Zeitgeist - Wirklich alles psychisch krank?

Jede Epoche hat ihren Firlefanz, doch unser Gastautor ist der festen Überzeugung, dass es in unserer Epoche ganz besonders viel davon gibt. Allen voran: die Reflexivterroristen. Sie wissen nicht was Reflexivterroristen sind? Kein Problem! Am Ende dieses Artikels werden Sie dafür Experte sein

In der Buchhandlung hat die Ratgeberliteratur bereits den größten Raum erobert / picture alliance

Autoreninfo

Dr. med. Burkhard Voß ist Neurologe und Psychiater und Autor von „Deutschland auf dem Weg in die Anstalt“ (Solibro Verlag).

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Ja, es gibt, sie, die Krachmacher, die Lauten, die Rüpel, die Handyterroristen, Kampfradler, aggressiven Huper und lethargisch-ignoranten Nichtblinker, dickfelligen Eltern und Hundebesitzer, die ein Restaurant in Nullkommanichts in eine Mischung aus Kita für schwer erziehbare Kinder und Hundezwinger verwandeln. Wir haben sie längst, die Rüpelrepublik, die schon 2011 in einer Ausgabe des Spiegels zum Hauptthema gemacht wurde. 

Deutschland in der „Wohlfühldiktatur“ 

Doch immer stärker nervt auch eine seit Jahren stetig größer werdende Gruppe der Gesellschaft, die sich hyperreflexiv und dauersensibel von allem genervt fühlt. Sei es Zigarettenqualm, Parfümduft, Kindergeschrei, Klartext, Vogelgezwitscher oder dem eigenen Ehepartner. Alles nur noch um subjektives Fühlen und Erleben zu drehen. Wie fühlt sich das an, fühle ich mich da wohl, was macht das mit mir, möchte ich das jetzt wirklich? Das sind wohl die Maximen der Wellness-Ära. Es ist sicher kein Zufall, wenn die Kolumnistin und Bestsellerautorin Amelie Fried, ihres Zeichens Psychologin, von einer „Wohlfühldiktatur“ spricht.

Unter Psychologen und Therapeuten ist sie mit dieser Meinung freilich in einer Außenseiterposition. Denn diese stricken in ihrer Ratgeberliteratur die Märchen von Burn-out, Achtsamkeit als Lebenschance und Depression als unvermeidbarem Tribut an die Leistungsgesellschaft ständig weiter. Womit wir bei den psychotherapeutischen Krankheitserfindern sind, die mit immer aberwitzigeren Kreationen eine ganze Gesellschaft mit System erst durchpsychologisieren und dann psychopathologisieren. 

Die Reflexivterroristen 

Auch umgekehrt wirken Zeitgeistverirrungen auf die Psychologie ein. Wie die postmoderne Philosophie, bei der nur noch subjektive Sichtweisen gelten oder das Gender-Mainstreaming, bei dem das natürliche Geschlecht nicht mehr existiert, um nur die wichtigsten zu nennen. Es ist im übertragenen Sinne ist wahrlich nicht übertrieben, es als Terror zu bezeichnen, wenn einem in einer vermeintlich freien Gesellschaft gebetsmühlenartig Partialsichtweisen aufgedrängt werden, die einer kritischen Überprüfung nicht Stand halten, trotzdem aber als angeblich herrschende Meinung ausgegeben werden. 

Was das dann für eine Gesellschaft bedeutet, kann noch nicht genau prognostiziert werden. Eines kann man aber schon jetzt sagen: Das Ergebnis wird den Dauerreflexiven und Hypersensiblen ganz bestimmt nicht gefallen. Denn in einer Gesellschaft, in der sich jeder seine Privatwirklichkeit zurecht zimmert und immer größere Gruppen nicht mehr miteinander reden können, wird es immer nerviger werden. 

Psychokitsch und Modediagnosen

Die Psychiatrie ist ein Teilgebiet der Medizin, überschreitet diese aber bei Weitem. Kein anderes Gebiet ist so eng in Wechselwirkung mit dem Zeitgeist, den kulturellen Strömungen und Verirrungen. An so manche Erkrankung und Hypothese wurde über Jahre geglaubt und sie mussten dann revidiert oder als schlichtweg falsch bezeichnet werden. Exemplarisch sei hier das Sissy-Syndrom genannt, bei dem besonders aktiven und leicht untergewichtigen Frauen eine Depression unterstellt wurde. 

Wer ist schuld an Psychokitsch und Modediagnosen? Ganz wesentlich die Psychoanalyse, die postmoderne Philosophie und das Gender Mainstreaming. Die Psychoanalyse entlehnt viel aus der griechischen Mythologie und noch viel mehr aus autobiografischen Erlebnissen ihres Erfinders Sigmund Freud. Was Freud neurotisch verarbeitete, müsste auch bei allen seinen Mitmenschen so ablaufen – so seine Lehre. So wurde die Psychoanalyse, wie der Marxismus, zum ideologischen Dinosaurier des 19ten und 20ten Jahrhunderts. Die postmoderne Philosophie hat sich verabschiedet von Empirie und Fakten. Dass „postfaktisch“ 2016 zum Wort des Jahres gewählt wurde, geschah nicht aus einer Laune heraus. Relativismus und Subjektzentrismus produzieren einen nebulösen Zeitgeist. Natürlich gibt es Widersprüche, an denen mit der Logik nicht vorbeizukommen ist, weshalb hier ein Relativismus nicht zu umgehen ist. Das bedeutet aber nicht, dass man dies auf alle gesellschaftlichen Systeme für den Preis der Nichtfunktionalität übertragen sollte. 

Von Wissenschaft kann keine Rede sein 

Gender-Mainstreaming meint schließlich, dass es ein biologisches Geschlecht gar nicht gäbe und letztlich alles eine Frage von Machtverhältnissen und Diskurs sei. Geschlechter gäbe es viele, und jeder könne sich völlig losgelöst von der Biologie eines aussuchen. Nach der derzeitigen Gender-Ideologie soll es über 60 Geschlechtsidentitäten bzw. soziale Konstrukte geben. Die davon ausgehenden Diskussionen sind häufig datenfrei und von blinden Flecken geprägt, die Kriterien für Wissenschaftlichkeit sind jedenfalls nicht erfüllt. Das führt nicht selten zu Erkenntnissen wie: „Naturwissenschaften konstruieren Wissen, dass dem gesellschaftlichen System zuarbeitet“ oder „Der Objektivitätsanspruch der Wissenschaft ist ein verdeckter männlicher Habitus“. 

Doch dabei bleibt es nicht. Genderforscherinnen brüten fleißig weiter und fordern beispielsweise, dass Fotos der Hirschbrunft aus der Werbebroschüre für den Nationalpark Eifel herausgenommen werden müssten, da sie stereotype Geschlechterrollen fördern. 
Auch sollten geschlechtergerechte Verkehrszeichen entworfen werden, neben dem Ampelmännchen sollte es ein Ampelweibchen mit einem Zopf geben. Im Berliner Politikbetrieb wird darüber ernsthaft diskutiert. 

Psychoanalyse, postmoderne Philosophie und Gender-Mainstreaming bilden nun das ideale Psychotop für die dauerreflexiv-hypersensiblen Zeitgenossen. Diese pauken die Ratgeberliteratur Zeile für Zeile, Wort für Wort, besuchen Kurse für Coaching, Selbstmanagement, leiden unter Burn-out, sind selbstverständlich in Therapie und wollen selber Therapeut werden. Geschlechter- und kultursensible Kommunikation beherrschen sie perfekt. Oder anders ausgedrückt: Sie stören überall, und alles wird für sie zu einem Problem, über das man/frau sprechen muss. 

Nehmen psychische Erkrankungen tatsächlich zu?

Die andauernde Beschäftigung mit den eigenen individuellen Sichtweisen und Empfindlichkeiten kann natürlich auch in völligem politischen Desinteresse und dem Rückzug ins Private münden. Wer sich nun weiter in sein Privatleben zurückzieht und seine negativen Gefühlslagen im Internet durchdekliniert, wird dann rasch zur Erkenntnis kommen, dass er zumindest hoch sensibel ist, unter Burnout leidet, wenn nicht schon längst völlig depressiv ist. Die gefühlte psychische Erkrankung hat viele Namen. Nehmen psychische Erkrankungen deswegen zu? In den letzten Jahrzehnten werden sie deutlich mehr diagnostiziert, ob sie aber tatsächlich zugenommen haben, darf angezweifelt werden. 

Das Dilemma der meisten psychischen Erkrankungen ist ja, dass es keine Labortests oder sonstige objektive Parameter für sie gibt. Die Bewertung des menschlichen Verhaltens, ob dies nun Ausdruck einer Erkrankung ist oder nicht, ist zudem ausgesprochen kulturabhängig. Nach Partner- oder Jobverlust sind in der Betroffenheitskultur viele Menschen in psychiatrischer Behandlung, die vor 20 oder gar 30 Jahren kein Psychiater gesehen hätte. In Deutschland gehören Angsterkrankungen mittlerweile zum guten Ton, während sie in Italien kaum verbreitet sind. 

Prokastination als psychische Krankheit?

Schon recht nah an das Diagnosesystem der psychischen Erkrankungen gerückt ist die Prokrastination. Dahinter verbirgt sich ein Aufschiebeverhalten, welches eine zunehmende Zahl von Psychologen als Symptom einer psychischen Erkrankung sehen möchte. Alternativ zur psychischen Erkrankung bietet sich das Diktum der Entscheidungsvermeidungskultur des Philosophen Peter Sloterdijk an, Zitat: „Das Einschlagen eines Nagels verlangt die Zustimmung einer Kommission, die, ehe sie der Nagelfrage näher tritt, ihren Vorsitzenden, dessen Stellvertreter, den Kassenwart, den Schriftführer, den Frauenbeauftragten und ein externes Mitglied wählt, das die Anliegen des regionalen Ethikrats für Technikfolgenabschätzung und Umweltschutz geltend macht“. 

Gut bebrütet für psychische Erkrankungen ist auch die Hochsensibilität. Dazu gibt’s natürlich auch schon Bücher, bspw.: „Von wegen Mimose“. Darin wird erläutert, dass es mitnichten um die medikalisierte Befreiung von Verantwortung und Verpflichtung geht, sondern um eine Variante des psychophysischen Normalzustandes. VHS-Kurse zur Hochsensibilität werden schon seit Jahren angeboten. Mit diesen geht es los, im schwarmintelligenzerzeugenden Internet weiter und schwuppdiwupp landen Befindlichkeitsstörungen und psychische Akzentuierungen in den zukünftigen Klassifikationen für psychische Erkrankungen. Die Autorin Juli Zeh sagte einmal: „In einer Welt, in der sich die, denen es am besten geht, am beschissensten fühlen, ist etwas grundverkehrt.“ Sie könnte recht haben. 

Der kollektive Vereinbarkeitswahn

Allen Anforderungen der Globalisierung zum Trotz: Noch nie hatte der Mensch der westlichen Welt so viel Zeit, sich mit sich selbst zu befassen. Um das alles in den Griff zu bekommen, sollten Sie Seminare für Burnoutprophylaxe, Achtsamkeit und Empathie besuchen. Dort lernen Sie, wie Sie Beruf, Familie und vieles mehr vereinbaren können. Eine perfekte berufliche Karriere und ein intaktes Familienleben sind dann kein Problem mehr. 

Im realen Leben muss man sich allerdings entscheiden, ob 60- bis 70-Stundenwoche mit Aussicht auf eine Chefarztposition an einer Uniklinik oder treusorgender Familienvater. Die Work-Life-Balance ist Heuchelei, überzeugt sind von ihr nur die neunmalklugen Frettchen der Ratgeberliteratur.
Wie soll der postmoderne Mensch ihnen zufolge sein? Natürlich empathisch und gleichzeitig durchsetzungsfähig, authentisch und gleichzeitig diplomatisch, geschickt, achtsam und gleichzeitig zielorientiert, sich selbst verwirklichend und gleichzeitig sozial, selbstfürsorglich und gleichzeitig engagiert arbeitend, in sich ruhend und gleichzeitig dynamisch – wer sollte da nicht unzufrieden werden? So ist der kollektive Vereinbarkeitswahn ein wesentliches Einfallstor zur kollektiven Unzufriedenheit. 

Vom Arbeitsplatz zum Therapieplatz 

Das reflexive Denken macht auch vor der Berufswelt nicht Halt. Durch die allmähliche Verdünnung der Arbeit durch Mitarbeitergespräche, Gespräche mit dem Betriebsrat, Supervisionen, Teamsupervisionen und und und gleicht manche Behörde mehr einer Selbsthilfegruppe als einer Arbeitsstelle. Ist es da ein Wunder, dass der Arbeitsplatz von immer mehr Arbeitnehmern mit einem Therapieplatz verwechselt wird?

Wo sich die Ratschläge der Psycholiteratur völlig problemlos umsetzen lassen – sich spüren, tiefer wahrnehmen, achtsam und fürsorglich mit sich umgehen, die Wohnung nach Feng Shui einrichten, sich einen Hund kaufen, diesen zur Arbeit mitnehmen, damit ein harmonisches Betriebsklima entsteht, streng auf die Einhaltung der Arbeitszeit achten, keine Überstunden mehr machen, sich alle 20 Minuten fragen, ob einem dieser Mitarbeiter oder jene Arbeit auch wirklich guttut, über den Betriebsrat eine Antistressverordnung einbringen, Handy ausschalten und sich selbst energetisch aufladen, neben der Worklifebalance auch die spirituelle Balance finden – und schon lässt es sich so richtig schön Kariere machen. Und das Wichtigste nicht vergessen: Immer schön kommunizieren und verbalisieren. Alles ist gleich wichtig und einfache Lösungen stehen unter Generalverdacht. Schließlich ist der Mensch hochkomplex. 

Zivilisationskonzept nach Richard Sennett

Apropos Coaching und Supervision – als Gegenentwurf fällt mir spontan das Konzept des Amerikanischen Soziologen Richard Sennett ein. Mitte der 1970er Jahre erschien sein Buch mit dem Titel „Verfall und Ende des öffentlichen Lebens“, Untertitel „Die Tyrannei der Intimität“. Darin beklagt der Autor u.a., dass der moderne Mensch der westlichen Welt überwiegend mit sich selbst beschäftigt sei. Sich selbst kennenzulernen dient nicht mehr dazu, ein Mittel zu sein, um die Welt zu verstehen, sondern ist zu einem Selbstzweck geworden. 

Für Sennett gilt als Zivil, die Mitmenschen mit dem eigenen Selbst und seinen Problemen zu verschonen. Gemessen daran, befinden wir uns im Moment im Zustand der tiefsten Barbarei, wo jeder Tiffeltöffelkram zur traumatischen Erfahrung stilisiert wird. Wäre das Sennett'sche Zivilisationskonzept in unserer Kultur fest verankert, gäbe es weder Frühpensionierung noch Burn-out oder andere Luftnummern der Befindlichkeitsstörung, die es immer leichter haben, wie selbstverständlich in psychiatrische Klassifikationssysteme hineinzuschlüpfen.

Die Zukunft gehört nicht den rosa Elefanten

Da wir offensichtlich Zeiten des Mangels zu erwarten haben, wird Sennetts Zivilisationskonzept immer wahrscheinlicher. Natürlich werden jetzt die Achtsamkeitsaspiranten aufschreien und eine drastische Zunahme der psychosomatischen Krankheiten beklagen. Doch auch für die Achtsamkeit gilt, was für alle verherrlichten Ideen gilt, die zu einer bestimmten Zeit in einer bestimmten Gesellschaft zu einem schillernden rosa Elefanten aufgeblasen werden. 

Man kann nicht skeptisch genug sein. So haben zahlreiche Studien gezeigt, dass gerade ein nichtachtsamer Umgang bei der Genesung hilfreich ist. Israelische Kardiologen teilten Patienten nach Herzinfarkten in zwei Gruppen ein: In der einen machten die Patienten weiter wie bisher. In der Anderen hielten sie sich peinlich genau an die therapeutischen Empfehlungen, hörten dauernd in sich hinein und beobachteten achtsam ihren eigenen Zustand. Das Ergebnis war, dass die Nicht-Achtsamen länger lebten. So ist das nun mal mit rosa Elefanten: Ihre Häufigkeit und der Glaube an sie wird alleine dadurch entschieden, ob sich eine Gesellschaft dies erlauben kann. Die Zukunft gehört aber nicht den rosa Elefanten. Dafür rückt Sennetts Zivilisationskonzept allmählich näher.
 

Klaus Dittrich | So, 2. Dezember 2018 - 10:44

Das Ich, von welchem früher bei Philosophen, Soziologen, Psychologen oft die Rede war, wird heute gern zur „Überformung“ abgegeben. Und – je höher der eigene Bildungsanspruch, desto größer scheint die Bereitschaft dazu.

Menzel | So, 2. Dezember 2018 - 11:03

Auf den Punkt gebracht und 10 Sterne; wow. Gerade gestern war diese Thematik in einer größeren vorweihnachtlichen Runde Thema. Die anwesende Generation 60 + in Kurzform: Irre, was sich in den letzten Jahren abspielt, offensichtlich wird die Menschheit verrückt. Was haben wir geschuftet, unter welchen Bedingungen gelebt, Kinder großgezogen, trotzdem gearbeitet - heute drehen die schon durch mit einem Kind als Hausfrau geht's zur Mutter-Kind-Kur. Danke für diesen Artikel, den ich mir erlauben werde, weiter zu empfehlen wohl wissend, ändern wird der leider nichts. Vermutlich zu spät …..

Barbara Piele | So, 2. Dezember 2018 - 11:04

Im letzten Absatz beschreiben Sie meinen Mann. --- "So haben zahlreiche Studien gezeigt, dass gerade ein nichtachtsamer Umgang bei der Genesung hilfreich ist. Israelische Kardiologen teilten Im"Patienten nach Herzinfarkten in zwei Gruppen ein: In der einen machten die Patienten weiter wie bisher. In der Anderen hielten sie sich peinlich genau an die therapeutischen Empfehlungen, hörten dauernd in sich hinein und beobachteten achtsam ihren eigenen Zustand. Das Ergebnis war, dass die Nicht-Achtsamen länger lebten." --
Aber mal abgesehen davon: Es ist interessant zu beobachten (ich lebe in einer Kleinstadt), wie dieses "Ich-höre-in-mich-rein... Also bin ich!" ständig zunimmt. Gleiches gilt aber auch in Großstädten mit den sog. Gutmenschen-Stadtteilen. Eine kritische Gegenbemerkung - und schwupp ist man in der Nazi- oder Rechtsradikalen- oder AFD-Ecke. - Fronten sind verhärtet. Dazu hat aber auch in erheblichem Maß die Presse beigetragen. Auch die sollte sich zurücknehmen.

Bettina Jung | So, 2. Dezember 2018 - 11:48

Das geht gar nicht! Wir haben doch gerade erst erfahren, das achtsame Kitaerzieher*innen (ich habe das Ster nchen gefunden) auf Mädchen mit Zöpfen achten sollen. Obacht, das ist Völkisch, Rächts, Voll-Nazi. Andere Sache: die gute Nachricht: ich heirate. Die Stanesbeamtin hat uns gendergerecht aufgeklärt, dass wir nun Eheschliessende genannt sind. Mein Mann erhielt die Nummer 1 und ich bin Nummer 2. da sag ich doch mit den Worten der Grünen Kathi Schulze „ey, sochry? Ich die Nummer 2. ich glaube, ich brauche eine Familienaufstellung zu Kläung.

Ullrich Ramps | So, 2. Dezember 2018 - 11:52

sondern, ach, so wahr. Danke für den schönen Artikel, die wunderbaren Formulierungen, den Lesegenuss - und vor allem die profunde Wahrheit darin.

Dr. Stephan Lermer | So, 2. Dezember 2018 - 12:52

Vielen Dank Herr Voss für diesen klärenden Artikel.
Begeistert habe ich damals die Bücher von Sennett in der Ärzte-Zeitung rezensiert. Zu Ihrer Meinung, wie Psychologen gerne Zeitgeistphänomene pathologisieren hier meine aus jahrzehntelanger Erfahrung gewachsene Definition von Depression: Die natürliche Reaktion einer gesunden Psyche auf massiven Verlust. Bezogen auf Reaktive Depr.(ca.80%), wo oft allein Trauern um den Verlust und die Zeit helfen. Ebenso sehe ich Burn-Out als natürliche Reaktion eines gesunden psychosomatischen Systems auf lang anhaltende Überforderung (Quelle: Hilton-Talk auf youtube). Auch hier reicht oft Coaching statt Psychotherapie, wenn Partner oder bester Freund nicht helfen können, Einstellung und Muster zu ändern. Prof. Eva Lermer (meine Tochter) hat als Koautorin des neuen Buchs Unbehagen im Frieden die Thematik wissenschaftlich analysiert, dass es uns offenbar zu gut geht.
Mit freundlichen Grüßen Ihr
Dr. Stephan Lermer
Psychotherapeut und Coach, München

Nur Hamanda | So, 2. Dezember 2018 - 13:16

"...neben dem Ampelmännchen sollte es ein Ampelweibchen mit einem Zopf geben. Im Berliner Politikbetrieb wird darüber ernsthaft diskutiert."
Das wird aber sofort die Amadeu Antonio Stiftung auf den Plan rufen, ist der Zopf und der Rock bei Mädchen doch ein klarer Hinweis auf NAZI-Eltern. Da muss der Senat noch mal ran.
Besser immer vorher Frau Kahane oder auch diese Frau Ministerin mit C... von der SPD fragen.

Paul J. Meier | So, 2. Dezember 2018 - 13:22

Ist dieses Pathologisieren denn nicht eine noch nicht identifizierte Neurose Herr Voß? ;-)
Ein wunderbarer Artikel, sie sprechen mir fachmännisch aus der Seele!
Und wenn der Psychokitsch nicht hilft, kann man immer noch zur Esoterik rekurrieren und dann wird aus einem unverschämten Bengel eben ein hypersensibles Indigo-Kind, dessen blaue Aura für Normalsterbliche, inclusive Psychologen, nicht sichtbar ist.

Dietbert Guetter | So, 2. Dezember 2018 - 13:35

Noch gibt es eine schweigsame Mehrheit, die diese albernen Pseudowissenschaften tolerant gewähren lässt.

Michaela Diederichs | So, 2. Dezember 2018 - 14:48

Ein längst überfälliger Artikel. Mangels echter Probleme betreibt ein Volk seelische Nabelschau mit erheblichen Schäden für die Wirtschaft. Dramaqueen oder Dramaking gehen allen auf die Nerven. Aber eines erreichen sie in jedem Fall: Aufmerksamkeit und Rücksichtnahme, denn sie sind ja krank. Was soviel heißt wie sie können ja nichts dafür.

helmut W. Hoffmann | So, 2. Dezember 2018 - 15:30

ein hervorragender Artikel, der den Zustand unserer Gesellschaft auf den Punkt bringt. Ich frage mich schon seit längerem, wie krank unsere Gesellschaft eigentlich ist

Juliane Mertz | So, 2. Dezember 2018 - 16:40

Dieser Artikel ist ein guter Beitrag für den Gegenpendelschlag zur Hochpsychologisierung des Selbst (sagen wir mal so richtig ab 1968). Aber: Nach der Logik des Artikels hätte z.B. der 2.Weltkrieg ungleich mehr psychische Therapien zur Folge haben müssen als es heute in ruhiger Zeit ist. So schlimm die Erfahrungen jedoch waren - es waren kollektive Erfahrungen, und fortan konnte es eigentlich nur noch besser werden. Das Problem heutzutage ist die Vereinzelung. Beinahe jedes Schicksal muss persönlich und meist auch ohne Gott verantwortet werden. Ja, es geht einem Westmenschen mit Abstiegsangst tatsächlich psychisch schlechter als einem Dritte-Welt-Armen, der von einer Verbesserung seines Lebens träumt.

Ursula Horvath | So, 2. Dezember 2018 - 17:35

Unter Psychologen und Therapeuten ist sie mit dieser Meinung freilich in einer Außenseiterposition. Klar
diese Berufsgruppe braucht doch die "Psychisch Belasteten" davon leben sie doch ganz gut. Beobachte seit der Wende, dass auch im Osten in der Generation 25 Jahre , Lebensrealitäten ausgeblendet werden und dafür eine überbordente, selbst diagnostizierte hypersensibilität Platz greift. In meiner Generation, wurden Probleme (auch schwere) noch mit Familie oder Freunden gelöst. Heute braucht es für alles Psychologen, die solange aus der Mücke einen Elefanten machen, bis die "Patienten" davon überzeugt sind, dass sie unter großen Leidensdruck stehen! Die heutige Gesellschaft ist dekadent, hält nichts mehr aus, aber gleichzeitig, erfindet sie Probleme (wie Gender) die nur einen winzigen Teil der Gesellschaft betreffen, aber diktatorisch wird versucht genau diesen Quatsch der Mehrheitsgesellschaft aufs Auge zu drücken. Unser Land gehört auf die Chouch, stelle Psychater Maazen fest!

Dimitri Gales | So, 2. Dezember 2018 - 20:07

bei Small-Talks die Frage vernommen: "have you been analysed"? Die Verbreitung der freudschen Psychoanalyse hat viel Unsinn gebracht, Freud selbst hat in seinen Schriften mit zum Teil abenteuerlichen Spekulationen (wie beispielsweise seine Schrift über Leonardo Da Vinci), an den Haaren herbeigezogene Behauptungen (als wissenschaftlich ausgegeben) den Grundstein für eine Methode gelegt, die nicht wissenschaftlich sein kann und als Therapie wenig taugt. Das sieht man auch in den Psychoanalytischen Fachblättern: Die Psychoa. dreht sich im Kreis, es wird zum hunderttausendsten Mal der Ödipus-Komplex beleuchtet usw. Aber es gibt Abnehmer von Pseudowissenschaftlichen Verbreitungen, wir leben im Zeitalter des Individualismus, jeder will sich selbstverwirklichen und natürlich maximal selbstoptimieren. Das ist ein interessanter Markt. Noch in den siebziger Jahren gab es interessante Veröffentlichung im Bereich der Psychologie, heute ist das zu einem bunten Selbstbedienungs-Laden geworden.

Stefan Welzel | So, 2. Dezember 2018 - 20:37

Naxh Genderforscherinnen "sollte es ein Ampelweibchen mit einem Zopf" sein.
Wie bitte!! Wollt Ihr ein rechtsradikales Mädchen auf unseren Ampeln!?! Zöpfe werden durch die Amadeu-Stifung nicht geduldet.

Christa Wallau | Mo, 3. Dezember 2018 - 00:05

Wahrscheinlich wird in keinem Land der Welt (außer vielleicht den USA) alles derart schlimm
ü b e r t r i e b e n wie in Deutschland.
Es scheint zum Volkscharakter zu gehören, jede mögliche Richtung mit enormem Eifer u. Pefektionismus bis zur bittersten Konsequenz bzw. bis zur Lächerlichkeit zu verfolgen. Dies führt von einem Extrem ins andere.
Ob dies die Politik ist, in der man das Phänomen beobachten kann, die Sorge um Weltprobleme, herrschende Moralvorstellungen oder das individuelle Streben nach Wohlgefühl u. Glück - bei a l l e m verlieren viele Deutsche rasch jegliches Maß. Es fehlt das, was man gesunden Menschen-u. wissenschaftlichen Sachverstand nennt. Dies gilt auch auf dem Gebiet der psychischen Erkrankungen.

Übrigens: Ich bin seit gestern zurück aus der Klinik, wo man meine "echte" Krankheit (Verifiziert durch Blutwerte!) mit Antibiotika behandelt hat. Nun kann ich wieder kommentieren.
Herzlichen Dank an alle, die mir freundliche Genesungswünsche zukommen ließen!

Besserung Frau Wallau. Mit Antibiotika behandelt und keine Schüsslersalze? Das stürzt die gestörten Gesundheitsapostel doch glatt ins blanke Entsetzen!

Folkher Braun | Mo, 3. Dezember 2018 - 01:20

Bisher habe ich noch nicht so eine präzise Darstellung des ganzen Elends gelesen. Wenn man den Artikel als Detailuntersuchung zu Rainer Mausfeld (Warum schweigen die Lämmer) versteht, wird klar, warum wir - nicht nur im politischen Geschäft - es immer mehr mit Charakteren zu tun haben, die offenbar unter dem Dunning-Kruger-Effekt leiden. Das Binnen-I, das 60ste Geschlecht, metoo und die sonstigen abseitigen Beschäftigungen dieser Personengruppen haben aber auch einen Vorteil: sie halten ungeeignete Personen von realen Arbeitsprozessen fern. Da würden sie ohnehin nichts zustande bringen.
Deswegen brauchen wir das bedingungslose Grundeinkommen (was diese Kreise ja auch fordern). Ein Grundeinkommen, damit ich endlos dumm schwätzen kann.

gabriele bondzio | Mo, 3. Dezember 2018 - 09:39

sollte es ein Ampelweibchen mit einem Zopf geben.“...Ist das nicht politisch verdächtig? Ich glaubte gelesen zu haben, dass so ein Zopf- Mädchen aus einem rechtsextremen, völkischen Elternhaus stammen könnte. Man sieht an diesem kleinen Beispiel recht gut, Herr Voß, was für Unfug entsteht. Wenn einer den anderen mit gebetsmühlenartigen Partialsichtweisen überholt. Der Satz aus ihrem Buch: „ ...ständiges Psychologisieren und Problematisieren nicht nur nervtötend ist, sondern auch wichtige Entscheidungen blockiert“ -hat seine Richtigkeit. Wenn man die Probleme in DE betrachtet, die weit wichtiger sind. Natürlich ist es durchaus eine Taktik, Wichtiges durch Unwichtiges aus den Gedanken der Menschen verdrängen zu wollen. Ein „nebulösen Zeitgeist „ kommt doch auch einer
nebulösen Politik, in Richtung Zukunft, hervorragend zu statten. Und erfüllt noch einen anderen, wichtigen Zweck, die Menschen in viele kleine Gruppen zu teilen. Divide et impera

Daniel Sunnus | Mo, 3. Dezember 2018 - 09:50

für einen (populär-) wissenschaftlichen Beitrag zu polemisch.

Die Psychoanalyse mit einem kurzen Verweis auf ihre Anfänge, namentlich Siegmund Freud, diskreditieren zu wollen, gleicht dem Versuch, Naturwissenschaften mit einem Verweis auf Plinius den Älteren kritisieren zu wollen.

Die geschäftsfördernde Tendenz, alles und jeden zu pathologisieren, gibt es auch bei anderen psychomedizinischen Disziplinen, wie der Verhaltenspsychologie. Eigentlich gibt sie bei jeder Geistes- und Gesellschaftswissenschaft auf der Suche nach neuen, noch mehr Aufgaben. Der trivialakademisch gebildete Nachwuchs will schließlich versorgt sein.

Ein großes Problem übersieht der Autor, ein Mann vom Fach, komplett: Die indirekte Banalisierung tatsächlicher psychischer Erkrankungen durch die Ausweitung von Diagnosen, per Patholigisierung beinahe aller Gemütszustände und Befindlichkeiten.

Justin Theim | Mo, 3. Dezember 2018 - 12:37

Die Nachkriegszeit bis weit nach der Jahrtausendwende war bei vielen Menschen noch präsent als lebendige Erinnerung an Mangel. Nun stirbt diese Generation zumindest im Westen langsam aus. Die Nachkommen geben sich ohne diese Erfahrung/Erinnerung nur noch ihrer leistungslosen Wohlstandsverwahrlosung hin. Die Psychologisierung und Psychopathologisierung des Alltags ist der Spielplatz dieser Leute. Logik, naturwissenschaftliches Weltverständnis sind für sie Hindernisse, die überwunden werden müssen. Insofern kann man bei diesen Menschen eine ernste Geisteskrankheit diagnostizieren.

In geistig gesünderen Zeiten wären Leute, die z.B. die Existenz von nur zwei Geschlechtern leugneten, als irre Sonderlinge betrachtet worden. Bei aggressiven Durchsetzungsversuchen ihres Irrglaubens wären sie eingewiesen worden.
Heute jedoch sind diese Leute die Betreiber der Irrenanstalt, in der der Normalo und logisch denkende Mensch als "Irrer" und Sozioterrorist diffamiert wird.

Christa Wallau | Di, 4. Dezember 2018 - 15:12

In reply to by Justin Theim

Ja, Herr Theim, genau so ist es!
Wir leben in derart "geistig ungesunden Zeiten", wie Sie richtig schreiben, daß
jeder Irrsinn als Fortschritt gefeiert wird und diejenigen, die diesem Irrsinn mit gesundem Menschenverstand und logischen Argumenten begegnen wollen, als renitente Spielverderber oder gar als Menschenfeinde (im schlimmsten Falle als "NAZIS") diffamiert werden.

Damit man mich nicht falsch versteht: Es gibt zweifelsohne ernsthafte psychische Erkrankungen, die der besten Behandlung und weiterer Forschungsanstrengungen bedürfen. Menschen mit derartigen Krankheiten haben es schon schwer genug, als daß man sie noch auf eine Stufe mit Simulanten stellen dürfte.
Nein, man muß ihren Erkrankungen den gleichen Stellenwert einräumen wie den
physischen Krankheiten.
Aber Vieles, was heute unter psychischen Störungen gelistet wird, ist
lediglich ein Aufbauschen von Mißstimmungen (Launen). Dies kommt nur hoch bei
wohlstandsverwöhnten Leuten, die keine elementaren Sorgen kennen.

Steffen Zollondz | Mo, 3. Dezember 2018 - 14:57

für diesen Artikel!
Besonders die Passagen zum Gender Mainstreaming sagen mir zu.
Stimmen wie die Ihre, Herr Voß sollte es in größerer Zahl und Lautstärke geben.

Werner Baumschlager | Mo, 3. Dezember 2018 - 16:29

Euch macht das Leben in der Stadt krank. Das ist jedenfalls meine Lebenserfahrung. Meide die Stadt. Am Land sind die Menschen gesünder im Kopf (es sei denn, sie werden von der Stadt aus mit Windindustrieanlagen oder dem Krieg gegen die Individualmobilität terrorisiert).

Wolfram Fischer | Mo, 3. Dezember 2018 - 22:49

... wie unser ganzes Elend hier äußerst trefflich beschrieben wird! Zukunft kann (und konnte immer) nur dann entstehen, wenn Menschen einfach auch mal "funktionieren" - das ist inzwischen offenbar völlig "out" - heute ist man "achtsam", hört permanent in sich hinein, überlegt, ob es nicht höchste Zeit ist, das Leben grundlegend zu ändern, bevor man nun wirklich krank wird... und über welchen nächsten politisch völlig unkorrekten Zwischenfall man wieder völlig empört sein muss! So hat unser Land KEINE Zukunft, weil für das "Werte schaffen" einfach keine (oder deutlich zu wenig) Zeit bzw. keine geistige Energie bleibt. Und von Luft und Liebe und Gendergerechtigkeit und dergleichen Zeug wird unser Land nicht allzu lange leben können. Andere Nationen, die dergleichen Luxus sich nicht leisten, heizen uns da schon gewaltig ein - ich sage nur: China.
So einfach ist das.
Politisch natürlich völlig unkorrekt, so etwas von sich zu geben...

Helmut Bachmann | Mo, 3. Dezember 2018 - 23:50

Der Artikel zeigt glänzend auf, wie man mit einem kruden Drucheinander von Begrifflichkeiten trotzdem Fans findet und sein Buch vermarkten kann, wenn man nur möglichst viele "Tabus" "bricht". Das Publikum bemerkt es nicht, man muss nur ein wenig Richtiges einstreuen, dann kann man den größten Unsich behaupten.

Heiner Hannappel | Di, 4. Dezember 2018 - 00:39

Da bin ich nun 74, habe eine liebenswürdige Gattin, habe mit ihr zwei reizende Mädchen großgezogen, bin 3 facher Opa, habe unzählige Krankheiten überwunden, bin zufrieden in Rente, mache Sport, schreibe Leserbriefe, Artikel auf meiner Webseite Fortunanetz und mittlerweile 4 Bücher und bin anscheinend ein Fall für den Psychiater, da einfach zu normal gestrickt. Herrgott nochmal ich zog einfach eben eine Frau, also meine für die Gründung meiner Familie vor, weil das eben Erfolgversprechend ist und muss mich anscheinend bei einigen noch dafür rechtfertigen, die diesem hirnrissigen Genderwahn nachhängen.Nein ,nein, ich weigere mich als anormal, oder geistig irregeleitet angesehen zu werden.ICH BIN NORMAL UND NICHT DIE, DIE AN MEINER NORMALITÄT RUMZWEIFELN:BASTA!!

Armin Latell | Di, 4. Dezember 2018 - 11:31

Wenn Ihr Artikel in die falschen Hände gerät: das kann ja ganze Lebensphilosophien und Weltbilder zerstören. Die gewaltigen, hochkomplexen Wohlstandprobleme dieser Gesellschaft so respektlos zu analysieren und diagnostizieren, fast könnte ich Ihnen gesunden Menschenverstand unterstellen, der ja bekanntermaßen auch nicht mehr dem Zeitgeist entspricht. Schließlich brauchen wir für Alles und Jedes einen Experten, der uns fürsorglich beim (Nicht)Denken betreut und immer Antworten auf naseweise Fragen der Anstaltsinsassen parat hat. Jahrzehnte Gehirnwäsche bleiben eben nicht ohne Folgen. Diesbezüglich bin ich hoffentlich dreckig geblieben. Ihren Artikel zu lesen hat Spaß gemacht.

Holger Stockinger | Di, 4. Dezember 2018 - 12:27

Was "wissenschaftlich" ist, ist zwischen "Naturwissenschaft" und "Geisteswissenschaft" schon länger ein "Zankapfel". Auf einer psychiatrischen Fachtagung wurde ich belächelt, als ich darauf hinwies, dass unsere abendländischen "Ärztevorfahren" aus Hellas Mediziner und Philosophen insofern waren, dass sie die nie endgültig beantwortbare Frage stellten: was ist der Mensch?

Nämlich bestehend aus Körper, Geist und "Seele". Letzteres subsumiert dann Psyche und Emotionen, dabei interessant auch der Begriff des "Thymos".
Nimmt man noch quantenphysikalische Aspekte hinzu, werden Individual- und Massenpsychologie zu etwas, das Dr. Voß humorig in aller Kürze anreißt. "Psychoanalyse" oder "Marxismus" mit Seitenhieben zu bedenken, gehört auch zum Handwerk ...