Gerald Knaus - „Demokratie mit offenen Grenzen geht nicht“

Gerald Knaus gilt als Vordenker des Flüchtlingspakts mit der Türkei. Dafür wird er von links wie rechts angegriffen. Im Interview mit der „FAZ“ erläutert er, warum Empathie nicht hilft, wenn daraus nicht konkrete Politik wird

Flüchtlinge im Mittelmeer
Flüchtlinge im Mittelmeer / picture alliance

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Christoph Schwennicke ist Chefredakteur des Magazins Cicero.

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Gerald Knaus gilt als der Vater des Flüchtlingsdeals mit der Türkei. Er ist dafür von Rechten wie Linken angefeindet worden. So behaupten die einen, er sei ein von George Soros bezahlter Agent. Die anderen sagen, er profitiere von der Krise und wolle die Festung Europa ausbauen. Kanus spricht darüber in diesem ausführlichen und unaufgeregten Interview mit der FAZ . Er erläutert außerdem, was Deutschland von den Niederlanden lernen kann, warum offene Grenzen und eine stabile Demokratie unvereinbar sind und weshalb Schweden ein mahnendes Beispiel ist.

 

Dorothee Sehrt-Irrek | Fr, 27. April 2018 - 15:37

Interview gelesen habe, gehe ich fast davon aus, dass auch zur künftigen Super-EU die angesagten Regierungen, die gerade vorgeben dürfen, schon Pläne bei Thinktanks gefunden haben, die jetzt zirkulieren und abgestimmt werden, um dann überraschend auf EU-Sitzungen aufzutauchen und beschlossen zu werden.
Hinterher will es dann niemand gewesen sein, aber eine Frage hätte ich doch, wird künftige Politik so aussehen?
Dann brauchen die Bevölkerungen eigentlich nichts mehr zutun, als sich überraschen zu lassen.
Große Fete im Kindergarten?
Ich habe wirklich an so etwas wie die parlamentarische Demokratie geglaubt.
Als Idee finde ich sie auch nach wie vor umwerfend und würde an ihr festhalten wollen.
Die andere Frage lautet, worüber hat sich eigentlich der Cicero aufgeregt?
Nur vergessen, bei Herrn Knaus rechtzeitig nachzufragen?

Gerhard Hellriegel | Fr, 27. April 2018 - 16:39

Da bejubelten welche die Willkommenskultur, schmückten sich mit weltoffen, hilfsbereit.
Dann wird die Balkanstrecke blockiert: stille Dankbarkeit. Da beklagen sie die Toten im Mittelmeer, verdammen die Schlepper, kommen aber nicht auf die mit Händen zu greifende Lösung: täglicher Schiffsverkehr. Als da welche von der Festung Europa redeten, da prasselten die Moralkeulen nur so auf sie nieder. Nicht mehr mein Land! Und dann verwirklicht die BR federführend genau das - Libyen ist derzeit noch unbotmäßig, wird schon. Und dann hat diese BR auch noch die Frechheit, dies Bekämpfung von Fluchtursachen zu nennen. Ja, dann galt das aber auch für die Berliner Mauer? Denn die BR versteht darunter Verträge mit den Herkunfts- und Transitländern. Damit werden Grenzen blockiert, die Geflüchteten bekämpft, eingesperrt, zurückgeschickt, abgeschoben, erschossen. Haben nun die beteiligten Medien, dieser Teil der Bevölkerung gegen all dies lauthals protestiert? Niente. So schnell entlarvte Heuchelei.

Für vergleichbare Ausführungen hat man mich einst bei ZON gesperrt.
Für mich ein Ausdruck der Hilflosigkeit.

Tobi Werlander | Fr, 27. April 2018 - 17:16

Es gibt mdst. 3 Arten schneller humanitärer Hilfe, sortiert nach Moral (besonders hoch zuerst):
1) möglichst ortsnah (sichere Gebiete finden sich immer)
2) begrenzte Kontingente ins Aufnahmeland einfliegen
3) Migration (die Stärksten schaffen es)
Punkt 3 ist praktisch ersetzbar durch die anderen.

Ortsnahe Hilfe ist am gerechtesten, weil es allen hilft und die Eigenverantwortung fördert. Diese Hilfe ist mit Geld unbegrenzt skalierbar. Das wäre auch im Herbst 2015 organisierbar gewesen. Schnelle Zeltstädte, sogar mit Luxus ohne Ende.

Man kann also moralischer sein wenn man gegen ungest. Migration ist, wenn man eindeutige Signale in die Welt sendet (z.B. mit Grenzanlagen): wir wollen keine unaufgeforderte Migration, sondern wir helfen mit besseren Methoden.

Die Linken jedoch wollen immer die ungesteuerte Migration, mit dem Hinweis "aus human. Gründen sind wir natürlich verpflichtet, alles andere wäre unmenschlich". Sie profitieren von der Naivität.

Wolfram Fischer | Di, 1. Mai 2018 - 06:46

Man kann offene Grenzen oder Demokratie haben. Und: Man kann einen Sozialstaat haben, und man kann offene Grenzen haben... aber NICHT beides gleichzeitig! Das ist es, was der so selbstgerecht "hochmoralische" Teil unserer Gesellschaft einfach nicht kapiert!
Wir als 80-Millionen-Nation wollen die Rettung sein für Milliarden von Menschen, die tatsächlich im besten Fall in problematischen, im schlechtereren Fall in elenden Verhältnissen leben? Das ist schlicht naiv.
Ich verstehe natürlich jeden, der versucht, hier ein besseres Leben haben zu wollen... aber ich weigere mich, es gutzuheissen, jeden davon aus humanitären Gründen aufnehmen. Der Preis ist mir zu eindeutig hoch: Demokratiezersetzung durch importierte grundgesetzwidrige Gesellschafts-Normen wie Kinderehe, Entrechtung von Frauen, muslimischer Antisemitismus, Aufruf zum Mord an Ungläubigen... (ja... mal im Koran lesen, und als Demokrat und Humanist es wird einem schlecht...). Das alles ist inakzeptabel!