US-Börsencrash - Im Notfall starten die Helikopter

Der heftige US-Börsencrash zeigt: 30 Jahre Leben auf Pump fordern jetzt ihren Tribut. Der inflationären Geld- und Vermögensvermehrung folgt die deflationäre Geld- und Vermögensvernichtung. In Europa verschärft die Eurokrise das Schauspiel

Die Börsenkurse rutschen weltweit ab / picture alliance

Autoreninfo

Daniel Stelter ist Gründer des auf Strategie und Makroökonomie spezialisierten Diskussionsforums „Beyond the Obvious“. Zuvor war Stelter von 1990 bis 2013 Unternehmensberater bei der Boston Consulting Group (BCG), zuletzt als Senior Partner, Managing Director und Mitglied des BCG Executive Committee. Heute berät Stelter internationale Unternehmen bei der Vorbereitung auf die Herausforderungen der fortschreitenden Finanzkrise. Im September 2014 erschien seine Piketty-Kritik Die Schulden im 21. Jahrhundert. Sein aktuelles Buch heißt „Eiszeit in der Weltwirtschaft“.

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Die Schulden der Welt wachsen seit Jahrzehnten schneller als die Wirtschaftsleistung. Weltweit liegen die Schulden von Staaten, Unternehmen und privaten Haushalten mit mehr als 215 Billionen US-Dollar (325 Prozent des Welt-Bruttoinlandsproduktes) 70 Billionen höher als noch vor zehn Jahren. In den Industrieländern wuchsen sie seit 2006 von 348 Prozent des BIP auf 390 Prozent, in den Schwellenländern – vor allem von China getrieben – von 146 auf 215 Prozent.

Schulden belasten die Weltwirtschaft

Neue Schulden haben dabei eine immer geringere Wirkung auf das Wachstum. Bewirkte ein US-Dollar neue Schulden in den 60er-Jahren noch rund 80 Cent mehr Bruttoinlandsprodukt (BIP), so sank der Wert in den 90er-Jahren auf 30 Cent und seit dem Jahr 2000 auf rund zehn Cent.

Hier liegt die entscheidende Ursache für den zunehmenden deflationären Druck und das immer geringere Wachstum der hoch verschuldeten Länder und der Weltwirtschaft insgesamt. Darüber kann auch eine Zwischenerholung wie wir sie gerade erleben nicht hinwegtäuschen.

Ein Teil der neuen Schulden dient nur noch dazu, die Zinsen auf den alten Schulden zu bedienen, aber nicht um mehr Nachfrage zu generieren. Die vorhandenen Überkapazitäten führen zu Preisdruck, weil Schuldner Liquidität um jeden Preis beschaffen und Vollkosten dabei keine Rolle spielen. Der weitaus größere Teil der neuen Schulden fließt in die Vermögensmärkte und führt zu steigenden Preisen.

Wir stehen sehr schlecht da

Die Notenbanken tragen erhebliche Mitschuld an der Entwicklung, weil sie Geld immer billiger gemacht haben, sobald eine kleine Rezession oder fallende Aktienmärkte drohten. Die Notenbankbilanzen haben sich vervielfacht, ohne damit die Realwirtschaft nachhaltig zu beleben. Noch nie standen wir nach rund neun Jahren Aufschwung so schlecht da wie heute. Das Zinsniveau schon bei Null, die Staatsfinanzen keineswegs ausgeglichen – wenn man von Deutschland absieht, wobei auch dies nur die Folge der tiefen Zinsen ist.

Koste es was es wolle: fallende Vermögenspreise müssen verhindert werden. Fallen nämlich die Preise von Aktien und Immobilien, kommt unser ganzes Schuldengebäude zum Einsturz, weil den Schulden nicht mehr ausreichend wertvolle Sicherheiten gegenüberstehen.

Zinsen müssen dauerhaft tief bleiben

Alles, was die Notenbanken seit 2007 getan haben, diente dazu, den Schuldendeflationsprozess zu stoppen. Die unangenehme Nebenwirkung: Die Schulden wuchsen noch schneller. Man kann nämlich nicht einfach aufhören, neue Schulden zu machen, alleine schon wegen der fälligen Zinsen auf der bereits ausstehenden Schuld. Tiefe Zinsen haben zudem weitere Kreditaufnahme vor allem in den Schwellenländern befeuert. Das ist so, als wenn man bei einem baufälligen Haus Zement in das Fundament spritzt und zeitgleich oben weitere Stockwerke draufsetzt.

Und damit sind wir beim Einbruch der Börsen in den vergangenen Tagen. Vordergründig ist er nicht dramatisch angesichts der eindrücklichen Performance der Börsen seit 2009. In Wirklichkeit aber ist er ein Alarmsignal erster Güte. Zuvor waren die Zinsen auf zehnjährigen US-Staatsanleihen auf rund 2,7 Prozent gestiegen. Dieser Anstieg erfolgte mit Blick auf die Ankündigung der US-Notenbank, die Zinsen anzuheben, die gut laufende Wirtschaft in den USA und die Erwartung, dass dies auch zu höheren Inflationsraten führen wird. Offensichtlich herrscht am Markt die Auffassung, dass die hoch verschuldete Weltwirtschaft keinen Zinssatz von mehr als 2,7 Prozent bei US-Staatsanleihen verkraftet. Vor Beginn der vergangenen Finanzkrise konnten die Zinsen auf den zehnjährigen immerhin noch auf fünf Prozent steigen, bis es zur Korrektur an den Börsen kam.

Achillesferse Unternehmensverschuldung

Damals war es das Spiel mit fragwürdigen Immobilienkrediten welches das Weltfinanzsystem an den Rand des Zusammenbruchs brachte. Diesmal ist es eine zunehmend untragbare Verschuldung der Unternehmen.

In Europa hat die Europäische Zentralbank (EZB) den Markt so weit verzerrt, dass Unternehmen mit einer schlechten Bewertung von den Investoren sogar dafür bezahlt werden, das Geld der Bank zu nehmen. So das Beispiel des französischen Abfallunternehmens Veolia, das kürzlich eine ungesicherte Anleihe mit drei Jahren Laufzeit zu einem Zinssatz von minus 0,026 Prozent platzierte. Kreditschwache europäische Unternehmen zahlen also tiefere Zinsen als die USA als größte Militärmacht der Welt.

In den USA selbst sieht es nicht besser aus. Die US-Unternehmen waren noch nie so hoch verschuldet wie heute, sowohl absolut, als auch relativ zu den entscheidenden Kenngrößen wie Cashflow, Gewinn und Eigenkapital. Alleine im vergangenen Jahr haben US-Unternehmen 1,14 Billionen US-Dollar neue Schulden gemacht. Unternehmen auf Junk-Niveau zahlen durchschnittlich weniger als sechs Prozent Zins. Dabei wissen wir aus vergangenen Kreditzyklen, dass die Gläubiger von Unternehmensanleihen im Falle einer Schieflage nur rund 35 Prozent ihres Einsatzes wiedersehen. Das Risiko ist also erheblich.

Steigen die Zinsen, schwächeln die Unternehmensanleihen

Auch in den Schwellenländern sind es vor allem die Unternehmen, die in den vergangenen Jahren die tiefen Zinsen dazu genutzt haben, mit deutlich mehr Kredit zu arbeiten. Hinzu kommt hier der deutliche Anstieg der Verschuldung in US-Dollar, was neben dem Zinsänderungsrisiko ein Wechselkursrisiko mit sich bringt, vor dem angesehene Institutionen wie die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich schon seit Längerem warnen.

Steigt der risikofreie Zins nun an, schlägt sich das überproportional im Markt für Unternehmensanleihen nieder. Über Nacht ist das Kreditausfallrisiko wieder präsent. Die Zinsdifferenz (der sogenannte „Spread“) nimmt schnell und deutlich zu, was zu einer erheblichen Verteuerung der Unternehmensfinanzierung und zugleich zu erheblichen Verlusten für die Anleger führt. Dies wiederum erhöht nochmals den Druck auf die Märkte. Ein sich selbst beschleunigender Abstieg käme in Gang.

Spekulation auf Kredit als Brandbeschleuniger

Bereits seit einem Jahr haben sich die Hoch-Risikoanleihen vom Aktienmarkt in den USA entkoppelt. Während die Börse deutlich zulegte, stagnierten die Hoch-Risiko-Anleihen auf hohem Niveau. Ein erstes Warnsignal. Seit Jahresanfang fielen die Anleihen schlechter Schuldner. Ein weiteres Warnsignal. Nun sind die Aktien der Entwicklung gefolgt. Die Anleihengläubiger sind also weniger euphorisch gewesen als die Börsianer, wie meist in der Geschichte.

Der Einbruch geschah deshalb so schnell, weil die Marktteilnehmer zunehmend auf Kredit spekulieren. Nicht nur die Unternehmen sind hoch verschuldet, sondern auch die Käufer von Anleihen und Aktien. So versuchen sie in einem Umfeld von Niedrigzins eine Zusatzrendite zu erwirtschaften. Die Kredite für Wertpapierkäufe an der Wall Street waren auf historischem Höchststand. Die Liquiditätsreserve der Investoren war so tief wie seit Jahrzehnten nicht. So viele Amerikaner wie nie erwarteten steigende Aktienkurse.

Als die Stimmung kippte, kam es zur erwartbaren Reaktion. Gerade die Investoren, die auf Kredit spekulierten, mussten schnell aus dem Markt, um massive Verluste zu vermeiden. Verstärkt wurde die Entwicklung noch durch eine massive Spekulation auf eine anhaltend geringe Schwankungsbreite an der Börse („Volatilität“). Über Jahre war diese immer weiter zurückgegangen und viele Marktteilnehmer, auch Versicherungen und Pensionsfonds, verkauften eine Art Versicherung, dass diese Volatilität nicht ansteigt. Nun ist sie deutlich gestiegen, was wiederum auf den Aktienmarkt zurückschlägt.

Die Helikopter laufen sich warm

Kurzfristig dürfte es zu einer Erholung an den Märkten kommen (sie ist sogar bereits da). Wichtiger ist jedoch die Frage, wie es danach weiter geht. 2007 hielten sich die Aktienmärkte nach ersten Interventionen noch gut, bevor sie 2008 deutlich einbrachen. Auch diesmal könnte es sein, dass es noch eine Weile dauert, bis die Solvenzprobleme an anderen Stellen im Finanzsystem auf die Börsen durchschlagen.

Sollte es dazu kommen, lehrt tatsächlich die Geschichte was wir erwarten können: Die Notenbanken der Welt werden versuchen, das Spiel noch eine Runde weiter zu treiben. Vermutlich werden wir dann den Einsatz von sogenanntem Helikoptergeld erleben: die direkte Finanzierung von Staatsausgaben durch die Notenbanken um auf diese Weise die Vermögenspreise zu stützen, die Wirtschaft zu stimulieren und zugleich Inflation zu erzeugen.

Zur Freude gibt das keinen Anlass. Schulden in Billionenhöhe können nicht mehr bedient werden. Diese Schulden müssen aus der Welt, entweder durch Pleiten und Konkurse oder durch massive Inflation. Mit den Schulden verschwinden allerdings auch die Vermögen in entsprechender Größenordnung. Die Marktturbulenzen von heute geben da nur einen kleinen Vorgeschmack.

Sepp Kneip | Di, 6. Februar 2018 - 19:56

Man hat wirklich nichts aus der Vergangenheit gelernt. Warum sollte man auch? Wir haben doch Notenbanken, die aus dem Nichts Geld schöpfen und mit wertlosem Geld alles finanzieren. Noch wird das Notenbank-Geld anerkannt, aber wie lange noch? Wie lange kann das Finanzierunsspielchen weiter gespielt werden, ohne dass es einen Crash gibt? Ohne dass eine Konsolidierung stattfindet? Ohne dass es zu Reformen kommt? Aber gerade diese Notenbankfinanzierungen sind es doch, die die Reformen vermeintlich unnötig machen. Es geht doch auch so, glauben viele. Bis es denn wirklich kracht.

Alle wissen, je länger eine Konsolidierung hinaus geschoben wird, um so tiefer wird der Fall sein. Und dennoch wird man weiter schieben. Aber auch ein Helikopter kann bei Turbulenzen abstürzen. Nach mir die Sintflut. Viele der Verantwortlichen haben dann ihre Schäfchen im Trocknen. Wer dann wieder der Gelackmeierte ist, dürfte nicht schwer zu erraten sein.

Tonicek Schwamberger | Mi, 7. Februar 2018 - 18:40

In reply to by Sepp Kneip

. . . ich stimme Ihnen in fast allem zu.- Die Frage, die mich zunehmend besorgniserregend bewegt, ist, was Sie meinen mit: " Viele der Verantwortlichen haben dann ihre Schäfchen im Trocknen...". Wo ist denn dieses "Trockene"? Wenn es einen Crash gibt, gibt es einen Crash, und der wird flächendeckend ausfallen, egal, wo man seine "Schäfchen im Trockenen hat". Nicht ganz ohne Eigennutz mache ich mir Sorgen, daher auch meine Frage - und das nicht erst seit heute, schon seit geraumer Zeit . . .

Dimitri Gales | Di, 6. Februar 2018 - 20:31

die aktuelle Krise anheizt. Wieder einmal muss man sehen, dass die Trennung der Realwirtschaft von der Finanz"industrie" nur Unheil bringt. Das hat sich schon damals bei der grossen Japan-Krise gezeigt. Das seit längerer Zeit in astromischen Mengen verteilte virtuelle Geld kommt nicht in der Realwirtschaft an - es bleibt immer in den gleichen Sphären, führt zu multiplen Blasen und sozialen Ungleichheiten.
Inflation wird es nicht geben, die Voraussetzungen sind nicht da. Inflation kann sich ausserdem höllisch auswirken, nämlich wenn sie sich verselbstständigt, unkontrollierbar wird. Dann wird es auch zu sozialen Massenkatastrophen kommen.

Maik Harms | Di, 6. Februar 2018 - 20:42

Der Metaphern für die Situation sind viele, vom Schneeballsystem (Altschuldner werden durch mehr Neuschuldner finanziert, die durch noch mehr Neuschuldner...) über den Drogenrausch (die Weltwirtschaft an der Nadel der Notenbanken) bis zum Schwanz, der mit dem Hund wackelt (nicht die Wirtschaft treibt die Finanzwelt, sondern andersherum). Jede Party geht mal mit einem Kater zuende, vor allem, wenn sie auf Kosten anderer geht, hier eben der Natur und der Arbeiter.

Holger Stockinger | Di, 6. Februar 2018 - 22:15

Der "Eurorettungsschirm" belohnt ein bankrottes Griechenland, dessen kommunistische Tradition auch gleich zur Regierung gelangt, während Frankreich mit Makronensteuer höchstens von Selfi-Mutti zehnmal beknutscht wird.

China als alte neue Weltmacht kauft sich auch nicht nur in Afrika ein.

Das Kochen einer Peking-Ente ist etwas anderes als eine Zeitungsente:

Zum Beispiel, "Jungmigrant war noch nicht geboren, brachte aber zwei Jungfrauen mit in die Flüchtlingshilfe" ...

Tomas Poth | Di, 6. Februar 2018 - 22:21

Was macht die EZB den schon seit längerer Zeit anderes. Sie mutiert längst zur Bad-Bank.

Holger Stockinger | Di, 6. Februar 2018 - 22:29

Man erinnere sich an Virginia Woolfes "ORLANDO" war Barzahlung noch unbekannt.

"Headhunter" sind auch keine Kopfgeldjäger.

Ein "start up" ist eine Garagenerfindung, die garantiert, dass der Mann im Mond als Nichtraucher vom Fliegenden Klassenzimmer auf der Venus mit einem Marsriegel begrüßt wird.

Braves neues Universum ..!

André Oldenburg | Mi, 7. Februar 2018 - 06:37

Natürlich wird uns irgendwann die Verschuldung auf die Füsse fallen. Egal ob in den USA durch den Schuldenweltmeister Obama oder bei uns, durch die Schuldenweltmeister Süd-Europa und Merkel.
Obama und Merkel haben durch ihre fasst bedingungslose Rettung der Banken das Problem erst richtig verschärft und die Handlunsgfähigkeit der Staaten stark eingeschränkt.
Durch die dadurch entstandene Nullzinspolitik haben die Unternehmen zuviel riskiert und investiert, was wiederum die Lage weiter verschärft, aber jetzt noch nicht, das Börsenbeben war nichts weiter als ein kleiner Husten, weil jetzt Geld anfängt wieder etwas zu kosten. Langfristig wird der Dollar wieder steigen, da es dort mehr Zinsen gibt und dadurch wird die Börse fallen, da die Gewinne der Unternehmen sinken (höhere Zinszahlungen, gesunkene Wettbewerbsfähigkeit durch hohen Dollar).
Langfristig wird aber Europa seine Probleme weniger in den Griff bekommen als die USA. Der wirkliche Crash an den Börsen kommt viel später.

Michael Ludwig | Mi, 7. Februar 2018 - 08:07

Danke Herr Stellter für diese sehr realistische Einschätzung der Situation. Leider leben 95% unserer Bevölkerung in einer schönen Blase aus Brot und Spiele. Noch ignoranter ist die aktuelle Politik. Jeder der nur ein Fünkchen klaren Menschenverstand hat, kann sich ausmahlen, dass sich wie immer in der Menschheits-geschichte,solche Blasen aus Schulden irgendwann entladen.
Naturgesetze gelten halt auch in der Ökonomie. Die Leute leben in Ihrer Welt, in Bullerbüland kann uns nichts passieren, mit einer Regierung die alles im Griff hat. Wenn der Knall kommt sollte jeder mal darüber nachdenken, was bei uns passiert. Die Arbeitslosigkeit wird zu massiven Verteilungskämpfen führen und die Menschen werden Sündenböcke suchen und finden. Was das
in der jetzt schon aufgeheizten Stimmung bedeutet? Viele Prognosen von den "Bösen" sind heute Realität! Sagt nicht das konnte keiner kommen sehen.

Christoph Kuhlmann | Mi, 7. Februar 2018 - 08:51

Man wird den Eindruck nicht los, dass viele Finanzexperten den Wald vor lauter Bäumen nicht sehen. Man bündelt ein par Schrottanleihen, würzt diese mit einer Prise guter Kredite und lässt das Paket dann von Ratingagenturen nach undurchsichtigen Kriterien mit Triple A bewerten ... So war es das letzte mal. Mal schauen was diesmal kommt, irgend ein Anlass fluchtartig aus den Aktien auszusteigen findet sich immer. Wenn das wirklich eine Pleitewelle gibt, dann wird den Junkbonds und Nullzinsgurus hoffentlich das Maul gestopft. Allerdings höre ich dann schon den Ruf nach Eurobonds ... und die Eurozone hat immer noch kein Insolvenzverfahren für Mitgliedsstaaten implementiert.

Wolfgang Schuckmann | Mi, 7. Februar 2018 - 11:06

Bin weit davon entfernt ein Volkswirtschaftsgenie zu sein, deshalb möge man mir meine Vorwitzigkeit entschuldigen, jedoch möchte ich eine Bemerkung machen dürfen: Kein einziger weiß eine Ausfahrt aus dem Kreisel des geldpolitischen Wahnsinns. Am Ende wird es so, wie es immer schon war und die Realität darstellt. 1923, der US-Börsenkrach ende der 20iger Jahre und die daraus resultierende Weltwirtschaftskrise, die dann nach einem verheerenden Weltkrieg 1948 eine Währungsreform für Deutschland als Folge hatte, könnte man hier zu Anschauungsunterricht heranziehen. Auch damals hatte man versucht, in Deutschland totalitär, was bekanntlich schief ging, in den USA durch den" new deal " die Dinge noch zu beherrschen. Mit immer neuen Schulden etc.bb. wurden die Zeiten der Wahrheit gestreckt, bis es nicht mehr ging. Die Turbulenzen von 2008/9 waren das entree für all die Dinge, die jetzt auf dem Tisch liegen. Und von den Verantwortlichen soll nur keiner behaupten er hätte sie nicht kommen sehen.

Markus Michaelis | Mi, 7. Februar 2018 - 11:34

Ein Hauptproblem sehe ich darin, dass mit aufgeblasenen Vermögenspreisen man durch Arbeit nicht mehr mithalten kann. Am plakativsten dafür ist, dass man mit Arbeit nicht mehr genug verdienen kann, um die Mieten für teure Wohnungen zu bezahlen. Die Lohnanhebung geschieht nur für die Besserverdienenden. Schlägt die Lohnanhebung auf alle durch, haben wir eine hohe Inflation. Dazwischen zu jonglieren wird schwieriger.

Ein sauberer Ausweg ist nur, wenn Vermögende auf den virtuellen Anteil ihres Vermögens verzichten - sie könnten dabei theoretisch ihre "Rangstufe" und alle realen Werte (Haus, Auto etc.) behalten, nur würde ihr Vermögen relativ zu Arbeit abgewertet.

Die Mittel soetwas auf breiter Front mit Akzeptanz durchzusetzen sind aber begrenzt. In der Geschichte waren das meist große Kriege oder damit verbundene Ereignisse.

Heiner Hannappel | Mi, 7. Februar 2018 - 11:58

Es war schon lange zu erwarten, dass dieses auf Schulden basierende Finanzsystem an seine Grenzen stößt. In diesem wertvollen Artikel steht das ganze Dilemma und es wird und überdeutliche vor Augen geführt, das schmerzhafte Korrekturen bevorstehen. Eine der Korrekturen findet schon zur Zeit schleichend auf unseren Sparbüchern statt.Eine Entwertung unseres Sparvermögens, unserer Lebensleistung um die Refinanzierungen der Schuldenstaaten zu ermöglichen und um zu unseren Lasten die Staatschulden zu senken. Alles steht anschaulich in diesem umfassenden Artikel, auch, dass viel Firmen nur noch künstlich am Leben gehaltene Zombis sind. Durch die Nullzinzpolitik sind obendrein die Firmenwerte unnatürlich jenseits ihrer wirklichen Werte künstlich aufgeblasen. Nun soll durch die kontrolliert Luft abgelassen werden, was aber einem Wettlauf mit jenen gleichkommt, die diese Spekulationsblase immer weiter aufpumpen.Vernünftige Vorratshaltung ist angesagt für den Fall, dass diese Blase platzt.

Dorothee Sehrt-Irrek | Mi, 7. Februar 2018 - 12:04

Finanzmarktexperten im Forum vertreten sind, ich gebe gerne auch weitere Quellen preis, deren ich mich eine zeitlang (Finanzkrise) von morgens bis abends bediente, die Financial Times Deutschlands und n-tv.
Von Letzteren weiss ich bestätigt, dass unsere Wirtschaft klassisch unterbewertet ist.
Es wäre also nett, wenn der Herr Stelter solches mitbedenken würde, wenn er einen allgemeinen Blick auf die Märkte gibt.
China hat z.B. ganz andere Möglichkeiten auf Crashes zu reagieren als die USA. Die aber wiederum den großen Vorteil, dass sich soviele Länder in US-Dollar verschulden.
Es sollte also alles, wenn richtig analysiert und gewichtet, handhabbar sein.
Wurde eigentlich eine Finanzmarkttransaktionssteuer vereinbart in der Koalition?
Es ist ein Unding, wenn die Finanzmärkte keine eigenen Sicherheitsnetze akzeptieren und aufbauen.

Ursula Schneider | Mi, 7. Februar 2018 - 16:21

für diesen klarsichtigen Beitrag!
Viel zu wenig wird in der Öffentlichkeit über diese Zeitbombe diskutiert, die sich aus gigantischem Schuldenberg, der Politik des billigen Geldes, Null-Zinsen und den daraus resultierenden Verzerrungen des Marktes gebildet hat. Das alles - so viel ist auch dem Laien klar - rast unweigerlich auf einen neuen Crash zu ...

(Kleine Fußnote: Wie eine Umfrage ergab, kennt nur jeder zweite Deutsche den Namen Mario Draghi. Der von Daniela Katzenberger war zu 90 % bekannt. Wer das ist? Keine Ahnung. Ich zähle leider zu den 10 % der Ignoranten.)

Sie mögen recht haben, aber wer, bitte schön, sollte über diese sehr schwer verständliche Thematik diskutieren? Ich gebe zu, daß der Artikel von Herrn Stelter sehr fachspezifisch ist u. ich vieles davon nicht verstehe. Gut, es mag meinem geringen IQ geschuldet sein, aber bitte bedenken Sie, die Menschen haben andere Sorgen, andere Probleme, als sich mit "höherer" Finanzpolitik u. eben mit dem Namen Draghi zu beschäftigen. Der Alltag frißt die Zeit der Leute auf, und wenn Sie dann abeschalten wollen, haben sie anderes zu tun, als sich mit Finanzblasen u. mit einem Herrn Draghi zu befassen - da ist die leichte Kost in Form u. Angesicht einer D. Katzenberger eben um so willkommener.
BTW: Ich habe den Namen Katzenberger vorher nie gehört; Tante Google hat mich ausgeklärt. Merken muß ich mir das aber nicht.

Sie ist omnipräsent in der Werbung, mit dem Sohn von Costa Cordalis verheiratet und liebt alles was Rosa ist.
Seit einiger Zeit interessiere ich mich dafür, wie wohlproportionierte und durchaus gutaussehende Frauen durchs Leben kommen.
In dem Zusammenhang war sie interessant.
RESPECT

dirk weiske | Mo, 19. März 2018 - 18:53

Keine Frage, die Notenbanken haben uns in eine Bredouille geritten. Aber sie taten dies, weil Politik versagt hat und tun es immer noch. Gleichwohl wäre es angeraten weniger panisch zu sein und umzudenken. Auch bei den Volkswirten. Aktuell ist die vorherrschende Lehre, daß ab einem Schuldenstand oberhalb von +/- 150% des BIP die Schulden nicht mehr zurückgeführt werden können. Die Ökonomen streiten da noch ob und in wieweit die ungedeckten Pensionslasten der Staaten auch dazugehören. Nach dieser Rechnung sind ALLE Staaten und Währungen pleite. Und dennoch macht Japan seit rd 15 Jahren vor, daß es geht. Es wäre Zeit umzudenken. Eine Währung hängt heute weniger an ihrer "Werthaltigkeit" und der Schuldenrückzahlung, sondern mehr am Glauben der Weltgemeinschaft damit in Zukunft etwas kaufen zu können. Wertaufbewahrung und Tauschmittel. Und dieser Glaube hängt längst nicht nur an den Schulden eines Währungsraumes. Auch an der politischen Kontinuität und Verlässlichkeit. Zeit zum Umdenken