Joe Biden
US-Präsident Joe Bidens Forderung nach einem Regimewechsel in Russland war wohl doch nicht einfach so dahingesagt / dpa

Ukraine im Konflikt zwischen Russland und den USA - Die Unfähigkeit zur Politik

Die Debatte über den Ukraine-Krieg zeigt die Unfähigkeit der deutschen Politik, eigene Interessen zu definieren, die nicht dieselben sind wie die der USA. Denn der wirtschaftliche Niedergang durch Sanktionen kann ebensowenig im deutschen und europäischen Interesse liegen, wie Kriegspartei in einem langen Zermürbungskrieg gegen Russland zu werden, der sich zu einem Weltkrieg ausweiten könnte.

Stefan Luft

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Stefan Luft ist Privatdozent am Institut für Politikwissenschaft der Universität Bremen. 2016 erschien sein Buch „Die Flüchtlingskrise. Ursachen, Konflikte, Folgen“.

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Dr. Sandra Kostner ist Historikerin an der PH Schwäbisch-Gmünd. Während ihrer Promotion arbeitete sie als Lehrbeauftragte am Historischen Institut und am Institut für Jüdische Studien der University of Sydney. 

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Der völkerrechtswidrige Einmarsch Russlands in die Ukraine hat eine lange, von geopolitischen Interessen geprägte Vorgeschichte. Bezeichnenderweise besteht insbesondere seit Beginn des russischen Angriffskriegs kaum Interesse daran, diese Hintergründe zu analysieren. Ganz im Gegenteil: Wer Hintergrundanalysen durchführt, die zu der Erkenntnis führen, dass Russlands militärische Aggression politisch von den Vereinigten Staaten mitverursacht wurde, sieht sich schnell als „Putinversteher“ geschmäht – eine Etikettierung, die dazu dient, inopportune Argumente als nicht diskurswürdig zu markieren.

Nur: Wie will man einen Konflikt lösen, wie will man zu einem tragfähigen Frieden finden, wenn man nicht analysiert, welche Aktionen und Reaktionen und welche geostrategischen Interessen zu dem Punkt geführt haben, an dem sich Putin entschloss, die Ukraine anzugreifen? Wer sich solchen Analysen verweigert, verliert die Fähigkeit, einen Interessenausgleich herbeizuführen, welcher die Basis für eine stabile Friedensordnung bildet. Das wirft Fragen auf: Wie konnte es die Ukraine betreffend zu diesem Verlust kommen? Und was bedeutet dieser Verlust für die Zukunft der Ukraine beziehungsweise Europas?

Je tiefer man in die Vorgeschichte eintaucht, desto klarer kristallisiert sich heraus, dass die Ukraine aufgrund ihrer geostrategischen Lage für die beiden Großmächte USA und Russland von überragender Bedeutung ist. Russland betrachtet die Ukraine als Teil seiner Einflusssphäre und als zentralen Baustein seiner sicherheitspolitischen Interessen. Die USA hingegen wollen ihren geostrategischen Einfluss in Europa sichern und ausbauen. Die Nato-Osterweiterung stellt hierfür das wichtigste strategische Instrument dar.

Russland akzeptierte die ersten beiden Erweiterungsrunden (1999 und 2004), die vormalige Warschauer-Pakt-Staaten umfassten. Es machte aber – nachdem auf dem Nato-Gipfel in Bukarest im Jahr 2008 die Ukraine zum Beitrittskandidaten erklärt wurde – mehr als deutlich klar, dass eine Aufnahme der Ukraine in die Nato absolut inakzeptabel sei, da dies seine Sicherheitsinteressen im Kern berühre. Nachdem sich im Zeitraum 2008 bis 2020 Konfrontations- und Entspannungsphasen abwechselten, änderte sich die Dynamik im Frühjahr 2021.

Washington ist erstaunlich desinteressiert an einer politischen Lösung

Zu diesem Zeitpunkt kam eine politische Eskalationsspirale in Gang, bei der beide Seiten unnachgiebig ihre Interessen verfolgten: Moskau wollte (und will), koste es, was es wolle, verhindern, dass die Ukraine noch stärker in die Nato-Strukturen eingebunden wird; Washington wollte (und will), ebenfalls koste es, was es wolle, genau diese Einbindung vorantreiben.

Obwohl sich ab Herbst 2021 abzeichnete, dass diese politische Eskalationslogik zu einem militärischen Lösungsversuch des Konflikts seitens Russlands führen könnte, zeigte sich Washington erstaunlich desinteressiert an der Herbeiführung einer politischen Lösung. Insbesondere die am 10. November 2021 verkündete Neufassung der „U.S.-Ukraine Charter on Strategic Partnership“ aus dem Jahr 2008 lässt erkennen, dass Deeskalation nicht als politisches Gebot der Stunde gesehen wurde. Der Schwerpunkt der Charta liegt auf der militärischen Kooperation, um der „russischen Aggression entgegenzuwirken“. Dazu gehört die Absichtserklärung der USA, die Ukraine auf allen Ebenen – inklusive der militärischen – zu unterstützen, ihre territoriale Integrität wiederherzustellen. In erster Linie heißt das, die russische Annexion der Krim im Jahr 2014 rückgängig zu machen. Die Charta betont zudem, dass die USA das Recht der Ukraine auf Nato-Mitgliedschaft nachdrücklich unterstützen. Damit sendeten die USA das eindeutige Signal nach Moskau, dass sie nicht bereit waren, die russischen geostrategischen und sicherheitspolitischen Interessen zu berücksichtigen.

Dass die USA die Ukraine-Politik zu einer ihrer außenpolitischen Prioritäten gemacht hat, lässt sich nur dadurch erklären, dass Washington massive Eigeninteressen verfolgt. An erster Stelle ist hier das Ziel zu nennen, Russland als Großmacht mithilfe eines Abnutzungskrieges und wirtschaftlicher Sanktionen mittelfristig so zu schwächen, dass sich die abzeichnende tripolare Großmachtkonkurrenz auf eine bipolare reduziert: also auf die USA und China. Um die Vormachtstellung gegenüber China zu behaupten, wollen die USA auch einen möglichst ungestörten Zugang zum – wie der Schweizer Historiker Jeronim Perović Russland bezeichnete – „größten Rohstoffspeicher der Welt“. Dies ist aber nur möglich, wenn in Moskau eine schwache Regierung sitzt, die selbst keine Großmachtambitionen mehr verfolgt.

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Martin Falter | Di, 17. Mai 2022 - 17:04

Ihre Argumente die sie bringen Frau Kästner sind so ausgelegt, dass Russland keine andere Wahl hatte als ein Land in die Steinzeit zu bomben.
Der Vergleich mit Kuba ist hanebüchen, denn die USA hat Kuba nie zugebombt.

Russland hatte die Möglichkeit gehabt sich in Europa zu integrieren hat aber dank Putin seit vielen Jahren, Länder überfallen, Kriegsverbrechen in Syrien begangen usw. usw.

Ihre Antwort darauf ist Russland die Ukraine zu überlassen. Natürlich am grünen Tisch und ohne die Ukrainer eine Wahl zu lassen.

Und dann welcher Staat wäre der nächste?

Natürlich nutzen die USA das jetzt aus und sind wir froh darüber, vielleicht ist Russland danach so geschwächt, das Europa in Frieden leben kann.

Was mich auch fasziniert, ist die völlig Unkenntinis davon, mit wem verhandelt werden soll?

Putin kann es doch nicht sein - oder?

Ich habe den Eindruck, Sie haben diesen Artikel nicht verstanden, weil Sie ihn nicht richtig gelesen haben. Also noch mal in Ruhe und ohne Schaum vor dem Mund lesen. Oder wollen Sie bewußt mißverstehen?

Martin Falter | Mi, 18. Mai 2022 - 08:48

In reply to by Hartmut Steiger

Sie sollten lieber besser selbst an Ihrer Lesekompetenz arbeiten bevor Sie andere belehren.

Hier wird immer der gleiche Fehler ( bewußt oder unbewußt ) gemacht.
Es lag und liegt immer noch nur an Putin 8b Krieg herrscht, kein Amerikaner oder Europäer haben darauf Einfluss.

Diesmal hat er den Bogen überspannt und bekommt genau das Gegenteil von seinen Zielen.

Also studieren sie die Geschichte mal genauer.

haben Kuba nicht zs.gebombt, weil man sich geeinigt hat, sprich, weil Sam bekam, was er wollte (keine Raketen auf Kuba)... So schwer zu verstehen?
Russland hatte „die Möglichkeit“, sich in E zu integrieren? Aha. Also E sagt, was „gut“ ist und d Rest muss sich anpassen, also „integrieren“...
Die Antwort auf das Putinsche Angebot von 2001 (vor dem dt. BT) war übrigens die v d USA vorangetriebene Osterweiterung...
Herr Falter (das gilt auch für Lenz), Sie haben ein durch und durch vom Mainstream indoktriniertes Verständnis der Lage i d Ukraine. Kapieren noch nicht einmal, das niemand der Kritiker v Waffenlieferungen Putin auch nur im entferntesten bei seiner Aggression „unterstützt“, sprich jeder lehnt diesen Krieg ab, nur m d Unterschied, dass die als „Putinversteher“ verspotteten ihn beenden wollen.
Putin hatte seine Gründe, anzugreifen, was diese Aktion nicht rechtfertigt, aber erklärt. Auch das verstehen Sie nicht.
Und leider auch d Großteil unserer Schlafwandler bei d Obrigkeit.

Peter Saulus | Di, 17. Mai 2022 - 17:12

Der Inhalt trifft den Nagel auf den Kopf. Umfassender kann man das innerhalb ein Artikels nicht beschreiben und wer die letzen 20-30 Jahre das Weltgeschehen mitverfolgt hat, kann ob der Tatenlosigkeit der deutschen Politik nur kopfschüttelnd und resigniert zustimmen.

Norbert Heyer | Di, 17. Mai 2022 - 17:40

Das Putin jetzt aktiv den Krieg mit der Ukraine entfacht hat, ist für den Westen -namentlich USA und GB- ein Gottesgeschenk. Alles, was im Zuge der schon vorher sich abzeichnenden Verwerfungen eintreten wird -Putin ist der Schuldige. Die Amerikaner sehen die einmalige Chance, Russland zu erniedrigen, die EU als starke Wirtschaftsmacht nachhaltig zu schwächen und selbst als unbeteiligter Zuschauer zum Schluss eingreift und die Verhältnisse neu regelt. Dieses miese Geostrategie-Spiel wird drei große Verlierer haben: Die Ukraine, Russland und Deutschland. Einen Krieg zu führen, an dem Deutschland aktiv beteiligt ist, bedeutet für uns eine enorme finanzielle Belastung zum Kriegsende, eine zerstörte Volkswirtschaft, eine gespaltene Gesellschaft, „arm und unglücklich“ zu sein und wieder ganz von vorne anzufangen. Aber darin haben wir ja unsere Erfahrung. Als alles finanzierende Melkkuh fallen wir dann aus und die EU verbrennt auf dem Scheiterhaufen der Geschichte. Hoffentlich kommt es anders

Hans Jürgen Wienroth | Di, 17. Mai 2022 - 17:42

Sanktionen sollten eigentlich dem Sanktionierten und nicht demjenigen schaden, der diese ausspricht.
Ihre Analyse zeigt im Grunde klar auf, was das Ziel der grünen „Lichtgestalten“ Habeck und Baerbock ist: Die Deindustrialisierung Deutschlands bzw. der ganzen EU, um Ihre Klimaziele zu erreichen. Ein Industrieland wird niemals in der Lage sein, seine Energie vollständig aus den hoch subventionierten, sogenannten erneuerbaren Energien Wind und Sonne zu stillen. Das gilt selbst dann, wenn mit viel CO²-Emissionen Wasserstoff aus fernen Ländern herbeigeschafft werden könnte.
Habeck hat es bereits früher gesagt, was er von unserem Land hält und am 2. Mai hat er in Brüssel die Konsequenzen seines Handelns aufgezeigt. Es kann also niemand sagen, er hätte die Folgen nicht wissen können. Sie werden weiterhin gehypt und gewählt.

Christoph Kuhlmann | Di, 17. Mai 2022 - 17:55

Der Kuba - Vergleich hinkt. Es ging um die Stationierung von Atomraketen in einer Zeit als Russland noch keine Interkontinentalraketen hatte. Wo sind die amerikanischen Atomraketen in der Ukraine? Die USA haben die Ukraine sehr schnell mit leichten High Tech Waffen versorgt, wenige Wochen bevor Russland einmarschiert ist. Vier Milliarden Waffenhilfe sind eine geringe Summe bei einem Militärhaushalt von über 800 Milliarden pro Jahr. Das sind Peanuts. Putin möchte Weltmacht auf Augenhöhe mit den USA spielen. Mit dem Einmarsch in die Ukraine hat ein neuer Kalter Krieg begonnen. Niemand im Westen wollte ihn oder hat ihn gefördert. Im Gegenteil. Wenn ihn einer gefördert hat, dann die europäischen Länder mit ihrer einseitigen Abhängigkeit vom russischen Gas. Sie haben diesen Krieg zumindest finanziell ermöglicht. Im Kalten Krieg gibt es Stellvertreter Kriege. Da kann die eine Seite die andere für wenig Geld bluten lassen und das wird bis zur letzten Konsequenz genutzt. Vietnam, Afghanistan.

Maximilian Müller | Di, 17. Mai 2022 - 22:58

In reply to by Christoph Kuhlmann

..beliefern von Europa bis Zentralasien so ziemlich jedes Land mit Waffen und Logistik, das westlich orientiert ist. Sie glauben doch nicht im ernst, dass die USA erst seit dem Beginn des Krieges Waffen und Informationen an die Ukraine liefern, ich bitte sie. Das geht schon seit einem Jahrzehnt so - mindestens. Der Westen hat Russland zudem wirtschaftlich als auch kulturell attackiert. Ich bin wirklich kein Russlandfreund, ich fühle mich allerdings der Wahrheit verbunden. Der Reflex, wegen des Krieges mit dem Finger auf Russland zu zeigen, ist so simpel wie falsch. Wir mögen nicht alle Details kennen, aber ich kann ihnen mit Sicherheit sagen, dass Russland nicht die alleinige Schuld trägt.

Gerhard Lenz | Di, 17. Mai 2022 - 17:58

zu relativieren?

"Dass die Ukraine aufgrund ihrer geostrategischen Lage für die beiden Großmächte USA und Russland von überragender Bedeutung ist....

So what? Bedeutet dass irgendeine Einschränkung der ukrainischen Souveränität?

Bei den Herrschaften Luft/ Kostner liest sich das zuweilen so, als wollten die USA die Ukraine in die NATO drängen, mit dem erklärten und einzigen Ziel, Russland zu schwächen.

Dass es Russland war, dass durch Besetzung der Krim und Zündeln im Donbas eindeutig auf Konfrontationskurs ging, wird nicht entsprechend gewürdigt.

Stattdessen ist die Rede von einer Charta, mittels derer die USA " nicht bereit waren, die russischen geostrategischen und sicherheitspolitischen Interessen zu berücksichtigen."

Interessen, die konkret bedeuteten, fremde Territorien zu besetzen.

Im Übrigen war die Charta, wie jeder nachlesen kann, nicht mehr als eine von der Ukraine gleichfalls unterzeichnete - unverbindliche - Beistandserklärung der USA.

In diesem Artikel wird gar nichts relativiert. Ihre Einwände sind symptomatisch für das Niveau, auf dem in Deutschland über Geopolitik diskutiert wird.
Die Autoren mahnen gleiche Maßstäbe in der Bewertung der Politik der USA und der Russlands an, zudem wird der Sinn einer Politik bestritten, die Europa und vor allem Deutschland in eine Krise führen wird, wie es sie seit dem Zweiten Weltkieg nicht mehr gegeben hat. Deutschland wird wirtschaftlich auf Dauer geschwächt aus diesem Krieg hervorgehen, der von westlicher Seite nur im Interesse der USA geführt wird. Krieg führen, das ist für Biden und die US-Demokraten die Strategie, um konkurrierende Nationen auszuschalten. ""Make America great again" war das Programm von Trump. Die Demokraten setzen es jetzt um - mit Krieg.

... und hatte es auch schon mal gepostet:
Trump redete von "America first" - Biden setzt es um!
Und v.a. die deutsche Regierung macht sich zum Sklaven dieser imperialen Politik, die letztendlich mindestens genauso imperial ist wie die russische... mit dem einen Unterschied: Erstere schädigt momentan v.a. uns! Meine Meinung.

Herr Steiger, er versteht Sie nicht.

"Die Debatte über den Ukraine-Krieg zeigt die Unfähigkeit der deutschen Politik, eigene Interessen zu definieren, die nicht dieselben sind wie die der USA."

Gleiches gilt wohl auch für einige Leser und Kommentatoren im Cicero. Es darf schon als positiv gewertet werden, wenn die Autoren dieses klugen und weitsichtigen Beitrages nicht als Putinversteher markiert werden. Geschichtsvergessenheit und Flachheit sind augenscheinlich Grundvoraussetzung für jeden Furor.

Und einen besonderen Dank an den Cicero, dass Sie die hyperkritische Debatte endlich mit etwas historischer Substanz unterfüttern - und vor allem Vernunft! Das Gezeter der Zeloten, die das Frühlings-Erwachen der Rache an "Vladimir Adolf Putin" angestimmt und herbeigeführt haben, ist ja in allen billigen "Qualitätsgazetten" zu lesen, plärrt aus allen zwangsgebühren-gesäugten Lautsprechern. Dabei ist Ihr Mantra vom "Vladimir Adolf Putin" durchaus eine justiziable Verharmlosung Vladimir Putins, werter Herr Lenz!

So so, Herr Schultheiss. Wollen Sie mich im Namen der russischen Regierung verklagen?

Sie reden von Rache an Herrn Putin? Ist Ihnen eigentlich entgangen, dass er ein Nachbarland überfallen hat?
Wahrscheinlich. Denn, so vermute ich, Sie halten sich ja von "zwangsgebühren-gesäugten Lautsprechern (sic)" fern. Ich vermute mal, Sie bevorzugen Russia Today oder ähnliches als Informationsquelle.

Herr Steiger: Soso, der Krieg in der Ukraine wird also von westlicher Seite nur im Interesse der USA geführt ....um konkurrierende Nationen auszuschalten. Ach so. Jetzt verstehe ich: Nicht Putin, der Westen führt in der Ukraine Krieg.

Unfassbar.

Herr Windisch: Sie finden die Begründung für Putins Vernichtungskrieg mal wieder in der Vergangenheit? Kann man auch erfahren wann und wo? Darf man raten? Als "Vergeltung" für Kuba, den Irak usw usw...

oder in der "Frechheit" der Anrainerstaaten Russlands, über ihre politische Orientierung selbst zu entscheiden?

Joachim Kiess | Di, 17. Mai 2022 - 18:18

Die Autoren vergessen, dass trotz der sicher kritikwürdigen Vorgehensweise der USA bzw. anderer westlicher Staaten im Irak, Libyen, Kosovo, Salomonen etc. die Ukraine ihre Atomwaffen freiwillig abgegeben hat (Budapester Memorandum). Diesen Vertrag bricht Russland gerade eklatant. Und kein Staat (mit halbwegs vernünftig denkenden politischen Führern) wird in Zukunft noch auf Atomwaffen verzichten wollen, wenn Russland obsiegen sollte. Mit völlig unabsehbaren Folgen spätestens um die Mitte des 21. JH. herum.
Der russischen Aggression jetzt einfach freien Lauf zu lassen, um jetzt halt schnell wieder Ruhe (bei uns) zu haben, also entsprechend der üblichen Merkel-Taktik des vergangenen Jahrzehnts, wird sich später um so heftiger rächen.
Da ist es besser, hinter dem US-Atomschild zusammen mit den USA dafür zu sorgen, dass die Ukraine unabhängig und frei bleiben kann.
Sozusagen als Mahnung an alle vorhandenen und künftigen kriegslüsternen Atomwaffen-Besitzer, dass es auch schief gehen kann.

Cornelia Karopka | Di, 17. Mai 2022 - 18:59

für diesen treffenden Artikel. Nun bliebe eigentlich nur noch die Frage, warum die deutsche Politik dazu nicht in der Lage ist. dasselbe gilt für die EU, die nach Nulands “Fuck the EU” eigentlich wissen sollte, dass ihre Interessen keine Rolle spielen.

Hans Schäfer | Di, 17. Mai 2022 - 19:01

Putinversteher an den Pranger gestellt. In mehreren Beiträgen von mir bereits aufgezeigt.

Nur Fehler aus der Vergangenheit, die man herausarbeitet und benennt, helfen Konflikte in der Zukunft zu vermeiden.
Wenn man natürlich wie Forist Falter, Fehle,r die gemacht wurden nur einer Seite zuschreibt, wird daraus nix.
Herr Falter hören Sie sich die Reden P. im BT an.

Mich fasziniert Ihre völlige Unkenntnis über den Umgang mit Russland in den letzten Jahren.

Herr Falter gab es in der Zeit, seit 2000, auch Kriegsverbrechen, Menschenrechtsverletzungen, die nicht von russischer Seite verübt wurden?
Wenn Ja, erwarte ich, dass Sie diese alle benennen. Angeben wer dafür verantwortlich zeichnet und ebenfalls die Handlungen verurteilen. Bei der Auflistung bin ich gerne behilflich.
Dieses ist keine Rechtfertigung für den UK-Krieg.

Gerhard Hellriegel | Di, 17. Mai 2022 - 19:29

Eines ist richtig: geopolitische, geostrategische Interessen, Streben nach Einflusszonen gibt es auf beiden Seiten.
Wenn nur das die Wahl ist, dann weiß ich, auf welcher Seite ich stehe - trotz allem.
Die NATO-Osterweiterung wurde von den betroffenen Ländern gewünscht - einschließlich der Ukraine.
Ein Handlungskonzept "keine Sanktionen, keine militärische Unterstützung" lehne ich ab.
Den Vorwurf "unfähig zur Politik" gebe ich an die Autoren zurück.

auch dadurch entstehen, daß einem etwas schmackhaft gemacht wird, von dem man bisher nicht der Meinung war es zu benötigen. Oder anders: wenn der Köder nur groß genug ist, dann beißt (fast) jeder Fisch an.

Natürlich sind die uns „regierenden“ Politiker unfähig.

Die Politikerkaste der EU/der Mitgliedsstaaten ist vor allem in Sachen Krisenbewältigung und Außenpolitik mehrheitlich vollkommen unfähig. Seit mindestens 20 Jahren vermisse ich klare Linien zu allem was für Europa überlebenswichtig ist – Wohlstandserhalt, Außenpolitik, Steuerung der Migration, Handel, Abhängigkeiten, Schutz der Grenzen/des Territoriums, Kulturerhalt etc.

Es gibt keine Strategie zu den massiven wirtschaftlichen Gefahren die von China ausgehen, keine Strategie zur Abnabelung von den VSA, wir haben auch sonst keine Strategien zur uns umgebenden Außenwelt.

Die Politik in der EU/der Staaten kümmert sich um die kurzfristigen Interessen der Großbanken und der Großindustrie, zum Rest hat sie KEINEN Plan!

Bernhard Marquardt | Di, 17. Mai 2022 - 20:08

Jetzt blieb ihm angesichts der massiven militärischen Bedrohung (vor allem durch Deutschland, Estland und Litauen) letztlich nur noch die Wahl, sich selbst zu umzubringen oder eben dann doch lieber die Ukrainer.
Fehlt nur noch der Hinweis auf Putins schwierige Kindheit und seine Ängste in der Pubertät.
Er kann einem aber auch wirklich leid tun.
Was soll man sagen:
Eine zum x-ten Mal aufgewärmte Argumentation, die flüssig vorgetragen, ja flüssiger als Wasser daherkommt, gleichsam überflüssig.

Markus Michaelis | Di, 17. Mai 2022 - 20:26

die meisten kann ich nachvollziehen. Dazu kommt für mich noch: für China, Indien, die "arabische Welt" und viele andere liegt ein "Ausschalten" Russlands nicht in ihrem Interesse, weil der Westen zu stark würde - wir hätten dann alle gegen uns.

Das heißt für mich, dass in jedem Fall eine Lösung herbeizuführen ist, die auch bestimmte Interessen Russlands berücksichtig und glaubhaft bestimmte Linien nicht überschreitet.

Es gibt aber auch viele andere Argumente, die ich viel stärker gewichten würde, als im Artikel anklingt. Es reicht nicht zu sagen, was der Westen falsch macht - das entschuldigt nicht das russische Vorgehen. Ich würde auch nicht alles als "rationale" geostrategische Interessen interpretieren. Putin (+Umfeld) geht es denke ich auch um tiefe Gefühle, Gerechtigkeit - die in seinen Augen eben anders aussieht. Blair sagte in seinen Memoiren, dass Putin ihm sagte, dass eine Vereinbarung nichts tauge, die nicht mit Gewalt erreicht wurde. Alles Gründe Putin erstmal zu stoppen.

Urban Will | Di, 17. Mai 2022 - 20:53

Und man kann sich nur wundern, wie einfach das doch alles gelaufen ist aus Sicht der USA.
Weder in Washington, aber auch nicht in Moskau hat man mit einem solchen Ausmaß an Infantilität in der europäischen Politik rechnen können.
Das Geschwafel der „ewigen“ Ausgrenzung Russlands wurde im Artikel ja schon beschrieben. Man denke sich nur, solche Kindsköpfe hätten in Europa und Amerika vor und nach '45 regiert...
Jetzt verfolgt man den „Morgenthau – Plan“ für Russland und Europa tanzt im Takt zu Sam's Melodie.
Man wird im durch und durch einseitig beeinflussten Mainstream, sei es in D oder anderswo natürlich nicht die Spur von Verständnis für die Ursachen dieses Krieges finden. Gewaschene Gehirne können nicht unterscheiden zwischen Erklärung und Billigung.
Putin wird gar keine andere Wahl haben, als das Gemetzel weiter zu führen und Gespräche abzulehnen, denn längst ist Sam's Order an seine Marionetten klar: kämpfen bis zum Endsieg, sprich Rückzug R's aus der gesamten Ukr. (inkl. Krim).

Hans Süßenguth-Großmann | Di, 17. Mai 2022 - 21:13

Es ist mir völlig unverständlich, dass die Energiepolitik der letzten Jahre, einschließlich "Gas Gerd" ein derartiger Sündenfall gewesen sein soll, der nur zu sühnen ist, wenn wir das letzte Hemd für die Ukraine geben werden.
Für die Energieversorgung Deutschlands sind russischen Pipelines wichtig und nicht zu ersetzten und das wird nicht von der deutschen Regierung klar und deutlich kommuniziert.
Der einzige in Europa der dies klar sieht ist Viktor Orban und der soll jetzt auch durch UvdL speziell behandelt werden.

Hans Schäfer | Mi, 18. Mai 2022 - 09:53

In reply to by Hans Süßenguth…

Handelsbez sind in der Regel vertrauensfördernd. Die Verträge über die Gaslieferungen aus Russland gab es schon lange vor dem Krieg. Sie wurden vertragsgemäß von beiden Seiten zuverläßlich abgewickelt. Wegen fehlender Ressourcen, nicht nur im Energiebereich, werden wir immer von Lieferanten abhängig sein.
Nordstream 2 ist nur ein Vorwand für ein Druckmittel. Man wollte Krieg, man hat Krieg bekommen. Ob das Ziel, Russland auf den Stand einer Regionalmacht zu bringen, bezweifle nicht nur ich.
Dieser Schuss geht für die deutsche Bevölkerung nach hinten los. Nicht alle werden einverstanden sein, für die UK zu frieren.

David Ludwig | Di, 17. Mai 2022 - 22:06

Wird Deutschland und Europa nicht davon profitieren wenn Russland eine neue Regierung bekommt die andere sorgen hat als AFD & co. zu finanzieren?

Überhaupt warum akzeptieren wir Russland als „Großmacht“ und tun so als ob wir (Europa) keine Großmacht sein können? Was sind denn Europas Interessen jenseits gut Freund zu putin zu sein weil wir Angst vor seinen Atombomben haben?

Und warum übergeht der Autor Krim, Syrien und Jahre antiwestlicher Propaganda und Trollfabriken?

Mit den USA zu stehen macht Sinn nicht weil die USA so toll sind sondern weil Siegmund Vergleich mit Putin und Xi alternativlos sind. Wer will in Russland oder China leben? Solange das so ist können sich die Russland Freunde die Finger wund schreiben, es ändert nichts daran dass sie value proposition der USA besser ist.

Dorothee Sehrt-Irrek | Di, 17. Mai 2022 - 22:16

weissmachen, dass die USA von, überspitzt, galoppierendem Wahnsinn befallen wären?
Darüber muss ich erst einmal nachdenken.

heute sagen,
von den Wikingern und Germanen über "Ob la di ob la da" (Beatles) zur EU, von den Goldenen Horden über BTS zu mal schauen, von den Eine-Weltmacht-Gebaren über den American way of life (Coca Cola) zu ???, "Wunder gibt es immer wieder, heute oder morgen können sie geschehen" (Katja Ebstein)
Stehen wir das bitte gemeinsam durch.
Freundlichst

Die USA verfolgen weltweit geopolitische Interessen. Auch China und Russland tun dies. Diese Interessen sind real und werden im Beitrag der Autoren auch rational benannt und mit Fakten unterlegt.

Westeuropa ist aktuell zu Recht tief empört handelt aber in Teilen irrational. Gemäßigte Kräfte haben es augenblicklich schwer mit ihren Argumenten durchzudringen. Die Frage „ Cui bono? (Wem zum Guten), übrigens erstmalig von Marcus Tullius Cicero 80 v. Chr. genutzt, führt meistens zu richtigen Ergebnissen.

Die Vereinfacher, die lediglich „den Schlächter im Kreml“ als Erklärung für alles Böse in dieser Welt anzubieten wissen schäumen. Furor aber ist nicht interessengeleitet, sondern gefährlich und dumm.

Wer hoch emotionalisiert ein Auto kauft macht eher ein schlechtes Geschäft als jener, der finanzgesteuert seine Ziele verfolgt.

Sicher, die Ukraine ist in einer dramatischen Notwehrsituation! Wir helfen den UKRAINERN aber nicht in dem wir uns selbst entleiben. Herzliche Grüße!

Ingo Frank | Di, 17. Mai 2022 - 22:21

Wen wundert das ernsthaft. Für Onkel Sam kann der Krieg nicht lang genug dauern. Zum einen frohlockt die gesamte (Waffen-) Industrie deren Gewinne rasant steigen und es bringt und behält gute Jobs. Andererseits fällt wie bei allen Kriegen seid dem Bürgerkrieg , auf die USA keine einzige Kanonenkugel. Und im derzeitigen Krieg, fällt kein einziger amerikanischer Soldat.
Ein Schelm der dabei Böses denkt. Und als Nebeneffekt eine erweiterte NATO u. damit verbundene weltweite Aufrüstung
Also warum sollte die USA Interesse haben den Krieg zu beenden.
Mit freundlichen Gruß aus der Erfurter Republik

Maximilian Müller | Di, 17. Mai 2022 - 22:34

wie ich heute früh als Kommentar eines anderen Artikels. Es ist so offensichtlich, dass die USA diesen Krieg aus Eigeninteresse vorantreibt und Europa inklusive Deutschland als willige Erfüllungsgehilfen missbraucht, dass ich mich über jeden ärgere, der etwas anderes behauptet. Unsere Medien sind - mal wieder - eifrig dabei, Meinung gegen jeden zu machen, der das Mainstreamnarrativ anzweifelt, während sie munter ukrainische Propaganda verbreiten und uns den Nato-Beitritt Schwedens und Finnlands schmackhaft machen. Man darf ruhigen Gewissens sagen, dass dieses mediale Framing aus ideologischem Eigeninteresse geschieht und nicht etwa, weil man plötzlich seine Liebe zur Ukraine und ihren Menschen entdeckt hat. Es gibt erstaunlicherweise konservative Bürger, die nach 2 Jahren Corona-Framing und all den anderen Framings davor immer noch nicht begriffen haben, wie bei uns der Hase läuft. Ein bizarres, immer gleiches Schauspiel, über das ich lachen würde, wäre ich nicht involviert.

Diana Weisheit | Di, 17. Mai 2022 - 22:45

Herr Luft, Frau Dr. Kostner,
Sie schreiben:"Um russisches Gas zu ersetzen, wären 375 Tankerlieferungen pro Jahr notwendig."
Sicher? Nur? Das ist etwa ein Tanker pro Tag. Könnte es sich nicht eher um 375 pro Tag handeln?

... Frau Weisheit, da hat sich jemand um ZehnerPotenzen vertan!
Nordstream 1 liefert rund 59 Milliarden Kubikmeter pro Jahr.
Die größten Flüssiggastanker transportieren 147.000 Kubikmeter.
Es sind also rd. 400.000 Tankerladungen nötig um diese Menge zu transportieren, umgerechnet müssen täglich ca. 1100 Tanker an den Terminals anlanden und entladen werden.
Das reine Entladen eines LNG-Tankers dauert ca. 11 Stunden.
Mit Nebenzeiten für die Manöver anlegen, anschließen und abkoppeln , ablegen usw. kann man ca. 1,5 Tankschiffe pro Anleger täglich nutzen.
Deutschland braucht also ca. 700 Terminals für Flüssiggastanker

Weltweit gibt es derzeit 470 LNG-Tankschiffe!
Wenn man ehrlich ist, dann ist das ein hoffnungsloses Unterfangen und funktioniert nur in Bullerbü im Tuka-Tuka Land der Grünen Spinner.

René Maçon | Di, 17. Mai 2022 - 23:57

Bei aller Kritik, die man am politischen System der USA üben kann, es handelt sich doch um einen demokratischen Rechtsstaat, der auf ähnlichen Werten aufbaut, wie unsere Verfassung.

Russland hat sich unter Putin in eine Autokratie entwickelt, in der grundlegende Menschenrechte nicht gewährleistet werden. Putin und seine Gefolgsleute bereichern sich auf parasitäre Weise am Reichtum des Landes, der eigentlich dem Volk gehört.

Kann man die Interessen einer "Großmacht", die auf einem derart desaströsen moralischem Fundament steht, mit denen der USA und der anderen Mitgliedsstaaten der NATO gleichsetzen?

Warum hat sich Russland nicht ganz einfach in die Weltwirtschaft integriert, so wie andere große Länder (etwa Kanada) auch?

Warum musste es sich die Krim einverleiben und Krankenhäuser und Theater ausbomben, in denen Kinder und Frauen Zuflucht gesucht haben?

Welches Land überfällt Putin als nächstes, wenn wir der demokratisch gewählten Regierung der Ukraine nicht helfen?

Hans Golombek | Mi, 18. Mai 2022 - 02:03

Die einzige Unfähigkeit, die ich hier erkenne, ist die Unfähigkeit der beiden Autoren, die Realität richtig zu analysieren. Die gegenwärtige Bundesregierung hat unter dem Schock des russischen Angriffskriegs sehr wohl erkannt, wo die deutschen Interessen liegen, nämlich darin, gemeinsam mit den anderen europäischen Völkern endlich einem gefährlichen Diktator entgegen zu treten und militärisch aufzurüsten, sich aus dessen energiepolitischer Umarmung zu lösen und eine europäische Nation in ihrem Freiheitskampf gegen diesen Diktator zu unterstützen. Dass eine Historikerin nicht in der Lage ist, die Parallelen zwischen Putin und Hitler und zur Situation von 1938 zu sehen, verwundert mich doch sehr. Entgegen der Meinung von Luft und Kostner sind die Ukrainer offensichtlich gar nicht die willenlosen Marionetten der US-Geopolitik, sondern ganz einfach eine Nation, die unabhängig existieren will und die uns jetzt vorführt, wie man sich verteidigen muss und auch kann.

Deutschland vertrat damals eine Lebensraum-Ideologie nebst "Herrenrasse-Wahn", woraus man territoriales Anspruchsdenken gen Osten begründete. Solche Motive treiben Putin nicht an. Er versucht derzeit, die Hegemonie des Westens (v.a. der USA) militärisch herauszufordern. Die Ukraine hat dabei eine Schlüsselrolle. Putin folgt hier eigentlich der Geostrategie der USA, die an der Ukraine eine Möglichkeit festgemacht hat, zu verhindern, dass Russland jemals wieder eine Weltmacht wird (nachzulesen bereits bei Zbigniew Brzeziński,
ehemaliger Nationaler Sicherheitsberater der Vereinigten Staaten). Nachdem der geostrategische Plan der USA, die Westbindung der Ukraine zu unterstützen, spätestens mit dem ukr. Umsturz von 2014 Gestalt annahm, nahm gleichzeitig die Instabilität der Ostukraine zu, woraufhin Russland seine Einmischung in der Region mit den bekannten Folgen erhöhte. Die Ukraine muss man sicher nicht "Marionette" der USA nennen, aber die Einflussnahme der USA ist Teil der Ereignisse.

Sie sollten sich mal mit der Sudetenkrise, dem Münchner Abkommen und der "Zerschlagung der Resttschechei" beschäftigen, dann würden Sie ganz deutlich die Parallelen erkennen. Es ging Hitler dabei nicht um "Herren-Ideologie'", sondern um die "Heimholung ins Reich" von entweder deutschsprachigen Territorien oder historischen Reichsgebieten. Das ist fast schon identisch mit dem, was Putin an Geschichtsvorträgen über die Ukraine von sich gegeben hat.

C. Jahn | Mi, 18. Mai 2022 - 16:31

In reply to by Hans Golombek

Es ging nicht nur um "Heimholungen" ins Reich, auch wenn das ein Argumentationsmuster für manche Vorgänge war (was niemand bestreitet). Es ging dem dritten Reich darüber hinaus um eine expansive Weltreichsphantasie. Inspiration für die Ideologie der Nationalsozialisten liegen bei einigen Urvätern der Geopolitik, zum Beispiel Friedrich Ratzel, auf den auch die Lebensraum-Ideologie fußt. Dass wir in Deutschland eigentlich bis heute ein gebrochenes Verhältnis zum Begriff der Geopolitik haben, liegt mitunter an dem "problematischen Erbe" dieser Vordenker.

Ernst-Günther Konrad | Mi, 18. Mai 2022 - 08:28

Den beiden Autoren sei Dank gesagt, dass Sie bereit waren, eine umfassendere Facette der Problematik darzustellen, der ich mich gerne anschließen möchte. So einfach, wie es sich manche machen, den Krieg in der Ukraine nur auf den Einmarsch/Überfall der Ukraine zu beschränken - Putin hat Schuld - ist es eben nicht. Nur sind derzeit die Emotionen so hochgekocht, dass kaum jemand die Zusammenhänge, Hintergründe und vor allem das Versagen deutscher Außenpolitik und der EU sehen und schon gar nicht darüber reden will. Dies merkt man leider auch an einigen Beiträgen hier im Forum. Weniger Emotion und mehr Sachverstand und Nachdenken wäre angebracht.

Albert Schultheis | Mi, 18. Mai 2022 - 08:35

Wie dumm sind eigentlich diese Bidens, Clintons, Obamas und Nulands? Triumphieren weil sie es endlich mit Hilfe der Kiewer Ultra-Nationalisten geschafft haben, Deutschland, vor allem, der EU und Russland zu zeigen, wo der Hammer hängt. "Fuck the EU!" Endlich scheint die alte Rechnung des Kalten Krieges aufzugehen: wir haben die Russkis in der dunklen Ecke und diesmal werden sie uns nicht entkommen! - Während Chinas XI sich vergnüglich zurücklehnt und abwartet. Lass die nur sich die Köpfe einschlagen mitsamt dem ganzen Porzellan. Danach wird Europa ge-fucked sein und Russland wird uns wie ein reifer Apfel in den Schoß fallen. Dann knöpfen wir uns endlich die Amis vor. Nix mit US-Geostrategie für Eurasien. - Hätten Obama und Biden Hirn im Kopf, hätten sie den deutschen Weg der Vernunft des Wandel durch Handel unterstützt, statt ihn zu boykottieren. Putin wollte das, als er 2000 im Bundestag sprach. Gorbatschow wollte das. Nur die bigotten Amis haben nichts begriffen in ihrem stup. Hass.

C. Jahn | Mi, 18. Mai 2022 - 08:42

Was für ein ausgezeichneter Artikel, für den ich den Autoren vielmals danke. Man sollte ihn mit Flugzeugen über dem Berliner Regierungsviertel abwerfen, denn derartige Betrachtungen in der deutschen Politik scheinen gar nicht mehr stattzufinden. Die Bürger sind mehrheitlich (mal wieder) vollends auf Linie mit einem Kurs, ohne sich dessen möglicher Konsequenzen ins Bild zu setzen.

Bernd Windisch | Mi, 18. Mai 2022 - 09:35

das Sie die Veränderunge zwischen 1940 und heute nicht wahrnehmen wollen verwundert mich nicht. Mit dem Zorn des gerechten bleiben einem rationale Lösungswege leider verschlossen. Ihr Pech.

René Maçon | Mi, 18. Mai 2022 - 10:02

Letztlich leidet der Standpunkt von Sandra Kostner und Stefan Luft an zwei Widersprüchen: (1) Zunächst verurteilen sie den russischen Überfall der Ukraine als völkerrechtswidrig um dann aber die USA als Mitverursacher in die Schuld zu nehmen. (2) Dann verlassen sie aber die Ebene der Moralargumentation und kalkulieren rein realpolitisch die deutschen Wohlstandskosten, die aus den Sanktionen Russlands resultieren, um die deutsche Politik als „politikunfähig“ zu deklarieren.

Klar, jeder hat das Recht seine Meinung zu vertreten und es ist gut, dass solch ein Artikel veröffentlicht wird. Allerdings finde ich logisch konsistente Argumentationsgänge überzeugender.

Reinhard Oldemeier | Mi, 18. Mai 2022 - 11:24

Fakt ist Putin hat den Krieg angefangen und wird Ihn auch beenden müssen. Der russische Standpunkte ist bekannt und wird sich auch nicht ändern.
Die Europäer haben klar gestellt, eine russische Vorherrschaft wird nicht gewünscht. Die Ukrainsche Souvernität ist das Ziel. Die Nato als Institution hat sich nie an einem Krieg beteiligt. Russlands Ängste sind vorgeschoben. Die Angst vor der Bedeutungslosigkeit ist real.
In dem Artikel wird gesagt ohne Rußland würde die Wirtschaft zusammenbrechen. Das ist ein verzagter mutloser Ansatz, denn die Exporte sanken seit 2015 um 29,5%. Der Handelsumsatzes liegt bei 1,9% aller Exporte. Der Ansatz auf Gas und Öl zu verzichten ist umwelttechnisch richtig. Auf lange Sicht auf ökologische Ernergieträger zu setzen ist eher stablisierend, denn man macht sich weniger abhängig.
Wir werden weiter mit Russland leben müssen, aber nur in gegenseitigem Respekt.