Eine türkische Flagge weht vor einer Statue des Republikgründers Atatürk / dpa

Kulturkampf am Bosporus - Wer hat die Deutungshoheit über die türkische Kultur?

Sowohl in der Türkei als auch unter Auslandstürken stehen sich heute zwei Lager gegenüber: Man ist entweder Pro-Erdogan oder Anti-Erdogan. Doch das unterschiedliche Wahlverhalten ist nur ein Aspekt eines Kulturkampfes, dessen Risse sehr viel tiefer gehen.

Autoreninfo

Ilgin Seren Evisen schreibt als freiberufliche Journalistin über die politischen Entwicklungen in der Türkei und im Nahen Osten sowie über tagesaktuelle Politik in Deutschland. 

So erreichen Sie Ilgin Seren Evisen:

Autoreninfo

Navid Linnemann lebt seit acht Jahren am Bosporus und beobachtet und kommentiert das politische Geschehen im Land mit wissenschaftlichem, journalistischem und literarischem Interesse.

So erreichen Sie Navid Linnemann:

Sind wir Asiaten oder Europäer? Gehört die Türkei zum Orient oder Okzident? Gehören wir zur muslimischen Welt oder zur türkischen? Der Diskurs über die Kollektividentität der Bevölkerung bestimmt seit der Gründung der türkischen Republik vor 100 Jahren den kulturellen, literarischen, künstlerischen sowie soziopolitischen Diskurs der Türkei.

Kaum ein türkischer Autor hat den „Ost-West-Konflikt“ literarisch derart ausgiebig behandelt wie Peyami Safa (1899-1961). In seinem Roman „Fatih-Harbiye“ („Zwischen Ost und West“) muss sich eine junge Frau zwischen zwei um sie buhlenden Männer aus gegensätzlichen Istanbuler Stadtteilen entscheiden. 

Cicero Plus weiterlesen

  • Monatsabo
    0,00 €
    Das Abo kann jederzeit mit einer Frist von 7 Tagen zum Ende des Bezugzeitraums gekündigt werden. Der erste Monat ist gratis, danach 9,80€/Monat. Service und FAQs
    Alle Artikel und das E-Paper lesen
    • 4 Wochen gratis
    • danach 9,80 €
    • E-Paper, App
    • alle Plus-Inhalte
    • mtl. kündbar

Bei älteren Beiträgen wie diesem wird die Kommentarfunktion automatisch geschlossen. Wir bedanken uns für Ihr Verständnis.

Christoph Kuhlmann | So., 16. Juli 2023 - 18:23

Die Konflikte, die von Migrationscommunities auf deutschem Boden ausgetragen werden, nehmen langsam überhand. In Bezug auf die Türkei sind es Kurden, Kemalisten und Modernisten versus Erdogan. Es gibt dutzende solcher Communities. Deutschland wird langsam zu einer Schule für Demokratie und die Polizei ist schon ganz genervt.

Markus Michaelis | Mo., 17. Juli 2023 - 02:59

scheint mir weniger glaubhaft. Zum Einen ist die Partei, die nicht an der Macht ist, oft demokratischer oder basis-demokratischer ausgerichtet. An der Regierung setzt man lieber auf Institutionen. Das hat aber oft weniger mit grundsätzlichen Einstellungen zu tun.

Ohnehin ist Demokratie für sich nur begrenzt ein eigener Wert. Demokratie ist ein Vehikel, um Gruppen mit verschiedenen Werten zusammenleben zu lassen - und funktioniert möglicherweise nur, wenn die Werte nicht zu verschieden sind.

Das Wesen der Demokratie ist, dass auch die anderen gewinnen können. Die Werte der Menschen sind aber (Stand heute) viel gegensätzlicher und schließen sich vielfältig gegenseitig kategorisch aus.

Von der türkischen Gesellschaft verstehe ich wenig, aber ich nehme an, auch da sind die jeweiligen Lager ein Sammelsurium von Themen, die jeweils Leuten wichtig sind und halbwegs miteinander verträglich.

Ernst-Günther Konrad | Mo., 17. Juli 2023 - 08:23

Gespaltene Völker aus welchen historischen Hintergründen auch immer. Ein Vielvölkerstaat will alle unter einen Hut bringen. Das scheitert dort genauso wie bei uns. Und Religionen egal welche, sie haben doch immer auch zu Kriegen geführt und versucht Einfluss auf die Gesellschaften zu nehmen. Solange sich die Menschen selbst nicht ändern und das kann nur jeder für sich allein tun, solange Macht, Geld, Gier und Dunkelheit im Geist herrscht, wird d sich da auch nichts ändern. Und nein, auch wenn der Eindruck gerne erweckt wird. Deutschland ist nicht der ersehnte Weltenretter und wird auch nicht die türkische Politik "retten" können. Nur die Menschen selbst, jeder in seinem eigenen Rahmen kann etwas tun. Das einzige was Deutschland wirklich gut kann ist für alles bezahlen und sich schuldig zu fühlen. Aber da macht ja ein Teil der Bevölkerung auch mit. Und überhaupt. Was sollen wir uns noch groß bemühen, die Welt geht ja ohnehin am Klimawandel unter.