Faktor, gerade bei öffentlichem Rampenlicht, seltenst zu hoch eingestuft. Die Gegner, die Rivalität ist gerade in der publizierenden Wissenschaft groß, schauen da schließlich ganz genau hin. Da habe ich in meinem Leben "Erstaunliches" gesehen/gelernt.
Und dann... Wer ist frei davon ?
Ich jedenfalls nicht.

Klaus Dittrich | Do., 25. April 2019 - 22:51

So wie Palmers Berlin-Äußerungen als Berlin-Bashing verteufelt werden, habe ich den Eindruck, dass weder Herr Frühbrodt noch Frau Hildebrandt die Vermüllung Berlins mitbekommen haben. Ich fand seine damaligen Äußerungen provokant, aber richtig.
Und bei dieser Bahn-Aktion kann ich auch nicht erkennen, weshalb Nazan Eckes oder Nelson Müller nun den „normalen“ Migranten in Deutschland abbilden.

Gerade die Berliner Grünen haben ein echtes Persönlichkeitsproblem nachdem das „Urgestein“ Ströbele in den Ruhestand getreten ist. Statt Gendersenator (=Justizsenator) oder einer Wirtschaftssenatorin, welche nur zu PR-Terminen erscheint, wäre ein Palmer für Berlins politischen Alltag wünschenswert.

Kirsch | Fr., 26. April 2019 - 10:33

Antwort auf von Klaus Dittrich

um das nochmal klarzustellen: bei den oben abgebildeten Promis auf der  Homepage der Deutschen Bahn handelt es sich um deutsche Staatsbürger mit deutschem Pass – nicht um Migranten. Sie sind hier aufgewachsen. Sie arbeiten hier und zahlen hier ihre Steuern. 

Mit freundlichen Grüßen 

Antje Hildebrandt 

Sehr geehrte Frau Hildebrandt,

es ist gut, dass Sie diesen Umstand bei diesen beiden Promis klarstellen. Beide sind hier aufgewachsen und sozialisiert worden. Herr Palmer, den ich ansonsten schätze, hätte sich diese Bemerkungen sparen können. Da verstehe ich ihn nicht.

Liebe Frau Hildebrandt,
da muss ich Ihnen leider widersprechen. Zumindest einer der abgebildeten deutschen Staatsbürger lebt in Monaco und zahlt dort vermutlich auch seine Steuern.

Hallo Frau Hildebrandt,
seien Sie doch nicht so kleinlich! Ihre Antwort an Herr Dittrich ist ja wie: Vom Hölzchen aufs Stöckchen.
Er meinte mit „normalen“ Migranten eigentlich dt. Bürger mit Migrationshintergrund.
Wo ist da das Problem? Die genannten Personen sind ja auch bestens "integriert" bzw. bekennen sich zu ihrem Heimatland Deutschland.
Er meinte sicher auch: das es in D., Deutsche gibt oder gewoden sind (Pass), die aber die Sprache auch ja jahrzehnten hier lebend nicht beherrschen. Auch nicht dt. Staatsoberhäupte als den Ihrigen ansehen bzw. auch diesen wählen.
Zu guter Letzt: Wer hier in D. arbeitet zahlt selbsverständlich auch hier seine Steuern!
MfG