Putins Russland - Der oberste Russenversteher

Russland und sein wiedergewählter Präsident Wladimir Putin weigern sich beharrlich, die Erwartungen des Westens zu erfüllen. Dabei hat Putin das Land zu sich selbst zurückgeführt. Er versteht, dass der Anschein von Schwäche gefährlicher ist als die Schwäche selbst. Eine Analyse von George Friedman

Wladimir Putin
Er gibt den Russen die Richtung vor, und die lieben ihn dafür: Wladimir Putin / picture alliance

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George Friedman ist einer der bekanntesten geopolitischen Analysten in den Vereinigten Staaten. Der 67 Jahre alte Politologe leitet den von ihm gegründeten Publikation Geopolitical Futures und ist Autor zahlreicher Bücher. Zuletzt erschien „Flashpoints – Pulverfass Europa“ im Plassen-Verlag.

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Wladimir Putin wurde als Präsident Russlands wiedergewählt. Das ist nicht die Art von Russland und die Art von Präsident, die liberale Demokraten im Westen erwartet haben, als die Sowjetunion 1991 zusammenbrach. Sie wollten, dass die Werte und Institutionen der Europäischen Halbinsel auch zu russischen Werten und Institutionen würden und dass sich Russland dem Westen anschließen würde. 

Im Nachhinein ist nicht klar, warum dies erwartet wurde: Russland unterscheidet sich in vielerlei Hinsicht grundlegend vom Westen, und das schon seit Jahrhunderten. Und es hat daraus nie einen Hehl gemacht. Abgesehen von einer kleinen Gruppe Westenisierer – Intellektuelle, die vom Westen begeistert sind – steht die russische Öffentlichkeit völlig hinter Russland oder akzeptiert das Land zumindest dafür, was es ist. Dies zeigt sich daran, dass Putin trotz Russlands wirtschaftlicher Schwierigkeiten enorm beliebt ist. Westliche liberale Erwartungen wurden von zaristischen Reformern, sowjetischen Machthabern und jetzt von Putin enttäuscht. Das Problem ist, dass liberale Reformer Russland und andere Länder als Nationen wahrnehmen, die danach streben, wie sie zu werden. Es ist eine Form des westlichen Narzissmus, die zu einem Missverständnis der Welt führt.

Große Macht, aber von der Geographie begrenzt

Russland unterscheidet sich geografisch grundlegend vom übrigen Europa. Das übrige Europa ist eine maritime Region mit ausgedehnten Flüssen, die zu Häfen führen und wo niemand mehr als 400 Meilen (650 Kilometer) vom Meer entfernt ist. Russland ist im Wesentlichen ein Binnenland. Die Häfen am Arktischen Ozean sind häufig gefroren, und den Zugang zu den Häfen am Schwarzen Meer und an der Ostsee könnten von Feinden gesperrt werden, indem diese die enge Meerengen kontrollieren. Alle diese Häfen sind weit entfernt von großen Teilen Russlands.

Der altgriechische Historiker Thukydides unterschied zwischen Athen, einer maritimen Macht, deren Einwohner in Reichtum lebten und Zeit für Kunst und Philosophie hatten, und Sparta, einem Binnenland, dessen Bevölkerung ein hartes Leben mit begrenzten Möglichkeiten zu Ausschweifungen führte, aber in der Lage war, in Verhältnissen zurecht zu kommen, an denen die Athener zerbrechen würden. Die Bewohner beider Regionen waren Griechen, aber sie waren anders.

Dasselbe gilt für Russland und Europa. Als Binnenmacht sind Russlands Möglichkeiten für internationalen Handel und sogar für effiziente interne Entwicklung begrenzt. Das Leben seiner Leute ist hart und sie können Entbehrungen erdulden, an denen die Bewohner anderer europäische Länder zerbrechen würden. Als riesiges Land mit einer verstreut lebenden Bevölkerung kann Russland nur von einer mächtigen Zentralregierung zusammengehalten werden, die einen internen politischen und sicherheitspolitischen Apparat kontrolliert, der die zentrifugalen Tendenzen, die jedes Landes hat, bewältigen kann. Das erfordert ein Regime, das nicht nur die oberste Autorität über das gesamte Land besitzt, sondern auch wie eine Autorität wirkt – eine unwiderstehliche Kraft, die nicht herausgefordert werden kann.

Liberalisierung wäre den Russen fremd

Es gab natürlich massive Zerrüttungen in Russland, einschließlich der Russischen Revolution und des Niedergangs der Sowjetunion. Aber der Westen verwechselte stets den Zusammenbruch der Institutionen mit einer Liberalisierung. Er erkannte nicht, dass dies sowohl für Russland verhängnisvoll als auch der russischen Kultur fremd wäre. Der Westen war immer überrascht, als Russland zu dem zurückkehrte, was es war, und verurteilte Stalin genauso wie Putin dafür, die Institutionen, die Russland stabilisierten, wieder aufzubauen. Man betrachtete dies als ein Unglück aufgrund der Bosheit einzelner Männer. Böse mögen sie sein, aber sie verstanden das russische Problem besser als jene, die Russland für Italien oder Frankreich hielten.

Russland hat auch schreckliche Kriege erlebt, die den Russen gelehrt haben, dass Krieg immer eine Möglichkeit ist und dass die beste Verteidigung strategische Tiefe ist. Die Schweden, die Franzosen und zweimal die Deutschen brachten ihnen diese Lektion bei. Westler finden, dass Russland sich über die alte Geschichte hinwegsetzen sollte. Aber ein großer Teil der Grundidee der Europäischen Union ist die Erinnerung an die beiden Weltkriege und der Wunsch, dass sie nie wiederholt werden. In den Vereinigten Staaten ist der Bürgerkrieg immer noch das Prisma, das den Rahmen bietet für einen Großteil ihrer Geschichte und viele aktuelle Debatten. Geführte Kriege suchen stets die Erinnerungen der Nationen heim, und die Kriege, die die Russen führten, prägten das Denken aller Russen. Sie suchen nach einem Staat und einem Führer, der stark genug wäre, um einen weiteren Krieg zu verhindern oder, wenn er nicht zu verhindern ist, stark genug wäre, um Russland zum Sieg zu führen. Wenn die Europäer die Rückkehr des Nationalismus fürchten und die Amerikaner Rassismus, so fürchten die Russen am ehesten Schwäche.

Putin versteht Russland so, wie es ist

Wäre Wladimir Putin im Jahr 2000 bei einem Autounfall verunglückt, wäre er durch einen anderen Putin mit einem anderen Namen ersetzt worden. Russland zusammen zu halten – Aufstände zu verhindern und das Heimatland zu schützen – ist die zentrale Herausforderung für einen erfolgreichen russischen Herrscher. Putin ist – durch seine Einschüchterung von ausländischen und einheimischen Feinden – das, was Gorbatschow und Jelzin nicht waren. Er regiert ein schwaches Land, das unter niedrigen Ölpreisen und steigenden Verteidigungskosten leidet, die gleiche Kombination, die den Zusammenbruch der Sowjetunion ausgelöst hat. Er ist sich der Schwächen bewusst und weiß, dass das Anerkennen und das Zeigen von Angst, wie Gorbatschow es tat, Chaos verursachen kann. Es ist wichtig, Russland als das zu sehen, was es ist: ein schwaches Land, das von einem Herrscher geführt wird, der versteht, dass der Eindruck von Schwäche gefährlicher ist als die Schwäche selbst.

Die russische Geschichte ist voller Bluffs. Nehmen wir zum Beispiel die Geschichten der potemkinschen Dörfer, deren augenscheinlich eindrucksvoll rekonstruierten Bauwerke in Wirklichkeit nur die Fassaden von Gebäuden waren mit nichts dahinter, die Russland als besser entwickelt darstellen sollten als es eigentlich war. Jetzt steht doch auch einiges hinter der Fassade, aber nicht so viel wie Putin uns denken lassen möchte.

Russland muss so verstanden werden, wie Russland ist, und nicht so, wie es der Westen gern hätte. Es ist wichtig, dass wir uns nicht vortäuschen, dass eine Aussöhnung mit Russland möglich wäre oder dass die Interessen anderer Länder identisch sind mit denen Russlands. Das ist eine andere westliche Illusion: der Glaube, dass das Verständnis von Gegnern zu Frieden führt. Manchmal führt dies zu der Einsicht, dass ein Land tatsächlich und unwiderruflich ein Gegner ist. Aber im Augenblick ist es notwendig, zu verstehen, dass Putin Russland nicht in einen unglücklichen Zustand gebracht hat, sondern dass Russland zu seiner Norm zurückgekehrt ist und Putin diese Rückkehr geleitet hat. Er hat Russland nicht geschaffen; er sah sich nur mit der russischen Realität konfrontiert und zuckte nicht zusammen.

Aus dem Englischen übersetzt von Constantin Wißmann

Der Originaltext erschien auf der Internetseite des von George Friedman gegründeten Thinktank Geopolitical Futures

martin falter | Mi, 21. März 2018 - 16:49

verstanden. Der Artikel Herr Friedmann hat mir einiges erklärt. Lesen bildet.

Bernhard K. Kopp | Mi, 21. März 2018 - 17:22

Dank an die Cicero-Redaktion für den Abdruck. Wir müssen den kalten Krieg, der von steinalten Hardlinern wie John McCain, u.a., weiter geschürt wird, endlich abschütteln. Die Russen sind wie sie sind (habe ich schon seit 10 Jahren hundertmal geschrieben), die Geografie ist aber auch wie sie ist. Russland ist und bleibt der grosse, östliche Nachbar. Trotz aller Unterschiede aus der historischen, staats- und rechtspolitischen Entwicklung, sind die Russen mehr Europäer als die Türken, oder gar die Araber. Wenn wir uns nüchtern auf ein vernünftiges Zusammenleben konzentrieren, dann kann es auch gelingen. Wandel durch Handel ist immer noch ein sinnvoller Gedanke. Sanktionen haben die Castros auf Kuba nicht in die Knie gezwungen, und weder den Amerikanern, noch den Kubanern genützt. Wir dürfen uns nicht einreden lassen, dass wir mit Sanktionen gegen Russland etwas Sinnvolles erreichen können.

Oliver Lehmann | Mi, 21. März 2018 - 17:23

Ich war oft genug in Russland, um zu beurteilen, ob dem so ist, wie Friedmann hier behauptet. Zunächst muss man wissen, dass Putin ein sehr großes Problem für die US-amerikanischen Eliten ist, und was George Friedmann selber über das Problem der USA gesagt hat, falls Russland kein Gegner, sondern ein Verbündeter Deutschlands wäre. Für Russland ist Putin seit seiner Kehrtwende, ausgelöst durch die kurz hinter einander aufgetretenen Katastrophen "Untergang der Kursk" und Brand des "Ostankino"-Fernsehturms das Beste, was Russland als Präsident haben kann. Erst recht für den Rest der Welt: Als in Syrien der Krieg eine weitere Eskalation durch Israel gedroht hat, hat Putin kurzerhand seine Garantie ausgesprochen, dass Israel von Russland verteidigt würde, sollte der Iran es angreifen. - Sofort hat Netanjau aufgehört verbal weiter zu eskalieren. Als am 24.11.2015 widerrechtlich ein russischer Kampfjet 4km von der türkischen Grenze von der Türkei abgeschossen wurde, hat Putin auch deeskalier

istvan polgar | Mi, 21. März 2018 - 17:30

Die Russen haben was,was die eingebildeten westlichen Länder nicht haben:sie lieben ihr Heimatland!

Rudolf Stein | Mi, 21. März 2018 - 17:47

Russland ist vor allem eines: das Land, das Hitler besiegt hat (und vorher Napoleon) - mit unendlichen Opfern, während andere europäische Länder wie Frankreich, Holland, Belgien, Dänemark, Norwegen, Italien u.a. zu Kreuze gekrochen sind. Lediglich die Engländer, in vieler Hinsicht den Russen ähnlich, haben widerstanden. Un diese historische Leistung ehrt das russische Volk über Generationen hinaus. Politiker, die heute dieses Volk abqualifizieren als Putinwähler, politisch Unreife, wirtschaftlich Dumme und (hintergründig) Kulturlose disqualifizieren sich selbst. Sie merken ihren tödlichen Irrtum erst dann, wenn ihnen der radioaktive Rotz aus der Nase läuft. Dann ist es zur Umkehr zu spät.

Tomas Poth | Mi, 21. März 2018 - 17:48

nur neu und anders formuliert: Bloß keine Aussöhnung mit Russland! Russland als unwiderruflichen Gegner markieren!
Die Illusion, der Glaube, dass das Verständnis von Gegnern zu Frieden führt. Dieser Satz von Friedman hört sich, vor dem Hintergrund der deutsch-französischen Aussöhnung, den vormals "ewigen" Erbfeinden in Europa, besonders gut an. Was könnte die Erkenntnis aus Friedman´s Worten sein?: Die USA betätigen sich mit ihren Feindbildern als weltweite Konflikttreiber. Sie halten sich im Innern nur deswegen zusammen, weil sie sich im Außen ständig "Prügeln".

Karin Zeitz | Mi, 21. März 2018 - 17:50

hält Herr Friedmann Russland für einen schlimmen Gegner, mit dem eine Aussöhnung nicht möglich ist? Von einer Gegnerschaft zu Russland war zu Jelzins Zeiten noch nicht die Rede. Damals waren den internationalen Konzernen noch Tür und Tor geöffnet, aber seit Putin deren Treiben einen Riegel vorgeschoben hat ist Russland zum bösen Feind mutiert.

Johan Odeson | Mi, 21. März 2018 - 17:56

Wenn dem so ist und dafür spricht Einiges, bin ich über die langjährige Politik der liberalen und linke Universalisten die Bundeswehr zu verschrotten zu tiefst beunruhigt.

Karl Kuhn | Mi, 21. März 2018 - 17:56

"und den Zugang zu den Häfen am Schwarzen Meer und an der Ostsee könnten von Feinden gesperrt werden, indem diese die enge Meerengen kontrollieren."

ui ui, da geht ihr aber bitte noch mal sprachlich drüber ... :-)

Karl Kuhn | Mi, 21. März 2018 - 18:04

"Als riesiges Land mit einer verstreut lebenden Bevölkerung kann Russland nur von einer mächtigen Zentralregierung zusammengehalten werden, die einen internen politischen und sicherheitspolitischen Apparat kontrolliert, der die zentrifugalen Tendenzen, die jedes Landes hat, bewältigen kann. Das erfordert ein Regime, das nicht nur die oberste Autorität über das gesamte Land besitzt, sondern auch wie eine Autorität wirkt – eine unwiderstehliche Kraft, die nicht herausgefordert werden kann."

Das ist neototalitäre Russenversteherei in Reinform. Dabei wird umgekehrt ein Schuh draus. Weil die Bevölkerung weit über das land verstreut lebt, ist sie durch eine Zentralmacht leichter zu kontrollieren, denn Widerstand erfordert Kommunikation und persönlichen Umgang. Die Amerikaner sind sich dieses Umstandes akut bewusst und begrenzen daher die Macht des Zentralstaates, so gut es geht.

Jacqueline Gafner | Mi, 21. März 2018 - 18:23

zumindest solange es seine Füsse unter dem eigenen Tisch behält, Problem gelöst. Den Vertreter/innen der russischen Intelligenz, die sich der Sichtweise von Herrn Friedmann allenfalls nicht ohne weiteres anschliessen können sollten, steht es ja frei, sich in den Westen abzusetzen und da um Asyl nachzusuchen. Dito, was die junge Generation speziell in den grossen Städten des Landes angeht, die nach 1991 geboren ist, die UDSSR nur noch vom Hörensagen her kennt und von einem Leben in Freiheit und Wohlstand träumt, wie es sich mit einem einfachen Click auf den Bildschirm des eigenen Smartphones holen lässt. Und der Rest der Bevölkerung beisst eben weiterhin die Zähne zusammen, schnallt den Gürtel, wenn nötig, noch etwas enger und lässt Mütterchen Russland zu den Klängen einer Militärkapelle hochleben.

Es waren, seit dem Mittelalter, immer lokale und regionale Eliten, die der Zentralmacht Rechte abgetrotzt haben. In Europa spielten die Städte dabei eine bedeutende Rolle. In Russland hat noch nie jemand aus Irkutsk, oder sonstwo, der Zentralmacht irgendwelche Rechte abgetrotzt. Vor 20 Jahren bin ich in Moskau einem jungen Einser-Juristen begegnet, der von der Magna Carta, und ihrer Bedeutung für die westliche Rechtsentwicklung keine Ahnung hatte. Der historische Hintergrund für einen Rechtsstaat ist einfach nicht vorhanden. Es ist keine Totalitarismus-Verehrung wenn man ganz nüchtern feststellt 'was ist', und dass es viel länger dauern wird als wir uns das in den 90ern, mit viel Unverstand und Naivität gedacht haben. Die junge Generation soll nicht nur träumen. Freiheit wird nie gewährt, sie wird immer erstritten.

Samuel von Wauwereit | Mi, 21. März 2018 - 20:51

Außerdem ist Russland das letzte Kolonialreich der Erde. Ca. 20 % seiner Bevölkerung sind keine Russen. Ca. 15 % seiner Bevölkerung sind Muslime. so viel mir bekannt ist, steht Europas größte Moschee in Russland.

Roland Thamm | Mi, 21. März 2018 - 20:53

den westlichen narzistischen Überlegenheits-Anspruch aber auch nicht... Seit ich denken gelernt habe, finde ich das ewige Bewerten mit unterschiedlich kalibrierten Messlatten zum "GroKon". Wenn die USA sich aus strategischen oder ökonomischen Gründen das Recht anmaßen, andere Länder zu überfallen, dann ist das "Okäse". Wenn Russland sich aber ohne Bomben die Krim zurückholt, die Chrustschow der Ukr. Sowjetrepublik geschenkt hatte, dann ist das "Pfui!". Gefallen hat mir das keineswegs, aber die USA zeigen ja, wie Politik d. Stärke funktioniert: Wer Schwäche zeigt, wird angreifbar.. Putin hatte d. Westen lange beharrlich Angebote unterbreitet. Schnöde wurden sie beiseite geschoben. Nun zieht der "Zar" halt Konsequenzen... Dank an den Autor des Beitrages für gewisse Einsichten! Natürlich auch an "Cice", denn dergleichen ist woanders kaum zu finden.

Tobias Werner | Mi, 21. März 2018 - 21:12

Mal wieder ein interessanter und wichtiger Beitrag den Status quo betreffend. Beibt halt "nur" die Frage: Wie weiter?

Und hier ist dann eben auch die Entstehung der Nationalstaaten, die Bedeutung von Kriegen und Friedensverträgen, sowie die Beziehung der ökonomischen Möglichkeiten und Vorgänge (Basis) zum "Überbau" zu beleuchten womit man bei dieser Frage dann vielleicht weiter käme.
Ist eIn Zustand wie der heutige - mit der nicht mal nur latenten Möglichkeit zur allumfassenden Selbstvernichtung, bei steter Beschwörung der Menschenrechte, - nun etwa das Ende der menschlichen Entwicklung - oder läuft es nicht doch auf eine Art Weltstaat hinaus? Soll der Kalte Krieg nun durch einen großen Weltfriedensvertrag mit einer großen Neuordnung der Welt beendet werden, wo Sibirien z.B. politisch wieder mehr an ein asiatisches Gebilde eingebunden wird, an die EU nur eng assoziiert bliebe? Ja, die Entwicklung ging stets voran u. letztendlich stets zu größeren Einheiten.

*selbsttragend

Heinrich Niklaus | Mi, 21. März 2018 - 22:26

Die internationale Hochfinanz hat Putin nie verziehen, dass er den der Jelzin-Ära gestoppt hat.

Der britische Publizist David Pryce-Jones beschrieb diese Phase in seinem Buch «Der Untergang des sowjetischen Reiches» so: «In den letzten achtzehn Monaten ihres Bestehens wurde die Sowjet¬union zu einem Paradies für wagemutige und skrupellose Geschäftemacher; ihr gesamtes Produktionsvermögen, alle ihre Ressourcen und Warenlager wurden geplündert. Wieder wurde eine riesige Beute neu verteilt. Es war der Ausverkauf einer Nation.»(Zeit-Fragen)

Benno Pluder | Do, 22. März 2018 - 08:38

"Russland und sein wiedergewählter Präsident Wladimir Putin weigern sich beharrlich, die Erwartungen des Westens zu erfüllen."
Den Unterschied zwischen Erwartung und Wunsch nicht zu kennen oder bewusst zu ignorieren zeitigt genau die fatalen Folgen, welche wir heute im Umgang mit Rußland und Putin beobachten und erleben.
Eine Erwartung kennt keine Alternative. Sie ist die bedingungslos zu erfüllende Vorgabe des Zieles der erwartenden Seite.
Der Wunsch dagegen kennt auch die Möglichkeit des nicht erfüllt werdens. Kein Kind erwartet zu Weihnachten. Es schreibt einen Wunschzettel in dem Bewusstsein, dass Wünsche auch nicht in Erfüllung gehen können, jedoch verhandelbar sind.
Sollten z.B. ein Herr Stoltenberg und seine Mitläufer diese schlichten Zusammenhänge jemals zur Kenntnis nehmen, wäre Entspannung möglich. Das ist einer meiner Wünsche, denn die Erwartung dieser Einsicht wäre pure Anmaßung und Illusion.

Winfried Fischer | Do, 22. März 2018 - 09:13

Erstaunlich, dass ein Amerikaner zu dieser Meinung kommt. Recht hat er. Europa und auch die USA wollen nicht begreifen, dass die russische Seele anders tickt.
Die deutschen Politiker in ihrer Amerikagläubigkeit sind vollends verwirrt durch die Trumpsche Politik, sitzen verzweifelt rudernd zwischen den Stühlen und versuchen, die Dinge wieder gerade zu rücken. Nur wenige weitsichtige Politiker sind es, die die Beziehungen zu Russland aufrecht erhalten wollen. Gerhard Schröder gehört ganz sicher dazu, auch wenn die moralische Seite seiner Funktion bei Gasprom fragwürdig erscheint.
Ja, wenn man der unumstößlichen Überzeugung ist, westeuropäische, respektive deutsche Werte sind das Maß aller Dinge in der EU, muss man sich nicht wundern, dass der Wind aus Richtung Ost kräftig ins Gesicht bläst.
Richtig unangenehm, geradezu widerwärtig zu hören ist es, wenn Politiker vielwortig die offizielle Regierungsmeinung nachplappern.
Naja: Wes Brot ich ess, des Lied ich sing.

Julia Breiten | Do, 22. März 2018 - 09:19

Gott bewahre uns vor den "Erwartungen des Westens".
Die eigenen Bürger haben europaweit und in Nordamerika doch gar keine Erwartungen mehr - außer in Polen, Ungarn, Dänemark, Tschechien, Österreich, die Liste wird immer länger.

Birgit Fischer | Do, 22. März 2018 - 09:29

Eine wirklich gute Analyse, die den Namen verdient.
Russland ist nicht Westeuropa, will es nicht sein und kann es auch nicht sein. Russland ist Europas großer Nachbar im Osten, ein Riese, den niemand herausfordern sollte, egal, wie viel er verdient. Der Westen ist überheblich, weil er mehr Wohlstand bietet, als der Durchschnitts-Russe hat. Das gibt ihm aber keine moralische Überlegenheit. Dem Bären gehört die Taiga und man sollte ihn dort in Ruhe lassen. Sonst wird er wütend und zerhaut den Störenfried. Macht der Westen so weiter, wird er zerhauen. Von innen und von außen.

Heiner Hannappel | Do, 22. März 2018 - 10:10

Friedmann sagt:
„Manchmal führt dies zu der Einsicht, dass ein Land tatsächlich und unwiderruflich ein Gegner ist“.
Ich meine:
Diese Ansicht ist falsch, denn es liegt auch im Interesse Russlands und Putins, mit uns regen Handel treiben zu können und so ein enges freundschaftliches Verhältnis im beiderseitigen Interesse zu führen, in dem eine europäische Sicherheitsarchitektur mit Russland als Großmacht etabliert werden könnte, wenn es die Europäer denn nur wollten. Dafür müssten die Europäer aber den Amerikanern auch in aller Freundschaft sagen, dass diese sich nicht mehr in europäische Entscheidungen einzumischen haben und wir den US-Atomschutzschild als entbehrlich empfinden, da wir eigene starke Militärkräfte bereitstellen, die auch Russland vor eventuellen Experimenten abschrecken.

von einer europäischen Sicherheitsarchitektur "mit Russland als Grossmacht" träumt in Kerneuropa garantiert niemand, der seine Sinne beisammen hat und an seinen bürgerlichen Freiheiten und politischen Rechten mindestens so stark wie an seinem vergleichsweise hohen Lebensstandard hängt. Und was die "eigenen starken Militärkräfte" angeht, würde das Gros der europäischen Bevölkerung wohl auch höchst ungern auf den NATO-Schutzschild verzichten, für den seit Gründung vorab die USA aufgekommen sind und bis heute aufkommen.

Juliana Keppelen | Do, 22. März 2018 - 13:53

Ich bin nicht besonders gebildet also nicht studiert usw. keine Denkfabriken besucht, keine politischen Seminare besucht und trotzdem habe ich nur durch Beobachtungen und Lebenserfahrung genau das was oben im Artikel steht genau so immer wieder meinen Freunden, Nachbarn oder Verwandten oder am Stammtisch "verklickert". Russland ist Russland und Frankreich ist Frankreich und Belgien ist Belgien usw. leben und leben lassen sollte die Maxime sein. Wir aber spielen besonders seit Merkel die Obergouvernante ständig mit erhobenem Zeigefinger Russland muss, Russland soll, wir erwarten von Russland, wenn Russland nicht dann usw., usw. Im Gegensatz zum Artikel behaupte ich Russland ist nicht unser Gegner, Russland will nur keine Nato vor der Haustür und Ruhe an seinem Grenzen. Übrigens wenn ich es noch in Erinnerung haben wurde Russland des Öfteren von uns überfallen mit einem unglaublichen Blutzoll. Also die Vorsicht der Russen ist begründet.

Peter Ruppert | Do, 22. März 2018 - 15:25

Treffende Analyse.

Yvonne Walden | Do, 22. März 2018 - 16:18

Das russische Volk der heutigen Russischen Föderation wollte nicht "kapitalisiert" werden, sondern als eigenständiger Staat selbstbewußt und selbstbestimmt leben.
Denn auch die russische Bevölkerung wußte längst von den imperialistischen Absichten des Westens nach dem Zerfall des Warschauer Paktes.
Genau das war bzw. ist es, was die Mehrzahl der Russinnen und Russen eben nicht wollte, ein "westlicher" Staat sein bzw. werden.
Wäre die frühere Sowjetunion (UdSSR) dem Westen bzw. der NATO militärisch nicht ebenbürtig gewesen, hätte die NATO unter Führung der USA diesen angeblichen "Schurkenstaat" längst vereinnahmt.
Lediglich das Gleichgewicht des Schreckens, die atomare Hochrüstung, verhinderte Schlimmes.
Nach den Erkenntnissen auch westlicher Historiker hatte die UdSSR im übrigen zu keiner Zeit die Absicht, Weltmacht zu werden, wie dies von interessierter Seite im Westen immer wieder behauptet worden war.
Hoffen wir also, daß es Putin gelingt, dieses Riesenreich weiter zu regieren.

Rudolf Bosse | Do, 22. März 2018 - 16:42

Eine sehr gute Analyse, die die deutschen Putin-Bashing- Batallione drei mal lesen sollten.

Claudia Westphal | So, 25. März 2018 - 08:33

George Friedman steht auch dem amerikanischen Think Tank Stratfor vor. Auf Youtube gibt es Vorträge von ihm in denen er sich sehr eindeutig und positiv zu Amerika's Geopolitik äußert, u.a. dazu, dass eine Deutsch-Russische Freundschaft unter allen Umständen zu bekämpfen ist. Es lebe das Feindbild und wenn man keines hat, dann schafft man es.

https://www.youtube.com/watch?v=QeLu_yyz3tc

Die selbstgefällige Arroganz "There is no Europe" ist kaum zu überhören.

Man darf nicht vergessen, dass es die kontinuierliche Entspannungspolitik zu Zeiten Willi Brandt's war, die den kalten Krieg beendete und letztlich sogar zur Wiedervereinigung Deutschlands geführt hat. Auch darf man nicht vergessen, dass es der Westen war, der sich NICHT an die Vereinbarungen gehalten hat (z.B. was die Osterweiterungen angeht).

Es wird Zeit, dass Europa zusammenfindet, um nicht weiter Spielball geostrategischer Interessen zu sein. Wenn der nächste Krieg stattfindet, dann hier - nicht in USA.