Ukrainische Soldaten sitzen auf einem gepanzerten Fahrzeug, während sie durch das Dorf Shandrygolovo fahren / dpa

Ziele im Ukraine-Krieg - Von der Notwendigkeit einer überfälligen Debatte

Während der Kreml mit weiteren Eskalationen droht, glaubt Kiew an die Macht der derzeitigen Erfolge auf dem Schlachtfeld: Bei realistischer Betrachtung könnten die Aussichten auf einen Verhandlungsfrieden im Ukraine-Krieg zur Zeit daher kaum schlechter sein. Dennoch braucht es eine lebhaftere Diskussion darüber, welche Ziele die deutsche Außenpolitik verfolgt – und welchen Preis man bereit ist, dafür zu zahlen.

Michael Sommer

Autoreninfo

Michael Sommer lehrt an der Universität Oldenburg Alte Geschichte und moderiert gemeinsam mit Evolutionsbiologe Axel Meyer den Cicero-Wissenschafts-Podcast

So erreichen Sie Michael Sommer:

Mehr oder weniger täglich können wir den ukrainischen Streitkräften beim Siegen zusehen. Erst rücken sie östlich von Charkiw in atemberaubenden Tempo ostwärts vor, dann stehen sie an der Schwelle zum von Russland zeitweise vollständig besetzten Oblast Luhansk, und jetzt sind sie offenbar im Begriff, starken russischen Kräften im Raum Cherson die Rückzugswege über den Dnjepr abzuschneiden.

Die russische Armee befindet sich in einer desolaten Verfassung, eine Wende sehen auch russische Militär-Blogger nicht heraufziehen. Ganz im Gegenteil, mit schonungslosen Bestandsaufnahmen des Frontgeschehens setzen sie Putin, seinen Verteidigungsminister und den Generalstabschef unter Druck. Denn: Szenarien, die jeder vernünftige Beobachter vor Monatsfrist noch als Traumtänzerei abgetan hätte, erscheinen plötzlich plausibel; ein Frieden, den die Ukraine auf dem Schlachtfeld gegen das zu Beginn des Waffengangs hochfavorisierte Russland erzwingt, rückt in den Bereich des Denkbaren.

Cicero Plus weiterlesen

  • i
    Alle Artikel und das E-Paper lesen
    • 4 Wochen gratis
    • danach 9,80 €
    • E-Paper, App
    • alle Plus-Inhalte
    • mtl. kündbar
Karl-Heinz Weiß | Fr., 7. Oktober 2022 - 17:15

Zur Ehrlichkeit gehört: der Schlüssel zu einer Verhandlungslösung liegt in Washington. Erst wenn die USA ihre Waffenlieferungen drosseln, ist diese realistisch. Ein UN-Mandat wie seit 50 Jahren in Zypern wäre ein denkbarer Ausweg.

Tomas Poth | Fr., 7. Oktober 2022 - 20:13

Antwort auf von Karl-Heinz Weiß

... da haben sie unbenommen recht!
Aber die USA haben diesen Konflikt seit 2004 befeuert, es geht den USA ausschließlich um ihre alleinige Vormachtstellung in der Welt.
Die Russen haben diese Fehdehandschuh aufgegriffen, die Ukrainer zahlen mit ihrem Blut. Wie es ausgeht werden wir irgendwann wissen.
Wer die Ukraine beherrscht, der beherrscht das eurasische Schachbrett, US Sicherheitsberater Brzezinski.
https://www.youtube.com/watch?v=N9TvCfDRPKc
Die Weltgemeinschft muß einen Weg finden um die USA und ihre aggressive Politik einzuhegen!
Die USA sind weltweit der Aggressor Nummer 1
https://forum.beobachter.ch/forum/thread/18765-usa-über-200-kriege-seit…

Urban Will | Fr., 7. Oktober 2022 - 20:47

auch passen. Unsere Außenministerin ist nach wie vor eine Amateurin auf ihrem Gebiet und wird es wohl auch bleiben. Der Welt ginge es besser, würde sie weiter Trampolin hüpfen anstatt durch die Welt zu trampeln. Russland ruinieren wollen, aber den Mullahs Rückendeckung geben, indem sie den Islam von der von ihm ausgehenden Gewalt trennt. Lachhaft.
„Uneingeschränkte Solidarität“ ist schon deshalb ein dümmlicher Begriff, weil nach wie vor keine Leos gegen die Russen rollen (wäre Baerbock Kanzlerin, dann würden sie es wohl).
Eine rasche Beendigung des Krieges ist nicht im Interesse der Amerikaner. Da ist es recht egal, was diese deutsche Dilettanten – Regierung ihren Wählern verraten sollte. Sie hat keinen Einfluss.
Bidens Befürchtungen, die er in seiner Rede geäußert hat, könnten stimmen oder gespielt sein.
Wie eine amerikanische Reaktion auf einen russischen Atomschlag aussehen würde, weiß Biden wohl selbst noch nicht.
Mit Sicherheit aber bestünde sie nicht im atomaren Gegenschlag.

Dr.Andreas Oltmann | Fr., 7. Oktober 2022 - 21:57

Dass Staaten, die sich im Krieg befinden, nach dem Weg für Frieden suchen, erscheint uns aus westlicher Sicht notwendig und erforderlich. Eigentlich sollte es das Ziel sein, die Zahl der menschlichen und materiellen Opfer einzuschränken. Putin befindet sich auf dem Rückzug, die Ukraine auf dem Vormarsch. Genaueres wissen wir von beiden Seiten nicht, werden aber von Selenskij mit martialischen Parolen zur Unterstützung seiner Verhandlungsverweigerung gezwungen. Widerspruch dagegen ist nicht in Sicht. Ob wir wirklich darüber informiert werden, wie es in der Ukraine und in Russland aussieht, muss bezweifelt werden: Ranking der Pressefreiheit in der Ukraine 105, in Russland 155. Es ist soviel Porzellan an gegenseitigen Vorwürfen von Biden über Baerbock und Putin und Selenskij zerschlagen worden, das keiner mehr auf den anderen nur einen Trippelschritt zugeht. So bleibt nur die militärische Lösung, Atomwaffen oder NATO-Präventivschlag. Welche Perspektiven!! Welche Dummheit!!

Bernd Windisch | Fr., 7. Oktober 2022 - 22:01

Mister Bazooka - Doppel Wumms und seine grünen Außen- und Wirtschaftsminister haben längst alle Preisschilder abgenommen. Am Ende ist es nur Geld (Harbeck). Das deutsche Politiker deutsche Interessen vertreten klingt schon komisch und ist bestimmt ganz Reeechts und Pöse.

Außerdem fügt sich die Verarmung vieler Deutscher trefflich ins verquaste grün - rote Weltbild. Aktuell heißt das Lenkungswirkung. Frei davon wird nur, wer genügend Geld hat.

Karl Kuhn | Fr., 7. Oktober 2022 - 22:15

... das mit den Abstimmungen.

Die ergeben aber mittlerweile keinen Sinn mehr. Wer soll dort abstimmen, wo ein Großteil der Bevölkerung geflüchtet oder deportiert ist. Dieser Zug ist abgefahren. Deswegen sollte der Krieg weiterhin für die Aggressoren teuer und schmerzhaft gemacht werden. Der Kreml wird aufgeben müssen, wenn niemand mehr für Putins Mörderbande kämpfen will. Das wird spätestens mit Winteranbruch der Fall sein. Russland wird diese Territorien dann nicht mehr halten können. Das einzige, was sie wahrscheinlich werden behalten dürfen, ist die Krim, da werden die westlichen Partner einen ukrainischen Angriff zu verhindern wissen. Allenfalls die Krim ist eine unausgesprochene Rote Linie, der Rest ist Theaterdonner.

ursula keuck | Fr., 7. Oktober 2022 - 23:27

Der ukrainische Gerne/Gross soll geäußert haben: „Ihr werdet Euch noch wundern, wenn ich erst in der EU und Nato bin, sobald der Russe heimkehrt, dann lang ich richtig hin“.
"Honi soit qui mal y pense", - ein Schelm der dabei an Böses denkt -.

Inana | Sa., 8. Oktober 2022 - 00:41

Alles richtig aber... wer glaubt denn, dass es eine "offene deutsche Debatte" zu diesem Thema geben könnte. Die sogar öffentlich ausdiskutiert wird.
Die wird es nicht geben, sondern die Entscheidungen werden hinter Kulissen getroffen, Fakten werden geschaffen und im Endeffekt entscheidet Washington. Und Deutschland wird einer der größten Verlierer sein.
Keine gute Aussicht.

Ernst-Günther Konrad | Sa., 8. Oktober 2022 - 08:19

Es gibt einige Politiker und eben auch Menschen wie Musk, die versuchen Ideen zu entwickeln, diesen Krieg zu beenden und die Parteien irgendwie zum Verhandeln zu bewegen. Selenskij will die Russen komplett aus dem Land heraus, die Ostukraine und auch die Krim wieder unter ukrainischer Kontrolle. Voher geht da gar nichts und solange er unterstützt wird kann ich das auch durchaus nachvollziehen. Dennoch wird weiterhin zu emotional, wenig sachlich und inhaltlich diskutiert, welche Optionen es geben könnte und wie man Russland dazu bringen könnte zu verhandeln und vor allem mit wem? Eigentlich gibt es ja nur zwei Kriegsparteien, die auch miteinander reden sollten, doch tatsächlich stehen hinter der Ukraine die USA und die EU. Auch die verfolgen Interessen. Ja, es wäre längst Zeit darüber nachzudenken, wie man zu einem schnellen Waffenstillstand oder gar Frieden kommt. Doch noch wollen alle Parteien das offenkundig nicht. Nur irgendwann wird man reden müssen, mit wem und welchen Zielen?

Kai Hügle | Sa., 8. Oktober 2022 - 08:47

Ohne die Waffenlieferungen aus Washington, London, Ottawa, Paris, Berlin, Warschau usw. gäbe es seit Monaten nichts mehr zu verhandeln, denn die Ukraine wäre bereits gefallen.
Putin hat anlässlich der illegalen Annexion der besetzten Gebiete im Süden und Osten des Landes nochmal erklärt, dass über diese „Volksrepubliken“ ebenso wenig verhandelt werden könne wie über die Krim. Es gibt also keinerlei Bereitschaft seitens des Aggressors, und selbst wenn: Den Worten dieses Regimes ist natürlich nicht zu trauen.
Man wird sehen, wie sich die Gebietsverluste, die sog. „Teilmobilmachung“, die ja zu einer Massenflucht wehrfähiger Männer geführt hat und die Sanktionen auf die Stimmung in der russischen Bevölkerung und der sie ausbeutenden Kleptokratie auswirken. Möglicherweise zieht auch das Militär Putin den Stecker. Dann erst kann verhandelt werden über den vollständigen Abzug der russischen Armee und den Wiederaufbau der von ihr zerstörten Gebiete.

ung, dass kurz nach Kriegsbeginn die russ. Forderungen neben der Krim als künftig russ. Staatsgebiet, die Unabhängigkeit der benannten Provinzen beinhaltete (nicht Aneignung) und man sogar von Seiten Selenskyjs in dieser Richtung Zustimmung signalisiert bekam.
Es kam dann anders, wie wir alle wissen. Die Verhandlungen wurden abgebrochen, die Ukraine mit Waffen vollgepumpt und jetzt möchte man alles, inkl. der Krim, zurück holen.
Ich möchte das nicht kritisieren oder als ungerechtfertigt werten, die Krim war Teil der Ukraine und auch das Geschichtliche kann man so oder so sehen.
Aber davon unabh.: ich denke, die Schein – Referenden und Annexionen (von Laien wie mir schon vor Monaten vorhergesagt) könnten genauso gut die Folgen der Selenskyjschen Meinungsumschwungs (ich denke gesteuert v d USA) sein.
Mit den Annexionen hat Putin nun die Macht, die Rückeroberung als Angriff auf R zu werten. Mit all den denkbaren Folgen, die mittlerw. von immer weniger Experten als Bluff gesehen werden.

Gabriele Bondzio | Sa., 8. Oktober 2022 - 09:09

ökonomisch und an Menschenleben, für die Ukraine..."

Die Ukraine ist faktisch bankrott, die Zerstörung von Infrastruktur und der Blutzoll an Menschen gewaltig.

Hier kommen mir die Worte von Egon Bahr in den Sinn:
„In der internationalen Politik geht es nie um Demokratie oder Menschenrechte. Es geht um die Interessen von Staaten. Merken Sie sich das, egal, was man Ihnen im Geschichtsunterricht erzählt.“

Dabei interessiert mich brennend, was eine BR für interessen in der Ukraine hat. Die für diese... ihr eigenes Land vor den Baum fährt.

Putin hat sich eindeutig zu einem Hardliner entwickelt.
Von denen es auch im "Westen" wimmelt.
Aus der Natur entlehnt, wie der Kampf zweier Platzhirsche...die ihr Geweih aufeinanderkrachen lassen und nicht eher vom Platz gehen, bis der Rivale verletzt und gedemütigt abzieht.

Platzhirsche interessiert es nicht, was rings um sie... zertrampelt wird.

Siehe Pulitzer-Preisträgers Thomas Friedman`s Artikel:
“Putin is Trying to Outcrazy the West.”

Hans Süßenguth-Großmann | So., 9. Oktober 2022 - 10:10

für die Unterstützung der Ukraine hat Annalena versprochen und daran hält sich die BR. Eine Frage wer die Trümmerwüste in der Ostukraine bekommt und aufbaut, stellt sich nicht solange wir die UA unterstützen und in der Zukunft goldene Berge versprechen. (Ob wir das halten können steht woanders)Und dann ist immer noch Russland unser Nachbar und die sanktionierten Rohstoffe und Energieträger fehlen immer noch Europa bzw. steigern das Preisniveau und schließen andere schwächere Marktteilnehmer aus. Alles wird nicht bedacht.
Die ganze Geschichte ähnelt sosehr dem WK 1, der nach 4 Wochen entschieden war und 4 Jahre gedauert hat, ohne dass sich was wesentliches geändert hat. Gorbatschows Haus Europa muss eingerichtet werden und die die nicht in Europa wohnen können Gäste sein aber nicht der Hausmeister.