Zum 700. Todestag des Dichterfürsten Dante Alighieri - Ein politischer Appell

Dantes Vermächtnis besteht in der literarischen Begründung der Neuzeit. Er machte das Italienische gegenüber dem Latein salonfähig und legte den Grundstein für eine später von den Massen rezipierbare Textkultur. Doch was uns sein Werk heute noch lehren kann, ist der Mut, sich von einer festgefahrenen Realität zu lösen, um eine bessere Welt zu denken.

Denkmal Dante Florenz
Ein Denkmal des Dichters Dante Alighieri in seiner Geburtsstadt Florenz / dpa

Autoreninfo

Björn Hayer: Der 1987 in Mannheim geborene Autor ist promovierter Germanist und arbeitet heute als Literatur- und Theaterkritiker sowie Essayist für verschiedene deutschsprachige Zeitungen und Magazine. Er schätzt mutige Utopien und steile Thesen.

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Bjoern Hayer Portraet

Dante, ein Mythos, ein Titan der Dichtung, ein Künder des Aufbruchs. Wer durch das heutige Florenz spaziert, wo der Dichter 1265 geboren wurde, trifft gleich mehrfach auf dessen Bildnis in überragenden Statuen. Gekleidet in der roten Robe trägt er den Lorbeerkranz als Zeichen des Poeta Laureati. Sein Blick geht über uns hinweg, in eine Ferne, die alles Irdische übersteigt. Seine Vision vom Jenseits zeugt nicht nur von einer grenzenlosen Fantasie, sondern prägt bis heute nachhaltig unsere Vorstellung von einem Leben „danach“.

Sein Hauptwerk ist daher der Ewigkeit verschrieben: „Die göttliche Komödie“ – 14.233 Elfsilbler, veredelt in Terzinen und verteilt auf 100 Canti. Die Geschichte ist weitestgehend bekannt. Das Dante Alighieri verkörpernde Ich ist vom „vom rechten Wege“ in einen Wald abgekommen und findet Eingang in die Unterwelt, wird zunächst Triebsündern und Verschwendern gewahr, stößt auf die Mauern der Höllenstadt, wohinter die Häretiker begraben liegen, zieht durch weitere Ringen des Infernos, bevor er schließlich vor dem im Blutrausch befindlichen und mit drei Mäulern ausgestatteten Luzifer steht.

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Christa Wallau | Di, 14. September 2021 - 11:32

daß L I E B E letztlich das alles Entscheidende für jeden Menschen ist, beweist, daß er
den christlichen Glauben in seiner Tiefe verstanden hat. Als Poet spielt er wunderbar mit all den Bildern, die Priester u. Gläubige der damaligen Zeit sich für Hölle, Fegefeuer und Himmel ausgemalt haben, aber er landet zielsicher dort, wo im Tohuwabohu menschlicher Sünde, Schuld, Verzweiflung, Reue u. Schrei nach Erlösung der Kern der christlichen Lehre versteckt liegt: Im Glauben an den Gott der Liebe!
Papst Benedikt hat in seiner Enzyklika von Weihnachten 2005 ("Deus caritas est") noch einmal bekräftigt, was Johannes in seinem
ersten Brief so ausgedrückt hat: "Gott ist die Liebe, und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm."

Dantes "Göttlichen Komödie" müßte in allen europäischen Ländern auf dem Schulkanon stehen!
Das wäre die beste Vorbeugung gegen einen kulturellen u. allgemeinen Abstieg Europas und die schärfste Waffe im Kampf gegen den Islam u. jede andere Irrlehre.

...sondern da wären noch so einige "Werke", werte Frau Wallau, die sehr gut dazu angetan wären unsere Kultur vertieft zu etablieren.

Dann kann uns eine Ministern mit Migrationshi.grund auch nie wieder unsere Kulturlosigkeit vorwerfen.

Das war zwar damals ein Skandal, aber unsere linksgedrehten Medien schwiegen.

Tomas Poth | Di, 14. September 2021 - 12:59

Dante wollte mit der italienischen Sprache eine italienische Identität schaffen, um einen Italienischen Staat zu ermöglichen.
Oh Schreck, er war ein Patriot oder gar Nationalist?
Die Ablehnung des Nationalstaates und die Förderung von irgendetwas globalem schafft nur einen neuen Feudalismus der Eliten in Big-Finanz, Big-Data, Großunternehmen und ihren Protagonisten.
Der einzelne Mensch wird zum gesteuertem und verpflichteten User der Angebote von Nahrung, Kleidung, Wohnung, Mobilität, Gesundheit und Freizeit. Das wird alternativlos gemacht/sein.

Willi Emrich | Di, 14. September 2021 - 18:15

Ein schönes Stück europäisch-westlicher "culture", hoffentlich wird es nicht bald "gecancelt" ...
Eine kleine Pedanterie sei mir - by the way- gegönnt: es sollte hier heißen "des poeta laureatus" ,nichts für ungut. Aber Latein ist heute eine
"silva oscura "(Dante), in der man sich leicht mal verlaufen kann.

Bernd Müller | Mi, 15. September 2021 - 16:33

mit Versen und Reime,
mit ... Reimen

zieht durch weitere Ringen des Infernos
....durch weitere Ringe..

Oder nicht?

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