Brennpunktschulen - „Leistung ist egal“

Berliner Behörden könnten den Rektor der Bergius-Schule fördern. Denn mit konsequenter Disziplin hat er an der Brennpunktschule viel erreicht. Stattdessen aber wird er wegen „unpassender“ Pädagogik abgemahnt. Ein Interview über Irrsinn in der Bildungspolitik

Zwei Schulkinder aus der vierten Klasse einer Grundschule laufen in den Klassenraum
„Wir arbeiten nicht für die Schulinspektion, sondern für unsere Eltern und Schüler“ / picture alliance

Autoreninfo

Antje Hildebrandt hat Publizistik und Politikwissenschaften studiert. Sie arbeitet als freie Reporterin und Autorin. 

So erreichen Sie Antje Hildebrandt:

Die Bergius-Schule in Berlin-Friedenau stand 2005 vor dem Aus, als Michael Rudolph (64) sie übernahm. Rudolph hatte bis dahin schon jahrzehntelang an Brennpunktschulen unterrichtet und galt als möglicher Kandidat für die Leitung der Rütli-Schule in Neukölln. Mit der nötigen Autorität gelang es ihm, aus der Problemschule eine Vorzeigeschule zu machen. Doch sein autoritärer Führungsstil passt dem Schul-TÜV nicht. Gerade hat er der Schule „erheblichen Entwicklungsbedarf“ attestiert. 

Herr Rudolph, obwohl sich Ihre Schule kaum vor Anmeldungen retten kann und fast die Hälfte der Schüler einen Mittleren Schulabschluss mit Gymnasialempfehlung bekommen, ist sie bei der letzten Schulinspektion durchgefallen. Wie ist das möglich? 
Wir haben zwei Schulinspektionen gehabt, 2012 und 2018. In beiden Berichten steht eigentlich das Gleiche drin: Die Leistungen unserer Schüler sind sehr gut. Sie bestehen Abschlüsse, es herrscht Ruhe im Unterricht. 

Eigentlich alles Dinge, die Ihre Schule schmücken. 
Sollte man meinen – besonders vor dem Hintergrund unserer Schülerschaft, die schwierig ist. 70 Prozent von ihnen haben einen Migrationshintergrund. Mehr als die Hälfte der Schüler sind lernmittelbefreit. Sie stammen aus Familien, die nicht so gut verdienen. 

Trotzdem steht auf dem Deckblatt des Inspektionsberichts bei Stärken nichts über die Leistungen der Schüler, die der Bericht ja attestiert. 
Das hat mich auch gewundert. Ich habe den Inspektor daraufhin 2012 gefragt, warum er es dort nicht vermerkt hat. Und dann hat er die Worte gesagt, die ich in meinem ganzen Leben nicht vergessen werde: „Das ist egal.“  

Aber wenn es der Schulinspektion nicht um eine Leistungskontrolle geht, worum geht es ihr dann?
Es geht um Unterrichtsmethoden und darum, Curricula zu entwerfen oder unsere Ergebnisse zu dokumentieren – und das vor dem Hintergrund, dass es ohnehin schon zu wenig ausgebildete Lehrer gibt. Das ist ein enormer Verwaltungsaufwand, der ungefähr 30 Prozent unserer Zeit beanspruchen würde, würden wir uns an die Vorgaben halten. Aber das tun wir nicht. 

Sie wurden deshalb schon 2012 von der Schulinspektion ermahnt. Haben Sie das einfach ignoriert?
Ja, wir haben uns von unserem Weg nicht abbringen lassen. Wir arbeiten ja nicht für die Schulinspektion, sondern für unsere Eltern und Schüler. In Berlin gibt es sechzig Sekundarschulen, die so arbeiten wie wir. Ohne einen gymnasialen Oberstufenzweig haben die meisten Schulen Probleme, ihre Klassen voll zu bekommen. Wir haben seit neun Jahren mehr Anmeldungen als Plätze. Das dürfte ein Alleinstellungsmerkmal in ganz Berlin sein.  

Die Inspektion hat Ihnen unter anderem angekreidet, dass Ihr Unterricht zu 84 Prozent frontal stattfindet. Gehört da Mut oder Dickfelligkeit dazu, die Kritik zu ignorieren? 
Ach, mir war das einfach egal. Ich habe vierzig Jahre lang als Lehrer in Brennpunktschulen gearbeitet, davon 27 Jahre an Kreuzberger Hauptschulen. Ich habe in dieser Zeit alles gesehen, was man in der Schule nur sehen kann – bis auf den Tod eines Kollegen. Aber die Vorstufen habe ich durchaus miterlebt. 

Wie meinen Sie das?
Es wurden Kollegen von Schülern niedergeschlagen und dabei so stark verletzt, dass sie nie wieder ihren Dienst aufgenommen haben. Mir ist da nichts fremd. Vielleicht war ich deswegen der Erste, der 2006 gefragt wurde, ob ich die Leitung der Rütli-Schule in Neukölln übernehmen wollte, nachdem das Kollegium einen Notruf an den Senat gesendet hatte 

Michael Rudolph
Michael Rudolph / privat

Ein Boulevardblatt hat Sie mal Berlins härtesten Schulleiter genannt. Ist das ein Kompliment oder eine Beleidigung?
Weder noch. Die BZ hat das mal geschrieben, weil ich einer Schülerin acht Wochen Schulcaféteria-Verbot erteilt hatte, nachdem sie einen Müsli-Regel geklaut hatte. Hart finde ich das nicht. Nur konsequent. 

Was macht für Sie eine gute Schule aus?
Sie soll den Schülern Wissen vermitteln und sie so erziehen, dass sie fit fürs Arbeitsleben sind. Das sind die beiden Kernaufgaben von Schule. 

Der Kriterienkatalog der Schulinspektion fordert zum Beispiel Erziehung zur Demokratie oder ein schulinternes Curriculum. Was ist dagegen einzuwenden? 
Wir machen das ja auch, bloß eben in Form von Jahresplänen. Die Kollegen listen genau auf, was wann in welchem Fach gemacht wird und was die Lernziele sind. Das reicht der Inspektion aber nicht. Die möchte irgendwelche Pläne in neun verschiedenen Varianten haben. Da sitzen Kollegen dann wochenlang an irgendwelchen Schriftstücken, die sie dann wegwerfen und für die sich nie einer interessiert. Also, ich möchte lieber Unterricht machen. Wenn ein Schüler nach der 6. Klasse nicht ausrechnen kann, wie viel drei mal neun ist, dann interessiert mich nicht, welches schulinterne Curriculum da vorgelegen hat. Mich interessiert die Leistung.

Und wenn man den Ländervergleichen glaubt, ist die fast nirgendwo so schlecht wie in Berlin. 
Ich nenne Ihnen mal ein Beispiel: Zwei Drittel der Polizeischüler, die in Berlin die Aufnahmeprüfung bestanden haben, bekommen im Diktat eine Sechs. Wie kann das sein? Die haben alle eine Schule durchlaufen.   

In Berlin gibt es die Schulinspektion seit 2006. Es gibt durchaus Schulen, die sagen, ihnen hätte der Schul-TÜV geholfen, Defizite zu beseitigen. 
Ich habe aber auch Rückmeldungen von Schulen bekommen, die etwas ganz anderes gesagt haben. 

Nämlich? 
Die haben dann so einen Gruppen-Unterricht gemacht, wie ihn sich die Schulinspektion gewünscht hat. Viele sind auch so behandelt worden wie wir. Aber jetzt überlegen Sie mal: Welche Schule hätte wohl den Mut gehabt, einen schlechten Inspektionsbericht zu veröffentlichen? 

Warum haben Sie es trotzdem getan?
Ich bin jetzt 64. Wenn man mich rausschmeißen sollte, könnte es mir egal sein. Mir war es wichtig, diese Diskrepanz zwischen den guten Leistungen der Schüler und den schlechten Noten der Inspektion zu thematisieren. 

Das heißt, Sie haben die richtigen Ziele erreicht – aber nach den Maßstäben der Schulinspektion mit den falschen Mitteln? 
Genau. Und das kann doch nicht Sinn eines Controllings sein. Ich muss doch prüfen, ob Lernziele erreicht wurden. Mein Kollegium macht zum Beispiel zu 84 Prozent Frontalunterricht ...  

... weil das der einzige Weg ist, schwierige Schüler zu erreichen?
Richtig, das ist deutlich effektiver. Es ist sogar wissenschaftlich nachgewiesen, dass dieser Unterricht Kinder mit Lernproblemen deutlich weiter bringt. Im Bericht der Schulinspektion steht dazu: „Der Unterricht ist immer gleich. Er fängt pünktlich an. Der Lehrer begrüßt die Schüler. Er fragt nach den Hausaufgaben. Er stellt die Anwesenheit der Schüler fest. Er macht eine kleine Wiederholung der vergangenen Stunde. Dann gibt er das Thema der neuen Stunde bekannt. Dann arbeiten die Schüler an dem Thema.“ In den Augen der Schulaufsicht ist das schlecht. Aber das ist genau das Instrument, mit dem wir unsere Erfolge erzielen. 

Sollten die Kriterienkataloge der Inspektion nach Schultypen differenzieren?
Ja, Leistungen von Elite-Gymnasiasten können nicht mit Leistungen von Hauptschülern in Neukölln verglichen werden. Aber wie gesagt: Um Leistung geht es dem Schul-TÜV ja sowieso nicht. Und deshalb können Sie diese Inspektion völlig vergessen. Das ist so, als hätte ein Automobilhersteller zehn Millionen Autos hergestellt, aber nur sechs Millionen verkauft. Ist also eine ziemliche Pleite. Aber dann kommt jemand aus dem Vorstand und sagt: „Aber die Arbeiter haben beim Zusammenschrauben der Autos gesungen.“  

Wer denkt sich so etwas eigentlich aus?
Das sind meistens Leute, die an Universitäten arbeiten. Diese umstrittene Methode „Schreiben nach Gehör“, die dazu geführt hat, dass heute eine Generation von Kindern Probleme mit der Rechtschreibung hat, soll sich ein Schweizer Professor 1980 ausgedacht haben. Das sind Verbrechen, die wir an den Kindern begehen. 

Mit welchen Konsequenzen müssen Sie jetzt rechnen, wenn Sie die Ermahnungen des Schul-TÜVs einfach ignorieren?
Keine. Das interessiert keinen. Das ist doch auch irre. Andererseits gibt es kaum eine Zeitung, die noch nicht über meinen Fall berichtet hat. Ich bekomme Zuschriften von Kollegen, Wissenschaftlern und Eltern aus der ganzen Republik. 

Mit welchem Tenor?
Die Absender wünschen uns viel Kraft, den Widerstand gegen die Schulinspektion weiter durchzustehen. 

Ist deren Arbeit symptomatisch für den rot-rot-grünen Senat: Lieber alles ausdiskutieren statt Leistung und Disziplin?
Darüber maße ich mir kein Urteil an. Ich kann nur über meine Schule sprechen. Und als Schulleiter trage ich Verantwortung  für die Kinder. Mir ist wichtig, dass sie ins Leben gehen und eine Chance bekommen mit ihren Rückständen. Ich muss mich bemühen, jeden voranzubringen. 

Wollen Sie den Kampf gar nicht politisch weiterfechten? 
Das werden andere tun. Morgen bekommen wir Besuch von der schulpolitischen Sprecherin einer großen Partei aus dem Berliner Abgeordnetenhaus  ... 

... der CDU? 
Ja, es haben sich aber auch schon die FDP, die Grünen und die SPD positioniert. Was einerseits verwunderlich ist, weil diese Partei ja die Bildungssenatorin stellt. Andererseits ist es aber auch so, dass sich im Grunde genommen keiner für diese Schulinspektion interessiert. Einige wissen nicht mal, dass es sie gibt. 

Reinhard Czempik | Do, 30. August 2018 - 08:54

erklären einem Mann der Praxis, wie er seinen Job zu machen hat. Unfassbar! Sicher ein interessanter Aspekt von mehreren, warum Berlin unter einer solch verheerenden Bildungsmisere leidet.

Bildungsmisere leidet"

Berlin leidet nicht darunter. Die Mehrheit der Berliner wählte exakt das was nun präsentiert wird.
Also lieber Herr Czempik, bitte nicht so mitfühlend wegen der paar Berliner die sich derartige Zustände nicht erwählten.

"Akademische Sesselfurzer" Wie treffend Herr Czempik ;-)

helmut armbruster | Do, 30. August 2018 - 09:17

oder doch nicht?
Solange genügend Ressourcen vorhanden sind, die man aufbrauchen kann, mag es funktionieren.
Was aber, wenn die Ressourcen aufgebraucht sind und niemand für Nachschub und Kontinuität gesorgt hat, weil es zu anstrengend war?
Ja dann, wird man wohl lernen müssen sich einzuschränken. Das tut dann irgendwann doch weh, so dass der Gedanke, dass man durch Anstrengung und Leistung etwas erreichen kann, wieder aktuell wird.
Intelligente Menschen lassen es deshalb erst gar nicht so weit kommen, sondern versuchen das bereits Erreichte durch weitere Leistung und Anstrengung zu halten.

Christoph Rist | Do, 30. August 2018 - 09:54

Vorweg: Ich liebe die Cicero-Interviews von Frau Hildebrandt!
Sie stellt nämlich immer die richtigen, die "bösen" Fragen: "Ist deren Arbeit symptomatisch für den rot-rot-grünen Senat: Lieber alles ausdiskutieren statt Leistung und Disziplin?"
Da der Schulleiter aus nachvollziehbaren Gründen nicht antworten kann, übernehme ich das Gerne an der Stelle; Berlin wird regiert nach dem Konzept der Hippiekommune. Also gar nicht. Abgeordnetenhaus und Senat sind reine Schwatzbuden und Schaubühnen. Berlin ist Politiksimulation und der Wähler besonders bauernschlau. Mir macht der Gedanke ein wenig Angst, dass zu viele Leute aus diesem Stadtstaat in den Rest der Republik ausschwärmen. Statt die Sachsen einzumauern, halte ich es daher für viel angebrachter, Berlin endlich einzumauern und am besten noch ein großes, geschlossenes Dach darüber anzubringen. Sollen Sie doch im eigenen Saft schmoren. Aber dann auch ohne fette Vollalimentation aus dem halbwegs normal und gesund geblieben deutschen Süden!

Auch in Berlin gibts noch jede Menge Leute, die bei Verstand sind. Viele davon sehe ich jeden Morgen mit zur Arbeit gehen. Leider ist Berlin in den Händen eines irlichternden rotrotgrünen Senats (der natürlich von entsprechend vielen Wählern gewählt wurde), dessen Politik durch viel Ideologie und wenig Vernunftdenken oder Praxisgeschick geprägt ist. Das muß man wohl so akzeptieren. Immerhin hat sich das eine oder andere wunschträumende Berliner Neupolitikerln wie die Bausenatorin oder der Justizsenatorln schon eine blutige Nase an der Realität geholt. Ein guter Lerneffekt, aber weiter bringt das diese Stadt leider auch nicht.

Winfried Kurt Walter | Do, 30. August 2018 - 10:37

Ende der 70-er Jahre: Ausbildung Lehramt Grund-und Hauptschule / Vorbereitungsdienst zum 2. Staatsexamen. Meine Frage an den Seminarleiter( SPD ): Wann kommt der Punkt, wo unsere Schüler etwas lernen müssen, denn mit ihrem Wisenn und Können müssen sie ihren Lebensunterhalt erarbeiten ? Antwort: Sie vertreten eine unternehmerische Rattenideologie ! Das swar nicht in Berlin, sondern in einem von der SPD regierten B undesland.

Harry Schmidt | Do, 30. August 2018 - 10:39

Aus meiner langjährigen Erfahrung im Schulwesen ist das beschriebene Ergebnis eine Zwangsfolge der Politisierung des Schulwesens. Professoren und Assistenten der Lehrstühle im Bereich der Pädagogik sind in der Regel schnell aus dem Schuldienst geflohen. Je revolutionärer ein neuer pädagogischer Ansatz verkündet wird, um so größer ist die erreichte Aufmerksamkeit in den Ministerien, der parteipolitischen Gefolgschaft und in der Öffentlichkeit. Beispielhaft sind die Mengenlehre, die Ganzheitsmethode, das Schreiben nach Gehör und der Lernzielfetischismus. Verantwortung für die Schüler spielt keine Rolle

Beate Kallmann | Do, 30. August 2018 - 10:42

Ich habe meinen Sohn mit einem ganz schlechten Gefühl in einer Darmstädter Schule angemeldet. Vermutlich als einen der letzten Deutschen, leider können wir uns eine "andere" Schule nicht leisten. Wir sind zwar noch nicht Berlin, aber auf dem besten Wege dahin ! Auf jeden Fall wird er Junge täglich abgeholt, bis 2014 war das noch nicht nötig. Diese Ansage ist ohne Schaum vor dem Mund, aber mit grenzenloser Wut im Bauch !

wolfgang spremberg | Do, 30. August 2018 - 10:59

So wird unsere Zukunft und die Zukunft unserer Kinder "gestaltet". Danke für dieses Interview obwohl es meine Stimmung beeinträchtigt.

Wolfgang Tröbner | Do, 30. August 2018 - 11:08

Obwohl sich das Ganze in Berlin abspielt, fällt mir nur "Provinzposse" ein. Wenn das Schulsystem so angelegt ist, dass Leistung keine Rolle spielt, muss man sich nicht wundern, dass diese Stadt mit schöner Regelmäßigkeit bei Pisa-Tests stets den letzten Platz belegt. Die Verantwortlichen (vor allem der Senat) müssten sich eigentlich in Grund und Boden schämen für das, was sie Berlin da antun. Aber wahrscheinlich sind sie sogar noch stolz auf sich. Was klappt in Berlin überhaupt noch? Einer Stadt, die einerseits den "tapferen" Drogendealern ein Denkmal errichten möchte, aber nicht in der Lage ist, einen Flughafen in angemessener Zeit und zu einigermaßen vernünftigen Kosten zu bauen.

Der Niedergang des Bildungssystems macht einen fassungslos und ist nur noch traurig. Menschen wie Herrn Rudolph hingegen gebührt unser aller Dank. Das sind die wahren Helden im Lande, die versuchen, sich mit ganzer Kraft gegen diese von der Politik bewirkte Misere zu stemmen.

Klaus Moitje | Do, 30. August 2018 - 11:10

Chapeau! Der Schulleiter zeigt Mut, und er besitzt Rückgrat. Aber er kann es sich erlauben:
Seine Erfolge sprechen für sich, und er steht kurz vor der Pensionierung.
Wie viele ältere Kolleginnen/Kollegen vertreten evtl. ein ähnliches pädagogisches Konzept, müssen aber „mit den Wölfen heulen“, weil sie sonst der geballte Zorn des Kollegiums oder der Schulverwaltung trifft, was in der Konsequenz Ausgrenzung, Mobbing , Disziplinarmaßnahmen oder gar Verlust des Arbeitsplatzes bedeute kann.
Es trifft wohl weniger die jüngeren Lehrkräfte, weil die spätestens im Referendariat "auf Linie" gebracht worden sind.
Was für ein Wahnsinn! Da wird an der Schule sehr erfolgreich gearbeitet, aber eben leider mit dem „falschen“ pädagogischen Ansatz. Das ist pure Ideologie, und wir wundern uns noch über den Zustand des Bildungssystems?

Willy Ehrlich | Do, 30. August 2018 - 15:13

ist bisher nicht in die Diskussion eingeflossen. Ich benenne dieses weitere "Schülerverdummungsexperiment" mit Inklusion. Hier wird ein soziales Konzept auf dem Rücken der übrigen Schüler ausgetragen, die sich nicht wehren können und trotzdem gezwungenermaßen unterdurchschnittlich gefördert werden und unter ihrem eigenen Leistungsvermögen bleiben müssen, um den "Schnitt nicht zu verderben". Das ist armselig, und es ist für mich weiterhin unverständlich, warum die Eltern der betroffenen Schüler sich das gefallen lassen.
Aber: ach ja! "Inklusion" ist ja Mainstream und insofern alternativlos. Zumindest im staatlichen Schulsystem.

Ruth Teibold-Wagner | Do, 30. August 2018 - 15:28

lieben ihre Kinder nicht.
Ich habe mine Kinder in eine katholische Privatschule geschickt.
Denn ich liebe meine Kinder. Niemals würde ich es ihnen zumuten, in einer Brennpunktschule zu sein. Und ihnen dadurch ihr ganzes Leben zu versauen.

Mathias Trostdorf | Do, 30. August 2018 - 15:35

Gestern abend gabs ja auch im Zweiten deutschen eine Doku über die Situationen an den Schulen Deutschlands. Man konnte teilweise nicht mehr hingucken, so gruselig war der Zustand in den Klassen. Einer rollte während des Unterrichts am Boden, eine fegte, der dritte zerstörte das Heft eines vierten, ein fünfter mußte vom Lehrer an seinen Platz zurückgeführt werden. Klassischer Unterricht fand da nicht mehr statt. Meinen allergrößten Respekt für die Lehrkräfte, die sich das täglich antun (müssen) und hoffen, daß aus dem einen oder anderen Schützling entgegen aller Erfahrung doch noch was werden könnte.

Rolf Lindner | Do, 30. August 2018 - 15:52

Es ist nicht nur das Bildungssystem, das unter dem Trauerflor linksgrüner Gesinnung erstickt. Es ist das ganze Land. Symptomatisch sind die Probleme dort am größten, wo Rot-Links oder Links-Grün regieren. Egal wo auf der Welt.

Arne Bruhn | Do, 30. August 2018 - 16:02

Genau das habe ich an einer Grundschule als AG-Leiter erlebt: Eine hochmotivierte 4. Klasse mit dem heute mehr als erstaunlichen "Mehr-Wissen-wollen", Ruhe und Disziplin im Unterricht - nur die Urheberin dieses Wunders (und so etwas war für mich nach etlichen Schulen ein Wunder!), die Klassenlehrerin gab noch vor Erreichen der Pensionierung, auf"
"Ich passe nicht in dieses System!"
Und die Klasse dankte ihr mit einem extra für sie getexteten Lied für genau das, was den Erfolg auch hier ausmachte: Disziplin, Ruhe, Ordnung, Aufmerksamkeit! Und: den Frontalunterricht! Denn da hat die Lehrperson ALLE im Blick - und auch die Kinder haben alle die Lehrperson im Blick und sind so nicht so leicht ablenkbar.
Herr Rudolph hätte an der Kollegin seine helle Freude - und eine Mitstreiterin - gehabt... Aber... Erfolg der Schülerschaft für ihren weiteren Lebensweg ist ja wohl wirklich nicht wichtig!
Damals habe ich meine AG-Tätigkeit aufgegeben, getreu dem Motto 'Wenn es am schönsten ist .....'.

RA Ullrich Dobke | Do, 30. August 2018 - 16:11

Mein Betreff sagt prägnant, was ich denke!
Mal Ernst, die bisherigen Reformen im Schulbildungsbereich waren dösig und der Bolognaprozess setzt dem bei der akademischen Fortbildung noch die Krone auf!!! Der Schulleiter in Berlin braucht jede Unterstützung.

Michaela Diederichs | Do, 30. August 2018 - 16:38

Wieder ein ganz tolles Interview von Frau Hildebrandt. Es kommt einem das kalte Grausen, wenn man es liest und große Dankbarkeit, dass das eigene Kind die Schule hinter sich gelassen hat.

Dieter Hegger | Do, 30. August 2018 - 16:54

Praktiker sind in diesem Land doch nicht mehr gefragt. Sie diskutieren nicht genug, packen Dinge entschlossen an und können Ergebnisse vorzeigen. Nö, das will hier keiner ! Mich wundert das nicht mehr hinschmeißen, besonders an den Schulen. Kommt aber noch, das Schuljahr hat erst angefangen mit den Neubürgern.

Erich Virch | Do, 30. August 2018 - 17:53

Wenn man in die Gesichter der gerade auf allen Bildschirmen gezeigten Jungnazis blickt, fragt man sich, wie die armen Menschen so unsäglich blöd werden konnten. Antwort: Sie waren auf deutschen Schulen.

Martin Jeltsch | Do, 30. August 2018 - 19:04

auf Rektor Rudolf !
Mein Sohn hat dieses Jahr den Schulabschluss dort gemacht , somit kennen wir Herrn Rudolf und seine Art eine Schule zu führen sehr wohl .
Da gibt es nix zu meckern , eher eine dicke Scheibe abschneiden ist angesagt .

Somit an dieser Stelle ...
Danke nochmals Herr Rudolf !
Der Jahrgang 2018 wird Ihren Dienst ein Leben lang zu schätzen wissen .
Sie sind Kompetenz in Person !
Schutz und Ruhepol für Schüler und Lehrer . Nur so sollte Bildung vermittelt werden .

Danke nochmals im Namen der Eltern
Martin Jeltsch

Susanne Dorn | Fr, 31. August 2018 - 05:13

...intellektuelle Ruin einer Nation eingeleitet.

Ich darf nicht darüber nachdenken, was diese unsägliche politische Kaste, die lebenslänglich alimentiert wird, anrichtet. Die nachfolgende Generation wird es sehr, sehr schwer haben! Das interessiert außer den Eltern und diesem ganz hervorragenden Lehrer leider niemanden. Geld wächst ja auf den Bäumen.

Bernd Muhlack | Fr, 31. August 2018 - 10:14

Das ist ein geniales Interview, 1000 von 100 möglichen Punkten!
Ich könnte jetzt dutzende Seiten füllen, schließlich war ich ja auch einmal Schüler. Ja, diese Pädagogen und Allesversteher brauchen heut zu Tage keine Leistung mehr, wir eurythmisieren das besser! Ich hatte einen älteren Mathelehrer, ein absoluter Überflieger! "Ihr brauchts kane Lehrbücher, ich erklär euch das!" Der Reihe nach kam man zur Tafel und löste die Aufgabe, im Zweifel half derLehrer etwas nach; ein Kneifen war unmöglich: "Na Müller, hast dich woanders hingesetzt? Auf zur Tafel!" Keiner war schlechter als "befriedigend", keiner! - "Tschupp" (der Lehrer) machte sich immer über die jungen Kollegen lustig: "neue Konzepte und so und dann heulen sie sich daham aus, jaja, versteh scho!" Zusammen mit meinem ebenfalls älteren Deutschlehrer waren das die besten Lehrer aller Zeiten! - Herr Rudolph, die "singenden" Bandarbeiter sind natürlich Weltklasse => "Wir sind die Roboter" (Kraftwerk) und dann kam Industrie 4.0

Michael Raab | Fr, 31. August 2018 - 12:37

Der Frontalunterricht wird in der modernen Pädagogik - vollkommen zu Unrecht - verteufelt und als Rückständig gebrandmarkt.
Ein Schlüsselerlebnis für mich waren zwei erwachsene Frauen, die über eine Berufsfortbildung sagten: "Ahhh, endlich mal wieder ein gut gemachter Frontalunterricht!".
Ein Frontalunterricht verspricht Ruhe und Klarheit. Das ist Balsam für gestresste Berufstätige und auch für Kinder in Brennpunktschulen, deren Leben nicht selten den ganzen Tag unruhig, zappelig und chaotisch ist.
Aber die Speerspitze der Pädagogik hat sich in einer sozialen Blase eingelullt und betreibt Realitätsverweigerung auf höchstem Niveau.

Günter Jäger | Fr, 31. August 2018 - 17:48

Vielleicht sollten es die Kollegen in der Berliner Schulverwaltung mal mit "mehr Hirn und weniger Ideologie" versuchen?! Oder ist man da überfordert?
Großartig wenn einmal ein Rektor gegen den Strom schwimmt. Mutig, konsequent, intelligent.

Ihr Kommentar zu diesem Artikel

Der Inhalt dieses Feldes wird nicht öffentlich zugänglich angezeigt.

Liebe Leserinnen und Leser,
wir freuen uns über jeden Kommentar und wünschen uns eine konstruktive Debatte. Beleidigende, unsachliche oder obszöne Beiträge werden deshalb gelöscht. Auch anonyme Kommentare werden bei uns nicht veröffentlicht. Wir bitten deshalb um Angabe des vollen Namens. Darüber hinaus behalten wir uns eine Auswahl der Kommentare auf unserer Seite vor. Um die Freischaltung kümmert sich die kleine Onlineredaktion von Montag bis Freitag von 9 bis 18 Uhr. Am Wochenende werden Forumsbeiträge nur eingeschränkt veröffentlicht. Nach zwei Tagen wird die Debatte geschlossen. Wir danken für Ihr Verständnis.