Gender - Kulturkampf um die Sprache

Der Rat für deutsche Sprache wird vorerst keine Empfehlung für eine gendergerechte Rechtschreibung abgeben – aus gutem Grund. Denn der Versuch, anderen Menschen per Sprachdiktat die eigenen normativen Vorstellungen aufzuzwingen, ist vor allem eins: eine Anmaßung

Er, sie, * ? Der Rat für deutsche Sprache empfiehlt vorerst keine konkreten Schreibweisen / picture alliance

Autoreninfo

Alexander Grau ist promovierter Philosoph und arbeitet als freier Kultur- und Wissenschaftsjournalist. Er veröffentlichte u.a. „Hypermoral. Die neue Lust an der Empörung“. Im Oktober erscheint sein Essay „Kulturpessimismus. Ein Plädoyer“ bei zu Klampen.

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Alexander Grau

Sprache ist Freiheit. Denn Sprache erlaubt den freien Gedanken und die freie Rede. Und sie ermöglicht es, Phrasen, Losungen und Propaganda zu hinterfragen. Aus diesem Grund haben Diktaturen immer wieder versucht, die Sprache zu reglementieren. Wer nämlich die Gewalt über die Sprache hat, der hat ein Stück weit die Gewalt über die Köpfe der Menschen.

In einer offenen und demokratischen Gesellschaft sollten amtlich verordnete Sprachänderungen aus moralischen, ideologischen oder politischen Gründen daher ein absolutes Tabu sein. Da der Staat die Schulaufsicht hat, ist es ihm zwar unbenommen, eine einheitliche Interpunktion und Orthographie aus der gängigen Praxis und Tradition heraus festzulegen. Vollständig indiskutabel sollten jedoch Sprachreglementierungen aus weltanschaulichen Motiven sein.

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Christoph Kuhlmann | Sa, 17. November 2018 - 11:04

Zu großen Teilen in einer Zeit, wo bestimmte Berufe typischerweise von einem Geschlecht ausgeübt wurden. Insofern wurde und wird dieses Geschlecht bei der pauschalen Bezeichnung der Berufsgruppe genannt. Sprache wird normalerweise durch alle geprägt, die sie sprechen, allein das Hochdeutsche ist durch Verwaltungssprache an den Fürstenhöfen im Feudalismus entstanden und durch die Gebrüder Grimm dann zur allgemein verbindlichen Hochsprache entwickelt worden. Insofern ist dieser Sprache schon immer ein konstruierter, ja bürokratisierter Ansatz zueigen.
Der Rechtschreiberat hat genau wie die Rechtschreibreform einen Konstruktionsfehler. Er ist ein bundesdeutsches Gremium, das nicht der Annäherung der Rechtschreibung in sämtlichen deutschsprachigen Ländern dient. Wer mal Gedichte auf deutschsprachigen Plattformen, auf denen auch viele Germanisten beiderlei Geschlechts aufhalten, der weiß wovon ich rede.

Joachim Baumeister | Sa, 17. November 2018 - 11:27

"Gender", der links-grüne Trendbegriff (natürlich englisch). Das Symbol für die politisch korrekte Bevormundeung, quasi eine sprachliche Repression. Aber der derzeitige links-grüne Zeitgeist verhindert eine dringend notwendige Weichenstellung für die kommenden 15-20 Jahre; wie stellen wir uns politisch und ökonomisch auf angesichts der Verlagerung der globalen Kräfte von West nach Ost. Aber hier beschäftigt man sich lieber mit Gendersternchen.

gerhard hellriegel | Sa, 17. November 2018 - 11:50

In Afrika gibt es Völker, die benutzen Klick- und Schnalzlaute. Vielleicht könnte man damit wenigstens verbal Gendergerechtigkeit herstellen, ohne sich den Mund fusselig zu reden. Unsere Werbeträger werden ganz sicher jeder Mode folgen, schließlich will man keinen vergraulen. Auch das Grundgesetz und die Bibel bedürfen ganz dringend der Überarbeitung. Das versuchte Sprachdiktat bezieht sich aber nicht nur darauf, sondern auch auf "verbotene Worte". Waren vor 20 Jahren "Schwuler" und "Lesbe" deutlich diskriminierend, löst sich das derzeit auf. Bedeutungswandel ohne neue Wörter, es geht also doch. Aber angeblich nicht bei "Neger", "Eskimo" oder "Zigeuner". Also pfuschen sie jetzt bei Jim Knopf und sonstwo herum. Wir reden so viel über Spaltung der Gesellschaft, hier bahnt sich die nächste an.

Kostas Aslanidis | Sa, 17. November 2018 - 12:33

fanatiker, ist nur in Diktaturen üblich. Es wird krachend scheitern, da es unnormal ist. Sprache entwickelt sich stetig und passt sich den Gegebenheiten immer an. Einschüchterungstaktik der neoliberalen Bücklinge. Sie wollen die Menschen zum Stummsein verurteilen, damit sie leichtes Spiel für ihre absurden Phantasien erzielen. Während die halbe Welt in totaler Armut lebt, befassen sich die Genderjünglinge mit unwichtigem und belanglosem Zeug. Aber woher kommt das Geld für die Dauerpropaganda der Genderfanatiker. Das sollte eine freie Presse erforschen, damit die Zusammenhänge plausibel werden.

Gisela Fimiani | Sa, 17. November 2018 - 12:50

...und bereits Nietzsche wußte: „Die Menschheit wird am besten genasführt mit der Moral.“

herbert binder | Sa, 17. November 2018 - 12:55

"Ich halte es eher für eine verkrampfte
Diskussion, die uns eine künstlich von oben aufgesetzte Sprache aufdrängen will" und:
Gender-Sternchen seien einfach "überflüssig
und nicht praktikabel." Dies und mehr sagt die
Autorin Birgit Kelle im WDR 5 Morgenecho-
Interview vom 16.11. (6:27 Min.). Daß Sprache
Regeln "gehorchen" muß - geschenkt. Nur haben
diese vor allem eins zu sein: gewachsen, aber auf keinen Fall von verblendeten Ideologen
o k t r o y i e r t .
Nur am Rande: zur Zeit lese ich in einem Buch, in
dem mir lfd. Meter Formulierungen der Güte ins
Auge (vor allem aber in die Gedärme) gedrückt werden
wie "Zuschauer_innenkörper", "Betrachter_in"
usw.,usf.(die Leselust ist schon ziemlich futsch).
Tröstlich ist aber vor allem eins: Verstöße gegen
Schreibregeln (ich lasse mir z.B. auf keinen Fall
das wunderschöne "ß" nehmen; auch die Dreier-
Konsonante ist für mich keine Option!) bleiben
wohl auch in Zukunft straffrei.

Eberhard Rademeier | Mo, 19. November 2018 - 15:37

In reply to by herbert binder

zu masochistischen Tendenzen? Bei mir läge so eine Machwerkin schon lange in der Rundablage.

(Frustrations.Toleranz)
Ein Mensch in seinem ersten Zorn, / wirft leicht
die Flinte in das Korn, / ... / Der Mensch bedarf
dann mancher Finte, / zu kriegen eine neue Flinte.
[Eugen Roth]

Christa Wallau | Sa, 17. November 2018 - 13:43

D i e ist leider nicht nur bei den Genderisten
festzustellen, sondern überall!

Ob es das Thema EU, die Migrantenfrage,
die Schulpolitik usw. ist - immer geht es in der Diskussion kaum um sachliche Argumente oder gar
die Ergebnisse solider Untersuchungen, sondern der moralische Zeigefinger arroganter Ideologen prägt die Auseinandersetzung und bestimmt die Ergebnisse, die dann zu unsinnigem Handeln führen.

Schopenhauers Ausspruch "Die Sudler sollten ihre Dummheit an etwas Anderem auslassen als an der
Deutschen Sprache"
möchte ich variieren und hinzufügen:
"Die Ideologen sollten ihre Spinnereien an etwas
Anderem auslassen als am Deutschen Volk."

Thomas Kloft | Sa, 17. November 2018 - 13:48

Ich frage mich was wäre, wenn ich in einem wunderbaren Buch auf jeder Seite 3 mal über *innen stolpern würde? Der Spaß wäre mir schnell vergangen. Also würde ich im Vorfeld schon Bücher u. Zeitschriften ablehnen, die sich dem Genderwahn angeschlossen hätten. Und ich bin mir relativ sicher, dass es den meisten Lesern so gehen würde. Das Thema wäre dann wahrscheinlich schnell durch, aber neben den vielen anderen Wahnsinnsprojekten der geistig umnachteten Eliten in diesem Land auch der nächste wirtschaftliche Schaden.

Karla Vetter | Sa, 17. November 2018 - 18:12

Als ich diese Woche ganz zufällig in unserer Tageszeitung die Stellenangebote las,war ich schon erstaunt wie diese heute politkorrekt daherkommen.Die Ausschreibungen wenden sich nun an:Weiblich/männlich/divers also w/m/d.Fakten schaffen?!

helmut armbruster | So, 18. November 2018 - 09:28

dann wird die Sache ganz einfach und bedarf keiner weiteren Erklärung:
Rem tenes verba sequentur = Beherrsche das Thema, dann folgen die Worte von alleine.

torben bergmüller | So, 18. November 2018 - 11:52

Oder um es zu präzisieren, eine totalitäre Anmaßung!

Günter Johannsen | So, 18. November 2018 - 14:57

Wird es nun auch im Duden (gendergerecht: Die Dudin) zu solchen Peinlichkeiten kommen, wie zum Evangelischen Kirchentag, wo man durch ein schnell neu gedrucktes Kirchengesangbuch - gedruckt mit Kirchensteuergeld - gezwungen wurde, gendergerecht statt des großartigen "Lobe den Herren …", nun zu singen: "Lobe die E’wge..". Und auch als "Die Mondin" aufgegangen war, nahm der Unsinn leider kein Ende, denn aus "so legt euch denn ihr Brüder" wurde "so legt euch, Schwestern Brüder, in Gottes Namen nieder …".
Alles was Recht ist, aber man sollte die Kirche schon im Dorf lassen und die Deutsche Muttersprache nicht verschandeln wegen einer kurzen und peinlichen Gender-Mainstream-Episode!

Wolfgang Dewor | So, 18. November 2018 - 19:25

dass uns die Vorgaben einer selbsternannten Sprachelite erspart bleiben. Sprache lebt und entwickelt sich, auch wenn manche Kreise "politische Korrektheit" in Sprache und Denken gerne hätten. Das Genderthema ist reinweg Zeitverschwendung.

Jürgen Keil | Mo, 19. November 2018 - 10:05

Ich stimme Ihnen, Herr Grau, voll inhaltlich zu. Selbst wenn sich dieser ideologische Unfug durchsetzen sollte, ich werde ihn nicht mit machen.
Neulich las ich, dass sich in der Bundesrepublik 200 Professoren mir der Genderproblematik beschäftigen. Meine Damen und Herren, es gibt wichtigeres: Ingenieure braucht das Land!

... für ein Ingenieurs-Studium braucht es mehr als ideologisches Geschwätz,
nämlich die Fähigkeit zu logischem, mathematischem, also sehr abstraktem
und stringentem Denken.
Ich glaube kaum, daß die 200 Inhaber der Genderforschungs-Lehrstühle
ein Studium z.B. der Elektro-Technik erfolgreich absolviert hätten.
Woher aber kluge Köpfe in Deutschland nehmen?
Unsere Schulen "spucken" sie seit langem nicht mehr aus.
Und die Migranten, die wir bei uns einlassen, stellen in dieser Hinsicht auch
keinerlei Potential zur Verfügung. Im Gegenteil: Wir importieren jede Menge
Analphabeten!

Verehrte Frau Wallau, beim Genderstudium ist sicher noch viel Kreativität gefragt - schließlich wissen wir ja nicht, welche Spielarten an menschlichen Eigenheiten noch so entdeckt werden! Die Zeiten, wo es nur 4/5 gab, sind sicher rasch vorbei!
Dann braucht es wohl weit mehr an Sonderzeichen als _/*zum Binnen-I. Und die einzelnen Sonderfühlenden müssen dann auch befragt werden, wie sie dargestellt sein wollen, geht ( ) oder [ ], ~ oder '+' ???????
Da konstruiere ich doch lieber einen Apparat oder eine Maschine - die kommen wenigstens nicht an und fühlen sich diskriminiert! Ob sich das dann bei den künstlich Intelligenten ändert? Wer weiß das schon heute????
Das wohl größte Problem dürften die Genderforscher-/'I( ) [ ]~+ wohl damit haben, wie man die einzelnen Zeichen in gesprochener Anrede artikuliert - und wie erkennt man das jeweilig gewünschte bei einzelnen Personen, die zwar wie z. B. ein Mann oder eine Frau aussieht, aber das nicht sein will. So eine Art Symbol am Revers???

Paul Baumann | Mo, 19. November 2018 - 14:16

wenn wir uns mit einem solchen Blödsinn wie eine gendergerechte oder politisch korrekte Sprache beschäftigen können, Abermillionen dafür verschwenden, Kinderbücher umschreiben ...

Oder ist es ein "Nebenkriegsschauplatz" um die wirklich wichtigen Themen, die dieser Zuwendung bedürften zu verschleiern; sich mit ihnen nicht beschäftigen zu müssen?

Es kommt mir langsam so vor.

Und wenn man nicht mitspielt ist man sowieso per se homophob, Rassist, und schlimmeres.

Egal - Hauptsache irgendwelche Leute haben eine Aufgabe mit/bei der man Steuergelder verbrennen kann.

Karin Zeitz | Mo, 19. November 2018 - 15:21

wieso die Gender-Jünger und -Jüngerinnen auf gendergerechte Sprache bestehen, wenn sie andererseits behaupten, dass Geschlechter erstens kein biologisches, sondern ein gesellschaftliches Phänomen sind und dass es zweitens nicht nur männliche und weibliche, sondern auch unzählige sexuelle Identitäten der Menschen gibt. Genaugenommen müsste es demnach heißen: “Bürger, Bürgerinnen, Bürgertransen und Bürgerhermaphroditen“, um möglichst vielen Spielarten gerecht zu werden, oder man belässt es der Einfachheit halber bei “den Bürgern“.