Neun Jahre Haft wegen Verstoßes gegen das russische Betäubungsmittelgesetz: US-Basketballerin Brittney Griner / dpa

Ex-BNDler über möglichen Gefangenenaustausch - „Die Russen versuchen, Gesprächsformate zu erzwingen“

Nach der Verurteilung einer US-Basketballspielerin in Russland verhandeln Moskau und Washington über einen Gefangenenaustausch. Auch Deutschland ist betroffen – denn der „Tiergarten-Mörder“ Wadim Krassikow steht auf der Transferliste. Im Interview erklärt Gerhard Conrad, Islamwissenschaftler und langjähriger Mitarbeiter des Bundesnachrichtendienstes, welche Folgen daraus für die deutsche Bundesregierung entstehen könnten.

Autoreninfo

Marie Illner ist freie Journalistin. 

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Gerhard Conrad ist Islamwissenschaftler und war hochrangiger Mitarbeiter des Bundesnachrichtendienstes. Über zehn Jahre hinweg war er als Vermittler in Geheimverhandlungen zu Geiselbefreiungen im Nahen Osten involviert. 

Herr Conrad, nach der Verurteilung der US-Basketballerin Brittney Griner zu neun Jahren Haft in Russland, hat der russische Außenminister Sergej Lawrow einen möglichen Gefangenenaustausch mit den USA angedeutet. Dabei haben die Russen unter anderem den Waffenhändler Viktor But auf die Transferliste gesetzt. Warum gerade ihn? 

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Joachim Kopic | Mi, 10. August 2022 - 13:46

Keine!
Halt, vielleicht gibt es doch eine, die selbstlos lieber verschenkt als einen fairen Deal macht: Unsere eigene und das seit Jahrzehnten - zum Wohle von "Europa" usw.
Aber das kriegen wir alles wieder zurück ... wenn es richtig kalt wird, oder? ;)

Hätten Sie vielleicht ein Beispiel für einen vergleichbaren Fall? Hat eine deutsche, britische, französische, schwedische (….) oder amerikanische Regierung mal eine/-n russischen Profisportler/-in wegen ein paar Gramm Cannabisöl o. Ä. festgenommen, zu neun Jahren Haft verurteilt - und dann einen Austausch mit einem verurteilten Auftragsmörder und einem Waffenhändler vorgeschlagen?

Freue mich auf Ihre Antwort. :-)

Es geht nicht um „ungerechte Haftstrafen“, sondern um ungerechte Haftstrafen und im konkreten Fall: verbunden mit dem „Angebot“, eine wegen ein paar Gramm Cannabisöl zu neun Jahren Haft verurteilte Profisportlerin gegen einen verurteilten Auftragsmörder und einen Waffenhändler AUSZUTAUSCHEN1.

Hätten Sie da einen vergleichbaren Fall aus einem westlichen Staat?

Christoph Kuhlmann | Mi, 10. August 2022 - 15:55

Diktaturen und Autokratien begeben. Da reicht ein Autounfall und man verschwindet für Jahre ohne Chance auf ein faires Verfahren. Wozu?

Gunther Freiherr von Künsberg | Do, 11. August 2022 - 13:54

Russland lässt den Tiergartenmörder als wichtigen Geheimnisträger ausreisen, was schon dafürspricht, dass er im Ausland eine Auftrag zu erfüllen hat, und was für dessen Geheimdiensttätigkeit spricht. Jetzt versucht der russische Staat diesen Mörder durch Austausch mit ausländischen zu Unrecht Verurteilten frei zu pressen. Ein weiteres Indiz dafür, dass der Tiergartenmörder im Auftrag des russischen Staats gehandelt hat.
Das führt aber zu einem weiteren Problem, nämlich der Unabhängigkeit der Justiz in Deutschland, die im Gegensatz zur russischen Justiz gerade nicht weisungsgebunden ist. Keine Regierung darf der Justiz, die für die Freilassung des Tiergartenmörders zuständig wäre, Weisungen erteilen, z.B. die diesen zu lebenslanger Haft verurteilten Mörder freizulassen.