Konservatismus - Die Zwillingskrise

Nicht die Kanzlerin hat den Niedergang konservativer Politik ausgelöst, sondern umgekehrt: Ihr Aufstieg ist eine Folge dieses Niedergangs. Die Konzentration der Kritik auf Angela Merkel zeugt von dem Wunsch, eine politische Strömung zu retten, die es nicht mehr gibt. Von Matthias Heitmann

Kronzeugin der Konservatismus-Krise oder dessen Kind? / picture alliance

Autoreninfo

Matthias Heitmann ist Autor des Buches „Zeitgeisterjagd. Auf Safari durch das Dickicht des modernen politischen Denkens“ (2015) sowie des E-Books „Zeitgeisterjagd SPEZIAL: Essays gegen enges Denken“ (2017). Seit Frühjahr 2018 steht Heitmann zudem mit seinem ersten Soloprogramm „Karla-Ingeborg auf Zeitgeisterjagd“, nur begleitet von einer KI, auf der Bühne. Infos unter www.zeitgeisterjagd.de.

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Matthias Heitmann

Kürzlich hatte ich einen Traum. Ich träumte, abends vor dem Fernseher zu sitzen und plötzlich einer ungewöhnlichen Programmänderung gewahr zu werden: Nein, keine Naturkatastrophe, auch kein erneuter Rücktritt vom Rücktritt vom Rücktritt eines ohnehin Gescheiterten war der Grund. Es war viel skurriler: Die Talkrunde musste mangels diskussionswilligen Personals entfallen. Bevor ich ernsthaft die Existenz des Paradieses in Betracht ziehen konnte, wachte ich auf. Ein wenig fühlte ich mich angesichts der Absage der außerplanmäßigen „Anne-Will“-Sendung am letzten Sonntag an diesen Traum erinnert. Wenn sich aber Regierende wie auch oppositionelle Politiker nicht einmal mehr am Faschingssonntag zum gegenseitigen Einseifen in die Öffentlichkeit locken lassen, dann muss die Lage schon besonders sein, oder etwa nicht?

Die Krise der Dinos

Sonderlich ist nach der geglückten Sondierung der Sonderbaren jedoch weniger die Lage an sich als vielmehr die Art und Weise, in der dieser Prozess diskutiert wird. Fassungslosigkeit, Empörung und Aufgeregtheit sind zum Dauerzustand geworden, in dem der einordnende Rückblick in die jüngere Vergangenheit oft zu kurz kommt. Was ist denn schon Überraschendes passiert? Zwei arg gerupfte, aber eben rechnerisch nicht entmachtete Regierungsparteien schicken sich unter enormem Getöse und Gestöhne an, ihr ungeliebtes Bündnis fortzusetzen. Dass sich in beiden Parteien Widerstand regt, ist das Mindeste, was man von demokratischen Organisationen erwarten sollte. Naturgemäß hat es der Widerstand in einer führenden Regierungspartei schwerer als bei einem noch stärker gebeutelten Juniorpartner, noch dazu, wenn dieser seine Retter ungefähr so häufig austauscht wie der Hamburger SV seine Trainer. 

Man mag mir den Vergleich verzeihen: Aber betrachtet man den Zustand der SPD durch die Scheuklappen der Tagesaktualität, wird das Leiden des eingefleischten HSV-Fans nachvollziehbar: Die Gegenwart erscheint als Aneinanderreihung von immer neuen und tiefer werdenden Krisen. Jedes vermeintlich neue Gesicht wird sogleich messianisch überhöht, wenn auch nur bis zur nächsten Krisenzuspitzung. „Opposition“ klingt für den deutschen Partei-Dino genauso wie „zweite Liga“ für den Bundesliga-Dino: Ein Gang dorthin mag der Erneuerung Vorschub leisten – doch welcher Dinosaurier verträgt schon Erneuerung? Denn genau in dieser liegt die Gefahr: Ohne neue Ideen wird der Wiederaufstieg kaum gelingen. 

Schlimmer als der Stillstand sind naive Erklärungsversuche

Aus Krisen kann man etwas lernen, heißt es. Daraus folgt aber auch: Eine Krise gewinnt nicht nur durch das Handeln der führenden Akteure an Tiefe, sondern kann auch durch eine wenig konstruktive Auseinandersetzung mit ihren Ursachen zugespitzt werden. Im Falle der politischen Entwicklung in Deutschland ist die Debatte fast krisenhafter als die Situation selbst. Deutlich wird dies etwa an der Forderung, die Politik möge doch endlich mit der Personaldebatte aufhören und in die inhaltliche Diskussion einsteigen. Das dahinter stehende Denken offenbart das ganze Ausmaß des intellektuellen Dilemmas. Fakt ist: Die Unfähigkeit zur klaren und inspirierenden Formulierung von Standpunkten – seien sie konservativer oder sozialdemokratischer Natur – ist kein neues Phänomen, sondern seit Jahrzehnten altbekannt.

Dass in der Politik immer stärker der Fokus auf Personen liegt, ist eine logische Folge dieses inhaltlichen Niedergangs – und nicht sein Auslöser. Dieser Niedergang prägt seit so langer Zeit die politische Kultur, dass es mittlerweile kaum noch Akteure gibt, die anders könnten, wenn sie denn wollten. Die heute führende Politikergeneration kennt harte politische Kontroversen als Mittel der konstruktiven Fortentwicklung von Demokratie fast nur noch aus den Archiven. Es gibt im heutigen Berlin keinen Schalter, den man nur umlegen bräuchte, um die inhaltliche Debatte wieder zu entfachen. Eben dies aber von dem agierenden Personal zu fordern, ist Ausdruck einer völligen Fehleinschätzung. Die eigentliche Krise ist viel grundlegender, viel älter und viel ernster. 

Angela Merkel: ein Kind der Konservatismus-Krise

Die Personalisierung von Politik ist also nicht Ursache, sondern Konsequenz ihrer inhaltlichen Entleerung. Daher geht auch die Konzentration auf einzelne Akteure an der eigentlichen Problematik vorbei. Die Kritik an Angela Merkel macht die Kanzlerin verantwortlich für den Verlust des konservativen Markenkerns der CDU. Geäußert wird diese Kritik nicht nur von der oppositionellen „Alternative für Deutschland“. Sie kommt auch vom aufbegehrenden Parteinachwuchs wie auch aus der alten Garde der CDU, die allesamt in den letzten Jahren von der Kanzlerin an den Rand gedrängt wurden oder aber von sich aus in die Wirtschaft oder in den Ruhestand gegangen sind.

Sicherlich hätte ein wirklich konservativer Kopf Entscheidungen wie die für den Atomausstieg, für die Abschaffung der Wehrpflicht oder für die Einführung der gleichgeschlechtlichen Ehe niemals so lapidar treffen können, wie es Merkel tat. Und dennoch hat nicht die Kanzlerin den Niedergang konservativer Politik ausgelöst. Tatsächlich ist ihr Aufstieg selbst eine Folge dieses Niedergangs. Die Konzentration der Kritik auf die Person Merkel zeugt entweder von politischer Amnesie oder von dem bewussten Streben, den Konservatismus als eine politische Strömung zu retten, die es bereits seit vielen Jahren nicht mehr gibt. Da diese Verklärung das Problem falsch verortet, führen auch die daraus abgeleiteten „Lösungen“ („Merkel muss weg!“) zwangsläufig ins Leere. 

Schon Kohl rang um Erneuerung – vergebens

Der Niedergang des Konservatismus in Deutschland ist so alt, dass er bereits vor Beginn der Amtszeit von Bundeskanzler Helmut Kohl Anfang der achtziger Jahre greifbar war. Schon sein sozialdemokratischer Vorgänger Helmut Schmidt hatte mit dem vielzitierten Satz, wer Visionen habe, möge zum Arzt gehen, ein demotivierendes Politikverständnis an den Tag gelegt. Es war kein Zufall, dass sich gerade zu diesem Zeitpunkt mit den Grünen eine Anti-Parteien-Partei links von der SPD gründete.

Insbesondere Kohls krachend gescheitertes Projekt einer „geistig moralischen Wende“ wurde zum Symbol der damals schon als tief empfundenen bürgerlichen Sinnkrise. Spätestens mit der fast lautlosen Schaffung eines Bundesministeriums für Frauen sowie für Umwelt Mitte der achtziger Jahre waren die ohnehin nur kosmetischen Versuche einer konservativen Erneuerung endgültig Makulatur. Seither stand Kohl nicht mehr für einen Rechtsruck, sondern für eine Politik des bräsigen Aussitzens. Nicht umsonst zeigten sich bereits in der zweiten Hälfte der achtziger Jahre im Erstarken rechtslastiger Protestparteien erste Erosionserscheinungen. Die Abwahl der Kohl-Regierung war nur noch eine Frage der Zeit. Aufschub wurde ihr lediglich durch ein auswärtiges Ereignis gewährt: durch die Revolution in der DDR.

Der Niedergang von Links und Rechts

Aber selbst der Kollaps des Sozialismus konnte den Niedergang des Konservatismus nicht aufhalten, im Gegenteil: Das Wegbrechen der Gegenseite im „Links-Rechts-Denken“ offenbarte sehr schnell die eigene Leere. Besonders stark ausgeprägt war diese ideelle Verwurzelung in der alten Bundesrepublik. Deren Elite hatte es sich in der Teilung bequem eingerichtet und diese nicht zuletzt finanziell stabilisiert. Das Streben nach der Wiedervereinigung war nicht mehr als eine Floskel für politische Sonntagsreden. Entsprechend schnell verflog dann auch die Wiedervereinigungs-Euphorie: Schon 1992 wurde im frisch vereinten Deutschland „Politikverdrossenheit“ zum Unwort des Jahres gewählt. Die Herstellung der inneren Einheit geriet zu einer fast endlosen Belastung, die die ohnehin träge politische Kultur des Landes endgültig lahmzulegen drohte. 

Da es gleichzeitig der SPD über viele Jahre hinweg nicht gelang, eine Aufbruchsstimmung und die dafür notwendige inhaltliche Neuorientierung zu erzeugen, fanden sich die Menschen weitgehend mit der politischen Stagnation ab – sieht man von gelegentlichen Ausbrüchen der Wählerwut ab, die teilweise rechter, teilweise regional-ostdeutscher oder schlicht politikverdrossener Natur waren. Die zurückgehende Anziehungskraft der Parteiendemokratie zeigte sich auch in der Hinwendung der Eliten zu einer dem Wählerzugriff weitgehend entzogenen neuen Ebene politischen Agierens: der Europäischen Union. 

Friedhof der Ideologien und der Demokratie

Die inhaltliche Entkernung der CDU ist so weit fortgeschritten, dass die Partei heute unfähig ist, ein auch nur halbwegs glaubwürdiges Profil abzubilden. Angela Merkel ist hierbei genauso ein Produkt dieser Entwicklung wie die AfD. Und gerade deswegen brauchen beide einander. Das Glaubwürdigkeitsproblem der Merkel-CDU spiegelt sich in den internen Spannungen der Deutschalternativen wider: Da mit einem gemäßigten „echten“ Konservatismus, wie ihn pragmatische Kreise innerhalb der Partei propagieren, seit Jahrzehnten kaum etwas zu gewinnen ist, ist die AfD zusätzlich auf Scharfmacher angewiesen. Noch mag sie mit der zur Schau getragenen Bravheit im Bundestag Aufsehen erregen. Doch langfristig ist „konservativ“ heute nur noch in der pornografischen Überspitzung seiner völkisch-nationalistischen Dimensionen „aufregend“ – wenngleich diese Art der Aufregung der AfD auf dem Weg in die Mitte nicht gerade nutzt.

Im Freilichtmuseum Deutschland können aktuell die Auswirkungen einer Zwillingskrise besichtigt werden: Der Niedergang des Konservatismus wie auch der Sozialdemokratie haben die politische Landschaft in einen Friedhof der Ideologien und der Demokratie verwandelt. Nur in dieser von Verwesung und Verfall geprägten Umgebung kann eine Formation wie die AfD überhaupt als vergleichsweise „stabil“ und profiliert erscheinen. Bislang hat sich neben der alten Rechts-Links-Achse noch keine neue Achse etabliert, an der sich neue Strömungen bilden könnten. Auch radikale Versuche der Wiederbelebung dieser Achse werden keine nachhaltige Eigendynamik entfalten können. Derzeit gelingt es keiner Orientierung, über die Abwendung der Apokalypse hinaus positive Ziele zu entwerfen, die es bräuchte, um Menschen für eigene Entwürfe zu begeistern. An der Bereitschaft, sich inspirieren zu lassen, mangelt es nicht, wohl aber am Angebot.

ingrid Dietz | So, 18. Februar 2018 - 08:47

daß sie ihr Wahlziel erreicht haben !
Schließlich stand im CDU-Wahlprogramm lediglich bzw. nur "Merkel" drauf und drin !
Und jetzt kommt was kommen muß:
"mitgegangen - mitgehangen" !

Die AfD nun schon zweitstärkste Partei .... Genau so hatte ich es erwartet. Und das setzt sich fort, wenn sich die früheren Volksparteien SPD & CDU nicht bewegen und mit Schein-Aktivismus (Nahles/Kramp-Karrenbauer) eine Erneuerung vortäuschen. Es bleibt ein sehr fader Geschmack: Alter Wein in alten Schläuchen. Dieser Weg führt noch schneller in den Abgrund!
Einzige Problemlösung: zugeben, dass man gravierende Fehler gemacht hat, indem man den Willen des Volkes (dem Souverän) ignorierte und Menschen mit eigener Meinung als Rechtspopulisten und Rassisten diskreditierte.
Und: eine echte Erneuerung geht nur, wenn man die verbrannten Personen an der Spitze absetzt und neue jüngere und beweglichere authentische Persönlichkeiten einsetzt! NUR SO geht es wirklich!

Mir scheint, Herr Heitmann ist selbst ein Symptom der Krise mit seiner Herangehensweise.
Was fordert er von den Parteien? Neue Ideen, klare Formulierung der Standpunkte, Fokus auf Inhalte und nicht auf Personen, keine Scheu vor harten politischen Kontroversen, attraktive Alternativen ...

All das bietet die AfD. Und was unterstellt er ihr? "Zur Schau getragene Bravheit", auf Scharfmacher angewiesen", "pornografische Überspitzung der völkisch-nationalistischen Dimension" usw.
Warum in aller Welt hat eine neue rechte Partei, die sich gegen Tabus und Sprechverbote wendet, sich für die Interessen des Landes und seiner Bürger einsetzt, Deutschland weniger erpressbar machen möchte usw., keine Existenzberechtigung bei uns??

Mit einem solchen Verdikt kann der "Friedhof der Ideologien und der Demokratie" natürlich keine blühende, lebendige politische Landschaft werden!

Gerdi Franke | So, 18. Februar 2018 - 09:05

Eine politische Strömung, die es nicht mehr gibt? Will da wieder jemand etwas wegreden? Gerade die Flüchtlingspolitik hat gezeigt wie stark diese Strömung ist. Und sie wird weltweit immer stärker. Seit vielen Jahren geht die Schere zwischen globalisierenden "Eliten" und konservativen Bürgern immer weiter auseinander. Gesteuert wohl von der Wirtschaft! Die Politik hat erst versucht das zu verschweigen, dann das wegzureden, dann zu beschönigen. Aber der Bürger erkennt jetzt seine Nachteile darin und beginnt sich zu wehren. Gegen diese Politik und diese Politiker!

Joachim Datko | So, 18. Februar 2018 - 09:10

Zitat: "Fakt ist: Die Unfähigkeit zur klaren und inspirierenden Formulierung von Standpunkten – seien sie konservativer oder sozialdemokratischer Natur – ist kein neues Phänomen, sondern seit Jahrzehnten altbekannt."

Die AfD hatte im Bundestagswahlkampf ihre Positionen klar und ausführlich plakatiert! Die anderen Parteien vermittelten den Eindruck, als würden unsere wichtigsten Probleme, wie z.B. die Masseneinwanderung, nicht existieren. Ihre Plakate erweckten den Anschein, als kämen sie vom Dachboden.

Das Plakat vom „Verein zur Erhaltung der Rechtsstaatlichkeit und bürgerlichen Freiheiten“ : „Franz Josef Strauß würde AfD wählen“ brachte die Änderung in der Parteienlandschaft voll zur Geltung.

Joachim Datko - Ingenieur, Physiker

Werner Peters | So, 18. Februar 2018 - 09:26

Also sagen wir mal so: wir haben spätestens seit 68 eine Wertekrise. Das was unseren Eltern noch was "wert" war, ist den heutigen Generationen ziemlich schnuppe, bzw. wird gar verachtet. Natürlich spielt da auch unsere spezielle Vergangenheit eine Rolle. Die Medien schüren diese Schuld-beladene "Erinnerungskultur" seit Jahrzehnten, nicht nur die linksliberalen. Dass ein Yücel heute ausgerechnet bei Springer arbeitet, sagt alles, man vergleiche nur den Verlagsgründer Axel Springer mit dem heutigen wendigen und trendigen Herrn Döpfner. Frau Merkel hat aber diesen Werteverfall durch ihre wertefreie Politik auf jeden Fall verstärkt, ihre spezielle Biographie mag ein Grund dafür sein. Ob das Konservative hier oder das echt Sozialdemokratische dort damit endgültig ausgestorben sind, wage ich aber dennoch zu bezweifeln. Man darf die Themen nur nicht den Rechtsparteien allein überlassen, denn dann gehen sie endgültig kaputt.

Arndt Schuster | So, 18. Februar 2018 - 09:28

Ihre Gedanken, sehr geehrter Herr Heitmann, kann ich nicht nachvollziehen. Nein, der Konservatismus ist nicht tot, er kehrt zurück. Die überwiegend linksgrün ausgerichtete deutsche Politik, zu der auch die Merkel-CDU gehört, hat unser Land in eine Sackgasse geführt: Ideologische Verblendung hat die Oberhand gewonnen und schlägt Sachverstand, Pragmatismus und Vernunft. Beispiel dafür sind: Energiewende und Klimapolitik, illegale Masseneinwanderung, Euro-Rettung und EU-Politik, Familienpolitik ("Ehe für alle") und Genderwahnsinn, Bildungspolitik (Inklusion u.a.) usw. Es findet zur Zeit eine langsame Rückeroberung konservativer Positionen statt (AfD). Befeuert wird das ganze durch die für viele Menschen leeren Worthülsen, wie "Deutschland geht es doch so gut wie nie zuvor". Konservativ ist für mich z.B.: Weltoffenheit aber mit sicheren Grenzen, Toleranz aber nicht gegenüber dem Links-, Rechtsextremismus und dem Islamismus, kein EU-Superstaat sondern starke selbstbewusste Nationen.

wolfgang spremberg | So, 18. Februar 2018 - 09:38

unter einem Mangel an Visionen ? Oder eher an einem Mangel an Realitätssinn ?
Die Diskussion über die Lösung von real existierenden und rasch wachsenden Problemen und die Frage wer die dafür notwendigen Personen sind, beginnt mit dem betrachten der Wirklichkeit. Im Raum dieser Wirklichkeit ist nicht nur ein weißer Elefant, es ist eine ganze Herde.
Leider passt das betrachten der Wirklichkeit, das benennen der weiße Elefanten, nicht zu den herrschenden Visionen und Lösungsansetzen und verzwergt andere aufgebauschte Probleme.
Wir, die Deutschen, die Europäer haben die Welt bisher nicht gerettet und werden es auch zukünftig nicht können. Konzentration auf das Wesentliche, das Machbare, ist die Aufgabe der Zeit.

Erika Rojas | So, 18. Februar 2018 - 09:45

Der Niedergang des Konservativen, wie Sie es beschreiben, hat nicht in der Bevölkerung stattgefunden, sondern nur in der veröffentlichten Meinung, im öffentlichen Diskurs. Diese Kolumne zeigt das typische Denken von Journalisten und Politikern, die in ihrer Blase glauben, wovon ich nichts höre, das existiert auch nicht. Dazu kam die Verteufelung von allem, was als nicht international, als nicht konform mit dem liberalen Denken, als politisch unkorrekt galt. Diese Verteufelung lag wie ein Zentnergewicht auf dem Denken und Sprechen der Menschen. Durch die jüngsten Ereignisse hat jedoch das linksliberale 68er Denken massiv an Glaubwürdigkeit und damit auch an Gewicht verloren, so dass der lange tabuisierte Konservativismus wieder eine Chance bekommt.

Danke! Diesem sehr treffenden Kommentar möchte ich unbedingt zustimmen! Sie bringen es genau auf den Punkt: erkennbar ist hier die merkwürdig einseitige Politiker-Konformität, die einem unabhängigen Journalismus verboten sein sollte!
"Prüfet aber alles, und das Gute behaltet" Tessalonicher 5,21 (Neues Testament)ist der christliche Grundstein Konservativer Politik.
Maßgeblich verantwortlich für die Politikverdrossenheit ist Politische Beliebigkeit, die sich mit Frau Merkel in aktuelle Politik eingeschlichen hat. Das eigentliche Problem ist die inhaltslose Politik der Beliebigkeit, die nur noch auf Macht und Macherhalt mit Blick auf die nächste Wahl aus ist. Bundespräsident a.D. Gauck sagte zutreffend: "Ich fürchte mich vor einem modernen Politikertyp, der völlig auf Inhalte verzichtet!"

Ralph Lewenhardt | So, 18. Februar 2018 - 10:32

Das sind Dinge die sich gegenseitig ausschließen.
Es geht auch nicht um konservativ oder nicht konservativ. Es geht einzig und allein um den Protest der Bürger, von allen wirklich wichtigen Entscheidungen zur Gestaltung des Landes, grundgesetzwidrig und vorsätzlich ausgegrenzt zu werden. Es geht um die Ohnmacht, wenn Personen- und Parteienklüngel die Demokratie ersetzt. Für diesen Protest sind die allwissende Frau Merkel und ihre tanzenden Loyalisten aber auch die SPD-Führungstruppe, entscheidende Katalysatoren und bekommen in Form der AFD die logische Quittung, vor allem nach der nächsten GROKO! Aufbruchstimmung ist Aufbruchstimmung des mitbestimmenden Volkes und nicht von Themen in Koalitionsprogrammen. Ohne Änderung der "Demokratiegesetze" wird es die nie mehr geben.

Tomas Poth | So, 18. Februar 2018 - 10:39

das Ringen um Erneuerung... Das ist ja auch nicht zu spüren wenn es um Nato und EU geht, auch dort geht es nur um ein weiter so. Genau in dieser Spur haben "wir" uns festgefressen. Die USA/Nato steuern weiter in Konflikte unter dem Vorwand Freiheit und Demokratie zu verbreiten, hinterlassen aber nur Zerstörung, Tod und verwalten das angerichtete Chaos. Mit der angestrebten Erhöhung der Verteidigungsausgaben sollen "Sytemgegner todgerüstet" werden. Die EU strebt in eine Schuldenunion und Alimentierung der schwachen EU-Regionen zu Lasten der wirtschaftlich stärkeren, bei gleichzeitiger Öffnung der EU für Massenmigration. Diese Entwicklungen spüren doch alle und finden keine Partei die ein Gegenmodell, etwas wirklich Neues, ein konsistentes Narrativ anbietet. Die Politik ist seit längerem total "unsexi".

Reiner Koester | So, 18. Februar 2018 - 10:44

Im Gegensatz zum Sozialismus, der am grünen Tisch von "Intellektuellen" geschneidert wurde, ist Konservatismus eine gesellschaftliche Haltung und keine Ideologie. Im Programm der CDU steht nicht der Konservatismus als anzustrebendes Ziel, so wie der Sozialismus im SPD Programm zu finden ist. Konservative Politik wird erfolgreich sein, wenn sie eben keiner Ideologie wie Weltbürgertum o. ä. nachrennt, sondern wirklichkeitsorientiert auf Bewährtes setzt und Neues wagt. Mit anderen Worten den Nutzen mehren, Gesetze achten und Schaden abwenden, so wie der Amtseid es fordert. Die heutige Merkelpoltik ist aber von Linksideologie mit geheucheltem Humanimus gesteuert und nicht mehr am Interesse des Landes ausgerichtet. Leider fehlen die Persönlichkeiten um eine Politik zurück zur Vernunft einzufordern.

Gisela Fimiani | So, 18. Februar 2018 - 10:58

Jede Behandlung bedarf der Diagnose. Die Ihre, Herr Heitmann, ist trefflich und "inspierierend", denn sie richtet den Blick auf die Ursache, welche die Symptome enstehen ließ. Ein wichtiges Plädoyer zugunsten eines sich besinnenden Nach-Denkens, im Gegensatz zum "besinnungslosen" >>jumping to conclusions<<, welches nicht zum Hintergrund vordringen kann. Vielen Dank dafür.

Benjamin Beldea | So, 18. Februar 2018 - 11:04

Es wird zu einer Entideologisierung von Politik kommen, Entscheidungen werden rational-wissenschaftlich getroffen, unter Berücksichtigung des, freilich weit auslegbaren, Wählerwillens als Handlungsziel. Staaten werden mehr und mehr wie gute Unternehmen geführt, das Soziale wird auf vernünftige Mindeststandards menschenwürdiger Existenz heruntergekürzt, arbeitsfähige Bürger werden für sich verantwortlich sein. Humanitarismus wird als Ideologie nicht mehr Leitidee von Politik sein; der Mensch, Homo Sapiens, wird wissenschaftlich nach seinen biologischen, soziologischen und psychischen Konstituenten betrachtet. Zielbild von Politik wird ganz ideologiefrei der freie, unabhängige, gebildete und kompetente Bürger sein. Staatliches Wirtschaften wird sich nach streng ökonomischen Effizienzmaximen richten. Endlich kein Moralismus mehr. Alles kann, nichts muss, solange selbst finanziert und andere nicht in ihrer Freiheit beschränkt. Das Konservative wird dann von selbst blühen. Ich freu mich!

Hinsichtlich des rational wissenschaftlichen habe ich Bedenken anzumelden. Als Beispiel mag das Thema Klimawandel herhalten. Da ist in der Wissenschaft auch viel Spekulation und Interpretation am wirken.

Bernhard Marquardt | So, 18. Februar 2018 - 11:35

Konservatismus – was soll denn das sein ? Richtig ist, dass den sog. „Volks“-Parteien ihre ideologischen Grundlagen abhanden gekommen sind. Merkel hat aufgrund ihrer Sozialisierung nie die „Ideologie“ der sozialen Marktwirtschaft Ludwig Erhards begriffen, die das wirtschaftliche und gesellschaftliche Gelingen der deutschen Nachkriegsrepublik möglich gemacht hat. Marktwirtschaftler anerkennen ihre soziale Verantwortung, „Sozial“-Demokraten die Spielregeln des Marktes. Raubtierkapitalismus ist ebenso obsolet wie eine gesellschaftliche und finanzielle Entmündigung der Bürger. Die CDU/CSU hat die Soziale Marktwirtschaft zugunsten eines Merkelschen Paternalismus (Maternalismus?) vernachlässigt und nähert sich kontinuierlich dem sozialistischen Verständnis eines allversorgenden Staates an. Das Individuum wird staatlicher Vormundschaft untergeordnet. Diese ideologische Trennlinie zieht sich mitten durch die SPD und auch durch die Grünen. Eine Klärung ist vonnöten.

Armin Latell | So, 18. Februar 2018 - 11:54

ist dem Wunsch nach einer konservativen, nicht mehr rot/grünen Politik, geschuldet. Ihr eigentlicher Verdienst war es, den Wähler glauben zu machen, sie wäre dafür der richtige Kandidat. Den Schwenk nach links, das sukzessive Aufgeben der eigenen Identität wurde nicht bewusst registriert und der Konservative befindet sich heute in einer Zwittersituation, nämlich zu glauben, CDU sei Mitte, aber realistisch zu erkennen, dass deren Politik immer grüner und linker wird. Denn die konservative Strömung gibt es noch immer,
deren Konsequenz ist die AfD. Sie wird mittlerweile nur als rechtsradikal denunziert. Der Schalter zu inhaltlichen Debatten wurde zwar am 24.08.2017 schon umgelegt, echte inhaltliche Diskussionen haben die Etablierten aber bis heute nicht fertig gebracht. Der Bewertung des Autors von konservativ kann ich keinesfalls folgen. Frau Merkel mag nicht die Ursache sein (ich glaube doch), Katalysator aber jedenfalls. Der Konservativismus ist nicht tot, im Gegenteil.

Jacqueline Gafner | So, 18. Februar 2018 - 11:56

muss man erst mal für etwas stehen. Wofür steht Angela Merkel konkret, abgesehen von ihrem vorab auf die eigene Person fokussierten Machtstreben? Auch das Gerede über das vorgeblich irrelevant gewordene "Links-Rechts-Denken" geht an der Realität vorbei, wie nicht zuletzt auch das zum "Superwahljahr" deklarierte letzte Jahr deutlich gemacht hat, nicht nur in Deutschland. Entweder man setzt - innerhalb eines verfassungsmässig vorgegebenen Rechtsrahmens - primär auf das Individuum als treibende Kraft der gesellschaftlichen Entwicklung; oder aber primär auf den Staat, der diese Entwicklung für die seiner Regelungskompetenz unterworfenen Individuen proaktiv gestalten soll. Das sind zwei von ihrem Grundansatz her verschiedene Denkmodelle, die in der praktischen Umsetzung selbstredend gewisse Schnittmengen aufweisen, aber prinzipiell inkompatibel sind, unabhängig davon, mit welchem Etikett man sie versieht. Entlang dieser Trennlinie wird sich der politische Diskurs auch künftig entwickeln.

Dorothee Sehrt-Irrek | So, 18. Februar 2018 - 12:03

und deswegen passte nie der Hype, der um Merkel gemacht wurde, die diese Krise des Konservatismus m.E. besonders durchgreifend "gestaltete".
Die CDU hat sich nicht einmal von Helmut Kohl erholt, da steht sie m.E. mit Merkel im "Nichts", aber immerhin dem Nichts der Macht, deren Behauptung damit ja nicht aufgegeben ist, dass man sie nicht zu füllen vermag.
So gesehen waren die Politiker als Personen sehr wichtig und auch sehr wichtig, wer durch Merkel m.E. politisch verhindert wurde, Wolfgang Schäuble.
Schäuble hätte die CDU mindestens ausruhen lassen und ihr Zeit geben können, ein neues Profil zu entwickeln.
Das hat er natürlich auch so gemacht und nur weil Merkel immer noch "Leere" verwaltet oder ausnutzt, wenn man es argwöhnisch betrachtet, ist diese Profilierung eben doch weiterfortgeschritten bzw. hat sich m.E. wieder seit Kohl erhohlt.
Diese zu benennen kommt einem m.E. Ausliefern gleich in der feindseligen politischen Atmosphäre, die ich diagnostiziere anders als der Autor.

Marianne Bernstein | So, 18. Februar 2018 - 12:39

Historisch gesehen gab es einmal 2 Parteien, die unterschiedlich, aber in gewisser Weise ergänzend Politik machten.
Die eine gab den mittelständischen Unternehmen und die andere gabe den Konzernen um damit ihrer Klientel, den Arbeitern, zu geben.
Die Deindustrialisierung hat beide Modelle zerstört. Die mittelständischen Unternehmen haben hart mit der internationalen Konkurrenz zu kämpfen (China baut und kauft!) und der Staat schaut einfach zu. Die Konzerne produzieren nicht mehr sondern kleben nur noch ihr Label drauf und wollen so billig wie möglich produzieren. Hier macht der Staat mit und bietet immer billigere Arbeitskräfte an.
Daraus wird ersichtlich, dass beide Konzepte heute zu einer immer schlechteren Situation von immer mehr Menschen in Deutschland führen, auch wenn die Zahlen, dass noch nicht in vollen Umfang bestätigen.
Damit wird auch klar, dass beide Parteien es nicht schaffen werden und der Wähler Alternativen sucht.

In der veröffentlichten Meinung (der meisten Print-Medien, und aller GEZ finanzierten Kanäle) scheint Pragmatismus und gesunder Menschenverstand (massenhafte Einwanderung aus Ländern, in denen keine Demokratie herrscht, abzulehnen und die Erkenntnis, dass diese Migration nicht finanzierbar ist) "rechts" zu sein.
"Links" bedeutet weiterhin darauf zu bestehen, ( aufgrund der deutschen Vergangenheit, die niemals vergessen werden und sich niemals wiederholen darf),
alle Asylsuchende aufzunehmen, und einer Transferunion zuzustimmen.
Die öffentliche Meinung dürfte allerdings anders aussehen.

Markus Michaelis | So, 18. Februar 2018 - 14:42

Stimmt, Merkel ist nicht die eine Ursache für die "Entkernung" und natürlich gibt es kein simples Zurück zu alten Werten. Andererseits gibt es soetwas wie eine Demokratiekrise.

Sinnbild ist für mich die zunehmende "Vergötterung" des GGs, das alle Probleme lösen soll - unter weitgehender Missachtung dessen, was unser GG ist und leisten kann.

Die Wirklichkeit besteht erstmal daraus, dass es sehr verschiedene Interessen und Gruppen gibt, durch Globalisierung und Migration noch mehr und noch verschiedener. Wir leben noch im Konsensmodell der 90er und wollen das auf die Welt übertragen. Demokratie sehen wir als Weg zur universellen Wahrheit. Demokratie als Interessenausgleich, bei dem das GG nur die Modalitäten des Ringens regelt, ist uns fremd geworden. Ich finde, dass Merkel für das universelle Konsensmodell steht, dem sich jeder "Gute" freiwillig anschließt. Toll, wenn alle mitmachen. Wenn nicht, steht Merkel offenen Diskussionen in einer pluralen Welt eher im Weg.

Dimitri Gales | So, 18. Februar 2018 - 16:23

Gründe, die nichts mit Konservatismus zu tun haben. Was ist eigentlich noch "Konservatismus". Dieses Wort aus dem Begriffskatalog von Gestern gilt nicht mehr, weil in der Politik wie auch im täglichen Leben die Wirtschaft dominiert, ebenso wie die Finanzmächte und die Wirtschaftsglobalisierung. Diese Phänomene haben Begriffe wie "Konservatismus" aufgelöst. Es wird künftig wohl nur noch zwei Lager geben: das sozial orientierte und das liberale Lager, die schwindende Mittelschicht und die Gewinner des neuen digitalen Zeitalters.

Peter Stuhlmann | So, 18. Februar 2018 - 17:25

Ich teile die Analyse in diesem Artikel nicht, denn Politik wird nach wie vor von Persönlichkeiten geprägt. Allerdings sehe ich in beiden großen Parteien keinen Kopf, der das Manko ausfüllen könnte. Es muss ein Ruck durch die gesellschaftlichen Eliten insgesamt gehen in Deutschland. Damit meine ich auch die Medien, die auf dem vermeintlichen konsensualen Mainstream ahnungslos dahinplätschern.

Lutz Gundlach | So, 18. Februar 2018 - 18:51

Der letzte Satz ist zweifelsfrei richtig: Die Menschen warten, die Bereitschaft ist da, für Erneuerung. Ansonsten bleibt zu fragen, was Konservatismus eigentlich bedeutet, wie er sich im Laufe der letzten 200 Jahre veränderte, wofür er jetzt stehen sollte...Einerseits Kampf um Macht, Beibehaltung von gesellschaftlicher Bedeutung, Privilegien für Klassen und Gruppen(Adel, Kirche, Bürgertum,Wirtschaft), andererseits der um den Erhalt bestimmter Werte . Letzteres ist völlig in den Hintergrund geraten. Und da sind negative ,zu verändernde, und positive, grundlegende, Werte. Darüber wird so selten gesprochen, was der Autor ja andeutet. Das ist so ein weites Feld, dass es unmöglich ist, hier darauf einzugehen. Nur soviel: Umweltschutz und soziale Verantwortung(Alter Fritz) sind positiv konservativ, Narrenfreiheit für Wirtschaftsbosse/Banker ist eine moralische Bankrotterklärung und damit nur schlecht; Erhalt von Heimat positiv konservativ...

Manfred Steffan | So, 18. Februar 2018 - 19:03

politischen Agierens: der Europäischen Union". Deshalb bin ich EU-Skeptiker und -Kritiker, obwohl ich mich (auch) als Europäer definiere. Und ein zweites: Ich habe die CDU immer als Sammlungsbewegung derjenigen erlebt, die nicht links oder FDP-liberal (oder später grün)waren, ohne ein über die Tagesaktualität hinausgehendes gestalterisches Konzept, ein Kanzler- bzw. Politikerwahlverein. "Konservativ" heißt ja auch, das jeweils gerade Vorgefundene zu bewahren. Also nichts Neues - es wird nur jetzt besonders schmerzlich bewusst.

Dietmar Deibele | So, 18. Februar 2018 - 19:11

Selten lag einer in seiner Analyse so daneben wie Herr Heitmann!

Peter Wagner | So, 18. Februar 2018 - 19:28

Merkel ist nicht die Kronzeugin der Konservatismus-Krise, sondern verantwortlich für diese Krise!

Heinrich Niklaus | So, 18. Februar 2018 - 19:37

Die These vom Niedergang des Konservatismus ist angesichts starker konservativer Strömungen in ganz Europa nur als absurd zu bezeichnen. Der Wunsch scheint hier der Vater des Gedanken.

Ganz im Gegenteil ist der Konservatismus im Aufwind begriffen. Unser Nachbar Österreich mag ein Beispiel dafür sein. Die neue konservative Sammlungsbewegung unter Sebastian kurz ist eine Verbindung mit Rechts-Konservativen eingegangen. Sie hat die österreichische Dauer-GroKo abgelöst.

In Frankreich hat der liberal-konservative Macron das Ruder übernommen, in GB haben konservative Strömungen den Brexit vorangebracht und in Osteuropa beherrschen konservativ ausgerichtete Regierungen die politische Bühne.

Der „Niedergang des Konservatismus“ ist eine Fata Morgana derjenigen, die diese Zeitenwende nicht wahrhaben wollen. Mehr nicht.

Dorothee Sehrt-Irrek | Mo, 19. Februar 2018 - 12:35

In reply to by Heinrich Niklaus

Ich habe den Artikel aber nur als Analyse des Konservatismus in Deutschland verstanden.
In der Tat gedeiht er ansonsten in Europa über die Maßen und mehr als ihm guttut, was ich auch auf das politische Entsetzen - von mir aus hinter vorgehaltener Hand - über Merkel deute, mehr aber noch als Reaktion auf die anstehenden Probleme.
Die Sozialdemokratie befindet sich hingegen in Europa evtl. in einem freien Fall? Oder könnte man doch weitergehend sagen, im Sinkflug befindet sich das Vertrauen der Bevölkerungen in die Politik?

Christina Hatzoglos | So, 18. Februar 2018 - 19:41

Lieber Herr Heitmann!
Bin ich aber froh,dass da jemand ist,der mich aufklärt ;)
Da hab ich mich doch glatt jahrelang umsonst echauffiert - und dabei ist Frau Merkel die Gute und ich die Dumme :(
Ich gebe zu,ich hab nur die Überschrift gelesen und schon bin ich glücklich,endlich...
Die paar Patzer die ihr passiert sind - was soll´s.
Immerhin wohnen wir in einem Land in dem "man gut und gerne lebt" - so man nicht in das bedauernswerteViertel fällt das von Armut bedroht bzw gar betroffen ist.
ps:
Ich bin enttäuscht, als Ex-Leser von Cicero

Enrico Stiller | So, 18. Februar 2018 - 19:43

Aber dieser Autor hier hat es geschafft. Er verwechselt Ursachen mit Wirkungen, sieht einfachste logische Zusammenhänge nicht, die ins Auge springen. Das Problem des Konservatismus in Deutschland war, dass es so aussah, er hätte sich mit dem Fall der DDR zu Tode gesiegt. Die besiegt geglaubten Erben der 68iger haben mit dem stalinistischen Personal der DDR eine verkappte Blutauffrischung bekommen und sie genutzt. Heute sitzen diese Leute in der Justiz, im Beamtenapparat und in den Redaktionen. Es ist im Prinzip das gleiche Problem, das Polen hat.
Natürlich gerierte man sich jetzt nicht mehr als kommunistischer Internationalist - der Multikulturalismus diente sich als bequeme geistige Ersatzdroge an. Jetzt wird der verhasste Westen eben nicht mehr abgeschafft, weil die klassenlose Gesellschaft errichtet werden soll - jetzt soll es die nationalitäts- und identitätslose Gesellschaft werden. Der Konservatismus hat das verschlafen. Aber Schlafende sind nicht tot. Die AfD beweist es ja.

Die Konservativen, ich meine zB die steuerzahlenden Leistungsträger, die haben den vermeintlich progressiven
im Land so einiges durchgehen lassen. Jetzt erwachen die Konservativen Herr Heitmann und sie machen der linksgrünen moralisierenden Politik ein Ende. Der Anfang war die Abschaffung der linken Deutungshoheit bei der letzten Wahl.

@E. Stiller
Da ist Ihnen aber mächtig der "Kommentargaul" durchgegangen ;-). Wenn es um die Betrachtung der vergangenen 25 Jahre der Wiedervereinigung ging, war in Zustandsbeschreibungen eher die Aussage zu lesen, dass im Gros leitende Positionen in Politik, Wirtschaft, etc. durch "Westpersonal" besetzt wurde oder noch wird.
Wenn Ihre These zutreffen würde, wäre es nur ein weiterer Beleg für die Unfähigkeit des Konservatismus sich politisch attraktiv darzustellen.
Die Analyse des Autors träfe aus meiner Sicht zumindest in Teilen auch auf die deutsche Sozialdemokratie zu.
Ob es gleich "Visionen" sein müssen, zumindest aber grundsätzliche Leitideen für unser Land sollten eine Richtung in der Politik vorgeben. Eine Überprüfung dieser findet dann in der Realität statt. Ein Diskurs in der Gesellschaft kann nur dann stattfinden, wenn es erkennbare Leitlinien gibt. Sonst sind es detailverliebte Debatten um Minimalkonsens wie es bei der noch nicht eingeführten PKW-Maut oder "Obergrenze" geht.

Michaela Diederichs | So, 18. Februar 2018 - 20:45

Die Parteien sind seit langer Zeit vollkommen mit sich selbst beschäftigt. Die Union ist inzwischen die bessere SPD und möchte diese überbieten, wo es nur möglich ist. Der Unionswähler döst vor den ÖR vor sich hin, schreckt zwischendurch mal auf, wenn die SPD sich zerlegt und döst dann weiter in großer Behaglichkeit. So lange die Behaglichkeit nicht gestört wird, ist alles gut. Aber es rührt sich mehr und mehr Unbehagen - nicht nur in Deutschland. Die altgedienten Parteien sind unfähig, vorausschauend zu denken. Entsprechend ist ihr Handeln. Sie reagieren nur noch - auf Umfragen, Prognosen, Stimmungen. Das Heft des Handelns haben sie längst nicht mehr in der Hand. Angela Merkel ist zum Sinnbild des Staatsversagens auf ganzer Linie geworden, obwohl so viele daran beteiligt waren. Aber sie ist die Kanzlerin und hat(te) das Heft des klugen Handelns in der Hand. Sie nutzt(e) es nicht, sondern traf/trifft nur populistische Fehlentscheidungen. Sie ist ein besonderer Missgriff der Geschichte.

Ruth Teibold-Wagner | So, 18. Februar 2018 - 22:12

 
Wörtlich übersetzt bedeutet das leiteinische "conservare" auf deutsch "erhalten",
"bewahren".

Es handelt sich um eine Haltung, die bewährtes, traditionelles nicht aufgeben möchte, um neues, "modernes" nur deshalb zu präferieren, weil es neu und "modern" ist.

Denn die Erfahrung beweist, dass Neues nicht unbedingt auch das "Bessere" sein muss. Altes, bewährtes ist ja nicht ohne Grund bewährt. Es ist deshalb bewährt, weil es stark ist, weil es durch die Zeiten hindurch Anstürmen getrotzt hat.

Konservativismus ist eine "defensive" Haltung, die sich dem Veränderungs-Ansturm entgegenstellt, solange das Neue nicht als das Bessere empirisch bewiesen ist.

Der Konservative opfert z.B. nicht die "Nation" oder die "Heimat" auf dem Altar der Globalisierung oder der Utopie der "Vereinigten Staaten von Europa". Für den Konservativen hat sich die Nation als Schicksalsgemeinschaft bewährt. Z.B. wäre die Revolution von 1989 ohne deutsche nationale Identität nicht möglich gewesen.

eines anderen Kommentares ein, den ich nicht wiederfinde.
Der fragte sich, ob sich Nationen jetzt auflösen würden zugunsten von Communities Gleichgesinnter oder so ähnlich.
Ich überlege die Communities in den USA als evtl. neue nationale Sammelbecken und ich frage mich, wie man auf die Idee kommen kann, zu glauben, dass sich Nationen primär über die Auseinandersetzung nicht kompatibler Interessen hätten entwickeln können.
Der Nationalstaat hatte eine ungeheuer verbindene Kraft für die (beginnenden) Massengesellschaften entfaltet aus der Zusammen/Übereinkunft-> Solidargemeinschaft/Volksgruppe?
Von diesem Bedürfnis nach Übereinkunft profitierte auch die National-sozialistische Bewegung, die sich abgesehen vom völkischen Gedankengut eher als progressive bürgerliche wie sie sagen Schicksalsgemeinschaft empfand?
Schicksal scheint mir ein Begriff des frühen 20. Jahrhunderts.
Werte, Interessen und Kultur haben ihn abgelöst, nicht aber das Gefühl von Übereinkunft und Nähe überhaupt?

war man sich zu Beginn der sozialdemokratischen Bewegung im Kaiserreich nicht sicher, weshalb man in der SPD gerne auch Vaterlandsverräter witterte.
So wie ich den Aufstieg und die Entwicklung der SPD sehe, hat sie aber die nationale Identität nie zugunsten einer Solidarität von Arbeiterinteressen aufgegeben, deshalb ja auch die Zustimmung zu den Kriegskrediten.
Ich bin gespannt, wie sich die SPD weiterentwickeln wird, wie sich überhaupt die großen Erzählungen jetzt durchsetzen werden oder auch nicht.
Wirtschaftlich, auch werte-intentional oder solidarisch wäre eine geschlossenere EU sicher erfolgreich, wenn sich jemand an die Vereinbarungen hielte.
Wenn es aber nicht durch überprüfbare und belastbare Übereinkünfte organisiert wird, sondern als Machtstruktur, sehe ich Schwierigkeiten.
Eine durchaus sinnvolle große Gruppe kann in Nullkommanix wieder in kleinere, sehr viel intensivere Gruppen splittern.
Ich plädiere also für verbindliche, atmende, (basis)demokratische Strukturen.

Silas Loy | So, 18. Februar 2018 - 22:59

... nicht nur ihre sozialdemokratische Staatsgläubigkeit, sondern vor allem ihre Vertrags-, Gesetzes- und Vertrauensbrüche. Wenn das konservativ ist, dann ist der Konservatismus hochaktuell!

Martin Lederer | Mo, 19. Februar 2018 - 03:29

In Bayern waren Volksentscheid durchaus ein Mittel um Dampf abzulassen. Nur bei der "Flüchtlingskrise" ging das nicht, weil es nicht im bayerischen Zuständigbereich lag.
Vor ein paar Jahren hätte ich noch um Volksentscheide gebettelt. Das mache ich heute nicht mehr.
Aber ich glaube, das wäre ein schlaues Mittel der politischen Klassen, wie sie die Ablehung, die ihr entgegenschlägt, verringern könnten.
Sie würden durch Volksentscheide die eine oder andere Entscheidung verlieren. Aber der Unmut der Bevölkerung würde sicherlich allgemein geringer werden.
Manchmal muss man etwas Macht abgeben, um die restliche Macht zu behalten.
Eine eiserne Front a la Stalingrad kann dagegen in den Untergang führen.
Nur als kleiner Tip.

André Oldenburg | Mo, 19. Februar 2018 - 07:03

Es gibt viele in meinem Bekanntenkreis, die die AfD wählen und alle hätten gerne die alte CDU gewählt.
Der Grund, warum die AfD stark ist, ist einzig und alleine der Grund, das die CDU die SPD links überholen will, die AfD existiert nur wegen Frau Bundeskanzler (einige Schreiben Kanzlerin, dabei kennt das GG diesen Titel garnicht, soviel zur Verfassungstreue), die ihre Politik Alternativlos bezeichnet hat. Wir stehen für Schulden anderer gerade, obwohl dieses gegen die vereinbarten Verträge ist. Vielleicht ist Konservatismus für viele einfach nur ein Glaube an Recht und Gesetz. Entschuldigung, wer Recht und Gesetz einfoderdert, ist ja ein Rechtsradikaler.

Achim Scharelmann | Mo, 19. Februar 2018 - 08:04

Das sehe ich völlig anders, den konservativ sein ist eine Lebensauffassung und die wird sich niemals ändern, sondern lediglich anders manifestieren, aber im Kern immer erhalten bleiben, genauso wie Kultur, Traditionen, Heimatliebe uvm. und da können sich andere bemühen so lange sie wollen, die Volksseele wird immer das bleiben was sie ist, eine große Verbundenheit mit dem Land, seinen Bewohnern, seinen Nachbarn und seinen Ritualen, auch wenn einige meinen, Internationalität sei die moderne Fortsetzung des Althergebrachten und das wird nur bis zu einem gewissen Grad funktionieren, denn Sicherheit und Wohlstand ist mehr oder weniger nur in der Sippe begründet und alles andere sind reine Utopien, die mit der One-World-Politik in die Sackgasse geraten, denn da sind die Bürger total überfordert, weil sie dabei den Überblick verlieren und dann erst recht wieder nach alten Mustern streben, denn auch der Kommunismus ist in seiner Abstraktion gescheitert und weil es niemand wollte.

Gerhard Schmidt | Mo, 19. Februar 2018 - 09:17

Nicht der Niedergang des Konservatismus sondern faktisches Handeln in der Flüchtlings- und der Sozialpolitik hat den Niedergang von Kanzlerin Merkel und den Regierungsparteien verursacht. Den meisten Wählern ging es nicht um abstrakte Begriffe wie Konservativmus, sondern um das reale politische Handeln der Regierung Merkel.
Der Artikel richtet sich wohl eher an Leser aus den Politik- oder Sozialwissenschaften als an den gemeinen Leser und Wähler.

Henryke Zimmer | Mo, 19. Februar 2018 - 09:33

"Echtes Konservativsein ist nicht gestrig, weil es ja gerade nicht ein Hängen an dem bedeutet, was gestern war, sondern ein Leben aus dem, was immer gilt. Dass es Werte gibt, die Zeiten und Moden überdauern, dass es Dinge im Leben gibt oder geben sollte, die heilig sind, dass es ganz lange Linien unserer Identität gibt, die wichtig sind – all das fasziniert die Menschen des 21. Jahrhunderts mehr als irgendwelche Umverteilungsfragen. Die wilde Raserei der Globalisierung lässt überall Entschleunigungsreflexe wach werden, von der Retrokultur bis zur Nachhaltigkeitssehnsucht. Darum kehren die großen Themen des Menschseins von der Religion über die kulturelle Identität bis zu Familie und Heimat mit dieser Wucht zurück in das Massen-Bewusstsein und prägen zusehends Politik. Den Menschen geht es nicht mehr so sehr um Materialismus, es geht ihnen um Sinn und Geborgenheit. Sie spüren – es gibt keine Zukunft ohne Herkunft."
DEM stimme ich zu.

Enrico Stiller | Mo, 19. Februar 2018 - 10:29

entstand die Lucke-Partei. Entstand dann die AfD. Begehren die Konservativen (die es ja nicht mehr gibt) in der Union auf. Laufen der CSU die Wähler davon, weil sie bei der linken Merkel-Politik mitmacht. Haben wir Rekorde an Nicht-Wählern. - Nein, in Deutschland gibt es nur noch brav über einen grünlinken Kamm geschorene Einheitswähler. Und dafür brauchen wir natürlich zwei sozialdemokratische Parteien mit grünen Einsprengseln, und eine grüne Partei mit sozialdemokratischen Einsprengseln, sowie eine noch linkere? Diese Analyse hat absolut nichts mit der Realität in Deutschland zu tun. Sie ist kennzeichnend für die Weltfremdheit vieler Journalisten.

Peter Lieser | Mo, 19. Februar 2018 - 10:56

AKK ist ja jünger als 60, also nach CDU-Definition ein junger Mensch - quasi gerade erst raus aus der Pubertät und immer noch leicht grün hinter den Ohren - immerhin, im Vgl. zum Kleinkind Kevin Kühnert ;)
Ich bin dafür, dass auch unsere Rentner ausreichend in der Politik vertreten sind. Daher fordere ich eine Ü70-Quote und stelle mich zur Verfügung mit geballter 74 jähriger Erfahrung ;-)
Ich war 3 Jahre CDU Mitglied, 5 Jahre FDP Mitglied, kann Merkel zuhören und alles nachplappern, Reden ABLESEN, das müsste als Quali genügen, die aktuellen Politiker können auch nicht mehr.

Ja, im 75 Lebensjahr, bedauerlicherweise ist das so !!! Das Kompliment darf ich Ihnen zurück geben, ihre Beiträge sind auch immer sehr überlegt und lesenswert !!! Ich versuche es manchmal mit etwas Witz , die Themen sind zum Teil ernst und frustierend genug, das dient der Auflockerung ;-) Insgesamt muss ich einmal sagen, dass in diesem Forum ein angenehmes Klima herrscht, die Online Redaktion mit eingeschlossen.

ist anders als Merkel keine reine Aufsteigerin über die Partei, sondern im Saarland zur Ministerpräsidentin gewählt worden.
Ich bin neugierig auf sie, wie zunächst auf alle Frauen in der Politik.
Sie kann die Akzeptanz der CDU erhöhen, anders als Herr Tauber.
Das würde ich nicht verwechseln mit der nächsten Kanzlerkandidatur für die CDU.
Dann sicher nicht, weil sie eine Merkel-Vertraute wäre, sondern eher trotzdem und sie in der Zwischenzeit gezeigt hätte, dass sie etwas von CDU-Politik versteht.
Merkel mag Generalsekretärin gewesen sein, aber da war sie erheblich jünger?
Andrea Nahles hat schliesslich auch nicht Olaf Scholz zum Generalsekretär gemacht.
Aber wie gesagt, auch Frau Schavan hätte ich mir an der KAS denken können, wenn ihr das nicht mit der Doktorarbeit passiert wäre.
Frau Kramp-Karrenbauer ist diesbezüglich unbelastet.
Die CDU könnte das Glück haben, das Merkel innerhalb der Partei eher eine Art "Singularität" darstellt.
Kevin Kühnert?
Bald wissen wir mehr...

Günter Johannsen | Mo, 19. Februar 2018 - 11:10

In dieser phantasievollen Theorie des Autors sehe ich einen weiteren - zugegebenermaßen intelligenten - Versuch, von den eigentlichen Tatsachen abzulenken. "Prüfet aber alles, und das Gute behaltet" Tessalonicher 5,21 ist der christliche Grundstein Konservativer Politik.
Politische Beliebigkeit ist maßgeblich für die Politikverdrossenheit verantwortlich. Das eigentliche Problem ist die inhaltslose Politik der Beliebigkeit, die nur noch auf Macht und Macherhalt mit Blick auf die nächste Wahl aus ist.
Bundespräsident a.D. Gauck sagte dazu sehr treffend: "Mir gefällt ihre (Merkels) Nüchternheit, sie hat nicht diese Gockelhaftigkeit wie viele ihrer männlichen Kollegen." Aber ihm fehle bei der Kanzlerin die Erkennbarkeit. "Ich respektiere sie, aber ich kann sie nicht richtig erkennen."
Die um sich greifende Politikverdrossenheit ist meiner Meinung nach eher darin begründet!
Insofern sind schon die Personen verantwortlich für die inhaltliche Entleerung unserer aktuellen Politik!

Axel Gerold | Mo, 19. Februar 2018 - 11:22

»Konservatismus« ist die Bezeichung für ein moralisches Kalkül, mit dem eine menschliche Gruppe Vertrauenkapital und Effizzienz schaffen kann. Klar ist, Gruppenbildungen und Auflösungen von Gruppen gibt es immer wieder. Der Autor versteht »Konservativsmus« einseitig als ethnisch-purifiziert definierte Gruppe. Das ist in der Tat kein Gruppenmerkmal mehr, mit dem Vertrauenskapital und Effizienz aufgebaut werden könnten. Tatsache ist aber auch, dass die radikal individualistisch-anarchische Gesellschaft viel Vertrauenskapital und dann auch Effizienz einbüßt. Man kann das sogar berechnen: Richard Dawkins hat das in seinem Buch »Das egoistische Gen« getan. Darin erläutert er, wie die Evolution sozialer Kooperation mit dem Prinzip des egoistischen Individuum vereinbar ist. Für Frauen ist die »links-grün versiffte Gesellschaft« übrigens mathematisch vorrechenbar der ineffizienteste gesellschaftliche Zustand – mit dem höchsten Anreiz, wieder konservativ zu werden!

Michael Petters | Mo, 19. Februar 2018 - 12:00

Es bringt nichts konservativ nur um des konservativen Willens zu sein. In Grossbritannien wurde Ende der 70-er Jahre Margaret Thatcher gewählt, weil die bürgerliche Mitte das Gefühl hatte das linke Gewerkschaftsmachenschaften das Land an den Rand des Ruins getrieben hat. Dies war in West Deutschland keineswegs der Fall, weswegen die Konservativen lediglich durch eine weitgehende Verspießung der Gesellschaft und Scheingefechten mit 'den Linken' ihre Macht begründen konnten. Die Wiedervereinigung war für Kohl was Falkland für Frau Thatcher war, nämlich ein Zufallserfolg der der CDU/CSU einen temporären Auftrieb gab. Die Enttäuschung im Osten war vorprogrammiert, dadurch daß die westliche Industrie dort alles mögliche erst mal 'hingestellt' hat und als große Guttat verkauft. Arbeitsplätze für's Volk, damit sich dieses eine Zukunft bauen kann: Fehlanzeige, Stattdessen Arbeitslosigkeit und Abwanderung. Wenn da keine Krisenstimmung aufkommt, dann wäre es ein Wunder

Peter Huber | Mo, 19. Februar 2018 - 12:06

Als Ingenieur, Physiker wollen Sie den deutschen Michel doch nicht etwa mit Fakten verunsichern ??? ;-)

Robert Müller | Mo, 19. Februar 2018 - 13:13

Ich kann mit Konservatismus oder Sozialismus nichts anfangen, weil diese Begriffe keine feste Bedeutung haben. Ihre Bedeutung kommt daher, dass jemand mit Autorität diese definiert. Wer hat heute so eine Autorität? Und welcher Politiker will sich derart festlegen lassen? Sicher niemand der mehr als ein Hinterbänkler werden will. Übrigens, die Klage, dass der Konservatismus und der Sozialismus am Ende seien, dürfte auch schon seit Ewigkeiten so formuliert worden sein. Persönlich sehe ich die Krise der beiden ex-Volksparteien darin, dass sie nicht mehr auf der Höhe der Zeit sind. Die SPD leidet bsw noch an den Harz-Gesetzen. Wann war das? Vor 15 Jahren, oder so. Und die CDU ist beliebig geworden, wobei sie mal große Zustimmen hat und dann auch wieder verteufelt wird. Das schöne an der Demokratie ist, dass irgend eine Partei immer gewinnt und irgend wer immer die Regierung stellt. Alle vier Jahre wird das wiederholt, so dass ein Fehlgriff meist nicht in die Katastrophe führt.

Günter Johannsen | Mo, 19. Februar 2018 - 21:15

In reply to by Robert Müller

"Alle vier Jahre wird das wiederholt, so dass ein Fehlgriff meist nicht in die Katastrophe führt."
Nur eine Frage: wie lange ist Kanzlerin Merkel schon im Amt?
Die Katastrophe der inhaltlichen Entleerung geht leider schon zu lange .... was jeder, der genau hinschaut du eine normale Wahrnehmung hat, sehen und fühlen kann!

Bernhard Jasper | Mo, 19. Februar 2018 - 16:46

Ließt man überhaupt noch „berufsmäßig“ verfasste feuilletonistische Kommentare (die für die Öffentlichkeit), dann fällt in erster Linie die Ratlosigkeit auf.

Liebe Journalisten, es geht eben immer um Substanz, also auch den zukunftsorientierten Entwurf. Es ist auch nicht alles gleichgewichtig.

Wen interessiert denn noch die Zukunft von politischen Parteien und deren Protagonisten? Vielleicht noch die Medienschaffenden, denn sie sind eng mit diesem System verwoben und schachern ebenso um Aufmerksamkeit.

Wir Bürger beklagen, dass nichts zu gelingen scheint, die Klein-Klüngeleien sind zu groß, als dass sie in einem größeren Konsens geschlossen werden könnten. Die Konturen verlieren sich und die Parteienbindung löst sich auf, so wie sich die Gesellschaft allgemein ausdifferenziert.

Herr Heitmann, wann kommt die nächste Krise, denn es gibt kein richtiges Leben im falschen.

Reiner Jornitz | Mo, 19. Februar 2018 - 20:38

des Versagens der Regierungsparteien. Gemeinsam haben diese 14% an Zustimmung verloren und benehmen sich wie die Herrscher der Welt. Plötzlich kommt aber die AFD und stört ihren Palast der Winde. Der wird immer stärker und man stellt sogar Antifa Truppen gegenüber friedlichen Bürgern die gegen das riesige Unrecht hier in diesem Land auf die Straße gehen, die Medien manipulieren mit allen Mitteln. Hoffentlich hat der Spuk bald ein Ende

Ralf Ehrhardt | Di, 20. Februar 2018 - 01:47

Sehr geehrter Herr Heitmann,
Ihre im Prolog aufgeführte These
>>> "Nicht die Kanzlerin hat den Niedergang konservativer Politik ausgelöst, sondern umgekehrt: Ihr Aufstieg ist eine Folge dieses Niedergangs."<<< kann ich ganz und gar nicht teilen.
Im Endeffekt würde dies bedeuten, dass der Niedergang konservativer Politik einschließlich demokratischer und rechtsstaatlicher Grundsätze in 12 Merkeljahren ganz zwangsläufig erfolgt ist, vollkommen ohne jegliches Zutun vom Merkel und Politik. Dies würde ja nach 12 Merkeljahren eine Reinwaschung von aller Schuld bedeuten, von aller bis heute andauernden Rechts- und Gesetzeswidrigkeit, von der Amtseidverletzung, etc. etc. .
Nein! Der Niedergang konservativer Politik und demokratischer Grundsätze wurde maßgeblich höchst eigenhändig von Merkel gestaltet und herbeigeführt(!)
Dafür muss sie zur Verantwortung gezogen werden. Noch trauen sich CDU/CSU, Parlament, Justiz und Medien nicht aus der Deckung: ...noch nicht (!)

Meike Boist | Di, 20. Februar 2018 - 16:20

Herr Heitmann,
In seinem neuen Buch, „das konservative Manifest“ schreibt Wolfram Weimer: „Das 21. Jahrhundert wird ein Zeitalter der Religion. Gott kehrt zurück, und zwar mit Macht... Er kommt mitten hinein in den politischen Raum. Ob wir es mögen oder nicht- wir gehen vom postmodernen ins neoreligiöse Zeitalter“.
Das liest sich aber anders als Ihr Artikel vom Niedergang der konservativen Politik!
Mit freundlichen Grüßen

Uwe Dippel | Di, 20. Februar 2018 - 16:26

Da ist ja mal eine Analyse ganz falsch gelaufen!

Im Gegenteil, Konservatismus ist ein typischer Zufluchtsort in Zeiten schneller Veränderungen. Schauen Sie in den ALDI-Prospekt von letzter Woche: alles mögliche in 'Retro-Look'. Wahlergebnisse und Prognosen der AfD zeigen das.
Das Problem ist anders herum: Merkel verweigert den Konservativen das Konservative. Ehe für alle. Ein grüner Überzug über die Republik. Offene Grenzen. 'Die schon länger hier leben' ist Ausdruck einer Pragmatikerin, nicht einer Konservativen.

Renate Genth | Di, 20. Februar 2018 - 18:04

Ich finde die Diskussion über Konservatismus, Liberalismus, links, rechts usw.usw. grotesk. Es geht um horrende Entwicklungen, die herbeigeführt worden sind, und um die brandgefährliche Zerfaserung der Rechtsordnung. Eine Recvhtsordnung zu zerstören ist schnell gemacht, dieselbe wiederherzustellen, verdammt schwierig. Die Rechtsordnung ist das verbindliche Regelsystem für einen Staat. Was hier zur Zeit zerstört wird, ist die europäische Zivilisation, die durch Zurückhaltung und Sublimierung der agressiven Affekte bestimmt war, durch die regellose und illegale Einwanderung und die allmählich hervortretenden Reaktionen darauf.

Christiane Bohm | Di, 20. Februar 2018 - 19:11

Stillstand kann ich nun gar nicht feststellen. Die markanteste Veränderung ist in meinen Augen, dass die Merkelpolitik nicht kritisiert werden darf. Nie hätte ich geglaubt, dass die DDRisierung Deutschlands wirklich kommen würde. Selbst die links-faschistische Antifa tritt gewalttätig auf,- für Merkel-,wenn kleinste Demos gegen die derzeitige Politik stattfinden. Kaum ein Medium, dass nicht regierungskonform ist. Das darf doch alles nicht wahr sein. Und alles, um einem übergeordneten, global gesteuerten Ziel nachzukommen.

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