Asien statt Europa - Wie sich die Türkei neue Freunde sucht

Nicht erst seit der jüngsten Drohung des türkischen Außenministers – Flüchtlingsdeal nur gegen baldige Visafreiheit – kriselt es zwischen der EU und der Türkei. Ankara hat sich außenpolitisch längst umorientiert

Der türkische Präsident Erdogan und Syriens Machthaber Assad im Februar 2011
Der türkische Präsident Erdogan und Syriens Machthaber Assad im Februar 2011 / picture alliance

Autoreninfo

Ramon Schack ist Journalist und Buchautor mit Sitz in Berlin. Zuletzt erschienen seine Bücher „Neukölln ist nirgendwo“ und „Begegnungen mit Peter Scholl-Latour“.

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Zunächst ein kurzer historischer Abriss: Nach dem Zweiten Weltkrieg, vor allem mit dem Nato-Beitritt der Türkei 1952, vollzog sich eine vorsichtige Anpassung Ankaras an die demokratischen Gepflogenheiten des Westens. Die mächtige Armeeführung hingegen beobachtete die zunehmende Liberalisierung des Landes, darunter auch das Wiedererstarken der Religion, welche unter Atatürk als Machtfaktor ausgeschaltet worden war, misstrauisch.

Die hohe Generalität holte schließlich zum Putsch gegen den damaligen Ministerpräsidenten Menderes aus, ließ diesen sogar hinrichten, als seine Politik auf Konfrontationskurs mit den laizistischen Vorstellungen geriet. Es sollte nicht das letzte Mal sein, dass die Armee putschte. Dies war Ausdruck der Spannungen zwischen einer sich formierenden Zivilgesellschaft, die vielfältige und auch widersprüchliche Facetten entfaltete, und den Gralshütern einer staatlichen Ordnung, deren Garant die Armee war.

Beistand für Erdogan aus der EU

Der Antrag auf Vollmitgliedschaft in der Europäischen Union, damals noch EG genannt, verstärkte den Druck, den europäischen Vorstellungen von Meinungsfreiheit, parlamentarischer Kontrolle und Rechtsstaatlichkeit nachzukommen. Die überaus mächtige Position des Militärs stieß bei den Vertretern der EU auf Ablehnung, wurde sogar als Stolperstein auf dem Weg in die EU interpretiert.

Es konnte nicht ausbleiben, dass ein Politiker vom Schlage Erdogans in eine offene Konfrontation mit der allmächtigen Generalität der türkischen Armee und ihrer auf kemalistischen Laizismus eingeschworenen Staatsdoktrin gerät. Als es darum ging, den Einfluss der Armee zu beschränken, unterstützten die europäischen Befürworter des EU-Beitritts ihn damals fleißig.

Die EU verliert für Ankara ihren Reiz

Mit der Entmachtung der Generäle wird nun jedoch die letzte Hürde auf dem Weg in eine Islamische Republik beseitigt. Nach dem gescheiterten Putsch, wer und was auch immer dahinter stecken mag, wird der innenpolitische Machtfaktor Armee mehr und mehr ausgeschaltet.

Die nachlassende Strahlkraft der EU, die durch den Brexit beschleunigt wird, lässt die aufstrebenden Märkte und Mächte in Zentralasien und China für Ankara verlockender erscheinen. Mit der EU befindet sich die Türkei ohnehin im Konflikt: Präsident Erdogan warf der EU vor, beim Flüchtlingsdeal bisher nur „symbolische Summen“ überwiesen zu haben, was von der EU-Kommission energisch zurückgewiesen wurde.

Auch im Verhältnis zur USA stehen die Zeichen wegen des Predigers Fethullah Gülen auf Sturm. Ankara baut den 75-Jährigen als Drahtzieher des Putsches auf und fordert seine Auslieferung. Die Wut Erdogans ist gegen den global ausgerichteten Verein Gülens gerichtet. In seinen Reden kündigte Erdogan die „Verfolgung dieses Rivalen bis in seine Höhle“ an. Ferner wurde in AKP-nahen Medien die Meldung lanciert, die USA wären im Vorfeld von den Putschplänen informiert gewesen, was man in Washington scharf dementierte.

Annäherung an Russland

Unterdessen ist Erdogan um eine Aussöhnung mit Russland bemüht, ein Treffen zwischen den beiden Staatsoberhäuptern wurde noch für den August vereinbart. Russische Medien behaupten auch den Grund für die schnelle Annäherung zu kennen: Der russische Geheimdienst soll Erdogan wenige Stunden vor dem Putsch über das Vorhaben des Militärs informiert haben.

Die spannende und für den Westen sogar existenzielle Frage dabei ist, ob das eine radikale Kehrtwende von Ankaras außenpolitischer Doktrin einleiten wird?

So wird darüber spekuliert, ob die Türkei der Schanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SCO) beitreten könnte. Die SCO, der neben China und Russland die mittelasiatischen Republiken Kasachstan, Kirgistan, Tadschikistan und Usbekistan angehören, wurde einst gegründet, um den Einfluss der USA in Zentralasien zu mindern. Eine SCO-Mitgliedschaft wäre wohl deshalb nicht mit einer Mitgliedschaft in der Nato vereinbar.

Die neue Verbündeten: Iran und Assad?

Auch in Richtung Teheran sendet Ankara neuerdings freundliche Signale, nachdem das Verhältnis zwischen der Türkei und Iran aufgrund der unterschiedlichen Positionen im syrischen Bürgerkrieg zuletzt angespannt war.

Teheran und Russland unterstützen den syrischen Staatschef Assad, während Ankara seine Entmachtung forderte – bisher zumindest.

Erdogan, der noch vor einigen Jahren mit den Assads seinen Urlaub verbrachte, ist aber auch hier flexibel. Für die Türkei ist es von größtem Interesse, die syrischen Kurden im Zaum zu halten, um ein Übergreifen des kurdischen Separatismus auf das eigenen Staatsgebiet zu verhindern. Bekommt Ankara diesbezüglich Unterstützung, wird Erdogan auch im syrischen Bürgerkrieg Zugeständnisse machen.

Steht der Bruch mit den USA bevor?

Eine Ausrichtung auf Saudi-Arabien, den Gegner Irans und Verbündeten der USA, mit dem dort verankerten Wahhabismus ist für die türkische Regierung unvorstellbar, ja sogar ein Tabu.

Der Bruch mit den USA, mit denen Ankara früher aufs engste verbunden war, bahnt sich an. Dann aber steht auch die Mitgliedschaft in der Nato auf dem Spiel. Für die Nato ist die Türkei von immenser strategischer Bedeutung. Ob das umgekehrt noch gültig ist, darf bezweifelt werden. Welche politische Position der Westen angesichts der geopolitischen Umbrüche in der Region einnehmen wird, ist zur Stunde höchst ungewiss.

Arndt Reichstätter | Di, 2. August 2016 - 15:28

Zwei Lehren ziehe ich aus der Angelegenheit:

1) Kulturell passen wir eher in eine demokratische, christliche, aufgeklärte Wertegemeinschaft, weswegen wir es Erdogan nicht unbedingt gleich tun sollten.

2) Jedoch ist der militärisch industrielle finanzielle Komplex im Westen so korrupt, so aggressiv, so falsch, dass wir nicht umhin kommen werden, ebenso mit den USA ein Stück weit zu "brechen". Wir sollten dies in dem bedachten Maße tun, wie es etwa die AfD fordert, wenn sie von einer "Einbindung Russlands" spricht.

Hierzu ist allerdings ein Volk bzw. eine Bevölkerung nötig, welches eigene Werte hat. Und leider herrscht bei uns Nihilismus und Ignoranz vor.

Wir brauchen außerdem Selbstbewusstsein, uns gegenüber dem derzeitigen Narrativ zu behaupten, welche die politischen Klasse spinnt.

Es braucht außerdem Mut, eine kurzweilige aber harte Phase der ökonomischen Korrektur durchhalten zu können, welche dann einsetzt, wenn wir das Geldsystem verändern und Bürokratie abbauen.

Europa kann sich nicht einmal selbst verteidigen. Es gibt kaum Jugend, und somit keine Krieger und keine Zukunft. Ohne die USA werden wir zum Spielball Asiens. Europa hat ja nicht einmal mehr einen Überlebenswillen. Gejammer und Schwäche machen keine Kultur aus. Russland ist übrigens mindestens genau so kriegerisch wie die USA. In beiden Ländern wird jedenfalls das Militär verehrt. In Europa wird es von Pazifisten verspottet. Und was erwartet man dann im Krisenfall?

Macht euch nichts vor: Es gibt sie immer noch, die Konfrontation zwischen dem anglo-amerikanischen Kapitalismus und dem sowjetisch kommunistischen Denken Russlands. Lassen wir uns nicht, wie der Hitler, ungewollt zum Büttel anglo-amerikanischer Interessen machen. Wir haben, wie damals, in der Ukraine und auf der Krim nichts zu suchen. Das Deutsche Volk wollte 1945 keinen Krieg mehr. Wenn die USA "ihre Demokratie" ausdehnen wollen, sollen sie das tun "aber ohne uns".

Hallo, Herr Reuter, das wird sich ändern. Merkel und v.d.Leyen arbeiten daran, dass die BW auch im Inneren eingesetzt werde kann. Ich schätze, dass die Politik die Daumenschrauben für die Bevölkerung noch weiter anziehen wird, sodass es zu Protesten kommen kann. Was in Afrika funktioniert hat, so hofft man vielleicht, wird auch funktionieren: Bei Massenprotesten: Bundeswehr.

Pazifisten verspotten nicht die BW. Die kann nichts dazu. Es sind die Regierungen, die Militär wollen. Paraden sind doch schön....

Gottfried Meier | Di, 2. August 2016 - 16:06

Die Türken können sich verbünden, mit wem sie wollen. Wenn sie ihren Weg in die Diktatur weitergehen, werden sie ein wirtschaftliches Desaster erleben und über kurz oder lang erheblich an Bedeutung verlieren. Für die Türken wird es genauso ein grausames Erwachsen geben wie für die Briten nach ihrem Brexit, nur nicht ganz so schnell.

Schabert Albert | Di, 2. August 2016 - 16:11

man muss sie gewinnen.Die Türkei hat keine Freunde mehr.Es war eine Frecheit wie Erdogan sich nach dem Flugzeugabschuss benommen hat.Putin fällt nicht auf Erdogan herein.
Albert Schabert

Wolfgang Neuhuber | Di, 2. August 2016 - 16:20

Vor 100 Jahren gab es zum Ende des Osmanischen Reiches ("der kranke Mann am Bosporus")das Sykes-Picon-Abkommen, in dem die europäischen Mächte England und Frankreich die dortigen Gebiete aufteilten. Damals gab es nur Ahnungen von Erdöl - und kein Israel. Jetzt ist die Lage dort nicht mehr in kitschigem Orientalismus mit Aladdin´s Wunderlampe, fliegenden Teppichen und anderen Märchen aus 1001 Nacht verbrämt, sondern gehorcht brutalen Machtgelüsten, umsetzbar mit hocheffizienter Waffentechnik. Da muß es einem grauen. Auch vor der unheiligen Rolle, die Merkel und EU hier dilettantisch spielten. Keine Spur von Geschichts- und Menschenkenntnis. Und der internationale Tolpatsch USA eiert dort durch die Gegend, wenn er nicht gerade wie eine lame duck im Wahlkampf darnieder hockt.

Jacqueline Gafner | Di, 2. August 2016 - 16:21

selbst Instanbul liegt nur teilweise auf dem europäischen Halbkontinent. Also lasst sie samt Erdogan dahin ziehen, wo sie allein schon geografisch hingehört. Eine fünfte Kolonne an der Süd-Ost-Flanke der NATO birgt mehr Risiken als eine Aussengrenze des Bündnisses, die parallel zur Grenze von Europa als Kulturraum verläuft. Was ferner Russland angeht, so dürfte das Interesse an der Erdogan-Türkei erlahmen, sobald sie ihre Rolle als "Trojanisches Pferd" innerhalb der NATO verliert. Und last but not least dürften sowohl Russland wie der Iran wirtschaftlich weit eher an einem Zugang zum europäischen Markt als an einem wirtschaftlichem Schulterschluss mit dem Schwellenland Türkei und dem zerstörten Syrien interessiert sein. Zum Hyperventilieren besteht - auf Seiten des Westens - somit keinen Anlass.

und wie uns Homer nahebringen könnte, nächstgelegen der europäischen Hochkultur.
In etwa Afghanistan, jedenfalls "runter" bis zum Iran.
Pakistan nicht mehr.
Jedenfalls sind einige -stans zugehörig kulturell-ethnisch zu Kleinasien als Kultur des Mittelmeerraumes und Brücke nach Afrika/Israel, einige zu Russland und auch zu Indien.
China hat es mehr mit der Mongolei/Japan
Es ist sehr sinnvoll seitens der Türkei, sich in dem oben beschriebenen Verbund zu engagieren.
Vielleicht dämmert es selbst Erdogan, dass die USA auch einmal ein Klotz am Bein sein könnten.
Ansonsten hätte ich vorgeschlagen, dass darüber nachhaltig der Nahe Osten stabilisiert wird.
Der Türkei steht die sehr nahe Verbindung zu Europa sehr wohl zu, nur lasse "ich" mich weder besiedeln noch in Konflikte des N./W Osten->(<-)USA hineinziehen.
Allerdings traue ich Erdogan nicht zu, derjenige zu sein, der über diese versch. Verbünde die Türkei wieder stark machen würde.
Hitler hatte alle Möglichkeiten und? Grauen

peter hauser | Di, 2. August 2016 - 16:54

Ich gewinne zunehmenden Respekt für jene- alle, die sich als Journalien immer äußern müssen, über was?

Nun ja, sie verdienen dadurch Geld, sind aber wohl verpflichtet "irgendwie"(?) ehlich zu sein.
Im< Hier und Jetzt> wird Vieles "entschuldiegt", doch wie schnell vermischt sich Ansicht mit Objektivität ?

Die Zeit heilt alle Wunden......:-)

Sonja Menzel | Di, 2. August 2016 - 17:35

Deshalb lese ich cicero: Dieser Journalismus gefällt mir; einst-lang ist es her - zeichnete es auch Spiegel und Stern aus gut zu informieren ..anders offen u. ehrlich zu sein, hinter die Vorhänge zu gucken und in dreckige Ecken. Heute nurnoch fast einheitliche Hofbericherstattung. Hier von SCO zu lesen ...dass einst Assad und Erdogan offensichtlich sehr vertraut waren ...dass Türkei sich auf Asien konzentrieren könnte ...hochinteressant. Selbst amerikanische Ökonomen sehen die Zukunft der Welt in Asien ...las ich in einer Zeitung aus Österreich. Deshalb ist auch die Sanktionspolitik gegen die Russen für unsere Wirtschaft/die Europas gefährlich für unsere Zukunft. China investiert im großen Stil im Osten Russlands, große Teile Russlands liegen in Asien ..unsere Wirtschaft weiß das und muss sich dieser fanatischen Merkelpolitik beugen während die Umsätze zwischen amerikanischen u. russ. Unternehmengestiegen sind.

Ich stimme ihnen zu. Ich bin auch vom unerträglichen Spiegel über den Focus zu diesem Magazin gewechselt. Wir haben geschäftlich Indien + China zu tun. Die Zukunft findet in Asien statt, gegen diese Entwicklung besonders in den Städten hat Frankfurt / Köln / München Vorortcharakter. Flughäfen werden in 1-2 Jahren aus dem Boden gestampft. Es werden sich andere Allianzen bilden und Verlierer wird die Merkel EU sein. Die USA haben sich schon lange anders orientiert, die EU ohne TTIP sowieso uninteressant.

Wolfgang Henning | Di, 2. August 2016 - 18:03

Die Türkei entwickelt sich zum autokratisch, fundamentalistisch, diktatorischen Staat. Sie wird sich ihre Freunde unter seinesgleichen suchen. Sie war nie ein europäisches Land und will es offensichtlich auch nicht werden. Die Anhänger dieses "System Erdogan" sollten ihn im eigenen Land unterstützen, aber nicht versuchen, diese Machtkämpfe in europäisch, demokratische Staaten zu tragen.

Walter Wust | Di, 2. August 2016 - 18:24

Eine Feststellung, die mir nur bestätigt, daß Erdogan bei seinen Wurzeln bleibt. Alle Sprüche, wie der Islam gehört zu Deutschland oder Grenzen passen nicht in eine globale Weltpolitik, haben in seinem Denken nie einen Platz gefunden. Solange Europa ihm wirtschaftlich nutzen kann, wird er sich irgendwie arrangieren, aber politisch wird er sich in dieses Brüsseler wischiwaschi niemals einbinden lassen. Die Nato-Mitgliedschaft ist für Erdogan nur mit einem starken Amerika interessant, nur dieses macht neuerdings auch eher Anstalten, sich seiner finanziellen Sorgenkinder zu entledigen. Wie Europa ohne die finanzielle Hilfe Amerikas diese Nato-Kosten stemmen will, zumal Großbrittanien sein Budget auch eher verschlanken dürfte, bleibt auf jeden Fall eine offene Rechnung. Wir schaffen das.

Max Neubauer | Di, 2. August 2016 - 18:29

Was ist in Incirlik los?Da lohnt sich doch eine Reportage vor Ort?
1 http://www.treffpunkteuropa.de/unklarheit-uber-lage-am-turkischen-nato-…
2
http://m.spiegel.de/politik/ausland/a-1105810.html#spRedirectedFrom=www…
3
http://de.sputniknews.com/panorama/20160731/311869162/tuerkei-incirlik-…
4
http://www.welt.de/politik/ausland/article155545100/Russland-will-an-de…
Man weiß doch,dass es Putin um atomares Gleichgewicht geht & Incirlik da ein Hotspot ist:Ab 2007 hat er ja angekündigt,dass strategisch vor dem Hintergrund der nuklear-tektonischen Tendenz zu Neutralisierung Russlands,das offenbar (?)unterliegt,er die Option assymetrischen Gegendrucks wählt&auf Friktionen setzt (bloß 0815-Clausewitz):Warum genau hat USA&EU an integrativer Einbindung Russlands mehr zu verlieren als zu gewinnen?Konkrete Argumente +/- abseits allseits politisierter Narrative?

Peter Ripken | Di, 2. August 2016 - 20:40

Die EU ist hin- und hergerissen in der Frage, wie sie mit der Türkei und ihrem Autokraten Erdogan umgehen soll.
Die viel interessantere Frage ist noch gar nicht gestellt: Wie sinnvoll ist eigentlich die Mitgliedschaft der Türkei in der NATO? Ein Staat, der über Jahre hinweg nicht nur den Rechtsstaat mit Füssen tritt, sondern auch mehr oder minder offen den IS unterstützt oder toleriert, hat in der NATO nichts zu suchen.

Peter Ripken | Di, 2. August 2016 - 20:52

Die EU zackert fleissig über ihr Verhöltnis zur Turkei. Dabei ist ziemlich klar, dass Erdogan gar nicht ein besseres Verhältnis zu Europa will.
Das Problem, dass die Türkei immer noch Mitglied der NATO ist, wird leider außen vor gelassen. Eine derartige Autokratie mit einer Armee, die türkische Staatsbürger (Kurden) töten soll, hat in der NATO nichts mehr verloren.
Diese Frage gehört dringlich auf die internationale Tegesordnung.

Marc Billings | Di, 2. August 2016 - 21:07

Was macht Saudi Arabien zum Verbündeten der USA und umgekehrt? Was ist der Klebstoff? Das eine Land, mit einem der größten Erdölvorkommen der Welt und der strengsten Auslegung des Koran, sowie das andere Land, mit der größten Pornoindustrie der Welt (u.a)?
Vielleicht ist das auch gar nicht so wichtig, was diese beiden höchst unterschiedlichen Länder zusammen hält, sondern vielmehr, wie lange dieser ominöse Klebstoff noch halten wird -

Nun zu Assad: Der wird seine Komplizenschaft mit Putin nur so lange genießen können/dürfen, bis dieser „Mohr“ seine Schuldigkeit getan hat. Danach geht’s dann ganz schnell, mit Assad: Nein, dieses mal nicht mit Polonium, sondern mit ein paar Milligramm Succinylcholin - Die Russen sind ja lernfähig, was nachweisbar ist und was nicht. (s. Quelle: Tom Clancy „Dead or Alive“ ;-)

das Sie uns das genaue Datum des Überfalls , vom russischen Bären, nicht mitteilen können.

Goggeln Sie einfach mal: Armageddon....Dreistromland.

Die Vorhut ist schon hier.

Wolfgang Tröbner | Mi, 3. August 2016 - 10:11

"Für die Türkei ist es von größtem Interesse, die syrischen Kurden im Zaum zu halten, um ein Übergreifen des kurdischen Separatismus auf das eigenen Staatsgebiet zu verhindern. Bekommt Ankara diesbezüglich Unterstützung, wird Erdogan auch im syrischen Bürgerkrieg Zugeständnisse machen."

Vor diesem Hintergrund machen auch der Flüchtlingsdeal Merkels mit Erdogan und die vereinbarte Visafreiheit mit der Türkei Sinn. Erdogan übernimmt von Assad die syrischen Kurden und verkauft sie direkt weiter an die EU (Deutschland). Einen Teil der von der EU überwiesenen Milliarden wird Erdogan vermutlich direkt an Assad weiterleiten. Im Zuge der vereinbarten Visafreiheit mit der Türkei können dann auch alle türkischen Kurden aus der Türkei ausreisen und in der EU Asylanträge stellen.

Somit sind Assad und auch Erdogan die ihnen lästigen Kurden los und bekommen noch Geld dafür. Wenn das kein perfekter Deal ist.

Das nennt man vom Ende her denken.

Dorothee Sehrt-Irrek | Mi, 3. August 2016 - 13:27

..."die zunehmende Liberalisierung, darunter auch das Erstarken der Religion" wurde in etwa misstrauisch vom Militär gesehen, das auf Staatlichkeit und Laizismus hielt?
Das erkläre mir einmal jemand.
Weshalb dann Erdogan mit dem Militär aneinandergeriet??? Wollte er doch, was bitte, den Islam zu einer Religion im westl. Sinne ausbauen?
Atatürk war westlich.
Der Artikel, aber er ist nicht der erster seiner schlechten Art, ist m.E. unlogisch aufgebaut und meint eher das Gegenteil von dem, was er sagt.
Kurz, hoffentlich orientiert sich die Türkei nach Asien. Ich vermute aber hauptsächlich, um dort zu unterwandern und Brückenköpfe zu schlagen.
Extrem unerfreulich diese Entwicklung der Türkei, aber seit Erdogan m.E. abzusehen.
Freundliche Nachbarschaft auf Abstand.
Aber dann leiden wenigstens auch andere und nicht nur Europa.
Unglaublich, uns Lesern weissmachen zu wollen, Erdogan würde wieder mit Putin und Assad.
Wie, seit gestern?
So etwas ist für mich kein seriöser Artikel.

Thomas Robert Rausch | Mi, 3. August 2016 - 16:46

Auch Russland wird die Rechnungen einer als hoch Risiko Land eingestuften Türkei mit fehlender Investitionskraft und Einkommensausfällen nicht bezahlen. Das Land gerät dadurch immer weiter in den Sog radikaler Kleriker, weil sich das Rad einer "Revolution" nach dem Putsch nur drehen lässt, wenn neue Opfer enteigent werden.
Putin wird sich das auf die Dauer nicht an tun, denn auch er wird sich mittelfristig keine islamische Aufstände und Terror in sein Land holen wollen. Das aber blüht ihm , wenn er den Kampf gegen den IS so führt wie Erdogan: auf dem extremistisch religiösen Auge blind. An Russlands Grenze befinden sich genug Turkvölker die einem osmanischen Wiederauferstehen hoffnungsvoll gegen über stehen. Auch die Saudis ,Sunniten wie die Türken, bieten sich in ihrer Radikalität als Verbündetet der Türken an.Beide erhebich wirtschaftlich und politisch auf dem Pulverfass. Die Region in brand zu setzen ist da für eine Revolution sehr verlockend.

Bernd Fischer | Mi, 3. August 2016 - 17:29

Schade das Sie über Peter Scholl-Latour
nur geschrieben haben , ihm aber wahrscheinlich damals nicht richtig zugehört haben, oder die falschen ( seichten ) Fragen gestellt haben.

Würde er noch Leben ( Er ruhe in Frieden ) , würde er Sie sicherlich anrufen und folgendes sagen : Mein Junge du hast mir damals schon nicht richtig zugehört, und jetzt schreibst Du solch einen Beitrag.

Harry Pull | Mi, 3. August 2016 - 19:51

Der weitaus größte Teil der Türkei liegt in Asien, Kleinasien um genau zu sein. Es ist ein orientalisches Volk mit einer anden Mentalität, anderen Denkstrukturen als wir sie in Mitteleuropa pflegen. Der Islam als Staatsreligion rückt in der gesamten Region mehr in den Vordergrund. Wir, der Westen, passen nicht dazu und umgekehrt die Türkei nicht zu uns. Trotz aller geostrategischen Interessen sollten wir das akzeptieren.

Karola Schramm | Do, 4. August 2016 - 14:21

Ein geostrategischer Umbau der ganzen Welt findet statt. Es geht um die USA, die Weltmacht werden und für immer bleiben will. Sie fühlt sich wie ein auserwähltes Volk und muss immer wieder ihre Dominanz beweisen.
Die Türkei ist auf dem Weg in eine muslimische Diktatur. Erdogan, sieht man in seine Vita, hat an der Imam-Hatip-Schule - religiös orientiertes Fachgymnasium, das Fachabitur für Imame erhalten. Somit ist er ein linientreuer Moslem und wird sich an die Gesetze der Scharia halten.

Letztendlich suchen sich immer wieder alle Politiker Verbündete, mit denen sie - immer auf Gegenseitigkeit - ihre eigenen Interessen durchsetzen können. Das ist auch richtig, denn eine Weltmacht, die vorgibt, was der Rest der Welt zu tun und zu lassen hat, wird von den Bevölkerungen weltweit nicht akzeptiert. Das Wachstum, sowohl in wirschaftlicher, als auch spirituell-geistiger Hinsicht ist in allen Ländern unterschiedlich. Eine Eine-Weltregierung jedenfalls würde die Welt zugrunde richten.

Gunter Lange | Do, 4. August 2016 - 18:22

Politik hat viel mit Schachspiel gemeinsam
Statt das damailge Angebot Putins nach Zusammenarbeit und Integration Russlands in das europäische Projekt anzunehmen, beugte sich Europa den Weltbeherrschungswünschen Amerikas mit der Umklammerung durch die EU-und Natoerweiterung und demütigte das schon am Boden liegende russische Volk. Iran wird gedemütigt durch immer noch anhaltende Sanktionen von Amerika, trotz Atomwaffenverzicht. Auch der arabische Frühling und das Hochhalten der Beziehungen mit einem viel autokratischerem, wahhabistischen Saudiarabien sind westliche Fehleinschätzungen.
Jetzt "erntet" Europa die Schachspiel-Spezialisten Erdogan und Putin, die man in ihren Wünschen, Zielen und Strategien schon Jahre zuvor hätte studieren können und müssen. Rom wurde nicht besiegt. Es ist an der Saturiertheit seiner Eliten untergegangen. Die Gleichung" Wir wollen eure Rohstoffe, Technologien und euren Markt und bieten euch dafür Krieg und den Gedanken der Demokratie" geht nie auf.

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